Gesellschaft

Frauenbild?

Es soll ja in diesem unseren Land Menschen geben, die Muslimen generell ein Frauenbild unterstellen, bei dem die Frau vor allem dem Manne zu dienen hat oder dergleichen.

Auf Twitter begegnete mir die Tage folgendes Bild (gepostet von einer Frau):

Auf dem Bild zu sehen ist eine leicht bekleidete Dame und folgender Text:

Ich halte wenig von zu viel Rücksichtnahme auf die vermeintlich religiösen Gefühle unserer Gäste.
Im Gegenteil:
Der Kulturschock sollte ihnen schnellstens um die Ohren Fliegen.

Das und nur das ist Integration.

Daß jemand gefordert hätte, Frauen sollten sich wegen der Flüchtlinge stärker bedecken, ist mir bisher noch nicht untergekommen. Sicher gibt es Menschen, die leicht bekleideten Frauen Schimpfwörter an den Kopf knallen – eben wegen der Kleidung. Aber die gab es schon lange, bevor die Flüchtlinge kamen. Deutsche konnten früher schon Opfern von Vergewaltigungen die Schuld geben mit den Worten „Ja so wie Du angezogen bist…“. Eine Veränderung nehme ich da erst wahr, seit man damit Stimmung gegen Flüchtlinge machen kann, also so in etwa seit letzten Silvester.

Und es gibt ja auch durchaus viele Menschen, die die Forderung nach leichter Bekleidung bei Frauen kritisch sehen. Dahinter steht eben auch ein fragliches Frauenbild, wenn die Frauen immer sexy auszusehen haben und vielleicht sogar ein Teil der Wertschätzung davon abhängt, wie sie aussehen bzw sich anziehen.

Frauenfeindlich ist so etwas, wenn nicht die Leistung zählt, oder die Persönlichkeit, sondern das Aussehen, wenn Frauen als Püppchen zu funktionieren haben.

Nur ist es nicht immer so. Manche Frau fühlt sich vielleicht einfach nur wohl in Kleidung, über die andere die Nase rümpfen würden. Es ist Teil unserer Freiheit, daß sie die Kleidung selbst wählen können (und daß andere die Nase rümpfen können). Doch sobald jemand versucht, ein Verbot durchzusetzen, hat es sich mit der Freiheit. Denn was ich anziehe ist meine Sache. Da hat mir niemand etwas zu verbieten.

Und wenn eine Frau gerne eine Burka anziehen möchte – aus welchen Gründen auch immer – dann sehe ich keinen Grund, der ein Vebrot rechtfertigen würde. Jedenfalls nicht, so lange nicht auch in gleicher Weise über ein Verbot von Bikinis nachgedacht wird.

Was Frauen selbst anziehen wollen, ist ihre Sache. Man kann darüber denken, was man will, aber das war es dann auch.

Wenn Druck ausgeübt wird, bestimmte Kleider anzuziehen, sei es nun ein Bikini oder eine Burka oder ein Spongebob Kostüm, dann ist das von Übel. Und zwar in gleicher Weise.

Insofern kann meinetwegen jeder sich wünschen, daß den Flüchtlingen der Kulturschock um die Ohren fliegt. Aber dann soll er bitte nicht maulen, wenn er ebenso kulturgeschockt wird durch die andersartige Kleidung der Flüchtlinge.

Unser freiheitlicher Rechtsstaat schreibt keine Kultur fest. Es gehört inhärent zu unserer westlichen Freiheit, daß wir über unsere Kultur oder Subkultur selbst entscheiden können. Wenn mir danach ist, färbe ich mir morgen die Haare grün – und außer mir geht es niemanden etwas an.

Wer das nicht versteht, wer das nicht aushalten kann, der verteidigt nicht unsere westlichen Werte, sondern tritt sie mit Füßen, ob es sich nun um einen Flüchtling, oder um einen Deutschen handelt.

Hier noch ein Bild zum Nachdenken:

Die Frau links denkt: Alles bedeckt außer ihren Augen. Was für eine grausame, männlich dominierte Gesellschaft.

Die Frau rechts denkt: Nichts bedeckt außer ihren Augen. Was für eine grausame, männlich dominierte Gesellschaft.

