Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Dritten

Wie sieht es aus mit dem besonderen Haß Gottes gegen sexuelle Sünden?

Beweis, daß Gott sexuelle Sünden besonders haßt:

In Palästina wohnten zu uralten Zeiten Völker, deren Untergang ein solcher war, daß sogar ihre Namen vergessen wurden und heute keiner mehr weiß, daß sie jemals existiert haben:

Es waren sieben Völker: Die Hethiter, Girgasiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hewiter und die Jebusiter (5. Mose 7). Diese Völker lebten exzessiv in schwersten sexuellen Sünden: Verkehr von Vater mit Tochter, Mutter mit Sohn, Mensch mit Tier, Mann mit Mann, Frau mit Frau usw.. Eines Tages hatte Gott genug, und er beauftragte sein Volk Isreal diese Völker zu vernichten.

Dies ist der 3. Teil der Reihe, die sich mit Rainer Braendleins Artikel „Schwule Pfarrer“ auseinandersetzt (1. Teil; 2. Teil).

Hier soll es um die Frage gehn, ob die oben zitierte Aussage so stimmt. Genauer:

Haßt Gott sexuelle Sünden besonders?

Leider hat der Autor keine entsprechenden Bibelstellen angegeben. Er spricht zwar von einem „Beweis“, bleibt diesen aber zuletzt schuldig. Zwar steht in Deut. 7 von den genannten Völkern geschrieben, aber eben kein Wort von irgendwelchen sexuellen Dingen. Das Problem mit diesen Völkern wird jedoch durchaus genannt, gleich in Vers 4:

Denn sie werden eure Söhne mir abtrünnig machen, dass sie andern Göttern dienen; so wird dann des HERRN Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen.

Das Problem liegt also darin, daß diese Völker falschen Göttern gedient haben, und die Gefahr besteht darin, daß sie die Israeliten ebenso dazu verführen, wie es auch schon auf der Wanderung durch die Wüste geschehen ist, beschrieben in Num 25, 1-4:

Und Israel lagerte in Schittim. Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern der Moabiter;
die luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an.
Und Israel hängte sich an den Baal-Peor. Da entbrannte des HERRN Zorn über Israel
und er sprach zu Mose: Nimm alle Oberen des Volks und hänge sie vor dem HERRN auf im Angesicht der Sonne, damit sich der grimmige Zorn des HERRN von Israel wende.

Hier sehen wir auch den Abfall von Gott im Zusammenhang mit einem sexuellen Wort: Huren. Doch kann man in diesem Fall eigentlich nicht sagen, daß es sich um eine sexuelle Sünde handelt. Vielmehr geht es um den Abfall von Gott, der aus der Verbindung mit den Frauen aus den Nachbarvölkern resultiert. Also ein Verstoß gegen das 1. Gebot. Der abfällige Begriff „huren“ wird hier für die Heirat fremder Frauen benutzt, weil man über eine solche Verbindung abfällig dachte, aufgrund der gefürchteten Konseqenz, des Abfalls von Gott. Daß die Bibel nicht zwangsläufig ein Problem damit hat, wenn ein Mann zu einer Hure geht (also rumhurt), sieht man etwa bei Simson (Ri 15, 1):

Simson ging nach Gaza und sah dort eine Hure und ging zu ihr.

Ein anderes Beispiel wäre Juda, der Stammvater von solch wichtigen Leuten wie König David oder auch Jesus (unabhängig davon, wer nun wirklich Jes Vater war, gehörte er doch zum Stamm Juda), vgl. Gen 38. Daß die Verbindung mit fremden Fraen aber nicht immer negativ gesehen wurde, sieht man am Buch Rut. Rut ist Moabiterin, geht aber, nachdem ihr Mann gestorben ist, mit ihrer Schiegermutter in deren Heimat, nach Bethlehem in Juda, und wird dort von Boas geheiratet. Ihr gemeinsames Kind Obed ist der Vater von Isai und der Großvater von König David. Wo liegt hier der Unterschied? Genau: Rut bekannte sich zu Gott, deshalb war eine Verbindung mit ihr, obwohl sie Moabiterin war, kein Problem. Weder sie noch Boas wurden umgebracht, wie es den Moabiterinnen und ihren Männern in Num 25 erging.

