Theologie

Predigt Ostermontag – 1. Kor 15, 12-20

Liebe Gemeinde,

an Ostern hat Christus den Tod überwunden. Der Teufel und seine Macht wurden gebrochen – entgültig. Seitdem befindet er sich auf dem Rückzug. Immer mehr Menschen glaubten an die Auferstehung.

Immer mehr Menschen wurden frei durch die Gewissheit: Was mir hier an Leid widerfährt, ist nicht das letzte Wort. Wir werden auferstehen.

Manchmal sagt man ja zu Kindern, wenn sie etwas für sie Unschönes erleben:

In ein paar Jahren lachst Du darüber.“

Als ich Kind war, fand ich diese Aussage furchtbar.

Es mochte zwar sein, daß sie stimmte – rückblickend war das zumindest in den meisten Fällen so – aber in dem Moment war ich im Leid, in dem Moment brauchte ich Trost, kein „Heile heile Gänsje“. Mein Leid als Kind war für mich echtes Leid, auch wenn die Erwachsenen schmunzelten. Und manchmal hätte ich mir gewünscht, ernster genommen zu werden in meinem Leid.

Deshalb widerstrebt es mir auch zu sagen:

Angesichts der Auferstehung, werden wir über unser heutiges Leid einmal lachen. Das wäre zynisch.

Wenn ich mein früheres Leid bedenke mag es stimmen – was hat mich damals als Kind und Jugendlicher nicht alles bedrückt, was habe ich mir Sorgen gemacht über Noten, die Versetzung… Liebeskummer… und tausend andere Dinge.

Und trotzdem, auch wenn wir später, wenn wir uns in Gottes Reich wiedersehen, nicht lachen werden: wir werden es ins Verhältnis zu unserem Glück dort setzen. Und dann wird es uns nicht mehr bedrücken, dann wird es überwunden sein.

Der Teufel ist besiegt, die Tod überwunden, und er befindet sich auf dem Rückzug. Aber er ist noch nicht ganz weg. Er versucht immer noch, unser Glück zu zerstören, unsere Freiheit einzuschränken, abzuschaffen. Er versucht, uns wieder gefangen zu nehmen, mit allerlei Leiderfahrungen, die er uns beifügt.

Gestern gab es wieder einen großen Sprengstoffanschlag in Pakistan. In einem Park in der Stadt Lahore ging eine Bombe hoch. Unter den dutzenden Todesopfern und hunderten Verletzten waren besonders viele Frauen und Kinder – und besonders viele Christen, die im Park das Osterfest feiern wollten. Wie jäh hat der Haß die Freude zerrissen!

Ziel des Anschlags war es, so habe ich gelesen, besondern viele Christen zu erwischen. Und spätestens diese Nachricht läßt den Zorn in mir kochen, auf diese elenden Terroristen, diese verdammten Menschenhasser, die ihre Ideologie durchzusetzen versuchen, indem sie unschuldige Familien terrorisieren und ermorden, die ein Freudenfest – das höchste Fest im Jahr – feiern wollen!

Was für ein Abgrund von Verachtung, Haß und Niedertracht!

Und ich bin froh, bevor ich in meiner Wut soweit gehe, den ganzen Islam verantwortlich zu machen, stellt sich mir eine Frage:

Was ist das für eine Ideologie?

Und wie ich so nachdenke, kommt mir die Antwort in den Sinn: Es ist die Ideologie von Sünde, Tod und Teufel. Die Besiegten konnten die Feier des Sieges nicht ertragen, und schlugen zu.

Die Ideologie des Todes ist die Hoffnungslosigkeit, die Isolierung der Menschen, das Leid. Das soll erreicht werden. Das versuchen auch alle Terroristen und alle Diktaturen zu erreichen: Die Menschen kontrollieren, indem man sie voneinander trennt, Mißtrauen sät, und möglichst alle Hoffnung auf eine Besserung nimmt.

Wo diese Ideologie erfolgreich ist, muckt keiner mehr auf, weil er gar nicht die Hoffnung hat, daß sich irgend etwas bessern könnte.

Wo diese Ideologie erfolgreich ist, werden Menschen zu Mitläufern, die selbst Zwietracht säen, die selbst versuchen, andere zu kontrollieren und ihnen die Hoffnung zu nehmen.

Sie meinen, so hätten sie Macht, so hätten sie die Kontrolle und damit ein wenig Freiheit. Doch in Wirklichkeit sind auch sie Gefangene.

So wie die Terroristen von Daesh und Al Qaida. Sie meinen, sie würden Gott einen Gefallen tun, indem sie Haß und Leid verbreiten. Und diesen Gott, der ihrer Meinung nach sich über Terror und Gewalt freut, nennen sie dann noch barmherzig! Sie sind Gefangene ihrer eigenen Ideologie. Wie groß ihre Freiheit ist können sie selbst in dem Moment erkennen, wo sie sagen: Nein, ich werde mich nicht in die Luft sprengen. Ich will lieber mit meiner Familie heute mittag picknicken, oder wandern gehen. Ich will lieber nach meinen alten Eltern sehen. Ich will lieber im Garten arbeiten, damit wir im Sommer mit Freunden und Verwandten seine Früchte genießen können.

Wer als Terrorist sich so äußert wird schnell merken, welche Kontrolle, welche Macht, welche Freiheit er wirklich hat. Nicht einmal Bin Laden hätte sich so äußern können. Ihm hätte das Schicksal gedroht wie jedem Aussteiger aus organisierter Kriminalität und anderen Haßgruppen. Solche Menschen müssen damit rechnen, ermordet zu werden. Und oft gelangen auch ihre Familien ins Kreuzfeuern.

Wahre Freiheit ist das nicht.

Doch welche Macht hat diese Ideologie von Sünde, Tod und Teufel, wenn es eine Auferstehung gibt? Welchen Druck kann man mit Morddrohungen auf jemanden auswirken, der daran glaubt, daß er wieder aufstehen wird?

Der Glaube an die Auferstehung ist das Subversivste, was es gibt. Dieser Glaube reißt letztendlich alle Macht- und Kontrollsysteme ein, weil sie ihre Druckmittel verlieren. Wer den Tod nicht zu fürchten braucht, weil er weiß, daß er überwunden ist, der ist nicht mehr zu kontrollieren. Der ist frei.

Frei Gutes zu tun, weil ihn keiner hindern kann. Frei Gutes zu tun, weil er es kann und keinen Grund mehr hat, Böses zu tun. Wieso niederträchtig sein und Menschen bedrücken, wenn man ihnen auch eine Freude tun kann?

Um das zu verhindern, versucht der Teufel – oder das Böse, wenn man nicht so altmodisch vom Teufel sprechen will, immer, die Hoffnung auf die Auferstehung zu nehmen. Sie zu erschüttern, mit welchen Mitteln auch immer.

Dann wäre es das für die Menschen, deren Leiber in Lahore zerfetzt wurden, gewesen. Dann würde das Leid gewinnen.

Aber Christus ist auferstanden! Lassen wir uns da nicht beirren.

Im Predigttext gestern wurde die Liste der Zeugen genannt: Petrus, Jakobus, die Jünger und Apostel und viele viele mehr, sie alle hatten den Auferstandenen gesehen!

Und dieses Ereignis hat die Welt verändert! So weit, daß es heute rund 2 Milliarden Christen gibt auf der Welt – und die Zahl steigt! Hätten die ersten Christen den Glauben so verbreiten können, wenn sie nicht voll und ganz selbst überzeugt gewesen wären, daß das, was sie erzählten, auch stimmt? Auch ihnen drohte Folter und Tod!

Trotzdem haben sie die Nachricht verbreitet. Auch Paulus. Und der hat in unserem Predigttext heute noch einmal vehement klar gemacht, daß ohne die Auferstehung alles umsonst ist. Wenn es keine Auferstehung gibt, wie einige der Korinther meinten – und so weit weg sind sie da ja nicht vom modernen Denekn unserer Zeit – dann ist alles umsonst, dann ist der Glaube umsonst, dann ist keiner gerettet.

Unser Glaube steht und fällt mit dem Glauben an die Auferstehung. Aber Christus ist auferstanden, deshalb steht der Glaube – und fällt nicht!

Und das gibt Hoffnung, ganz konkret hier und jetzt. Das gibt Kraft zur Subversion, gegen die Mächte des Bösen.
Jesus ist für seine Verfolger und Mörder ans Kreuz gegangen. Und wie gehen wir mit unseren Feinden um?
Gewalt läßt sich nicht mit Gewalt überwinden. Nur Liebe, in der Hoffnung auf die Auferstehung zum Äußersten bereite Liebe, überwindet den Haß.
Die zerfetzten Leiber von Lahore sind nich der Endpunkt. Sie sind nur ein Tiefpunkt, wie das Kreuz im Leben Jesu. Nach dem Tod kommt die Auferstehung.

So bin ich auch irgendwann über meine Wut hinweggekommen. Und ich bekam nun auch Mitleid mit den Terroristen.

Was sind die Terroristen doch für arme Menschen! Die ermordeten Christen auch, doch die haben Ostern gefeiert. Die wußten – und in den Bedrängten Kirchen des Mittleren Ostens ist das Bewußtsein der Auferstehung aufgrund der Bedrohung präsenter als bei uns – daß sie auferstehen würden. Daß die Gewalt der Terroristen nur eine zeitliche Trennung bedeuten kann, so schmerzlich diese auch ist.

