Gesellschaft

Der gemeine Deutsche

Denk ich an Deutschland in der Nacht…

In der Nacht bin ich aufgewacht, naja, es war halt noch dunkel draußen, aber um 7 kann man schon aufstehen, und da der Wecker ein Radiowecker ist, kamen auch gleich die Nachrichten. Die tägliche Demotivation vorm Aufstehen oder so…

Jedenfalls wurde ich darüber informiert, daß der Deutschen wichtigestes Problem zur Zeit die Zuwanderung ist (nachzulesen ist dat Janze auch hier nochmal, das ZDF verlink ich jetzt nicht, weil die müssen ja irgendwann depublizieren).

Die ganze Problemlage um Datenschutz und Sammellust der Geheimdienste ist weniger ein Problem (und das, obwohl doch das Handy der lieben Angie abgehört wurde! Ist das der Anfang vom Ende der Beliebtheit? Es wird wohl ein langes Ende sein – beliebteste Politikerin ist sie immer noch, die Zustimmung ist sogar gestiegen).

Ganz ehrlich: Ich verstehe meine Landsleute nicht. Ich mein das mit der Zustimmung zu Angie schon gar nicht. Hat die in den letzten 9 Jahren was produktiv gemacht? Also außer hohle Phrasen gedroschen? Bei Schröder war wenigstns alles Chefsache und man wußte: Hartz IV, da ist der Gerd schuld dran. Auch wenn es nicht gut war, er hat wenigstens was getan! Bei Angie könnte ich da nichts benennen, was ihr (und nicht irgend einem Fachminister) zugesprochen werden könnte. Außer vielleicht die klare Zustimmung zu Stuttgart 21, aber das ist ja auch schon wieder vergessen, und das mit der Gewalt gegen die Demonstranten, das waren wieder andere…

Darum geht es mir gar nicht.

Mir geht es um die Zuwanderung. Ich meine: Echt jetzt? Wir sind das so ziemlich reichste Land der EU, das dank Niedriglohnsektor und Zurückhaltung der Gewerkschaften etc im europäischen Vergleich recht gut dasteht, und da wundert man sich, daß da Leute kommen? Und dann soll das auch noch ein Problem sein? Ich mein, gut, wenn die Städter zu uns aufs Dorf ziehen und erst mal Gerichtsverfahren anstrengen um Nachbars Hahn vorzuschreiben, ab wann in Deutschland gekräht werden darf, dann würd ich die Grenzen auch gerne dicht machen, aber es geht denen ja nicht um Zuwanderung aus der Nachbarstadt…

Mal im Ernst: Gab es nicht ne wahnsinnige Panikmache damals, Anno 2004 bei der großen Osterweiterung der EU? Hieß es nicht, wenn die Freizüggigkeit kommt, werden uns Polen, Tschechen und wie sie alle heißen überfluten, uns die Jobs nehmen und was uns sonst noch bleibt, klauen? Ist das eingetreten? Ich aknn jedenfalls nichts davon erkennen, aber es ist ja auch schon 10 Jahre her und an die Panikmache erinnert sich auch keiner mehr. Aber jetzt ist alles noch viel schlimmer, weil Bulgaren und Rumänen, das ist ja noch viel schlimmer als Polen und Tschechen! Warum? Das weiß ich auch nicht, ist aber sicher so, weil es ist ja ein großes Problem, wenn die hierher ziehen.

Komisch finde ich ja, daß diejenigen, die diese Ängste haben, meist überhaupt nicht die Ängste eben jener Polen oder sonstigen östlichen Mitbürger verstehen können, was den Grundstückserwerb von Deutschen in ihren Ländern angeht… jaaa, vor uns Deutschen muß man ja keine Angst haben! Wann haben wir schon mal Probleme gemacht in der Welt…? Ach so… da war doch was…

Derweil die Geheimdienste, was ist dabei schon das Problem? Wer nix zu verbergen hat, muß doch keine Angst haben, nicht wahr? Außerdem sind die ja nur hinter den Terroristen her. Und Terroristen, das sind ja die Bösen. Oder nicht?

