Glaube

Ungefragt geantwortet

Man soll ja nicht ungefragt irgendwo reinreden, aber mir juckt es in den Fingern, auf einige Äußerungen im Kommentarbereich bei Mandy zu antworten:

Hans-Peter:

Bin neu hier und muss mich erst orientieren. Es wird ziemlich oft aus der Bibel zitiert. Erste Frage: sind wir uns einig, dass auch eine Menge Unmoralisches in der Bibel steht? Wenn ja – zweite Frage: nach welchen Kriterien wählt ihr aus was “wertvoll” ist?

Wertvoll ist die Bibel als Zeugnis, nicht als Steinbruch. „Wertvoll“ ist nicht das ein oder andere Wort, oder der fünfte Buchstabe auf der siebten Seite, sondern wichtig ist, was die Geschichten uns sagen, wie sie uns berühren und inwiefern sie uns weiterbringen, im Denken, im Glauben, im Leben. Auch aus Unmoralischem kann man lernen, wenn man etwa lernt es als solches zu erkennen, und aus Moralischem kann man Schaden nehmen, nämlich dann, wenn es stur ohne Nachdenken durchgesetzt wird gegen alle Widerstände. So ist es zum Beispiel moralisch, wenn Tiere nicht in Versuchsanlagen gequält werden. Trotzdem ist es Unsinn, deshalb nun Tiere befreien zu wollen, die hierzulande nicht überleben können. Oder Tiere in die freie Natur zu bringen, die nie gelernt haben, dort zu überleben. Andersrum könnte man es als unmoralisch ansehen, einem Süchtigen Drogen zu besorgen. Wenn man allerdings Drogen besorgt, die nicht durch irgendwelche noch gefährlicheren Stoffe gestreckt sind, kann das ein Fortschritt sein. Den Transfer auf die Bibel überlaß ich Dir 😉

Ich meine die Stellen in der Bibel, die nach unserer heutigen Ethik nicht akzeptabel sind: Ungehorsame oder fluchende Kinder töten, Todesstrafe auch für Homosexuelle oder Andersgläubige, Anleitungen zur Sklavenhaltung, etc.
Sind diese Stellen ungültig oder müssen sie interpretiert werden oder sind sie weniger wichtig oder…?
Also ein Kriterium (gibt es noch weitere?) ist „von Jesus gesagt“. Gilt für von Jesus Gesagtem, dass alles davon wichtig und wertvoll ist, oder muss man da auch unterscheiden?

Was das Töten ungehorsamer Kinder angeht handelt es sich um einen Gesetzestext. Gesetze ändern sich. So war es vor ein paar Jahren noch nicht strafbar, seine Kinder zu schlagen. Heute ist es strafbar. Und wenn man weiter zurückgeht in der Geschichte, dann konnten die Eltern (genauer: Der Vater) eben auch über Leben und Tod entscheiden. Heutzutage kommt das in einem anderen Kontext wieder zurück: So entscheiden die Eltern sich bei einer Abtreibung gegen das Leben des Kindes, nicht wegen Ungehorsam oder Fluchen, sondern weil es krank ist oder grad ungelegen kommt. Ähnliche Überlegungen spielen eine Rolle bei der Diskussion um die Euthanasie. Die Gründe für das Töten ändern sich anscheinend mit der Kultur, der Sachverhalt an sich nicht. Was den Bibeltext angeht könnte man sich überlegen, ob die Aussageintention ist, daß da jemand getötet werden soll, oder daß jemand ein bestimmtes Handeln (Ungehorsam, Fluchen) unterlassen soll. Heute scheint das Nebensächliches zu sein, wenn man aber bedenkt, daß zum Ungehorsam auch gehörte, seine alten Eltern verhungern zu lassen, wenn sie zu alt sind noch für sich selbst zu sorgen, dann bekommt das Ganze vielleicht eine andere Richtung. Zum Fluchen weiß ich jetzt gar keine Bibelstelle, aber das könnte damit zusammenhängen, daß der Fluch gegen die Religionsregeln war und die Religion quasi den Bestand der Gesellschaft garantierte (wenn jeder tut, was er will hat man kiene Gesellschaft mehr, sondern lauter Individuen und der Stärkste setzt sich zum Übel aller anderen durch – will auch keiner, außer der Stärkste selbst), war man bei Angriffen darauf empfindlich. Ebenso wie später die Römer, als sie die Christen zum Götzenopfer zwingen wollten, damit der Staatskult nicht geschädigt wurde, weil es sonst nicht viel gab, was das Reich ideell zusammenhielt.

Was die Homosexuellen angeht, fällt mir da nur eine Stelle ein, die die Todesstrafe fordert, und ob es dabei um Homosexuelle geht, ist IMHO mindestens unklar. Es geht womöglich tatsächlich um Analsex, was aber eben keine Homosexualität ist, sondern ein Handeln, daß auch Heteros zur Erniedrigung anderer vollziehen können (soll in Gefängnisduschen öfter vorkommen).

Die Todesforderung gegen Andersgläubige kommt in einem Kommentar weiter unten nochmal, also warte ich erst einmal mit der Antwort darauf.

Allgemein kann man sagen, daß es sich bei den meisten Regelungen um Sachverhalte handelt, die man heute womöglich auch ahnden würde, oder die Ähnlichkeiten mit heutigen Straftaten haben. Die Strafen sind milder geworden, wobei das auch nur für Westeuropa gilt. Woanders gibt es Todesstrafen noch. Wir Westeuropäer lehnen sie inzwischen wohl mehrheitlich ab. Geht mir auch so. Wollte man die Gesetze in der Bibel in unsere Kultur übertragen, müßte man die Strafen entsprechend unserem Verständnis abmildern. Wollte man sie in die laizistischen USA übertragen, müßte man wohl nicht so viel abmildern. Dort gibt es ja auch noch die Todesstrafe. Was die geahndeten Straftaten angeht kann man überlegen, was man damals damit verhindern wollte, daß man es verfolgte und sich überlegen, inwiefern das heute ebenso erstrebenswert wäre. Ich denke, daß der gesellschaftliche Zusammenhalt auch heute noch ein hohes und schützenswertes Gut ist. Gleiches gilt für die Versorgung der Alten udn Schwachen.

Und ganz egal, ob man sich nicht mehr mit ungehorsamen Söhnen rumärgern will oder ob es nur in letzter Konsequenz ist um die Familie zu schützen – es ist in unserer Zeit unmoralisch und würde auch strafrechtlich geahndet.

Was ist unmoralisch? Die Familie zu schützen? Doch wohl kaum! Oder die Todesstrafe? Das ist, wie ich oben bereits schrieb, weltweit noch umstritten. Und wenn man überlegt, wie oft Todesstrafen für Kinderschänder gefordert wird, ist es wohl auch hier noch nicht ganz aus den Köpfen verschwunden. Ich glaube nicht, daß es heute strafrechtlich geahndet werden würde, wenn jemand in einem anderen Land nach den dort gütligen Gesetzen (und um nichts anderes handelt es sich doch wohl!) hingerichtet wird. Es gibt hier zwar allenthalben emotionale Aufschreie, wenn in den USA jemand hingerichtet wird (bei chinesischen oder Saudischen Dissidenten ruft man so laut nicht…), aber es wurde noch kein US Henker bei einem Urlaub in Europa strafrechtlich verfolgt für seinen Job zu Hause.

Andersgläubige töten: Deuteronomium 13, 7 – 16

Sehen wir uns den Text an:

Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und andern Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter, von den Göttern der Völker, die um euch her sind, sie seien dir nah oder fern, von einem Ende der Erde bis ans andere, so willige nicht ein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen, sondern sollst ihn zum Tode bringen. Deine Hand soll die erste wider ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volks. Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, auf dass ganz Israel aufhorche und sich fürchte und man nicht mehr solch Böses tue unter euch. Wenn du von irgendeiner Stadt, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat, darin zu wohnen, sagen hörst: Es sind etliche heillose Leute aufgetreten aus deiner Mitte und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Lasst uns hingehen und andern Göttern dienen, die ihr nicht kennt, so sollst du gründlich suchen, forschen und fragen. Und wenn sich findet, dass es gewiss ist, dass solch ein Gräuel unter euch geschehen ist, so sollst du die Bürger dieser Stadt erschlagen mit der Schärfe des Schwerts und an ihr den Bann vollstrecken, an allem, was darin ist, auch an ihrem Vieh, mit der Schärfe des Schwerts.

Ich hab das Relevante einmal hervorgehoben. Es handelt sich mitnichten um schlichte Andersgläubige, sondern um Menschen, die der eigenen, nichtheidnischen Kultur angehören und zum Brechen der Regeln aufrufen. Ich hatte oben auf die Bedeutung der Religion für das damalige Gemeinwesen schon hingewiesen. Wer die Religion verließ, verließ auch das Allgemeinwesen, entzog sich seinen Pflichten in der Gemeinschaft und schwächte sie. In einer Situation der Bedrohung, die wohl als geschichtlicher Hintergrund angenommen werden muß, gleicht der Aufruf zum Götzendienst eher dem Hochverrat. Das modernistisch als freie Religionsausübung mißzuverstehen ist das größte Problem bei der Sache. Bei Hochverrat, zumal im Kriegsfall, sind die Strafen auch bei uns noch recht hoch, selbst für diejenigen, die davon Wind bekommen und es nicht anzeigen. Klar, Todesstrafe gibt es in der BRD nicht mehr, in anderen Ländern aber schon. So unmoralisch wie Du es darstellst, ist die Sache daher nicht.

Natürlich haben wir heute Religionsfreiheit (zum Glück, sonst würden einige Idioten schon lange dran arbeiten, Religion ganz zu verbieten), wir sehen den Religionswechsel nicht mehr als Hochverrat an, weil unsere Gesellschaft sich nicht mehr über die Religion definiert, sondern über die freiheitlich-demokratische Grundordnung etc. Wer darauf Anschläge vorhat und zu ein bißchen Folter oder ein bißchen Diktatur aufruft, wird ebenfalls scharf bestraft.

Später im Text ist auch die Rede davon, daß in einer Stadt Götzendienst aufgetreten ist. Das sind dann aber immer noch keine alteingesessenen Heiden. Die gibt es nach der biblischen Erzähllogik in den Städten ursprünglich nicht. Was also an Götzendienst aufkommt, muß im Rahmen von hochverräterischen Tätigkeiten entstanden sein.

Sklaverei: glaubst du dass Jesus nicht auch schon vor 2000 Jahren davon überzeugt war, dass Sklaverei menschenrechtswidrig ist? Warum hat er nicht einfach gesagt: Schluss damit! Er hat doch auch andere revolutionäre Ideen eingebracht.

