Gesellschaft

An jeder Ecke steht ein Elefant…

… mit dieser Zeile besagen die Ärzte vor einigen Jahren Schweden, sie nennten es auch „wunderbares Land“.

Dem kann ich nur zustimmen, wenn ich daran denke, was ich grad bei der taz gelesen hab: Die Schweden schicken keine Soldaten nach Syrien, um dem Assad mal zu zeigen wo der Bartel den Most holt, sondern sie holen die Syrer zu sich nach Hause.

Womöglich günstiger und erfolgreicher in Bezug auf en Schutz der Zivilisten, als es ein Krieg ist.

In Deutschland ist man nicht so weit. Schade. Denn wenn unsere Wirtschaft wirklich so galoppiert, wie die Kanzlerin mir weismachen will, dann dürften wir die Syrer wohl eher versorgen können als Schweden es kann (das übrigens nicht mal die Hälfte der Einwohnerzahl Syriens hat, während Deutschland viermal so viele Menschen beherbergt).

Ich wünsche mir, daß auch wir unsere Grenzen öffnen für diejenigen Menschen, die alles verloren haben und um ihr Leben bangen müssen. Wegkucken und Waffen liefern ist feige.

Netzfunde

Netzfunde für Mittwoch, den 5. Juni 2013

Michael Blume hat was geschrieben über Frauen, Seifenopern und die Reproduktionsrate. Und wie Väter entwertet werden.

Eric Djebe hat den Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten recht gut dargestellt, wie ich meine.

Alexander Ebel macht sich Gedanken zur liturgischen Sprache.

Stephan Mattson schreibt darüber, was es kostet, Christ zu sein. In den USA ist das wohl nicht unbedingt wenig. Bei all den Nachteilen, die unser Kirchensteuersystem so hat finde ich, daß es doch einige der Probleme, die sie in Amiland haben, löst.

Alex Schnapper schreibt von der Blockupy Demo in Frankfurt und hat einiges an Material zu Provokationen und Gewalt von Seiten der Polizei gesammelt.

Innenminister Friedrich will eine Wiedereinreisesperre. Und zwar für EU-Bürger, die wegen der Armut anderswo nach Deutschland einreisen wollen. Er spricht von Mißbrauch der Freizügigkeit. Ich frage mich ja, wie man die Freizügigkeit korrekt gebrauchen kann. Indem man ohne größeren Kontrollen im Süden Urlaub machen kann? Oder sich auf den Kanaren oder Malle ansiedeln kann, wenn man sich nach langen Jahren in der Politik seinen Lebensabend als Rentier genießen will? Ich mein, wer will schon im kalten Deutschland rentnern, wenn er genausogut nach Spanien gehen kann? Wenn aber umgekehrt Spanier (oder Bürger anderer EU Staaten) nach Deutschland kommen, weil sie Arbeit suchen, weil sie etwas leisten wollen und auch ein Stück vom Wohlstand abkriegen, dann ist das ein Mißbrauch. Ich verstand Europa bisher immer als eine Gemeinschaft. Und für mich beinhaltet das Augenhöhe. Wenn also der eine in die eine Richtung wandern kann, wieso der andere nicht in die andere Richtung? Und vor allem: Wäre es dann nicht auch ein Mißbrauch, wenn deutsche Firmen ihre Produktionsstätten ins günstigere Ausland verlegen? Wenn schon die Rumänen nicht rein dürfen, wieso lassen wir unsere Formen raus? Vielleicht könnten wir das EInwandern in ie Sozialsysteme viel besser wegstecken, wenn diejenigen, die hineinzahlen auch hierbleiben müßten? Wenn schon, denn schon!