Glaube, Religion, Theologie

Die Religion und die Werte

In diesem Artikel zitiere ich MartinLuther King Jr. Ich fand, seine Beschreibung von Wissenschaft und Religion hat was, weil er auf den Punkt bringt, was beide wollen, wo ihre Stärken liegen und wieso beide wunderbar miteinander vereinbar sind.

Beim nochmaligen Durchlesenist mir jedoch ein Satz ins Auge gesprungen, der mir so nicht recht gefällt:

Science deals mainly with facts; religion deals mainly with values.

Wissenschaft geht vor allem mit Fakten um; Religion geht vor allem mit Werten um.

Ich bin da etwas skeptisch. Geht Religion nicht mit viel mehr um? King schreibt vorher, Religion würde interpretieren. Sie geht also nicht nur mit Werten um, sie kreiert die Werte und Maßstäbe, die sie anlegt selbst. Ich würde so ad hoc sagen, als Quelle dienen ihr dabei das Wissen (für das heute vor allem die Wissenschaft zuständig ist) sowie die Offenbarung. Die Offenbarung allerdings ist nicht Sache der Wissenschaft, sondern des Glaubens, der Religion, der Theologie. Sie ist unverfügbare und damit unreproduzierbare und deshalb nicht mit wissenschaftlichen Methoden untersuchbare Erfahrung.

Und um die geht es in der Religion eben auch, das ist weniger ein Wert, als daß es mit Realität zu tun hat.

Und hier, so fürchte ich, liegt das eigentliche Problem zwischen Religion und Wissenschaft. Interpretationen liefern auch Philosophien, auch davon gibt es mehrere, und sie passen ebensowie Religion wunderbar mit der Wissenschaft zusammen.

Aber Religion hat auch ein gewisses Verständnis von Wirklichkeit, von Realität, das sich nicht zu 100% (natur-)wissenschaftlich erfassen läßt. Dazu gehört etwa dieAuferstehung, die Existenz Gottes, das ewige Leben. Für die (in dem Fall christliche) Religion ist das alles Teil der Wirklichkeit und bestimmt auch dasmaterielle Leben der Christen hier und jetzt. Für die Naturwissenschaft ist das nciht greifbar, außerhalbdes eigenen Beschreibungs- und wahrscheinlich bei Vielen auch Vorstellungsraums. Wer davon ausgeht, daß die Naturwissenschaft, die ja materialistisch arbeitet, weil nur Materie verfügbar ist, theoretisch in der Lage ist, die Welt komplett zu beschreiben, der wird in Religion nur Hirngespinste sehen können, selbst wenn er den Hirngespinsten in der für ihn realen (=materiellen) Welt positive Wirkungen bescheinigen sollte.

Wer sich vorstellen kann, daß die Naturwissenschaft nur einen Teilbereich der Wirklichkeit, der Realität beschreiben kann (den aber verdammt gut) und daß es andere Teilbereiche gibt, wie etwa die der Werte, aber auch die der Offenbarung, dann paßt das alles wunderbar zusammen.

Zu guter Letzt: Es gibt ja auch Philosophien, die Aussagen über die Wirklichkeit trafen. Aristoteles hatte sich zu allem möglichen Gedanken gemacht und sein Weltbild hat die europäischen Wissenschaften anfangs (als sie noch nicht kritisch waren) über Jahrhunderte geprägt. Später, als sie aufgrund neuerer Forschungen nicht mehr haltbar waren, wurde umgedeutet, kamen neue Philosophien auf. So ist das ja auch in der Religion. Auch sie ist flexibel und war es immer. König David kannte keine Trinität, Jesus kannte keine Katechismen und für Paulus war Sklaverei etwas Normales. So wie in der Wissenschaftgibtes auch in der Religion neue Erkenntnisse, neue Ideen, die auf Altem aufbauen und es so deuten, daß es verständlich bleibt.

Durch die – nennen wir es mal „erweiterte Wirklichkeit“ – der Religion im Gegensatz zur Naturwissenschaft ergibt sich natürlich auch eine andere Wertung. Es gibt ja durchaus auch materielle Philosophen, die dann eben ganz andere Werte haben als die Religion sie lehrt. Vielleicht könnte man King variieren, indem man sagte:

Wissenschaft geht mit Fakten um, Religion geht mit der Wirklichkeit um.