Aber die Terroristen? Auch sie glauben an eine Ewigkeit bei Gott, von dem sie in ihrer Verblendung meinen, er würde gut heißen, was sie tun. Und trotzdem müssen sie ihre Familien zurücklassen, und kann sich einer von Ihnen vorstellen, daß eine Mutter oder ein Vater bei ihren Kindern solche terroristischen Handlungen gutheißen könnte? Die Terroristen wissen das, und sie wissen um den Schmerz, den sie ihren Lieben zufügen – zufügen müssen, weil sie gefangen sind.

Was sind das doch für arme Menschen! Und wenn es ganz schlimm kommt, dann kennen sie nicht nur die haßerfüllte Propaganda ihrer Führer, sondern auch den Koranvers, nach dem jeder, der einen Menschen tötet so ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und dann können sie sich denken, was in dieser Ewigkeit, an die auch sie glauben, auf sie wartet.

Was sind das doch für arme, bemitleidenswerte Menschen, die die Ewigkeit verbringen müssen mit dem Wissen um all das Leid, das sie den Menschen zugefügt haben!

Meine Hoffnung ist, daß sie in der Ewigkeit Christus treffen, und er sie wie alle Menschen mit Gott versöhnt und mit ihren Opfern. Und daß der Heilige Geist den Angehörigen der Opfer wie der Täter beisteht in ihrem Schmerz, damit alle Kinder Gottes, auch die verlorenen, mit ihm die Ewigkeit in inträchtiger Liebe zusammen verbringen können.

Amen.

Religion

Mit den Waffen des Lichts gegen die Mächte der Finsternis

Die Predigt von letztem Wochenende. Predigttext war Röm 13, 8-12

Liebe Gemeinde,

mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben. Und wenn wir momentan die Nachrichten einschalten: Finsternis haben wir zur Genüge: Beirut, Paris, Brüssel, Bamako, aber auch Hannover. Al Quaida und Daesh, wie man den IS auch nennt, verbreiten Angst und Schrecken, zunehmend nun auch bei uns. Aber auch Heidenau, Dresden, Berlin: Von Ablehnung bis zum offenen Hass gehen viele Reaktionen auf die Flüchtlinge.

Wenn wir ins Internet schauen, in die sozialen Medien, dann kann man den Eindruck bekommen, dass viele Menschen dem Hass erlegen sind. Man findet einerseits die Propaganda von Daesh, Videos und Texte dieser Verbrecher, eingestellt um Angst zu verbreiten und Terror zu erzeugen. Auf der anderen Seite werden Horrorgeschichten über kriminelle Flüchtlinge erfunden oder aufgebauscht, vielleicht hier und dort auch ein Missverständnis hochgespielt.

Ein Beispiel: In einem Gespräch letzte Woche wurde mir erzählt, dass in einer Unterkunft irgendwo in der Pfalz Flüchtlinge die Heizung hochgedreht und gleichzeitig das Fenster offen gelassen hätten. Und dann wurde sich aufgeregt, wie DIE UNSER Geld verschwenden. Man hätte auch hingehen können und auf das Problem aufmerksam machen. Ich erinnere mich, dass in meiner Schulzeit dieses Verhalten von Seiten der Schüler auch existierte. Außer einem Badener und einem DDR-Flüchtlingskind hatten wir niemanden mit Migrationshintergrund in der Klasse.

Liebe Gemeinde, mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben. Mit was dann? Manchmal betreibe ich im Internet Couterspeech. Als vor einer Weile die großen Medien auf die Hasskommentare im Internet aufmerksam wurden, hatte man das als Umgang damit empfohlen: Einspruch erheben gegen diese Hasskommentare, Gegenbeispiele aufzeigen, den Hass nicht unwidersprochen stehen lassen. Ich kann Ihnen so viel berichten: Es kostet viel Zeit und viele Nerven, und ich bin sehr skeptisch ob ich bei irgend jemandem durchgedrungen bin. Viele haben mich auch einfach blockiert, mich auf stumm gestellt, damit sie die entgegengesetzte Meinung gar nicht erst hören müssen und ganz ehrlich: Ich kann es nachvollziehen: Auch ich blockiere Leute, die mich mit ihren Nachrichten nerven. Ich gebe mir Mühe, offen für andere Ansichten zu bleiben, aber irgendwann kann ich das nicht mehr. Wir Menschen tendieren dazu, uns voneinander abzuschotten, wenn wir verschiedener Ansicht sind.

Oder wir gehen aufeinander los. Die Polizei hat mitunter Schwierigkeiten bei politischen Demonstrationen rechte und linke Demonstranten zu trennen, aber auch bei Fußballspielen kommt es oft zu Gewalt zwischen den Anhängern gegnerischer Mannschaften. Als ob die Niederlage auf dem Platz durch eine Schlägerei vor dem Platz wettgemacht werden könnte.

Und wir schaukeln einander hoch.

Haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, dass Sie sich gestritten haben und gar nicht mehr so recht wissen, womit es eigentlich los ging? Irgendetwas gibt den Ausschlag, dass ich mich aufrege und austeile, und prompt bekomme ich eine nicht weniger gepfefferte Antwort und so ergibt ein Wort das Nächste und man kommt immer weiter rein in den Streit, bis man gar nicht mehr weiß,um was es ursprünglich ging.

Unser Verhalten zieht auch Kreise:

Ein Gerät funktioniert nicht, ich rufe die Servicenummer an und der Computer am anderen Ende der Leitung macht mich fast verrückt, weil mein Hochdeutsch wohl doch etwas zu pfälzisch klingt und er mich nicht versteht. Wenn ich dann endlich einen Menschen am Telefon habe, bekommt der meinen gesamten angestauten Frust ab. Dieser Mensch kriegt in seiner 10 Stunden Schicht so viele Wutausbrüche ab, dass es ihn so belastet, dass er krank wird und ausfällt. Schließlich verliert er seine sowieso schon schlecht bezahlte Stelle. Seine Eltern machen sich daraufhin Sorgen, der Vater ist womöglich Industriemeister und lässt seinen Frust bei seinen Arbeitern ab. Einer davon macht sich daraufhin Sorgen, nicht in eine Feststelle übernommen zu werden, ist gedanklich nicht bei der Sache und verursacht vielleicht einen Unfall mit dem Gabelstapler. Und so zieht meine Wut immer weitere Kreise und verursacht immer mehr Leid.

In diesem Beispiel merkt man, wie auch Angst eine Rolle spielt in diesen Mechanismen: Angst kann verunsichern und so auch zu zweifelhaften Taten führen. Angst, den Beruf zu verlieren, Angst, schlecht dazustehen vor dem Chef, vor dem Partner, vor den Kindern. Angst vor Fremdem, Angst vor Kriminalität, Angst vor Veränderung. Angst vor dem Tod. Angst kann dazu führen, dass man unbesonnen und extrem reagiert, ob die Angst begründet ist oder nicht. So fürchten sich offenbar viele Menschen vor den Flüchtlingen und setzen ihre Hoffnung deshalb auf Populisten. Einige wenige greifen sogar zur Gewalt gegen Flüchtlinge. Andere Menschen haben so viel Angst vor rechten Gewalttätern, dass sie selbst zur Gewalt gegen alle greifen, die sie für rechts halten. Damit die Gewalt der anderen nicht überhand nimmt, setzen sie ihre eigene Gewalt dagegen.

Es ist wie Friedrich Schiller im Wallenstein beschreibt: Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären. Und irgendwann kommt man so zu Krieg und Terror.

Die böse Tat oder das böse Wort pflanzt sich fort, zieht immer mehr Menschen in Mitleidenschaft auf seinem Weg. So läuft das seit Jahrtausenden und es ist angesichts dessen ein Wunder, dass es nicht noch schlimmer zugeht auf der Welt, dass es nicht noch finsterer ist.

Mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben, liebe Gemeinde, Finsternis kann immer nur Finsternis hervorbringen.

Und in dieser ganzen Finsternis, die uns umgibt, hören wir jetzt in Bibelversen, Gebeten und Liedern davon, dass ein König kommen soll. Wir sind im Advent, was wie Pfarrer Funke sicher schon mehrfach erklärt hat Ankunft bedeutet und sich auf die Ankunft Jesu Christi auf der Erde bezieht. Ein süßes kleines Kind in Bethelhem im Stall, ganz idyllisch zwischen Ochs und Esel.

Darüber vergessen wir leicht, dass ein König jemand mit außerordentlicher Macht war, der seine Macht auch durchzusetzen wusste. Also ziemlich das Gegenteil von einem süßen kleinen Kind in beschaulicher Postkartenidylle.

Die Postkartenidylle täuscht daher ein wenig darüber hinweg, wer dieser Jesus ist: Ein mächtiger König, der direkt vom Himmel kommt, der unglaubliche Macht hat und auch eine klare Vorstellung davon, was Recht ist und was Unrecht. Auf die Ankunft dieses Königs bereiten wir uns im Advent vor. Was haben wir da zu erwarten, bei dem ganzen Leid, das unsere Taten nach sich ziehen?

