Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 10. April 2012

Ostern ist vorbei, ich bin noch etwas müde, morgen geht es zurück an den Studienort, bleibt noch etwas Zeit, die liegengebliebenen Netzfunde der letzten Tage zu bringen.

Eric Djebe hat zum leeren Grab geschrieben, und sein Punkt mit den Frauen hat durchaus etwas für sich.

Der Geier schreibt zum palästinensichen Volk und meint, dies existiere nicht. Dazu will ich selbst nicht viel sagen, sondern Uri Avnerys Entgegnung zur Thematik verlinken.

Mandy hat über die Auferstehung, die Scheidung und die Frage, was nach dem Tod passiert, geschrieben.

Auf dem Hellbound Blog gibt’s nen Artikel über die Sünde. Es geht darum, daß die Sünde unser Problem ist, und nicht Gottes Problem. Wert zu lesen. Im nächsten Artikel soll es darum gehen, was uns zum Sündigen antreibt. Man darf gespannt sein.

Der Herr Alipius schreibt von seinem ersten Ostern als Priester.

Michael Blume schreibt über Judas Iskariot und die Wissenschaftlichkeit von Jura. Er bringt einen interessanten Punkt (auch für die Theologie), indem er von Orietierungswissenschaften spricht.

Nick Baines schreibt davon, wie Jesus die Sache mit der Macht anscheinend ganz falsch verstand. Die Betonung liegt auf „anscheinend“. Und er hat seine Osternachtspredigt veröffentlicht.

Bei peregrinatio gibt’s ein „Politbarometer“ zur Popularität Jesu zwischen Palmsonntag und Karfreitag. Viel interessanter ist noch der dortige Artikel über den Fundamentalismus und seine Beheimatung in der Moderne.

Christian Spließ schreibt über die Aktionen gegen das Tanzverbot am Karfreitag, wobei ich rauszulesen meine, daß er weniger ein Problem mit der (offenen) Diskussion über die Abschaffung des Tanzverbots hat, als mit der Art, in der die Sache beworben wird…

Wolfgang Vögele macht auf eien NZZ Artikel aufmerksam und die Tatsache, daß Vorentscheidungen Einfluß auf Konsequenzen haben. Auch beim Thema Gott und Glauben. Außerdem schreibt er über Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Zoe hat beim Gehn-Test über den Unterschied zwischen dem Oberflächlichen und dem Inneren geschrieben, und daß die meisten Menschen leider nur letzteres sehen.

Walter Jungbauer schreibt über das römisch-katholische Nein zur Priesterinnenweihe und das grundsätzliche Problem der päpstlichen Unfehlbarkeit.

Melissa hat eine neue Serie gestartet, und im ersten inhaltlichen Teil geht es um Transsexualität, die Unkenntnis darüber in fundamentalistischen Kreisen und die daraus entspringenden Fürchte. Ich bin gespannt auf die weiteren Teile, und ich habe größte Hochachtung vor Melissas Offenheit.

Muriel setzt sich mit der Frage einer nach römisch-katholischem Verständnis moralisch vertretbaren Fruchtbarkeitsuntersuchung auseinander.

Und zum Schluß hab ich noch nen Artikel von Stefan Schleim über Kreditkrise, Wirtschaftsboom, Unsicherheit und Flexibilität.

kirche

Tanzverbot

Bald ist wieder Ostern, und davor Karfreitag. Und wer da tanzen gehen will, könnte ein Problem kriegen. Denn in Deutschland gibt es an bestimmten Feiertagen das Tanzverbot, das dafür sorgt, daß das Volk den Tag in gebührendem Ernst begehen kann.

Leider nimmt die Zahl der Christen in Deutschland beständig ab. Hier in Pommern hatte die Landeskirche in den 50er Jahren des 20 Jhd. noch 700.000 Glieder. Die DDR-Propaganda hat es geschafft so viele Leute aus der Kirche zu treiben, daß es heute nur noch 96.000 Glieder sind. Für 2040 wird erwartet, daß nun noch 50.000 Menschen in Pommern Glieder der Landeskirche sind (die aber dann Teil der Lutherischen Kirche im Norden sein wird).

