Gesellschaft

Verantwortung

Ask not, what your country can do for you,ask what you can do for your country.

John Fitzgerald Kennedy
35. US-Präsident

Ich habe diesen Artikel ja schonmal angekündigt. Jetzt ist er dran. Damals schrieb ich, daß die Verantwortung die Grenze für die Toleranz bildet. Jeder Mensch toleriert nur das, was er verantworten kann. In einem älteren Artikel zitierte ich einen alten Lehrer von mir, der – IMHO zu Recht – die Verantwortung als Maßstab für die Freiheit nannte. Freiheit ist nur insofern gut, als daß eine ebenso große Verantwortung damit einhergeht.

Hier soll es nun um die Verantwortung gehen, und wie sie mit Freiheit und Toleranz interagiert.

Beim Nachdenken über diesen Artikel fiel mir auf, daß überall, wo von Freiheit die Rede ist, auch von Verantwortung gesprochen werden kann: Luther übernahm die Verantwortung für seine Ansichten und sein Handeln vor Gott und sprach damit der damaligen Kirchenhierarchie ab, bestimmte Dinge für ihn zu entscheiden. Die Eigenverantwortung vor Gott brachte ihn quasi dazu, Papst und Kaiser zu widersprechen, und das durchzuhalten.

Spätere Freiheitsbestrebungen kann man durchaus so verstehen, daß die Völker, die gegen ihre Monarchen aufbegehrten, die Verantwortung für ihre Staatsordnung selbst übernehmen wollten. Man versuchte so gesehen also, den Monarchen von seiner Verantwortung für das Land zu entbinden. In den meisten Fällen wohl aus dem Grund, weil die Monarchen ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden, sondern in die eigene Tasche wirtschafteten.

Kant weist mit seiner Definition der Aufklärung in eine ähnliche Richtung:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Er beschreibt die Unmündigkeit als Unvermögen, sich ohne Leitung durch andere des Verstandes zu bedienen. Man könnte wohl auch sagen: Man ist unmündig, wenn man nicht in der Lage ist, Verantwortung für sich, sein Denken und seine Taten zu übernehmen. Wenn Aufklärung die Freiheit des Menschen zum Ziel hat, dann gehört dazu auch, selbst Verantwortung zu übernehmen. Man könnte provokant formulieren:

Du willst Freiheit? Dann übernimm Verantwortung!

Doch bei Kant kann man auch eine andere Alternative raushören. Es ist nämlich durchaus die Möglichkeit gegeben, daß der Mensch keine Verantwortung übernimmt. Kant spricht einerseits von den Mutlosen, als auch vom Mangel an Verstand. Wer keinen Verstand hat, kann sich dessen nicht bedienen. Und wer, wieso auch immer, den Mut dazu nicht hat, ebenso.

Ich stelle mir die Frage, was mit solchen Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft passiert? Einer Gesellschaft, die die Freiheit voraussetzt, und damit auch die Verantwortung? Muß es nicht zu Problemen kommen, wenn Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, diese trotz allem aufgehalst bekommen? Muß es die Option geben, Freiheit (und damit auch Verantwortung) abzulehnen?

Ich meine, man kann niemandem Freiheit verordnen, denn dazu müßte derjenige auch die entsprechende Verantwortung übernehmen (können). Darin sehe ich auch einen Hauptgrund, wieso das mit dem Nationbuilding nach westlichem Muster sowohl im Irak als auch in Afghanistan schief gelaufen ist. Und auch in Ägypten spielt es wohl eine Rolle. Daneben gibt es noch die militärische Komponente, die in diesem Artikel zu kurz kommt. Denn Verantwortung zu übernehmen ist die eine Sache, sie zugesprochen zu bekommen eine andere.

Ich meine, man kann nur einzelnen Menschen anbieten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und sind es genug, die dies für sich entschieden haben, werden sie auch auf dem einen oder anderen Weg danach streben, die damit verbundenen Freiheiten in der Gesellschaft zu etablieren.

Je mehr ich drüber nachdenke ärgern mich diese absoluten Positionen: Entweder freie Gesellschaft oder Abhängigkeit vom Regime. Zumal es ja Menschen gibt, die durchaus in Abhängigkeit leben (müssen), weil sie keine Verantwortung übernehmen (können). Ich denke hier vor allem an Kinder (in verschiedenen Abstufungen nach Alter und Entwicklung), geistige Behinderungen und Komapatienten.

Als ich meine Examensarbeit schrieb, fiel mir auf, daß staatliches Bevormundungsdenken früher zu Kaisers Zeiten wohl auch im Sinne einer Fürsorge verstanden wurde. Man war der Ansicht, die Obrigkeit müsse die Verantwortung für das Volk (oder bestimmte Teile desselben) übernehmen. Ich konnte dem, bei aller Ablehnung, auch einen positiven Aspekt abgewinnen. Nämlich, daß niemand sich selbst überlassen werden sollte. Welch Unterschied zu heutigen Konservativen (ist die SPD auch konservativ?), die eigentlich liberal denkend den Menschen eine Eigenverantwortlichkeit verordnen wollen, weil der Staat seiner Verantwortung, die Renten zu zahlen, nicht nachkommen kann oder will.