Sind wir doch einmal ehrlich: Würden wir, wenn wir als Könige in so ein Chaos kämen, nicht unsere ganze Macht daran setzen, diese Taten zu unterbinden? Würden wir nicht zu Zwang und vielleicht sogar Gewalt greifen, um die Fortpflanzung der bösen Taten zu begrenzen? So wie die Polizei im Zweifel Gewalt anwendet, wenn sie Recht und Ordnung durchsetzt?So wie die Mächtigen dieser Welt immer wieder zum Mittel des Krieges greifen, nicht nur um die eigenen Interessen durchzusetzen, sondern auch um Völkermorde zu beenden und Sicherheit für Minderheiten und Unterdrückte zu gewährleisten?

Liebe Gemeinde, mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben. Wie Finsternis immer nur Finsternis gebirt, wie böse Taten immer nur böse Taten gebären, so gebirt auch Gewalt immer nur Gewalt, Hass immer nur Hass, Angst immer nur Angst.

Wie durchbricht man die Gewalt-, Hass- und Angstspiralen? Wie besiegt man die Finsternis? Nicht mit mehr Angst, Hass und Gewalt, nicht mit mehr Finsternis, sondern mit Licht, mit dem Gegenteil von Angst, Hass und Gewalt: Mit Liebe und Vertrauen.

Counterspeech zu betreiben, das habe ich bei meinen Versuchen erfahren, erfordert viel Kraft. Nämlich Kraft, die Beleidigungen, die einem an den Kopf geworfen werden, wegzustecken und bei der Antwort an der Liebe festzuhalten, und nicht die Spirale weiterzudrehen. So nimmt man dem Gegner irgendwann den Wind aus den Segeln und kommt vielleicht an den Punkt, wo man ganz offen miteinander ins Gespräch kommt und sich wirklich etwas ändert.

Überhaupt, wenn man es schafft, die Hass und die Gewalt, die man selbst erfährt, nicht weiterzugeben, unterbricht man die Fortzeugung der bösen Taten und Worte. Auch wenn es viel Kraft kostet: Die Welt wird ein wenig heller.

So hat auch Jesus angefangen, die Welt heller zu machen. Er hat alles auf sich genommen, die Gewalt nicht weitergegeben, selbst als es um sein Leben ging.

Die Kraft dazu schöpfte er aus seinem Gottvertrauen. Sein Glaube war stark genug darauf zu vertrauen, dass Gott ihn letztendlich nicht fallen lassen wird,dass alle seineAnstrengung und alles Leid, das er erfahren muss, nicht umsonst gewesen seinwird. Weil er die Gewalt, die er erfuhr, nicht weitergeben musste, war er der letzte, der die Spirale durchbrach. Diese Gewalt, dieser Hass zog keine Kreise mehr.

So besiegte er die Finsternis. Mit dem Licht der Liebe und der Kraft des Glaubens. Und nun bereiten wir uns darauf vor das Fest der Ankunft dieses Königs zu feiern. Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung, der Selbstprüfung.

Habe ich diesen Glauben? Kann ich darauf vertrauen, dass Gott mir beisteht und ich nicht fallen lassen wird? Habe ich die Kraft, die Werke der Finsternis abzulegen und nicht weiter an den Hass- und Gewaltspiralen zu drehen?

Was hindert es dann, mich dem König in seinem Kampf gegen die Finsternis anzuschließen?

Auch wenn ich nicht jede Schlacht gewinnen kann, weil ich ein Mensch bin und immer wieder Zweifel habe, so trage ich doch mit jedem Sieg dazu bei, die Welt ein wenig heller zu machen und das Reich des Königs aufzurichten, indem ich die Waffen des Lichts aufnehme und wie Paulus im Predigttext schreibt das Gesetz erfülle und Liebe übe?

Theologie

Predigtkommentar

Predigen ist eine gefährliche Sache. Viele Menschen hören einem zu und glauben das, was man sagt. Als Prediger hat man eine gewisse Autorität, manches wird ungeprüft geglaubt, weil es „der Herr Pfarrer“ sagt.

Es ist nicht verkehrt, sich das als Prediger bewußt zu machen und ich bin mir bewußt, daß auch ich in meinen Predigten immer wieder in diese Gefahr komme und in die Falle tappe. Ich bin, wie alle anderen Menschen auch, ein Sünder.

Christina machte mich in einem Kommentar auf diese Hörpredigt aufmerksam (leider habe ich keinen Link zum geschriebenen Text). Mein Eindruck ist, daß der Prediger gut auch gute Absichten haben kann, ich denke aber ebenso daß er seine Gemeinde verführt (und zwar schon durch die abwertenden Sprache, die er zum Teil benutzt, um die Flüchtlinge zu bezeichnen; es kommt mehrmals der Begriff „Horden“ etc).

Ich möchte diesen Blogartikel benutzen, um in brüderlicher Verbundenheit auf ein paar Probleme hizuweisen, die mir beim einmaligen Hören der Predigt (den Text vorliegen zu haben würde es mir hier freilich einfacher machen) aufgefallen sind. Am Ende muß sich freilich jeder selbst ein Bild machen, den vor Gott werden wir dereinst alleine stehen, ohne uns auf einen Papst oder Lieblingsprediger berufen zu können.

Ich habe mir beim Hören Notizen gemacht und werde darauf antworten. Das wird leider sehr bruchstückhaft sein. Ich möchte entscheidende Aussagen der Predigt überprüfen und mein jeweiliges Ergebnis vorstellen.

Der Prediger stimmt der Aussage zu, daß Christen alle Menschen lieben, fragt aber, ob dies bedeutet, daß wir alle Menschen in Deutschland aufnehmen müssen, die kommen. Darauf antwortet er mehrfach, zuerst mit einem Beispiel:

Ein Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche soll 200 Flüchtlinge aufnehmen, weil der Hausbesitzer sie alle liebt. Er stellt fest, daß die 200 Menschen zwar in das Haus hinein passen würden, daß es aber schnell zu Chaos führen würde, weil es doch zu wenig Platz zum Leben ist, und spätestens wenn weitere 500 Flüchtlinge ins Haus wollen, geht gar nichts mehr.

Das Beispiel ist sehr anschaulich, es ist nachvollziehbar, und es ist Quatsch. Nachvollziehbar ist es, weil es tatsächlich irgendwann dazu kommt, daß eine bestimmte Fläche zu viele Menschen beherbergen muß. Quatsch ist es, weil die Menge der Flüchtlinge pro m² in Deutschland nicht annähernd den Wert auch nur erreichen kann, der im Beispiel angenommen wird.

Wenn ein Haus 100m2 hat und darin 4 Personen (Papa, Mama, Sohn, Tochter) leben, dann hat jeder 25m². Wenn 200 Personen in dem Haus leben, sind das pro Person nur noch 1/2 m².

2013 standen in Deutschland pro Person im Durchschnitt 45m² zur Verfügung. Bei 80 Mio. Menschen. Um auf 1/2 m² wie im Beispiel mit dem Haus zu kommen, müßten 90 Mal (45:90=1/2) so viele Menschen hier wohnen, also 89 x 80 Mio. = 7,12 Mrd. Flüchtlinge hierher kommen. Das wäre fast die ganze Weltbevölkerung! So viele Menschen kommen sicherlich nicht, auch nicht in den nächsten 100 Jahren! Und es geht auch nur um den momentan (bzw. 2013) bestehenden Wohnraum. Wenn mehr Wohnungen gebaut werden bzw. leerstehende Wohnungen wieder genutzt werden, dann müßten noch mehr Menschen hierher kommen, um auf den 1/2 m² zu kommen, den der Prediger in seinem Beispiel bringt.

Ergebnis: Er übertreibt maßlos und provoziert damit Ängste. Zuletzt war die Rede von 1 Mio. Flüchtlingen pro Jahr. Sind wir einmal großzügig und gehen wir von 5 Mio Flüchtlingen pro Jahr in den nächsten 10 Jahren aus, dann wären das 50 Mio Flüchtlinge zusätzlich zu den 80 Mio. Einwohnern. Und gehen wir der Einfachkeit davon aus, daß niemand in der Zeit stirbt und keine neuen Wohnungen gebaut werden (was Unsinn ist, weil immer neue Wohnungen gebaut werden).

Dann hätten wir 130 Mio Menschen auf den 3,6 Mrd m² Wohnfläche (80 Mio. Einwohner x 45m² pro Einwohner 2013), das ergäbe dann 27,69m² pro Person. Imer noch mehr als in der „guten alten Zeit“ 1965, als jedem im Schnitt 22,3m² zur Verfügung standen.

Und es ist immer noch mehr als zur Verfügung steht, wenn in dem genannten Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche zwei Erwachsene mit zwei Kindern wohnen.

Das sollte deutlich zeigen, in welche unverantwortlicher Weise hier Ängste geschürt werden. Ja, die Flüchtlinge leben derzeit in den Heimen auf engem Raum und das führt zu Unruhe, mitunter auch zu Gewalt. Es wäre aber ein leichtes, hier einfach neue Ressourcen zu schaffen. Im Moment mag es überall knirschen, aber wenn es drauf ankommt können auch schnell neue Gebäude gebaut werden, man muß es nur wollen.

Der Prediger sagt, jeder denkende Christ müßte auch ohne Bibel sehen, daß der Zuzug Chaos bedeute und der Teufel sich ob des Chaos die Hände reibe. Nun, ich erinnere mich ohne Bibel daran, daß man das Böse mit Gutem überwinden soll und daß der Teufel und das Chaos nicht vor der Liebe bestehen werden. Zumal wir im Zweifel unser Kreuz auf uns nehmen und keine Angst haben sollen, auch wenn uns Leiden vorausgesagt sind.