Die Werte scheinen mir ein weiterer Block neben der erweiterten Wirklichkeit zu sein. Ob sie abgeleitet sind von der erweiterten Wirklichkeit, oder ob sie unabgeleitet sind,ist mir noch nicht klar. Wenn mir das klar wird,kommt vielleicht ein weiterer Blogpost…

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Mal wieder Broder

Mal wieder les ich was von Broder, und wieder geht es entfernt um den Islam. Diesmal in der Springer Presse.

Es ist eine Publikumsbeschimpfung. Broder meint, die detschen seien passiv aggressiv und das Churchill Wort, nachdem sie einem an der Gurgel oder zu Füßen sind sei noch untertrieben.

Sicher, man kann gut und gerne darüber diskutieren, inwieweit unsereins in Deutschland sich verhält, als hätte er die Moral gepachtet. Wenn es nur darum ginge, den Moralismus zu kritisieren!

Statt dessen holt er aus und rechtfertigt quasi die Infragestellung des Rechtsstaates damit, daß alle die Sorgen m den Rechtsstaat anmelden, ja doch nur Moralisten sind, Antiamerikaner, die den Cowboys mal ein wenig Kultur beibringen wollen, und Recht und Ordnung sowieso etc…

Damit ist dann erst mal alles gerechtfertigt, was der Staat tut. Weil wer es kritisiert, ist sowieso nur Berufsdemonstrant und kann als solcher nicht ernst genommen werden.

Ein paar Beispiele:

Jörg Schönenborn stellt in den „Tagesthemen“ eine Frage und liefert sogleich eine Antwort: „Was ist das für ein Land, das eine Hinrichtung derart bejubelt? Zivilisierte Nationen haben einst das Völkerrecht geschaffen. Sie verständigten sich darauf, dass Verbrecher vor Gericht gestellt und nicht einfach getötet werden.“

Schönenborn, der sonst Umfragen erklärt, vergisst zu erwähnen, dass es in allen Ländern der Bundesrepublik Gesetze über den „finalen Rettungsschuss“ gibt, der die Ermittlungsarbeit verkürzt und die Strafzumessung erleichtert.

Nur vergißt Broder hier, daß der finale Rettungsschuß nicht den Zwekc hat, die Arbeit zu verkürzen und die Strafzumessung z erleichtern. Einziger Zweck des finalen Rettungsschusses ist es, unmittelbare Gefahr abzuwenden, die so nicht abgewendet werden konnte. Im Falle von Bin Laden greift das nicht, jedenfalls hat noch keiner behauptet, er hätte den Auslöser für eine Atombombe in der Hand gehabt, oder Ähnliches. Es dürfte niemand im Haus anwesend gewesen sein, für den Bin Laden eine unmittelbare Gefahr war, ausgenommen die Seals. Und da ist es dann doch die Frage, warum die Soldaten, die den Zugriff sicherlich geübt haben, sich so bedroht fühlten von der Zielperson, daß sie ihn lieber erschossen, als ein Risiko einzugehen. Es sei denn, das Ziel war von Anfang an, ihn zu erschießen. Das ist dann aber eben, bei allem Verständnis für niedere Rachegefühle, nicht zu rechtfertigen.

Heribert Prantl leitartikelt […] Ist eine Exekution durch ein amerikanisches Militärkommando – so es eine solche war – deshalb eine gerechte Strafe?“

Nein, gewiss nicht. Eine gerechte Strafe wäre es, Osama Bin Laden dazu zu verdonnern, die Leitartikel von Heribert Prantl zu lesen.

Das soll wohl lustig sein. Aber es zeigt auch, daß Broder nicht viel gegen den Vorwurf vorbringen kann, daß es sich um eine nicht zu rechtfertigende Exekution handelt, eben weil es keinen Grund dafür gibt. Von dem Mann ging, nach allem was wir bisher wissen, in dem Moment keine Gefahr aus. Und es ist damit zu rechnen, daß ein Auslöser für ne Atombombe in Bin Ladens Händen gleich gemeldet worden wäre.

Daß Broder dem Vorwurf der Exekution ohne rechtsstaatliches Verfahren nichts entgegen zu setzen hat, sieht man auch hier, in Reaktion auf Volker Becks Äußerung:

„Wenn Osama Bin Laden durch einen Kopfschuss getötet werden konnte, dann muss die Frage erlaubt sein, ob man ihn nicht auch hätte festnehmen und vor ein rechtsstaatliches Gericht hätte stellen können.“

Wobei ihm die Grünen wahrscheinlich Hans-Christian Ströbele als Pflichtverteidiger zur Seite gestellt hätten.

