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Freies WLAN in Berlins Kirchen – meine Kritik am GodSpot

Ein gängiges Vorurteil ist, daß „der Deutsche“ an sich eine gewisse Neigung zum Meckern hat. Das mag zum Teil stimmen, denn diese Nationalitätsbezeichnung findet sich auch auf meinen Ausweispapieren und ja, ich stehe im Begriff einen Blogartikel zu schreiben, in dem ich die Berliner Landeskirche zu kritisieren gedenke.

Wobei: „Kritik“, so versuche ich meinen populistisch und biblizistisch geprägten Gesprächspartnern immer wieder zu erklären, bedeutet ja nicht zwingend zu meckern. Vielmehr kommt es aus dem Griechischen, mein eigentlich ein Gewichten verschiedener Optionen und die begründete Entscheidung für eine eigene Meinung…

Gute Sache

Wie dem auch sei. Viele haben es vor längerem schon gelesen: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz hat beschlossen, in ihren Gotteshäusern freien WLAN Zugang zu ermöglichen. Nähere Infos gibt es auf der entsprechenden Homepage.

Daran gibt es eigentlich nix zu meckern. Vielmehr ist es eigentlich sogar ne ganz gute Sache, daß nun in den Kirchengebäuden jeder mit entsprechendem Endgerät ins Internet kommt, denn Zugang zum Internet bedeutet heutzutage Teilhabe am öffentlichen Leben. Viele Bereiche unseres Lebens sind so vom Netz durchdrungen, daß man ohne Internet Zugang deutliche Abstriche machen muß.

Also ist es doch eine gute Sache, daß die Kirche hier freien Zugang ermöglicht.

Ja und nein. Gut ist, daß sie unabhängig vom Geldbeuteln allen den Zugang ermöglicht.

Was will die Kirche erreichen?

So genau weiß ich das nicht. Meine Vermutungen gehen in die Richtung, daß man sich einerseits als cool und modern ins Gespräch bringen will – was offenbar auch klappt – und daß man andererseits versuchen will, eigene Inhalte zu pushen – etwa durch die vorgeschaltete Einstiegsseite mit Infos zum jeweilgen Kirchengebäude o. Ä.

Wenn ich es richtig einschätze, werden das alles recht kurzfristige Effekte sein. Mir drängt sich der Vergleich mit einem Strohfeuer auf. Sicherlich, im Moment ist die Kirche vielleicht modern und hipp und alle sind froh über kostenloses WLAN.

Und wie lange? So lange, wie das WLAN funktioniert. Irgendwann wird die Geschwindigkeit vielleicht nicht mehr auf dem Stand der Entwicklung sein. Wer die Kirchen kennt weiß, daß das mit Neuinvestitionen so ne Sache ist. Man sehe sich nur die maroden Kirchengebäude an. Das gilt übrigens auch für so manches Pfarrhaus. Und dann soll man noch die Technik erneuern? Was das wieder kostet!

Nein, meine Befürchtung ist, der aktuelle Ansatz wird zwar im Moment viel positive publicity bringen, vielleicht auch die Kirchenbänke füllen, wenn auch nicht unbedingt mit Gläubigen, sondern mit Netzkonsumenten, aber auf lange Sicht ist das eher mau. Mit etwas Glück bleiben vielleicht einige der Netzkonsumenten hängen, finden Anschluß an den Kirchenchor oder die Pfadfindergruppe. Aber mehr ist nicht zu erhoffen.

Genausogut könnte man Freibier verteilen, so vom Konzept her. Ist sicherlich auch wahnsinnig populär, bloß was hat man davon? Und ist es wirklich das, was unser Auftrag ist als Kirche Jesu Christi? Ist es wirklich das, wozu wir berufen sind? Ist es wirklich das, wozu wir unsere Steuermittel und Staatsleistungen einsetzen wollen?

Die positivere Alternative

EIn Freund von mir sagte einmal: Zum Frieden gibt es keine positive Alternative. Ich mag diese Denkweise: Alles darauf prüfen, ob es nicht noch bessere, positivere Alternativen gibt, an die man sich halten könnte.

Daß Krieg negativ ist, ist klar, aber wenn etwas positiv ist, kann es ja trotzdem noch bessere Lösungen geben. Was wäre also die positive Alternative zu GodSpot?

Ich will dabei in zwei Richtungen gehen – eine technische und eine gesellschaftliche. Beide sind womöglich sogar teilweise mit GodSpot schon umgesetzt oder könnten umgesetzt werden – über Infos hierzu wär ich dankbar.

Technisch gesehen

Soweit ich GodSpot verstanden habe, besteht es aus der Zur-Verfügung-Stellung eines kircheneigenen DSL Zugangs. Und Schluß. Man kann von dort ins Internet, sitzt hinter nem Router, den man nicht konfigurieren kann. Das heißt, man ist auch darauf angewiesen, daß die richtigen Ports offen für die eigenen Anwendungen sind. Womöglich werden auch nur bestimmte Ports geöffnet, so daß meinetwegen das Web und E-Mail funktionieren, andere Dienste aber nicht.

Das wäre das gute Recht der Kirche, denn sie stellt ja die Technik. Schränkt aber den Nutzen weiter ein und drängt den GodSpot Nutzer nur noch weiter in die Rolle des Konsumenten.

Aber das Internet, Computernetze überhaupt, ist ja kein Fernsehen. Es stellt nicht nur eine one-to-many Infrastruktur bereit, mit wenigen Inhaltsproduzenten und vielen Konsumenten. Es ermöglicht die gleichberechtigte Teilnahme an Kommunikation. Jeder Teilnehmer, nicht nur die Priviligierten, kann zum Sender werden. Somit stellt das Internet eigentlich eine Demokratisierung der Kommunikation dar (man könnte jetzt lange Vergleiche ziehen mit der Demokratisierung der Gottesbeziehung im AT, Gen 1, 28 und so, aber lassen wir das hier mal sein).

Diese grundsätzliche Demokratisierung der Kommunikation ist freilich nicht absolut, denn die Infrastruktur ist im Besitz bestimmter Firmen. Es kommt also im Endeffekt auf den Geldbeutel an, inwieweit der eigene Zugang demokratisiert ist.