Jesus lebte vor 2000 Jahren, da gab es noch keine Menschenrechte, und das Konzept an sich dürfte den Menschen auch recht fremd gewesen sein. Was wäre geschehen, wenn die Sklaven mit einem Schlag freigelassen worden wären? Sie wären mit einem Schlag zur Klientel ihrer bisherigen Herren geworden, wären immer noch von ihnen abhängig gewesen, kurz: Die Vorteile wären überschaubar gewesen. Womöglich deshalb hat Jesus etwas ganz anderes getan: Das Evangelium verkündet und die Nächstenliebe gelehrt, was auf lange Sicht dazu führte, daß die Sklaverei trotzdem abgeschafft wurde und was noch das Potential zu viel mehr hat. Davon, de jure frei zu sein, hat ein Mensch noch nicht viel. Er muß auch die Möglichkeit haben, mit seiner Freiheit etwas anzufangen. Jesu Verkündigung ermöglichte selbst den Unfreien, frei zu sein, ihre restliche Freiheit stärker zu nutzen, als die meisten Freien das konnten.

Einerseits ist es für mich eine völlig absurde Vorstellung dass sich ein Offenbarungs-Gott so missverständlich oder unklar ausdrückt, dass man 2000 Jahre später noch diskutieren muss, was er eigentlich gemeint hat.

Wenn die Merkel heute etwas sagt, dann fängt sofort danach die Diskussion an, was sie damit meint. Durch den zeitlichen Abstand wird das sicherlich nicht besser. Wieso sollte das bei Gott anders sein. Das Problem ist hier nicht Gott, es sind die Menschen. Find Dich damit ab, Menschen sind so.

Ein Gott, der sich uns offenbaren will macht das so, dass wir das alle unmissverständlich verstehen – und zwar für alle Zeiten – ein Gott kann das!

Klar kann Gott das. Tut Er auch. Ich denke schon, Mandy hat Ihn verstanden, soweit Er sich ihr offenbart hat. gleiches gilt für mich. Was Du nicht tun darst ist der Fehler zu mienen, Du hättest mitder Bibel die Offenbarung in der Tasche. Gott kann sich durch die Bibel offenbaren, aber nicht so, daß Du das mit Dir herumtragen könntest. Offenbarung ist ein Ereignis, das in den meisten Fällen sehr privat ist. Wenn Gott sich Dir offenbaren will, wird Er das tun. Und dann wirst Du, was das betrifft, auch keine Fragen mehr haben. Das bedeutet nicht, daß Du dann Seinen Masterplan kennst. Er sagt Dir grad immer so viel, wie Du brauchst.

Und andererseits verstehe ich nicht woher du die Gewissheit nimmst, dass du etwas Bestimmtes von Gott verstehst und was anderes nicht? Du schreibst du akzeptierst, dass du Gott nie komplett verstehen wirst. Woher weisst du dann dass du nicht die Bergpredigt völlig falsch verstanden hast und mein Zitat eh richtig? Mir scheint das nicht schlüssig.

Es geht nicht um Schlüssigkeit. Schlüssig wäre objektiv nachvollziehbar. Ich schreib schon, Offenbarung geschieht individuell, persönlich, subjektiv. Objektiv ist da nicht viel zu holen. Gott läßt sich nicht in dei Karten sehen, zumindest nicht bisher. Vielleicht ändert Er das ja mal. Kannst ja dafür beten, wenn Dir was dran liegt.

Ich denke, damit habe ich alle Deine Fragen aus dem Kommentarstrang bei Mandy behandelt.

Michael:

Unserer menschlicher Verstand ist nunmal das einzige Werkzeug, das wir haben, um die Welt zu verstehen.

Nein, es gibt noch die Offenbarung. Das leuchtet dann plötzlich ein und ergibt Sinn, ist aber schwer zu vermitteln. Es ist mit dem Verstand nachvollziehbar, aber nicht herleitbar.

Wenn wir diesen nicht nutzen können, um zu entscheiden, ob es gut/ schlecht ist, wie Gott hier gehandelt hat, wie sollen wir es dann beurteilen?

Willst Du die Bibel beurteilen oder Gott? Für die Bibel benutze Deinen Verstand, benutze, was Dir offenbart wurde, benutze, was Du hast. Für Gott? Laß das. Was soll es Dir bringen, Gott zu beurteilen? Wieso sollte Dir das zustehen? Wieso erachtest Du Dich überhaupt als kompetent dazu? Nee, die Sache läuft andersrum. Er beurteilt uns. Er kann das auch, weil Er uns kennt und weiß, wie wir so drauf sind und all das. Umgekehrt ist das nicht gegeben.

„Hey, du kannst deinen Verstand nicht nutzen, um zu entscheiden, ob wir die richtige Religion sind. Du MUSST uns glauben, auch wenn sehr vieles im Widerspruch zu anderen Dingen steht. Aber eine kleine Warnung noch: Wenn du uns nicht glaubst, werden wir dich ganz schrecklich bestrafen und leiden lassen. Daher glaub uns einfach und wir belohnen dich sogar.“

Das klingt für mich ziemlich stark nach Erpressung mit Gewaltandrohung und ist so ziemlich das Verhalten, was Diktatoren auf diesem Planeten im Laufe der Geschichte immer wieder demonstriert haben.

„Wehe du gehorchst mir nicht, dann wird das ganz üble Folgen für dich haben. Ich lasse dir zwar die Option dich zu entscheiden, ob du mir gehorchen willst oder nicht, aber wenn du es nicht machst, dann heisst es ab in die Folterkammer.“

Nicht, daß ich so denken würde, aber was, wenn es so wäre? Was könntest Du tun, außer meckern? Nix, Du müßtest Dich fügen, oder mit den Konsequenzen leben. Böse Welt. Und was war jetzt Dein Argument?

Die wichtige Frage lautet daher immer: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich hiermit recht habe?

Beobachtung, eh? Dann mal los: Ich beobachte, daß es rund 2 Milliarden Christen gibt auf der Welt, etwa 1,5 Milliarden Muslime, rund eine Milliarde Hindus und dann noch eine nicht geringe Zahl anderer religiöser Menschen. Die meisten kennen sich offenbarende Gottheiten und viele berichten selbst von entsprechenden Erlebnissen. Dem steht eine verschwindend geringe Anzahl an Menschen gegenüber, die sowas rudn heraus ablehnt und negiert. Wie wahrscheinlich ist, daß deren ausbleibende Beobachtung die Realität besser abbildet als die Beobachtungen der vielen vielen Gläubigen?

Bei mir hat das Lesen der Bibel genau das Gegenteil bewirkt. Ich bin als Christ aufgewachsen und erzogen worden, Sonntagschule, Jungschar,… und das volle Programm, aber die Bibel von der ersten Seite bis zur letzten zu lesen und die vielen Widersprüche und Greueltaten zu entdecken, hat dazu geführt, dass ich diesen Glauben abgelegt habe.

Ich weiss, dass viele Christen denken, dass sie mit einer „guten Nachricht“ kommen, wenn sie jemandem von Jesus erzählen. Aber sie können sich nicht vorstellen, wie die Geschichte auf nicht-Gläubige wirkt.

Wie jetzt? Erst schreibst Du, Du hättest den Glauben nach dem Lesen abgelegt, und dann schreibst Du davon, wie das Buch auf Nichtgläubige wirkt. Entweder es wirkte auf Dich als Gläubigen, oder Du sagst, daß Dein Glaube auf irgend eine Weise nicht „echt“ war. Was denn nun? Und vor allem: Was hast Du erwartet zu finden, als Du die Bibel gelesen hast?

So wirkt die Erlösungsgeschichte für Personen, die nicht an die Bibel glauben, bzw. nie davon gehört haben.

Mir ist schon klar, daß manche Christen das wirklich so rüberbringen. Ist Dir klar, daß das ne ganz üble Verdrehung der Sache ist, und daß es viele geben, die da nen anderen Ansatz haben? Schon mal was von Derek Flood gehört? Der schreibt da auch nen Blog drüber.

Ihr habt euch nicht für die friedlichste und fürsorglichste Religion entschieden, welches der Jainismus ist (zwar auch absoluter Quatsch, aber mit Sicherheit um Welten friedlicher als das Christentum).

Mißt man das in Litern oder in Pascal, die Friedlichkeit einer Religion?

Ich schätze bei den meisten hiess das Kriterium: Meine Eltern haben mich von klein auf indoktriniert und ich habe es nie wirklich hinterfragt (die Bibel lehrt uns ja auch, wie schlecht natürlicher menschlicher Zweifel ist, gell Thomas).

Wird der Zweifel des Thomas kritisiert? Es wird lediglich festgestellt, daß er glaubt, weil er gesehen hat und dann werden diejenigen selig gepriesen, die nicht sehen und doch glauben. Das bedeutet aber nicht, daß diejenigen, die nicht ohne zu sehen glauben verflucht würden, das stünde dann da. Nein, Jesus kam ja extra nochmal, um auch Thomas zu überzeugen. Was den Zweifel sonst angeht: Paulus schreibt: Prüfet alles, und das Gute behaltet. Hast Du alles geprüft, oder erwägst Du nur die contra Seite zum Glauben?

Und um einen englischen Biologen zu zitieren:

„Der biblische Gott ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“

Und ja, ich kann für jede Eigenschaft eine passende Bibelstelle liefern.

Jaja, der Dawkins… hoffentlich hat er in Bio mehr drauf… Klar kannst Du zu jeder Eigenschaft ne passende Bibelstelle finden. Und ich für die Gegenteile. Was mich wundert ist ja, daß Leute wie Dawkins evangelikale Christen für ihre Art, die Bibel zu lesen (nämlich wortwörtlich) kritisieren und es selbst keinen Deut anders machen. Und dann wundern sie sich, wenn man sie genau so ernst nimmt, wie die anderen Biblizisten, nämlich gar nicht.

Wie würde eine Erde aussehen, auf der es keinen Gott geben würde?

Nun ja, in der DDR galt der wissenschaftliche Humanismus als Leitidee, in der BRD gab es noch freie Kirchen. Wo war es besser? Auf die ganze Welt gesehen: Schwer vorstellbar, selbst die DDR hatte ja noch Kirchen, und der Sozialismus hatte auch seine Heilslehre. Der Mensch kann nicht ohne Gott. Ob er ihn so nennt, steht auf einem anderen Blatt. Selbst Dawkins und Konsorten haben mit ihrer Spielart des Atheismus ne eigene Religion inklusive Heilslehre. Die kommt sogar recht fundamentalistisch rüber…

Aber wie erwähnt, ich bin bereit sofort meine Meinung zu ändern und für einen allmächtigen Gott wäre es ein einfaches mir solche Hinweise zu geben.

Wie fies, daß Er nicht nach Deiner Pfeife tanzt…

Wenn Christen in der Geschichte nicht gegen Personen anderer Religionen gekämpft haben (von Juden über Moslems zu südamerikanischen und afrikanischen Stämmen), dann haben sie sich gegenseitig die Köpfe eingehauen, wessen Interpretation des gleichen Buches wohl die richtige ist.

