Gesellschaft, Glaube, Theologie

Heil

Lukas Cranach der Ältere – Verdammnis und Erlösung [Public Domain]

Vielleicht ist es schon zu spät.

So habe ich den letzten Artikel beendet. Ich schrieb über den Teufelskreis, in dem wir uns selbst gefangen haben mit dem Krieg gegen den Terror, der den Terror ja mit seinen eigenen Mitteln zu beenden sucht. Denn was ist Krieg anderes als Terror?

Also was können wir tun, wenn wir überhaupt etwas tun können? Wo setzen wir an? Der Terror funktioniert so, daß er Menschen in Situationen bringt, in der sie meinen, nicht mehr anders handeln zu können. Situationen der Hoffnungslosigkeit.

Wenn eine Stadt oder ein Land Ort eines Terroranschlages wurde, wenn die Bürger dieser Stadt und dieses Landes die Opfer sind, was kann die politische Führung anderes tun als die Bestrafung der Schuldigen zu geloben?

Und so sagte auch Präsident Bush gleich im zweiten Satz seiner Rede am 11. September 2001:

The United States will hunt down and punish those responsible for these cowardly acts.

Die Vereinigten Staaten werden die für diese feigen Taten Verantwortlichen zur Strecke bringen und bestrafen.

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Ein politischer Führer hat in dieser Situation keine Hoffnung, daß irgend etwas anderes als Gewaltbereitschaft als Antwort auch nur angemessen wäre, geschweige denn funktionieren könnte.

Aus Angst vor Kontrollverlust begibt er sich auf den Kriegspfad. Täte er das nicht, bekäme er Probleme mit der Bevölkerung, die in ihrer Mehrheit nach solchen Terrorakten nach Vergeltung schreit – überall in der Welt. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Amerikaner.

Und die Attentäter? Damals 2001 sah es noch so aus, als seien das glühende Anhänger eines radikalen Islams. Heroen, die sich für ihre Sache opfern. Wären es nicht die Feinde gewesen, hätte Hollywood sicher großartige Filme über sie gedreht.

Inzwischen bin ich skeptisch. Über die Jahre habe ich den Eindruck gewonnen, daß diejenigen, die sich dem Kampf der Islamisten anschließen und als Selbstmordattentäter zur Verfügung stellen, eher weniger dem Hollywood-Heldentyp entsprechen und eher dem Verlierertyp, der keine Freunde hat und daher einen Haß auf die Welt entwickelt.

Manche dieser Menschen werden rechtsextrem, andere linksextrem, manche werden von Sekten eingefangen und manche eben von den Islamisten.

Das schlimme ist, daß diese verletzlichen Menschen in ihrer Hoffnungslosigkeit in den seltensten Fällen Hilfe erfahren, sondern Ausbeutung. Egal, ob sie in rechten, linken, islamistischen oder sektiererischen Gruppen Anschluß finden, sie erhalten Anerkennung nicht für das, was sie sind, sondern dafür, daß sie mitziehen – bei was auch immer.

Echte Freundschaft ist das nicht, das merkt ein Nazi sofort, wenn er sich in eine Türkin verliebt und es seinen „Kumpels“ erzählt. Analoge Beispiele gibts für alle Gruppen.

Und so bleibt auch die Hoffnungslosigkeit grundsätzlich  bestehen, denn sie schweißt die Menschen an die Gruppen. Die Angst, wieder alleine dazustehen bewahrt vor allzu viel Selbstbewußtsein.

Eine Erlösung von diesem Zustand ist innerhalb der Gruppe nicht vorgesehen. Man kann tun, was man will, sich als der ideologisch gefestigste Anhänger zeigen, man kann Einsatz bringen, wie man will, man wird nie die Freiheit erlangen, der Mensch zu sein, der man eigentlich ist. Man wird sich immer in den engen Bahnen der Ideologie bewegen müssen. Wenn man Pech hat, wird man „auserwählt“, für die größere Sache sein Leben zu geben (weil alle anderen höher in der Hackordnung stehen – den Letzten beißen die Hunde).

Ist man in dieser Situation, erfährt man diese Hoffnungslosigkeit, dann ist es auch nicht mehr weit zum Selbstmordanschlag. Womöglich ist man dann in der Zeit bis zum Anschlag wenigstens der Größte, den alle lieben.

So sucht man, sein Heil durch eigenes Tun zu erlangen. Doch so ist das Heil nicht zu erreichen. Das Heil ist Geschenk, dem Menschen unzugänglich, und es ist nur im Glauben zu haben.