Um nochmal zu den Freiheitsbestrebungen der Aufklärungszeit zurückzukommen: Die ergeben ja nur da Sinn, wo der Monarch die ihm verliehene Verantwortung mißbraucht. Der gute König sorgt für seine Untertanen. Tut er das nicht, hat er kein Recht mehr auf sein Amt, das in der Verantwortung begründet sein soll, nicht in der Selbstbereicherung. Da der Mensch die Selbstbereicherung mehr liebt als die Verantwortung, ist die Monarchie wie alle anderen absoluten Regierungsformen abzulehnen.

Übrigens: Meine Examensarbeit schrieb ich über Adolf Stoecker, der wohl auf ähnlichen Gedanken fußend sogar die Sozialdemokraten (wohlgemerkt die des 19. Jhd.) als Liberale bezeichnete.

Den Gegenpol zu diesen „Liberalen“ bildete dann etwa kirchliche Fürsorgearbeit, die sich der Menschen annahm, die Angenommenen dann aber auch bevormundete. Zum Glück sind wir heute davon weg. Naja, im Idealfall wenigstens.

Wo auf der einen Seite die Bevormundung das Problem ist, steht auf der anderen Seite die Überforderung.

Denn ohne selbst Verantwortung zu übernehmen ist man auch nicht frei. Man wird dann, je nach Kontext zum Stimmvieh oder zur Konsummasse. Umgekehrt gipfelt Verantwortung zu übernehmen, ohne die dazu nötige Freiheit zu haben, in Bevormundung und Unterdrückung.

Und während das erstere durchaus ein Problem unserer Gesellschaft ist (Stimmvieh läßt sich wunderbar von Meinungsführern dirigieren), ist das letzte eher ein Problem repressiver Staaten. Dieses Problem wurde historisch oft durch Freiheitskriege oder Revolutionen gelöst.

Ich frage mich, ob es eine Möglichkeit geben kann, daß Bürger Verantwortung (und damit bestimmte Freiheiten) abgeben können, indem sie sagen: „Ich kann das nicht, soll sich wer drum kümmern, der sich auskennt.“ Dann müßten sie mit den Konsequenzen leben. Es stellt sich wieder das Problem der Bevormundung. Mir scheint, daß sowohl die repräsentative Demokratie (nur wer sich aufstellen läßt kann gestalten, wenn er gewählt wird, reine Wähler nicht) als auch die Liquid Democracy Versuche sind, das Problem zu lösen. Ne direkte Demokratie scheint mir dagegen wieder in Richtung Aufdrängung einer womöglich nicht gewollten Freiheit zu gehen, aber das ist nur ein erster Eindruck.

Nachdem nun das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung weitgehend dargestellt ist, wie war das nochmal mit der Toleranz?

Dazu nochmal zu den Fürsten. Die tolerierten ja in ihrer Mehrheit nicht die Freiheitsbestrebungen ihrer Untertanen, unabhängig davon, ob diese nun Verantwortung übernahmen oder nicht.

Und das mußten die Fürsten selbst verantworten. Manche wanderten dafür auch auf die Guillotine. Heißt das nun, daß man Nazis marschieren lassen soll, weil sie sonst gewalttätig wären?

Nun ja, die Frage muß sich jeder selbst beantworten. Eine eindeutige ethische Antwort wird es wohl nicht geben. Wenn zwei Parteien für sich sowohl Verantwortung übernehmen als auch die damit verbundene Freiheit ausleben, kann dies zu ziemlichen Konflikten führen. Denn während die meisten Leute wohl davor zurückschrecken würden, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß bürgerliche Freiheiten wie das Versammlungsverbot ausgehölt werden, interessieren sich andere gar nicht für solche Freiheiten, ja heißen deren Aushöhlung vielleicht gut.

Es ist auch nur ne Scheinlösung, daß man die Freiheit der anderen respektieren soll und die eigene Freiheit an der Freiheit der anderen aufhört. Wenn ein Kind mit dem Feuer spielt, greife ich ein. Wenn derjenige, der (auch im übertragenen Sinn) mit dem Feuer spielt, dann denke ich, sollte ich auch eingreifen, seine Freiheit einschränken und die Verantwortung dafür übernehmen. Bonhoeffer beteiligte sich an der Planung eines Hitlerattentats. Er war sich dessen bewußt, daß das, was er tat, eigentlich falsch war, und tat es trotzdem, weil das andere falscher gewesen wäre. Er trug die Konsequenzen. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg aufgehängt. Angeblich war der Lärm der Front schon zu hören.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde am Mittwoch, den 16. Mai 2012

Den Auftakt macht Ralpe mit einem Artikel über google, Selbstzensur aus Abmahnangst und der Verantwortng der Schmaschinenbetreiber. Das hat mich zur Frage gebracht, ob man nicht die öffentlich-rechtlichen Sender umgestalten sollte, so daß die Informationspflicht für die Bürger weniger durch heute und Tagesschau nachgekommen wird, sondern durch eine Bundessuchmaschine. Unabhängig von Wirtschaftlichkeitsstreben der großen Firmen. Betreibt der Staat nicht sonst auch Infrastruktur? Vielleicht liest hier ja ein Pirat mit, der das mal weiterdenken kann, ich hab grad wenig Zeit dafür…

Bei sojourners gibts mal wieder nen Artikel über einen Film, der wohl auch bei uns nie erscheinen wird (die haben das öfter). Manchmal wünscht man sich ja, asländische Filme wären einfacher zu bekommen, unabhängig von den Marketingentscheidngen der Vertriebsgesellschaften, aber das ist ein müßiges Thema, jedenfalls bis die Piraten den Kanzler stellen oder die SPD kapiert hat, daß der Erfolg der Piraten nicht am Vorhandensein von Faebookseiten dn Twitteracounts liegt.