Der Rückgang der Christenzahlen führt dazu, daß es nicht mehr selbstverständlich ist, daß etwa der Karfreitag und andere Feiertage als Stille Tage akzeptiert werden. Menschen ohne Glauben oder mit anderem Glauben wollen nicht von der ehemals prägenden Religion in ihrer Freizeitgestaltung eingeschränkt werden. Sie wollen vielleicht an anderen Tagen Ruhe finden, nicht gerade an denen, die die Christen dazu ausgewählt haben.

Ich denke, sie haben Recht. Eine plurale Gesellschaft kann nicht derart von einer bestimmten Kultur geprägt werden. Nur weil ich als Christ am Karfreitag nicht in die Disco gehe, muß ich nicht Achmad, Mandy und Rene zwingen, es mir gleich zu tun. Und ich will auch nicht, daß der Staat das tut. Das ist ja das Anachronistische daran: Der Staat ist es, der gemäß der religiösen Vorstellung einer Religion für alle Bürger festlegt, an welchen Tagen nicht getanzt wird.

Würden die Kirchen sagen: Liebe Gläubige, am Karfreitag bleibt Ihr schön zu Hause von der Disco, wäre das ja noch in Ordnung. Jeder kann selbst entscheiden, ob er einer Kirche angehören will und inwieweit er sich ihren Vorgaben unterwirft. Aber die Kirche macht hier keine Vorgaben. Sie bleibt aßen vor. Handeln tut der Staat. Und wer ein bißchen im Netz sucht, findet auch einiges zu Tanzverboten, Gerichtsverfahren und Protesten.

Die Tanzverbote fallen in den Bereich der Kultur, und für den sind die Länder zuständig. In meinem Heimatland Rheinland-Pfalz gibt es nun eine Petition zur Abschaffung des Tanzverbots an den christlichen Feiertagen. Argumentiert wird, daß die Gläubigen auch wenn getanzt wird in ihrer Religionsausübung nicht gestört werden. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum der Volkstrauertag ausgenommen wird in der Petition, denn auch dann muß das Tanzen der einen nicht das Trauern der anderen stören. Insofern ist die Petition hier nach meinem Dafürhalten nicht konsequent, aber sei’s drum.

Ich meine, auch wenn es zu Störungen kommen sollte: In einer pluralen Gesellschaft sind wir angehalten, einander zu ertragen. Die Nichtchristen ertragen die Kirchenglocken, wieso sollten die Christen nicht das Tanzen und die Musik der Nichtchristen ertragen? Man könnte ja leise darauf hinweisen, wenn es tatsächlich zu Störungen kommen sollte. Aber ich denke, per Staatsmacht die Störungsfreiheit einzufordern führt nirgendwohin. Außerdem: Wer will denn schon gezielt stören? Es dürften wenige sein. Und die werden ach den Spaß verlieren, wenn man sich nicht provozieren läßt.

Also was spricht noch dafür, daß der Staat den Kirchen eine Ruhe garantiert, die diese so wahrscheinlich gar nicht brauchen (es gelten ja weiterhin die Lärmschutzbestimmungen), während dabei Leute in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, und am Ende vielleicht noch die Schuldigen in den Kirchen suchen, die an sich gar nichts mit der Sache zu tun haben?

Deshalb möchte ich allen ans Herz legen, die Petition mitzuzeichnen, das können auch Menschen sein, die nicht in Rheinland-Pfalz leben, so wie ich. Die Petition findet sich hier.

Update: Über @Herusche hab ich erfahren, daß es auch in Hessen eine Petition gibt. Wieder wird, für mich unverständlich, der Volkstrauertag ausgenommen. Lustigerweise werden Neujahr und der 1. Mai (sic!) als christliche Feiertage bezeichnet (da sieht man wo Bildungspolitik der CDU hinführen kann).