Genauso muß man aufpassen, wenn man anderswo in der Bibel von Hurerei liest. Es ist oftmals eine Umschreibung für den Abfall von Gott. Manchmal wird Gott als Bräutigam dargestellt, und Juda oder auch Zion als seine Braut. Wenn nun ausgesagt wird, daß das Volk von Gott abfiel, dann wurde das ebenso mit „Hurerei“ umschrieben. Gedacht ist dabei im gleichen Bild: Wenn das Volk nicht den echten Bräutigam anbetet, also Gott, osndern einen anderen, meinetwegen Baal, dann verbindet es sich mit einem anderen möglichen Bräutigam bzw. einem Nebenbuhler. Deshalb ist die Rede von Hurerei und dergleichen.

In diesem Zusammenhang gesehen stimmt es, daß Gott sexuelle Sünden „dieser Art“ besonders haßt. Die Bibel beschreibt drastische Konsequenzen. Wer von Gott abfällt, muß mit der Todesstrafe rechnen. Aber es sind halt nicht wirklich sexuelle Sünden, um die es hier geht. Es geht um die Verehrung anderer Götter, es geht um Götzendienst. Das hat wenig bis nichts Sexuelles. Und es ist genauso verwerflich, ob damit nun sexuelle Handlungen verbunden sind, oder nicht. Der Götzendienst ist das Schlimme, nichts anderes.

Damit habe ich immer noch nichts darüber geschrieben, ob nun Homosexualität oder homosexuelle Praktiken Sünde wären. Zuvor war es nötig, die Rolle des Pfarrers und die Frage nach Gottes besonderem Haß gegen die sexuellen Sünden zu klären. Als Zwischenfazit könnte man nun also festhalten:

Pfarrer stehen in der Tat in einer besonderen Verantwortung. Daher sollen sie nicht vorsätzlich sündigen und dies als gut verkaufen. Andererseits sind sie aber auch Menschen, denen die Möglichkeit der Buße genauso offensteht, wie allen anderen auch.

Ein besonderer Haß Gottes gegen sexuelle Sünden ist allerdings nicht auszumachen. Was Gott besonders auf die Palme bringt, ist der Götzendienst, der jedoch mit Begriffen aus dem sexuellen Bereich umschrieben werden kann.

Um die Frage, die hinter der ganzen Reihe steht, beantworten zu können, also ob Pfarrer nun schwul sein können, bzw. ob ein Schwuler wirklich Pfarrer sein kann, müssen wir uns im nächsten Teil mit der grundsätzlichen Frage befassen, ob Homosexalität in Gottes Augen falsch ist.

Anthropologie, Religion, Theologie

Die Sünde

Bei ner Diskussion auf nem atheistischen Blog kamen wir zum Begriff der Sünde. Ich wurde gebeten, dazu mal ausführlicher zu schreiben, was ich hier nun versuchen will.

Sünde – was ist das eigentlich?

In der Werbung hören wir immer mal wieder von Sünden wenn es um kalorienreichere Nahrung (=Süßigkeiten) geht und dergleichen, ansonsten kennt man die Sünden noch als moralische Verfehlungen, Dinge, die man nicht tut, für die man gesellschaftlich gemieden, marginalisiert wird. In dem Fall gehören Sünden in die Kategorie: „Sowas tut man nicht“…

Was sagte die Bibel?

Wieso eigentlich, bzw, ist das tatsächlich so? Biblisch gesehen, und der Begriff der Sünde kommt ja aus der biblischen Tradition, kann man so eher weniger argumentieren. Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, daß alle Menschen Sünder sind (Röm 3, 9-18):

Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Psalm 14,1-3). Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Psalm 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Psalm 140,4); ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit (Psalm 10,7). Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, und den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jesaja 59,7-8). Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Psalm 36,2).«

Man tut es also doch! Gibt es vielleicht nur nicht gerne zu. Dazu später mehr.