GodSpot bietet hier nicht mehr Möglichkeiten an, als ein Internetzugang zur Verfügung stellt. Der Demokratisierungsgrad entspricht dem, was die Kirchengemeinde vor Ort sich leistet. Das ist wie gesagt immerhin etwas, aber es geht besser.

Ich habe da Freifunk im Sinn. Gerade in Berlin, aber auch in anderen Gebieten, sind da viele engagierte Menschen unterwegs. Übrigens auch in Kontakt mit verschiedenen Kirchengemeinden. Da werden die Kirchtürme dann als Funktürme genutzt.

Würde die Landeskirche sich hier einbringen mit ihrer ganzen Wucht, könnte sie einerseits auf versierte ehrenamtliche Freifunker zurückgreifen beim Aufbau des Netzes, andererseits wird mit Freifunk eben nicht nur freies Internet angeboten, sondern ein flächendeckendes Netz aufgebaut, mit einer Infrastruktur in Bürgerhand. Mithin wird die Demokratisierung der Infrastruktur dadurch vorangebracht. Es würde nicht nur jedem ermöglicht, internetbasiere Dienste zu konsumieren, sondern selbst zu recht geringen Kosten welche anzubieten. Man müßte keine Server mehr mieten, sondern könnte seine eigenen alten Rechner, oder einen Raspberry Pi, oder ein altes Smartphone, als Sevrer benutzen.

Die Landeskirche hätte damit in guter christlicher Tradition gehandelt. Wie durch die Kirchen Bildung und Fürsorge in der Fläche zugänglich gemacht wurden, würde sie hier die bessere Teilhabe an der Kommunikation voranbringen.

Meiner Meinung nach ein klarer Vorteil gegenüber der GodSpot-Lösung. Freilich könnte man sich nicht mehr allein als cool und modern anpreisen, sondern müßte den Ruhm mit den (weitgehend kirchenfernen?) Freifunkern teilen.

Gesellschaftlich gesehen

Durch die Möglichkeiten, sich an der Kommunikation als eigener Anbieter zu beteiligen, bieten sich plötzlich viele neue Möglichkeiten. Man könnte informationstechnische Schwerpunkte in der Jugendarbeit bilden. Wieso eigentlich immer nur Bands und Pfadfinder (ich vereinfache hier gnadenlos, schon klar)?

Damit könnte man ganz neue Millieus ansprechen, die bisher wohl eher (es wurde schon erwähnt) kirchenfern sind. Die Möglichkeit zur Mitarbeit bringt dabei ganz natürlich eine stärkere Bindung mit sich als der Kontakt über den bloßen Konsum am Ort der Kirche.

Technisch interessierte (junge?) Menschen würden mit den Realitäten einer Kirchengemeinde in Kontakt kommen. Washaben die eigentlich für Probleme, wie lösen die die, und was haben die immer mit diesem gefolterten Zimmermann?

Womöglich – ich lehne mich hier jetzt mal aus dem Fenster – gäbe es sogar das Potential für Bildungsprojekte. Durch den (zumindest im Prinzip) egalitären Ansatz der Kirchen, für alle gesellschaftlichen Gruppen zugänglich zu sein, könnten hier Jugendliche aus Problemfamilien Chancen erhalten, sich auf dem Gebiet der IT fortzubilden und sich eine finanziell bessere Zukunft zu erschließen. Man könnte da eine Analogie zu den Klosterschulen des Mittelalters ziehen – ohne die Verpflichtungen des Zölibats!

Fazit

Freilich kann man auch ohne Freifunk-Netz und nur im Internet entsprechende Gemeindearbeit machen. Aber die Möglichkeiten sind eingeschränkt, und ob es tatsächlich gemacht wird, ist noch nicht klar. Mit Freifunk hätte man zumindest Kontakt zu entsprechend interessierten Menschen, die sich selbst auch ehrenamtlich engagieren. Man hätte Ansprechpartner, wollte man sowas aufbauen.

Ich mache mir natürlich keine Illusionen, daß ich die EKBO da irgendwie beeinflussen könnte. Aber wenn ich jetzt lese, daß man in Mitteldeutschland auch in diese Richtung geht, möchte ich doch auf die positivere Alternative des Freifunkes hinweisen. Wer weiß, vielleicht lesen hier ja Kirchenleute mit, die das in ihrer Kirche anders umsetzen werden.

Bis dahin ist es schon ein Fortschritt, daß durch die Berliner das Thema zumindest mal auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

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Piraten und der „Laizismus“

Zur Zeit findet gerade der erste Programmparteitag der Piratenpartei in Chemnitz statt, und man hat sich entschlossen, das Programm zu erweitern. Zwei Anträge sind mir dabei besonders ins Auge gefallen (auch wenn sie sicherlich ein Nebenschauplatz sind): Die Forderung nach einem einheitlichen Lebenskundeunterricht und die … ja, mir ist es nicht ganz klar, was da genau gefordert werden soll, weil einiges und nichts genannt wird, jedenfalls wird der Begriff Laizismus verwendet, Staat und Kirche sollen getrennt werden (was sie ja eigentlich schon sind).

Die Forderung nach dem Einheitsnterricht in Lebenskunde halte ich für rundum überflüssig:

  1. „[S]ollen Schüler darauf vorbereitet werden, ihr Leben selbstbestimmt und verantwortlich individuell gestalten zu können.“ Ich verstand dies immer als Auftrag des Schulunterrichts allgemein. Wieso soll ein Fach eingeführt werden, das die anderen Fächer quasi doppelt? Ich bin hier für das KISS Prinzip und gegen unnötige Redundanzen.
  2. „Dazu soll der Unterricht unter anderem Wissen über Geschichte, Soziologie, Philosophie, Ethik und Psychologie anhand von aktuellen Themen der Gesellschaft und individuellen „Geschichten“ vermitteln.“ Mir war so als würde das Geforderte weitestgehend von den bestehenden Gemeinschaftskundefächern abgedeckt. Jedenfalls scheint es mir in meiner Schlzeit so gewesen zu sein, und damals hatten wir keine Lebenskunde.
  3. Folgendes finde ich besonders problematisch: Nach dem Antrag „ist eine bewusste Wertevermittlung mit dem Ziel eigenverantwortlichen, selbstständigen Handelns von Kindern und Jugendlichen nötig.“ Der Staat soll also selbst bewußt Werte vermitteln? Natürlich mit gutem Ziel, was auch sonst. Die CxU will uns ja auch nur vor Terroristen und Raubmordkopierern schützen. Die Idee eines staatlich vorgegebenen Wertekanons, der den Schülern „vermittelt“ werden soll, lässt bei mir (nur bei mir?) alle Alarmglocken schrillen. Wie kann eine Partei, die so großen Wert auf Freiheit legt, in die Richtung eines durch den Staat für alle Bürger vorgegebenen Wertekanon denken? So weit traut sich nicht mal die CxU vor in Richtung Obrigkeitsstaatlichkeit (Leitkultur war da das höchste der Gefühle).

