Gesellschaft, Politik, Satire

Frauen weg vom Herd

By user:Paolo Bottazzi [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], from Wikimedia Commons
Viele Menschen sprechen sich in diesen Tagen für ein Burkaverbot aus und begründen das mit der Unterdrückung der Frauen durch ihre Männer, die sie zwingen, diese Kleidungsstücke zu tragen.

Gut so. Die Befreiung der unterdrückten Frauen muß vorangebracht werden – mit allen Mitteln.

Burkaverbot, Quotenregelungen, da doch noch mehr zu machen sein!

Deshalb fordern wir von „Die Nacht ist vorgedrungen“ (nämlich die Nacht der Frauenunterdrückung, der Tag der Befreiuung ist nicht mehr fern), die letzten Tabus fallen zu lassen:

Wir Männer verlangen – und das ist immer noch gesellschaftlich etabliert – von unseren Frauen, daß sie putzen, kochen, bügeln, nähen – alles neben Karriere und Kindererziehung natürlich.

Zum Teufel damit! Zum Teufel mit dem Tabu, die Männer könnten nicht selbst putzen, kochen, bügeln und die Kinder erziehen. Wieso sollte ein Mann seinem Baby nicht die Brust geben können? Es kommt zwar keine Milch raus, aber so wird das Kind wenigstens auf die Härte der Welt vorbereitet.

Und zum Teufel mit den Halbherzigkeiten, daß Männer und Frauen sich die Arbeit teilen sollen, von wegen Gleichberechtigung und so.

Pfeiffendeckel: Erstens kommt es doch nicht so, laden die Männer doch wieder alles bei den Frauen ab (und die gesellschaftlichen Vorurteile helfen dabei) und zweitens haben die Frauen diese Arbeiten seit Jahrtausenden schon erledigt, die Männer haben also einiges nachzuholen.

Deshalb fordern wir das Hausarbeitsverbot für Frauen: Kein kochen, kein Bügeln kein Putzen mehr. Keine Kindererziehung, kein Wäsche waschen, nichts.

Albert Edelfelt - Pesijättärien (1893)
Hausarbeit? In Zukunft nur noch Männern gestatten!
Sollen die Männer doch die nächsten tausend Jahre zeigen, wie sehr sich „das bißchen Haushalt“ von alleine macht und mit Kindern und Karriere zusammengeht.

In einem zweiten Schritt könnten dann auch alle typischen Frauenjobs für Frauen verboten werden, womit auch die Industrie gezwungen sein wird, Frauen nur noch in gehobenen Positionen einzustellen und zu beschäftigen. Was spricht dagegen, daß Männer die „niederen“ Arbeiten verrichten?

Air Koryo Tu-204 cabin with LCD screens
In Zukunft dann bitte diese Arbeit durch Männer erledigen lassen und die Damen ins Cockpit. – Schritt zwei.
Bild: Kristoferb at English Wikipedia [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Pregnant profile III
Kreuzschmerzen, Wassereinlagerungen, Schwangerschftsstreifen? In Zukunft für Frauen verboten – Männer schwanger werden lassen!
Bild: By mahalie stackpole from seattle, USA (pregnant profile III) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Mit einem dritten Schritt könnte dann das allerletzte Tabu gebrochen werden. Schon heute ist es theoretisch möglich, daß Männer die Kinder austragen. Da die Schwangerschaft der Hauptgrund für die Benachteiligung und letztendlich auch Unterdrückung der Frauen ist, sollte ihnen im dritten Schritt auch die Schwangerschaft verboten werden. Laßt doch die Männer die Kinder kriegen. KLar ist es gefährlich, aber das war es für Frauen über jahrtausende ebenso. Die Sterblichkeit war nicht immer so niedrig wie heute, also keine Panikmache.

Ich fasse zusammen:

  1. Verbot für Frauen, sich an Hausarbeit und Kindererziehung auch nur ansatzweise zu beteiligen. Frauen weg vom Herd!
  2. Arbeitsverbot für Frauen in typischen Frauenjobs.
  3. Schwangerschftsverbot für Frauen zur endgültigen Beendigung der Unterdrückung durch die Männer.

Wenn diese drei Schritte konsequent durchgezogen werden, wird die Unterdrückung der Frauen ein Ende haben.

Damit dies Wirklichkeit wird, darf natürlich nicht gezögert werden. Deshalb tun Verbote Not. So wie nicht alle Menschen verstehen wollen, daß die Burka Frauen unterdrückt und behauptet wird, die Frauen trügen diese Unterdrückungskutten freiwillig, so werden auch Menschen behaupten, Frauen würden freiwillig putzen, kochen oder sich zumindest den Haushalt teilen, freiwillig als Grundschullehrerin, Pflegerin oder Friseuse arbeiten oder freiwillig Kinder kriegen. Aber im Ernst: Keine Frau macht gerne die Hausarbeit. Keine Frau ist gerne Krankenschwester oder unterrichtet gerne Grundschüler. Keine Frau will schwanger sein.

Sie werden es begreifen, wenn sie erst einmal durch Verbote davon befreit wurden, so wie im Tessin die Musliminnen jetzt alle die Verschleierung ablegen und im Bikini durch die Straßen gehen, seit das Burkaverbot greift. Freiheit muß erkämpft werden, auch gegen die Widerstand der zu Befreienden, wenn die es einfach nciht begreifen wollen.

Theologie

Gleichheit und Unterdrückung

lenin-unterdrückungWeder kann existieren, noch existiert, noch wird jemals existieren eine „Gleichheit“ zwischen Unterdrückern und Unterdrückten, zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten.

Dieses Bild und dieser Satz, alles schön in rot gehalten. Ein Kampfspruch der politischen Linken, die mit solchen Aussagen ihren Kampf für eine bessere Welt legitimiert. Eine Welt, in der diese Gleichheit Wirklichkeit wird, in der es eben keine Unterdrückung und keine Ausbeutung mehr geben soll.

Wenn man das Bild von Lenin sieht und weiß, was aus der Sowjetunion geworden ist, wie eben auch dort keine Gleichheit erreicht wurde, wie eben auch dort Unterdrückung und Ausbeutung vorkam, vielleicht sogar mehr als im Westen, dann widerlegt das nicht den Satz, der da im Bild steht, nein, es bstätigt ihn nur für den Bereich des Sozialismus/Kommunismus.

Ich denke, der Satz ist korrekt, wie er so da steht. Und ich würde noch einen drauf setzen:

Ausbeutung und Unterdrückung werden wir nicht abschaffen können.

Befreien kann uns kein Lenin, kein Kaiser noch Tribun, oder wie die Bibel es ausdrückt: „alle haben gesündigt“ (Röm 3,23), „denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (1. Mose 8, 21).

Die Situation ist verfahren, darauf kann man sich vielleicht auch einigen, wenn man nicht an die Ursünde („Erbsünde“ ist ne schlechte Übersetzung für Augustins „peccatum originale originans„) glaubt, die auf diesen und anderen Bibelstellen beruht.

Alle Versuche, an der Unterdrückung und der Ausbeutung etwas zu ändern müssen scheitern, weil der Mensch einfach so ist, daß er auf seinen Vorteil bedacht ist. Das gilt für mich, Dich und alle anderen.

Man will das nicht so gerne wahr haben, denn eigentlich erlebt man sich ja nicht als so schlecht. Meistens sind es ja die anderen: Die Banker, die Kapitalisten, die Nazis, die Radikalen, die Gutmenschen, die Mörder, die Reichen, die Ossis, die Wessis, die Türken…

Kurz: Die sind schuld, nicht ich, nicht wir (diese Sicht der Dinge begegnet einem außer im Bereich der großen Gesellschaftlichen Probleme auch im Kindergarten, nur geht es da um anderes).

Ja gut, mag manch einer sagen, mal nen Vorteil mitgenommen, wo es keine Opfer gibt, das ist ja nicht so schlimm. Die Kirche mit ihrem Moralismus übertreibt es da ja auch immer! Diese Denke spielgelt sich auch in den „Zehn Angeboten“ der Neoatheisten wieder, deren Nr. 4 lautet:

Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!

Durchsetzung der Ideale der Humanität durch Lüge, Betrug, Stehlen und Mord! Und in Nr. 5 ist dann die Rede davon, daß man nicht moralisieren soll und der homo sapiens gut wäre und keine „Bestie“.

Ich halte die christliche Anschauung vom Menschen als Sünder da für realistischer. So läßt sich erklären, woher Unterdrückung und Ausbeutung kommt. Mit dem anderen Denken, das wohl sowohl von Lenin als auch von den Neoatheisten geteilt wird, ist der Mensch aber an sich gut und leidet unter wenigen Individuen, die aus welchem Grund auch immer böse sind und zumindest bei Lenin mit Gewalt entmachtet werden müssen, damit alles besser wird (wobei die Neoatheisten ja im Zweifel auch mit Mord die „Ideale des Humanismus“ durchsetzen wollen).

Daß die Gewalt an sich und die Bereitschaft, zur Durchsetzung der eigenen Überzeugung (etwa der Durchsetzung der Ziele des Humanismus) mit Gewalt auch schon ein Problem ist, auch schon mit Unterdrückung zu tun hat, das wird dabei übersehen.

So wie immer übersehen wird, daß die eigenen Mittel im Zweifel genau so schlimm sind wie die der Unterdrücker, die man beseitigen möchte. So löst eine Gewalt die andere ab. Mal wird sie mit Gewehren ausgeübt, mal mit Kapital und Wirtschaft, mal sind die Gewinner des Systems eine bestimmte „Ethnie“, manchmal ist es eine bestimmte „Klasse“. Was aber immer bleibt ist:

Wir gegen die, die sind Unterdrücker, wir sind Befreier.

