Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 03.09.2012

Heute mal was von einem Propheten:

Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun (Hesekiel 11, 19.20)

Das Herz ist im Alten Testament Sitz des Verstandes. Gott verwandelt Gedanken grundlegend.

Habe ich den Eindruck, er hat das auch schonmal bei mir getan? Wenn ja, wie war das?
Bin ich bereit dafür, das auch in Zukunft zu erfahren?

 

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 01.03.2012 (Ps. 48, 15)

Dieser ist Gott, unser Gott, und er wird uns führen bis zum Tod.

Der heutige Losungstext ist wieder ein Psalmvers, der letzte Vers des 48. Psalms, um ganz genau zu sein. In ihm wird in den Versen 1-8 zunächst die Größe Gottes thematisiert und der Schutz, den er dem Berg Zion angedeihen lässt. Zunächst wird in den Versen 2-4 die Größe Gottes geschildert. Die Verse 5-8 schildern, warum diese Größe erkannt wurde. Die Könige waren zum Angriff auf Zion zusammengekommen (Vgl. V. 5), müssen diesen Angriff aber voller Schrecken abbrechen. Sie geraten in panische Furcht und Gott zertrümmert Schiffe. In V. 9 wird deutlich, dass es sich bei diesem Teil des Psalmes um eine Rückblende handelt. Was die Beter einst gehört haben, das haben sie nun gesehen. Der Psalm geht über in ein Loben Gottes. Am Schluss des 14. Verses schließlich wird deutlich, wozu der 15. Vers eigentlich dient. Denn in V. 14 heißt es: „Durchschreitet seine Paläste, damit ihr dem zukünftigen Geschlecht erzählet“. Was sie erzählen sollen, wird in V. 15 gesagt, der heute Losungstext ist: „Dieser ist Gott, unser Gott für immer, und er wird uns führen bis zum Tod.

In dem Psalm wird ein Zeitbogen geschlagen. Von der Vergangenheit, in der sich Gott als mächtig erwiesen hat und seinem Berg Zion Schutz angedeihen lässt, über die Gegenwart der Psalmisten, in die Zukunft, in der die Größe Gottes nicht in Vergessenheit geraten soll. Auch in Zukunft soll bekannt werden: Dies ist Gott, unser Gott für immer, und er wird uns führen bis zum Tod.

Gott wird uns führen bis zum Tod. Und was ist danach? Darüber schweigt der Text. Nach meinem Kenntnisstand war eine damalige Vorstellung, dass Gottes Macht im Todesreich endet. Dieser Text scheint entweder aus dieser Einstellung heraus geschrieben worden zu sein. Vielleicht war es aber dem Psalmisten auch nicht ganz so wichtig, was denn nach dem Tod kommt.

Noch einmal zum Zeitbogen des Psalmisten zurück. Er will, dass bis in die Zukunft bekannt wird:

Dieser ist Gott, unser Gott für immer, er wird uns führen bis zum Tod.

Es ist offenkundig, dass der Wunsch des Psalmisten erfüllt wurde. Bis heute wurden diese Sätze überliefert. Ich wüsste gerne, ob das, was vor 100 oder 200 Jahren geschrieben wurde, ob dem, was wir heute so schreiben und was als große Literatur angesehen wird, eine so lange Überlieferungszeit vergönnt sein wird. Die Zukunft wird es zeigen. In der Gegenwart gilt, worauf wir in der Passionszeit hinleben: Christus ist am Kreuz gestorben und drei Tage später auferstanden. Nun führt uns Gott auch über den Tod hinaus.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 27.02.2012 (Ps. 22, 28)

1)Es werden gedenken und umkehren zu JHWH alle Enden der Erde 2)und es werden sich anbetend niederwerfen vor dir alle Geschlechter der Heiden.

Ich finde an diesem Vers spannend, auf wie vielen Ebenen hier gesprochen wird.  Mir stellte sich sofort die Frage, wessen gedacht wird (Sollte mein ehemaliger Latein&Griechischlehrer einmal diese Zeilen lesen: Schöne Grüße, ich habe das mit den Valenzzäunen verinnerlicht …) Aufgrund der engen Verbindung zu umkehren vermute ich, dass „JWHWs gedenken“ gemeint ist. In Verbindung mit „alle Enden der Erde“ gelesen heißt das: Weltumfassend wird JHWHs gedacht und zu ihm umgekehrt. Es wird also auf einer geographischen (weltumfassend) und einer religiösen (Umkehr zu JHWH) Ebene gesprochen.