Kurz gesagt, aufgrund der einerseits weitgehend vorhandenen Abdeckung des Stoffes durch die existierenden Fächer, sowie die Gefahr für Staat und Gesellschaft, bei einem staatlich vorgegebenen Wertekanon, sehe ich keinen Vorteil bei diesem Vorschlag. Dies bedeutet nicht, daß nicht unter Umständen verschiedene Fächer den aktuellen Bedürfnissen besser angepaßt werden sollen, es liegt da sicherlich auch einiges im Argen. Nur welche Inhalte bisher nicht vermittelt werden, muß erst ermittelt werden (klar ermittelt, nicht mit Worthülsen benannt wie im Antrag). Dann kann man sich Gedanken machen, in welchen Lehrplan welches Faches man diese Inhalte sinnvoll einbauen kann, oder ob es tatsächlich ein neues Fach dafür braucht. Eine Wertevermittlung durch den Staat allerdings darf so nicht etabliert werden, denn ermöglicht der Regierung einen weiteren Kanal zu nutzen, um ihre Politik als Positiv zu verkaufen.

Beim Antrag zur Trennung von Kirche und Staat bin ich auch eher ablehnend eingestellt, aber nicht nur. Was fordert der Antrag? Der Antrag „setzt sich für die vollständige Trennung von Kirche und Staat, also einen laizistischen Staat, ein.“ Das ist erst einmal eine weitere Worthülse. Wichtig ist, wie diese nun mit Inhalt gefüllt wird, was also die Antragsbefürworter nter „Laizismus“ verstehen:

„Hierzu sollen die kirchlichen Finanzen komplett vom Staat gelöst und ein religiöse Neutralität in öffentlichen Einrichtungen gewährleistet werden, außerdem soll bevorzugter kirchlicher Einfluss aus Bildung, Medien und Gesetzgebung verschwinden.“

Außerdem soll noch der Religionsbezug aus allen Landesverfassungen verschwinden. Fangen wir damit an:

Kein Religionsbezug in Landesverfassungen

„Ein weltlicher und demokratischer Staat steht für die Achtung von Menschen unabhängig von ihren religiösen Ansichten.“

Dem stimme ich zu. Keiner soll aufgrund seines Glabens oder Nichtglaubens benachteiligt werden.

„Wir fordern ein Bekenntnis zu allgemeingültigen Werten, auf denen die Gesellschaft aufbaut, statt des spezifischen Religionsbezugs.“

Ich bin skeptisch, ob es die „allgemeingültigen Werte“ wirklich gibt. Welcher Wert ist schon allgemein gültig? Es wird immer darauf hinauslaufen, daß möglichst große Mehrheiten gefunden werden. Aber prinzipiell habe ich kein Problem damit, wenn Gott aus den Verfassungstexten fliegt. Ich weiß als gläubiger Mensch trotzdem, daß ich alles Ihm verdanke, auch die hießige freiheitliche Demokratie, denn alles liegt in Seiner Hand. Das muß aber nicht allgemeinverbindlich in Verfassungstexten stehen, die von allen Menschen anerkannt werden sollen.

Lösung der kirchlichen Finanzen vom Staat

Die Antragsteller behaupten „ein staatlicher Einzug von Kirchenbeiträgen kann nicht gerechtfertigt werden“. Ein Argument konnte ich nicht finden. Tatsächlich ist es ja so, daß die Kirchen den Staat für diese Dienstleistungen bezahlen, und auch alle anderen Religionsgemeinschaften der Weg offen steht, auch die „Mitgliedsbeiträge“ über den Staat erheben zu lassen. Was ich als Argument gelten lassen würde wäre, wenn gezeigt wird, daß der Staat bei dieser Dienstleistung draufzahlt. Dann wäre eine Neuberechnung der durch die Kirchen an den Staat zu entrichtenden Gebühren notwendig und müßte mgehend durchgesetzt werden. Falls dies der Knackpunkt ist, kann man das konkreter formulieren, dann weiß auch jeder, um was es geht.

Des weiteren ist die Rede von „finanzieller Alimentierung“. Ich weiß nicht genau, was damit gemeint ist, ich mutmaße inemal, es geht um die Staatsleistungen (hätte man in dem Fall genauer benennen können). Diese sollen ja schon laut der Weimarer Reichsverfassung abgelöst werden. Eine Initiative der Piraten in diese Richtung wäre durchaus zu begrüßen, damit staatlicherseits endlich auf die Kirchen zugegangen und über die Ablösng der Zahlungen, etwa drch eine Einmalzahlung, verhandelt wird. Sollte aber eine Einstellung der Zahlungen von jetzt auf gleich angestrebt werden, halte ich das für gefährlich, denn es muß eine Rechtssicherheit geben. Die Verträge zwischen Staat und Kirche bestehen und snd rechtskräftig (falls man dies anzweifelt, habe ich kein Problem damit, wenn die Piratenpartei sich einen Anwalt nimmt und eine Klage anstrengt, damit käme sie auch wieder stärker in die Medien). Als rechtkräftige Verträge müssen sie auch erfüllt werden, oder eben in beiderseitigem Einverständnis abgelöst. Die Rechtssicherheit im freiheitlichen Staat ist übrigens eine der Stützen der Freiheit.