Die gegnersiche Seite versteht sich selbst dann als Verteidigerin der Freiheit, während sie die selbst ernannten Befreier als Terroristen tituliert. Wie gesagt, es ist wie im Kindergarten: Ich hab recht und die anderen haben Unrecht und deshalb hau ich die jetzt.

So ist dem Grundübel, der Unterdrückung und der Ausbeutung nicht beizukommen! Wie ich eingangs schrieb: Unterdrückung und Ausbeutung sind nicht zu ändern. Das gibt es, weil der Mensch so ist. Nicht nur besondere, böse Menschen, sondern wir alle, Dich und mich eingenommen.

Die meisten Lösungsansätze bestehen darin, ungeachtet der Propaganda, daß die eigene Gruppierung sich eben gegen die anderen, notfalls mit Gewalt, durchsetzen muß, damit alles besser wird. Wird es auch: Für diejenigen, die hier ihre eigenen Herrschaft durchsetzen.

Wieso schreibe cih dann aber so lange davon? Auf was will ich hinaus?

Nun, es gibt einen Weg des Umgangs, der jedoch von den meisten Menschen nicht als solcher angesehen wird, ja vielleicht sogar belacht wird. Und das ist der Weg des (christlichen) Glaubens. Jesus spricht zu denjengen, die Ihm nachfolgen wollen:

Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.(Mt 16, 24; Mk 8, 34; Lk 9,23)

Ich meine tatsächlich, die Lösung liegt in der Selbstverleugnung. Wenn ich mich als unterdrückt erkenne, dann kann ich mich bedauern, oder ich kann mich selbst verleugnen und meinen Drang, immer nur mein Bestes zu suchen, und kann die Situation annehmen.

Die erste Option führt dazu, daß ich im Zweifel enorme Energie aufbringe, den Zustand der Unterdrückung zu bekämpfen. Dieser Kampf kann mich gefangen nehmen, indem ich meine Freiheit über alles setze, ordne ich dem Kampf alles unter, ud es kommt in immer mehr Feldern zur Alternativlosigkeit: Wenn ich in dem Kampf vorwärts kommen will, muß ich dies oder jenes tun und kann auf anderes keine (oder kaum) Rücksicht nehmen. Ich bin Gefangener meines Freiheitskampfes und all mein Tun ist festgelegt. Ich bin vielleicht nicht mehr von äußeren Umständen unterdrückt, dafür nehmen mich innere Umstände, nämlich der Kampf um die Freiehti, gefangen. Ich unterdrücke mich quasi selbst, habe nichts von meiner Freiheit.

Im zweiten Fall würde ich den Freiheitskampf nicht antreten, was schmerzhaft ist. Ich würde vielleicht sogar zusehen, daß ich mich möglichst gut ausbeuten lasse, daß ich ein guter Sklave des Systems bin. Das bedeutet extreme Selbstverleugnung und nach dem eigenen Vorteil braucht man dabei nicht lange suchen. Der ist hin.Wenn man es aber schafft, die Kraft dazu aufzubringen, daß man sich selbst derart zurücknimmt, gewinnt man damit auch eine gewisse innere Freiheit, die für den Freiheitskämpfer unerreichbar ist. Man hat nichts zu verlieren, man gibt, was man hat demjenigen, der einen unterdrückt. Aber alles, was der Unterdrücker von einem nicht will, hat man für sich und kann damit tun, was man will, ohne sich überlegen zu müssen, inwieweit man damit den eigenen Freiheitskampf gefährdet. Das ist eine sicherlich kleine Freiheit, aber eine größere, als sie der in der Alternativlosigkeit gefangene Freiheitskämpfer hat.

Ich glaube, der Weg ist nur im Glauben wirklich zu gehen, weil einem sonst die Kraft dazu fehlt. Aber ich glaube auch, daß dieser Weg tatsächlich etwas verändern kann, im Gegensatz zu all den Revolutionen, die sonst als Rettung angesehen werden, die aber meist nur viele Tote und Zerstörung und eine neue (und nicht zwingend bessere) Regierung bringen.

Dieser Weg ist im besten Sinne unmenschlich, insofern der menschliche Weg der der Gewalt ist. Dieser Weg kann auch ansteckend sein, indem er die Unterdrücker, die ja selbst in den Alternativlosigkeiten dieser Welt gefangen sind, zum Umdenken bringt. Indem sie Menschen erleben, die sich offen ihnen gegenüber verhalten und nicht nur ihre Position gefährden, können auch sie offener werden und gewinnen Alternativen im handeln dazu. Sie werden so auch ein wenig freier.

Meiner Meinung nach sollten Revolutionen nur so, und nicht mit Gewehren verlaufen. Dieses Ideal steht auch hinter dem Kampf der Bürgerrechtsbewegung in den USA um die Aufhebung der Rassentrennung. Man hat sich lieber von der Polizei mißhandeln lassen, als selbst zur Gewalt zu greifen. Leute wie Malcolm X haben das wie ich oben schrieb belächelt und verurteilt. Nach menschlichem Denken verständlich: Wie sollte man im Freiheitskampf gewinnen, wenn man sich in die Unfreiheit begibt, nicht zurückschlägt, wie früher die Sklaven?

Trotzdem war die Bürgerrechtsbewegung erfolgreich, auch wenn icht alles durchgesetzt wurde. Die USA haben einen schwarzen Präsidenten, schon in der zweiten Amtsperiode, während die Bewaffnung und die Gewalt, die vonLeuten wie Malcolm X propagiert wurde, wohl mit ein Grund dafür ist, daß weiße Cops meinen, sie könnten einfach so schwrze Jugendliche niederschießen, weil die hätten ja schließlich alle Waffen und seien gefährlich…

Eine Sache noch:

Ich bitte zu beachten, daß ich hier nur von der eigenen Person aus argumntiert habe, nur die eigene Unterdrückung betrachtet habe, nicht die Unterdrückung anderer. Ich finde dies wichtig, weil ich eben für mich am ehesten sprechen kann, weniger für eine Gruppe, ein Millieu, dem ich vielleicht nicht einmal angehöre. Lenin wollte die Arbeiter befreien und war selbst keiner, die RAF wollte die deutschen Arbeiter befreien, die großteils BILD lasen und nicht viel von der RAF hielten. Und hätte Guevara in Bolivien mehr Unterstützung von den dortigen Bauern, die er befreien wollte, gehabt, wäre er vielleicht nicht gefangen und erschossen worden.

Man könnte nun meinen, ich spreche mich hier dafür aus, daß die Unterdrückten eben unterdrückt sein und dabei glücklich sein sollen, da ich als Angehöriger einer priviligierten Schicht mich dafür ausgesprochen habe, das Kreuz auf sich zu nehmen und zu dienen um so eine innere Freiheit zu erlangen, die schließlich auch andere befreit.

Dem ist nicht so! Was ich ausdrücken wollte ist, daß keine gewaltsame Befreiung weder der eigenen Person noch anderer etwas am grundsätzlichen Problem ändern wird, man tausht höchstens die Rollen. Das bedeutet jedoch nicht, daß man angesichts der Unterdrückung anderer nichts machen solle. Wo man kann sollte man auf eine Veränderung hinwirken, indem man die Dinge beim Namen nennt und zusieht, daß man sich selbst nicht – vielelicht aus Alternativlosigkeit – in solche Unterdrückungsmechanismen verstrickt (und wir sind alle darin verstrickt!). Kurz: Wenn Du jemanden siehst, der Hilfe braucht, dann hilf ihm, hilf ihm nachhaltig, aber versuche nicht, ihm zu helfen, indem Du mit Gewalt etwas am System ändern willst. Denn das System änderst Du nicht mit Gewalt, da es selbst auf Gewalt baut. Mit Gewalt stützt Du das System nur, Du tauschst höchstens ein paar Rollen aus un der Hilfsbedürftige von heute wird zum Unterdrücker von morgen.

Fazit

Gleichheit läßt sich nur über den Weg des freiwilligen Dienstes erreichen. Denn wenn ich freiwillig das tue, was mein Unterdrücker verlangt, dann begebe ich mit damit mit ihm auf Augenhöhe. Damit unterlaufe ich die Unterdrückung, denn wo ich freiwillig arbeite, werde ich weder unterdrückt noch ausgebeutet. So komme ch auf Augenhöhe mit denen, die mich unterdrücken.

Darüber hinus kann ich alle mir zur Verfügung stehenden Kräfte nutzen, um anderen Unterdrückten das Leben so leicht wie möglich zu machen, wobei Gewalt keine Optionist, weil sie das System stärkt und nicht schwächt.

Gesellschaft

Diskriminierung

Ein Viertel der Jugendlichen ausländischer Herkunft hat in Schule und am Arbeitsplatz schon Diskriminierung erfahren, so zu lesen bei evangelisch.de.

Mich wundert dabei eher, daß es nur so wenige sind. Ich vermute, die Dunkelziffer ist ein gutes Stück höher.

Auch als Fall von Diskriminierung kann man das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen verstehen. Auch hierzu gibt es einen Artikel bei evangelisch.de.

Da geht es um das Kopftuchverbot in Niedersachsen. Dort ist es einer muslimischen Lehrerin gestattet, ein Kopftuch zu tragen, aber sie muß es im Lehrerzimmer, auf dem Weg zum Klassenzimmer und auf dem Schulhof ablegen. Tragen ist erlaubt beim islamischen Religonsunterricht, aber nicht beim zweiten Fach. Muslimische Lehrerinnen, die Kopftuch tragen wollen, werden also zu einem ständigen Tuch auf – Tuch ab genötigt, und das IMHO ohne jeden vernünftigen Grund. Statt dessen wird immer wieder darüber schwadroniert, daß das Kopftuch Symbol einer unterdrückenden Kultur wäre und daß es das falsche Zeichen wäre, sowas an unseren Schulen auch noch zuzulassen, und damit quasi diese (angebliche) Unterdrückung gutzuheißen.