Oder aber, wir nehmen die Freizügigkeit ernst, lassen unsere Firen nach Polen, Bulgarien und Finnland auswandern und lassen dafür Griechen, Engländer und Slowenen hier einwandern. Den einzigen Mißbrauch, den ich hier feststellen kann, ist der von Seiten eines Bundesministers, der seine Position ausnutzt, um wegen ein paar Wählerstimmen vom rechten Rand mit etwas Panikmache die europäische Idee untergräbt und das Zusammenwachsen verhindert statt fördert. Und dieser Politiker ist aus einer Partei, die sich sowohl christlich als auch sozial und dann noch Union nennt. Union wäre da falsch, denn das würde bedeuten, daß man einsieht, daß man eine Gruppe ist und nicht Partikularinteressen gegen andere durchsetzt. Sozial ist Quatsch, denn den einen die Tür vor der Nase zuzuhauen während man es sich in ihrem Hinterhof bequem macht, ist asozial. Und christlich ist grottenfalsch, denn Christus warnte nicht vor einem Einwandern in die Sozialsysteme, sondern sagte, man solle dem, der den Mantel verlangt, auch noch das Hemd geben. Der Parteiname ist als komplett Lüge. Und wenn ich bedenke, daß „Friedrich“ mit Frieden zusammenhängt, er hier aber vor allem Polemik (gr. polemos – Krieg) betreibt, dann paßt das voll ins Bild.

Und dann war da noch so ein Brief von Militärbischof Dutzmann. Es geht um die Trauerfeiern für die gefallenen Soldaten in Auslandseinsätzen. Bei diesen sollten, da Störungen zu befürchten seien, die Presbyter bzw der Kirchenvorstand (oder wie es snst noch so in den verschiedenen Landeskirchen heißt, es geht um das Ortsparlament der Kirchengemeinde) das Hausrecht an die Feldjäger abgeben, da die besser auf solche Situationen vorbereitet sind, oder so ähnlich. Ich würde den Brief ja gerne mal im Original lesen, um mir ein Bild machen zu können. Aus praktischer Sicht ist dies sicher auch ne Überlegung wert: Man denke sich eine Kirche voll mit trauernden Angehörigen und dann kommen noch irgendwelche Störer, die dumme Parolen von wegen Soldaten sind Mörder oder sowas krakeelen. Daß man sowas unterbinden will, um der Angehörigen willen, kann wohl jeder nachvollziehen. Ich frage mich jedoch, wieso man überhaupt einen wie auch immer gearteten staatlichen Akt für die Gefallenen braucht. Ich bin der Meinung, mit ihrem Tod sind sie aus der Bundeswehr ausgeschieden und haben ein Recht auf Privatsphäre. Ich find es um Beispiel immer ganz furchtbar wenn ich sehe, wie gefallene US Soldaten in Arlington beerdigt werden, wo ihre Angehörigen kaum ihr Grab besuchen können, wenn sie etwa im Westen oder Süden der USA wohnen. Ich häng ein Stck weit immer noch dem Gedanken an, daß ich miene toten Angehörigen in der Nähe haben will, damit ich immer hingehen kann, wenn mir danach ist. Und wenn es doch einen staatlichen Akt braucht, wieso man den nicht unabhängig von einem Gottesdienst durchführen kann. Da können dann auch die Feldjäger kontrollieren, während die Kirche von all diesen Problemen unbehelligt bliebe. Dort würde dann der Gefallene beerdigt werden können wie jeder andere Mensch auch, unabhängig davon, ob er das war, was man ienen guten Menschen nennt, oder das, was man einen schlechten Menschen nennt. Vor Gott sind wir alle gleich.

Eingehen auf Suchbegriffe

Wofür lohnt es sich Soldaten ins Ausland zu schicken?

… so eine Suchanfrage, durch die jemand auf meinen Blog kam. So gefragt würde ich sagen: Für gar nichts!

Denn einen Lohn, also Profit, aus dem Einsatz der Soldaten zu ziehen, der notwendigerweise mit deren Tod rechnen muß (auch wenn dies mit allen Mitteln zu vermeiden gesucht wird – es sind immer noch Soldaten!), ist ein abscheulicher Gedanke.

Wo um des Profits Willen Militär zum Einsatz kommt, werden aus Soldaten Söldner, deren Leben auf den Wert festgesetzt wird, der als Lohn erwartet wird.

Denkt man so, dann ist ab einem gewissen Preis der Einsatz der Soldaten Söldner nicht mehr gerechtfertigt, und man zieht ab, um nicht einen größeren Verlust zu realisieren. Das Denken ist ein Ökonomisches, der Mensch, der da eventuell stirbt, zählt nicht.

Deshalb war die Empörung über den zurückgetretenen Bundespräsidenten Köhler gerechtfertigt, als dieser über den Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung der Handelswege nachdachte. Das würde die Bundeswehr zum Werksschutz der Wirtschaft degradieren.