Der Mensch wird immer, was er auch tut, auf seine Tüchtigkeit zurückgeworfen werden. Somit wird er nicht anerkannt für das, was er ist, nämlich ein Kind Gottes, sondern für das, was er zu leisten vermag. Wer weniger kann, wer weniger bringt, hat weniger Wert und bleibt auf der Strecke. Und wer sich als wertlos erlebt, sprengt sich auch eher in die Luft, um sich zu rächen.

Dem Menschen in der Hoffnungslosigkeit hilft nur, wenn er Gott erkennt, und daß er von Gott geliebt ist, weil er der ist, der er ist, nicht weil er irgend etwas besonders gut könnte. Alles, was der Mensch vermag, vermag er nur, weil Gott es gibt.

Die Liebe Gottes kann er erkennen, wenn andere Menschen ihm Liebe zeigen. Er muß aber nicht. Er kann es erkennen, wenn er aus einer Notsituation gerade noch herauskommt. Er muß aber nicht. Alles, was für ihn subjetiver Grund sein könnte, Gottes Liebe zu ihm zu erkennen, könnte auch objktiv anders erklärt werden.

Man könnte meinen, es läge an ihm, zu entscheiden, ob er die Interpretation des Eingreifen Gottes nun für sich bejaht oder nicht. Ich denke aber, er entscheidet das nicht.

Man entscheidet ja auch nicht, daß man den Himmel jetzt mal für grün hält statt für blau. Man muß schon selbst überzeugt sein, es selbst so sehen. Sonst macht man sich etwas vor und verfällt letztlich wieder in alte Muster: Selbst tun, um etwas zu erreichen, um sich das Heil zu erarbeiten.

Aber so läuft das nicht. Alle Gotteserkenntnis geht von Gott aus. Er offenbart sich, wenn Er es will – und wir können nur darauf antworten.

Zur Antwort gehören dann auch die guten Werke. Etwa sich den Marginalisierten zuzuwenden, weil auch sie Kinder Gottes sind – egal wie sehr man ihnen aufgrund von religiösen, kulturellen oder sonstigen Gründen fern steht. Im Zweifel gilt: Liebe Deine Feinde.

Das wird keiner von sich aus so tun können oder wollen. Das geht nur als Antwort auf die Offenbarung Gottes und nicht aus Pflichtgefühl – hat man lediglich Pflichtgefühl, werden einen die Kräfte verlassen.

Aus dem Glauben und der damit zusammenhängenden Gewißheit, von Gott geliebt und von Ihm beschützt zu sein, folgt dann auch der Wunsch danach, den Nächten Gutes zu tun – egal wer sie sind.

Das ist unterschiedlich ausgeprägt, weil wir Menschen nun einmal unterschiedlich sind. Und weil es keine eigene Leistung ist, braucht sich auch kiener hinzustellen und anzugeben, wie großartig er im Vergleich zu allen anderen ist.

Heilige verehrt man nicht, weil sie so großartig waren, sondern weil sich in ihnen Gottes Wesen in besonderer Art zeigte – das heißt nicht, daß er nicht in anderen noch viel Größeres im Verborgenen bewirkte.

Und so werden die Menschen zu Gottes Werkzeugen und verbreiten das Heil, das von ihm ausgeht. Das Reich wird gebaut, in der Welt, durch die Menschen, aber von Gott.

Die Menschen sind erlöst: Die Fesseln, die sie in der Tretmühle hielten, sich Anerkennung zu erarbeiten, sind los in dem Moment, in dem sie merken, daß sie diese Anerkennung von Gott bekommen, ohne erst etwas dafür leisten zu müssen.

Gott zerstört die Leistungsgesellschaft, indem er die Preise kaputt macht. Er stellt das begehrte Gut, Liebe und Anerkennung, in unendlicher Menge frei zur Verfügung. Wer lässt sich dann noch von Menschenfängern wie Nazis, Islamisten und anderen ausbeuten, um wenigstens ein bißchen Anerkennug zu erhaschen?

Und damit ist das Heil auch die Erlösung aus der menschlichen Logik, alles selbst tun zu wollen.

 

Gesellschaft

Warum wir Charlie sind, aber nicht Bagdad

Seitdem letztes Jahr im Frühjahr die Redaktionsräume von Charlie Hebdo von Terroristen angegriffen wurden, findet man bei neuen Anschlägen immer mal wieder Variationen das damaligen Solidaritäts-Slogans „Je suis Charlie“.

So ist man neben Charlie auch Paris oder Brüssel, aber ganz selten mal Bagdad oder Damaskus, obwohl der Terrorismus dort aktuell mehr und öfter Opfer fordert.