René Brandstädter hat was zum Bildungssystem in Deutschland geschrieben. Und während ich ihm teilweise Recht gebe, daß die Schüler auch den Umgang mit digitalen Medien erlernen müssen, bin ich nicht der Meinung, daß man auf Tafel, Kreide und Frontalunterricht ganz verzichten sollte. Etwas jemandem zu erklären geht beim ersten Mal am Besten frontal, daß Nachfragen dann natürlich möglich sein müssen war auch schon bei unseren Großeltern normal.

Medienkompetenz in dem Sinn, daß man den „Qualitätsjournalismus“ vom Weizen trennen kann, geht auch mit Printprodukten. Folgeerscheinungen der Digitalisierung wie shitstrom und dergleichen kann man prinzipiell auch ohne Netz besprechen. Jedoch sind eigene Erfahrungen im Netz sicherlich hilfreich dabei, nd da kommt dann der Teil, vo ich René Recht gebe. Allgemein bin ich der Ansicht, daß Schüler in Schulen weniger geupdated werden sollen, sondern den Updatemechanismus erlernen sollen, um die gleiche Terminologie zu verwenden. Dazu ist nicht ganz so viel Netz notwendig, wie für das eigentliche „Update“. (auch heute lernt man an Unis noch viel aus analogen Büchern – oder geht das nur uns Theologen so?)

Der Herr Alipius hat in nem Artikel ein Zeugnis geschrieben von seiner Priesterberufung, nd inwieweit das mit dem Katholikentag (nicht) zusammenhängt. Lesenswert und nachvollziehbar, auch wenn ich theologisch wo ganz anders stehe (so sehr dann vielleicht doch nicht). Ach ja, und natürlich gibts ne neue Schwester Robusta.

Einen mit moderneren Strömungen (und dem Katholikentag) versöhnlicheren Ton hat wieder Ameleo. Mir kommt es ja so vor, als ob beide durchaus nen Punkt haben und das Ideal dort ist, wo beide zusammenkommen, Ernsthaftigkeit im Glauben und Form und Wahrnehmng der aktellen Probleme als aktuelle Probleme. Wir haben ja ähnlich widerstrebende Strömngen im Protestantismus. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Alexander Ebel schreibt über nen Weltrekord. Rekordhalter: Paedophryne amauensis, das (bisher) kleinste Wirbeltier der Welt, wohnhaft in Papua-Neuguinea.

Bobby Ross von getReligion wundert sich über nen Artikel über eine Nonne, in der die Rede von Kleiderlängen und Alkoholverbot ist, aber der Glaube quasi nicht vorkommt.

Die 70% Idee vom Relicamp hat es zu nem eigenen Artikel bei evangelisch.de geschafft. Das scheint ja ne ganz nette Resonanz zu haben.

glaube, kirche, Schwule Pfarrer???

Manchmal platzt mir der Arsch!

Entschuldigung für die Ausdrucksweise, aber es beschreibt den Vorgang nun mal ziemlich gut in seiner Stärke. Schon seit längerem kommentiere ich ja auf einem Blog für Atheistische Selbstvergewisserung mit und störe die Vergewisserung ein wenig, wo sie unbegründet ist. Jedenfalls hoffe ich das. Dabei geht es nicht ohne Aufreger ab. Beiderseits. Und immer wieder der Vorwurf, was „die Kirche“ nicht so alles täte.

Gerne immer wieder genommenes Beispiel (neben anderen): Die Stellung zur Homosexualität bzw. der Umgang mit Homosexuellen. Nun müßte ich schon ziemlich weltfremd sein, wenn ich behaupten würde, daß „die Kirche“ hier gar kein Problem hätte. Selbst wenn man die römische Kirche bei Seite läßt – ich bin kein Römer, deshalb misch ich mich da ungern ein – auch bei uns Protestanten gibt es da antischwule Tendenzen, und zwar nicht nur in den Freikirchen!

Ich hatte dazu ja schonmal was geschrieben. Macht nix, ist ja alles auch schon ne Weile her. Heute nun stieß ich auf einen Blog, der dem Thema „schwule Pfarrer“ ne eigene Seite gewidmet hat, die über das Menu zu erreichen ist.

Beim überfliegen des restlichen Blogs hatte ich den Eindruck, der Blogbetreiber mag in mancherlei Hinsicht eine andere Ansicht als ich haben, sein Glaube scheint ihm aber so ernst zu sein wie mir, und so kann sich vielleicht ein Austausch unter Geschwistern entwickeln, der nicht zu dem Arschplatzen führt wie im Gespräch mit einigen Atheisten.