Religiöse Neutralität in öffentlichen Einrichtungen

Ach hier wird nicht gleich erkenntlich, um was es genau geht. Es ist die Rede vom Betrieb sozialer und anderer Einrichtungen drch die Kirche. Es geht hier um das Subsidiaritätsprinzip:

„Aufgrund der vereinbarten Subsidiarität tritt der Staat als Anbieter gesellschaftlicher Dienstleistungen (von der Kinderbetreuung über die Krankenversorgung bis zur Sterbebegleitung) hinter die Angebote religiös bzw. weltanschaulich fundierter Träger (nur teilweise auch laizistischer Träger – Rotes Kreuz) zurück.
In diesem Spannungsfeld entstehen Formen religiöser Bevormundung, wenn etwa aufgrund regionaler politischer Priorisierung religions- und konfessionsfreie Angebote gar nicht unterbreitet werden. Das kann auch Ausdruck gezielter politischer Diskriminierung sein – zum Beispiel im Bereich der Schwangerschaftskonfliktberatung.“

Das Problem, im ländlichen Raum als Atheist nur kirchliche Anbieter zu finden, ist durchaus als nicht hinnehmbar zu bezeichnen, und der Staat hat hier nach meiner Meinung durchaus die Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Die Antragsteller wollen hier nun den Weg beschreiten, das Subsidiaritätsprinzip komplett abzuschaffen (oder nur für kirchliche Träger und damit nichtklirchliche Träger einseitig bevorzgen?). Bei einer kompletten Abschaffung des Sbsidiaritätsprinzips müßte der Staat auf einen Schlag plötzlich alle diese Einrichtungen übernehmen, die nebenbei auch ihre geringen, aber in der Masse doch erheblichen, Finanzspritzen von den Kirchen einbüßen würden. Der Staat würde wieder ein Stück mächtiger, weil nun sämtliche Einrichtungen aus einer Hand kämen, und nicht mehr aus vielen verschiedenen Händen, die auch unterienander in Konkurrenz stehen, was sich durchaus auch positiv auf das ganze System auswirkt. Im Sinne einer Beschneidung der Staatsmacht und damit im Sinne der Freiheit wäre die Abschaffung des Subsidiaritätsprinzip also nicht.

Ich denke, man kann auch in die andere Richtung gehen: Wieso nicht einen Antrag formulieren, der den Staat dazu verpflichtet, überall wo dies gewünscht wird, entsprechende konfessionsfreie Einrichtungen bereitzustellen? In diesem Fall könnte die Vielfalt gewahrt bleiben, die katholische ungewollt Schwangere könnte ohne Mehrkosten z einer katholischen Beratungsstelle gehen, und trotzdem könnten Atheistenkinder in religionsnetralen staatlichen Kindergärten die Vorschulzeit verbringen.

Gleiches gilt auch für Schulen und andere derartige Einrichtungen.

Militär- und Polizeiseelsorge

Der Antrag nennt nr die Militärseelsorge, doch dürfte die Polizeiseelsorge implizit mitgemeint sein. Gerade beim Militär ist es jedoch der Fall, daß die Soldaten große Freiheiten aufgeben, um ihres Berufes Willen. Bis vor kurzen wurde sogar die Wehrpflicht noch durchgesetzt, so daß junge Männer gezwungen sich in den Kasernen afhalten mußten. In dieser Zwangssituation ist es von enormer Wichtigkeit, daß alle Freiheiten, die irgendwie ermöglicht werden können, weiterhin ermöglicht werden. Dazu gehört etwa die positive Religionsfreiheit. Wer gläubig ist und längere Zeit sich in der Kaserne oder gar im Aslandseinsatz befindet, muß Zugang zu einem Geistlichen seiner Religion haben, um seine positive Religionsfreiheit garantieren zu können. Der Staat kommt dem nach, indem er Militärgeistliche in Kasernen im Ausland bereithält.

Bei der Polizei ist es nicht ganz so extrem, jedoch ist es möglich, daß im Schichtdienst mehrmals sonntags der Gottesdienst nicht besucht werden kann und auch sonst der Besuch regelmäßiger Angebote in der Gemeinde. Auch hier gibt es deshalb Seelsorger für die Polizisten, so daß die Polizisten vor Ort bei der Arbeit einen Ansprechpartner haben. Hierbei geht es nicht nur um Dinge, die mit Polizeipsychologen geklärt werden können, sondern um das religiöse Leben, durchaus auch zugeschnitten auf den jeweiligen Beruf.

Bei Gefängnisinsassen ist es am ehesten evident, daß sie an keinem geregelten religiösen Leben teilnehmen könnten, ohne Gefängnisseelsorger. Daher hat der Staat, der den Gefangenen die Bewegungsfreiheit eingeschränkt hat, nun die Aufgabe, wenigsten die anderen Recht, inklusive positive Religionsfreiheit zu gewährleisten. Dies geschieht durch die Gefängnisseelsorger. Und auch hier zeigt sich, daß es im Interesse der Freiheit ist, diese Einrichtungen so zu belassen, wie sie sind. Jedenfalls würde ich mir von einer Initiative, die die Abschaffung fordert, einen Vorschlag wünschen, wie die positive Religionsfreiheit der Betroffenen gewährleistet werden kann.

Kirchlicher Einfluß auf Gesetzgebung

Hier verstehe ich nicht, was gemeint ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Piraten fordern, daß nter all den gesellschaftlichen Gruppen, die es in der BRD gibt, ausgerechnet die Religionsgemeinscheften (oder nur die Kirchen?) einen Maulkorb verpaßt bekommen sollen und sich zur Politik nicht mehr äußern dürfen sollen. Als Teil der Gesellschaft beeinflußt die Kirche auch die Gesellschaft, auch indem sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten die eigene Meinung zu bestimmten Themen frei vertritt. Ein Verbot dessen käme einem Verbot de Meinungsäußerung gleich, das kann nicht gemeint sein. Ich sehe allerdings ach nicht, was die Antragsteller sonst meinen könnten.

Kirchlicher Einfluß auf Medien

Hier gilt das gleiche, wie bei der Gesetzgebung. Die Kirchen haben das Recht wie alle anderen, ihre Meinung zu äußern, und die Medien haben das Recht, dies zu rezipieren und zu berichten. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Piraten hier ein Problem haben könnten. Oder ist hier Rundfunkrat und Fernsehrat der öffentlich rechtlichen Sender gemeint? Ja, hier haben die Kirchen Plätze. Dies ist jedoch daraf zurückzuführen, daß diese Räte einen Durchschnitt durch die Bevölkerung darstellen sollen, deshalb sind gesellschaftlich relevante Gruppen vertreten. Eine Diskussion darüber, wie dieser Querschnitt durch die Bevölkerung ermittelt werden kann, ist sicherlich nie verkehrt, und falls es einen besseren Querschnitt gibt, bei dem die Kirchen nicht mehr vorkommen, solles mir Recht sein. Aber das Rausschmeißen der Kirchen, ohne das Prinzip zu ändern halte ich für falsch. Denn das System baut darauf auf, daß es sich um einen Querschnitt durch die Bevölkerung handelt, wird hier einfach eine Gruppe rausgeworfen, ohne das System zu ändern, beschädigt dies das System als Ganzes und niemand hat etwas davon.

