Gesellschaft, Religion

Jede Religion, außer Islam, ist inakzeptabel

So zitiert das Hetzbild Sure 3:85. Eigentlich ist es eine Zusammenfassung. Der Text der Aya:

Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt: nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.

Mir erschließt sich wie bei der letzten Aya schon nicht, inwiefern dies „zum Krieg gegen Ungläubige [aufruft]“. Der Koran lehrt also, daß der Islam die richtige Religion ist und diejenigen, die eine andere Religion haben, im Jenseits zu den Verleirern gehören werden.

Sorry, aber das war nicht anders zu erwarten. Das lehrt das Christentum in Bezug auf die eigene Religion nicht anders.

Wer von seiner eigenen Lehre überzeugt ist, wird IMMER davon ausgehen, daß andere Lehren Nachteile mit sich bringen. Auch wenn es sich nicht um Religionen handelt. Kein AfDler wird sagen, daß die Linke oder die CDU genau so gut ist wie die AfD. Das könnte man auch auf Fußball und andere Lebensbereiche übertragen – und es hat nichts mit Krieg, Gewalt oder Unterdrückung zu tun.

Daß dieser Vers hier aufgezählt wird, ist ebenso lächerlich wie der letzte. Angeblich sollen es ja mehr als 109 Verse sein, die zu Krieg und Gewalt aufrufen. Von 13 abgedruckten Versen haben sich bisher zwei als vollkommen neben dem Thema liegend dargestellt und einer als aus dem Kontext gerissen. Was steht dann wohl in den anderen 96, nicht abgedruckten Ayat? Man sollte ja denken, daß die schlimmsten aufgeführt werden. Da diese sich aber bisher als gar nicht schlimm gezeigt haben, steht die Frage im Raum, ob die Ersteller dieses Hetzbildes sich selbst ernst nehmen?

Glaube, Religion, Theologie

Die Religion und die Werte

In diesem Artikel zitiere ich MartinLuther King Jr. Ich fand, seine Beschreibung von Wissenschaft und Religion hat was, weil er auf den Punkt bringt, was beide wollen, wo ihre Stärken liegen und wieso beide wunderbar miteinander vereinbar sind.

Beim nochmaligen Durchlesenist mir jedoch ein Satz ins Auge gesprungen, der mir so nicht recht gefällt:

Science deals mainly with facts; religion deals mainly with values.

Wissenschaft geht vor allem mit Fakten um; Religion geht vor allem mit Werten um.

Ich bin da etwas skeptisch. Geht Religion nicht mit viel mehr um? King schreibt vorher, Religion würde interpretieren. Sie geht also nicht nur mit Werten um, sie kreiert die Werte und Maßstäbe, die sie anlegt selbst. Ich würde so ad hoc sagen, als Quelle dienen ihr dabei das Wissen (für das heute vor allem die Wissenschaft zuständig ist) sowie die Offenbarung. Die Offenbarung allerdings ist nicht Sache der Wissenschaft, sondern des Glaubens, der Religion, der Theologie. Sie ist unverfügbare und damit unreproduzierbare und deshalb nicht mit wissenschaftlichen Methoden untersuchbare Erfahrung.

Und um die geht es in der Religion eben auch, das ist weniger ein Wert, als daß es mit Realität zu tun hat.

Und hier, so fürchte ich, liegt das eigentliche Problem zwischen Religion und Wissenschaft. Interpretationen liefern auch Philosophien, auch davon gibt es mehrere, und sie passen ebensowie Religion wunderbar mit der Wissenschaft zusammen.

Aber Religion hat auch ein gewisses Verständnis von Wirklichkeit, von Realität, das sich nicht zu 100% (natur-)wissenschaftlich erfassen läßt. Dazu gehört etwa dieAuferstehung, die Existenz Gottes, das ewige Leben. Für die (in dem Fall christliche) Religion ist das alles Teil der Wirklichkeit und bestimmt auch dasmaterielle Leben der Christen hier und jetzt. Für die Naturwissenschaft ist das nciht greifbar, außerhalbdes eigenen Beschreibungs- und wahrscheinlich bei Vielen auch Vorstellungsraums. Wer davon ausgeht, daß die Naturwissenschaft, die ja materialistisch arbeitet, weil nur Materie verfügbar ist, theoretisch in der Lage ist, die Welt komplett zu beschreiben, der wird in Religion nur Hirngespinste sehen können, selbst wenn er den Hirngespinsten in der für ihn realen (=materiellen) Welt positive Wirkungen bescheinigen sollte.

Wer sich vorstellen kann, daß die Naturwissenschaft nur einen Teilbereich der Wirklichkeit, der Realität beschreiben kann (den aber verdammt gut) und daß es andere Teilbereiche gibt, wie etwa die der Werte, aber auch die der Offenbarung, dann paßt das alles wunderbar zusammen.

Zu guter Letzt: Es gibt ja auch Philosophien, die Aussagen über die Wirklichkeit trafen. Aristoteles hatte sich zu allem möglichen Gedanken gemacht und sein Weltbild hat die europäischen Wissenschaften anfangs (als sie noch nicht kritisch waren) über Jahrhunderte geprägt. Später, als sie aufgrund neuerer Forschungen nicht mehr haltbar waren, wurde umgedeutet, kamen neue Philosophien auf. So ist das ja auch in der Religion. Auch sie ist flexibel und war es immer. König David kannte keine Trinität, Jesus kannte keine Katechismen und für Paulus war Sklaverei etwas Normales. So wie in der Wissenschaftgibtes auch in der Religion neue Erkenntnisse, neue Ideen, die auf Altem aufbauen und es so deuten, daß es verständlich bleibt.