Kein Grund zu moralisieren

Nur ist eins nun nicht mehr möglich: Das Moralisieren. Wenn wir alle „unter der Sünde“ sind, sitzen wir alle im Glashaus. Keiner sollte  anfangen, mit Steinen um sich zu werfen. Es sei denn, er will sich selbst schaden. Daher findet sich in der Geschichte mit Jesus und der Ehebrecherin (Joh 8, 3-11) auch niemand, der den ersten Stein wirft. Einer nach dem anderen geht davon. Jeder weiß genau – denn es handelte sich um Älteste, Pharisäer und Schriftgelehrte, die das Gesetz gut kennen – daß er selbst nicht sündlos ist. Er könnte also genauso da stehen, wo die Ehebrecherin steht.

So wie die Ältesten, Schriftgelehrten und Pharisäer durch Jesus in ihrem Moralisieren entwaffnet werden, so entwaffnet das Bewußtsein, selbst ein Sünder zu sein, auch jeden sonst, der zum Moralisieren anhebt um sich selbst über den anderen zu stellen.

Am Ende steht man alleine vor Gott und muß sich für sein Tun verantworten, denn Gott allein ist ohne Schuld, nicht der Pfarrer auch nicht der Bischof und der Papst, nicht der Presbyter, der Kirchenälteste, der Diakon oder der Prälat und wie sie alle heißen. Alle sitzen mit uns „normalen Menschen“ im selben Boot, haben uns nichts voraus, sind Sünder wie wir.

Es gibt also keinen Grund, aufzubrausen, wenn mich jemand als Sünder bezeichnet. Er bezeichnet mich damit nicht als schlechten Menschen, wohl aber als Menschen, und jeder Mensch hat auch eine schlechte Seite, eine dunkle Seite, die wir anderen nicht gerne zeigen.

Die Sünde – wie kommt es dazu?

Was steht inder Bibel?

Die Bibel nennt als Ursache für die Sünden die Erbsünde. Ich finde den Begriff Ursünde passender, also die erste Verfehlung von Adam und Eva gegenüber Gott. Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht und laden damit die Strafe Gottes auf sich: Sie werden des Todes sterben.

Sünde, Tod und Teufel werden auch oft zusammen oder synonym benutzt bei einigen Theologen. Es ist schlicht und ergreifend: Das Böse.

Nicht das Böse im moralisierenden Sinn à la „Du böser Mensch stell Dich ins Eck und schäm Dich“, eher das Böse, das uns selbst kaputt macht:

Wie ist das heute, konkret im Leben?

Was wir an sozialem Verhalten so drin haben, haben wir irgendwo erlernt (wobei vielleicht auch ein genetischer Anteil ins Spiel kommt). Wenn also unsere Eltern uns vorleben, auch mal fünfe gerade sein zu lassen und nen Vorteil mitznehmen statt fair zu bleiben, dann werden wir das vielleicht kritisieren, aber dann doch irgendwo, irgendwie übernehmen. Verfolgt man das zurück, kommt man zu Adam und Eva.

So ist die Ursünde, die unsere Vorfahren irgendwann begangen haben (auch wenn sie nicht Adam und Eva hießen und sich das Ganze etwas anders abgespielt hat) und die über die Generationen zu uns weitergegeben wurde.

Aus der Sünde, der Ursünde, entstehen also die vielen Sünden: Von der Notlüge bis zum Raubmord. In jedem Fall bedeutet Sünde, getrennt zu sein von Gott, dem absolut Guten. Man denkt zuerst an sich, will den Apfel vom verbotenen Baum. Oder man will einer unangenehmen Situation durch ne Notlüge entgehen. Oder man ist Räuber und wird beim Raub derart gestört, daß man den Beraubten zur Sicherheit erschlägt.

In allen Fällen steht der kurzsichtige Eigennutz vor dem Gebot Gottes: Nicht von der Frucht zu essen, nicht zu lügen, nicht zu morden oder kurz: Den Nächsten zu lieben wie sich selbst und Gott über alles.