Nun sagt der Prediger, daß die Nächsten- und Feindesliebe ja ganz toll sei, daß aber diese in den persönlichen Bereich gehöre, aber nicht in die Politik, sie gelte also nicht für den Staat resp. das ganze Volk.

Mich erinnert diese Unterscheidung ein wenig an die Eigengesetzlichkeit, die lutherische Theologen aufgrund der Zwei-Reiche-Lehre machen zu können meinten. Die ist liberale Theologie at its  best (und das in der Predigt eines freikirchlichen Predigers!) und hat uns im letzten Jahrhundert die theologische Rechtfertigung des NS Staates eingebracht – heute sollte klar erkennbar sein, daß es sich hier um eine Häresie handelt!

Mit dieser Differenzierung zwischen Politik und privatem Bereich, in dem alleine Feindes- und Nächstenliebe gelten soll kommt der Prediger dazu zu sagen, daß all die Forderungen von Liebe gegenüber Nächsten und Fremden nicht bedeuten, daß ein Volk Fremde aufnehmen solle.

Im NT habe die Gemeinde keine politische Macht gehabt, deshalb sei es auch immer um den persönlichen Breich gegangen und nicht um die Politik. Um die ginge es dagegen im AT.

Dem würde ich sogar zustimmen, das AT hat in viel größerem Maße auch die Staats- oder Gesellschaftsebene im Blick als das NT. Allerdings – und da begeht der Prediger den Kategorienfehler, den er anderen vorwirft – wird im AT eine Theokratie beschrieben, und kein moderner Rechtsstaat. Wie dieser funktioniert finden wir nicht direkt in der Bibel. Auch wie eine Demokratie funktioniert steht dort nicht geschrieben. Trotzdem macht er Rechtsstaat und Demokratie stark, als positive Gegenbeispiele zur Theokratie, die der Islam angeblich fordere. Nun, wenn man in die Bibel, speziell ins AT sieht, dann ist es dort eben auch die Theokratie und nicht die Demokratie, die gefordert wird.

Er gesteht zwar ein, daß man das AT nicht 1:1 übertragen könne, daß es aber doch Vorbildfunktion hätte. Allerdings würde ich anfügen, daß man dabei aufpassen muß, was man überträgt: Die Theokratie, die er offenbar auch nicht will (sonst würde er den Islam dafür kaum kritisieren können), oder die Forderungen Gottes, die auch für ein demokratisiertes Volk im Rechtsstaat gelten?

Mit Verweis auf Röm 13 (komischer Weise NT) und andere Bibelstellen hält er fest, daß der Staat dem Bösen nicht freien Raum lassen dürfe. Allerdings fordert das auch niemand. Keiner fordert, das staatliche Gewaltmonopol (das Schwer in Röm 13) abzuschaffen. Ein Flüchtling unterliegt den gleichen Gesetzen wie wir und für deren Einhaltung ist ebenso die Polizei zuständig. Falls dies nicht geschieht, ist das ein Grund, unsere Polizei besser auszustatten oder sie dazu anzuhalten, ihre Arbeit zu erledigen, es spricht aber nicht dagegen, Flüchtlinge aufzunehmen.

Der Prediger sagt, daß der Staat die Pflicht habe, sein Volk vor dem Bösen mit Gewalt zu schützen. Dem würde ich gr nicht einmal widersprechen. Allerdings frage ich mich da: Was ist das Böse? Sind das Menschen? Gab es da nicht einmal die Unterscheidung zwischen Person und Tat im Christentum: Liebe den Sünder, hasse die Sünde?

Die Flüchtlinge sind ja nicht per se böse. Womöglich gibt es Flüchtlinge, die Böses tun. Dafür ist die Polizei da, dafür trägt die Obrigkeit das Schwert, wie Paulus feststellt. Damit ist dann aber auch alles gesagt in der Sache.

Den Kern seiner Predigt machen die Passagen zur Unterscheidung von Fremdling und Fremder aus. Der Fremdling, nach dem Prediger ein Proselyt, hebr. als Ger bezeichnet, sei ein Mensch, der den jüdischen Glauben angenommen habe und folglich als Einheimischer, als „Jude mit Migrationshintergrund“ zu behandeln sei: Ohne Unterschied zu anderen Juden.

Der Fremde hingegen, der die Gebräuche des Landes nicht annehme, sei eher als Feind zu behandeln. Für ihn gelten auch diverse soziale Leistungen nicht. Zu diesem hielte Israel deutliche Distanz.

Zu den Begrifflichkeiten verweise ich einfach auf zwei Artikel im Wibilex:

Proselyten (AT)

Fremder (AT)

Das Problem hier ist, daß Israel im AT nicht nur eine religiöse Gemeinschaft wie die Kirche bezeichnet, sondern eben auch einen Staat, der theokratisch-monarchisch regiert wird.

Wenn wir die Theokratie nicht wollen, dann müssen wir alles aussondern, was theokratische Forderung ist. Und theokratisch sind vor allem die Forderungen nach Reinheit des Volkes vor anderen Religionen.

Die freiheitliche Demokratie, in der wir leben, kann keine Religionen ausschließen wie es die altisraelitische Theokratie konnte. Heute könnte niemand mehr auf staatlicher Ebene etwas dagegen sagen, daß Salomo seinen Frauen einen Götzentempel baut. Das sind heute Fragen der privaten Frömmigkeit, also des Bereichs, in dem laut dem Prediger auch Nächsten- und Feindesliebe gelten.

Die abweisende Haltung den Fremden gegenüber haben wir dabei durchaus auch: Wer keinen deutschen oder europäischen Paß hat, gilt hier als Ausländer und hat, wenn er nicht ein Aufenthaltsrecht hat, sehr wenige Rechte. Er kann hier Urlaub verbringen oder zu einem Geschäftstermin kommen, aber viel mehr geht nicht. Er darf hier nicht ohne weiteres wohnen und er darf nciht ohne weiteres eine Arbeit annehmen.

Von den Fremdlingen wurde im AT verlangt, daß sie die Bräuche der Israeliten annehmen – dafür wurde ihnen laut dem Prediger (im Wibilex liest sich das ein wenig anders) die volle Gleichstellung zugebilligt. Damals umfassten diese Bräuche auch die Religion.

Im freiheitlichen Rechtsstaat (und um den geht es ja bei uns, wir nehmen ja keine Flüchtlinge in die Gemeinschaft der Christen auf, wenn sie nicht getauft sind) gelten auch bestimmte Regeln, die eingefordert und per Poizei durchgesetzt werden. Nur werden keine religiösen Forderungen mehr gestellt, weil der freiheitliche Rechtsstaat weltanschaulich neutral ist, er kann also gar keine religiösen Forderungen stellen, sonst wäre er kein freiheitlicher Rechtsstaat mehr.

So gesehen entsprächen also die Flüchtlionge genau den Fremdlingen, denen nach dem prediger sämtliche Sozialleistungen zustehen würden. Trotzdem sin die Sozialleistungen, die Flüchtlingen zugestanden werden, deutlich geringer als das, was uns zur Verfügung steht. Sie stehen noch einmal deutlich untr Hartz IV Niveau, haben keine Krankenversicherung und dürfen oftmals nicht einmal den Landkreis verlassen…

Es spielt im freiheitlichen Rechtsstaat übrigens auch keine Rolle, ob seine Bürger diesen mögen, oder ihn umbauen wollen. Vielen wollen den Umbau, nicht nur „echte Muslime“, wie der Prediger meint. Der freiheitliche Rechtsstaat kann aber nicht Muslimen per se weniger Rechte geben, auch wenn diese ihn tatsächlich abschaffen wollten, denn das entspräche einer Diskriminierung aufgrund der Religion, was nach den Regeln des freiheitlichen Rechtsstaates nicht geht. Er wäre nur noch auf dem Papier ein freiheitlicher Rechtsstaat: Wie jemand, der sich zwar Christ nennt, aber lieber draufhaut, als die andere Wange hinzuhalten.

Der Prediger betont, daß Scharia und Grundgesetz nicht zusammenpassen würden und daß „echte Muslime“ nicht integriert werden könnten. Doch sind auch „echte Muslime“ nicht zwangsläufig immer Muslime, deshalb sollte man zwischen den Menschen und ihrer Religion zu unterscheiden wissen. Fällt die Religion weg, oder wird sie „unecht“ im Sinne des Predigers, geht das mit der Integration vielleicht doch…

Am Ende bringt der Prediger noch die Idee vor, daß das Gericht Gottes bedeuten würde, daß ein Volk preisgegeben würde. Er meint, die Flüchtlinge würden sich von unserem Vermögen ernähren wie es im AT für die Zeit nach dem Fall von Samaria und Jerusalem berichtet wird. Das Überhandnehmen des Fremden sei eine Strafe Gottes.