Durch die – nennen wir es mal „erweiterte Wirklichkeit“ – der Religion im Gegensatz zur Naturwissenschaft ergibt sich natürlich auch eine andere Wertung. Es gibt ja durchaus auch materielle Philosophen, die dann eben ganz andere Werte haben als die Religion sie lehrt. Vielleicht könnte man King variieren, indem man sagte:

Wissenschaft geht mit Fakten um, Religion geht mit der Wirklichkeit um.

Die Werte scheinen mir ein weiterer Block neben der erweiterten Wirklichkeit zu sein. Ob sie abgeleitet sind von der erweiterten Wirklichkeit, oder ob sie unabgeleitet sind,ist mir noch nicht klar. Wenn mir das klar wird,kommt vielleicht ein weiterer Blogpost…

Netzfunde

Ite, missa est

Bei Kirchengeschichten ist ein Artikel erschienen gegen die Sarrazinisierung öffentlicher Religions- und Kirchendiskurse. Absolut lesenswert!

Was mich vor allem anspricht ist die Erkenntnis am Schluß, daß „don’t feed the trolls“ Mist ist, weil die Trolle dann die Meinungshoheit haben. Man muß sie statt dessen widerlegen und ihnen widersprechen. Immer wieder. Das rechtfertigt ein wenig mein vieles Kommentieren in Foren und auf Blogs, deshalb hör ich sowas gerne… 😉

English, Jesus and Mo explained

Hijab and Atheism

From Jesus and Mo, License CC BY-NC-SA 3.0

The complain in this comic is obviously that Muslim women have to cover up with hijabs or even burqas, so (Muslim) men’s lust was not provoked. Before all I want to point out that I am not at all interested in whether Muslims do claim so or whether it would be a right claim or not. This is not what this post is about.

This post is about the image Atheists, at least certain ones, have of Muslims and spread about them in comics as the above and whether or not one could call this hypocritical.

So this blog post is not against Muslims or Islam, it actually has nothing to do with it, it’s about atheist criticism of religion and in how far this criticism touches atheist demands as well.

One example of an atheist demand can be seen on my old blog. There’s a German article dealing with a picture I found on the internet. You can see the picture on the article page. On the picture there is a woman holding up a sign which reads:

Restraining Order: Your religious beliefs must stay 500 yards away from my constitutional rights at all times.

Other examples include but are not reduced to: No church bells as they disturb atheists, no public praying etc etc. Generally many atheist demands aim at pushing religion out of public space.

So while Muslim men are said being disturbed by viewing female hair, Atheists are disturbed by hearing churchbells, seeing and hearing religious people pray, seeing crosses and crucifixes in the public space etc etc etc.

As Muslim men are said to not tolerante their wives and daughters being „uncovered“ and visible in public, Atheists do not tolerate religion being „uncovered“ and visible in the public space.

Of course, the claim is that Muslims would suppress their women by making them cover up, and of course religious people are said to indoctrinate others with their religion by speaking about it openly and making it visible in the public. Suppressors are always the others!

No (new) Atheist I ever met even considered in how far their ideology of a „clean“ public would suppress others. The sign on the mentioned picture speaks of „constitutional rights“, isn’t the right to follow and practise a religion as much a constitutional right as having no religion is?

Muslims and other religious people are pictured as oppressors and indoctrinators, while atheists are the bringers of freedom, one could start thinking. But really Atheists just have their own brand of „oppression“ they seem to be blind to. They are asking not to be provoked by noticeable religion as they claim Muslim men are asking not to be provoked by female hair.

And this is either, if they know it, hypocracy, or it is thoughtless, unconsidered, which would mean that those people who claim to be sticking to reason could maybe do some more reasoning…

Politik

Kreuzberg und die Bezirksmedaille

Es ist mir die letzten Tage schon öfters begegnet und grad las ich es noch einmal bei justwondering: Es geht um die Bezirksmedaille für bürgerschaftliches Engagement in Friedichshain-Kreuzberg. Justwondering schreibt:

Kirchliches Engagement muss endlich bestraft werden!

So oder so ähnlich haben sich’s die „Piraten“ gedacht, als sie im Berliner Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg den Antrag einbrachten, Bürger, die sie in Kirchen oder religiösen Gemeinschaften engagieren, grundsätzlich vom Empfang der von eben diesem Gremium verliehenen „Bezirksmedallie“ auszuschließen.

und verlinkt auf einen Artikel der Springer Presse. Nachdem ich das (und ähnliches) nun schon ein paar Mal gelesen habe und auch irgendwo mal nen Hinweis sah, daß das so nicht stimmt, und ich außerdem sehr wenig Vertrauen in die Korrektheit der Angaben bei Springer Produkten hab und außerdem die Piraten gar nicht mal so schlecht find (auch wenn es mich etwas ankekst, daß einige unter ihnen auch mal recht religionsfeindlich auftreten können, aber hey, jeder nach seiner Facon) hab ich jetzt mal kurz gerecherchiert, und siehe da: Es gibt auch eine Stellungnahm der Piratenfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, und wenn man die liest, sieht das Ganze doch etwas anders aus.

Für mich stellt es sich nun so dar, daß lediglich das Engagement für die Religion nicht mehr geehrt wird, wobei jedoch Engagement von Christen innerhalb christlicher Institutionen etwa für soziale oder kulturelle oder… oder… Ziele durchaus weiterhin geehrt werden können und sollen.

Ist durchaus was anderes. Mir stellt sich bei der ganzen Geschichte die Sache, wie ein rein religiöses Engagement aussehen sollte, das früher geehrt worden wäre und es heute nicht mehr würde? Kirchen betreiben Jugendarbeit, die fallen in den Bereich Jugend. Sie machen Musik, das fällt in den Bereich Kultur. Sie betreiben Suppenküchen, das gehört in den sozialen Bereich. Und selbst Predigten sind als Texte Kulturprodukte…

Mir fällt es echt schwer, ein Engagement zu finden, das früher hätte geehrt werden können und das heute nicht mehr geehrt werden kann.