Alles Quatsch, wenn Ihr mich fragt. Ich habe schon einige Frauen mit Kopftuch getroffen, die durchaus sehr selbstbestimmt durchs Leben gingen, und eben Kopftuch trugen, weil sie als Muslima das Bedürfnis danach hatten. Daß das Kopftuch vom Koran nicht gefordert wird, spielt dabei keine Rolle. Konfirmation und Firmung wird von der Bibel auch nicht gefordert, trotzdem lassen sich tausende christliche Jugendliche jedes Jahr konfirmieren oder firmen. Man sollte es schon den Anhängern der jeweiligen Religion überlassen, was zu der fraglichn Religion dazu gehört oder was nicht. Oder welcher Christ würde sich von einem Muslim sagen lassen, er müsse Purim feiern, weil das in der Bibel steht?

Im Gegensatz bin ich der Meinung, daß muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch sogar Symbol für ein modernes Verständnis der Rolle der Frau stehen können. So wird nämlich signalisiert: Auch als gläubige Muslima kann man studieren (ich sah viele „Kopftuchmädchen“ an der Uni) und sein eigene Geld verdienen. Man muß nicht zu Hause bleiben, den Mann heiraten, den die Eltern schon in Kindertagen ausgesucht hatten und sich dann auf Haushalt und Kinderkriegen beschränken. Solche Frauen könnten zu Vorbildern für einen moderneren Islam werden. Zusammen mit einem vom Staat beaufsichtigten Religionsunterricht an den Schulen (und nicht in irgenwelchen Hinterhöfen durch fragliche Lehrpersonen) könnte so ein riesiger Schritt Richtung Integration unternommen werden. Denn Assimilation wird es nicht geben (zumindest nicht, so lange wir ein Rechtsstaat) und so wie es jetzt aussieht, fördern wir eher die Parallelgesellschaften, als daß wir sie unterbinden.

Erfrischend finde ich dabei, daß die im Artikel genannte muslimische Lehrerin an einer katholischen (sic!) Schule mit dem Kopftuch überhaupt kein Problem hat. Wenn die Katholiken (die ja angeblich so engstirnig sein sollen) so freigeistig sein können, dann sollte der Staat (der ja angeblich so liberal ist) und die Gesellschaft (die ja angeblich so offen ist) das auch können.

Gesellschaft

Femen und der Kolonialismus

Femen kannte ich eigentlich gar nicht. Jedenfalls waren sie mir nicht sonderlich aufgefallen, auch wenn mich beim Lesen des Artikels von Theodreds Schicksal das Gefühl beschlich, daß ich sie doch schon irgendwo mal gesehen habe. Theodred legt jedenfalls ganz anschaulich dar, wie diese Gruppierung vorgeht, bzw daß es ihr vor allem um Publicity geht. Und die kriegen sie, denn Sex sells, darauf zielen die halbnackten Auftritte der Damen (von denen komischerweise alle recht schlank sind und auch sonst den Schönheitsidealen entsprechen – was das wohl über deren Frauenbild sagt?) auch ab.

Nun hat Femen wohl zu einem „Topless Jihad Day“ aufgerufen, und die Antwort ist deutlich: Muslimische Frauen distanzieren sich von Femen und nennen deren Aktion kolonialistisch, eurozentristisch, patriarchalisch. Unrecht haben sie nicht ganz.

Denn wofür auch immer Femen kämpfen mag, ohne Druck (auch auf potentielle Mitkämpfer) tun sie es nicht. Indem sie den Anschein erwecken, nackte Oberkörper würden effektiv sein, üben sie unterschwellig Druck auf andere Frauen aus, ebenfalls die Hüllen fallen zu lassen, nach dem Motto: Kämpft mit uns, zieht Euch aus. Daß nun die Muslimas klar und deutlich NEIN sagen, ist ein positives Zeichen. Die Befreiung der Frauen ist nicht nur (wenn überhaupt) mit „perfekten“ nackten Frauenkörpern zu machen. Wenn jemand unterdrückt ist, dann muß er selbst entscheiden, mit welchen Mitteln er sich befreit. Es macht auch nicht jeder beim bewaffneten Kampf mit, manche sehen darin kein Befreiungspotential.

Überhaupt muß man die Frage stellen, inwieweit Femen überhaupt etwa erreicht, außer eben Publicity. Sie etablieren eine Marke, die sich gut verkaufen ließe (oder läßt?), aber wie auch nur eine Frau durch nackte Frauenkörper frei geworden sein soll,müßte man mir nochmal erklären.

Andreas Moser schreibt zwar:

Well, if it helps to attract more people to join a protest, I welcome it as a positive factor.

Zu deutsch: Nun, wenn es hilft, mehr Leute dazu zu kriegen, mitzuprotestieren, begrüße ich es als einen positiven Faktor.

Doch genau das – mehr Leute beim Protest – bezweifle ich. Zumindest was den Protest außerhalb der Ukraine angeht. In der Ukraine mag es so sein, daß der Tabubruch, der mit den nackten Frauenkörpern zusammenhängt dazu führt, daß Themen in die Presse kommen, die sonst nicht dahin kämen. In dem Fall würden diese Frauen ihre Körper benutzen, um ihren Protest in die Öffentlichket zu kriegen. Bei Staaten mit von der Staatsführung kontrollierter Öffentlichkeit mag das funktionieren. Auch hierzuland mag man so eine Öffentlichkeit für bestimmte Themen schaffen können, aber das kann nur ein Anfangsimpuls sein. Mehr nicht. Und wenn man die Methode zur eigenen Befreiung auch anderen als Methode vorgeben will, muß man eben mit Kritik rechnen. Die muslimischen Frauen werden ihre eigenen Methoden entwickeln, wie sie sich ihre Freiheit erkämpfen. Methoden, die in die Kultur passen und nicht neue Schlachtfelder eröffnen, so daß es tatsächlich um Freiheiten geht und nicht um Sittlichkeit. Wie das vonstatten geht und gehen wird – weiß ich nicht. Ich bin nicht im Thema drin. Aber wie fänden es die Ukrainer wohl, wenn Feministinnen mit Koranversen ankämen, um die Frauen zu befreien?

Gesellschaft

Verantwortung

Ask not, what your country can do for you,ask what you can do for your country.

John Fitzgerald Kennedy
35. US-Präsident

Ich habe diesen Artikel ja schonmal angekündigt. Jetzt ist er dran. Damals schrieb ich, daß die Verantwortung die Grenze für die Toleranz bildet. Jeder Mensch toleriert nur das, was er verantworten kann. In einem älteren Artikel zitierte ich einen alten Lehrer von mir, der – IMHO zu Recht – die Verantwortung als Maßstab für die Freiheit nannte. Freiheit ist nur insofern gut, als daß eine ebenso große Verantwortung damit einhergeht.

Hier soll es nun um die Verantwortung gehen, und wie sie mit Freiheit und Toleranz interagiert.

Beim Nachdenken über diesen Artikel fiel mir auf, daß überall, wo von Freiheit die Rede ist, auch von Verantwortung gesprochen werden kann: Luther übernahm die Verantwortung für seine Ansichten und sein Handeln vor Gott und sprach damit der damaligen Kirchenhierarchie ab, bestimmte Dinge für ihn zu entscheiden. Die Eigenverantwortung vor Gott brachte ihn quasi dazu, Papst und Kaiser zu widersprechen, und das durchzuhalten.

Spätere Freiheitsbestrebungen kann man durchaus so verstehen, daß die Völker, die gegen ihre Monarchen aufbegehrten, die Verantwortung für ihre Staatsordnung selbst übernehmen wollten. Man versuchte so gesehen also, den Monarchen von seiner Verantwortung für das Land zu entbinden. In den meisten Fällen wohl aus dem Grund, weil die Monarchen ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden, sondern in die eigene Tasche wirtschafteten.

Kant weist mit seiner Definition der Aufklärung in eine ähnliche Richtung:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Er beschreibt die Unmündigkeit als Unvermögen, sich ohne Leitung durch andere des Verstandes zu bedienen. Man könnte wohl auch sagen: Man ist unmündig, wenn man nicht in der Lage ist, Verantwortung für sich, sein Denken und seine Taten zu übernehmen. Wenn Aufklärung die Freiheit des Menschen zum Ziel hat, dann gehört dazu auch, selbst Verantwortung zu übernehmen. Man könnte provokant formulieren:

Du willst Freiheit? Dann übernimm Verantwortung!

Doch bei Kant kann man auch eine andere Alternative raushören. Es ist nämlich durchaus die Möglichkeit gegeben, daß der Mensch keine Verantwortung übernimmt. Kant spricht einerseits von den Mutlosen, als auch vom Mangel an Verstand. Wer keinen Verstand hat, kann sich dessen nicht bedienen. Und wer, wieso auch immer, den Mut dazu nicht hat, ebenso.

Ich stelle mir die Frage, was mit solchen Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft passiert? Einer Gesellschaft, die die Freiheit voraussetzt, und damit auch die Verantwortung? Muß es nicht zu Problemen kommen, wenn Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, diese trotz allem aufgehalst bekommen? Muß es die Option geben, Freiheit (und damit auch Verantwortung) abzulehnen?

Ich meine, man kann niemandem Freiheit verordnen, denn dazu müßte derjenige auch die entsprechende Verantwortung übernehmen (können). Darin sehe ich auch einen Hauptgrund, wieso das mit dem Nationbuilding nach westlichem Muster sowohl im Irak als auch in Afghanistan schief gelaufen ist. Und auch in Ägypten spielt es wohl eine Rolle. Daneben gibt es noch die militärische Komponente, die in diesem Artikel zu kurz kommt. Denn Verantwortung zu übernehmen ist die eine Sache, sie zugesprochen zu bekommen eine andere.