Dies ist immer wieder Gegenstand von Kritik. Hier wird unterschieden in Menschen erster (Europäer, evtl. Christen) und zweiter (Araber, meist Muslime) Klasse, so der Vorwurf.

Ich habe mich auch oft gefragt, wieso das so ist, denn eigentlich halte ich mich nicht für einen Rassisten, trotzdem erlebe ich, daß mir die Anschläge in Europa oder den USA oft näher gehen als die in Bagdad, Kabul oder Damaskus.

Das gilt nicht nur für Anschläge, da gilt auch beispielsweise für die Flüchtlingskrise: Hand aufs Herz: Wie betroffen sind wir bei der 101. Meldung über ein untergegangenes Flüchtlingsboot? Fährt aber ein LKW in eine Menschenmenge, und wird dann noch berichtet daß sich auch Kinder unter den Opfern befinden, steht uns das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Wieso?

Erinnert sich noch jemand an Aylan Kurdi? An den Namen vielleicht nicht, wer aber dem Link folgt und herausfindet, daß es sich um den kurdischen Jungen handelt, der letzten Herbst an der Küste von Bodrum angespült wurde und dessen Bild um die Welt ging, dürfte jeder wissen, wer gemeint ist.

In dem Fall war es anders. Anders als bei den Anschlägen in Istanbul, Damaskus und Kabul gab es Reaktionen fast schon wie bei Terroranschlägen hier.

Das lag weniger daran, daß er ein kleiner Junge war. Kleine Jungen ertrinken viele im Mittelmeer, und viele sterben in den Terroranschlägen dieser Welt.

Es lag daran, daß auf einml breiter über ein Individuum berichtet wurde. In die Opfer von Paris und Brüssel versetzen wir uns rein, weil sie ein Gesicht haben, weil die Medien ihnen ein Gesicht geben, sie erwähnen. Bei den Opfern im islamischen Kulturkries geschieht das nicht. Unseren Medienvertretern werden die Kosten zu hoch sein, nach Kabul zu fliegen für eine Story über den Vater, der seine Frau und zwei Kinder in einem Anschlag verlor, nachdem er grad mit viel Mühe das Schulgeld aufgebracht hatte. Geschichten mit Tränendrüsen-Effekt wären da auch möglich – nur sind sie teurer, weil es weiter weg ist, und weil man die Sprache sprechen muß.

Die Kabuler Medien fallen da auch aus: Denn sie berichten in einer der Landessprachen, und haben im Westen keine nennenswerte Verbreitung.

Ob das nun rein finanzielle oder doch auch rassistische Gründe sind, daß unterschiedlich über die Opfer berichtet wird, sei mal dahin gestellt. Medienunternehmen müssen, wie alles in unserer Zeit, Gewinn machen, also bringen sie die Geschichten, die Auflage machen und günstig produziert werden können.

Ich denke, zu fordern, daß alle Charlie oder Nizza oder sonst eine Stadt sein sollen, geht sowieso in die falsche Richtung. Man heizt damit die Reportagen an, man heizt damit dann auch die Angst an, daß so etwas nochmal geschehen könnte. Man unterstützt damit die angstgetriebene Gegenreaktion: Noch mehr Überwachung, noch mehr Druck. So sorgt man für immer neuen Nachschub an Terrorsympathisanten. Das wollen die Terroristen.

Ich denke, die Lösug liegt weniger darin, auch über die Opfer in Kabul und Istanbul eine Homestory zu schreiben, sondern darin, über die Opfer hier in Europa so nüchtern zu berichten wie über die Opfer dort. Sicher ginge dadurch eine Menge Geld verloren für die Medien, aber das liegt an uns, die wir diese Medien konsumieren. Da können wir tatsächlich etwas ändern. Die französische Polizei hat da einen ersten Schritt unternommen und darum gebeten, die Fotos nicht mehr weiter zu verbreiten – aus Respekt vor den Opfern:

Ich denke, das ist ein guter Anfang: Nicht mehr mitmchen. Sich diesem Spiel verweigern. Es ist schlimm genug, wenn Menschen sterben. Wir müssen sie nicht noch vor unseren Wagen spannen, egal ob wir nun Medienunternehmer sind, die Geld verdienen müssen, oder entsetzte Bürger, die ihr Mitgefühl ausdrücken wollen, oder rechte Hetzer, die die Situation politisch ausbeuten wollen. Nun, die rechten Hetzer werden nicht aufhören.

Aber alle anderen: Laßt uns nicht das tun, was wir immer tun, und meinen, wir würden ein anderes Ergebnis bekommen. So definiert man Wahnsinn. Laßt uns einfach nicht mehr mitspielen, was anderes spielen. Irgend etwas Produktives.