Das führt mich nun zu folgendem Schluß: Es ist Wahlkampf. Aus irgend einem Grund versucht man womöglich, an die Stimmen der kirchendistanzierten und kirchenkritischen, ja vielleicht kirchenfeindlich Eingestellten zu kommen, mit solchen Leeraktionen. Ist natürlich nur eine Vermutung, aber wie gesagt: Die praktische Relevanz der Sache kann ich nicht erkennen. Falls jemand von Euch ein Beispiel für ein damals würdigbares und heute nicht mehr würdigbares Engagement einfällt, bitte teilt es mir mit. Dann kann ich meine Vermutung womöglich revidieren.

Netzfunde

Netzfunde vom Mittwoch, dem 17. April 2013

Hallo allerseits. Heute gibt es mal wieder Netzfunde. Habt Ihr Euch auch manchmal gefragt, was der Code, der auf Bildern bei Zeitungsartikeln über Hacker eigentlich so bedeutet. Es gab wohl öfters immer wieder das gleiche Bild mit dem gleichen Bildschirm mit dem gleichen Quellcode drauf. Die Geschichte dazu findet Ihr hier.

Netzpolitik hat wohl nach Spenden gefragt. Und Antworten bekommen. Davon gibt’s jetzt ne Best Of zu lesen.

A propos wirre Ansichten. Was so alles gaga ist, erfahren wir bei „Die Wahrheit über die Wahrheit“.

Lynn schreibt über slut-shaming im purity movement. Also quasi Schlampenbeschämung in der Reinheitsbewegung. Es geht darum, daß in gewissen christlichen Kreisen propagiert wird, erst nach der Eheschließung Sex zu haben. Um dieses Ideal bei ihren Anhängern durchzusetzen (und wohl auch zur Selbstvergewisserung?) werden alle, die dem Ideal nicht entsprechen, niedergemacht (beschämt – wobei der Ausdruck doch sehr brav anmutet wenn man bedenkt, was da geschieht). Lynn kann das alles viel besser erklären…

Ach ja, Church Sign Fails gibt’s auch wieder.

Daß Senioren gerne Technik wollen, und zwar auch in der Kirche, und das auch ganz natürlich finden, kann man bei Heiko Kuschel lesen.

Thematisch paßt dazu der Artikel bei Haltungsturnen, nach dem Facebook ein alte Leute Medium ist.

Da wir grad bei Serien waren: Es gibt auch ne neue Ausgabe Religion im Web.

Lana schreibt darüber, wie ihr eigentlich calvinistisch-fundamentalistischer Jugendglaube eigentlich und an sich ein Deismus war. Interessant finde ich das vor dem Hintergrund, daß von Seiten der „Neuen Atheisten“ ja oftmals scharf unterschieden wird zwischen Deisten (die waren gar nicht soo schlimm, weil ja auch einige Aufklärer Deisten waren) und „echten“ Religiösen (womit sie Fundamentalisten meinen, wer nicht fundamentalistisch ist und trotzdem glaubt ist Wischi-Waschi Christ und nicht ernst zu nehmen). Wenn jetzt Deisten und Fundamentalisten sich näher stehen als gedacht, müssen die Atheisten jetzt die Deisten auch ablehnen (und damit vielleicht auch diese ganzen Aufklärungsgedanken, die sie sonst so hochhalten, wenn auch vielleicht mehr im Wort als in der Tat), oder müssen sie ihre scharfe Ablehnung des Funamentalismus relativieren (und sich vielleicht ma diese Wischi-Waschi Christen besser vorknöpfen, diese Häretiker ;))?

Von Lana hätte ich noch nen Artikel anzubieten: Und zwar geht es darum, wie ihre Eltern über den Heimunterricht zum Fundamentalismus kamen.  Für diejenigen, die hierzulade für die Legalisierung des Heimunterrichts werben sicher eine veritable Quelle, um aus den Problemen dort zu lernen und Systeme zu propagieren, die dem entgegenwirken.

Zum Thema Fundamentalismus paßt vielleicht auch der neuste Artikel von Michael Blume. Darin geht es um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, und wieso Menschen sich gegen „Gutmenschen“ und deren „political correctness“ sowie „Zigeuner“ oder sonstige Gruppen positionieren. Davon kommen wir alle wohl nicht ganz los. Umso wichtiger ist es IMHO, das zu reflektieren.

Wenn es beim Herrn Alipius um „political correctness“ geht, dann sehe ich da keine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit am Werk. Oder doch? Liegt meine Zustimmung zur Ablehnung der „political correctness“ wie sie hier erfahren wird, nämlich als Keule gegen konservativer denkende (und Handelnde) Menschen? Ich hab mich über die Abschaffung der Neger bei Pipi Langstrumpf auch geärgert. Andererseits ist es manchmal vielleicht nötig, Unterschiede „hochzujazzen“, weil sie mit bestimmten Sensibilitäten zusammenhängen. Alle einfach nur gleich zu behandeln, halte ich für falsch, wie ich schonmal geschrieben hatte. Allerdings würde ich auch lieber von gutem Benehmen sprechen, statt von political correctness. Selbst auf die Gefahr hin, daß einige unter „gutem Benehmen“ in Anschluß an frühere Zeiten vor allem Oberflächlichkeiten verstehen, wie Ellenbogen vom Tisch und so weiter. Aber vielleicht seh ich hier auch Probleme, wo gar keine sind.

Ein recht interessantes Projekt ist bei katholisch.de beschrieben (via). Da hat sich jemand die Mühe gemacht, Wortwolken aus den Büchern der Bibel zu erstellen. Das Ergebnis macht nen interessanten Eindruck und ich überleg mir echt, das Buch dazu zu kaufen. Achja, ne eigene Internetseite zu dem Projekt gibt es auch schon.