Ja, Stöbele hat schonmal Terroristen verteidigt. Ist es neuerdings anrüchig im Rechtsstaat, wenn ein Anwalt seinen Job tut, nämlich Verbrecher zu verteidigen?

Exbundeskanzler Schmidt, der 1977 ein GSG-9-Kommando nach Mogadischu geschickt hat, um 86 Geiseln an Bord der entführten „Landshut“ zu befreien, sagt bei „Beckmann“, die Aktion der Amerikaner in Pakistan sei „ein Verstoß gegen das Völkerrecht“ gewesen;

Äpfel und Birnen wachsen beide an Bämen, und sind doch verschiedene Früchte. Schmidt schickte die GSG-9 zr Befreiung der Passagiere, die sich in unmittelbarer Not befanden, die Amis haben die Navy Seals nach Pakistan geschickt und ein Terrorist kam ums Leben, ohne daß es eine erkennbare unmittelbare Gefahr gab, die von ihm ausging. Hatte er Geiseln? Gab er gerade die Sperrcodes für irgend ne teuflische Waffe durch?

sie wissen nicht einmal, wie sie „gewaltbereite Jugendliche“, die aus Frust Passanten ins Koma prügeln, befrieden sollen, aber im Völkerrecht, da kennen sie sich aus.

Da hat die Springer-Presse, für die er hier schreibt den Moralisten etwas voraus: Sie weiß, daß man die Jugendlichen durch harte Strafen beikommen kann oder sie einfach abschiebt (erinnert sich noch wer an Richter Gnadenlos?) und daß das Völkerrecht immer nur von denen angeführt wird, die nicht patriotisch genug sind um sich an die Werte der Leitkultur zu halten. Welche Werte das wären? Nun, die von der Springer-Presse propagierten, die sich dann so äußern:

Wenn aber ein Kinderschänder, der seine Strafe verbüßt hat, nicht in Sicherungsverwahrung genommen, sondern entlassen wird, bildet sich sofort eine Bürgerinitiative, die von der Polizei mit viel Mühe davon abgehalten werden muss, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen.

Achso, halt, das waren ja die bösen Moralisten, die „Völkerrecht“ geschrieen haben, irgendwie bringt Broder die Dinge durcheinander, wie es scheint…

So wie es eine „russische Seele“ gibt, die alle Revolutionen überlebt hat, gibt es auch ein „deutsches Gemüt“, das wie ein Vulkan funktioniert: Es grummelt vor sich hin, lockt Touristen, Naturfreunde und Tiefenforscher an.

Und eines Tages, wenn alle meinen, der Vulkan sei längst erloschen, fängt der Berg an, Lava zu spucken. Obama hin, Osama her – der nächste Ausbruch kommt bestimmt.

… und hier habe ich den Eindruck, er beschreibt vor allem sich selbst.

Wie dem auch sei: Es kann nicht sein, daß der Rechtsstaat seine Prinzipien über Bord wirft, um einen Verbecher zu fangen und unschädlich zu machen. Ist der Terrorist dann nämlich tot, hat sich der Staatsterror etabliert. Und der ist schwerer loszuwerden, als ein alternder Turbanträger mit Bart.

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Die sogenannten Werte

Vor ein paar Tagen kam über Twitter die Frage, wie de Kirche denn Werte vermitteln könnte. Wie ich herausfinden konnte, war der Hintergrund, daß seit der Wirtschaftskrise immer wieder Stellungnahmen von der Kirche zu den Werten verlangt werden, also scheinbar eine Erwartungshaltung an die Kirche existiert, der diese (noch?) nicht nachkommen kann. Es fielen auch die Stichwörter Entscheidungshilfe und Orientierung.

Ich persönlich bin ja bei all den Wertediskussinen in letzter Zeit etwas ratlos. Was ist eigentlich ein Wert? Mir kommt es so vor, as ginge es um eine leere Worthülse, die mit allem möglichen Inhalt gefüllt werden kann. Und wenn man einen Inhalt hat, kann man Werte dann absolut setzen? Fleiß zu Beispiel: Ist Fleiß dann ein Wert, wenn er dazu führt, daß jemand ein Workaholic wird und nach und nach sämtliche sozialen Kontakte verliert? Ist Ehrlichkeit ein Wert, wenn man in einer Diktatur lebt, von der Polizei verhört wird und von der eigenen Aussage menschliche Schicksale oder Leben abhängen können?