Das kann durchaus so sein, und wenn es so ist, dann haben wir diese Strafe verdient. Und zwar, weil wir es seit Jahrzehnten verpassen, die Fremdlinge, die als Gastarbeiter kamen, tatsächlich zu integrieren. Sie mögen damals für uns gearbeitet haben und zu unserem Reichtum beigetragen haben, aber es war eben nicht alles gut damals. Wir haben das integrieren verpasst, haben sie wie Fremde anstatt wie Fremdlinge behandelt, und sie ud ihre Kinder sind Fremde geblieben, denen wir nun preisgegeben werden, wenn wir das Ruder nicht noch herum reißen.

Wir sollten aber auch bedenken: Die Bibel spricht in den Versen, die der prediger anführt von der verbrannten Erde, vom Zustand nach dem Krieg, als Assyrer und Babylonier fertig waren mit Israel und Juda. So weit sind wir noch lange nicht. Uns geht es gut, wir schwelgen im Luxus wie Samaria zur Zeit des Amos, auch wenn unsere fetten Kühe nicht auf dem Baschan grasen. Die Aramäer waren ein recht kleines Problem für Israel damals, ebenso wie die Flüchtlinge für uns heute. Wenn wir anständig damit umgehen, wenn wir die Flüchtlinge aufnehmen als Fremdlinge, die sich an unsere Gesetze halten und dafür als Gleichberechtigte behandelt werden, dann haben wir eine Chance. Wenn nicht, wird Assur kommen und uns zu Fall bringen.

Kirche, Religion, Theologie

Predigt zu Mt 25, 14-30; 9. Sonntag nach Trinitatis

Lesungen:

Jer 1, 4-10:

Und des HERRN Wort geschah zu mir:
Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.
Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.
Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Phil 3, 7-14:

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.
Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne
und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.1
Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden,
damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
Das Ziel
Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.
Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist,
und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Predigttext:

Mt 25, 14-30:

Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;
dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.
Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu.
Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.
Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.
Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.
Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen.
Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast;
und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.
Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe?
Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.
Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat.
Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.
Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Liebe Gemeinde,

vor einigen Tagen sah ich im Internet ein Bild von einem Monopoly Spielbrett. Unter dem Bild stand:

Ihr spielt Monopoly. Ein Spieler bekommt am Anfang alles außer der Turmstraße, außerdem dazu noch 95% von der Bank. Von Euch wird erwartet, mit dem, was übrig ist, zu gewinnen. Natürlich verliert Ihr sofort. Warum? Es muß an Eurer Faulheit liegen!

Derartige Äußerungen hört man in den letzten Jahren öfter. Seit vor einigen Jahren die Bank Lehman Brothers pleite ging folgt eine Krise auf die nächste. Viele Menschen verloren ihre Arbeit, und irgendwo muß ein Schuldiger auszumachen sein. Natürlich sind es „die da oben“. Die mit dem Geld, die Banker, das eine Prozent – wie sich die Occupy Bewegung ausdrückte – die sollen schuld sein an der allgemeinen Misere.

Und die Misere ist durchaus mit Händen zu greifen, die Durchökonomisierung unserer Gesellschaft führt zu Veränderungen. Veränderungen, die durchaus auch ihre negativen Seiten haben.

Zum Beispiel die Grünstädter Innenstadt: Immer mehr Geschäfte verschwinden. Viele Läden stehen leer. Als ich hier her zog dachte ich noch: So schlimm ist das doch gar nicht. Ich komme aus Klingenmünster, die nächste Stadt dort ist Bergzabern – und Bergzabern ist, was das Aussterben der Innenstadt angeht, nach meinem Empfinden Grünstadt um einiges voraus. Überhaupt, das Aussterben der Innenstädte hatte ich unter „ist halt so“ abgelegt.

Und was will man auch tun? So ist das Gesetz des Marktes: Wer zu teuer ist oder nur ein kleines Angebot hat, wird auf lange Sicht nicht bestehen können. Also versucht man, den Preis zu drücken. Man geht raus aus der Stadt mit den vergleichsweise kleinen Ladenflächen und den vergleichsweise hohen Mieten. Man zahlt den Angestellten weniger, soweit es geht, oder man lässt sie mehr arbeiten. Das führt natürlich dazu, daß die Angestellten selbst genauer auf den Preis schauen müssen, was wieder die Geschäfte in der Innenstadt benachteiligt, und so weiter. Ein Teufelskreis!

Und am Ende ist es dann so, daß man, wenn man ab einem gewissen Alter nicht mehr so gut zu Fuß ist, keine geringen Probleme bekommt, die grundlegende Versorgung mit Lebensmitteln selbst hinzubekommen. Der Weg in die Supermärkte ist weit, und die Hitze kommt im Sommer noch erschwerend hinzu.

Ein weiteres Beispiel wären die Altenheime – und wieder gehören die Alten mit zu den Leidtragenden. Auch hier muß wirtschaftlich gearbeitet werden, was dazu führt, daß die Pflegekräfte immer weniger Zeit haben, sich um die Menschen zu kümmern, die sie pflegen sollen. Bezahlt wird nur die Pflegeleistung, nicht das freundliche Wort, nicht die Sorge um den Menschen als Menschen.

Dieses System der Wirtschaftlichkeit hat uns mit seiner Radikalität in weiten Teilen gefangen genommen. Manchmal frage ich mich, ob man nicht sogar von einem Götzendienst sprechen könnte, bei dem alles dem Gewinn, dem Mammon geopfert wird, in der Hoffnung auf eine wirtschaftliche gesicherte Zukunft.

Dieser Götzendienst ist für manche, meist in anderen Ländern, sogar ein tödliches System. Der Kostendruck sorgt dafür, daß weder die Sicherheit der Arbeiter noch der Schutz der Umwelt und damit die Gesundheit der Bevölkerung beachtet werden. Diamanten und seltene Erden für unsere Elektronik schüren bewaffnete Konflikte.

Bei uns sind die Auswirkungen nicht ganz so schlimm, aber auf jeden Fall spürbar. Und wer sich nicht einfügt, der fliegt raus. Wer keine Leistung bringt, nicht mit schwimmt, nicht verwertbar ist, der fällt durch und muß sehen, wo er bleibt.

Und dann erzählt Jesus ein Gleichnis vom Himmelreich. Nun wissen wir aus anderen Geschichten, daß Jesus ein Freund der Zöllner war und die Zöllner, das war die Geldelite in der damaligen Gesellschaft. Wen wundert es da, daß Jesus sich hier im Predigttext auf die Seite der Reichen schlägt:

Zwei passen ins System, bringen Leistung, handeln, machen Gewinn und werden am Ende gelobt. Welche Geschäfte sie machten, erfahren wir nicht. Auf wessen Kosten die Geschäfte gingen, ob vielleicht jemand seine Arbeit, seine Existenz verlor… nichts! Es interessiert offenbar nicht: Wichtig ist der Gewinn. Wie bei uns. Und dafür gibt es Lob.

Und dann ist da der dritte Knecht. Er war schon von Anfang an benachteiligt, bekam das wenigste Startkapital. Er macht keinen Verlust. Er bringt das anvertraute Geld auch nicht durch. Er nimmt es um vergräbt es in der Erde, damit es sicher ist. Und er ist am Ende der Dumme, der von seinem Herrn gerügt wird und raus fliegt.

So soll das also auch im Himmelreich sein: Wer nicht genug leistet, der fliegt raus. So wie in unserem jetzigen Leben. Wer keine Früchte bringt, der wird abgehauen und ausgerissen.

Es ist ein Unterschied zwischen keine Leistung und nicht genug Leistung. Es ist ja nicht so, daß die Ladenbesitzer in den Innenstädten nicht arbeiten würden, keine Leistung bringen würden. Es reicht halt bloß oft nicht, um mit den Geschäften im Industriegebiet oder den Internetshops konkurrieren zu können.

Der Knecht hier ist aber nicht wie einer der Ladenbesitzer, der schweren Herzens das Geschäft aufgeben muß. Der Knecht hat es nicht einmal versucht.

Dabei weiß er, als Knecht – Sklave würden wir heute sagen – ist es seine Aufgabe, seinem Herrn zu dienen. Und wenn man in dem Fall Geld erhält, um es zu verwalten, dann hat man es zu investieren und zu vermehren, so wie der Herr es tun würde.

Der Knecht tut es nicht, bringt es nicht einmal zur Bank. Er tut so, als hätte er nichts damit zu tun. Als hätte er nichts mit dem Reichtum seines Herrn zu tun, als würde er nicht selbst von diesem Reichtum leben, denn als Sklave bekommt er keinen Lohn. Geht es dem Herrn schlecht, geht es den Sklaven noch schlechter. Geht es dem Herrn gut, dann geht es auch den Sklaven besser. Dem Knecht ist das egal. Er ißt zwar das Brot seines Herrn, nimmt das Gute mit, für das seine Mitknechte arbeiten, tut aber selbst keinen Handschlag dazu. Er spricht zu seinem Herrn noch in famoser Selbstüberhebung davon, daß er ihm „das seine“ gibt. Als ob das vergrabene Geld, und nur das, der Eigentum des Herrn wär. Wenn ich das so lese höre ich da ein „hier, das reicht für dich, mehr brauchst du nicht“ heraus.

Der Knecht hat sich vollkommen heraus genommen aus seinem Umfeld. Er jagt keinem Zielpreis nach wie Paulus es im Philipperbrief beschreibt – das haben wir in der Lesung ja gerade gehört – , er steckt sich nicht nach „dem da vorne“ aus.