Ich meine, man kann nur einzelnen Menschen anbieten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und sind es genug, die dies für sich entschieden haben, werden sie auch auf dem einen oder anderen Weg danach streben, die damit verbundenen Freiheiten in der Gesellschaft zu etablieren.

Je mehr ich drüber nachdenke ärgern mich diese absoluten Positionen: Entweder freie Gesellschaft oder Abhängigkeit vom Regime. Zumal es ja Menschen gibt, die durchaus in Abhängigkeit leben (müssen), weil sie keine Verantwortung übernehmen (können). Ich denke hier vor allem an Kinder (in verschiedenen Abstufungen nach Alter und Entwicklung), geistige Behinderungen und Komapatienten.

Als ich meine Examensarbeit schrieb, fiel mir auf, daß staatliches Bevormundungsdenken früher zu Kaisers Zeiten wohl auch im Sinne einer Fürsorge verstanden wurde. Man war der Ansicht, die Obrigkeit müsse die Verantwortung für das Volk (oder bestimmte Teile desselben) übernehmen. Ich konnte dem, bei aller Ablehnung, auch einen positiven Aspekt abgewinnen. Nämlich, daß niemand sich selbst überlassen werden sollte. Welch Unterschied zu heutigen Konservativen (ist die SPD auch konservativ?), die eigentlich liberal denkend den Menschen eine Eigenverantwortlichkeit verordnen wollen, weil der Staat seiner Verantwortung, die Renten zu zahlen, nicht nachkommen kann oder will.

Um nochmal zu den Freiheitsbestrebungen der Aufklärungszeit zurückzukommen: Die ergeben ja nur da Sinn, wo der Monarch die ihm verliehene Verantwortung mißbraucht. Der gute König sorgt für seine Untertanen. Tut er das nicht, hat er kein Recht mehr auf sein Amt, das in der Verantwortung begründet sein soll, nicht in der Selbstbereicherung. Da der Mensch die Selbstbereicherung mehr liebt als die Verantwortung, ist die Monarchie wie alle anderen absoluten Regierungsformen abzulehnen.

Übrigens: Meine Examensarbeit schrieb ich über Adolf Stoecker, der wohl auf ähnlichen Gedanken fußend sogar die Sozialdemokraten (wohlgemerkt die des 19. Jhd.) als Liberale bezeichnete.

Den Gegenpol zu diesen „Liberalen“ bildete dann etwa kirchliche Fürsorgearbeit, die sich der Menschen annahm, die Angenommenen dann aber auch bevormundete. Zum Glück sind wir heute davon weg. Naja, im Idealfall wenigstens.

Wo auf der einen Seite die Bevormundung das Problem ist, steht auf der anderen Seite die Überforderung.

Denn ohne selbst Verantwortung zu übernehmen ist man auch nicht frei. Man wird dann, je nach Kontext zum Stimmvieh oder zur Konsummasse. Umgekehrt gipfelt Verantwortung zu übernehmen, ohne die dazu nötige Freiheit zu haben, in Bevormundung und Unterdrückung.

Und während das erstere durchaus ein Problem unserer Gesellschaft ist (Stimmvieh läßt sich wunderbar von Meinungsführern dirigieren), ist das letzte eher ein Problem repressiver Staaten. Dieses Problem wurde historisch oft durch Freiheitskriege oder Revolutionen gelöst.

Ich frage mich, ob es eine Möglichkeit geben kann, daß Bürger Verantwortung (und damit bestimmte Freiheiten) abgeben können, indem sie sagen: „Ich kann das nicht, soll sich wer drum kümmern, der sich auskennt.“ Dann müßten sie mit den Konsequenzen leben. Es stellt sich wieder das Problem der Bevormundung. Mir scheint, daß sowohl die repräsentative Demokratie (nur wer sich aufstellen läßt kann gestalten, wenn er gewählt wird, reine Wähler nicht) als auch die Liquid Democracy Versuche sind, das Problem zu lösen. Ne direkte Demokratie scheint mir dagegen wieder in Richtung Aufdrängung einer womöglich nicht gewollten Freiheit zu gehen, aber das ist nur ein erster Eindruck.

Nachdem nun das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung weitgehend dargestellt ist, wie war das nochmal mit der Toleranz?

Dazu nochmal zu den Fürsten. Die tolerierten ja in ihrer Mehrheit nicht die Freiheitsbestrebungen ihrer Untertanen, unabhängig davon, ob diese nun Verantwortung übernahmen oder nicht.

Und das mußten die Fürsten selbst verantworten. Manche wanderten dafür auch auf die Guillotine. Heißt das nun, daß man Nazis marschieren lassen soll, weil sie sonst gewalttätig wären?

Nun ja, die Frage muß sich jeder selbst beantworten. Eine eindeutige ethische Antwort wird es wohl nicht geben. Wenn zwei Parteien für sich sowohl Verantwortung übernehmen als auch die damit verbundene Freiheit ausleben, kann dies zu ziemlichen Konflikten führen. Denn während die meisten Leute wohl davor zurückschrecken würden, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß bürgerliche Freiheiten wie das Versammlungsverbot ausgehölt werden, interessieren sich andere gar nicht für solche Freiheiten, ja heißen deren Aushöhlung vielleicht gut.

Es ist auch nur ne Scheinlösung, daß man die Freiheit der anderen respektieren soll und die eigene Freiheit an der Freiheit der anderen aufhört. Wenn ein Kind mit dem Feuer spielt, greife ich ein. Wenn derjenige, der (auch im übertragenen Sinn) mit dem Feuer spielt, dann denke ich, sollte ich auch eingreifen, seine Freiheit einschränken und die Verantwortung dafür übernehmen. Bonhoeffer beteiligte sich an der Planung eines Hitlerattentats. Er war sich dessen bewußt, daß das, was er tat, eigentlich falsch war, und tat es trotzdem, weil das andere falscher gewesen wäre. Er trug die Konsequenzen. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg aufgehängt. Angeblich war der Lärm der Front schon zu hören.

glaube

Song of Freedom

Das „Freiheitslied“, das Marley hier singt, heißt „Redemption Song“, also Erlösungs-Lied, und ich finde es wahnsinnig stark. Stark erst mal im 70er Jahre Stil, also gut, cool, groovy, oder wie man heute sagt…

Aber auch stark in seiner Aussage, zumindest soweit ich eine Aussage da raus kriege. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, daß Marley zwar als Christ aufgewachsen ist und auch kurz vor seinem Tod wieder in eine Kirche eintrat, aber dazwischen eben Rastafari war, also Anhänger jener Religion, die in Kaiser Haile Selassie I (bzw. Ras Tafari Makonnen) den wiedergekommenen Messias sieht (im Video kann man ein Bild von ihm hinten an der Wand erkennen). Ich hab jetzt nicht besonders viel Ahnung von Rastafari, aber meine das im Wikipedia Artikel enthaltene schon anderswo gelesen zu haben, daß die Rastafari die Bibel benutzen, im westlichen System „Babylon“ erkennen, man könnte auch sagen „das Böse schlechthin“ und ihren Gott „Jah“ nennen, was nicht zufällig an Jahwe erinnert.

Man könnte sich jetzt überlegen, ob man Rastafari als jamaikanische Befreiungstheologie auffassen will, aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen und außerdem müssen wir Christen nicht alles vereinnahmen.

Mir geht es um das Lied, das – trotz Marleys anderen Glaubens – ganz gut auch für Christen als spirituelles Lied annehmbar ist.

Ein kleines Problem kann der Slang des Liedes sein, bei der Übersetzung mß ich ein Stück weit auch einfach mutmaßen:

Old pirates, yes, they rob I
Sold I to the merchant ships
Minutes after they took I
From the bottomless pit

Alte Piraten, ja sie rauben mich
verkauften mich an die Handelsschiffe
Minuten nachdem sie mich
aus dem Faß ohne Boden genommen haben

Die Situation ist nicht besonders positiv: Vom Verkauf, vom Menschenhandel ist die Rede. Die eigene Person, ein Handelsobjekt, jeder Würde entraubt.
Der Käufer? Kein spezieller. Kein besonderes Handelsschiff, sondern einfach „die Handelsschiffe“. Sozusagen ein Gattungsbegriff, so wie „die Banken“, „die Kapitalisten“…

Aber auch die vorausgehende Situation wird nicht positiv dargestellt. Die „Piraten“ entführen nicht aus einem glücklichen Leben, sondern aus einem Faß ohne Boden. Was das zu bedeuten hat, wird nicht ganz klar, aber positiv ist es wohl nicht zu deuten.

But my hand was made strong
By the hand of the almighty
We forward in this generation
Triumphantly

Aber meine Hand wurde stark gemacht
durch die Hand des Allmächtigen
wir gehen voran in dieser Generation
triumphierend

Es kommt das große Aber. Verkauft, ein Sklave, Herkunft unklar, kein Grund zur Hoffnung, doch dann: Der Allmächtige, also Jah(we) hat die Hand gestärkt. Die Hand, die kann für Handlungsmacht stehen. Trotz der miserablen Lage eine starke Hand, eine Möglichkeit, zu handeln, nicht ausgeliefert zu sein. Und nicht das: Er spricht vom trimphierenden Vorangehen, läßt Hoffnung keimen.