Und als es keine Christen waren, sondern ägyptische, keltische oder römische Polytheisten, schlugen sie einander auch die Köppe ein. Liegt wohl mehr an den Menschen als an den Christen. Sogar Atheisten sollen schon in Kriegen angetroffen worden sein. Also liegt es wohl auch nicht am Phänomen der Religion.

Deshalb haben sich die damiligen Kirchenoberhäupter zusammengesetzt und beschlossen, was in diesen Teil der Bibel reinkommt, wie gesagt, 400 Jahre nach Jesu Tod.

Nein. Der Bibelkanon hat sich entwickelt. In mehreren Schritten. Klar hatten Bischöfe da mitgemischt, aber kein Bischof konnte ein Buch reinbringen, einfach weil er es toll fand. Und die Schriften im NT sind allesamt älter als von 400 nach Christus, die Schriften, die es nicht in die Bibel schafften, sind mehrheitlich jünger als die Schriften im NT.

Soweit erst mal.

Staat & Politik

Religionsfreiheit und was daraus folgt

Heute orgen habe ich einen Artikel als Erwiderung auf einen Artikel von Muriel geschrieben. Muriel war nun so freundlich, meie Erwiderung zu kommentieren und da ich wohl am Thema vorbeigeschireben hatte, versuch ich es noch einmal – diesmal hoffentlich kürzer und präziser.

Wenn ich Muriel richtig verstehe ist die Frage, wieso aus der Religionsfreiheit das Recht der Kirchen auf ein eigenes Arbeitsrecht folgt, oder wie Muriel es ausdrückt:

Ich halte das für völlig offensichtlich, und ich habe noch nie begriffen, warum Religionsfreiheit (die als solche ja ihre Berechtigung hat) das Recht einschließen sollte, sich nicht an dieselben Gesetze halten zu müssen wie Menschen, die nicht meiner Religion angehören. Ich habe nie begriffen, warum eine religiöse Überzeugung rechtlich anders behandelt werden sollte als eine nicht religiöse Überzeugung. Das gilt natürlich nicht nur für das Streikrecht, das gilt in meinen Augen universell. Warum sollte ein kirchlicher Arbeitgeber Dinge von seinen Mitarbeitern verlangen dürfen, die nicht auch jeder andere Arbeitgeber verlangen darf?

Kurz gesagt: Weil jeder andere Arbeitgeber, der diese Dinge nicht verlangen darf, sich nicht auf die Religion beruft und folglich auch nicht von deren Freiheit erfasst werden kann. Coca Cola, das von Muriel später als Beispiel aufgeführt wird, versteht sich nicht ienmal selbst als religiöser Betrieb. Das ist so weit ich weiß nichtmal bei Apple der Fall. Ein weiteres Beispiel wäre Scientology, die sich zwar selbst als „Kirche“ verstehen (wollen), aber nciht als solche anerkannt werden. Hier wird die Sache schon schwieriger. Jedoch meine ich, daß die Frage der Abgrenzung zwischen denjenigen, die das in der Religionsfreiheit verankerte Recht auf eigene Regelung der inneren Angelegenheiten (wie etwa das kirchliche Arbeitsrecht) zu Recht ausüben und denjenigen, die es nur um des größeren Profits Willen tun (und es ausnutzen wollen) eine andere Diskussion ist.

Wieso aber gehört es überhaupt zur Religionsfreiheit, die inneren Angelegenheiten (inklusive Arbeitsrecht) selbst zu ordnen? Kann man nicht auch ohne spezielles Arbeitsrecht am Gott, Buddha oder das Fliegende Spaghettimonster glauben, ganz für sich in seinem Kämmerchen? Ich vermute daß Muriels Anfrage vor allem hier fußt, und es handelt sich wahrscheinlich um einen Folgeirrtum aus der Annahme, nach der Religion Privatsache ist.

(Positive) Religionsfreiheit bedeutet nicht (nur), glauben zu dürfen was man will, sondern auch, den Glauben ausüben zu dürfen. Schon vor Luther konnte man glauben und für wahr halten, was man wollte, denn niemand kann in den Kopf sehen und so lange man es für sich behält, konnte es auch kein Problem geben. Probleme kamen aber auf, als plötzlich einige Gläubige beim Abendmahl Brot und Wein austeilten und plötzlich Gottesdienste in den Nationalsprachen hielten. Die Religionsfreiheit schützt also nicht nur Vorgänge in der privaten Gedankenwelt, sie ist auch keine Doppelung der Redefreiheit, nach der man über diese Vorgänge der privaten Gedankenwelt öffentlich berichten kann, ohne verfolgt zu werden, sondern es geht darüber hinaus um ein öffentliches Tun: Das Praktizieren des jeweiligen Glaubens. Und Praktizieren bedeutet eben nicht nur, den Gedanken im Kopf zu haben, daß Jesus auferstanden ist oder Mohammed der letzte Prophet war, sondern Teilnahme an Riten, Handeln innerhab der Gemeinschaft und nach außen (tätige Nächstenliebe) und womöglich noch viel mehr, was mir jetzt nicht einfällt.

Nehmen wir einmal an, man könnte zwar gauben, was man wollte, bekäme aber bei der Praxis Vorgaben von staatlicher Seite gemacht. Dann könnte man vielleicht glauben, daß Frauen keine Priesterinnen werden können, dürfte diese Überzeugung aber nicht anwenden, wenn der Staat eine Frauenquote im Priesterdienst vorschreibt. Man könnte auch nicht Brot und Wein im Abendmahl zu sich nehmen, wenn der Staat Brot aufgrund möglicher gesundheitlicher Bedenken verbieten würde. Man könnte sich vielleicht auch nicht mal in religiöser Runde versammeln, wenn der Staat vorgäbe, daß Religion Privatsache sei und man auf solche Treffen verzichten müsse, weil <add any stupid reason>.

Es dürfte recht offensichtlich sein, daß derartiges Hineinregieren in die Glaubenspraxis die Religionsfreiheit mitunter enorm einschränkt. Man kann Muslimen nicht vorschreiben, sie hätten fortan in Richtung Wanne Eickel zu beten statt Richtung Mekka und gleichzeitig noch von Religionsfreiheit sprechen. Ebensowenig kann man die tätige Nächstenliebe im Christentum dem Tarifkampf unterwerfen und meinen, das tangiere die Ausübung der Nächstenliebe nicht. Wenn jemand mehr Geld für Nächstenliebe verlangt muß der Dienstgeber (so heißt das wohl, und nicht Dienstherr, wie ich meinte, jedenfalls wird der Terminus in der Pressemeldung des BAG benutzt) sagen können: Unter diesen Bedingungen nächstenliebst Du aber nicht mehr in unserem Haus.

Um es nochmal zu sagen: Wo unter diesem Deckmantel Schindluder getrieben wird und versucht wird, die Dienstnehmer auszubeuten, sollte man ebenso wie bei Scientology alle „Sonderrechte“ aberkennen können. Wo aber Die Dienstgeberseite sich nichts zu Schulden kommen läßt, sollte die Dienstgemeinschat auch nicht durch Arbeitskampfmaßnahmen zerstört und durch einander gegenüberstehende Tarifparteien ersetzt werden.

Das war jetzt doch wieder recht lang, aber hoffentlich eine bessere Antwort.

Gesellschaft

Einstweilige Verfügung

Da wir es grad von Memen hatten: Das ist zwar (noch?) kein Mem geworden, soweit ich es sehe, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und damit es nicht wird, versuche ich hier mal unter der Maxime „wehret den Anfängen“ das Problem zu beleuchten, das ich damit habe.

Es geht um folgendes Bild:

Gefunden hab ich das Ganze bei Anonymiss auf Diaspora. Die Aufschrift des Transparentes ist eigentlich ganz clever. Es funktioniert so, daß man erst einmal von der Form her ins juristische geht. Man kennt diese einstweiligen Verfügungen mit dem Abstand halten vor allem aus US-amerikanischen Sendungen. Dort geht es darm, eine bestimmte Person daran zu hindern, einer anderen Person zu nahe zu kommen, weil man Grund zu der Annahme hat, daß eine Annäherung vor allem zum Zwecke der Schädigung gesucht würde. Diese Schädigung soll unterbunden werden.

Das Transparent macht jetzt folgendes: Der Halter des Transparentes, der sich die Aussage zu eigen macht, wird mit der Rolle des hilflosen Opfers belegt. Die religiösen Überzeugungen werden in die Rolle des Täters gestellt. Es geht also darum, daß vermittels der „einstweiligen Verfügung“ auf dem Plakat das Opfer vor dem (potentiellen) Täter geschützt werden soll.

Freilich handelt es sich nicht um eine wirkliche einstweilige Verfügung. Das Transparent fordert vielmehr implizit eine Allgemeingültigkeit des Prinzips.

Das Problem ist eigentlich gar nicht so unterschiedlich wie das des Betverbots in Berlin: Die negative Religionsfreiheit (das Recht, keiner Religion anzugehören) wird gegenüber der positiven Religionsfreiheit (das Recht, eine Religion zu haben und diese ach zu praktizieren) zu stark überbewertet.

Nun mag jemand sagen: Religion hat zu Kreuzzügen, Hexenverbrennung und 9/11 geführt. Nehmen wir einmal kurz an, daß alle diese Ereignisse wirklich monokausal auf die jeweilige Religion zurückzuführen wären. Trotzdem müßte man in Rechnung stellen, daß es auch Anhänger der jeweiligen Religion gibt, die sich dezidiert gegen all diese Taten ausgesprochen haben. Ganz zu schweigen davon, daß Anhänger anderer Religionen nochmals andere Meinungen haben.

All das findet sich im Transparent aber nicht wieder. Es geht um „religious beliefs“ allgemein, egal, wie sie denn aussehen mögen. Sobald es welche gibt, sind diese mit gemeint. Das ist an sich schon ein krasser Unterschied zu den einstweiligen Verfügungen, die in Fernsehsendungen vorkommen, wo Individuen verboten wird, sich jemandem zu nähern, und nicht ganzen Menschengruppen, die noch dazu wenig gemeinsam haben außer dem Faktum, daß sie einer Religion angehören.

Ein Haarspalter mag nun einwenden, daß ja lediglich den Überzeugungen die Annäherng verboten werden soll, nicht aber den Menschen.

Dazu ist zu sagen, daß die Auseinanderklabüsterung von Individuum und seiner religiösen Überzeugung schwer wenn nicht unmöglich ist. Nehmen wir an, es wäre möglich, dan bedeutete die Durchsetzung der Forderung, daß im Umkreis von 500 yards um die fragliche Person das Recht, die Religion zu praktizieren, aufgehoben wird – immerhin auch ein verfassungsmäßiges Recht, zumindest in den meisten (wenn nicht allen) westlichen Demokratien.

Würde man diese Forderung zur Maxime einer allgemeinen Gesetzgebung machen, wäre damit praktisch die positive Religionsfreiheit aufgehoben. Kant dürfte also gegen eine solche Forderung gewesen sein.