Die beiden anderen Knechte stehen ebenso unter dem Schutz ihres Herrn. Sie nehmen das aber nicht zum Anlaß, nichts mehr zu tun, sondern kommen ihren Aufgaben nach. Sie sehen nicht nur auf ihre eigene Person, sondern begreifen sich als Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft, für die sie nach Kräften arbeiten.

Auffällig ist, daß die beiden guten Knechte je 100% Rendite machen. Der mit den 5 Zentnern erwirtschaftet weitere 5, ebenso erwirtschaftete der, der 2 Zentner erhielt weitere 2. Das Himmelreich ist eine Sache von ganz oder gar nicht. Wer sich einbringt, der wird offenbar auch erfolgreich sein, egal, wie sein Startguthaben aussah.

Das griechische Wort, das hier mit Zentner übersetzt wurde, lautet übrigens talentäs, und wenn Ihr jetzt an das deutsche Wort Talent denkt, seid Ihr genau richtig.

Altenpflegerinnen haben heutzutage kaum Zeit, sich über die nötigsten Bedürfnisse hinaus um ihre Klienten – so nennt man die Bewohner des Altenheims, auch ein Zeichen für die Durchökonomisierung der Gesellschaft – zu kümmern, aber sie schaffen es immer wieder, es trotzdem irgendwie zu tun, was natürlich auf ihre eigenen Kosten geht.

Und sicher gibt es auch einige Manager, die trotz Kostendruck und Konkurrenzkampf sich dafür einsetzen, daß die Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern – und auch bei uns – verbessert werden, wenn sie auch nur kleine Schritte machen können, wegen der Zwänge des Mammonsystems. Aber auch wenn sie kleine Schritte machen, weil sie nur wenige Talente bekommen haben, setzen sie diese doch ein für die Gesellschaft, für die Menschen, für die Kinder Gottes.

Jeremia schätzt sein Talent als Prophet als nicht sehr hoch ein. Er sei zu jung meint er, als er von Gott berufen wird. Letztlich läßt er sich überzeugen, aber stellt Euch vor, Jeremia hätte sein eines Talent auch einfach vergraben…

Gott hat uns mit vielen Talenten ausgestattet. Einer kann singen, der andere ist technisch begabt und wieder jemand anders kennt sich mit Handarbeit aus. Diese Talente sind uns nicht nur zum Zeitvertreib gegeben. Es sind unsere Silberzentner, mit denen wir wuchern können, zum Nutzen aller.

Und wenn wir das tun, wenn wir so wie die Knechte mit unseren Talenten zum Wohle der Gemeinschaft und im Sinne unseres Herren handeln, dann werden wir erfolgreich sein, dann werden wir die Fülle haben, dann sind wir wirklich reich, und der Mammon, der uns Reichtum nur vorgaukelt und uns in seinen Notwendigkeiten gefangen nimmt, kann einpacken.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Kirche, Kirche & Web 2.0

Predigtvorbesprechung?

Ich habs glaub ich schonmal geschrieben, ich bin inzwischen kein Student mehr, sondern im Vikariat. Und als Vikar lernt man das notwendige Handwerkszeug, das ein Pfarrer so braucht, dazu gehört auch das Predigen.

Im letzten Kurs im Predigerseminar kam das Gespräch auch auf Predigtvorgespräche. Also Treffen von Pfarrern während der Woche, die sich über den anstehenden Predigttext austauschen. Ich weiß nicht, ob es das in der Praxis heute noch so gibt, aber als wir uns im Kurs über unsere ersten Predigttexte ausgetauscht haben, empfand ich das als sehr hilfreich.

Meine Gedanke war, daß solche Gespräche vielleicht wegen der zeitlichen Auslastung der Pfarrer seltener geworden sein können. Dazu kommt, daß man vielleicht auch nicht mit allen Kollegen so gut „kann“, bei manchen stimmt die Chemie, bei anderen nicht. Und wenn diejenigen, die miteinander „können“ zu weit auseinander wohnen, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit für so ein Gespräch umso mehr.

Geht das denn nicht übers Internet? Das war mein nächster Gedanke. Ich vermute, ja. Die Frage ist aber: Wie?

Mir schwebt eine Art Portal vor, auf dem sich einerseits Pfarrer zum gemeinsamen Gespräch in privaten und öffentlichen Gruppen treffen können, um Ideen für die anstehende Sonntagspredigt auszutauschen.

Private Gruppen deshalb, weil Foren mit zu vielen Teilnehmern schnell unübersichtlich werden können und der Austausch für diejenigen mit weniger Zeit dadurcheinfach nicht mehr klappt.

Öffentliche Foren deshalb, weil ich denke, daß trotz aller Kleingruppen auch ein Austausch im Großen nochmal neue Ideen bringen kann.

Außerdem könnten Nichttheologen ihre Ansichten, Probleme oder Fragen zu den entsprechenden Perikopen vorbringen, entweder im öffentlichen Forum oder in einem extra Forum. So könnten Prediger, die Schwierigkeiten haben, sich in die Gemeinde hineinzuversetzen, eine weitere Hilfestellung bekommen.

Schlußendlich wäre auch die Möglichkeit, die fertigen Predigten zu veröffentlichen  sicher nicht verkehrt.

So in etwa denke ich mir das. Allerdings kenne ich keine Software, mit der sich das leicht umsetzen ließe. Man bräuchte wohl ein Mittelding zwischen Forum und Blog, vielleicht noch mit nem Wiki dabei, um all das zu erreichen.

Doch wenn die Grundstruktur erst einmal stünde, könnte man es leicht erweitern, etwa um alternative Perikopenreihen.

Was haltet Ihr von der Idee? Am Bedarf vorbei? Gut, aber schlecht umzusetzen? Besser doch alles per E-Mail? Oder kennt Ihr gar eine Software, mit der sich das leicht umsetzen ließe?

Allgemein

Gottesdienst

Als ich den Artikel von Theodred über den Familiengottesdienst gelesen hatte, gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf, die noch recht unsortiert sind, die ich aber trotzdem teilen möchte.

Meine Überlegungen beziehen sich hierbei auf die evangelischen Kirchen, weil bei der Kirche von Rom ist das ja alles wieder ganz anders und wird auch anders bewertet etc etc, außerdem kenn ich mich da noch viel weniger aus.

Theodred beschreibt in seinem Artikel den Besuch eines Familiengottesdienstes in seiner Gemeinde, der, aufgrund des Einübens der Lieder vorm Gottesdienst (was die innere Ruhe störte) sowie während der Eucharistie (was Theodred auch als störend empfand), keine schöne Erfahrung für ihn war (ich hoffe ich hab nichts wesentliches vergessen).

In einem Kommentar schrieb er dann, daß er das Thema mal ansprechen wollte. Ich wünsche ihm, daß er und seine Gemeinde da einen modus vivendi finden. Bisher sah der wohl so aus (und ich kenne es aus meinem eigenen Umfeld und auch an mir): Wenn Familiengottesdienst ist, sucht man sich einen Ausweichgottesdienst. Weil, der spricht mich nicht an, so schön er auch für Kinder und Familien sein mag.

Von älteren Leuten hab ich schon gehört, daß die Unruhe der Kinder (die ja auch nur natürlich ist) sie stört und sie das auch nicht mehr so aushalten können wie in jungen Jahren. Es bleiben also die Alternativen, Zielgruppengottesdienste anzubieten, zu denen dann immer bestimmte Leute nicht kommen (und Angesichts der Immobilität im Alter und der Abneigung vieler älterer Leute gegen bestimmte Formen wie den Familiengottesdienst bedeutet das, die Woche ohne Gottesdienst verbringen zu müssen – für den Notfall gibt es ja das ZDF…).

Diese Lösung wird wohl vielfach praktiziert, aber ich finde sie eigentlich nicht ideal. Ich habe diese naive Vorstellung von einer Gemeinde als Versammlung aller, nicht nur aber auch im sonntäglichen Gottesdienst. Und dazu gehören dann eben Kinder und Alte, Hochkirchler und Frauengebetskreis. Im anzustrebenden Idealfall sollte sich jeder im Hauptgottesdienst wiederfinden können und dort auch gerne hingehen.

Aber so machbar ist das nicht, denn was der eine sucht, stört den anderen, und auch wenn meist viel Geduld und Leidensfähigkeit aufgebracht wird.

Ich erinnere mich an Gemeinden, wo ne Band in der Kirche spielte und zwar ziemlich laut. Auch meines Erachtens zu laut für das Gebäude, und ich war damals noch recht jung. Und dann waren die Texte noch in Englisch, der älteren Generation war also nicht nur der ästhetische Zugang verbaut, sondern auch der Inhaltliche. Aber die Gemeinde hatte sich so (und durch andere Maßnahmen) eine relativ große Gruppe von Jugendlichen gewonnen, die auch recht regelmäßig in den Gottesdienst kamen, wenn ich mich recht entsinne.

Dort spielte jedoch eine Rolle, daß die Gegen auch recht erwecklich war, die Kirchenzugehörigkeit auch noch mehr in den Leuten drinsteckte. Immer kann das nicht funktionieren. Und ein Hochkirchler wäre mit den Gottesdiensten auch nicht froh geworden, denke ich.