Won’t you help to sing
These songs of freedom?
‚Cause all I ever have
Redemption songs
Redemption songs

Willst Du mir nicht singen helfen?
Diese Lieder der Freiheit
Denn alles, was ich je habe:
Lieder der Erlösung
Lieder der Erlösung

Es scheint, nicht die Hand selbst ist stark, sondern die Stimme. Alles, was er hat, das ist nicht eine Machete oder Kalashnikov, um sich gegen die Unterdrücker durchzusetzen, sondern lediglich ein paar Lieder, die er Erlösungslieder nennt. Und er bittet, beim Singen zu helfen. Soll das der oben genannte „Triumph“ sein? Lieder singen im Angesicht des Unglücks dn sich vormachen, man sei stark, würde trimphieren durch ein paar „Erlösungslieder“?

Emancipate yourselves from mental slavery
None but ourselves can free our minds
Have no fear for atomic energy
‚Cause none of them can stop the time

Emanzipiere Dich von der mentalen Unterdrückung
Niemand außer wir selbst kann unseren Geist befreien!
Hab keine Angst vor der Atomenergie
denn keiner von denen kann die Zeit aufhalten

Die Reaktion. Wieso so abfällig vom Singen der Erlösungslieder reden? Was soll das? Emanzipiere Dich von der Unterdrückung, befreie Deinen Geist! Die Unterdrückung, so scheint es, liegt nicht in der Versklavung, nicht in den Handelsschiffen. Das bodenlose Faß vorher war ja auch nicht ohne. Nein. Die Versklavung liegt im eigenen Geist, im eigenen Denken. Du kannst tausendmal Deine Freiheit erkämpft haben mit Macheten und Gewehren, und trotzdem gefangen sein. Gefangen in den Ängsten, nicht nur Angst vor der Sklaverei, aber vor allen möglichen Unwägbarkeiten im Leben, vor denen Du Dich absichern möchtest, im Zweifel durch Gewalt, durch die Mittel Babylons. Hab keine Angst, nicht mal vor der Atomenergie mit ihren Gefahren, gegen die es kaum einen Schutz gibt. Keiner von denen, die Dir Angst machen, kann die Zeit aufhalten! Und die Zeit arbeitet für uns.

How long shall they kill our prophets
While we stand aside and look? Ooh
Some say it’s just a part of it
We’ve got to fullfil the book

Wie lange sollen sie unsere Propheten ermorden
während wir nr daneben stehn und zugucken?
Einige sagen, es sei nur ein Teil dessen
Wir müssen die Schrift erfüllen

Was soll das „befrei Deinen Geist“ bringen? Wie lange sollen wir denn noch zusehen wie sie unsere Anführer umbringen? Da muß man doch handeln! – Ja, mag sein, doch einige sagen, die Ermordung der Propheten gehört dazu, wir müssen die Schrift erfüllen. Aber

Won’t you help to sing
These songs of freedom?
‚Cause all I ever have
Redemption songs
Redemption songs

Willst Du mir nicht singen helfen?
Diese Lieder der Freiheit
Denn alles, was ich je habe:
Lieder der Erlösung
Lieder der Erlösung

Willst Du mir nicht beim Singen helfen? Wenn die Prophetenermordet werden, ist es nicht wichtiger ihre Botschaft weiter zu tragen, statt sich mit Gewalt an ihren Mördern zu rächen? Alles, was wir je haben, sind Erlösungslieder. Lieder der Freiheit.

Befreie Dich von Deiner geistigen Versklavtheit, keiner außer uns kann unsere Geiste befreien. Fürchte Dich nicht vor Atomkraft, denn von denen kann keiner die Zeit anhalten! Wie lange sie noch nsere Propheten ermorden sollen? Nun, einige sagen, das muß geschehen, aber hilf Du mir doch, diese Freiheitslieder zu singen, die Erlösungslieder.

Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch frei machen.
(Joh 8, 32)

Uncategorized

Waffenexport

Jetzt werden also 200 Panzer nach Saudi Arabien geliefert, um dort die Revolution zu verhindern die Region zu stabilisieren. Toll! Gut für den Industriestandort, gut für die Arbeitsplätze, gut für die Regierung, die ja ach etwas Steuern einnehmen sollte bei der ganzen Sache.

Sicher, es ist nicht schön, wenn mit deutschen Waffen Menschen ermordet werden, vor allem wenn es sich vielleicht nicht um böse Diktatoren und deren Handlanger, sondern um demonstrierende Jugendliche aus dem unterdrückten Volk handelt. Aber das war bisher kein Hinerungsgrund, etwa Libyen und Irak auszurüsten, wieso also bei Saudi Arabien?

Irgendwo hab ich mal gehört, daß Deutschland sehr strikte Ausfuhrgesetze hat. Die haben auch schon bei der Türkei, immerhin NATO Partner dazu geführt, daß ne geplante Panzerlieferng lange in den Schlagzeilen war. Ist schon ne Weile her.

Aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß weniger die Frage eine Rolle spielt, ob es sich m eine Krisenregion handelt, sondern vielmehr, wer unter Umständen mit den Waffen in Schach gehalten werden könnte, Kollateralschäden werden hingenommen. Vielleicht passt hier auch das Lieblingswort der Regierenden: „alternativlos“. Paßt sonst recht häufig.

Ich denke aber, daß es eben nicht darum geht, wer in Schach gehalten werden kann, mit den Waffen, sondern eben genau um die zu befürchtenden „Kollateralschäden“, etwa beim unterdrückten eigenen Volk oder von benachbarten Inselvölkern (nein, nicht England, Bahrain).

Und ich frage mich, ob es nicht Zeit wäre, sich einmal Gedanken zu machen, ob man nicht Waffenexporte af die Länder beschränkt, die Mitglied der EU sind. Die haben jedenfalls (soweit ich das sehe) keine schwelenden Konflikte, und auch wenn allenorts auch und gerade in der EU die Freiheit eingeschränkt wird, so ist doch noch relativ viel davon vorhanden.

Vielleicht würde das Arbeitsplätze kosten, in der Waffenindustrie. Aber andererseits: Wir haben ja auch gerade mal wieder den Ausstieg aus der Kernenergie vollführt, und man wird ja nicht müde ns z erklären, daß noch nicht klar ist, woher der ganze Strom in Zukunft kommen soll. Das wäre doch zum Beispiel ein veritables Betätigungsfeld für arbeitslose Waffeningenieure und Panzerrohrpolierer. Der Export von ökologischen Kraftwerken ist auch meines Wissens nicht beschränkt, man dürfte wohl auch Iran Windräder liefern (und wenn die die Finger dann von der Kernkraft lassen, umso besser).

Vielleicht wäre hier ja auch ein neues Betätigungsfeld für die Grünen, nachdem der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie durch ist und auch fast niemand mehr vom Waldsterben redet. Getreu dem Motto Frieden schaffen ohne Waffen könnten sie sich gezielt für den „ohne Waffen“ Part einsetzen, nachdem in der letzten Regierungsperiode der Grünen das Frieden schaffen (damals aber noch mit Waffen im Kosovo und in Afghanistan) den Hauptaugenmerkt bekam.

Oder die Piratenpartei nimmt sich des Themas an und pusht das ein bißchen: Es geht ja auch um Transparenz, wobei ich sowieso nicht verstehe, wieso Deutschland die Geschäfte anderer Länder geheim hält. Aber ich verstehe so einiges nicht, das wäre aber ein neues Thema.

Uncategorized

Refutatio der Thesen von Dirk Winkler

Ein mir nicht weiter bekannter Dirk Winkler hat auf der Homepage des Humanistischen Pressedienstes einen Text veröffentlicht, in dem er sich mit den „Schmähungen von religiösen Funktionären“ beschäftigt und Thesen bezüglich Theismus und Atheismus aufgestellt, die in der Einleitung des Textes als „selbstbewußt, freundlich und verständlich“ beschrieben werden.

Auch wenn alle drei Attribute stimmen – er bleibt stets freundlich auch bei der Forderung nach Entzug des Rederechts für Religöse, er ist stets selbstbewußt, und ich verstehe auch was er meint, inklusive der aus meiner Sicht falschen Voraussetzungen von denen er ausgeht – möchte ich mit diesem Text auf seine Forderungen und Überlegungen eingehen, ja sie in den Kernaussagen zu widerlegen (refutare) versuchen. Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß ich mich zwar schon in gewisser Hinsicht als konservativ gläubig verstehe, aber liberal-aufgeklärt denke und somit nicht so einfach zu den Fundamentalisten passe (die mögen mich auch nicht), auch wenn andere das anders sehen werden. Insofern stehe ich vieleicht nicht für das Christentum, das Winkler bei der Verfassung seines Textes vor Augen hatte. Da er die Theisten nicht differenziert, sehe ich dies nicht weiter als Problem an.

Das Ganze kann durchaus etwas bruchstückhaft werden, weil ich vor allem Denkfehler bei Winkler aufzeigen will, und diese nicht immer im Zusammenhang miteinander stehen. Bei einigen Punkten werde ich weiter ausholen, um mich verständlicher machen zu können.

Seinen Einstieg ins Thema wählt Winkler mit der Frage nach der Vermittlung und Werten. Auf religiöser Seite würde behauptet, der Atheismus biete keine Werte an (eine Aussage, der Winkler erst zustimmt, später widerspricht er ihr) im Gegensatz zur Religion und Glauben, die Werte vermittelten, und ihrerseits wichtig für das Miteinander der Menschen sind.

Um es nicht von Anfang an zu Mißverständnissen kommen zu lassen: Religion unterscheidet sich hier strukturell nicht vom Atheismus. Wenn das eine Werte beinhaltet oder vermittelt, so auch das andere. Eine andere Frage ist die Bewertung der jeweiligen Werte.