Und wenn man es gar nicht territorial auffasst? Schließlich ist nicht die Rede von Menschen, zu denen Abstand gehalten werden soll, sondern von verfassungsmäßigen Rechten.

Nun, das Ergebnis bleibt das gleiche. Die Forderung, wäre sie mgesetzt, würde dazu führen, daß die positive Religionsfreiheit gegenüber allen anderen verfassungsmäßigen Rechten herabgestuft wird. Kämen zwei Rechte in Konflikt, so würde ie positive Religionsfreiheit stets den Kürzeren ziehen. Sie hätte also, wenn auch formal noch zu den verfassungsmäßigen Rechten gezählt, als solche keine Auswirkung mehr. De facto wäre sie weggefallen.

Und deshalb halte ich solche Forderungen für schädlich. Sie lassen sich wunderbar populistisch einsetzen und zielen doch auf die Untergrabung der verfassungsmäßigen Ordnung, auch wenn sie vorgeben, die verfassungsmäßigen Rechte schützen zu wollen (vor einem verfassungsmäßigen Recht nämlich).

Und wer immer noch nicht überzeugt ist, tausche einfach mal die Protagonisten im Spruch aus:

Your constitutional rights must stay 500 yards away from my religious beliefs at any time!!!

Das will auch keiner!

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Was mich stört ist Dir verboten!

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Martin Niemöller

Freiheitsrechte betreffen nie nur eine Gruppe, sondern immer alle. Wenn auch nur einer Person ihre Freiheit genommen wird, betrifft es mich auch, denn ich könnte der Nächste sein. Und aus diesem Grund ist es geboten, das Maul aufzumachen, wenn anderen Freiheiten genommen oder eingeschränkt werden, weil es die Freiheit aller ist, die zur Disposition steht.

Ich dachte, in der Sache um das Beten in der Schule sei schon alles gesagt, auch wenn heute eine weitere Instanz sich mit dem Fall befasst hat und wieder einmal – wie die letzte Instanz – sich gegen die Religionsfreiheit des Schülers, der beten wollte entschieden hat. Ich habe bei der letzten Instanz etwas dazu geschrieben und meine Meinung seither nicht wesentlich verändert.

Heute nun hab ich einen wunderbaren Kommentar gelesen, der das Problem auf den Punkt bringt. Und dann noch einen Artikel in der Online Ausgabe des ehemaligen Nachrichtenmagazins aus Hamburg. SPIEGEL ist ja so ne Sache, wenn es um Religion geht. Das Thema, so scheint es mir, geht der Redaktion dort einfach ab. Das an sich ist ja kein Problem, jeder hat Dinge die ihm mehr oder weniger liegen als andere.

Allerdings waren in besagtem Artikel ein paar Formulierungen, die ich dann doch nicht unkommentiert stehen lassen will.

Demonstrative Gebete, egal welcher Glaubensrichtung, dienen nicht dem Schulfrieden. Sie teilen die Schulfamilie in Glaubensrichtungen auf, in Gruppen von Zugehörigen und Ungläubigen, in ein ungutes „Wir“ und „Ihr“.

Ich will jetzt einmal gar nicht darauf eingehen, ob Yunus M. hier demonstrativ beten wollte, oder einfach nur beten, ohne Demonstration, auch wenn die Frage nicht unerheblich ist und die Unterstellung im Zweifel nicht unproblematisch. Mir geht es um die Aufteilung der „Schulfamilie“.

Wie ich das sehe, ist die Schulfamilie schon geteilt. Man weiß, ob der andere Muslim ist oder Christ, ob Schiit, Sunnit oder Buddhist. Die Gräben sind da. Die Einteilung in „ungutes ‚Wir und ‚Ihr'“ ist gegeben. Die Zgehörigkeit zu den Religionen ist gegeben, und niemand, der auf dem Boden des Grundgesetzes steht, wird die Schüler gegen ihren Willen von ihrer Religion trennen wollen.

Dann ist jedoch die Frage, was ein „demonstratives Gebet“ dann für einen Schaden anrichtet. Es hat Konfliktpotential, sicher. Das ist jedoch nach allem, was man hört, auch gegeben, wenn muslimische Schüler im Ramadan etwas essen. Soll nun mslimischen Schülern um des lieben Frieden Willens das Essen im Ramadan per Schulbeschluß verboten weden? Um des lieben Frieden Willens? Oder werden nur einseitig religiöse Handlungen unterbunden, während liberaleres Handeln wie das Nichteinhalten des Fastens im Ramadan als gut, fortschrittlich und aufgeklärt angesehen wird? Die Einteilung in „Wir“ und „Ihr“ ist damit aber ebenso gegeben. Darüber hinaus gibt es kein Recht auf Mittagessen (es geht mir hier um die Zeit des Essens und nein, ich bin nicht der Meinng, daß man Schülern das Essen verbieten sollte!), im Gegensatz zum Recht auf freie Religionsausübung, das sogar Verfassungsrang hat. Ich frage mich nun, wieso hier ein Recht eingeschränkt wird aufgrund der Spannungen, wenn die Spannngen sich ebenso auf Essensfragen beziehen und hier keine Verbote asgespochen werden.

In dem Moment, in dem sich auch nur eine Person durch die Glaubensbekundungen der anderen gestört fühlt, sind diese Bekundungen in staatlichen Einrichtungen zu untersagen. Denn der Staat gewährt zwar Religionsfreiheit, aber eben auch in der negativen Variante der Freiheit von Religion.

Wäre die Ungestörtheit anderer Kriterium für das Zugeständnis von Freiheiten, hätten sich diese nie entwickelt. Alle Freiheiten mußten gegen diejenigen erkämpft werden, die sich gestört fühlten. Und noch heute stören sich Diktatoren an der freien Meinungsäußerung in ihren Völkern, die zum Teil gerade dabei sind, sich diese Rechte zu erkämpfen, und zwar nter Einsatz des Lebens.

Und wir werfen die Rechte weg. Wir sagen, die Rechte seien ja schön und gut, aber bitte nur so lange, wie sich niemand gestört fühlt, denn es gibt ja auch eine negative Religionsfreiheit.

Doch negative Religionsfreiheit, man berichtige mich, ist die Freiheit, keiner Religionsgemeinschaft angehören zu müssen. Sie bedeutet nicht, daß die eigene Intoleranz einer oder mehreren Religionsgemeinschaften und ihren Praktiken gegenüber rechtlich geschützt und höher gewertet würde als die positive Religionsfreiheit derer, die für die Störng der Intoleranten verantwortlich sind.

Niemand kann mir verbieten meine Meinung zu sagen, nur weil er sich dadurch gestört fühlt. So könnte man ja jeden recht schnell mundtot machen. Nur weil ich meine Religion frei wählen darf heißt das nicht, daß ich die abweichende Wahl, die andere treffen, bekämpfen oder unterbinden kann, weil ich mich gestört fühle. Und das gilt nabhängig davon, ob ich mich an einer staatlichen Einrichtung befinde oder nicht.

Es stimmt mich nachdenklich, daß der SPIEGEL hier eine ganz andere Linie vertritt. Diese Linie, in der nur noch erlaubt ist, was niemanden stört, muß in letzter Konsequenz zu Aushöhlung und Abbau unserer Freiheitsrechte führen, und davor graut mir.

Religion

Umdichtung

… ist vielleicht manchmal nötig, um eine entsprechende Empörung in der Öffentlichkeit zu erregen. Bei den Klosterneuburger Marginalien wurde ich so auf den Penseur hingewiesen, der über einen ehemals katholischen Polen schreibt, der eingesperrt wurde, weil er zum Islam konvertierte. Anklage: „die angestammte katholische Religion Polens untergraben zu wollen“. Na dann.

Wer so etwas prinzipiell für eine Sauerei hält, kann hier gerne eine Petition an den Bundestag mitzeichnen.

Allgemein

Geh doch rüber

Ich kann mich ja aktiv nicht mehr daran erinnern, dazu bin ich zu jung, aber es kursiert das Gerücht, daß früher, als die Mauer noch stand und im Osten Europas der real existierende Sozialismus weder von Ochs noch Esel aufgehalten wurde, im Westen diejenigen Menschen, die auch positive Seiten am Sozialismus zu erkennen glaubten, eben jenen Spruch an die Stirn geknallt kriegten:

Dann geh doch rüber!

Natürlich wurde das auch mal gesagt, wenn es gar nicht um Sozialismus ging, aber es wurde zum Totschlagargument: Was Du sagst ist Sozialismus, Sozialismus kannste drüben haben, drüben geht’s den Leuten schlecht, also kann die ganze Idee nix sein.

Eine durchaus einfache Weise, jemanden abzukanzeln, um sich nicht mit seiner Position auseinandersetzen zu müssen. Auch heute kommt es immer wieder zu Revivals des Spruchs und der Methode etwas z brandmarken, das man eigentlich gar nicht kennt. Zum Beispiel im Artikel von Philipp Möller vom 25.4. bei The European.

Der Artikel mit dem Titel „Dummdreistes theologisches Drohszenario“ endet nämlich genauso, wie dargestellt:

Wer sich aber mehr „Gott“ in der Regierung wünscht, dem sei ein Umzug empfohlen – zum Beispiel in den Iran.

Es geht um das ewige Thema der sog. Neuen Atheisten: Kirche und Glaube böse, alle anderen gut, und wer nicht überzeugt ist muß sich nur im Iran umsehen oder sich daran erinnern, was im 11. September 2001 so in New York los war. Achja, Kreuzzüge, Hexenverbrennung und dergleichen mehr, alles nr wegen der Religion.

Diesmaliger Aufhänger für den provokativ gestalteten Text ist das angebliche Drohszenario, das die Kirchen aufbauen würden, daß nämlich ohne Gott alles erlaubt sei. Dabei unterstellt er, wie es fast schon Tradition ist, daß kirchliche Menschen meinten, nur mit Angst vor der Hölle moralisch handeln zu können (wobei er ihnen ja genau das weiter oben abspricht, weil das afrikanische Christentum Kinder als Hexen verfolgen würde und allgemein die Religion ja Frauen unterdrückt etc, die üblichen undifferenzierten und unbelegten Vorwürfe).

Aber zurück zum Thema: Man sieht daß sie Herr Möller wenn, dann nur sehr oberflächlich mit dem Glauben, zumindest dem christlichen, befasst hat. Sonst würde er wissen, daß der Grund für die guten Werke nicht die Angst ist vor der Hölle, sondern eben genau der Umstand, daß man vor der Hölle eben keine Angst mehr haben muß, weil man durch Christus vor Gott gerechtfertigt ist. Die gte Tat des Christenmenschen ist also Reaktion auf die gute Tat Gottes an ihm selbst. Herr Möller muß natürlich nicht glauben, daß es diesen Gott wirklich gibt, aber er sollte doch als Einwohner des Landes der Lutherischen Reformation die Grundbegriffe derselben kennen, wenn er sich schon zu der betreffenden Religion äußern will. Inzwischen gibt es da auch einen (weitgehenden?) Konsens mit der römischen Kirche, und der wurde vor ein paar Jahren, also zu Lebzeiten von Herrn Möller geschlossen.