Nun ja, mag man einwenden, wer Böse ist, liegt im Auge des Betrachters. Nur weil wir in Deutschland die Angie mögen (also nicht alle, ich nicht, aber mehrheitlich halt) mögen die Griechen (also auch mehrheitlich, glaub ich, zumindest das, was man in den Medien so mitkriegt, aber wer weiß schon wie repräsentativ das ist?) sie noch lange nicht. Ist sie nun eine Terroristin? Das würde vielleicht erklären, wieso ihr Handy abgehört…? Arbeiten bei der NSA eigentlich auch griechischstämmige Amerikaner?

Was tun wir eigentlich, wenn wir morgen die Terroristen sind? Jetzt im Ernst? Ich mein, ich hab ja nicht vor, irgendwelche Bomben zu legen, wieso auch? Mir geht es vergleichsweise gut, also etwa verglichen mit einem Angehörigen der Roma-Minderheit (vulgo „Zigeuner“) in Rumänien. Der will aber auch keine Bomben legen, sondern vielleicht nur in Deutschland nach ner Arbeit suchen, Steuern zahlen, sich integrieren… das was Zuwanderer halt so machen.

Aber was weiß ich, vielleicht findet irgend ein Geheimdienst ja mal „Hinweise“ darauf, daß ich Bomben bauen gewollt hätte – oder so. Und dann geht das ganz schnell, mit der nationalen Sicherheit, ich mein, sicher ist sicher, und die haben ja die Beweise, nur müssen sie sie nicht unbedingt rausrücken, weil nationale Sicherheit (oder hab ich zu viele amerikanische Filme gesehen? Nein, nur zu viel Westenhagen gehört, aber der ist ja auch Zuwanderer. Nach England. Ist der jetzt auch ein Terrorist?)…

Was also lernen wir aus dem Ganzen? Der gemeine Deutsche hat mehr Angst vor Zigeunern als davor, daß seine Bürgerrechte untergraben werden.

Sollte eigentlich nicht überraschen, Geschichte wiederholt sich ja angeblich. Allerdings stellt sich mir ne andere Frage:

 

Angenommen, ich hätte damals gelebt, was hätte ich gemacht?

Und was mach ich heute?

Netzfunde

Netzfunde vom Mittwoch, dem 17. April 2013

Hallo allerseits. Heute gibt es mal wieder Netzfunde. Habt Ihr Euch auch manchmal gefragt, was der Code, der auf Bildern bei Zeitungsartikeln über Hacker eigentlich so bedeutet. Es gab wohl öfters immer wieder das gleiche Bild mit dem gleichen Bildschirm mit dem gleichen Quellcode drauf. Die Geschichte dazu findet Ihr hier.

Netzpolitik hat wohl nach Spenden gefragt. Und Antworten bekommen. Davon gibt’s jetzt ne Best Of zu lesen.

A propos wirre Ansichten. Was so alles gaga ist, erfahren wir bei „Die Wahrheit über die Wahrheit“.

Lynn schreibt über slut-shaming im purity movement. Also quasi Schlampenbeschämung in der Reinheitsbewegung. Es geht darum, daß in gewissen christlichen Kreisen propagiert wird, erst nach der Eheschließung Sex zu haben. Um dieses Ideal bei ihren Anhängern durchzusetzen (und wohl auch zur Selbstvergewisserung?) werden alle, die dem Ideal nicht entsprechen, niedergemacht (beschämt – wobei der Ausdruck doch sehr brav anmutet wenn man bedenkt, was da geschieht). Lynn kann das alles viel besser erklären…

Ach ja, Church Sign Fails gibt’s auch wieder.

Daß Senioren gerne Technik wollen, und zwar auch in der Kirche, und das auch ganz natürlich finden, kann man bei Heiko Kuschel lesen.

Thematisch paßt dazu der Artikel bei Haltungsturnen, nach dem Facebook ein alte Leute Medium ist.