Die Sünde – eine Sklavenhalterin, und wie man befreit wird

Paradoxerweise begibt man sich damit in eine Abhängigkeit. Man ist abhängig von der Situation, in die man sich gebracht hat.

Gefangenschaft

Wie die Geschichte mit der Frucht im Paradies ausging, ist bekannt. Aber auch bei einer Notlüge müssen wir immer daran denken, was wir als wahr vorgegeben haben, um nicht aufzufallen. Oder der Raubmörder: Er wird nach dem Raub womöglich noch Gewalt gegen die Polizei anwenden, nur um nicht ins Gefängnis zu kommen. Er macht sich in seinem Handeln der Polizei gegenüber abhängig von der Situation, in der er sich gebracht hat. Trotzdem wähnt man sich frei, hat man doch alles selbst so gewählt.

Fluchtplan

Durchbrechen kann man diesen Kreislauf nur, wenn man Vertrauen hat. Vertrauen zum belogenen Menschen, daß er es einem nachsieht, Vertrauen zur Polizei oder den beim Mord anwesenden, daß man irgendwie selbst mit dem Leben davonkommt oder eben, wenn alles andere nicht mehr greift: Vertrauen zu Gott (es kann auch schon bei der Notlüge so sein, daß der Mensch es einem so übel nimmt, daß nichts mehr greift, man muß nicht unbedingt erst beim Mord davon ausgehen).

Um Fehler einzugestehen, brauche ich eine Sicherheit, daß diese Schwäche, die ich mir leiste, sich nicht gegen mich richten wird. Habe ich diese Sicherheit nicht, dann geb ich auch nichts zu, behaupte, ohne Fehler zu sein, wie oben gesagt: Man tut das nicht und ich schon gar nicht, jedenfalls geb ich’s nicht zu.

Wenn man genug eigene Kraft und Vertrauen aufbringen kann, kommt man unter Umständen aus so verfahrenen Situationen wieder heraus. Man kann offen gestehen: Ich hab da scheiße gebaut. Egal, was kommt.

Fluchthelfer

Nicht immer hat man die Kraft, und dann kann sie der Glaube geben.

Wenn ich glauben kann (Und Glaube ist auch wenn einige Evangelikale es sagen keine Entscheidung des Menschen, sondern eine Gabe von Gott. Wir können ihn uns nicht selbst besorgen),

  • daß Gott auf diese Welt kam, Sich klein machte und eine der erbärmlichsten Existenzen auf Sich nahm inklusive Foltertod am Kreuz, obwohl Er das nicht gemußt hätte,
  • wenn ich sehe wie groß die Liebe dieses Gottes zu mir sein muß, daß Er all das auf sich nimmt um mir zu zeigen, daß Ihm egal ist, was ich verbrochen habe, daß Er da ist für mich und alle und es folglich auch eine Zukunft für mich geben kann, egal was war,

dann kann mir dieser Glaube enorme Kräfte geben. Dann bin ich nicht mehr abhängig von den Situationen, in die ich mich manövriere. Ich kann immer wieder zurückkommen.

Die Sünde – sie lauert, aber hat verloren

Natürlich bleibe ich Sünder, das heißt, ich bring mich immer wieder in solche schlechten Situationen. Ich brech immer wieder den Kontakt zu Gott ab, entferne mich von Ihm. Ich begebe mich in die Sünde, in den Tod wenn man so will, zum Teufel. Denn ich bin immer noch Mensch, immer noch Sünder, immer noch nicht besser als die anderen.

Werd ich auch nicht, denn sie sind Menschen wie ich. Aber ich weiß, daß ich immer wieder rauskomme, egal wie vertrackt die Situation ist, in die ich mich bugsiert habe.

Das hat nichts mit Moral zu tun und mit einem Leben genau nach irgendwelchen Gesetzen. Sicher, die Regeln sind wichtig, spielen eine Rolle. Aber es gibt niemanden, außer Gott, der mir die Regeln vorhalten könnte und Vorwürfe machen. Und so wie ich Gott kenn, macht Er das äußerst selten.