In einer Sache hat Möller Recht: Man kann auch ohne zu glauben Gutes tun, trotzdem scheint es mir sehr optimistisch, wenn er schreibt:

Er (sc. der von Religion freie Mensch) achtet die Selbstbestimmungsrechte seiner Mitmenschen und erkennt den Sinn des Lebens in dem einzigen Leben, das er hat. Er hinterfragt seine Urteile und lässt sich von keiner religiösen oder politischen Ideologie zum blutigen Kampf für „das Gute“ gegen „das Böse“ verleiten.

Sicherlich gibt es Menschen ohne Religion, die all das tun. Aber trifft das auf alle religionslosen Menschen zu? Es gibt sicherlich unreligiöse Menschen, die politischen Ideologien nachlafen und nachliefen, und nter diesen wird man ach welche finden, die ihre Urteile gerade nicht hinterfragen. Religionslosigkeit macht per se nicht zum kritisch denkenden Menschen. Und nicht zum Toleranten. Deshalb bin ich auch bei der Achtung der Selbstbestimmngsrechte skeptisch. Es ist vielleicht nur eine Korrelation, daß es im Osten, wo die Religion schwach ist, Parteien wie NPD und DVU ihre größten Erfolge feiern. Sicherlich, es hat viele Gründe, warum Menschen rechten Ideologien nachlaufen, und Religion hilft da vielleicht gar nicht mal so sehr dagegen, aber ich habe so meine Zweifel, daß alle Nazis religiöse Menschen waren und sind. Wenn aber ach Relgiionslose darunter sind, so stimmt die Rede von der Achtng der Selbstbestimmngsrechte nicht.

Da wir gerade beim Recht sind, sich selbst zu bestimmen: Möller achtet zwar die persönliche Glaubensfreiheit:

Die persönliche Glaubensfreiheit ist „Mensch sei Dank“ durch das Grundgesetz gesichert.

allerdings scheint es auch hier Grenzen zu geben. Denn wenn diese Glaubensfreiheit beinhalten sollte, daß man auch tun können soll, was man für richtig hält, dann hört die Freiheit auf, und mir geht es hier nicht um Gesetzesbrüche aufgrund religiöser Überzeugungen, sondern um Wahlen und Bndestagsabstimmngen:

Der moralische Kompass der Religion, der nur zwischen dem „lieben Gott“ und dem „bösen Teufel“ unterscheiden kann, gehört ins Museum. Nicht in Kitas, Schulen, Universitäten oder Gerichtsgebäude – und schon gar nicht in den Bundestag.

Glaubensfreiheit bedeutet also nicht, daß man seine Kinder nach den eigenen Überzeugungen erziehen darf, etwa indem man sie in eine kirchliche Kita schickt, oder in der Schule für den Religionsunterricht anmeldet (was er mit der Universität meint, versteh ach ich nicht). Und Glaubensfreiheit bedeutet vor allem nicht, das hebt Möller deutlich hervor, daß ein religiöser Bundestagsabgeordneter entsprechend seiner Überzeugung abstimmen darf. Das gesteht Möller wohl nur nichtreligiösen Abgeordneten zu. Die religiösen Abgeordneten würden sich dann wohl der Stimme zu enthalten haben oder gegen ihr Gewissen abstimmen müssen! Das wird weiter unten im Text noch einmal deutlich gemacht, dort fordert er ein System

in dem demokratisch gewählte Volksvertreter im Sinne des Volkes entscheiden – nicht im Sinne ihrer Religion

Interessant fände ich, wie er den Sinn des Volkes ermitteln will, gibt es da irgend ein Zentralkommitee, vielleicht in Form einer Vorhut der KLasse der Religionslosen? Und vor allem, inwieweit der Sinn eines Volkes, das zu 2/3 Mitglied einer der beiden großen Kirchen ist, vom Sinn der Religion des Abgeordneten abweicht, die höchst wahrscheinlich ebenfalls das Christentum ist. Aber freilich, der Text soll provokativ sein, und da kann man auch einmal Forderungen aufstellen, die keinen Sinn ergeben. Neben der Forderung, daß Abgeordnete nach dem (von der gbs festgelegten?) Sinn des Volkes abstimmen sollen statt nach ihrem Gewissen, fordert er noch

Firewall gegen Dogmen, Doppelmoral und Diktaturen

Er benutzt Analogien aus der IT, also nicht wundern, es geht um ein gesellschaftliches System für das 21. Jahrhundert.

Leider bleibt er dann den Entwurf auch schuldig. An sich logisch, denn wie könnte ein System ohne Dogmen auskommen, also ohne feststehende Vorentscheidungen, die nicht relativiert werden? Die Menschenrechte könnten so etwas darstellen, wollte man ein sälulares System formulieren. Das will er aber offenkundig nicht. Alles was er tun will, ist zu polemisieren: Hier die Religionen, die für alles Leid auf der Welt verantwortlich sind (ohne Belege zu nennen, er suggeriert nur) und af der anderen Seite die Möglichkeit, ohne Religion viel besser und in größerer Eintracht zu leben.

Man beachte, daß er auch hier nur suggeriert, daß das möglich wäre, ohne eine tatsächliche Alternative anzubieten. Die müßte sich dann der Kritik stellen und wer weiß, vielleicht ist er sich dessen bewußt, daß er auch kein konkretes System anzubieten hätte, das den einzelnen Religionen überlegen wäre.

kirche

Tanzverbot

Bald ist wieder Ostern, und davor Karfreitag. Und wer da tanzen gehen will, könnte ein Problem kriegen. Denn in Deutschland gibt es an bestimmten Feiertagen das Tanzverbot, das dafür sorgt, daß das Volk den Tag in gebührendem Ernst begehen kann.

Leider nimmt die Zahl der Christen in Deutschland beständig ab. Hier in Pommern hatte die Landeskirche in den 50er Jahren des 20 Jhd. noch 700.000 Glieder. Die DDR-Propaganda hat es geschafft so viele Leute aus der Kirche zu treiben, daß es heute nur noch 96.000 Glieder sind. Für 2040 wird erwartet, daß nun noch 50.000 Menschen in Pommern Glieder der Landeskirche sind (die aber dann Teil der Lutherischen Kirche im Norden sein wird).

Der Rückgang der Christenzahlen führt dazu, daß es nicht mehr selbstverständlich ist, daß etwa der Karfreitag und andere Feiertage als Stille Tage akzeptiert werden. Menschen ohne Glauben oder mit anderem Glauben wollen nicht von der ehemals prägenden Religion in ihrer Freizeitgestaltung eingeschränkt werden. Sie wollen vielleicht an anderen Tagen Ruhe finden, nicht gerade an denen, die die Christen dazu ausgewählt haben.

Ich denke, sie haben Recht. Eine plurale Gesellschaft kann nicht derart von einer bestimmten Kultur geprägt werden. Nur weil ich als Christ am Karfreitag nicht in die Disco gehe, muß ich nicht Achmad, Mandy und Rene zwingen, es mir gleich zu tun. Und ich will auch nicht, daß der Staat das tut. Das ist ja das Anachronistische daran: Der Staat ist es, der gemäß der religiösen Vorstellung einer Religion für alle Bürger festlegt, an welchen Tagen nicht getanzt wird.

Würden die Kirchen sagen: Liebe Gläubige, am Karfreitag bleibt Ihr schön zu Hause von der Disco, wäre das ja noch in Ordnung. Jeder kann selbst entscheiden, ob er einer Kirche angehören will und inwieweit er sich ihren Vorgaben unterwirft. Aber die Kirche macht hier keine Vorgaben. Sie bleibt aßen vor. Handeln tut der Staat. Und wer ein bißchen im Netz sucht, findet auch einiges zu Tanzverboten, Gerichtsverfahren und Protesten.

Die Tanzverbote fallen in den Bereich der Kultur, und für den sind die Länder zuständig. In meinem Heimatland Rheinland-Pfalz gibt es nun eine Petition zur Abschaffung des Tanzverbots an den christlichen Feiertagen. Argumentiert wird, daß die Gläubigen auch wenn getanzt wird in ihrer Religionsausübung nicht gestört werden. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum der Volkstrauertag ausgenommen wird in der Petition, denn auch dann muß das Tanzen der einen nicht das Trauern der anderen stören. Insofern ist die Petition hier nach meinem Dafürhalten nicht konsequent, aber sei’s drum.

Ich meine, auch wenn es zu Störungen kommen sollte: In einer pluralen Gesellschaft sind wir angehalten, einander zu ertragen. Die Nichtchristen ertragen die Kirchenglocken, wieso sollten die Christen nicht das Tanzen und die Musik der Nichtchristen ertragen? Man könnte ja leise darauf hinweisen, wenn es tatsächlich zu Störungen kommen sollte. Aber ich denke, per Staatsmacht die Störungsfreiheit einzufordern führt nirgendwohin. Außerdem: Wer will denn schon gezielt stören? Es dürften wenige sein. Und die werden ach den Spaß verlieren, wenn man sich nicht provozieren läßt.

Also was spricht noch dafür, daß der Staat den Kirchen eine Ruhe garantiert, die diese so wahrscheinlich gar nicht brauchen (es gelten ja weiterhin die Lärmschutzbestimmungen), während dabei Leute in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, und am Ende vielleicht noch die Schuldigen in den Kirchen suchen, die an sich gar nichts mit der Sache zu tun haben?

Deshalb möchte ich allen ans Herz legen, die Petition mitzuzeichnen, das können auch Menschen sein, die nicht in Rheinland-Pfalz leben, so wie ich. Die Petition findet sich hier.

Update: Über @Herusche hab ich erfahren, daß es auch in Hessen eine Petition gibt. Wieder wird, für mich unverständlich, der Volkstrauertag ausgenommen. Lustigerweise werden Neujahr und der 1. Mai (sic!) als christliche Feiertage bezeichnet (da sieht man wo Bildungspolitik der CDU hinführen kann).

glaube, Religion

Shoib Assadullah

In Afghanistan ist wieder ein Muslim zum Christentum konvertiert. Eigentlich keine Meldung wert, in Detschland konvertieren immer wieder Christen zum Islam und mgekehrt, vielleicht auch Buddhisten zum Judentum etc. Sicherlich jeweils ein großer Schritt für die Betroffenen, aber wenn man deren persönliches Umfeld verläßt, kein Grund, weiter darüber nachzdenken.