Eric Djebe ist bei seinem Basisdiskurs Religion bei Artikel 36 angelangt. Es geht um Quantenphysik, Wissenschaftlichkeit, Stochastik, Chaostheorie, und wie das alles mit dem Glauben zusammenhängt. Schwer zusammenzufassen, aber lest selbst.

Über die wahre Bedeutung des Apokalyptischen werden wir bei Biblische Ausbildung aufgeklärt.

Und bei Fire and Rain geht es um die „Homo-Ehe“.

Commenting Media, English

Satan’s 10 commandments to the homosexual lobby – reviewed

I’ve been writing about atheist criticism of religion or christianity recently, which could lead to the conclsion that I consider anything that comes from nonblelievers wrong, and anything that comes from believers right. Which is not so. I just ran across „Satan’s 10 commandments to the homosexual lobby“ (via). And I think this is a good opportunity, that I critisise bullshit, no matter where from. Note that this criticism comes from a fellow christian. Yes, I do believe in Christ, no less than you, and I still strongly disagree with the whole anti-gay movement, which in my opinion just hijacked religion to better fulfill their agenda. And it’s a pity that people (strong believing christians I might add) don’t read their bibles enough to see what bullshit they bought into. For a foreigner like me it is shocking to see what’s going on with a great part of christianity in the USA. But enough about that, let’s turn to the „commandments“, I’ll comment them one by one:

1) Always see your sexual opponent (anyone who rejects homosexual acts) as the enemy. Project what they see as your sexual disorder onto them by repetitiously calling them „homophobes“;

Now this appears to be just name calling back and forth. Both sides consider the other as the enemy as far as I can see. So it’s hard to decide whom to believe that the other had a sexual disorder. I wonder though how christians can take part in such name calling. Love thy neighbour anyone? And even start an article on the issue with such name calling. Love conquers all, but hate will be defeated!

2) Separate the act of sex from its natural purpose of procreation by referring to all homosexual relationships as expressions of „love“ rather than „lust“;

I wonder. If sex has the purpose of procreation, then homosexual sex isn’t sex, because no matter how har you try, you won’t procreate. So what is all the fuss about? And another question: What does all this love and lust have to do with it? Is lust evil and love okay? So it would be for homos and heteros alike, wouldn’t it? „God is no respecter of persons“ (Acts 10,34 – yeah, it’s fun tossing bible verses at fundamentalists, like defeating atheists with science;)). But then loveful homo(sexual) relationships would be okay, too. What about a married heterosexual couple being in bed together doing al but the one thing that leads to procreation. You know, tenderness and all that, because they love one another. Sin or not? And now what is different if it was a homosexual couple?

3) Fight to deny those who oppose homosexual acts their right to free of speech.

Okay, this must be an insider for US Americans. I don’t know what is referred here.

At the same time enforce your own right to free speech on others by copiously using the liberal media and other outlets to label your opponents every unsavory thing from „bigot“ to „idiot.“

I could be missing another point, but in how far is this different from using conservative media and other outlets to label opponents every unsavory thing from pervert to disgust?

Use the words „equality“ and „hate“ often and unrelentingly as if only you – the homosexual – understand their meaning.

Yeah, right. But only the fundamentalist right knows God’s will and how to read the bible…

If anyone objects, accuse them of discrimination.

Somehow reminds me on the deny of free speech part above…

Keep in mind that politicians and judges are your friends.

Who could forget that the liberals hold the majority in the house and the supreme court. Now, wait…

Many of them are openly practicing homosexuals and the rest, swayed by power and the almighty dollar, will do anything for your vote.

Like there was no practising fundamentalist among politicians and the GOP had never used the fundamentalist right to get their vote…

Remember, too, that in today’s politically correct and morally relativistic society there is no objective moral order and that it often takes only one civil judge to side in your favor for you to achieve your ends;

Okay, I know too little about the juridical system of the states to undertsand what that is supposed to mean…

4) Use the „race card“ unceasingly against your enemy by equating homosexual behaviour (which can change) with a person’s color (which, by one’s will alone, cannot). Most people don’t know the difference;

It’s right that colour don’t change, while everybody can refrain from sexual deeds of any form. But talking about the race card: Colour wasn’t the problem. If the „niggers“ had stayed in the place the racist society had for them, all would have been fine. Well, at least the whites. The problem with racism was that the black people wouldn’t refrain from complaining about their place in society, about all the lynchings that were bound to this very place in society, and about risking your life when speaking your mind. So, the problem about racism was all about changeable deeds as well. So if the gay people won’t just shut up and behave the way you want them to, they are not too far from the black people back then. By the way: In both cases their opponents used the bible to justify their racism/homophobia, didn’t they?

5) Build yourself up in the eyes of the indifferent masses – who are mere sheep – by claiming to be a modern person of tolerance and peace – one who is accepting of all. The people will believe you because in today’s materialistic word people are focused primarily on themselves and their own gain.

So this is accusing the people, right? Not the homosexuals. I wonder, if you think thus of the people, in how far you can support all those ideas of liberty and freedom in the US constitution (I heard there is at least some of it in there). If the peope are mere sheep and only focused on themselves, wouldn’t it be better to take the greater part of civil freedoms from them. Like speaking their egoistic sheep mind and such? And why let them vote anyways? Doesn’t this necessarily lead to decadence, chaos and decline? I really wonder how fundamentalists can support all those freedoms for the materialistic sheep masses. If they were consequent, they’d support dictatorship. Or at least some form of fundamentalist controlled oligarchy. What does it tell us about the honesty of fundamentalists when they pretend support of democracy while at the same time considering the people incapable of meeting the right decisions. By the way: Who has the majority in the house…?

Ridicule and undermine the intelligence of your more worthy opponents by resorting to ambiguity and sarcasm. Never resist a chance to claim that they are living in the „Dark Ages“;

Yes, this talk of the dark ages just does no justice – to the middle ages. I do consider all this fundamentalism a rather modern phenomenon. And it isn’t only there in christianity, you have it everywhere. But I agree that doing sarcasm is just unfair. Because you need some sense of humour for it, which most opponents of homosexuality just plain lack.