 

Ich habe sicherlich auch Punkte vergessen, viele konnte ich vielleicht nicht ansprechen, aufgrund der manchmal vagen Ausdrucksweise des Antrags. Konkretere Formulierungen würden dies erleichtern. Positiv fiel mir auf, daß der antireligiöse Ton sehr gemäßigt ist, jedenfalls kann ich hier eher den Wunsch nach einer Lösung bestehender Probleme erkennen, als etwa bei den Grundsätzen der Laizisten in der SPD. Meine Hoffnng ist, daß der Antrag auf dem Parteitag nicht angenommen wird, und man sich statt dessen genaere Gedanken dazu macht, was die eigentlichen Mißstände sind, die man meint, und wie man diese direkt ändern könnte, ohne gleich das ganze System (und damit auch viele positive Errungenschaften) umzuschmeißen. Hat auch was von Windows vs Linux: Bei Windows schmeißt man das alte System runter, wenn etwas schief läuft, und setzt ein nees System auf. Wenn bei Linux etwas nicht läuft, installiert man nicht neu, sondern sucht den Fehler und behebt ihn. Ich hoffe, die Piraten wählen als „Nerd-Partei“ den Linux-Weg.

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Laizisten in der SPD

Update:  Den SPD Laizisten wurde nun scheinbar von der Parteiführung die Nutzung von „SPD“ in der Domain untersagt, die Forderungen findet man jetzt hier (wobei ich nicht garantieren kann, daß sie nicht was am Wortlaut geändert haben).

 

In der SPD hat sich nun eine Gruppe mit Namen „Laizisten in der SPD“ formiert. Das ist weiter nicht besonders erwähnenswert, es bilden sich täglich alle möglichen Gruppen in der BRD, warum also nicht auch Laizisten in der SPD? Nun haben sie auf ihrer Homepage ihre Forderungen veröffentlicht, und da bin ich, als gläubiger Mensch dann doch interessiert, ob und in wie weit Glaube eingeschränkt werden soll. Auf gut deutsch: Falls sich die Laizisten in der SPD durchsetzen, führt eine Stimme für die SPD dann zu einer Einschränkung meiner Religionsfreiheit? Deshalb möchte ich mich kurz mit den Forderungen auseinandersetzen:

1.      Gesetze und öffentlicher Raum müssen neutral bleiben

Verfassungen, Gesetze und öffentliche Bauten gehören allen Bürgern. Im Grundgesetz der Bundesrepublik und in den Landesverfassungen sowie sämtlichen weiteren Gesetzen haben alle Gottesbezüge zu unterbleiben. Zur Wahrung der weltanschaulichen Neutralität gehören religiöse Symbole nicht in Gerichte, Parlamente, Rathäuser, staatliche Krankenhäuser, Kindestagesstätten und Schulen sowie Behörden. Auch sind öffentliche Gebäude und Einrichtungen bei Neuerrichtung nicht „einzusegnen“. Die Eidesformel ist neutral zu fassen.

Verständlich finde ich die Ablehnung von Gottesbezügen oder Einsegnungen. Bei der Eidesformel komme ich nicht ganz mit, da es eine Form ohne Gottesbezug bereits gibt (oder hab ich die Vereidigung der Regierung Schröder falsch im Kopf, in der nur Scharping die Formel „so wahr mir Gott helfe“ benutzte?).

Ein Problem sehe ich im Begriff der „weltanschaulichen Neutralität“, denn dies suggeriert, daß ein Verzicht auf Symbole neutral wäre. In gewissen Fällen kann dies aber eine Bevorzugung atheistischer Ansichten bedeuten, dazu unten mehr. Im Fall der Symbole allerdings sehe ich es ähnlich: Es gibt keinen Grund für Kreuze im Gericht oder in Schulräumen (außerhalb von Räumen, die allein dem Religionsunterricht dienen oder Kreuze die nur für die Dauer der Religionsstunde hängen).

2.      Neutrales öffentliches Bildungswesen

Der Staat darf weder religiös bestimmte Erziehungsziele vorgeben noch – wie bisher in Art. 7 GG vorgeschrieben– einen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an den Schulen gewährleisten.

Religiöse Erziehungsziele kann der Staat für den Bereich außerhalb des Religionsunterrichtes – und nur diesen Bereich verantwortet der Staat allein – in der Tat nicht vorgeben. Die Möglichkeit eines Religionsunterrichts ist jedoch allen Religionsgemeinschaften gegeben, soweit sie den Status der K.d.ö.R. haben. Insofern sehe ich wenig Gründe, die aus Neutralitätssicht gegen den Religionsunterricht sprechen. Eine Alternative wäre, die Kriterien für die Ermöglichung eines Religionsunterrichts in einer bestimmten Religion zu überprüfen, so daß möglichst alle Religionsgemeinschaften, die dies wünschen, einen eigenen Unterricht anbieten können.

Statt des bisherigen Bekenntnisunterrichtes sollen alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Herkunft und Religionszugehörigkeit einen Unterricht über die ethischen Grundlagen des Zusammenlebens, über die Inhalte der großen Religionen und über die weltanschaulichen Grundlagen unserer Kultur erhalten. Bis zu einer entsprechenden Änderung der Verfassungen und Gesetze muss parallel zum konfessionellen Religions- und weltanschaulichen Unterricht auf allen Schulstufen ein gleichwertiger, neutraler (Religionskunde- und)* Ethikunterricht im Sinne eines Wahlpflichtfaches eingerichtet werden.