Der Artikel ist sehr lang, und deshalb werde ich versuchen, Stück für Stück die Argumente entlang zu gehen und meine Meinung dazu schreiben, ohne groß auf die Bewertungen einzugehen, die da sonst noch stehen. Das wird mehrere Beiträge in Anspruch nehmen, da der Text sonst viel zu lange wird. Hier nun das erste Argument und die Auseinandersetzung mit den Grundlagen:

Für die christliche Kirche kann niemals entscheidend sein, was Staat oder Gesellschaft zu einem Thema sagen, sondern nur was die Hl. Schrift dazu sagt.

Dieser Punkt ist richtig. Oder nicht richtig, je nachdem, wie man ihn versteht. Was der Staat zu einem Thema sagt kann für die Kirche kein Kriterium sein. Wäre dies der Fall, so könnte der Staat die Kirche ersetzen. Der Staat wäre Verkündiger der Wahrheit, so wie man das etwa in den Ostblockstaaten erlebt hat.

Gleiches gilt für die Gesellschaft. Die Gesellschaft hat sowieso nie mit einer Stimme gesprochen, und am lautesten sind häufig die falschesten Stimmen, die leider auch am einfachsten formulierte Lösungen bieten, was viele Menschen dann unreflektiert wiederholen. Auch die Gesellschaft kann nicht Kriterium für die Kirche sein, sie ist fehlbar wie der Staat.

Wie ist es nun mit der Bibel? Kann sie ein Kriterium sein? „Ja“, höre ich es schon allenthalben rufen und möchte fast einstimmen: „Ja, denn die Bibel enthält Gottes Wort, an dem wir uns als Christen und als Kirche ausrichten sollen.“ Doch der Ruf bleibt mir im Halse stecken. Mit der Bibel wurden Kriege, Sklaverei, Kolonialismus, kurz, Unterdrückung in allerlei Gestalt gerechtfertigt.

Bevor ich also lauthals in den Ruf einstimme, muß ich mir überlegen: Wieso hat das geklappt? Wieso konnte die Bibel für Derartiges mißbraucht werden? Und ich muß mir in Erinnerung rufen: Auch ich bin ein Sünder und grundsätzlich ohne weiteres in der Lage, auch ohne es zu wollen, die Bibel falsch zu interpretieren und somit zu mißbrauchen, was dann unweigerlich Folgen haben wird, so wie auch die früheren Mißbräuche Folgen hatten.

Ich muß also fragen:

  1. Was war die Ursache für die Mißbräuche damals?
  2. Wie hätte damals ein Mißbrauch des Textes verhindert werden können?
  3. Wie wende ich diese Erkenntnis auf die heutige Situation an, um nicht den Fehler von damals zu wiederholen?

Fragt man nach den Ursachen für den damaligen Mißbrauch, so sind wohl zwei Dinge zu nennen:

  1. Ein von Bibel und Glauben unabhängiges Interesse am Mißbrauch.
  2. Das Herausreißen von Bibelversen aus dem Kontext, ohne das Ganze der Bibel zu betrachten.

Für die Verhinderung folgt dann, daß man sich zuerst seines Interesses gewahr geworden wäre. Wenn ich an der Sklaverei Geld verdiene, wenn ich auf Sklaven angewiesen bin, oder wenn ich auch nur aus welchen Gründen auch immer, Menschen anderer Hautfarbe als minderwertig ansehe, dann beeinflußt dies mein Bibellesen.

Wir können uns nun heute hinstellen und sagen: Jaha, wir sind ja aber modern, wir hängen ja nicht mehr solchen altmodischen Ansichten an. Und schon beruft man sich auf die Gesellschaft, die ja anfangs als Kriterium ausgeschlossen wurde.

Ich meine dagegen vielmehr: Solche Interessen, wie oben genannt, kommen von der Sünde, von der Trennung von Gott. Da wir alle ohne Unterschied Sünder sind, wäre es Hybris zu behaupten, wir könnten heute nichts mehr falsch machen. Die Gefahr, daß der Zeitgeist sich in unsere Bibelauslegung einschleicht, besteht also weiterhin. Zumindest für den Fall, daß wir keine unfehlbaren Nichtsünder sind. Wären wir perfekt, könnten wir solche unbewußten Eigeninteressen beim Auslegen der Bibel ausschließen.

Was kann uns dabei helfen? Nun, es würde schon helfen, wenn wir nicht einzelne Bibelverse betrachteten, sondern auch anderslautende Verse zu Rate zögen, und die bereits vorliegenden Verse im Kontext betrachteten. So hätten wir ein stärkeres Korrektiv aus der Bibel selbst.

Dabei müssen wir beachten, daß die Bibel geschrieben wurde zu einer Zeit, die der unsrigen nicht sehr ähnlich ist. Ach damals gab es einen Zeitgeist, und auch damals mußten die Leute damit umgehen. Es gibt nun die verschiedensten Vorstellungen, wer denn Autor der Bibel wäre: Gott höchstselbst, Autoren, die alles von Gott in die Hand diktiert bekamen, Autoren, die durch Gott wie auch immer inspiriert waren oder ganz einfache Menschen, deren Texte warum auch immer überliefert wurden.

Da wir die Frage stellen, an wen sich die Kirche halten muß, können wir für die Bibel zumindest ausgehen, daß sie irgend etwas mit dem Gott der Kirche zu tun hat, daß sie eine Autorität ist, wieso auch immer.