6) Act and speak as if homosexuals have a corner on the truth and that they alone – not their opponents – can demand of society what is right and wrong.

Gottfried Bernhard Göz: Jonathan greeting David after David killed Goliath
Gottfried Bernhard Göz: Jonathan greeting David after David killed Goliath

Okay, okay. Now I get it. The whole text is satire. It’s aimed against the fundamentalists themselves. Why else would they write down this while their fellow homophobes wave bibles and do tell society that only their way to read the bible will tell what’s right and wrong? Either it’s a satire, or they don’t listen to their own words. But well, the high priest of Jerusalem was prophetising about Jesus and not realizsing what he was saying, too. God works in mysterious ways sometimes…

Use every form of deceit imaginable including the use of straw man arguments and false scientific studies – anything that will appeal to the simpleton. Lie, deceive, put on a false front.

Anyone else thinking „Fox News“ now?

Pretend you are a friend. Talk of peace and brotherhood. Make pledges of co-operation and mutual assistance. In short, destroy your opponent with a kiss;

Love the sinner, hate the sin. Oh, wait…

7) Confuse the distinction between „hating the sin“ and „loving the sinner.“ This is an absolute must since everyone – especially parents – know the time-honored value of disciple and „tough love.“

Isn’t it more confusing when this love for the sinner is expressed by attacking them all the time for their sexualities, by not looking at them personally, but reducing them to this one part of their personality, what they do in bed? Is this the way you love the sinners in former administrations, who lied (God hates lies!) about weapons of mass destruction, which led to the death of thousands? Why those double standards? I mean, we are talking about love, right? Should there not be just one standard?

This can be effectively achieved by introducing special „anti-bullying“ laws into schools that aim at protecting homosexuals from the enemy. If you find that someone suspects your true motives and resists on the grounds that homosexuals should not be given special status in this regard or that such laws are merely an attempt to normalize homosexuality in society, use both the „equality“ and the „separation of church and state“ card against them;

Yeah, right, if homosexuals are being bullied, they do not deserve a special status, but if „christians“ are bullied, it’s at least christian persecution and the end of the world as we know it. I don’t know what’s wrong about equality. And speaking of the seperation of church and state over there: You have this law, like it or not. So before you complain, why not try to tear the wall of seperation down? Ah, right, because you don’t want the state to interfere in your religious groups. Well, tough luck.

8) Never lose sight of the fact that God is your ultimate enemy. Attack God and all religion as something oppressive, hypocritical and evil. This is easily done by take biblical quotes out of context to suit your own purpose and meaning. At the same time avoid all talk of the murderous regimes of atheists like Hitler and Stalin;

Hitler was baptised and never left the church. Just for the records. I wonder anyhow who is the enemy of God really. Because there is a reason why people consider God and religion as oppressive, hypocritical and evil. Maybe it’s because that’s the way His believers behave all day long? Talking about bible quotes out of context: The homosexual lobby, as you call it, does not use Leviticus to justify their homophobia. So who’s taking bible quotes out of context now. And yes, same applies to Romans.

9) Assure everyone that no religion will be made to suffer from societies‘ acceptance of homosexuality. Speak always and often of equality and co-existence. Claim, as a sham, snare, and illusion, that tradition marriage and homosexual marriage can live side-by-side in complete harmony.

I don’t see how this could not be possible. Oh, now I get it. I already hear Peter saying to Paul: „Darling, look at those heteros over there.“ – „Ew, they’re kissing, how disgusting!“ – „Perverts, I wouldn’t wonder they are doing it all the time.“ – „Someone has to call the cops…“

No really, I don’t see why this would not be possible. Actually it is reality in many countries already.

Dismiss as silly and unviable any attempt to show that the „Pill“ – which was introduced to separate and tear asunder the act of sex from the gift of life – has led to the disintegrated of the family.

Like all was harmony before the pill was introduced. Me weren’t beating their wifes and children, there was no cheating and all children were honouring their parents to no end.

At the same time, and wherever possible, work diligently behind the scenes to drag your religious opponent into court whenever his moral values even begin to clash with yours. Test and try every court until you find a judge who is your friend.

So there were no lawsuits about homosexual marriage, the pill and abortions? As I said, I’m not too deep into the US juridical system, but I am deeply impressed, if no one ever sued to stop abortion laws and the like.

Especially work on religious adoption agencies and church ministers who lecture on the evils of homosexuality and same-sex marriage in their sermons. Where this is not possible infiltrate the priesthood so as to corrupt religion from within,

Yes, there is a real problem with unercover ministers, who preach of hellfires nstead of the love of God… oh, wait…

10) Redefine joyful and well-established words and symbols like „marriage,“ „spouse,“ „gay“ and „rainbow“ and attach them to homosexual acts in order to give sin an innocent, natural and pleasing appeal.

Samson and the lion
Samson and the lion
Got some news for you: language is changing. Always. Awful one meant „full of wonder“, a demagogue was a „popular leader“ and a „guy“ was once a „chap“ or a „fellow“. Again: Homosexual acts are not sinful, the bible never says so. There are two verses referring to something we can’t translate properly nowadays, maybe anal intercourse between men is meant, maybe something else. This refers to the act and not the relationship, so if homosexuals practise their love (or lust if you so will) in another way, the verses don’t apply. Then there’s Paul in Romans 1, where he doesn’t write about homosexuality in the first place, but about sinfulness in the world, while he uses homosexuality (which was disapproved of in Rome, unlike Greece) as an example. Now if we follow Paul in his examples, there should also be no long haired men. So, Samson was a sinner like the homosexuals or what? And what about Jesus? Isn’t He depicted with long hair as well?

