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Vergeßt den Skandal um den Kindesmißbrauch…

… katholische Erziehung ist viel schlimmer. So meint jedenfalls Vorzeigeatheist Richard Dawkins. Auf diese Formel verkürzt wurde ein Al Jazeera Interview mit Dawkins, etwa bei der Daily Mail (via). Ich habe das 47 Minuten-Video bei Al Jazeera gefunden und angesehen und ich finde, es ist durchaus wert, angesehen zu werden.

Der Vergleich von Kindesmißbrauch und katholischer Eriehung kommt etwa ab Minute 20, nimmt recht wenig Zeit ein, und Dawkins offenbart dabei ein recht unwissenschaftliches Vorgehen: Er bezieht sich auf einen Brief, den er von einer Amerikanerin erhalten habe. Dafür, daß er sonst so auf evidence pocht recht dünn.

Überhaupt macht er eine sehr schlechte Figur: Religion ist böse, weil sie der Grund für viele böse Dinge ist. Religiöse Individuen wie etwa Martin Luther King Jr. können allerdings auch Gutes tun. Interessant: Das eine sind Individuen, das andere ist die Religion an sich. Wobei er auch zugibt, daß Religion durchaus Gutes motivieren kann.

Irgendwie kommt er mir bei dem Hin und Her vor wie ein Fundamentalist im analogen Fall. Da sind die „bösen“ Anhänger dessen Religion (Selbstmordattentäter, katholische Erzieher…) auch immer nur Individuen, während die Religion an sich gut ist. Dawkins würde wahrscheinlich nicht zögern, dem Fundi genau dies vorzuwerfen…

Das schlimme an Religion ist übrigens der Glaube, weil der dazu führt, ganz böse Dinge zu tun und für Argumente verschlossen zu sein. Wobei er auch hier später zurückrudert und sagt, es gäbe zwar Argumente (bzw Streit, cf. engl „argument“), aber eben keine richtigen.

Ich habe den Eindruck gewonnen, daß Dawkins vor allem ein Problem mit dem Fundamentalismus hat. Würde er das so formulieren hätte ich damit kein Problem. Fundamentalismus mag ich auch nicht. Was Dawkins jedoch macht, auch wenn r immer wieder zurückrudert und nochmal in die gleiche Richtung startet, ist, daß er seine Vorstellung von Fundamentalismus auf alle Rleigion überträgt und selbst aber für Gegenargumente taub bleibt. So nimmt er natürlich wahr, daß seine Frau ihn liebt, das ist dann evidence, aber das gleiche Gefühl bezüglich eines Gegenübers zählt nicht, wenn es sich um Gott handelt, weil dieser Gott angeblich nur im Inneren existiere. Das Gefühl geliebt zu werden anscheinend nicht…

Ein letzter Punkt, der mich irritiert, war sein ständiges Reden von truth. Ich dachte bisher, Wahrheit gäbe es nur im Glauben, während die Wissenschaft mit Wahrscheinlichkeiten arbeite, doch Dawkins ist wohl der Meinung, daß er in der Lage wäre, mittels Wissenschaft tatsächlich zur Wahrheit zu kommen, was immer diese Wahrheit sein sollte.

Alles in allem sagt er recht wenig, außer daß er alle Religion für fundamentalistisch hält, daß er selbst durchaus fundamentalistische Ansätze hat (oder was soll die Rede von truth?) und die Welt ein besserer Ort wäre, wenn die Religion morgen verschwände, obwohl dann die Shoa bliebe, während viele Hilfsoranisationen weg wären…

Aber seht es Euch selbst an, es ist durchaus kurzweilig:

http://www.aljazeera.com/programmes/general/2012/12/2012121791038231381.html