Die Beispiele mögen drastisch sein, ich will damit zeigen, daß es nicht immer einfach ist, Werte zu definieren. Es ist ein komplexes Unterfangen, und eine Ausformulierung der „christlichen Werte“ wird nie den Punkt erreichen, daß jemand, der nach Orientierungshilfe ruft, den Kopf ausschalten kann um sich nur noch an die Ausformulierung hält. Man kann nie alle Eventualitäten beim Verfassen berücksichtigen, ein kopfloses Befolgen eines Wertesatzes kann genau in die falsche Richtung führen (man denke nur an Römer 13 im Umfeld einer Diktatur).

Was ich mich aber vor allem frage: Hat die Kirche die Aufgabe, Werte zu vermitteln? Ist ihre Aufgabe nicht vor allem, das Evangelium zu predigen und die Sakramente zu verwalten?

Ich denke, die Kirche kann nichts unabhängig vom Evangelium tun. Sie kann keine Werte definieren oder lehren, ohne dabei vom Evangelium herzukommen. Alles, was den Christen wert ist, liegt in Gott begründet und in Seiner Liebe zu den Menschen. Insofern ist es schwierig, allgemein Orientierung zu geben, als ob die Orientierung unabhängig vom Standpunkt sein könnte und für alle Menschen in gleicher Weise ansprechend wäre. Kirchliche Orientierung kann nicht neutral sein, sie ist kirchlich. Und nichtkirchliche Menschen werden im Zweifel wenig bis gar nichts damit anfangen können, weil sie die Grundlagen der Orientierung nicht teilen.

Trotzdem kann die Kirche Orientierung geben, wenn auch nicht allgemeingültig in einer Form, die in eine Kampagne passen würde. Die Kirche, und damit meine ich jetzt jeden Gläubigen, jedes Glied der Kirche für sich, kann die Werte, die ihnen wichtig sind, vorleben. Das ist am Überzeugendsten, weil eben keine leere Worthülse. Und die Menschen sehen, daß es machbar ist. So wie Eltern ihren Kindern vorleben, wie man sich verhält, so können auch Kirche und ihre Glieder vorleben, und es wird etwas hängen bleiben.

Darüber hinaus gibt die Kirche, diesmal meine ich die Institution, immer wieder Handreichungen, Denkschriften und dergleichen heraus, die auch als Orientierungshilfe dienen können. Wer nach Orientierung fragt, kann darauf verwiesen werden.

Bleibt die Frage: Warum wissen die Menschen nichts um diese Orientierungshilfen? Entweder sie kennen sie nicht, oder sie verstehen sie nicht. Das erste Problem läßt sich angehen, indem man diese Publikationen besser bewirbt oder sich überlegt, wie man sie noch leichter auffindbar macht im Internet. Das zweite Problem könnte gelöst werden, indem man dem Volk besser aufs Maul schaut, wie Luther sagte, trotzdem sollte man aufpassen, nicht in Populismus zu verfallen.

Die Kirche muß sich keine Gedanken machen, wie sie Werte vermittelt. Das tut sie schon immer. Auch wenn in letzter Zeit die Anfragen an die Kirche nach Wertorientierung lauter wird muß das nicht bedeuten, daß sie mehr Orientierung geben müßte. Es kann auch bedeuten, daß sie ihre Orientierung so formulieren muß, daß sie verstanden wird. Es kann auch bedeuten, daß die Anfragenden vielleicht zu einfache Antworten erwarten und neue Antworten wollen, weil ihnen die alten Antworten nicht gefallen. Das Problem ist nicht: Wie vermittle ich Werte? Das Problem ist: Wie predige ich verständlich? und vielleicht auch: Wie lebe ich gemäß meinem Anspruch?

Also gilt, frei mach Mt 6,33: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird Euch alles andere zufallen. Auch die Werte.

PS: Wer weitere Sammlungen von kirchlichen Orientierungshilfen etc. kennt, möge sie bitte bei den Kommentaren eintragen.