Ich bin für Vorschläge offen.

Netzfunde

Netzfunde vom Montag, den 13. Mai 2013

Antje Schrupp hat über die moderne Geschechterselektion geschrieben und auf verbreitete Vorurteile hingewiesen. So verortet sie (bzw. Mara Hvistendahl, die sie in dem Artikel rezipiert) die Herkunft nicht in Kulturen wie denen Süd- und Ostasiens, sondern etwa im westlichen Machbarkeitsdenken. Eine Sache, die mir nicht bewußt war ist, daß etwa in den USA per PID vor allem Mädchen Jungs vorgezogen werden:

Als Grund für die Bevorzugung von Mädchen wird nämlich genannt, dass man sie so hübsch anziehen kann, dass sie fleißig und unproblematisch sind.

Um schön angezogene Mädchen, genauer gesagt, um Schönheitswettbewerbe, geht es beim Herrn Alipius. Dieser kann zwar solchen Wettbewerben nichts abgewinnen, ärgert sich aber darüber, daß man schön nicht mehr schön nennen dürfe. Die Menschen sind nun einmal verschieden, zum Glück, und deshalb auch von ganz unterschiedlicher Schönheit, Klugheit, und was einem sonst noch so als Prädikat einfällt. Mir persönlich fällt es immer schwer, Schönheit auf eine Metrik zu bringen die schöner-als-Aussagen erlaubt. Nach welchen Kriterien wollte man das bemessen? Es können nur subjektiv-willkürliche Kriterien sein. Wenn nun dieser Subjektivismus noch aus Gründen politischer Korrektheit genormt werden soll, wird es spätestens lächerlich. Denn diese Norm von oben kann ja auch nur subjektiv sein. Es bekommt also eine subjetive Norm für Schönheit eine Verbesserung/Veränderung ducrch eine andere subjektive Norm. Und während die erste schon den Anschein von Objektivität erheben wollte (so nehm ich das jedenfalls wahr), müßte die zweite ja noch objektiver (sic!) sein und hätte auch noch den Gütesiegel der Politik. Ich will mir von niemandem vorschreiben lassen, wen ich als schön anzusehen habe. Pamela Anderson zum Beispiel, das Sexsymbol der 90er (also meiner Jugendzeit) fand ich nie sonderlich ansprechend. Und überhaupt, wenn es sowas wie objektive Kriterien zur Bewertung der Schönheit geben sollte, könnten die nur zu dem Ergebnis kommen, daß meine Frau die schönste Frau der Welt ist. Was irgendwie auch allen Schönheitskonkurrenzen die Spannung nehmen würde.

Und dann ha der Herr Alipius noch nen Artikel zu Süßigkeiten, Werbung und Kindererziehung oder so ähnlich. Fazit ist:

Lieber volle Geldbörsen in Chefetagen und Marketingagenturen, als Kinder, die sich gesund ernähren!

Überrascht mich jetzt wenig. Aber vielleicht bin ich auch schon zu zynisch… ist IMHO Folge des Kapitalismus, aber das ist wieder ne ganz andere DIskussion…

A propos Kapitalismus: Bei futurzwei.org hab ich mal wieder von Leuten gelesen, die diesem Paradigma in ihrem Handeln nicht ganz folgen. Da wären einerseits die Damen, die aus Abfall Mahlzeiten für 30 bis 40 Menschen zaubern und sich dagegen verwehren, daß das jetzt revolutionär sei. Oma hat ja auch kein Essen weggeschmissen. Andererseits die Milchbäuerin, die an althergebrachter Wirtschaftsweise festhält und ihre Kühe mit Heu statt mit Silage füttert. Ich hab ja schon öfters geschrieben, daß ich Sympathie für kleinere Einheiten hab. Großindustrie ist Monokultur und Monokultur ist anfällig.

Achja, manche Menschen sind einfach asozial. Oder wie soll man das einordnen?

Bei Ey Lou Flynn gibt’s nen Wettbewerb. Es geht darum zu sagen, warum man Hippiepunk mag. Viel Spaß und viel Erfolg.

Stephen Mattson schreibt darüber, daß man als Christ auch ruhig mal seine Ansichten ändern kann. Eigentlich klar, aber in manchen Kreisen wird man da wohl schnell als Häretiker gebrandmarkt. Soviel zur christlichen Nächstenliebe…

Bei Peter geht es um die Seele und das Leben nach dem Tod. Interessant auch die Kommentare uner dem Artikel.