Dies widerspräche dem Neutralitätsgedanken eklatant. Denn ein vom Staat alleine verantworteter „neutraler“ Unterricht wäre nicht neutral, sondern staatsgelenkt. Der Staat aber hat keinerlei Kompetenz oder Berufung, sich im Gebiet der Religion zu betätigen. Eine Gleichschaltung des Religionsunterrichts durch eine vom Staat festgeschriebene Ethik sehe ich als Gefahr für die Freiheit, gerade in Zeiten, in denen Regierungen dazu tendieren, Gesetze zu schaffen die gegen das Grundgesetz stehen und somit immer wieder versucht wird, Freiheiten zu beschränken oder abzuschaffen. Auf dem Bereich des Gewissens, und darum handelt es sich beim Thema Religion zweifellos, kann es nicht angehen, daß der Staat alleine Vorgaben macht und ein Monopol einrichtet in der Frage, was ethisch als gut oder schlecht zu bewerten sei.

Religiöse Erziehungsziele für öffentliche Bildungseinrichtungen und Schulen sind in den Landesgesetzen zu streichen. Schulgebete, Schulgottesdienste und dergleichen in öffentlichen Schulen haben zu unterbleiben.

Damit hätte ich kein Problem, soweit mit Schulgebet ein Gebet im Klassenverband außerhalb des Religionsunterrichts gemeint ist. Das religiöse Betätigen muß jedoch in Gewährleistung der Religionsfreiheit auch in der Schule möglich sein, auch wenn dieses Recht schon in Frage gestellt wird.

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe bzw. des öffentlichen Schulwesens müssen überall ein ausreichendes Angebot an neutralen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (von der Kinderkrippe bis zur Jugendarbeit) bereit stellen. Ein regionales Religionsmonopol (z.B. eine einzige Kindertagesstätte am Ort in religiöser Trägerschaft) muss unzulässig sein.

Was soll hier „unzulässig“ bedeuten? Es kann nicht sein, daß kirchliche Einrichtungen geschlossen werden müssen, weil der Staat keine eigenen Einrichtungen finanzieren will oder kann. Wenn damit allerdings gemeint ist, daß der Staat kirchliche Infrastruktur doppeln will, so ist dem nichts entgegen zu setzen, so lange keine religiösen Kinder gezwungen werden, die staatlichen Einrichtungen zu besuchen. Ein Zwang würde auch ausgeübt, falls der Staat die Finanzierung der kirchlichen Einrichtungen streicht mit der Begründung, es stünden ja staatliche Einrichtungen bereit. Religiöse Bildung darf nicht den Reichen vorbehalten sein. Gerade von der SPD erwarte ich hier eine gewisse Sensibilität.

3.      Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen

Die Vorschrift des Grundgesetzes, alle auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften abzulösen (Art 140 GG i.V.m. Art. 138 Weimarer Reichsverfassung), ist bisher nicht erfüllt. Der Bundesgesetzgeber muss endlich die hierfür notwendigen Gesetze erlassen.

Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen, insofern mit einer Ablösung hier nicht eine Enteignung der Kirchen gemeint ist. Die Staatsleistungen wurden eingerichtet, weil der Kirche Eigentum entzogen wurde, aus dessen Bewirtschaftung sie zum Beispiel ihr Personal (Bischöfe und andere Kleriker) finanzierte. Mit Abgabe des Eigentums an den Staat wurden der Kirche jährliche Zahlungen anstatt der Einkünfte aus der eigenen Bewirtschaftung des verstaatlichten Besitzes zugesichert. Eine einfache Einstellung dieser Zahlungen käme einer Enteignung der Kirche gleich. Eine Ablösung muß die Gestalt haben, daß die Kirche in der Lage ist, mit den Ablöseleistungen die fraglichen jährlichen Ausgaben wieder selbst erwirtschaften zu können. Über die Ausgestaltung der Ablösung muß mit der Kirche, bzw. den Kirchen verhandelt werden.

Die direkte und indirekte Finanzierung der Klerikergehälter, der Theologenausbildung und des Religionsunterrichts sind zu beenden.

Soweit damit die Staatsleistungen in Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 gemeint sind, habe ich oben schon dazu geschrieben. Solange der Religionsunterricht ordentliches Unterrichtsfach ist, gibt es keinen Grund, warm dieser nicht vom Staat getragen werden sollte, wie auch der Mathematikunterricht nicht von einem Mathematikerverband getragen wird. Ebenso verstehe ich nicht, wieso Theologenausbildung nicht finanziert werden soll, während die Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler, die später bei Daimler, der Deutschen Bank oder McKinsey arbeiten, weiterhin an von deutschen Staat finanzierten Universitäten studieren.

Auch die vielfältigen „versteckten“ Leistungen – z.B. der Kommunen für kirchliche Baulasten, kirchliches Personal oder Dienst- und Materialleistungen an kirchliche Einrichtungen – sind abzuschaffen.

Hier habe ich zu wenige Kenntnisse der Details. Es steht zu befürchten, daß auch hier einseitig Zahlungen abgeschafft werden sollen, die anderen Gruppen und Verbänden zur Verfügung stehen oder stünden. Es müßte jedoch genauer geprüft und daraf eingegangen werden.

4.      Abschaffung von Rechtsprivilegien

Alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind nach dem allgemeinen Vereinsrecht zu behandeln. Die quasi-hoheitliche Sonderstellung der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, ist zu beenden.

Wieso sollten Weltanschauungsgemeinschaften hier anders behandelt werden als der Bayrische Bauernverband oder das Bayrische Rote Kreuz? Da die Weltanschauungsgemeinschaften Aufgaben wahrnehmen, die vom Staat nicht zu leisten, aber für die Gesellschaft unabdingbar sind, wäre eine Reduzierung auf Vereinsstatus nicht im Sinne des Staates. Zu erwähnen ist, daß der Körperschaftsstatus auch von nichtreligiösen Gruppen wie Humanistenverbänden und Ähnlichen angestrebt werden kann, die dann ach ihren eigenen „Religionsunterricht“ erteilen könnten.

Die Notwendigkeit der Austrittserklärung beim Standesamt und oder Amtsgericht ist abzuschaffen. Sie muss gebührenfrei sein.

Volle Zustimmung meinerseits. Ich ärgere mich schon lange über das doppelte Abkassieren des Staates an dieser Stelle, der einerseits von den Kirchen für die Steuererhebung und Mitgliederverwaltung bezahlt wird und dann nochmal extra die Austretenden zur Kasse bittet.