So, when the author writes in the beginning:

The Bible tells us that Satan has the ability to „appear as an angel of light.“

I’m not sure whom he is really talking about. There is still no one who could point out one harm of homosexuality to anyone. There is no one who could point out one clear bible verse on the issue. All I hear is cultural prejudice: „It’s always been this way, it cannot be different.“ Is that what Jesus preached to the poor and downtrodden?

Netzfunde

Netzfunde Karsamstag 2013

Auch heute wieder eine Ausgabe Netzfunde. Den Anfang macht ein Ostergeschenk. Und zwar werden bei Peregrinatio Bücher verschenkt. Selbst hab ich das nicht gelesen, und werd mir auch keins besorgen, weil Examen und so und genug anderes zu lesen. Also müßte ja noch eins mehr übrig sein 😉 Greift zu.

Von den Church Sign Epic Fails soll es zu Ostern zwei Ausgaben geben. Die erste davon gibt es schonmal hier.

Und dann ein Trailer.

Der Fim heißt „You’re Next“, und Kevin von Hellbound hat dazu nen Artikel über Girards mimetische Theorie, Opfer, Sündenböcke, 9/11 und das moderne Amerika geschrieben.

Der Tagesspiegel hat ein kurzes Interview mit Alexander Ebel (via), der sowohl mit eigenem Blog als auch mit dem Kirchenblog, bei dem er mitwirkt, hier rechts in der Blogroll steht.

Und noch ein Hinweis auf eine ähnliche Reihe wie die Netzfunde hier, nur ne ganze Nummer seriöser und regelmäßiger: Bei Theopop gibt es ne Reihe „Religion im Netz“, wo regelmäßig Seiten vorgestellt werden, die irgendwas mit Religion zu tun haben. Hier die aktuelle Ausgabe.

Achja, ein bißchen Papst kann ich auch noch. Da wär erst mal dieser Artikel der Associated Press (via) darüber, daß das Fußwaschen von Frauen für Traditionalisten ne ganz ganz böse Sache ist, und dann diese Antwort darauf (und auf anderes) von GetReligion.

Und dann sah ich noch dies beim ZDF und mußte lachen.

Uncategorized

Vergeßt den Skandal um den Kindesmißbrauch…

… katholische Erziehung ist viel schlimmer. So meint jedenfalls Vorzeigeatheist Richard Dawkins. Auf diese Formel verkürzt wurde ein Al Jazeera Interview mit Dawkins, etwa bei der Daily Mail (via). Ich habe das 47 Minuten-Video bei Al Jazeera gefunden und angesehen und ich finde, es ist durchaus wert, angesehen zu werden.

Der Vergleich von Kindesmißbrauch und katholischer Eriehung kommt etwa ab Minute 20, nimmt recht wenig Zeit ein, und Dawkins offenbart dabei ein recht unwissenschaftliches Vorgehen: Er bezieht sich auf einen Brief, den er von einer Amerikanerin erhalten habe. Dafür, daß er sonst so auf evidence pocht recht dünn.

Überhaupt macht er eine sehr schlechte Figur: Religion ist böse, weil sie der Grund für viele böse Dinge ist. Religiöse Individuen wie etwa Martin Luther King Jr. können allerdings auch Gutes tun. Interessant: Das eine sind Individuen, das andere ist die Religion an sich. Wobei er auch zugibt, daß Religion durchaus Gutes motivieren kann.

Irgendwie kommt er mir bei dem Hin und Her vor wie ein Fundamentalist im analogen Fall. Da sind die „bösen“ Anhänger dessen Religion (Selbstmordattentäter, katholische Erzieher…) auch immer nur Individuen, während die Religion an sich gut ist. Dawkins würde wahrscheinlich nicht zögern, dem Fundi genau dies vorzuwerfen…

Das schlimme an Religion ist übrigens der Glaube, weil der dazu führt, ganz böse Dinge zu tun und für Argumente verschlossen zu sein. Wobei er auch hier später zurückrudert und sagt, es gäbe zwar Argumente (bzw Streit, cf. engl „argument“), aber eben keine richtigen.

Ich habe den Eindruck gewonnen, daß Dawkins vor allem ein Problem mit dem Fundamentalismus hat. Würde er das so formulieren hätte ich damit kein Problem. Fundamentalismus mag ich auch nicht. Was Dawkins jedoch macht, auch wenn r immer wieder zurückrudert und nochmal in die gleiche Richtung startet, ist, daß er seine Vorstellung von Fundamentalismus auf alle Rleigion überträgt und selbst aber für Gegenargumente taub bleibt. So nimmt er natürlich wahr, daß seine Frau ihn liebt, das ist dann evidence, aber das gleiche Gefühl bezüglich eines Gegenübers zählt nicht, wenn es sich um Gott handelt, weil dieser Gott angeblich nur im Inneren existiere. Das Gefühl geliebt zu werden anscheinend nicht…

Ein letzter Punkt, der mich irritiert, war sein ständiges Reden von truth. Ich dachte bisher, Wahrheit gäbe es nur im Glauben, während die Wissenschaft mit Wahrscheinlichkeiten arbeite, doch Dawkins ist wohl der Meinung, daß er in der Lage wäre, mittels Wissenschaft tatsächlich zur Wahrheit zu kommen, was immer diese Wahrheit sein sollte.

Alles in allem sagt er recht wenig, außer daß er alle Religion für fundamentalistisch hält, daß er selbst durchaus fundamentalistische Ansätze hat (oder was soll die Rede von truth?) und die Welt ein besserer Ort wäre, wenn die Religion morgen verschwände, obwohl dann die Shoa bliebe, während viele Hilfsoranisationen weg wären…

Aber seht es Euch selbst an, es ist durchaus kurzweilig:

http://www.aljazeera.com/programmes/general/2012/12/2012121791038231381.html

Staat & Politik

Gleiches Recht für alle?