Was wir weiterhin annehmen müssen, ist, daß sie auch zu alten Zeiten verstanden wurde. Die Bibel wäre überflüssig gewesen, wenn ihr Text zwar vor 2000 Jahren und früher entstanden wäre, sie aber den Menschen damals nichts zu sagen gehabt hätte, sondern nur uns modernen Menschen heute.

Die Aussagen müssen also in der damaligen Kultur schon verständlich gewesen sein. Wollen wir also eine gewisse Sicherheit gewinnen beim Auslegen der Bibel, so kann es nicht verkehrt sein, zu sehen, wie der Text wohl in seiner Entstehungszeit gewirkt hat. Demjenigen, der Gott für den Autor hält, kann dies nicht zuwider sein, denn er geht von einem ewig gültigen Wort aus, das auch damals galt. Dem liberaleren Christen kann es Recht sein, weil dies die Methode der historischen Kritik ist, die er auch an der theologischen Fakultät lernt.

Wir haben uns also unterhalten über die eigenen Interessen, die einem nicht zwingend bewußt sein müssen, wir sprachen über die Beachtung der Verse im Kontext sowie die Berücksichtigung der ganzen Bibel, und wir sprachen darüber, die Texte möglichst im Verständnis der Entstehungszeit zu begreifen.

Hierbei kann es zu Auseinandersetzungen kommen, wann genau ein Text geschrieben wurde, also was genau der Kontext ist. Auf diese Fragen ist dann im Einzelnen einzugehen.

Wenn wir nun all dies bedacht haben, haben wir dann den Willen Gottes erfahren? Oder bedarf es noch eines Schrittes? Wenn wir nun herausgearbeitet haben, daß ein bestimmter Vers in einer bestimmten Situation so und so verstanden wurde, wissen wir dann, was wir heute zu tun haben? Oder wenn wir mehrere Verse haben, die in unterschiedliche Richtungen weisen?

Wir können es nicht sicher wissen, deshalb bedürfen wir weiterhin des Gebets, der Gemeinschaft der Kirche und des Austauschs untereinander, und des Hörens auf unser Gewissen.

Der Geist mag wehen, wo ER will, das ändert nichts daran, daß Er uns verheißen ist. Darauf will ich vertrauen. Und wer jetzt fragt: Wieso all das vorherige Bedenken, überprüfen und Bibel exegetisieren?  – dem sei mit Paulus (1. Thess 5, 21) gesagt:

 Prüft aber alles und das Gute behaltet.

Freilich kann man auch so beten und von Gott den Weg gewiesen kriegen. Dann brächte man aber nicht einmal die Bibel. Diese ganzen Überprüfungen dienen vor allem dem: Nicht die eigenen unbewußten Interessen (und damit den Zeitgeist) in die Auslegung der Bibel hineinbringen.

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Too big to fail

Ich weiß ja es ist populistisch, aber ich wär auch gerne mal too big to fail: Einfach Geld rauswerfen und nicht drm kümmern, bißchen ins Casino, zocken gehn, reich werden, und wenn nciht? Na dann laß ich mich vom Steerzahler raushaun.

Früher hieß es immer, der Markt reguliert sich selbst. Damals war ich noch jünger und hatte zwar immer so ein ungtes Gefühl, wenn immer das gesagt wurde (meist ging es im weiteren Kontext dann um Deregulierung oder Sozialabbau), aber die Logik schien zu stimmen.

Inzwischen spricht fast niemand mehr von der Selbstheilkraft der Märkte. Obwohl es noch genau so stimmt wie damals. Die Logik ist keine andere. Was man inzwischen aber weiß ist, daß „die Märkte“ sich einen Kericht darum scheren, wer bei ihrer Selbstregulierung auf der Strecke bleibt. Es ist wie im Urwald: Wer sich nicht behaupten kann, geht zu Grunde. Ein Ökosystem reguliert sich auch selbst, und ach das kann zuweilen etwas ruppiger werden.

Und weil man inzwischen soweit ist, daß man lieber etwas in die Marktabläfe eingreift als ganze Staaten oder Bevölkerungsschichten auf einmal über’s Messer springen zu lassen, stützt man wo es nur geht, damit es nicht zum Zusammenbruch kommt.

So genießen diejenigen, die früher noch vom sich selbst regulierenden Markt sprachen, nun das Privileg, vom Steuerzahlen am Leben erhalten zu werden. Und der Steuerzahler hat ja auch etwas davon: Würde das System kollabieren, dann wär er das erste Opfer.

Gerecht ist es trotzdem nicht. Wo früher noch jeder die Chance hatte (zumindest theoretisch), sich nach oben zu arbeiten oder auch durch Mißwirtschaft wieder nach unten zu fallen, sind es nun immer mehr die unteren, die die oben stützen müssen, weil sonst alles den Bach runter geht. Ein Aufstieg ist aufgrund dieser Last kam mehr möglich. Andererseits fällt es denjenigen oben auch schwerer, durch Mißwirtschaft nach unten zu fallen.

Das Problem tritt in dem Moment auf, wo eine Institution „systemisch“ wird, indem sie „too big to fail“ ist. In dem Moment, wo dieser Punkt erreicht wird, stabilisiert sich immer mehr das genannte System mit der im inhärenten Ungerechtigkeit.