Das Privileg, dass der Vertreter des Vatikans automatisch der Doyen des diplomatischen Corps ist, ist abzuschaffen. Die katholische Kirche ist in internationalen Gremien als NGO einzustufen, wie es bei allen anderen Religionsgemeinschaften bereits üblich ist.

Die katholische Kirche als Kirche sicherlich. Nur ist diese nicht so leicht vom Vatikan zu trennen, der einen völkerrechtlich anerkannten eigenen Staat darstellt, zu dem die Bundesrepublik langjährige Beziehungen pflegt (der aktuelle Herrscher des Staates ist sogar Bundesbürger!). Da niemand auf die Idee käme, Monaco oder Andorra als NGO einzustufen, sollte dies auch bei anderen Staaten vermieden werden. Wer der Doyen des diplomatischen Corps ist, der vatikanische Vertreter oder doch der Nordkoreanische, ist meines Erachtens nach uninteressant.

Der Straftatbestand der „Gotteslästerung“ usw. (§ 166 StGB) ist ersatzlos zu streichen.

Hier bin ich zwiegespalten. Einerseits kann es nicht sein, daß ein Mensch verfolgt wird, weil er einen anderen Glauben hat als die Mehrheit und diesen vertritt, was als Gotteslästerung ausgelegt werden könnte. Andererseits sehe ich das Problem, daß durch gezielte Äußerungen oder Taten Teile der Bevölkerung aufgestachelt werden könnten, und dies als politisches Mittel mißbraucht werden könnte. Dagegen braucht man eine Handhabe, die jedoch sicher auch anders auszugestalten ist.

5.      Abschaffung von Steuerprivilegien

Alle über allgemeine Gemeinnützigkeitsbestimmungen hinausgehenden Steuerprivilegien der Kirchen sind abzuschaffen. Die Einziehung der Kirchensteuer durch den Staat ist zu beenden. Die Kirchen sollen sich um ihre Mitgliedsbeiträge selbst bemühen.

Es müßte geprüft werden, welche Privilegien dies sind und welchen Grund ihre Einführung hatte. Ein Verwalten der Mitgliedsbeträge durch die Kirchen ist auch denkbar, die Frage ist, ob der Bund sich der Einnahmen enthalten will, die er auf dem Weg zusätzlich erzielt.

6.      Abschaffung von Finanzprivilegien

Über die Kirchensteuern hinaus beziehen bestimmte Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in den Bundesländern zusätzlich hohe Zuschüsse auf Basis von Konkordaten bzw. Staatsverträgen. Aus diesen Mitteln werden vom Steuerzahler z.B. Gehälter von Bischöfen und anderen Geistlichen, Kosten von Bistumsverwaltungen, Gebäudekosten, „Seelsorge“, theologische Lehrstühle und Hochschulen sowie der Religionsunterricht finanziert. Diese Staatsverträge sind so umzugestalten, dass sie sich auf ein sinnvolles Minimum, z.B. bei der Unterstützung kultureller Angelegenheiten, beschränken, wobei der Grundsatz der Gleichbehandlung aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften einzuhalten ist.

Mir ist nicht klar, ob es hier um die oben bereits genannten Zahlungen geht. Zur Theologenausbildung habe ich mich jedenfalls schon geäußert. Ansonsten ist ein Staatskirchenvertrag zwischen Kirchen und Staat ausgehandelt, verpflichtet also beide Seiten zu Leistungen. Wenn Zahlungen an die Kirchen gestrichen werden, muß hingenommen werden daß auch die Kirchen sich nicht mehr an ihre im Vertrag festgeschriebenen Pflichten halten.

Die Finanzierung von Pfarrerstellen in öffentlichen Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen ist zu beenden.

Aus welchem Grund? Seelsorge ist eine nötige Aufgabe, die auch gefragt ist und bleibt. Statt einer Abschaffung der Seelsorger wäre die Prüfung, ob die Finanzierung weiterer Seelsorger anderer Weltanschauungsgemeinschaften, auch atheistischer, sinnvoll wäre.

Soweit sich Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften oder von ihnen getragene oder geprägte Organisationen gemeinnützig betätigen (z.B. als „freie Träger“), müssen bei der staatlichen Finanzierung und für die Beschäftigungsbedingungen die gleichen Maßstäbe wie für alle anderen Träger gelten.

Ich frage mich gerade, inwieweit dies nicht der Fall ist…

7.      Beendigung der Priesterausbildung durch den Staat

Die theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen sind abzuschaffen. An ihrer Stelle sind religionswissenschaftliche Institute einzurichten. Alle kirchlichen Vorbehaltsrechte z.B. bei der Besetzung bestimmter Lehrstühle sind abzuschaffen. Konkordatslehrstühle sind in ordentliche Lehrstühle umzuwandeln.

Der Grund für die Abschaffung einer Wissenschaft, egal ob nun Theologie oder Pädagogik, kann ich nicht nachvollziehen. Ebensowenig die Ersetzung durch Institute einer anderen Wissenschaft. Religionswissenschaft ist eine andere Disziplin als Theologie und hat mit dieser eher wenig zu tun. Die Frage nach der Finanzierung der Ingenieure von Daimler und Opel habe ich oben schon gestellt. Das kirchliche Vorbehaltsrecht bei der Lehrstuhlbesetzung ist dem besonderen Charakter der Theologie geschuldet, ebenso die Konkordatslehrstühle. Eine Abschaffung der Theologie käme der gezielten Benachteiligung einer gewissen Berufsgruppe gleich. Daß es sich dabei um dezidiert religiöse Berufe handelt lässt die Frage aufkommen, ob hier nicht die Religionsfreiheit tangiert wird und Religionsausübung erschwert werden soll. Darüber bin ich mir noch nicht ganz im Klaren… einem Verweis einer Wissenschaft von den Unis kann allerdings in keinster Weise zugestimmt werden, wenn nicht die Unis als Ort des Kampfes um die „korrekte“ Weltanschaung mißverstanden würde. Dies wäre nicht neutral, es wäre antireligiös.