Ein anderer Gedanke kam mir: Kindergottesdienst. Und zwar beobachte ich in letzter Zeit immer öfter, daß nicht wie zu meiner Kinderzeit der Kindergottesdienst parallel zum Gemeindegottesdienst stattfand, sondern daß die Kinder den Gottesdienst mit den Erwachsenen beginnen, am Anfang noch dabeibleiben, mitbeten und mitsingen, und dann mit ihren Betreuern den Gottesdienst verlassen, um während der Predigt und Fürbitten ihr eigenes Programm zu machen. Zum Segen oder Abendmahl, je nachdem, kommen sie dann wieder und sind in die Restgemeinde wieder integriert.

Wenn man nun Kindergottesdienst als adequate Form des Gottesdienstes für Kinder ansieht, und nicht als unwichtigere und nebensächliche Begeleiterscheinung, weil man halt auch irgendwie Kindergottesdienst macht, könnte man überlegen, ob man dieses Beispiel nicht für andere Gemeindegruppen erweitern könnte:

Dann kämen alle zu einer verbindlichen Rahmenfeier, die die wichtigen liturgischen Elemente enthält. Dann könnte man sich in Gruppen aufteilen, die einen singen Kumbaya, die anderen machen deutsche Messe mit kurzer Predigt und die eher reformiert eingestellten Gemeindeglieder hören eine Predigt in meinetwegen 45 mitütiger Länge (ja, mir tut der Prediger auch grad leid).

Das Beispiel ist sicherlich überzogen und es wirft weitere Probleme auf: Wer darf im Kirchengebäude bleiben, wer weicht ins Gemeindehaus aus? Hat ja auch etwas damit zu tun, welche Wertung der einzelnen Formen öffentlich wahrgenommen wird. Wer auch immer in der Kirche bleibt, wird als Standardangebot wahrgenommen werden.

Und was, wenn es kein Gemeindehaus gibt und die Räumlichkeiten einfach nicht da sind? Auch das ein Problem.

Trotzdem denke ich, man darf ruhig mal 5 Minuten drüber nachdenken. Vielleicht kann man dann auch in einer Gruppe statt Predigt Katechese anbieten. Mit der Möglichkeit zu Rückfragen beim Kirchenkaffee hinterher.

Es ist sicherlich ein enormer Aufwand, zumindest vorerst. Vielleicht findet man, wenn es funktioniert und (fast) alle Gemeindeglieder von dem Konzept irgendwie angesprochen werden, dann auch die nötige Zahl an Mitarbeitern, damit es zum Selbstläufer wird…

Allgemein

Gottesdienst als Konsumprodukt?

Ich mochte ja Kirchenchöre im Gottesdienst noch nie so recht. Und das liegt nicht etwa daran, daß ich keinen Chorgesang mögen würde, oder daß mir deren Musik nicht gefiele, nein! Ich liebe Musik. Und ich liebe es, zu singen. Und da liegt das Problem: Wenn in der Kirche ganz normal Kirchenlieder gesungen werden, ob Neander, Luther, Klepper oder Siebald, dann sing ich mit Freude mit.

Nur wenn ein Chro singt, dann ist die gesellschaftliche Konvention halt so, daß ich da nicht mitmache, sondern zuhören muß. Was man da zu hören bekommt ist ja meist richtig gut. Viele Chöre singen schon seit Jahrzehnten zusammen und klingen auch dementsprechend gut. Trotzdem fehlt mir da immer was. Ich will halt trotz allem mitsingen, auch wenn ich bei weitem nicht so gut singe.

Ein Gottesdienst ist ein Geschehen, bei dem es gemeinschaftliche Handlungen gibt, wie das gemeinsame Singen, und bei dem es Handlungen Einzelner gibt, während alle anderen eine Konsumhaltung einnehmen ud zuhören oder zusehen. Ein Beispiel wäre etwa die Predigt.

Jetzt hab ich bei Soul Preaching Ministries von sogenannten „prayer warriors“ gelesen. Das sind Leute mit einer besonderen Begabung für das Gebet. Sie übernehmen quasi das Gebet der Gemeinde, weil sie es besonders gut können. Auch vom „praise team“ ist die Rede, das den Lobpreis macht. Der Artikel stellt schließlich fest, daß es eine Bewegung dahin gibt, daß die Gemeinde durch solche Entwicklungen immer mehr an den Rand gedrängt wird und im Gottesdienst immer weniger eine Rolle spielt. Sie hören quasi nur noch zu, während bestimmte Fachleute die „Show“ (wie sollte man es sonst nennen?) machen. Das ist die Situation in Amerika. In deutschen Landeskirchen hört man recht wenig von „Gebetskriegern“ und auch Lobpreisteams sind noch nicht der Standard.

Mir fiel die Parallele zum Gesang ein, die ich oben geschildert habe, und ich stelle mir weiterführend die Frage: Sind solche Gottesdienstteams, die Gottesdienste vorbereiten und deren Mitglieder auch Teile des Gottesdienstes selbst übernehmen, nicht deshalb ins Leben gerufen worden, um auch normale Gemeindeglieder mit einzubeziehen, damit der Pfarrer nicht herausgehoben vor allen dasteht?

Nachdem ich den Artikel bei Soul Preaching Ministries gelesen habe, kommen mir Zweifel, ob man die gewünschten Effekte mit solchen Gruppen erreicht. Womöglich erreicht man lediglich, daß die Gemeinde aus dem Gottesdienstgeschehen herausgedrängt wird: Der Pfarrer macht die Predigt, der Gebetskrieger die Gebete und der Chor übernimmt den Gesang. Wenn wir jetzt noch jemanden finden, der in besonders würdiger Weise am Abendmahl teilnimmt (die Kirche von Rom ist hier wie mir scheint schon einen halben Schritt weiter als die Protestanten), kann man sich Gottesdienstvorführungen auch auf DVD kaufen und zu gelegener Zeit ansehen. Einen wirklichen Unterschied zur Gottesdienstteilnahme vr Ort gäbe es dann nicht mehr.

Ich frage mich, ob die Einbeziehung der Gemeinde nicht viel eher darin liegen könnte, daß man diese Fachgruppen abschafft. Daß man bei einem Gottesdienstablauf bleibt, der vielleicht schon vor Jahrhunderten festgelegt wurde, daß alle singen, alle beten (wieso nicht eine Art Open Mic wenn die Fürbitten dran sind?), alle die Sakramente empfangen und… ja, bei der Predigt fällt mir in der Tat nicht ein, wie man hier für eine Egalisierung sorgen könnte. Mehr Prädikanten würde ja auch wieder mehr Fachleute bedeuten, also in die entgegengesetzte Richtung zeigen. Aber wenn nur noch die Predigt vom Pfarrer kommt und alles weitere vor allem aus der Gemeinde, dann wäre man doch schon einen Schritt weiter!

Netzfunde

Predigen wie ein Pirat

Im Moment bin ich zeitmäßig etwas ausgelastet, deshalb keine richtigen Netzfunde heute, osndern nur der Hinweis auf einen Blog Artikel von Alexander Ebel.

Es geht darum, online gemeinsam eine Predigt zu erarbeiten. Dazu hat Alexander ein Pad angelegt, auf dem ein Template, also quasi ein Vordruck erarbeitet wird, bzw. wurde. Diese Vorlage ist eigentlich schon soweit, daß man sie benutzen könnte. Dann legt man sich selbst ein Pad an, teilt seinen Mitstreitern die Adresse mit und setzt sich gemeinsam dran. Hier aufm Blog hab ich die Erfahrung gemacht, daß ich zusammen mit Bonifatz manchmal schneller auf Ideen komm als allein, also vom Konzept an sich bin ich überzeugt. Im Moment denk ich grad drüber nach, ob und wie man daraus ein Gemeinschaftsprojekt machen könnte. Also quasi ne Predigercommunity oder sowas. Wer Interesse daran oder Ideen dazu hat, kann ja kurz nen Kommentar hinterlassen. 😉

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Sonntag, den 20. Januar 2013

Fangen wir an mit ein wenig Politischer Korrektheit. Beim Herrn Alipius gibt es ein kleines Video dazu. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der ZDF Serie „Unser Lehrer Dr. Specht“. Weitere Videos zur Herkunft der Politischen Korrektheit un der Rlle der Frankfurter Schule dabei gibt es beim Geier. Die Videos machen auf mich nen sehr einseitigen Eindruck, man will durch das ständige Widerholen des „Marxismus“ wohl dem amerikanischen Publikum klar machen, daß es sich hier um ne gan böse Strömung handelt, aber wenn man es schafft davon zu abstrahieren kann man aus den Videos vielleicht den Gewinn ziehen, den Zusammenhang zwischen political correctness, Studentenrevolution der 60er und marxistischen Strömungen zu sehen. Mein erster Eindruck ist, daß es um die Befreiung des Menschen geht. Die ist ein Stück weit sicherlich in die Hose gegangen, weil andere Unfreiheiten entstanden, aber das könnte man seinerseits ja wieder kritisieren, idealerweise ohne in alte Muster zurückzufallen (denn hätten die getaugt, wär der Marxismus welcher Prägung auch immer wohl nicht aufgekommen).