Nun ist es in Afghanistan aber so, daß der Übertritt nicht mit einem Gang zum Amtsgericht o.Ä. (wie es in Deutschland genau funktioniert, siehe kirchenaustritt.de) erledigt wäre. Shoib Assadullah sitzt im Knast und es droht ihm die Todesstrafe wegen Abfall vom Islam. Retten könnte er sich durch Abschwören vom Christentum, es geht also tatsächlich um nichts anderes als darum, Druck auf den Neuchristen auszuüben, seine neue Religion wieder aufzugeben.

Nun ist in Afghanistan die Herrschaft der Taliban gestürzt worden, Assadullah wurde in Masar-i-Sharif festgenommen, dort wo deutsche Soldaten für die Freiheit garantieren (sollen). Die afghanische Regierung hat Verträge unterschrieben, die die freie Religionswahl und -ausübung garantieren.

Was dort also geschieht, ist nicht nur nach westlicher Auffassung ein Unding, sondern nach afghanischem Recht illegal. Und glaubt man den Äußerungen des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der sich auf den Koran beruft, so darf es auch nach dem Koran nicht zu Todesdrohungen kommen, weil es eben keinen Zwang im Glaben geben darf.

Leider scheint es sich hierbei um eine Minderheitenmeinung innerhalb des Islam zu handeln, wenn ich bei google „Shoib Assadullah“ eingebe, finde ich keine islamische Stellungsnahme zu den Vorgängen in Afghanisten, was ich schade finde (vielleicht hab ich auch die falschen Suchbegriffe). Vielleicht erhoffe ich mir auch zuviel, wenn ich denke daß die deutsche muslimische Gemeinde Einfluß ausüben könnte auf die afghanischen Stellen. Sie könnten wenigstens aus islamischer Sicht argumentieren, was wir Nichtmuslime nicht können.

Für Shoib Assadullah jedenfalls setzt sich nun die IGFM ein, bei idea gibt es neben einem Artikel zum Thema einen Musterbrief, den man an Präsident Karsai schicken kann, um auf eine Freilassung Assadullahs hinzuwirken.

Bleibt zu hoffen, daß Shoib Assadullah wie damals Abdul Rahman mit dem Leben davonkommt. Ideal wäre natürlich, daß sich in Afghanistan die Ansicht der deutschen Muslime durchsetzt, daß eine Konversion weg vom Islam nicht strafwürdig ist. Ich befürchte jedoch, daß dafür noch lange Überzeugungsarbeit nötig ist.

EKD, kirche, Religion

Den Islam zurechtschneidern?

Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, was ich vom Vorsitzenden des Rates der EKD halten soll. Es geht um Nikolaus Schneider, der Hauptberuflich Präses der evangelischen Kirche im Rheinland ist.

Diese Woche hat er sich (wieder) zum Islam geäußert, und wurde vom Zentralrat der Muslime, einer der kleinen Splittergruppen, die Muslime in Deutschland vertreten, kritisiert. Und die Kritik ist verständlich, doch um was geht es?

Schneider meinte, der Islam trete „von Aufklärung nd Religionskritik kam irritiert in unserer Gesellschaft auf“. Das mag stimmen, gilt auch für bestimmte christliche Gruppierungen (meist jedoch nicht für Landeskirchler), braucht aber einen evangelischen Präses als Präses nicht zu interessieren. Vielleicht ärgert es ihn als Bürger, aber dieser Ärger ist der Tribut, den es zu zahlen gibt in einer freien Gesellschaft für die Freiheitsrechte auch der anderen. Wenn die Muslime sich ohne Aufklärung und Religionskritik wohler fühlen (falls das überhaupt stimmt), ist es ihr gutes Recht. Eine andere Sache wäre es, wenn Schneider eine bestimmte Position aufgreift und diese auf Grundlage islamischer Vorstellungen kritisiert, wenn er einem Muslim also aufzeigt, warum die Aufklärung etwa in Einklang mit dem Koran steht und Mohammed Religionskritiker war (falls es so gewesen sein sollte). Ansonsten können nur Muslime den Islam von innen verändern (in welche Richtung ach immer). Das ist dann aber nicht Sache Schneiders, sondern der Muslime.

So weist der Zentralrat der Muslime darauf hin, daß man es nicht gut findet, wenn jemand belehrend auftritt (wobei ich mich in dem Kontext wundere, daß nicht von Scheider die Rede ist, sondern von der evangelischen Kirche, die ja nicht mit Schneider identisch ist, sein Posten ist ja in keinster Weise mit dem des Papstes zu vergleichen, aber das nur nebenbei).

Auch kann ich der folgenden Aussage des Zentralrates nicht ganz folgen:

Niemandem steht es zu, eine Religion zu kritisieren und zu bewerten, ob sie eine Aufklärung nötig
hat oder nicht

Ich denke, es steht dem Anhänger der Religion sehr wohl zu. Ich kann als Christ innerhalb der Kirche und des Christentums durchaus kritisieren und bewerten, ob es ein zu viel oder zu wenig an Aufklärung gibt. Und zwar immer in dem Maße, wie ich mich den jewilig Kritisierten selbst zugehörig fühle. So kritisiere ich die Katholiken etwa bei ihrem Amtsverständnis, weil ich es biblisch und historisch nicht als begründet ansehe, aber ich kritisiere nicht den Zölibat, das ist Sache der katholischen Kirche und das sollten die unter sich ausmachen. Als Christ aber bin ich der Meinung, beim Amtsverständnis (etwa) mitreden zu können und zu dürfen.

So habe ich auch kein Problem damit, wenn Schneider als Mitglied unserer Gesellschaft andere Mitglieder auf den Grundlagen der Gesellschaft kritisiert, etwa wenn er sich zur Gefahr äußert, die von multinationalen Unternehmen für unsere demokratischen Strukturen ausgeht.

Daß der Islam „lauter und aggressiver“ auftritt mag stimmen, die Frage ist aber doch dann, warum man die Kirche nicht hört, bzw. nur hört, wenn es um Zwangsarbeit und Mißbrach geht, bzw. die Entschuldigungen nd Erklärngen daz etc…

Ja, der Islam missioniert in Deutschland, wie auch seit neuestem Atheisten aktiv Mission betreiben. Niemand hindert die Kirche, da auch mal wieder mitzuspielen und so spricht Schneider ach davon, „von der Heiligen Schrift inspirierte Lebenskonzepte zu vertreten“. Dazu gehört aber mehr, als immer wieder von Mission zu reden, irgendwas muß man auch tun, denn über Presseerklärungen und Reden af Synoden finden die wenigsten Menschen zu Christus.

Was mich etwas geärgert hat ist, daß Schneider meinte, ein akademischer Islam sei nötig. Ich mag ja auch die Idee von islamisch-theologischen Fakultäten an den Unis, am Besten auch da, wo es christliche Theologen gibt, um den Austausch zu fördern und einander besser kennen zu lernen. Was der Islam jedoch nötig hat, ist Sache des Islams und der Mslime, und wenn der Islam sich dadurch ins Abseits stellt, ist das auch Sache des Islams und der Muslime.

Eine islamische Aufklärung wird man nicht gezielt initiieren können, so wie ach die europäische Aufklärung nicht gezielt initiiert wurde, sondern sich ergab. Wenn es also irgendwanne einmal so weit kommt, daß die Muslime sich tatsächlich soweit organisieren, daß sie Islamisch-theologische Fakultäten erstellen und mitunterhalten können (niemand kann sie dazu verpflichten, Imame in Deutschland auszubilden und Religionsnterricht an den Schlen anzubieten), dann können sie auch selbst entscheiden, inwieweit dort die Aufklärung überhaupt behandelt wird. Sicher wäre es sinnvoll, um die Gesellschaft in Europa zu verstehen, aber wie gesagt: Niemand kann den Muslimen verbieten, nicht sinnvolle Dinge zu tun, und keiner sollte es ihnen afzwängen wollen. Auch die Kirchen haben viel nsinniges getan in ihrer Geschichte und würden Äßerungen von außen, was in der Kirche nötig wäre, zurückweisen, so wie Schneider auch die Mischreligion (mit Recht) zurückweist.

Recht geben muß ich Schneider, wenn er sich für die verfolgten Christen in islamischen Ländern ausspricht. Ertsens sind es Gläubensgeschwister, die in Alexandria umkamen (und im Irak und anderen Ländern), und zweitens wird von islamischer Seite immer wieder betont, der Islam sei eine Religion des Friedens und der Toleranz. In der Sitation die Muslime beim Wort zu nehmen, kann ihm keiner vorwerfen.

Leider hört man sehr wenig davon, daß Muslime etwa in der Türkei sich für Christen einsetzen, für ein Recht, Kirchen zu bauen und ihren Glauben zu lehren. Entweder es findet nicht statt oder wird in den Medien nicht gebracht, und das ist schade, in beiden Fällen. Herasragend finde ich in diesem Kontext eine Meldung wie die, daß Mslime in Ägypten dazu aufgerufen ahben die Weihnachtsmessen der Kopten zu besuchen, um die Solidarität zu zeigen und als menschliche Schutzschilde gegen mögliche weitere Attentate zu helfen. Ein bewundernswerter Mut!

Die innere Verfassung des Islams jedoch, und das ist mein eigentlicher Punkt, ist nicht Sache eines evangelischen Präses. Dieser kann lediglich anfragen bei Muslimen, oder diese beim Wort nehmen, er hat aber keine ungefragten Äußerungen darüber zu machen, was die Muslime brauchen und tun müssen. Die können tun was sie wollen und legal ist, so wie auch die Kirchen.

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Laizisten in der SPD

Update:  Den SPD Laizisten wurde nun scheinbar von der Parteiführung die Nutzung von „SPD“ in der Domain untersagt, die Forderungen findet man jetzt hier (wobei ich nicht garantieren kann, daß sie nicht was am Wortlaut geändert haben).

 

In der SPD hat sich nun eine Gruppe mit Namen „Laizisten in der SPD“ formiert. Das ist weiter nicht besonders erwähnenswert, es bilden sich täglich alle möglichen Gruppen in der BRD, warum also nicht auch Laizisten in der SPD? Nun haben sie auf ihrer Homepage ihre Forderungen veröffentlicht, und da bin ich, als gläubiger Mensch dann doch interessiert, ob und in wie weit Glaube eingeschränkt werden soll. Auf gut deutsch: Falls sich die Laizisten in der SPD durchsetzen, führt eine Stimme für die SPD dann zu einer Einschränkung meiner Religionsfreiheit? Deshalb möchte ich mich kurz mit den Forderungen auseinandersetzen:

1.      Gesetze und öffentlicher Raum müssen neutral bleiben

Verfassungen, Gesetze und öffentliche Bauten gehören allen Bürgern. Im Grundgesetz der Bundesrepublik und in den Landesverfassungen sowie sämtlichen weiteren Gesetzen haben alle Gottesbezüge zu unterbleiben. Zur Wahrung der weltanschaulichen Neutralität gehören religiöse Symbole nicht in Gerichte, Parlamente, Rathäuser, staatliche Krankenhäuser, Kindestagesstätten und Schulen sowie Behörden. Auch sind öffentliche Gebäude und Einrichtungen bei Neuerrichtung nicht „einzusegnen“. Die Eidesformel ist neutral zu fassen.