Was hält der moderne Mensch eigentlich von Rache? Und inweiweit will er Blut sehen? Inwieweit kann er vergeben und wo sind die Grenzen? Morf Morford schreibt über Ariel Castro. Ariel Castro ist derjenige Mann, der in Cleveland drei junge Frauen jahrelang gefangen hielt. Wie soll man ihn bestrafen? Die Todesstrafe scheint zu gut zu sein für so einen. Menschen neigen dazu, in theoretischen Erörterungen liberalere Ansichten zu haben, als wenn es hart auf hart kommt. Und manche reflektieren das noch nicht einmal. So sah ich in einem sozialen Netzwerk einmal ein Profil von einer Person, die gleichzeitig in den Gruppen „Todesstrafe abschaffen“ und „Todesstrafe für Kinderschänder“ war. Selbst als ich sie darauf ansprach, wurde ihr der Widerspruch nicht bewußt, in den sie sich da stellte. Morf Morford weist darauf hin, daß eigentlich, aus christlicher Perspektive gesehen, niemand für sich in Anspruch nehmen kann, ein besserer Mensch zu sein, denn Sünder sind wir alle. Das bedeutet freilich nicht, daß wir Castro nicht bestrafen sollten, daß wir ihn nicht wegschließen sollten. Aber es erinnert uns daran, daß er eben kein Monster ist, weil kein Mensch ein Monster ist, auch wenn er Unaussprechliches getan hat, unsagbar großes Leid für die Opfer und deren Angehörige zu verantworten hat. Er hat es zu verantworten, daran kann, daran darf nicht gerüttelt werden. Aber er hat sich als Mensch zu verantworten, nicht als Monster. Das würde es auch ihm zu einfach machen. Denn was erwartet man von einem Monster, als daß es monströse Dinge tut?

Es sieht so aus als ob demnächst Opfer islamistischer Gewalt heiliggesprochen werden sollen. NBC findet das wohl nicht so toll, weil das könnte ja die Mulsime provozieren. Der Herr Alipius hat dazu ne eigene Meinung. Und ganz im Ernst: Wenn wir uns durch den Terror dazu bringen lassen, anders zu handeln, dann hat der Terror gewonnen. Und ja, ich würde hier lieber von Terroristen statt von Muslimen sprechen, denn Muslime gibt es auch andere, Terroristen werden aber immer jede Gelegenheit wahrnehmen, sich provoziert zu fühlen um ihre feigen Anschläge zu rechtfertigen, diese Hunde!

So, das war’s für heute.

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Mal wieder Broder

Mal wieder les ich was von Broder, und wieder geht es entfernt um den Islam. Diesmal in der Springer Presse.

Es ist eine Publikumsbeschimpfung. Broder meint, die detschen seien passiv aggressiv und das Churchill Wort, nachdem sie einem an der Gurgel oder zu Füßen sind sei noch untertrieben.

Sicher, man kann gut und gerne darüber diskutieren, inwieweit unsereins in Deutschland sich verhält, als hätte er die Moral gepachtet. Wenn es nur darum ginge, den Moralismus zu kritisieren!

Statt dessen holt er aus und rechtfertigt quasi die Infragestellung des Rechtsstaates damit, daß alle die Sorgen m den Rechtsstaat anmelden, ja doch nur Moralisten sind, Antiamerikaner, die den Cowboys mal ein wenig Kultur beibringen wollen, und Recht und Ordnung sowieso etc…

Damit ist dann erst mal alles gerechtfertigt, was der Staat tut. Weil wer es kritisiert, ist sowieso nur Berufsdemonstrant und kann als solcher nicht ernst genommen werden.

Ein paar Beispiele:

Jörg Schönenborn stellt in den „Tagesthemen“ eine Frage und liefert sogleich eine Antwort: „Was ist das für ein Land, das eine Hinrichtung derart bejubelt? Zivilisierte Nationen haben einst das Völkerrecht geschaffen. Sie verständigten sich darauf, dass Verbrecher vor Gericht gestellt und nicht einfach getötet werden.“

Schönenborn, der sonst Umfragen erklärt, vergisst zu erwähnen, dass es in allen Ländern der Bundesrepublik Gesetze über den „finalen Rettungsschuss“ gibt, der die Ermittlungsarbeit verkürzt und die Strafzumessung erleichtert.