Da wir grad bei Serien waren: Es gibt auch ne neue Ausgabe Religion im Web.

Lana schreibt darüber, wie ihr eigentlich calvinistisch-fundamentalistischer Jugendglaube eigentlich und an sich ein Deismus war. Interessant finde ich das vor dem Hintergrund, daß von Seiten der „Neuen Atheisten“ ja oftmals scharf unterschieden wird zwischen Deisten (die waren gar nicht soo schlimm, weil ja auch einige Aufklärer Deisten waren) und „echten“ Religiösen (womit sie Fundamentalisten meinen, wer nicht fundamentalistisch ist und trotzdem glaubt ist Wischi-Waschi Christ und nicht ernst zu nehmen). Wenn jetzt Deisten und Fundamentalisten sich näher stehen als gedacht, müssen die Atheisten jetzt die Deisten auch ablehnen (und damit vielleicht auch diese ganzen Aufklärungsgedanken, die sie sonst so hochhalten, wenn auch vielleicht mehr im Wort als in der Tat), oder müssen sie ihre scharfe Ablehnung des Funamentalismus relativieren (und sich vielleicht ma diese Wischi-Waschi Christen besser vorknöpfen, diese Häretiker ;))?

Von Lana hätte ich noch nen Artikel anzubieten: Und zwar geht es darum, wie ihre Eltern über den Heimunterricht zum Fundamentalismus kamen.  Für diejenigen, die hierzulade für die Legalisierung des Heimunterrichts werben sicher eine veritable Quelle, um aus den Problemen dort zu lernen und Systeme zu propagieren, die dem entgegenwirken.

Zum Thema Fundamentalismus paßt vielleicht auch der neuste Artikel von Michael Blume. Darin geht es um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, und wieso Menschen sich gegen „Gutmenschen“ und deren „political correctness“ sowie „Zigeuner“ oder sonstige Gruppen positionieren. Davon kommen wir alle wohl nicht ganz los. Umso wichtiger ist es IMHO, das zu reflektieren.

Wenn es beim Herrn Alipius um „political correctness“ geht, dann sehe ich da keine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit am Werk. Oder doch? Liegt meine Zustimmung zur Ablehnung der „political correctness“ wie sie hier erfahren wird, nämlich als Keule gegen konservativer denkende (und Handelnde) Menschen? Ich hab mich über die Abschaffung der Neger bei Pipi Langstrumpf auch geärgert. Andererseits ist es manchmal vielleicht nötig, Unterschiede „hochzujazzen“, weil sie mit bestimmten Sensibilitäten zusammenhängen. Alle einfach nur gleich zu behandeln, halte ich für falsch, wie ich schonmal geschrieben hatte. Allerdings würde ich auch lieber von gutem Benehmen sprechen, statt von political correctness. Selbst auf die Gefahr hin, daß einige unter „gutem Benehmen“ in Anschluß an frühere Zeiten vor allem Oberflächlichkeiten verstehen, wie Ellenbogen vom Tisch und so weiter. Aber vielleicht seh ich hier auch Probleme, wo gar keine sind.

Ein recht interessantes Projekt ist bei katholisch.de beschrieben (via). Da hat sich jemand die Mühe gemacht, Wortwolken aus den Büchern der Bibel zu erstellen. Das Ergebnis macht nen interessanten Eindruck und ich überleg mir echt, das Buch dazu zu kaufen. Achja, ne eigene Internetseite zu dem Projekt gibt es auch schon.

Eric Djebe ist bei seinem Basisdiskurs Religion bei Artikel 36 angelangt. Es geht um Quantenphysik, Wissenschaftlichkeit, Stochastik, Chaostheorie, und wie das alles mit dem Glauben zusammenhängt. Schwer zusammenzufassen, aber lest selbst.

Über die wahre Bedeutung des Apokalyptischen werden wir bei Biblische Ausbildung aufgeklärt.

Und bei Fire and Rain geht es um die „Homo-Ehe“.