Um es vorweg zu sagen: Ich habe die Berichterstattung um das Urteil des BAG zum Streikrecht in kirchlichen Betrieben nur sehr sporadisch verfolgt und kenne das Urteil nicht. Dennoch möchte ich ein, zwei Gedanken mitteilen in Bezug auf den Artikel von Muriel. Muriel schreibt ziemlich am Anfang, daß es nicht um das Urteil des Gerichts gehe, da dieses sich auf geltendes Recht beziehe, während Muriel sich darauf beziehen will, wie es sein sollte. Auf dieser Grundlage will ich darauf eingehen. Um eine Meinung zu vertreten und zu begründen, wie die Dinge sein sollten, brauche ich keine Kenntnis eines aktuellen Gerichtsurteils. Ich werde nun einzelne Passagen von Muriels Artikel zitieren und dazu Stellung nehmen.

Muriel schreibt:

Ich halte das für völlig offensichtlich, und ich habe noch nie begriffen, warum Religionsfreiheit (die als solche ja ihre Berechtigung hat) das Recht einschließen sollte, sich nicht an dieselben Gesetze halten zu müssen wie Menschen, die nicht meiner Religion angehören.

Muriel unterstellt, daß hier nicht gleiches Recht für alle gelte, sondern ein Sonderrecht für die Religiösen (oder die Kirchen?). Dem ist freilich nicht so, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand. Es steht jedem Menschen frei, sich in Weltanschauugsgemeinschaften zu organisieren, wie es die Kirchen sind, aber eben auch diverse dezidiert nicht religiöse Gemeinschaften wie etwa der Humanistische Verband, der in Bayern sogar „Religionsunterricht“ organisiert. Alle diese Weltanschauungsgemeinschaften, die wie die Großkirchen oder der humanistische Verband als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, haben die gleichen Rechte und Pflichten. Dazu gehört unter anderem das Recht auf ein eigenes Arbeitsrecht. Damit ist noch nicht gesagt, ob das so jetzt gut ist oder nicht. Mir geht es hier lediglich darum, festzuhalten, daß „die Kirchen“ oder „religiöse Menschen“ hier eben kein Sonderrecht haben, sondern womöglich schlicht von ihren Rechten stärkeren Gebrauch machen als der humanistische Verband, oder die Zeugen Jehovas.

Man kann natürlich die Frage stellen, ob es gut ist, Rechtsformen für Gemeinschaften zu finden, ob wir den Staat lieber als einzig Rahmengebende Gemeinschaft etablieren wollen, oder (und?) ob wir Gemeinschaften vielleicht sogar als schädlich ansehen und uns statt dessen lediglich auf das Individuum konzentrieren in einer idealen Gesetzgebung. Das Thema dürfte durchaus ergiebig zu diskutieren sein, sprengt aber den Umfang dieses Artikels.

Warum sollte ein kirchlicher Arbeitgeber Dinge von seinen Mitarbeitern verlangen dürfen, die nicht auch jeder andere Arbeitgeber verlangen darf? Sicher, den Kirchen ist es wichtig, dass sie ihre Aufgabe, die Frohe Botschaft zu verkünden, vernünftig erfüllen können, und dabei stören Streiks natürlich. Na und? Coca-Cola ist es auch wichtig, ihre braune Brühe zu verkaufen, und das wäre für die bestimmt auch einfacher, wenn sie Ausnahmen von Rechtsvorschriften bekämen, die ihnen nicht passen.

Ich vermute einmal: Erklärtes Ziel von Coca Cola ist es, Gewinn zu erwirtschaften. Dies ist legitim und per se nicht zu kritisieren, zumindest so lange man an unserer Wirtschaftsform festhält (ich weiß, sie ist umstritten, und ich habe auch eigene Kritik daran, aber so lange keiner mit was Besserem kommt find ich die Marktwirtschaft nicht gar zu übel). Diakonische (bzw caritative) Unternehmen haben eine andere Zielsetzung, zumindest sollte dies so sein (und wo dies nicht so ist sollte man sich als Kirche um Verbesserung bemühen oder sich im Zweifelsfall trennen, und nicht warten bis weltliche Gerichte für etwas Gerechtigkeit sorgen).

Historisch gesehen – ich mag mich irren, aber ich geh erst al nicht davon aus – ging es bei diakonischen bzw caritativen Einrichtungen darum, daß etwa die Diakonissen quasi ihr Leben „opferten“ und es den Notleidenden widmeten. Die Tätigkeit wurde nicht als Arbeit im Sinne von Erwerbsarbeit verstanden, sondern als Dienst. Dieser Dienst wurde natürlich organisiert von einem Dienstherren, beiden ging es aber (zumindest im Ideal, aber wir sprechen ja von der idealen Geselschaft) um ien gemeinsames Ziel, nämlich die Sorge um eben die Notleidenden (und ja, bevor wieder einer meckert: wie Hilfe damals aussah deckt sich nicht zwingend mit dem, was wir heute als Hilfe begreifen, das ändert jedoch nichts an den guten Intentionen). Das Ziel ist also hier ein selbstloses, wenn man es auch nicht teilen mag, während es bei Coca Cola eigennützig ist, ebenso wie bei aller Erwerbsarbeit: Es geht darum, durch Arbeitsleistung Geld zu erwerben, das man zu eigenen Nutzen einsetzen kann, etwa um Rechnungen zu bezahlen und etwas zu essen zu kaufen.

Idealtypisch gehen die Kirchen wohl immer noch von der Dienstgemeinschaft aus in ihren Betrieben, auch wenn es kaum noch Diakonissen, Nonnen, Mönche oder Diakone gibt, die dort für ein Vergeltsgott dienen. Statt dessen hat die Erwerbsarbeit Einzug gehalten, zumindest in der Form, daß keine Zugehörigkeit zu einem Orden oder Mutterhaus mehr verlangt wird, sondern nur noch eine Kirchenmitgliedschaft. Darüber hinaus haben sich auch nichtkirchliche Einrichtungen etabliert, die teils ebenfals mit idealistischer Motivation, teils aber auch mit klaren Gewinnabsichten materiell gleichwertigen „Service“ anbieten (irgendwas sträubt sich in mir dagegen, bei einem kommerziellen Angebot von „Dienst“ zu schreiben).