Winkler geht auf den Vorwurf ein, Nationalsozialismus und Stalinismus seien Resultate atheistischen Denkens. Er meint, beim Nationalsozialismus ruhte „fest im Glauben an einen Gott“. Das hätte ich gerne noch weiter ausgeführt und belegt. Ich sehe nicht, wo es für den Nationalsozialismus strukturell wichtig war, von einem Gott auszugehen. Nach meiner Meinung war Gott dem Nationalsozialismus egal, wenn auch manchmal der Begriff Gott in der Propaganda vorgekommen sein mag. Alles in allem denke ich doch, daß Hitler der eigentliche Gott der Nazis war, dessen Wille allzeit erfüllt werden mußte.

Ähnlich sieht es beim Stalinismus aus. Doch kann sich Winkler, nur weil er meint, hier pseudoreligiöse Züge zu erkennen (die es zweifellos sowohl bei Hitler als auch bei Stalin als auch bei anderen wie etwa Mao gab), diese Diktatoren und Systeme nicht undifferenziert der Religion zuschlagen. Konsequent zu Ende gedacht wäre dann auch Atheismus Pseudoreligion, wenn auch ohne Gott. Zu den strukturellen Übereinstimmungen von Theismen und Atheismen komme ich unten noch einmal zurück.

Weiterhin behauptet Winkler, daß alle Religionen behaupteten, Glaube sei ein absoluter Wert. Das ist zunächst einmal vollkommen falsch. Es gibt Religionen, bei denen der Glaube nebensächlich ist. Viele Religionen legen den Hauptaugenmerk nicht auf den Glauben, sondern auf das Tun. Wenn man sich an die richtigen Ruten und Verhaltensweisen hält, kann der Glaube dann zur absoluten Nebensache werden. Nur weil es im Christentum zu einer großen Wertschätzung des Glaubens gekommen ist (wenn ich es richtig sehe auch viel mehr als in Judentum und Islam, die sonst dem Christentum sehr nahe stehen), kann Winkler also nicht verallgemeinern. Im Weiteren muß angemerkt werden, daß auch im Christentum der Glaube nicht unbedingt als absoluter Wert angesehen werden kann (einzelne christliche Gruppierungen ausgeschlossen, jaja, Verallgemeinerung führt zu falschen Schlüssen).

Wenn Winkler unter einem Wert etwas versteht, das der Mensch tun kann, an das er sich von sich aus halten kann, wie etwa Fleiß oder Ehrlichkeit, dann ist der Glaube wen nicht aus christlicher Sicht, so dann doch wenigstens bei vielen Christen, die sich auf die Reformation berufen, kein Wert (und ich bin mir ziemlich sicher daß es Orthodoxe und Vatikan auch ähnlich sehen, wenn auch mit leichten Abwandlungen). Denn Glaube ist nichts, was der Mensch von sich aus tun kann, sondern von Gott – aus Gnade und Liebe zu den Menschen – geschenkt. Glaube kann Grundlage sein für eine Wertbildung, ist aber selbst kein Wert.

Winkler fährt fort mit der Behauptung, bei der Nichtexistenz Gottes sei der Glaube an Gott ein Negativum. Hier hätte ich gerne ein Erklärung gelesen, es bleibt jedoch bei der Behauptung, er scheint hier ein Atheistisches Dogma zu formulieren, das nicht weiter hinterfragt werden kann und soll (ich hab ja persönlich kein Problem mit der Existenz von Dogmen, irgendwann kann man nicht mehr argumentieren, wenn man nicht in einen Zirkelschluß kommen will, aber es wäre hilfreich, wenn Winkler sagen würde, daß es sich hier um ein Dogma handelt bei dem er nicht bereit ist, weiter zu diskutieren).

Winkler sagt, Religion ist nicht notwendig um Werte zu formulieren. Ich würde es anders ausdrücken: Es braucht zum Formulieren von Werten nicht den Glauben an einen oder mehrere Götter. Im Gegensatz zu Winkler meine ich jedoch, daß auch Atheismus Werte bietet, zumindest der Atheismus, den er beschreibt. Wie gesagt, Religion ist hier von Atheismus nicht unterschieden. Doch wie verschiedene Religionen verschiedene Werte predigen, tun dies auch verschiedene Atheismen. Man muß eben differenzieren. Wie man diese Werte bewertet, hängt dann von der eigenen Religion oder dem eigenen Atheismus ab. So war es für Stalin ein Wert, Andersdenkende zum Schweigen zu bringen. Leider sehe ich ähnliche Ansätze auch bei Winkler, wenn auch nicht begleitet von der Forderung nach einem stalinistischen UNterdrückungssystem, Winkler spricht sich dazu nicht aus. Ich denke auch, daß er es gar nicht will, trotzdem erwecken seine Äußerungen weiter unten den Eindruck, daß er in diese Richtung tendiert. Auch dazu unten mehr.

Winkler meint, für die Entscheidung, wie man Werte begründet ist es wichtig, ob es einen Gott gibt oder nicht, denn gibt es einen Gott, so ist das Unterfangen, Werte außerhalb von ihm zu suchen „irrig und vergebens“. Da kann ich ihm nur zustimmen. Nicht zustimmen kann ich ihm bei seiner Ansicht, man könne Werte nur dann durch Gott begründen, wenn es wirklich einen Gott gibt. Ich kann Werte durch meine Vorstellung von Gott begründen, unabhängig davon, ob es diesen Gott gibt.

Winkler scheint anzunehmen, daß wir entscheiden können, was wirklich ist, dabei gehen wir alle nur mit Beschreibungen der Wirklichkeit um, bei manchen kommt Gott vor, bei anderen nicht. Nun ist Winkler überzeugt, daß seine Beschreibung der Wirklichkeit wahr ist und alle anderen nicht. Prinzipiell ist das auch gar kein Problem, auch ich meine, Recht zu haben und nicht einem Irrtum aufzusitzen, mit meiner eigenen Beschreibung der Wirklichkeit. Nur bin ich mir bewußt, daß andere Menschen die Wirklichkeit anders beschreiben, und daß ich kein Kriterium besitze, zu beweisen, daß ich im Recht bin und die anderen nicht. Deshalb denke ich, jeder soll nach seiner Façon gücklich werden, auch wenn ich natürlich versuche, meinen Glauben zu erklären und darzustellen. Das kommt auf diesem Blog ja immer mal wieder vor.

Winkler macht auf mich den Eindruck, daß er eben nicht nur meint, Recht zu haben, sondern er wähnt sich auch im Besitz eines Kriteriums, an dem er alle anderen Beschreibungen der Wirklichkeit, man könnte etwas altbacken auch von Bekenntnissen sprechen (ja, man kann auch bekennen, daß es keinen Gott gibt), messen kann. Das geht nur, falls man von den gleichen Grundannahmen ausgeht, die dann tatsächlich als Kriterium dienen können. Bei unterschiedlichen Bekenntnissen sind aber auch die Grundannahmen meist unterschiedlich, so setzt einer einen Gott voraus, der andere nicht.

Bei Winkler scheint es eine wahre Beschreibung der Wirklichkeit zu geben, und alle anderen sind falsch und müssen sich der Kritik dieser seiner Wahrheit unterziehen. Wäre Winkler religiös, würde man zu Recht von Fundamentalismus sprechen, auch wenn er, im Gegensatz zu vielen religiösen Fundis, ganz nett und freundlich daher kommt. Wer neben seiner eigenen Wirklichkeit nichts anderes gelten lassen will, der ist Fundamentalist.

Das scheint dann auch in die Frage nach der Beweisbarkeit Gottes reinzuspielen. Winkler will einen Beweis Gottes, um Gott anzunehmen So lange Gott nicht bewiesen ist, ist dieser für Winkler nicht existent (also war die Erde auch flach bevor die Kugelform bewiesen wurde? Man verziehe mir diese spitze Bemerkung). Hier beißt sich jedoch die Katze in den Schwanz. Denn Wissenschaft wird betrieben etsi deus non daretur (lustigerweise gilt dies auch für die Theologie), also als ob Gott nicht gegeben wäre. Wie soll nun die logische Möglichkeit bestehen, Gott nachzuweisen, wenn ich mich in einem System bewegen muß, zu dessen definitorischen Grundlagen es gehört, daß Gott nicht darin vorkommt? Es ist unmöglich, und zwar unabhängig davon, ob es Gott gibt oder nicht. Es ist so unmöglich wie es unmöglich ist, im zweidimensionalen Raum ein Volumen zu beschreiben oder nachzuweisen. Es geht nicht. Der Atheist, der einen Beweis für Gott verlangt, muß logischerweise auch seinen Denkhorizont verlassen, und sich in einen anderen Horizont begeben. Doch da wird dann plötzlich alles anders. Von Beweisen im naturwissenschaftliche Sinn kann man vielleicht gar nicht sprechen (das wäre doch mal Wert zu überdenken, wo wir es grad von Werten hatten), vielleicht kommt hier das Gefühl zum Tragen (das Winkler später plötzlich auch aus dem Zylinder zaubert, ohne zu sagen, wo er es herholt).

Werte können jedenfalls, so meine ich, durch alles mögliche begründet werden. Winkler mag es negativ bewerten, wenn man Werte durch etwas begründet, was in seiner Welt nicht vorkommt. Damit muß an dann leben. Nur muß Winkler dann unter Umständen auch mit dem Fundamentalismusvorwurf leben. Vielleicht ist alles nur ein Mißverständnis, vielleicht läßt es sich klären, dazu gibt es ja Kommentare und Pingbacks 😉

Ein weiteres Dogma Winklers folgt im Text, und zwar die Aussage, daß falsche Annahmen der Wirklichkeit dem Menschen mehr schaden, als sie ihm helfen. Nun, wenn man mal bei Seite läßt, daß er hier wieder davon ausgeht, daß zu entscheiden sei, ob eine Annahme der Wirklichkeit entspricht, also wahr ist, und nicht nur einer bestimmten Wirklichkeitsbeschreibung entspricht, er gibt keine Erklärung dafür ab. Es muß sich um ein Dogma handeln.