Da wir nun schon einmal so weit sind, daß der Eingriff ins Marktgeschehen zum Wohle der Allgemeinheit kein Sakrileg mehr ist, wie noch in den 90ern, sollten wir das mal zu Ende denken:

Das Problem sind zu große Unternehmen, die im Fall eines Scheiterns zu viele mit in den Abgrund reißen würden. Die Lösung sollte dann doch sein, solche Unternehmen gar nicht entstehen zu lassen und wo sie schon bestehen, sie zu zerschlagen oder auf ein ungefährliches Maß zurückzustützen.

Ich hör schon einige „Sozialismus“ schreien, aber so lange es der Sache dient, habe ich damit kein Problem. Nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen den freien Markt, er ist wichtig und gut für Produktivität und Innovation.

Doch er schafft sich selbst ab, wo durch diesen Machtgefüge entstehen, die diesen freien Markt eben aushebeln können, weil sie die gesamte Volkswirtschaft als Geisel haben. Das gilt es zu unterbinden durch Eingriff in den Markt und Reglierung.

Welche Reglierung die Beste ist, ob man leich großflächig enteignet oder über Steuersätze arbeitet, kann eine lange und interessante Diskussion werden. Daß es aber nicht ohne Zurückstutzen der Großen geht, dürfte auf der Hand liegen. Dabei sind prinzipiell erst einmal alle Großbesitzer zu betrachten, seine es Banken, Industrieunternehmen oder die Kirchen.

Wahrscheinlich ist weniger die Menge des Besitzes das Problem, als die Art des Wirtschaftens. Das Problem stellt sich ja vor allem dort, wo kein Eigenkapital mehr da ist um die laufenden Geschäfte zu decken.

Zu bedenken ist dabei jedoch, daß am Ende der Staat derjenige ist, der die meiste Marktmacht besitzt, schon allein weil er derjenige ist, der reguliert. Solange der Staat freiheitlich-demokratiosch verfasst ist, ist all das kein Problem. Allerdings scheint die Entwicklung in eine andere Richtung zu gehen. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.

Eingehen auf Suchbegriffe

Inwiefern machen die 10 Gebote die Menschen frei?

Der Titel ist eine Suchanfrage, durch die vor ein paar Tagen jemand auf den Blog hier kam und die Frage hat mich ach angesprochen, also wieso nicht nen kleinen Text draus schreiben?

Die 10 Gebote stehen in der Bibel an zwei Stellen, in leicht abgewandelter Form, und zwar bei 2. Mose 20 und bei 5. Mose 5, leicht zu merken, und sie werden den Israeliten zu dem Zeitpunkt gegeben, als diese aus Ägypten ausgezogen sind, aus dem „Diensthaus“ wo sie als „Knechte“ lebten.

Es geht also im Kontext der 10 Gebote schon ziemlich direkt um die Freiheit, und diese wird ach immer wieder thematisiert beim Durchzug durch die Wüste. Denn es kommt immer wieder die Frage auf, ob man nicht lieber nach Ägypten zurückkehren sollte, an die „Fleischtöpfe“, anstatt in der Wüste umzukommen. Nach „Freiheit oder Tod“, dem Schlachtruf vieler linker Befreiungsgruppen, war den Israeliten nicht, der Tod sollte unter allen Umständen verhindert werden – verständlich.

In dieser Situation gab Gott die 10 Gebote. Die durch die Wüste ziehenden Israeliten, die gerade der ägyptischen Militärmacht entkommen war, hatte noch keine Verfassung, keine Gesellschaftsstruktur, die ihnen in der neu gewonnenen Freiheit Sicherheit geben und das Zusammenleben ermöglichen konnte.

Ohne eine solche Struktur, eine neue Struktur, muß die neue Gesellschaft der nun freien Israeliten auseinanderbrechen. Es wäre keine Gemeinschaft gewesen, sondern nur eine lose zusammengewürfelte Menschenansammlung, durch nichts miteinander verbunden, ohne gemeinsame Identität. Ohne eine Struktur wäre jeder seiner Wege gezogen, hätte gemacht, was er allein für richtig erachtet hätte, und hätte dabei wohl die Sicherheit gewählt. Lieber ein Knecht in Ägypten als ein freies Skelett in der Wüste.

Bisher hatte die Idee der Freiheit für den Auszug und die ersten Strapazen genügt, und Moses als Anführer, der erst einmal die Richtung vorgab, sich nun aber bewähren mußte angesichts der Strapazen der Freiheit. Es war zwar die Rede von einem Land, wo Milch und Honig fließen, doch man kann noch nachempfinden, wenn man hete in den Sinai und die angrenzenden Wüstengebiete fährt, daß davon nicht viel zu sehen war.

Die 10 Gebote nun stellten eine Grundordnung dar für das Volk. Sie regelte das Zsammenleben, stellte die Grundlage für die Freiheit dar, indem sie Identität schuf und statt einem neuen Pharao nun Gott an die erste Stelle stellte. Solange der Pharao oder ein anderer König Gewalt über die Menschen hatte, solange der König begehren konnte, was er wollte (des nächsten Ochs, Esel, Haus und auch Frau und Kinder), gab es keine Freiheit. Erst durch die Etablierung Gottes als König (und nicht des Königs als Gott wie in Ägypten), war Freiheit möglich.