Nur vergißt Broder hier, daß der finale Rettungsschuß nicht den Zwekc hat, die Arbeit zu verkürzen und die Strafzumessung z erleichtern. Einziger Zweck des finalen Rettungsschusses ist es, unmittelbare Gefahr abzuwenden, die so nicht abgewendet werden konnte. Im Falle von Bin Laden greift das nicht, jedenfalls hat noch keiner behauptet, er hätte den Auslöser für eine Atombombe in der Hand gehabt, oder Ähnliches. Es dürfte niemand im Haus anwesend gewesen sein, für den Bin Laden eine unmittelbare Gefahr war, ausgenommen die Seals. Und da ist es dann doch die Frage, warum die Soldaten, die den Zugriff sicherlich geübt haben, sich so bedroht fühlten von der Zielperson, daß sie ihn lieber erschossen, als ein Risiko einzugehen. Es sei denn, das Ziel war von Anfang an, ihn zu erschießen. Das ist dann aber eben, bei allem Verständnis für niedere Rachegefühle, nicht zu rechtfertigen.

Heribert Prantl leitartikelt […] Ist eine Exekution durch ein amerikanisches Militärkommando – so es eine solche war – deshalb eine gerechte Strafe?“

Nein, gewiss nicht. Eine gerechte Strafe wäre es, Osama Bin Laden dazu zu verdonnern, die Leitartikel von Heribert Prantl zu lesen.

Das soll wohl lustig sein. Aber es zeigt auch, daß Broder nicht viel gegen den Vorwurf vorbringen kann, daß es sich um eine nicht zu rechtfertigende Exekution handelt, eben weil es keinen Grund dafür gibt. Von dem Mann ging, nach allem was wir bisher wissen, in dem Moment keine Gefahr aus. Und es ist damit zu rechnen, daß ein Auslöser für ne Atombombe in Bin Ladens Händen gleich gemeldet worden wäre.

Daß Broder dem Vorwurf der Exekution ohne rechtsstaatliches Verfahren nichts entgegen zu setzen hat, sieht man auch hier, in Reaktion auf Volker Becks Äußerung:

„Wenn Osama Bin Laden durch einen Kopfschuss getötet werden konnte, dann muss die Frage erlaubt sein, ob man ihn nicht auch hätte festnehmen und vor ein rechtsstaatliches Gericht hätte stellen können.“

Wobei ihm die Grünen wahrscheinlich Hans-Christian Ströbele als Pflichtverteidiger zur Seite gestellt hätten.

Ja, Stöbele hat schonmal Terroristen verteidigt. Ist es neuerdings anrüchig im Rechtsstaat, wenn ein Anwalt seinen Job tut, nämlich Verbrecher zu verteidigen?

Exbundeskanzler Schmidt, der 1977 ein GSG-9-Kommando nach Mogadischu geschickt hat, um 86 Geiseln an Bord der entführten „Landshut“ zu befreien, sagt bei „Beckmann“, die Aktion der Amerikaner in Pakistan sei „ein Verstoß gegen das Völkerrecht“ gewesen;

Äpfel und Birnen wachsen beide an Bämen, und sind doch verschiedene Früchte. Schmidt schickte die GSG-9 zr Befreiung der Passagiere, die sich in unmittelbarer Not befanden, die Amis haben die Navy Seals nach Pakistan geschickt und ein Terrorist kam ums Leben, ohne daß es eine erkennbare unmittelbare Gefahr gab, die von ihm ausging. Hatte er Geiseln? Gab er gerade die Sperrcodes für irgend ne teuflische Waffe durch?

sie wissen nicht einmal, wie sie „gewaltbereite Jugendliche“, die aus Frust Passanten ins Koma prügeln, befrieden sollen, aber im Völkerrecht, da kennen sie sich aus.

Da hat die Springer-Presse, für die er hier schreibt den Moralisten etwas voraus: Sie weiß, daß man die Jugendlichen durch harte Strafen beikommen kann oder sie einfach abschiebt (erinnert sich noch wer an Richter Gnadenlos?) und daß das Völkerrecht immer nur von denen angeführt wird, die nicht patriotisch genug sind um sich an die Werte der Leitkultur zu halten. Welche Werte das wären? Nun, die von der Springer-Presse propagierten, die sich dann so äußern:

Wenn aber ein Kinderschänder, der seine Strafe verbüßt hat, nicht in Sicherungsverwahrung genommen, sondern entlassen wird, bildet sich sofort eine Bürgerinitiative, die von der Polizei mit viel Mühe davon abgehalten werden muss, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen.

Achso, halt, das waren ja die bösen Moralisten, die „Völkerrecht“ geschrieen haben, irgendwie bringt Broder die Dinge durcheinander, wie es scheint…

So wie es eine „russische Seele“ gibt, die alle Revolutionen überlebt hat, gibt es auch ein „deutsches Gemüt“, das wie ein Vulkan funktioniert: Es grummelt vor sich hin, lockt Touristen, Naturfreunde und Tiefenforscher an.