Und dann gibt es noch einen Artikel von Antje Schrupp zur Benutzung des „N-Worts“ (es handelt sich um das Wort „Neger“)  in Kinderbüchern. Ich gehöre ja noch zu der Generation, die mit Liedern wie „10 kleine Negerlein“ aufgewachsen ist und bis ins Jugendalter (das war in den 90ern) das Wort Neger für einen neutralen Begriff für Menschen mit dunkler Hautfarbe hielt. Schon damals irritierte mich, wieso der Begriff auf einmal nicht mehr angebracht war und warum man heute möglichst umständlich von „Menschen mit dunkler Hautfarbe“ (wenn das überhaupt politisch korret ist) reden muß. Trotzdem halte ich mich weitgehend an die Konvention, man will ja nicht negativ auffallen.

Nichts desto trotz empfand ich es als erfrischen unverkrampft, als ich zur Zeit meiner Wehrdienstes erlebte, wie in der Buneswehr Begriffe wie „Volk“, „Führer“ und dergleichen ohne böse Hintergedanken oder Konnotationen benutzt wurden. Man überlies diese Begriffe nicht den Nazis, sondern benutzte sie selbst in ihrer eigentlichen Bedeutung weiter, nämlich „Volk“ im Sinne von „Bevölkerung“ und „Führer“ im Sinne von „Anführer“.Ich empfinde das als ehrlicher und praktikabler als nur noch in Umschreibungen mit Gender-Gap zu sprechen und zu schreiben (ja, solche Blogs gibt es auch).

Und weil wir grad beim Herrn Alipius waren: Der geht in einem anderen Artikel auf den Unterschied zwischen Haß und Haß ein, oder so ähnlich. Und in einem noch anderen Artikel beschreibt er, wieso er trotz allem Kirchenhaß und aller Kirchenkritik trotzdem gerne sienen Job, nein, seinen Beruf (von Berufung ;)) ausübt und dankbar dafür ist, das zu tun.

Nick Baines, anglikanischer Bischof von Bradford, England, schreibt über den Sudan und Südsudan wie auch über Joachim Gauck und daß Christen „von einem anderen Liedblatt singen“.

Bei Weihrausch und Gnadenvergiftung gibt es einen Artikel zur Einheit der Christen, bzw dem Fehlen derselben.

Bei Theopop gibt es nun auch sowas wie Netzfunde, wöchentlich, und auf den Bereich Internet und Religion begrenzt.

Der Morgenländer hat ein längeres – und sehr poetisch verfasstes – Zitat von Simone Weil über diejenige außerweltliche Wirklichkeit, die Grundlage des Guten ist.

Fehlt nur noch ne Stellungnache der „NPD – türkische Abteilung“ … 😀

Zu etwas Schönerem, poetischerem: Hao hat eine Predigt zur Gerechtigkeit, oder bessr zur Ungerechtigkeit Gottes geschrieben. Wirklich wunderbar. Wobei mir der Gedanke kam, daß das, was er die Gerechtigkeit Iustitias nennt, hier Gleichheit genannt wird und das, was Hao Gottes Ungerechtigkeit nennt, die Gerechtigkeit des verlinkten Artikels ist.

Und zum Abschluß nochwas zu der Sache mit der Vergewaltigten von Köln. In Frankfurter Rundschau und Kölner Stadtanzeiger (via) wird zur Sprache gebracht, daß es wohl schon Vortäuschungen von Notlagen gab, um in katholischen Kliniken an die Pille danach zu kommen, woraufhin dann bei der Kirchenleitung Anzeige erstattet wurde, weil die Pille wirklich ausgegeben wurde. Trotzdem meine ich, wie schon geschrieben, entgegen der Berichterstattung, daß die fraglichen Kliniken gar nicht helfen konnten, weil sie keine anonyme Spurensicherung vornehmen konnten.

Weitere Rätsel gibt der in der Rundschau genannte Fall auf, wo eine Vergewaltgte in eine Klinik ohne Gynäkologie geacht wurde und dort nicht geholfen bekam (wie auch, ohne entsprechende Fachleute?), aber wie es aussieht nicht einmal an eine andere Klinik verwiesen wurde, wo man hätte helfen können…

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Karfreitag, 6. April 2012

Antje Schrupp befasst sich auf ihrem Blog mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und der Frage, wer dann die Drecksarbeit macht. Der Artikel wirft eine wichtige Frage auf, auch wenn mich als Mann die Suggestion, die „Dreckarbeit“ würde vor allem an den Frauen hängen bleiben, annervt, aber das ist ne andere Diskussion. Ich würde ja die weitergehende Frage stellen, was die Folge wäre, wenn die Drecksarbeit nicht erledigt würde. Riefe man nicht nach dem Staat? Es könnte auf Steuerfinanzierung rauslaufen…

Thomas hat einen Artikel über Zombie-Filme geschrieben, und der ist interessanter, als es sich anhört. Vielleicht gerade auch für diejenigen, die nicht zu den Fans des Genres gehören. Beim Lesen kam mir der Gedanke, ob man wohl auch die Passion als Zombie-Film drehen könnte, oder als Monster-Film mit Zombies, Vampiren, Mumien und Werwölfen, wobei mir noch nicht ganz klar ist, wer für was steht.

Mandy schrieb, passend zur kommenden Osterzeit, über Jonathans Ei. Dabei geht es um einen Jungen mit Behinderung, der eine Regelschule besucht. Und das ist jetzt die Überleitung zu einem Bloghinweis, den ich schon länger unterbringen wollte, der aber nei richtig reinpasste: Der Blog Inklusion ist Menschenrecht. Es ist ja in der Tat so, daß die BRD ein UNO Papier ratifiziert hat, das sich für die Inklusion in der Schue ausspricht. Die Aufnahme in Regelschulen ist also Bundesrecht und muß umgesetzt werden. Insofern ist eine Auseinandersetzung mit der Thematik sicherlich nicht verkehrt.

Gerd Häfner stellt anhand der Frage nach dem Todestag Jesu dar, auf welchen Ebenen man einen Bibeltext lesen kann, und wieso das Nebeneinander von vier Evangelien in der Bibel durchaus sinnvoll ist.

Alien59 schreibt Bedrückendes über Wegwerfmenschen. Am Ende stellt sie die Frage nach dem Menschenbild. Ich meine, daß in diesen Fällen der Mensch nicht als Mensch, sondern als Produkt, als Gegenstand betrachtet wird, der eintauschbar ist bei Nichtgefallen oder Defekt. Eigentlich ein krasser Verstoß gegen Art. 1 GG. Und auch bei Peter scheint mir der Gedanke vom Menschen als Produkt im Hintergrund zu stehen, wenn er von der neuen Scham schreibt, die sich nicht auf die Nacktheit bezieht, sondern auf Armut und Unattraktivität.

Und ein dritter Artikel zum Thema, mit dem Titel „Das Weib als Volkseigentum“ ist bei Geiernotitzen zu lesen, mit einer bedenkenswerten und kreativen Ausdeutung des Ehebruchs.

Beim Hellbound-Blog kommen immer wieder recht gute Artikel, ich dachte ja erst, da würde nur der Film beworben. Weit gefehlt. So gibt es da den Artikel zur Frage, wie es denn nun ist mit der Liebe im Christentum, und wie mit den Werken.

Um Liebe in Form von gegenseitigem Dienst (Fußwaschung!) geht es auch in der Gründonnerstagspredigt von Nick Baines, und die Bemerkung, daß er in dem Jahr, wo er jetzt Bischof von Bradford ist, viele Leute getroffen habe, die gute Arbeit in der Diözese leisteten, dachte ich ein wenig an Heikos Artikel bei evangelisch.de. Dort geht es um die Facebook Seite des bayrischen Landesbischofs, der ja durchaus auch Projekte in seiner Kirche (und anderswo) besucht, die hoffentlich auch alle gute Arbeit leisten. Ne entsprechende Medienpräsenz der „Reisen des Bischofs“ (der Name ist verbesserungsfähig), auf der die guten Projekte in der Kirche kurz umrissen werden (evtl. mit Link zur Projektseite im Internet), vllt. vom Bischöf persönlich in ein paar kuren Worten, würde diesen Besuchen nicht nur den Aspekt des „die Landeskirche nimmt die gute Arbeit hier wahr und schätzt sie“ für die dort arbeitenden geben, sondern sie ebenfalls in Bezug auf „Außenwerbung“ erschließen. Wo jemand sagen würde „Die Kirche macht eh nix für die Menschen“ könnte man beiläufig auf die Internetpräsenz des Bischofs (oder Kirchenpräsidenten oder Präses oder oder) verweisen…

Über den Facebook-Gottesdinest aus dem Maternushaus Köln gibt es einen Artikel bei FrischFischen. Dabei wird auch die Frage nach der zukünftigen Rolle der Ministranten aufgeworfen.

Andrea hat einen Artikel zur Vorratsdatenspeicherung geschrieben. Diese läuft in Österreich im Gegensatz zu Deutschland seit letztem Jahr. Interessant fand ich, daß die evangelische Kirche in Österreich klar Stellung dazu bezogen hat (die EKD war mein ich eher verschwiegen, oder hab ich was übersehen?), gerade auch wegen der Seelsorge. Wären die Piraten, die sich ja hierzuland den Kampf gegen die VDS auf die Fahnen geschrieben haben, nicht so religionsskeptisch eingestellt, hätten sie hiermit vielleicht ein Argument, das sogar einen gestandenen CSUler vom Schaden dr VDS überzeugt. Aber da gibt es wohl leider ideologische Grenzen.

Zu den Piraten hat auch Muriel geschrieben. Lesenswert.

Euch allen einen gesegneten Karfreitag.