Verständlich finde ich die Ablehnung von Gottesbezügen oder Einsegnungen. Bei der Eidesformel komme ich nicht ganz mit, da es eine Form ohne Gottesbezug bereits gibt (oder hab ich die Vereidigung der Regierung Schröder falsch im Kopf, in der nur Scharping die Formel „so wahr mir Gott helfe“ benutzte?).

Ein Problem sehe ich im Begriff der „weltanschaulichen Neutralität“, denn dies suggeriert, daß ein Verzicht auf Symbole neutral wäre. In gewissen Fällen kann dies aber eine Bevorzugung atheistischer Ansichten bedeuten, dazu unten mehr. Im Fall der Symbole allerdings sehe ich es ähnlich: Es gibt keinen Grund für Kreuze im Gericht oder in Schulräumen (außerhalb von Räumen, die allein dem Religionsunterricht dienen oder Kreuze die nur für die Dauer der Religionsstunde hängen).

2.      Neutrales öffentliches Bildungswesen

Der Staat darf weder religiös bestimmte Erziehungsziele vorgeben noch – wie bisher in Art. 7 GG vorgeschrieben– einen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an den Schulen gewährleisten.

Religiöse Erziehungsziele kann der Staat für den Bereich außerhalb des Religionsunterrichtes – und nur diesen Bereich verantwortet der Staat allein – in der Tat nicht vorgeben. Die Möglichkeit eines Religionsunterrichts ist jedoch allen Religionsgemeinschaften gegeben, soweit sie den Status der K.d.ö.R. haben. Insofern sehe ich wenig Gründe, die aus Neutralitätssicht gegen den Religionsunterricht sprechen. Eine Alternative wäre, die Kriterien für die Ermöglichung eines Religionsunterrichts in einer bestimmten Religion zu überprüfen, so daß möglichst alle Religionsgemeinschaften, die dies wünschen, einen eigenen Unterricht anbieten können.

Statt des bisherigen Bekenntnisunterrichtes sollen alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Herkunft und Religionszugehörigkeit einen Unterricht über die ethischen Grundlagen des Zusammenlebens, über die Inhalte der großen Religionen und über die weltanschaulichen Grundlagen unserer Kultur erhalten. Bis zu einer entsprechenden Änderung der Verfassungen und Gesetze muss parallel zum konfessionellen Religions- und weltanschaulichen Unterricht auf allen Schulstufen ein gleichwertiger, neutraler (Religionskunde- und)* Ethikunterricht im Sinne eines Wahlpflichtfaches eingerichtet werden.

Dies widerspräche dem Neutralitätsgedanken eklatant. Denn ein vom Staat alleine verantworteter „neutraler“ Unterricht wäre nicht neutral, sondern staatsgelenkt. Der Staat aber hat keinerlei Kompetenz oder Berufung, sich im Gebiet der Religion zu betätigen. Eine Gleichschaltung des Religionsunterrichts durch eine vom Staat festgeschriebene Ethik sehe ich als Gefahr für die Freiheit, gerade in Zeiten, in denen Regierungen dazu tendieren, Gesetze zu schaffen die gegen das Grundgesetz stehen und somit immer wieder versucht wird, Freiheiten zu beschränken oder abzuschaffen. Auf dem Bereich des Gewissens, und darum handelt es sich beim Thema Religion zweifellos, kann es nicht angehen, daß der Staat alleine Vorgaben macht und ein Monopol einrichtet in der Frage, was ethisch als gut oder schlecht zu bewerten sei.

Religiöse Erziehungsziele für öffentliche Bildungseinrichtungen und Schulen sind in den Landesgesetzen zu streichen. Schulgebete, Schulgottesdienste und dergleichen in öffentlichen Schulen haben zu unterbleiben.

Damit hätte ich kein Problem, soweit mit Schulgebet ein Gebet im Klassenverband außerhalb des Religionsunterrichts gemeint ist. Das religiöse Betätigen muß jedoch in Gewährleistung der Religionsfreiheit auch in der Schule möglich sein, auch wenn dieses Recht schon in Frage gestellt wird.

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe bzw. des öffentlichen Schulwesens müssen überall ein ausreichendes Angebot an neutralen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (von der Kinderkrippe bis zur Jugendarbeit) bereit stellen. Ein regionales Religionsmonopol (z.B. eine einzige Kindertagesstätte am Ort in religiöser Trägerschaft) muss unzulässig sein.

Was soll hier „unzulässig“ bedeuten? Es kann nicht sein, daß kirchliche Einrichtungen geschlossen werden müssen, weil der Staat keine eigenen Einrichtungen finanzieren will oder kann. Wenn damit allerdings gemeint ist, daß der Staat kirchliche Infrastruktur doppeln will, so ist dem nichts entgegen zu setzen, so lange keine religiösen Kinder gezwungen werden, die staatlichen Einrichtungen zu besuchen. Ein Zwang würde auch ausgeübt, falls der Staat die Finanzierung der kirchlichen Einrichtungen streicht mit der Begründung, es stünden ja staatliche Einrichtungen bereit. Religiöse Bildung darf nicht den Reichen vorbehalten sein. Gerade von der SPD erwarte ich hier eine gewisse Sensibilität.

3.      Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen

Die Vorschrift des Grundgesetzes, alle auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften abzulösen (Art 140 GG i.V.m. Art. 138 Weimarer Reichsverfassung), ist bisher nicht erfüllt. Der Bundesgesetzgeber muss endlich die hierfür notwendigen Gesetze erlassen.

Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen, insofern mit einer Ablösung hier nicht eine Enteignung der Kirchen gemeint ist. Die Staatsleistungen wurden eingerichtet, weil der Kirche Eigentum entzogen wurde, aus dessen Bewirtschaftung sie zum Beispiel ihr Personal (Bischöfe und andere Kleriker) finanzierte. Mit Abgabe des Eigentums an den Staat wurden der Kirche jährliche Zahlungen anstatt der Einkünfte aus der eigenen Bewirtschaftung des verstaatlichten Besitzes zugesichert. Eine einfache Einstellung dieser Zahlungen käme einer Enteignung der Kirche gleich. Eine Ablösung muß die Gestalt haben, daß die Kirche in der Lage ist, mit den Ablöseleistungen die fraglichen jährlichen Ausgaben wieder selbst erwirtschaften zu können. Über die Ausgestaltung der Ablösung muß mit der Kirche, bzw. den Kirchen verhandelt werden.

Die direkte und indirekte Finanzierung der Klerikergehälter, der Theologenausbildung und des Religionsunterrichts sind zu beenden.

Soweit damit die Staatsleistungen in Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 gemeint sind, habe ich oben schon dazu geschrieben. Solange der Religionsunterricht ordentliches Unterrichtsfach ist, gibt es keinen Grund, warm dieser nicht vom Staat getragen werden sollte, wie auch der Mathematikunterricht nicht von einem Mathematikerverband getragen wird. Ebenso verstehe ich nicht, wieso Theologenausbildung nicht finanziert werden soll, während die Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler, die später bei Daimler, der Deutschen Bank oder McKinsey arbeiten, weiterhin an von deutschen Staat finanzierten Universitäten studieren.

Auch die vielfältigen „versteckten“ Leistungen – z.B. der Kommunen für kirchliche Baulasten, kirchliches Personal oder Dienst- und Materialleistungen an kirchliche Einrichtungen – sind abzuschaffen.

Hier habe ich zu wenige Kenntnisse der Details. Es steht zu befürchten, daß auch hier einseitig Zahlungen abgeschafft werden sollen, die anderen Gruppen und Verbänden zur Verfügung stehen oder stünden. Es müßte jedoch genauer geprüft und daraf eingegangen werden.

4.      Abschaffung von Rechtsprivilegien

Alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind nach dem allgemeinen Vereinsrecht zu behandeln. Die quasi-hoheitliche Sonderstellung der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, ist zu beenden.

Wieso sollten Weltanschauungsgemeinschaften hier anders behandelt werden als der Bayrische Bauernverband oder das Bayrische Rote Kreuz? Da die Weltanschauungsgemeinschaften Aufgaben wahrnehmen, die vom Staat nicht zu leisten, aber für die Gesellschaft unabdingbar sind, wäre eine Reduzierung auf Vereinsstatus nicht im Sinne des Staates. Zu erwähnen ist, daß der Körperschaftsstatus auch von nichtreligiösen Gruppen wie Humanistenverbänden und Ähnlichen angestrebt werden kann, die dann ach ihren eigenen „Religionsunterricht“ erteilen könnten.

Die Notwendigkeit der Austrittserklärung beim Standesamt und oder Amtsgericht ist abzuschaffen. Sie muss gebührenfrei sein.

Volle Zustimmung meinerseits. Ich ärgere mich schon lange über das doppelte Abkassieren des Staates an dieser Stelle, der einerseits von den Kirchen für die Steuererhebung und Mitgliederverwaltung bezahlt wird und dann nochmal extra die Austretenden zur Kasse bittet.

Das Privileg, dass der Vertreter des Vatikans automatisch der Doyen des diplomatischen Corps ist, ist abzuschaffen. Die katholische Kirche ist in internationalen Gremien als NGO einzustufen, wie es bei allen anderen Religionsgemeinschaften bereits üblich ist.

Die katholische Kirche als Kirche sicherlich. Nur ist diese nicht so leicht vom Vatikan zu trennen, der einen völkerrechtlich anerkannten eigenen Staat darstellt, zu dem die Bundesrepublik langjährige Beziehungen pflegt (der aktuelle Herrscher des Staates ist sogar Bundesbürger!). Da niemand auf die Idee käme, Monaco oder Andorra als NGO einzustufen, sollte dies auch bei anderen Staaten vermieden werden. Wer der Doyen des diplomatischen Corps ist, der vatikanische Vertreter oder doch der Nordkoreanische, ist meines Erachtens nach uninteressant.

Der Straftatbestand der „Gotteslästerung“ usw. (§ 166 StGB) ist ersatzlos zu streichen.

Hier bin ich zwiegespalten. Einerseits kann es nicht sein, daß ein Mensch verfolgt wird, weil er einen anderen Glauben hat als die Mehrheit und diesen vertritt, was als Gotteslästerung ausgelegt werden könnte. Andererseits sehe ich das Problem, daß durch gezielte Äußerungen oder Taten Teile der Bevölkerung aufgestachelt werden könnten, und dies als politisches Mittel mißbraucht werden könnte. Dagegen braucht man eine Handhabe, die jedoch sicher auch anders auszugestalten ist.