Damit man mich richtig versteht: Mir ist durchaus bewußt, daß von freien Handelswegen unser Wohlstand abhängt. Die Frage die ich stelle ist lediglich: Wieviel Wohlstand ist ein Soldatenleben wert? Und wenn zwei nicht aus dem Einsatz zurückkommen? Eine Antwort muß zynich sein!

Der Einsatz militärischer Macht ist dann gerechtfertigt, wenn damit höhere Werte durchgesetzt werden und das nur dann, wenn es sich tatsächlich um einen höheren Wert handelt. Was unter einem solchen höheren Wert zu verstehen ist, ist wieder Gegenstand einer weiteren Diskussion, wobei es zu bedenken gilt, daß die Definition solcher Werte demokratisch und freiheitlich geschehen muß, wenn sie tragen soll. Ansonsten besteht sehr schnell die Gefahr, daß es sich nicht um höhere Werte handelt, sondern eine Gruppe ihre Profitinteressen gegen den Rest durchsetzt, und dabei ist es nicht von Belang, wie groß diese Gruppe ist. Wenn die Mehrheit in der Gesellschaft für einen Angriffskrieg zur Sicherung der Ölversorgung stimmt, wird daraus kein höherer Wert, und die Söldner werden nicht zu Soldaten.

Natürlich stellt sich die Frage, ob es sich nun bei den Einsätzen der Bundeswehr um höhere Werte handelt, oder um Profiterzielung. So kann man sagen, der höhere Wert „nie wieder Auschwitz“ stehe hinter dem Einsatz im Kosovo, man könnte auch behaupten es geht um Machtinteressen und Einflußsphären auf dem Balkan.

Ähnliche Überlegungen kann man anstellen bei Bosnien, Afghanistan, dem Horn von Afrika, Osttimor, Kongo, Somalia… Mir geht es nicht darum, zu entscheiden, in welchem Fall es sich um was handelt, darüber liese sich in jedem Fall gut und lange diskutieren, wahrscheinlich oft ohne Ergebnis. Mir geht es darum einen Anhalt anzubieten für die Beantwortung der Frage, wann sich die Entsendung von Soldaten „lohnt“.

Man könnte nun behaupten: Militäreinsätze seien in jedem Fall profitorientiert und höhere Werte existierten an sich nicht. Dies würe doch dann auch bedeuten, daß man gegenüber Diktaturen nicht sagen könnte, sie seien Unrecht, da man mit den höhren Werten auf der positiven Seite auch das Unrecht auf der negativen Seite negiert hat, alles wäre demnach gleich gut oder schlecht.

Sagt man nun, es gebe die höheren Werte zwar, aber die seien es nicht wert, dafür Menschenleben zu opfern, so kommt man wieder ins Profitdenken und muß sich fragen, welcher Wert wie viele Menschenleben „kosten“ darf.

Höhere Werte in diesem Sinne müssen absolut gesetzt werden, sonst sind sie keine, und lassen Kosten-Nutzen Rechnungen zu, die, wie oben schon gesagt, notwendig zynisch werden.

Die Frage ist also nicht, wofür es sich lohnt, Soldaten ins Ausland zu schicken, sondern, ob es irgendetwas gibt, das wir als Gesellschaft für so wertvoll erachten, daß wir in dem Fall keine Kompromisse eingehen und im letzten Schritt (ultima ratio) auch zur Waffengewalt greifen. Denn ist ein Kompromiss möglich, so ist dieser immer der Gewalt vorzuziehen.

Martin Dutzmann, der evangelische Militärbischof , geht davon aus, daß es solche höheren Werte gibt, oder zumindest geben kann. Allerdings hält er auch eine Diskussion in der Gesellschaft darüber für nötig (wobei allein Mehrheitsabstimmungen nicht tragen), wie er beim Gespräch auf dem Kirchentag in München sagte.

Die Diskussion hat kaum begonnen, eher gibt es eine Diskussion um die „Kosten“ der Einsätze in Euro und Menschenleben. Vielleicht liegt es an der Durchökonomisierung der Gesellschaft, daß alles seinen Preis hat. Gut finden muß man das noch lange nicht.