So setzten die 10 Gebote als erstes den Garanten der Freiheit fest, nämlich Gott. Ihm und keinem anderen ist Verehrung zu erweisen. Erweist man sie anderen Göttern anderer Völker, so macht man sich von diesen abhängig und kommt wieder in die Unfreiheit. Erweist man sie keinem Gott (damals wohl eher nicht zu erwarten), so ist man auf sich selbst und die eigenen subjektiven Ansichten zurückgeworfen, auch nicht anders als ganz ohne Grundordnung wie die 10 Gebote. Ohne äußere Sicherheit führt der Weg über kurz oder lang zurück an die sicheren Fleischtöpfe in Ägypten, weil die Freiheit dann doch nicht den Magen füllt.

Nachdem der Garant der Freiheit feststeht, schreiben die 10 Gebote dann fest, wie das Handeln in dieser Freiheit aussehen soll: Ruhetag gewähren (auch dem Ochsen und Esel, interessant vielleicht für Tierethiker), Eltern ehren (zum Beispiel indem man sie im Alter versorgt, so gibt man den eigenen Kindern ein Beispiel und lebt selbst auch lange) sowie nicht morden, stehlen (inklusive der Frau des Nächsten -> Ehebruch) und auch kein falsches Zeugnis abgeben (man denke sich, wie wichtig die Ächtung von Meineiden ist! Man kann es überall dort sehen, wo Denunziantentum gefördert wird und wurde: all dies sind keine Orte, an denen man besonders frei wäre), zu guter letzt nicht einmal ein Begehren nach dem Eigentum des Nächsten hegen (ja, es ist frauenfeindlich, daß hier die Frau als Eigentum des Mannes aufgeführt wird, so war die Gesellschaft damals). Denn was folgt auf das Begehren? Das Erlangen, oder zumindest der Versuch davon. Viele Werbefachleute verdienen ihr Geld damit, unser Begehren zu steigern, ob nach Mobiltelefonen, Autos oder Klamotten des einen bestimmten Herstellers. Die Werbestrategen zielen darauf ab, unsere Freiheit einzgrenzen, um ihre Produkte besser zu verkaufen. Lassen wir es zu, unseres nächsten Haus zu begehren (es geht um genau dieses aus und nicht m ein baugleiches, das am Ende der Straße zum Verkauf steht), dann macht uns auch das abhängig davon, und nser Denken richtet sich darafhin aus, das Haus zu erlangen (oder vielleicht doch dasjenige am Ende der Straße?). Die 10 Gebote gehen also neben der äußeren Freiheit auch noch auf die innere Freiheit ein.

Im Laufe der Geschichte kam und kommt es immer wieder dazu, daß Freiheiten beschnitten werden und wurden, auch im Namen des Gottes, der eigentlich der Garant für Freiheit sein soll. So kann man in 1. Sam 8 nachlesen, wie nun die Israeliten in eine neue Unfreiheit kommen, indem sie nach einem König verlangen. Doch durch das Festhalten am Garanten für die Freiheit ist auch diese immer wieder erreicht worden, nebst anderer Freiheiten, die wir heute in Europa wie selbstverständlich genießen.

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Schutz

Hab grad nen Artikel auf Nico Lummas Blog Lummaland gelesen zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (was n Wort). Er kritisiert ein wenig die Kritik am Vertrag, lehnt ihn aber auch ab, so wie er jetzt ist, aber das interessiert mich hier nur nebenbei (zu dem Thema gibt es kompetentere Blogger, die sich oft und gt geäußert haben, ich muß hier nicht für eine schlechte Redundanz sorgen). Hängen blieb ich an einer grundsätzlichen Frage:

Ich bin Vater zweier Kinder und würde mich als durchaus medienkompetent bezeichnen. Aber ich habe auch keine coole Patentlösung, die dafür sorgt, daß meine Kinder nur Inhalte im Internet sehen, die für sie geeignet sind.

Mir geht es nicht m die Patentlösung, die hat keiner, sondern es geht m die Zielvorstellung „daß meine Kinder nur Inhalte im Internet sehen, die für sie geeignet sind“.

Es ist verständlich, wenn hier ein Vater nach umfassendem Schutz für seine Kinder ruft. Auch für mich als (noch) Kinderlosen. Doch stellt sich mir ernsthaft die Frage, wann es denn überhaupt einen 100% Schutz gegeben hat. Es gibt Möglichkeiten, man könnte beispielsweise selbst nur Seiten freischalten, die man für die Kinder für ungefährlich hält, ob das die bei Marina Weisband genannten Toggo, Blinde Kuh und Kindernet sind, oder ob sonst noch was erlaubt wird, kann man selbst festlegen.

Kann man umgehen? Natürlich! Genauso wie man andere Verbote umgehen kann. Und Kinder tun das, das kenne ich noch as meiner eigenen Kindheit. Der Trick liegt darin, weniger nach dem Staat als Regulierer zu rufen, sondern selbst zu sehen, daß die eigenen Kinder Schutz haben. Und hierbei unterstützen, das wäre doch ein sinnvoller Jugendmedienschutz durch den Staat. Aber geschieht etwas in die Richtung? Nein. Ich frage mich, warum die Kirchen hier nicht einspringen: Die Vertriebsnetze von Informationen zur Medienerziehung hätten auch sie…

Wo war ich? Ah, ja, umgehbare Verbote: Welche Jugendlichen hätten nicht irgendwo nen älteren Freund aftreiben können, der ihnen Alkohol und anderes besorgen konnte, so diese das wollten?