5.      Abschaffung von Steuerprivilegien

Alle über allgemeine Gemeinnützigkeitsbestimmungen hinausgehenden Steuerprivilegien der Kirchen sind abzuschaffen. Die Einziehung der Kirchensteuer durch den Staat ist zu beenden. Die Kirchen sollen sich um ihre Mitgliedsbeiträge selbst bemühen.

Es müßte geprüft werden, welche Privilegien dies sind und welchen Grund ihre Einführung hatte. Ein Verwalten der Mitgliedsbeträge durch die Kirchen ist auch denkbar, die Frage ist, ob der Bund sich der Einnahmen enthalten will, die er auf dem Weg zusätzlich erzielt.

6.      Abschaffung von Finanzprivilegien

Über die Kirchensteuern hinaus beziehen bestimmte Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in den Bundesländern zusätzlich hohe Zuschüsse auf Basis von Konkordaten bzw. Staatsverträgen. Aus diesen Mitteln werden vom Steuerzahler z.B. Gehälter von Bischöfen und anderen Geistlichen, Kosten von Bistumsverwaltungen, Gebäudekosten, „Seelsorge“, theologische Lehrstühle und Hochschulen sowie der Religionsunterricht finanziert. Diese Staatsverträge sind so umzugestalten, dass sie sich auf ein sinnvolles Minimum, z.B. bei der Unterstützung kultureller Angelegenheiten, beschränken, wobei der Grundsatz der Gleichbehandlung aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften einzuhalten ist.

Mir ist nicht klar, ob es hier um die oben bereits genannten Zahlungen geht. Zur Theologenausbildung habe ich mich jedenfalls schon geäußert. Ansonsten ist ein Staatskirchenvertrag zwischen Kirchen und Staat ausgehandelt, verpflichtet also beide Seiten zu Leistungen. Wenn Zahlungen an die Kirchen gestrichen werden, muß hingenommen werden daß auch die Kirchen sich nicht mehr an ihre im Vertrag festgeschriebenen Pflichten halten.

Die Finanzierung von Pfarrerstellen in öffentlichen Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen ist zu beenden.

Aus welchem Grund? Seelsorge ist eine nötige Aufgabe, die auch gefragt ist und bleibt. Statt einer Abschaffung der Seelsorger wäre die Prüfung, ob die Finanzierung weiterer Seelsorger anderer Weltanschauungsgemeinschaften, auch atheistischer, sinnvoll wäre.

Soweit sich Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften oder von ihnen getragene oder geprägte Organisationen gemeinnützig betätigen (z.B. als „freie Träger“), müssen bei der staatlichen Finanzierung und für die Beschäftigungsbedingungen die gleichen Maßstäbe wie für alle anderen Träger gelten.

Ich frage mich gerade, inwieweit dies nicht der Fall ist…

7.      Beendigung der Priesterausbildung durch den Staat

Die theologischen Fakultäten an staatlichen Hochschulen sind abzuschaffen. An ihrer Stelle sind religionswissenschaftliche Institute einzurichten. Alle kirchlichen Vorbehaltsrechte z.B. bei der Besetzung bestimmter Lehrstühle sind abzuschaffen. Konkordatslehrstühle sind in ordentliche Lehrstühle umzuwandeln.

Der Grund für die Abschaffung einer Wissenschaft, egal ob nun Theologie oder Pädagogik, kann ich nicht nachvollziehen. Ebensowenig die Ersetzung durch Institute einer anderen Wissenschaft. Religionswissenschaft ist eine andere Disziplin als Theologie und hat mit dieser eher wenig zu tun. Die Frage nach der Finanzierung der Ingenieure von Daimler und Opel habe ich oben schon gestellt. Das kirchliche Vorbehaltsrecht bei der Lehrstuhlbesetzung ist dem besonderen Charakter der Theologie geschuldet, ebenso die Konkordatslehrstühle. Eine Abschaffung der Theologie käme der gezielten Benachteiligung einer gewissen Berufsgruppe gleich. Daß es sich dabei um dezidiert religiöse Berufe handelt lässt die Frage aufkommen, ob hier nicht die Religionsfreiheit tangiert wird und Religionsausübung erschwert werden soll. Darüber bin ich mir noch nicht ganz im Klaren… einem Verweis einer Wissenschaft von den Unis kann allerdings in keinster Weise zugestimmt werden, wenn nicht die Unis als Ort des Kampfes um die „korrekte“ Weltanschaung mißverstanden würde. Dies wäre nicht neutral, es wäre antireligiös.

8.      Gleiche Mitarbeiterrechte

Über die für alle Tendenzbetriebe geltenden Besonderheiten hinaus dürfen die Rechte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht beschnitten werden. Die Sonderregelungen für religiöse oder weltanschauliche K.d.ö.R. im Betriebsverfassungsgesetz und im Allgemeinen Gleichstellungsgesetz sind abzuschaffen. Den Beschäftigten der Kirchen und ihrer Organisationen sind Mitbestimmung, Koalitionsfreiheit und Tariffreiheit zuzubilligen. Die Religionszugehörigkeit oder das religiöse Verhalten dürfen jenseits eines engen, in herausragender Weise religiös oder weltanschaulich geprägten Kernbereiches von Beschäftigungsverhältnissen kein Einstellungs- oder Entlassungsgrund sein.
Diese Forderung gehört auch wieder in unser Grundsatzprogramm.

Dies ist ein Problem. Es ist einerseits verständlich, daß kirchliche Einrichtungen eine dezidiert kirchliche Arbeitsweise gewährleisten wollen. Sie tun dies, indem sie ihre eigenen Mitglieder einstellen. Inwieweit dies bei Kirchenbanken nötig ist, mag diskutabel sein. Die SPD würde wahrscheinlich auch kein CDU Mitglied als Schatzmeister berufen. Arbeit in kirchlichen Einrichtungen wurde ursprünglich wohl nicht als Erwerbsarbeit aufgefasst, sondern als zwar bezahlte Arbeit, die aber im Grunde vor allem einen christlich persönlich-karitativen Hintergrund hatte. Da dies zur Zeit weitgehend nicht mehr so gesehen wird stellt sich mir die Frage, ob die Kirche aus Wirtschaftsfeldern, die mittlerweile gewinnbringend arbeiten, nicht aussteigen sollte. Dies wäre jedoch innerkirchlich zu klären und ist für die SPD nebensächlich.

9.      Keine öffentliche Militärseelsorge

Die staatliche Organisierung und Finanzierung der Militärseelsorge ist zu beenden. Der bisher von den Militärpfarrern gegebene, aber für alle Kriegsdienstleistenden verbindliche „Lebenskundliche Unterricht“ ist in ein neutralen, von einem dafür geeigneten Pädagogen erteilten Ethikunterricht umzugestalten. Öffentlich finanzierte Soldatenwallfahrten und ähnliche Unternehmungen sind nicht statthaft.

Zum Ethikunterricht durch einen vom Staat alleine bestellten Lehrer habe ich mich oben geäußert. Gerade im militärischen Bereich erhöht sich nach meiner Meinung die Gefahr, wenn der Staat hier alleine die Deutungshoheit über Recht und Unrecht hat. Zur Militärseelsorge allgemein ist zu sagen, daß auch Soldaten Menschen sind, die das Recht der Religionsfreiheit haben. Die religiöse Betätigung ist im militärischen Bereich nicht immer möglich, gerade in Afghanistan und im Kosovo gibt es nicht viele Kirchen, die die Soldaten besuchen können, oder Pfarrer, deren Hilfe sie in Anspruch nehmen können. Daher hat der Staat, der für die Soldaten verantwortlich ist, dafür zu sorgen, daß sie neben ihrer körperlichen Versorgung auch seelisch versorgt werden, falls sie dies wünschen. Daß ein atheistischer Kamerad zur Teilnahme am lebenskundlichen Unterricht gezwungen wurde, kann ich mich in meiner Zeit bei der Bundeswehr nicht erinnern. Falls dies zur Zeit so läuft, ist dies natürlich zu beenden. Hier ist denkbar, wie auch beim Religionsunterricht in der Schule, daß Konfessionslosengruppen staatlich unterrichtet werden, so lange dies die Ausnahme zur Regel bleibt (vgl. oben die erwähnt Gefahr der Monopolisierung der Ethik durch den Staat).

Geistliche und Theologiestudenten sind – solange die Wehrpflicht besteht – allen übrigen Wehrpflichtigen gleichzustellen und zum Militär- oder Zivildienst heranzuziehen.

Dagegen ist von meiner Seite aus nichts einzuwenden. Ich habe, trotz Theologiestudium, meinen Dienst an der Waffe geleistet und es als bereichernde Erfahrung erlebt.

10.  Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist kein Kirchenfunk

Die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind so umzugestalten, dass dort keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft übermäßigen Einfluss erhält. Solange dort Vertreter der Religionsgemeinschaften sitzen, müssen auch Vertreter der nicht-religiösen Weltanschauungsgemein-schaften berufen werden.

Interessant wäre hier, nach welchen Kriterien berufen wird. Tatsache ist, daß nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaften, trotz dem angeblichen Anteil von 1/3 konfessionsloser Bundesbürger, weit weniger Mitglieder aufzuweisen haben als die Kirchen. Falls also die Zahl der Mitglieder entscheidend ist, wäre dies ein nachvollziehbarer Grund, jedoch spricht nichts dagegen, die Kriterien zu überdenken angesichts der pluraleren Gesellschaft heute.

Die Gewährung von Sendezeiten für sogenannte Verkündigungssendungen ist zu beenden. Die Finanzierung von durch kirchliche Medienkonzerne erstelltem Sendematerial ist zu beenden.

Und wieder frage ich mich, ob es neutral ist, wenn alles Kirchliche entfernt wird, oder ob dies nicht doch einseitig atheistisch ist. Wieso nicht zusätzlich atheistische Verkündigung? Wort zum Montagnachmittag? Wieso sollen nur und einzig kirchliche Medienkonzerne für das Erstellen von Sendematerial nicht mehr bezahlt werden? Ach hier die Frage: Ist dies neutral oder eine einseitige Benachteiligung des Religiösen?

Öffentlich-rechtliche Kirchenredaktionen wirken in der Regel als verlängerter Arm der kirchlichen Medienarbeit. Die Kirchenredaktionen sind daher aufzulösen und durch Redaktionen zu ersetzen, die sich des gesellschaftlich-kulturellen Themenbereichs von Religionen und Weltanschauungen in journalistisch geeigneter Art und Weise und mit der gebührenden kritischen Distanz annehmen.

Ich erkenne den Sinn nicht, der dahinter stecken soll, eine Redaktion aufzulösen und sie unter neuem Namen neu zu gründen. Wäre es nicht sinnvoller, auf eine gebührend distanziert kritische Berichtserstattung in den Kirchenredaktionen hinzuarbeiten? Allerdings habe ich auch bei den öffentlich rechtlichen sehr distanzierte Berichte im Kopf, etwa der Vergleich von christlichen Entwicklungshelfern mit Selbstmord-Attentätern