Denn wie wäre es denn, nehmen wir a, jemand wäre unheilbar krank, und würde definitiv in 6 Monaten sterben. Ein Wissen darum würde ihm die letzten Monate unter Umständen verdunkeln, er nähme Schaden, würde leiden, auch wenn er von der Krankheit keine Schmerzen hat. Wen er in 6 Monaten einfach umfällt, und bisher immer ein glückliches Leben geführt hat, nimmt er unter Umständen weniger Schaden. Dazu müßte man vielleicht noch definieren, was man als Schaden ansieht. Noch so eine unklare Sache. Das Beispiel ist übrigens das, was mi zuerst in den Sinn kam. Es mag bessere Beispiele geben um zu verdeutlichen, was ich meine: Es könnte unter Umständen besser sein, falsche Annahmen von der Wirklichkeit zu haben. Es sei denn man schließt dies durch Dogmen aus.

Die Vorstellung, die Winkler von der Entstehung heiliger Texte hat, ist dann doch etwas belustigend: Jemand stellt sich hin, schreibt nen Text, deklariert ihn als heilig und unterdrückt damit dann Tausende wenn nicht Millionen. Ich will nicht in Abrede stellen, daß Menschen mit religiösen Texten und durch religiöse Strukturen allgemein unterdrückt wurden. Das fand und findet statt. Aber Texte werden zu heiligen Texten, weil es Menschen gibt, die ihnen, erst einmal ganz ohne Zwang, Heiligkeit zuschreiben. Er mag den Versuch antreten, einen Text schreiben, in als heilig deklarieren, und dann die Jünger zählen und sehen, ob seine Religion Bestand hat. Selbst Sekten fangen meist nicht bei NULL an, sondern beziehen sich auf irgendwelche etablierten Texte und Denkmuster, die sie dann nach eigenem Gusto abändern.

Ich stimme Winkler zu, daß das unkritische Nachbeten von Werten der schlechteste Weg ist, Werte zu begründen (sowas gibt es in Theismen und Atheismen). Nur ist kritischer Verstand kein Alleinstellungsmerkmal des Atheismus. Schon vor dem Aufkommen des Atheismus, vor dem Zeitalter der Aufklärung, hat man sich mit kritischem Verstand religiösen Überzeugungen zugewandt. So kam es unter anderem zur Reformation, die immer wieder als Voraussetzung für die Aufklärung ins Spiel gebracht wird. Aber das nur am Rande.

Inwieweit Atheismus „notwendige Voraussetzung für einen unbelasteten Ausgangspunkt auf der Suche nach positiven Werten“ ist, kann ich nicht nachvollziehen. Gut, entsprechend seinem Weltbild behauptet Winkler das. Ich könnte das Gleiche vom Glauben an den dreieinen Gott sagen, und Winkler würde mir vehement widersprechen. Ich würde sagen: Man kann beides als Ausgangspunkt wählen, aber keiner kann für den anderen nachvollziehbar behaupten, im Recht zu sein.

Denn in der Lage, „ohne Scheuklappen, ohne Vorurteile, ohne Dogmen mit offenen Augen und kritischem Geist durch das Leben gehen zu können“ bin ich mindestens genau so ie Winkler. Zumindest bilde ich mir dies ein, man möge mich widerlegen.

Natürlich, ich habe meine Dogmen, aber ich meine, auch bei Winkler einige Dogmen erkennt zu haben. Scheuklappen und Vorurteile versuche ich bei mir zu vermeiden, ich hoffe, es gelingt mir, Winkler scheint auch nicht ganz frei von Vorurteilen dem gegenüber, was er Religion nennt, zu sein. Jedenfalls beschreibt er sie durchgehend sehr eindimensional und undifferenziert. Den kritischen Geist nehme ich voll für mich in Anspruch, und dies steht auch in keinem Widerspruch zu meinem Glauben und die Augen bemühe ich mich auch offen zu halten. So kam ich ja auch auf den Artikel von Winkler.

Nebenbei, man sollte mit den Begrifflichkeiten aufpassen. Denn was ist denn Religion? Ein Satz von Überzeugungen, auch Riten, die die Welt erklären sollen. Man kann auch sagen, Religion beschreibe einen Weg, um zu Werten zu kommen. Dabei ist jede Religion anders. Und da rein würden dann auch sämtliche Atheismen fallen. Und diese würden dann Werte bieten, wobei der Atheismus als solcher viel zu vage ist, als daß man davon schon einen Wert ableiten könnte (oder doch? ich trau es mir nicht zu). Gleiches gilt aber auch für den Theismus, da sich dahinter auch alle möglichen bekannten und unbekannten Systeme verbergen. Deshalb benutze ich hier die Begriffe Atheismus und Theismus, die sich nur darin unterscheiden, ob man nun ein oder mehrere Götter annimmt oder nicht. Eigentlich ist das auf das Ganze gesehen ein äußerst kleiner Unterschied (wenn auch ein äußerst Wichtiger).

Ein Mensch kann selbst Werte begründen. Ich denke jedoch, die geht nicht ohne einen Gott. Doch muß man hier mit dem Gottesbegriff aufpassen. Ich fasse den Begriff Gott hier weiter, als man ihn in der Umgangssprache faßt, meine aber, damit strukturelle Klarheit zu gewinnen in Bezug auf Unterschiede zwischen Theisten und Atheisten.

Unter Gott verstehe ich das, was dem Individuum das höchste Gut ist. Für religiöse Menschen ist dies im Idealfall der jeweilige Gott oder der Göttervater vielleicht auch in einem Polytheismus. Ich sage Idealfall, weil ich davon ausgehe, daß kein Mensch diesen Anspruch sein ganzes Leben lang durchhalten kann. Das hat etwas mit der Sünde (wichtig ist der Singular!) zu tun, das ist jedoch ein ganz anderes Thema auf das ich hier nicht eingehen will (wenn jemand an dem Thema Interesse hat mag er sich melden, vielleicht gibt’s dazu dann nen eigenen Artikel im Blog).

Da jeder Mensch ein höchstes Gut hat, von dem er seine Werte ableitet, hat auch jeder Mensch einen Gott nach dieser Definition. Ob dieser Gott nun ein übersinnliches, persönliches, lebendes Wesen ist, wie in den meisten Weltreligionen, ein (heiliges) Buch (ja, das ist ein Seitenhieb auf die Fundamentalisten) oder ein Prinzip, ob ein Mensch oder was auch immer, spielt dabei keine Rolle. Dieses höchste Gut ist es, ob nur eingebildet oder nicht, das unsere Wertebasis ist. Da dieses höchste Gut nicht ein übersinnlicher Gott sein muß, andererseits aber alle Menschen von diesen jeweils eigenen höchsten Gut ihre Werte ableiten (oder es versuchen oder behaupten – genau: Sünde), kann der Mensch natürlich ohne einen Gott, wie Winkler den Begriff versteht, Werte begründen.

Übrigens kommen Theisten und Atheisten jeglicher Couleur häufig zu ähnlichen Werten, auch bei völlig verschiedenen höchsten Gütern oder Göttern. Denn irgendwo sind sie sich doch alle ähnlich, zumindest die Populären. Wäre dies nicht der Fall, würde unsere Gesellschaft auseinanderbrechen, weil es keinen Konsens mehr gäbe und alle gegeneinander arbeiten würden, ja weil ihre unterschiedlichen Götter (meine Begrifflichkeit) dazu führen würden, daß die Konflikte aufbrechen. Denn es können auch höchste Werte auftreten, wie „Rassenhygiene“. Aber schon ein kleiner Gesundheitswahn (höchster Wert=Gesundheit, wie auch immer definiert) kann zur Diskriminierung dicker Menschen führen…

Winkler nennt jetzt als Grundlage für seine Werte das menschliche Bedürfnis und die natürlichen Neigungen des Menschen. Dabei stellt sich das Problem, was denn nun natürlich ist:

Ist homosexuelle Neigung natürlich? Wenn ja, wie ist es mit pädosexueller Neigung? Sagen kann man nur, aß es beides wohl gibt. Was wir als Krankheit definieren und was als natürlich, hat mehr mit Moralvotellung zu tun als mit wissenschaftlicher Erkenntnis.

Was also krank ist und was normal ist Gegenstand einer Vorentscheidung. So gibt es im christlichen Menschenbild (genau, jetzt kommt schon wieder die Sünde) die Ansicht, daß der Mensch erst einmal schlecht ist. Das hat mit der Ursünde (=Erbsünde) zu tun (ob es die gibt ist übrigens unabhängig von der historischen Existenz von Adam und Eva). Der Mensch ist zwar auch zum Guten fähig, abr dies ist immer nur Geschenk Gottes an den Menschen, und liegt nie in dessen eigener Macht. Deshalb habe ich Zweifel daran, daß der Mensch durch Hören auf seine Neigungen ein Wertesystem ableitet, „dass dem Menschen in seinem Menschsein gerecht wird.“ Ich rechne eher damit, daß der Mensch dann ein Wertesystem ableitet, daß seiner Neigung nach Herrschaft und Kontrolle entspricht auch wenn ihm Wege bewußt sind, es besser zu tun. Das ist übrigens unabhängig von Theismus oder Atheismus so. Der Mensch neigt meiner Meinung nach dazu, sich selbst zu vergöttlichen, also sich selbst höchstes Gut zu sein, dem alles Andere zu dienen hat. Deshalb meine ich, neigen totalitäre Systeme wie Stalinismus und Nationalsozialismus auch zu Pseudoreligiösität.