Heute ist es nun so, daß vermehrt nur noch das Materielle gesehen wird, leider auch innerhalb der Kirche, und daß infolgedessen die Unterscheidung zwischen (selbstlosem) Dienst und (kommerziellem) Service immer weniger gesehen wird, jedoch auch immer schwieriger ist.

Insofern ist es freilich nicht einzusehen, wieso ein kirchlicher (oder humanistischer, oder… oder) Arbeitgeber Dinge verlangen kann, die ein „weltlicher“ Arbeitgeber nicht verlangen kann. Allerdings ist es einzusehen, daß ein Dienstherr, der einen Dienst definiert, auch festlegen kann, wie dieser Dienst nur auszuführen ist und was dafür vorausgesetzt wird. Dafür muß allerdings gewährleistet sein, daß Dienstherr und Dienender (schon wieder so ne Blockade, „Dienstleister“ zu schreiben, wenn es um Selbstloses geht) eben im selbstlosen Ziel einig sind.

Exkurs in die Praxis: Ich habe persönlich Schwierigkeiten, dieses Selbstlose in jedem diakonischen Betrieb erkennen zu können. Mein Einblick ist nicht allzu groß, muß ich dazusagen, jedoch habe ich den Eindruck, daß auch in der Diakonie (und der Caritas?) betriebswirtschaftliches Denken Einzug gehalten hat. Betriebswirtschaftlich zu denken ist kein Problem, wenn es darum geht, daß eine Mark auch nur einmal augegeben werden kann, und daß man mit den Mitteln haushalten muß. Es wird aber zum Problem, wenn das Finanzielle zum Eigenzweck wird, wenn es nicht mehr in erster Linie darum geht, Not zu lindern, sondern darum, den Betrieb „effizient“ zu führen und vielleicht noch ein klein wenig Gewinn zu machen, um für schwere Zeiten eine Rücklage zu haben. Daher frag ich mich schon seit längerem, ob Diakonie und Caritas nicht den Betrieb der Einrichtungen abgeben sollten (das speziell diakonische, also der Dienst, ließe sich vielleicht auch anders leisten), aber auch das ist eigentlich ein anderes Thema Ich schweife zu oft ab!

Das eine ist eine religiöse Aufgabe, das andere eine kommerzielle. Religiöse Menschen werden Ersteres je nach Neigung für viel wichtiger halten, und Letzeres für nachrangig, wenn nicht sogar unmoralisch. Ich halte Ersteres für schädlich, und Letzteres ist mir ziemlich egal, weil ich das blöde Zeug nicht trinke. Ihr seht das vielleicht wieder anders. So ist das nun mal, Menschen setzen unterschiedliche Prioritäten und haben unterschiedliche Interessen.

Okay, jetzt sind wir ziemlich bei den Grundagen, fast schon bei Ratzingers Relativismus. In der Tat, Menschen haben unterschiedliche Interessen. Manche wollen Brause verkaufen, andere den christlichen Glauben verbreiten, wieder andere wollen alle Juden ermorden oder zumindest die Demokratie abschaffen. Was ich damit sagen will: Ich gehe davon aus, daß die meisten wenn nicht alle Menschen sagen würden, daß einige Interessen berechtigt sind und andere nicht, gerne auch in bestimmten Abstufungen. Deshalb erlaubt unser Gemeinwesen (Staat) zwar die Verbreitung des christlichen Glaubens, während Mord schon verfolgt wird, wenn es sich nicht um Völkermord handelt. Und das ist gut so. Ich sehe keinen Grund, wieso wir uns nicht als Gesellschaft darauf einigen sollten, was wir als hinnehmbar ansehen und was nicht. Und vor allem: Aus welchem Grund. Ich finde, diese Frage korrespondiert auch mit der oben genannten Frage, ob wir den Staat als einziges Gemeinwesen wollen oder auch andere zulassen, um vielleicht eine größere Diversität zu ermöglichen. Wie gesagt, der ganze Fragenkomplex ist sicher spannend zu diskutieren. Unabhängig davon meine ich aber, daß Interesse alleine kein Grund dafür ist, alle möglichen Interessen gleich zu bewerten (das wäre dann wohl des Papstes Relativismus).

Trotzdem haben wir aus irgendwelchen Gründen immer noch Sonderregeln, die nur für religiöse Interessen gelten, nicht aber für kommerzielle, literarische, sexuelle, oder sonstige säkulare Vorlieben. Das ist Unsinn, und gehört abgeschafft.

Hat mit religiösen Vorlieben nix zu tun, wie oben erwähnt. Würde der Humanistische Verband ein Krankenhaus gründen, hätte er die selben Möglicheiten wie die Kirchen, ohne dezidiert religiöse Interessen zu verfolgen. So könnte er auch festlegen, daß in seinen Schulen nur Lehrer unterrichten dürfen, die bestimmte literarischen und/oder sexuelle Vorlieben teilen. Hier sehe ich keine Ungleichbehandlung. Allerdings scheinen mir die kommerziellen Vorlieben nicht ganz in die Auflistung zu passen, denn man kann mehrere literarische, sexuelle oder sonstige Vorlieben haben, es gibt da massig Vorlieben, die sich herausbilden können. Bei kommerziellen Vorlieben fällt mir nur die Liebe nach mehr ein. Eine Diversität zu konstruieren fällt mir hier sehr schwer. Vielleicht liegt hier die Antwort begraben, wieso kommerzielle Interessen nicht in der Art berücksichtigt werden wie etwa religiöse oder – allgemeiner – weltanschauliche Interessen.