Und eines Tages, wenn alle meinen, der Vulkan sei längst erloschen, fängt der Berg an, Lava zu spucken. Obama hin, Osama her – der nächste Ausbruch kommt bestimmt.

… und hier habe ich den Eindruck, er beschreibt vor allem sich selbst.

Wie dem auch sei: Es kann nicht sein, daß der Rechtsstaat seine Prinzipien über Bord wirft, um einen Verbecher zu fangen und unschädlich zu machen. Ist der Terrorist dann nämlich tot, hat sich der Staatsterror etabliert. Und der ist schwerer loszuwerden, als ein alternder Turbanträger mit Bart.

glaube

Wer das Schwert nimmt wird durch das Schwert fallen

Es war Nacht, als die Häscher Jesus im Garten Gethsemane auffanden und festnahmen. Bei Ihm war unter anderem Simon Petrus, der vorher noch sagte, er würde eher mit Ihm in den Tod gehen als Ihn zu verleugnen, und der Ihn dann doch dreimal verleugnete, später in der Nacht.

Bei der Festnahme Jesu war Simon allerdings noch ganz Petrus, ganz Fels: Er zog das Schwert und hieb einem der Häscher ein Ohr ab. Daraufhin sagte Jesus:

Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.

Simon steckte das Schwert weg. Und starb später, wenn ach nicht durch das Schwert, so doch zumindest der Tradition nach eines gewaltsamen Todes.

Eines gewaltsamen Todes starb gerade erst Osama Bin Laden. Er wurde auf einem großen Anwesen in Pakistan ausfindig gemacht, die US Armee machte einen Zugriff, es kam zum Feuergefecht und Bin Laden wurde erschossen.

Das Leben eines Menschen ausgelöscht. Er ist weg, endgültig. Gewiss, er war ein Verbrecher, hatte selbst tausendfachen Tod direkt und indirekt auf dem Gewissen. Ohne ihn kein 9/11, ohne ihn kein Afghanistan-Krieg, ohne ihn kein Irakkrieg, ohne ihn kein Krieg gegen den Terror.

Und trotzdem war es ein Menschenleben, das beendet wurde. Gewaltsam. Ohne Zeit, sich Rechenschaft für sein Leben abzulegen. Ohne Zeit, mit Gott ins Reine zu kommen.

Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

Bin Laden wußte nicht, daß die US Soldaten kommen würden. Er wurde überrascht und mußte unvorbereitet vor seinen Schöpfer treten. Ob er Zeit hatte, seine Sünden zu bereuen, bevor ihn der tödliche Schuß traf?

Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über seine Leute gesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. Wenn aber jener als ein böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt an, seine Mitknechte zu schlagen, isst und trinkt mit den Betrunkenen: dann wird der Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er’s nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und er wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm sein Teil geben bei den Heuchlern; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Wie der kluge Knecht hat Bin Laden nicht gehandelt. Er hat seine Brüder geschlagen, mit Tod und Terror, er aß und trank mit Menschen, die vom Haß betrunken waren und war selbst des Hasses voll. Er erwartete nicht das Kommen des Herrn, doch auch ihn ereilte es. Unvorbereitet.

„Heulen und Zähneklappern“ hat in der Bibel meist den Kontext der Verdammnis. Und genau das ist es jetzt Bin Ladens Thema:

Nach christlichen Maßstäben ist er wohl in der Hölle, denn entweder er bekommt den Lohn für seine Taten, und die waren soweit man sie kennt vom Haß auf die Andersgläubigen und den Westen bestimmt, oder er ist verloren, weil er nicht an Christus glaubt, und also noch in der Sünde war, als ihn der Tod ereilte. Einzige Hoffnung wäre die Allversöhnungslehre, doch die ist mindestens umstritten.

Soweit ich es verstehe, droht ihm auch aus islamischer Sicht ewige Qual in der Gehenna, denn auch der Islam, so wurde mir immer wieder gesagt und ich glaube es meinen muslimischen Gesprächspartnern, spricht sich ganz klar gegen Mörder aus und solche, die zum Mord aufhetzen. Mehrfach wurde mir versichert, Bin Laden könne kein Muslim sein, weil er Menschen ermordete.