Wer mein Menschenbild nicht teilt, wird natürlich anderer Meinung sein, und das ist okay. Aber bisher konnte mir noch niemand plausibel machen, warum ich Unrecht haben könnte. Selbst wenn ich von einem rein atheistisch-wissenschaftlichen Weltbild ausgehe, scheint die Empirie meine Behauptung zu belegen. Ich sehe das bei mir und anderen, auch Atheisten 😉

Kommen wir zu einem weiteren Dogma Winklers, und hier offenbart er endgültig seinen Fundamentalismus:

Ein naturalistisches Fundament gründet auf der Realität.

Realität ist das, was seiner Beschreibung der Wirklichkeit entspricht. Daran, an der durch ihn festgelegten Realität, haben sich alle auszurichten. Den Theismen wirft er vor, ihre Fragwürdigkeit nicht in Frage stellen zu lassen, dabei bewegt er sich selbst auch nur innerhalb seines eigenen Systems. Ich wage sogar, so weit zu gehen zu behaupten, daß theistische Menschen durch die Allgegenwart des naturalistischen Weltbildes häufiger in Zweifel kommen und ihren Glauben kritisch hinterfragen, als dies Atheisten tun. Hier scheint man oft, ich kann mich natürlich irren, der Meinung zu sein, das eigene Weltbild entspreche der Wirklichkeit, ohne theistische Weltbilder auch nur zu erwägen.

Allerdings, wo er Recht hat, hat er Recht: Die christlichen Kirchen haben durchaus häufig mit Repressalien reagiert, hat man an ihnen gezweifelt. Nur ist es doch so, daß auch derjenige, der heute Gott bekennt, zumindest in gewissen gesellschaftlichen Kreisen ausgegrenzt wird. In manchen politischen Systemen hat er es aufgrund seines Glaubens mit handfesten Repressalien zu tun (Nordkorea wäre wohl eines der krassesten Beispiele) und auch der Autor fordert Repressalien gegen die theistisch denkenden Menschen. Der Atheismus ist im Gegensatz zum Theismus noch sehr jung. Man sollte also vorsichtig sein, mit einseitigen Schuldzuweisungen, bei aller Schuld, die die Kirchen auf sich geladen haben.

Nun folgt eine famose Behauptung, wiederum ein Dogma: Der Atheismus beruht auf keinen Annahmen, die er nicht beweisen könnte und wäre somit sichere Basis für die Entwicklung einer Ethik für die Menschen. Somit wäre der Atheismus folglich das einzige Haus mit schwebendem Fundament: Vollkommen erdbebensicher. Man kann nicht alles beweisen, da man, um einen Beweis zu führen, auf Bekanntem und Sicherem aufbauen muß. Nur: Dieses bekannte ist entweder schon bewiesen, oder Dogma. Da es keine Dogmen gibt, wie er behauptet (wir sind ja auch schon auf einige gestoßen, aber vielleicht hat an diesen Punkten Winkler tatsächlich nur die Beweisführung ausgelassen), kann diese Kette nur endlos zurückgehen: Eine Sache wird Bewiesen auf Grundlage etwas Bewiesenen, das seinerseits wiederum auf früheren Erkenntnissen beruht und so weiter. Will man nun nicht in die Unendlichkeit gelangen (real gibt es meines Wissens nach keine endlose Beweiskette, es gäbe keinen ersten Beweis), ist man zu einem Zirkelschluß gezwungen. Nur ist damit, wie man es auch wenden will, sämtliche Beweiskraft dahin. Und damit dann wohl auch der Vorteil des Atheismus gegenüber dem Theismus, der sich in der Regel seiner Bezogenheit auf den jeweiligen Gott bewußt ist und somit eine unbewiesene Grundlage annimmt.

Nun wird Winkler pathetisch: Auf dem Feld des Atheismus seien Philosophie, Wissenschaft und Kunst gewachsen, auf dem Feld der Religion Intoleranz, Gewalt, Unterdrückung etc…

Interessanterweise gesteht er dem Atheismus zu, daß es auch dort Irrtümer geben kann. Diese sind jedoch mit Gefühl und Verstand (genau, hier kommt er mit Gefühl, was ja eigentlich in einem naturalistisch-logischem Weltbild nichts zu suchen hat) zu überwinden. Komischerweise, oder steckt dahinter Programm(?), spricht er dieses Gefühl und diesen Verstand dem Theismus nicht zu. Denn auch wenn er zugesteht, daß es „wohlschmeckende Früchte der Religion“ gibt, so werden die doch von Intoleranz, Unterdrückung etc erstickt. Wieso, frage ich mich, geht er davon aus, daß es hier zum Ersticken führen muß, während die Irrtümer beim Atheismus marginal zu bleiben scheinen. Ein weiteres Dogma? Oder kann nicht sein, was nicht sein darf? Er begründet wiederum nicht, er geht davon aus, daß alle seine Meinung teilen und das geht ja auch ganz gut, wenn man sich gegen alles Schlechte, was atheistischen Ursprung haben könnte, immunisiert durch Begriffe wie „pseudoreligiös“ und andererseits den Kirchen Selbstimmunisierung vorwirft.

Aber gleich im Anschluß, zeigt er, daß auch Atheisten zu Intoleranz und Unterdrückungsphantasien neigen können (Irrtümr, die durch Gefühl und Verstand beseitigt werden können? Hoffentlich!):

Wer sich auf Gott beruft, soll nicht mehr gehört werden.

Wie wäre seine Reaktion, forderte ich: Wer sich nicht auf Gott beruft, soll nicht mehr gehört werden? Eben! Ich hoffe, er hat sich vielleicht in eine Euphorie geschrieben und nicht genau bedacht, was er schreibt.

Statt Religionen immer mehr Raum zu überlassen, ist der Samen der Aufklärung zu streuen.

Die Aufklärung war gut und wichtig, und die meisten Forderungen der Aufklärung, wie die kritische Vernunft, sind durchaus mit Religion vereinbar, wie ich meine. Was ich allerdings nicht ganz nachvollziehen kann ist, wo Religionen immer mehr Raum bekommen? Da, wo Kreuze abgehängt werden (nicht daß ich dagegen wäre), oder da, wo Frauen vorgeschrieben kriegen, wie sie sich zu kleiden haben (nach meiner Meinung eines Rechtsstaates unwürdig)? Man könnte hier den Eindruck bekommen, er will Angst vor der voranschreitenden Gefahr der Religion verbreiten, um so die niedrigen Instinkte der Menschen anzusprechen, ihnen einzutrichtern, daß sie selbst in Gefahr sind, wenn es so weitergeht. Das funktioniert auch grad ganz gut beim Thema Hartz IV: Die Gefahr, daß sich die Faulen Arbeitslosen auf unsere Kosten ausruhen. Oder beim Islam. Immer das gleiche Schema. So funktioniert Demagogie, was Winkler sicher nicht beabsichtigte, trotzdem sei darauf hingewiesen.

Auch das weitere:

Das kann schmerzlich sein für die, deren Weltanschauung darauf noch nicht vorbereitet ist. Es wird unvermeidlich zu Anpassungskonflikten kommen. Doch es ist soviel mehr zu gewinnen, als zu verlieren. Zu gewinnen ist ein Miteinander gleichberechtigter Menschen. Zu verlieren ist nur ein sehr sehr alter Irrtum.

Hier denke ich ganz unwillkürlich an Ideologien wie den Kommunismus: Es wird erst einmal schlimmer, gerade für die Bourgoisie, aber am Ende steht der Himmel auf Erden. Das ist, Entschuldigung, naiv. Einen paradiesischen Zustand, der auf Kosten Andersenkender erkauft wird, ist es nicht wert die Bezeichnung „paradiesisch“ zu tragen. Ich bin nicht bereit, Anpassungskonflikte welcher Art auch immer hinzunehmen, auch nicht bei anderen, um damit eine vermeidlich bessere Welt zu bekommen. All diese Utopien von der besseren Welt wenn nur erst dies oder das umgesetzt würde, endeten am Ende im Chaos. Aber vielleicht bin ich mir dessen gerade deshalb so bewußt, weil ich die Geschichte des Christentums kenne mit den immer wiederkehrenden Ideologien. Spätestens hier wird auch Winkler pseudoreligiös.

Am Schluß fragt Winkler noch nach der Aufpasserfunktion der Religion und schießt damit meilenweit am Thema vorbei. Zumindest ich nehme für meinen Glauben in Anspruch, daß er keine Aufpasserfunktion hat. Ich glaube aufgrund dessen, was ich für wahr halte, und nicht um damit irgend eine Funktion zu erfüllen. So funktioniert das nicht. Deshalb kann Winkler auch feststellen, daß trotz Religion Menschen Böses getan haben. Das liegt jedoch nicht am Versagen der Religion, sondern an der Natur des Menschen, die eben böse ist.

Eine Erklärung, wie man das Böse aus der Welt schaffen kann, gibt jedoch auch Winkler nicht. Vielleicht verschwindet es, wenn die Theisten zum Schweigen gebracht sind.

Ich gebe zu, ich bin in diesem Text an einigen Stellen sehr scharf geworden. Ich denke aber, es war berechtigt, denn Winkler erhebt teilweise Forderungen, die ich nur als grundfalsch begreifen kann. Ich habe nichts gegen ihn und seine Weltanschauung. Er soll damit glücklich werden, von mir aus soll er sie auch bewerben. Wenn er aber zum Fundamentalismus übergeht, und auf der Spur ist er mit dem verlinkten Text, kann ich dazu nicht schweigen. Außerdem wollte ich einige Mißkonzeptionen über Religion ein bißchen gerade rücke. Ich hoffe, es ist mir ansatzweise gelungen.