Dass „alle Geschlechter der Heiden“ anbetend niederfallen werden, präzisiert und erweitert den in 1 genannten Sachverhalt. Wenn ich das richtig sehe, so ist der Begriff „Geschlecht“ zeitübergreifend in die Zukunft weisend. Wenn z.B. in Gen 12, 3 Abraham durch JHWH zugesagt wird: In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde, sind damit nicht nur die gegenwärtigen, sondern auch die zukünftigen Geschlechter gemeint. Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, zu prüfen, ob „Geschlecht“ auch in die Vergangenheit reicht. Es lässt sich aber schon festhalten: Neben der geographischen und religiösen wird auch auf der zeitlichen Ebene gesprochen. Doch auch die schon zuvor angeklungene religiöse Ebene wird wieder aufgegriffen. Denn „Heiden“ bezeichnet im Alten Testament aus jüdischer Sicht alle Völker, die nicht jüdisch sind. Auch sie werden also nach diesem Psalm JHWH anbeten.

Nimmt man nun alle Ebenen (geographisch, zeitlich, religiös) zusammen in den Blick, so bedeutet das: Der Psalmist geht davon aus, dass es eine Zeit geben wird, in der über alle gegegenwärtigen und religiösen Grenzen hinweg JHWH angebetet werden wird. Eine nicht nur interreligiöse und internationale, sondern auch universale Perspektive, die ich spannend finde.

Das Wort zum Tag

Tageslosung für Mittwoch, 15.2.2012 (Gen 6, 9)

„Noah, ein frommer Mann, war ohne Tadel zu seinen Zeiten, mit Gott wandelte Noah“

Da ja biblische Namen oft „sprechende Namen“ sind, habe ich mal nachvollzogen, wo der Name Noah seinen Ursprung hat. Dabei bin ich auf das Verb nwch (für die, die des Hebräischen mächtig sind: mit chet am Ende, weiß nur nicht, wie ich das hier schreiben kann) gestoßen, was – grob übersetzt – ruhen lassen, zur Ruhe bringen/kommen, Ruhe schaffen bedeutet. Mit dem gleichen Wort wird in Gen 8,4 auch geschildert, dass die Arche auf dem Berg Ararat aufsetzt. Führt man sich vor Augen, dass das Element „ruhen/ausruhen“  im AT ein breites Wortfeld aufweist (Vgl. Preuß S. 299 in Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament Band V) und „Ruhen bzw. die Ruhe at. lich. gesehen Heilsgut ist“ (a.a. O. S. 300) eröffnet dies interessante Perspektiven auf den Namen Noah:

1. Es ist aus meiner Sicht nicht ganz von der Hand zu weisen, dass hier bereits im Namen Heilshandeln angedeutet wird. Eine erste Spur davon ist bereits darin zu sehen, dass in V. 8 – entgegen sonstiger hebräischer Syntax – das Subjekt, Noah, vorangestellt wird. Schon durch den Ursprung des Namens Noah im semantischen Umfeld der Ruhe wird Heilsgut angekündigt, das „Heilsvokabular“ wird noch deutlicher darin,  dass Noah Gnade findet vor Gott.

2. Noah kann als „Ruhepol“ in einer verderbten Welt gesehen werden. Dieser Ruhepol steht in enger Beziehung zu Gott, er zeichnet sich durch Frömmigkeit aus. Sein Dasein als Ruhepol und Zeichen für Heilshandeln Gottes aber führt gerade nicht in Passivität, wie der Bau der Arche zeigt. Es hat vielmehr zur Folge, dass Noah aktiv wird. Aus der Kombination von Gottes Auftrag und Noahs Frömmigkeit ist, erwächst neues Leben, erwächst Zukunft. Vielleicht kann das ein Maßstab sein für verantwortlich gelebte Frömmigkeit: Die Frage, ob aus meiner Frömmigkeit, meinem Bezug auf Gott, Leben und Zukunft hervorgeht oder nicht.