8.      Gleiche Mitarbeiterrechte

Über die für alle Tendenzbetriebe geltenden Besonderheiten hinaus dürfen die Rechte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht beschnitten werden. Die Sonderregelungen für religiöse oder weltanschauliche K.d.ö.R. im Betriebsverfassungsgesetz und im Allgemeinen Gleichstellungsgesetz sind abzuschaffen. Den Beschäftigten der Kirchen und ihrer Organisationen sind Mitbestimmung, Koalitionsfreiheit und Tariffreiheit zuzubilligen. Die Religionszugehörigkeit oder das religiöse Verhalten dürfen jenseits eines engen, in herausragender Weise religiös oder weltanschaulich geprägten Kernbereiches von Beschäftigungsverhältnissen kein Einstellungs- oder Entlassungsgrund sein.
Diese Forderung gehört auch wieder in unser Grundsatzprogramm.

Dies ist ein Problem. Es ist einerseits verständlich, daß kirchliche Einrichtungen eine dezidiert kirchliche Arbeitsweise gewährleisten wollen. Sie tun dies, indem sie ihre eigenen Mitglieder einstellen. Inwieweit dies bei Kirchenbanken nötig ist, mag diskutabel sein. Die SPD würde wahrscheinlich auch kein CDU Mitglied als Schatzmeister berufen. Arbeit in kirchlichen Einrichtungen wurde ursprünglich wohl nicht als Erwerbsarbeit aufgefasst, sondern als zwar bezahlte Arbeit, die aber im Grunde vor allem einen christlich persönlich-karitativen Hintergrund hatte. Da dies zur Zeit weitgehend nicht mehr so gesehen wird stellt sich mir die Frage, ob die Kirche aus Wirtschaftsfeldern, die mittlerweile gewinnbringend arbeiten, nicht aussteigen sollte. Dies wäre jedoch innerkirchlich zu klären und ist für die SPD nebensächlich.

9.      Keine öffentliche Militärseelsorge

Die staatliche Organisierung und Finanzierung der Militärseelsorge ist zu beenden. Der bisher von den Militärpfarrern gegebene, aber für alle Kriegsdienstleistenden verbindliche „Lebenskundliche Unterricht“ ist in ein neutralen, von einem dafür geeigneten Pädagogen erteilten Ethikunterricht umzugestalten. Öffentlich finanzierte Soldatenwallfahrten und ähnliche Unternehmungen sind nicht statthaft.

Zum Ethikunterricht durch einen vom Staat alleine bestellten Lehrer habe ich mich oben geäußert. Gerade im militärischen Bereich erhöht sich nach meiner Meinung die Gefahr, wenn der Staat hier alleine die Deutungshoheit über Recht und Unrecht hat. Zur Militärseelsorge allgemein ist zu sagen, daß auch Soldaten Menschen sind, die das Recht der Religionsfreiheit haben. Die religiöse Betätigung ist im militärischen Bereich nicht immer möglich, gerade in Afghanistan und im Kosovo gibt es nicht viele Kirchen, die die Soldaten besuchen können, oder Pfarrer, deren Hilfe sie in Anspruch nehmen können. Daher hat der Staat, der für die Soldaten verantwortlich ist, dafür zu sorgen, daß sie neben ihrer körperlichen Versorgung auch seelisch versorgt werden, falls sie dies wünschen. Daß ein atheistischer Kamerad zur Teilnahme am lebenskundlichen Unterricht gezwungen wurde, kann ich mich in meiner Zeit bei der Bundeswehr nicht erinnern. Falls dies zur Zeit so läuft, ist dies natürlich zu beenden. Hier ist denkbar, wie auch beim Religionsunterricht in der Schule, daß Konfessionslosengruppen staatlich unterrichtet werden, so lange dies die Ausnahme zur Regel bleibt (vgl. oben die erwähnt Gefahr der Monopolisierung der Ethik durch den Staat).

Geistliche und Theologiestudenten sind – solange die Wehrpflicht besteht – allen übrigen Wehrpflichtigen gleichzustellen und zum Militär- oder Zivildienst heranzuziehen.

Dagegen ist von meiner Seite aus nichts einzuwenden. Ich habe, trotz Theologiestudium, meinen Dienst an der Waffe geleistet und es als bereichernde Erfahrung erlebt.

10.  Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist kein Kirchenfunk

Die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind so umzugestalten, dass dort keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft übermäßigen Einfluss erhält. Solange dort Vertreter der Religionsgemeinschaften sitzen, müssen auch Vertreter der nicht-religiösen Weltanschauungsgemein-schaften berufen werden.

Interessant wäre hier, nach welchen Kriterien berufen wird. Tatsache ist, daß nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaften, trotz dem angeblichen Anteil von 1/3 konfessionsloser Bundesbürger, weit weniger Mitglieder aufzuweisen haben als die Kirchen. Falls also die Zahl der Mitglieder entscheidend ist, wäre dies ein nachvollziehbarer Grund, jedoch spricht nichts dagegen, die Kriterien zu überdenken angesichts der pluraleren Gesellschaft heute.

Die Gewährung von Sendezeiten für sogenannte Verkündigungssendungen ist zu beenden. Die Finanzierung von durch kirchliche Medienkonzerne erstelltem Sendematerial ist zu beenden.

Und wieder frage ich mich, ob es neutral ist, wenn alles Kirchliche entfernt wird, oder ob dies nicht doch einseitig atheistisch ist. Wieso nicht zusätzlich atheistische Verkündigung? Wort zum Montagnachmittag? Wieso sollen nur und einzig kirchliche Medienkonzerne für das Erstellen von Sendematerial nicht mehr bezahlt werden? Ach hier die Frage: Ist dies neutral oder eine einseitige Benachteiligung des Religiösen?

Öffentlich-rechtliche Kirchenredaktionen wirken in der Regel als verlängerter Arm der kirchlichen Medienarbeit. Die Kirchenredaktionen sind daher aufzulösen und durch Redaktionen zu ersetzen, die sich des gesellschaftlich-kulturellen Themenbereichs von Religionen und Weltanschauungen in journalistisch geeigneter Art und Weise und mit der gebührenden kritischen Distanz annehmen.

Ich erkenne den Sinn nicht, der dahinter stecken soll, eine Redaktion aufzulösen und sie unter neuem Namen neu zu gründen. Wäre es nicht sinnvoller, auf eine gebührend distanziert kritische Berichtserstattung in den Kirchenredaktionen hinzuarbeiten? Allerdings habe ich auch bei den öffentlich rechtlichen sehr distanzierte Berichte im Kopf, etwa der Vergleich von christlichen Entwicklungshelfern mit Selbstmord-Attentätern