Die Sache steht also schlimm um ihn. Und ja, auch wenn er selbst Schuld war, wenn er selbst den Weg des Hasses gewählt hat und nicht umgekehrt ist: Er tut mir Leid. Nicht mehr als andere Opfer von Krieg, Terror und Katastrophen. Sicherlich nicht. Doch trotz allem starb da in der letzten Nacht ein Kind Gottes, geschaffen nach Seinem Abbild. Und es starb wahrscheinlich ungeleutert. Und jetzt ist es zu spät. Und weil er, trotz all seiner Taten, seines Hasses und des Leids, das er verrsacht hat, trotzdem Kind Gottes war, war er auch unser Bruder. Und auch wenn er ein Bruder von der Art war, den man am liebsten verleugnet, ist sein Tod vielleicht doch der Zeitpunkt inne zu halten, und doch ein wenig zu trauern, um einen Bruder, der sein Leben wegwarf, und es nicht mehr zurückbekommt.

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Maschinenpistolen

Es muß wohl am Terror liegen, der uns ständig bedroht. Jedenfalls hat meine Frendin berichtet, daß am Mainzer Bahnhof massig Polizisten rmstehen. Mit Maschinenpistolen. Auch ich habe heute in Stralsund eine größere Gruppe Bundespolizisten (also keine richtige Polizei, früher hießen die auch noch Grenzschutz) gesehen, einige davon ebenfalls mit einer Maschinenpistole bewaffnet.

Und da stellt man sich so gewisse Fragen. Wozu haben die Polizisten diese Waffen? Zum Einsatz der Waffen liest man bei Wikipedia folgendes:

Der Einsatz dieser Waffen erlangt seine Bedeutung vor allem gegen Gruppenziele auf kurze Distanz, da eine hohe Feuerdichte erreicht wird.

Und das leuchtet ein. Wenn man ein Ziel innerhalb kurzer Zeit mit vielen Geschossen bedenken kann, ist damit zu rechnen, daß das Ziel zumindest in Deckung geht und nr noch bedingt aktiv Schaden anrichtet. Gerade wenn das Ziel aus mehreren Personen besteht, dürfte eine MP sinnvoll sein. Doch frage ich mich, inwieweit dies das Umfeld berücksichtigt. An Bahnhöfen laufen den lieben langen Tag hunderte wenn nicht tausende Menschen rum, die meisten wollen wie ich zur Arbeit oder Uni (und können deshalb die Polizisten nicht af den Unsinn ansprechen – Zeitdruck), haben aber in jedem Fall nichts rechtswidriges vor, das noch unmittelbaren Zwang in Form von Feuerwaffeneinsatz von Seiten der Staatsgewalt erfordert.

Die (angebliche) Bedrohungslage von Terroranschlägen stellt man sich ja auch eher so vor, daß unvermittelt irgendwo ne Bombe hochgeht. Die Zeiten der RAF sind vorbei, in denen kleinere Grüppchen von Terroristen auftreten und gezielt bestimmte Leute und deren Personenschützer (inklsive dazu abgestellten Polizisten) erschießen. Nun frage ich mich also: Was hilft die MP bei einem tatsächlichen Anschlag af dem Bahnhof?

Man stelle sich vor: Ein Beamter bemerkt, wie ein Terrorist an einer Bombe rumhantiert, fordert ihn auf, das zu lassen, und muß dann zur Waffe greifen, weil der Terrorist einfach weitermacht (dann muß der Beamte schießen, schließlich geht es um Menschenleben). Nur: Soll er besser einen gezielten Schuß (wie gut schießt ein Bundespolizist eigentlich so? Ich kann mich an meine Bundeswehrzeit erinnern, da war das mit dem Zielen abgesehen vom Gewehr so ne Sache) aus einer Pistole abgeben, oder mit einer MP draufrotzen (wieso sollte er die MP für EInzelschuß nehmen, das kann er mit der Pistole und die ist leichter ) und somit in Kauf nehmen, Unbeteiligte zu verletzen oder gar zu töten? Gerade an so belebten Plätzen wie einem Bahnhof kein weltfremdes Szenario!

Ich verstehe es wirklich nicht. Ich kann mir nur denken, daß es darum geht, martialisch auszusehen, um die potentiellen Terroristen einzuschüchtern. Doch Moment, läßt sich ein Terrorist, der die Bombe schon tickend im Rucksack durch die Gegend trägt, von nem alternden Bundespolizisten mit ner dicken Wumme beeindrucken? Im Zweifel plant der Terrorist ein, selbst bei dem Anschlag zu sterben.

Also dient das martialische Aussehen nur dem Bild des Staates beziehungsweise der Staatsmacht in der Öffentlichkeit: Die Polizei bewaffnet sich schon mit großen Kanonen, also muß die Gefahr groß sein, aber andererseits sehen wir an den großen Kanonen ja, daß der Staat uns schützt. So mag der erste unbedarfte Eindruck sein. Ich nehm mir fest vor, den nächsten Polizisten mit ner MP auf die Sinnhaftigkeit seiner Bewaffnung anzusprechen.