Die Technik ermöglicht uns viele neue Dinge, doch wird sie nicht die Gefahr bannen, daß unsere Kinder irgendwo irgend etwas ungeeignetes sehen, hören oder lesen, wenn wir es gerade nicht bemerken oder nicht da sind. Ich denke wichtiger als sie vor diesen Erfahrungen zu bewahren (manche nennen es Welt, und ja, es ist schmerzhaft die Kinder mit der Welt konfrontieren zu müssen, denn die Welt ist hart und grausam, auch zu den Kindern) ist es, bereit zu stehen wenn die Kinder etwas gesehen oder erlebt haben, das ungeeignet war, und ihnen zu helfen das zu klären, das einordnen zu können und den Umgang damit zu lernen. Das ist schwierig, aber das ist nach meiner Meinung die Verantwortng, die man übernehmen mß mit jeder neuen Technik. Und diese Verantwortung kann man nicht auf den Staat abschieben und auch noch verlangen, daß der den 100% Schutz bietet den es in dieser Welt nicht gibt, nirgends! Das wäre das Zugeständnis, daß man sich eine Obrigkeit zurückwünscht, die die Probleme mit der bösen Welt klärt. Dann darf man sich auch nicht wundern, wenn man genau diese Obrigkeit bekommt, und die dann eben wie in alten obrigkeitsstaatlichen Zeiten regiert.

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Laizismus in der Krise?

Während in letzter Zeit die neuen Atheisten und ähnliche pro-laizistische Grüppchen immer wieder von sich reden machen (oder kommt nur mir das so vor?) scheint es so, als rufe das Mutterland des Laizismus in der Krise nach der Hilfe der Religionen, so meldet es jedenfalls Radio Vatikan (via).

Die Weltreligionen sollen angesichts der Wirtschaftskrise ihre Werte stärker zum Ausdruck bringen. Aso, also wenn es hart auf hart kommt, soll Religion also doch nicht nur Privatsache sein, die irgendwo hinter verschlossenen Türen geschieht und bloß nicht irgendwie wahrgenommen werden soll (gar durch unbequeme Äußerungen zu aktuellen politischen Themen), sondern sie soll die Gesellschaft Werte lehren.

In diesem Zusammenhang wird wohl auch davon gesprochen, Abschlüsse evangelischer Einrichtungen in Frankreich staatlich anzuerkennen, wie es scheinbar bei den katholischen Einrichtungen schon länger (immer?) der Fall ist (so viel zum Stand des Laizismus in Frankreich). Gleichzeitig scheint die französische Regierung (und damit wohl auch der nach Hilfe schreiende Präsident) weiterhin Anhängerinnen anderer Religionen vorschreiben zu wollen, wie sie sich zu kleiden haben (bzw man will die Frauen, die u.U. aus eigener Überzeugung Burka tragen „befreien“ von dieser ihrer Entscheidung. Man denke, wie ein Gesetz zr Minirockpflicht in den 60er Jahren in Europa angekommen wäre).

Alles in allem scheint derzeit viel in Bewegung zu sein. Die Staaten in Europa, egal ob laizistisch (Frankreich) oder lediglich weltanschaulich neutral (Deutschland) suchen angesichts von Krise und Bewußtwerdung der Existenz des Islam hierzulande nach Wegen, damit umzugehen, und rufen dabei wie gesehen einerseits nach Religionen, verbieten andererseits aber auch ihre Ausübung, oder schränken sie zumindest ein.

Ich wünsche mir, und ich denke das haben unsere Gesellschaften in Europa auch nötig, eine Debatte darum, ob und in wie weit Religion oder Religionen nicht doch (oder immer noch) eine gesellschaftliche Funktion erfüllen, und wie man dem gerecht werden kann in einer Art, die alle Menschen einschließt, ob Atheist, Muslim, Jude, Christ oder was auch immer. Die Gesellschaft befindet sich in einem Umbruch, und es bracht Wege, mit der neuen Situation umzugehen. Diese Wege sind noch nicht gefunden, aber einerseits nach Religiösen Werten rufen und andererseits deren Praxis zu verbieten, wenn’s nicht passt (Burka) geht nicht, das ist inkonsistent.

Die Religion hat nicht die Aufgabe, für Ruhe zu sorgen wenn die Regierungen durch ihr Handeln (oder Nichthandeln) eine Krise heraufbeschworen haben, sie ist nicht ultima ratio des Staates, vor allem nicht im Laizismus, aber auch nicht im weltanschaulich neutralen Staat. Sie lebt und lehrt ihre Werte, mal mehr, mal weniger, aber sie kann nicht mit dem Staat darüber verhandeln, welche Werte sie denn nun lehren soll um den Staat zu unterstützen, und welche Lehren sie abschaffen soll, weil sie dem Staat nicht genehm sind (bzw bestimmte Parteien gerne die Islam- oder Religionsphobie Karte spielen, wenn gerade Wahlkampf ist).