Glaube, Kirche, Religion, Theologie

Oh Osterhas‘, oh Osterhas‘, wie lang sind deine Ohren!

Hast Du Dich auch schon einml darüber gewundert? Es gibt jede Menge Kinderlieder zu Weihnachten, und man kann von vielen zumindest die erste Strophe auswendig mitsingen.

Jedenfalls geht mir das so. Ich bin seit Oktober als Vikr in der Grundschule und erlebe zum ersten Mal seit Jahren wieder viel bewußter die Vorweihnachtszeit. Im Studium war anderes wichtiger, der Alltagsstreß hatte mich, Weihnachten kam ganz plötzlich, nämlich wenn ich gegen den 24. nach Hause zu meinen Eltern fuhr, und war dann nach ein paar Tagen auch wieder um.

Das Vikariat ist nicht unbedingt unstressiger als das Studium, aber man ht von Berufs Wegen mehr mit Weihnachten zu tun. In der Grundschule basteln wir seit Ende November Weihnachtsschmuck und singen Weihnachtslieder.

Vor Jahren, ich war wohl selbst fast noch ein Kind, stellte ich mir die Frage schon einmal: Wieso gibt es so viele Weihnachtslieder, aber kein einziges Osterlied?

Raphael [Public domain], via Wikimedia Commons

Halt! werden einige sagen: Osterlieder gibt es doch! Man braucht nur ins Gesangbuch zu gucken. Das stimmt, aber die meine ich nicht. Mir geht es um Kinderlieder, und kein Kind singt „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Christ ist erstanden“ (Kinder singen auch selten „Macht hoch die Tür“ oder „Tochter Zion“).

Ich meine Lieder von der Art wie „Stille Nacht“ oder „Süßer die Glocken“ oder „Vom Himmel hoch“. Stimmt, manche davon sind unglaublich verkitscht und haben vielleicht mehr mit einem Harmoniesuchenden Bürgertum zu tun als mit der Geburt des Herrn der Welt, aber es gibt auch welche, die recht kitschlos daherkommen.

Bei Ostern gibt es das alles nicht, geschweige denn bei Pfingsten oder Karfreitag.

Liegt darin vielleicht der Grund, daß Weihnachten als so viel wichtiger als die eigentlich wichtigen christlichen Feste wahrgenommen wird? Hält man Karfreitag, Ostern udn Pfingten für zu kompliziert, um dafür Kinderlieder zu schreiben? Oder zu wichtig, als daß man sie Kinderreimen aussetzen wollte? Oder – im Falle von Karfreitag – für zu brutal?

Kann vielleicht in der Dichtung von geeigneten Oster- und Pfingstliedern eine missionarische Chance liegen?

Man müßte es vielleicht wirklich darauf ankommen lassen. Wenn ich nur eine Begabung auf dem Feld hätte, ich komm nur auf sowas:

…hurra, hurra, Jesus ist wieder da…

…erst wurd Er tot ins Grab gelegt, jetzt ist der Stein hinweggefegt…

…sie wollten Ihn besiegen, doch blieb Er nicht liegen, stand auf am dritten Tage, Jesus Christus der Starke…

…lies sich auslachen und bespucken, das konnte Ihn nicht jucken, ertrug Folter und Kerker, den Christus war stärker…

… die Schwachen verteilen Hiebe, doch viel stärker ist die Liebe…

Hat jemand von Euch weitergehende Ideen?

Netzfunde

Netzfunde vom Mittwoch, den 22. Mai 2013

Eigentlich sitz ich gerade an meiner Examenspredigt, und komm nur sehr schwer voran. Da nennt man es wohl Übersprungshandlung, wenn ich jetzt nochmal ne Ausgabe Netzfunde bringe, statt meine Predigtarbeit fertig zu stellen, aber irgendwann muß man auch mal an was anderes denken.

Stellt Euch vor, Ihr seid schwerbehindert und auf Hilfe angewiesen. Der Staat gibt Euch Unterstützung. Dank dieser Unterstützung könnt Ihr auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten un eigentlich vergleichsweise selbstbestimmt leben. Nein, könnt Ihr nicht. Denn sparen ist nicht. Ihr dürft nämlich nicht mehr als 2600€ haben, und wenn Ihr verheiratet seid, gilt das auch für den Ehepartner. Um das zu ändern gibt es eine Petition, und zwar hier. Sagt es weiter, und zeichnet mit. Es kann doch nicht sein, daß diejenigen, die es so schon schwer haben, ein selbstbestimmtes Leben zu leben, dann auch noch Steine in den Weg gelegt bekommen.

Präses Rekowski schreibt davon, wie er die Pfingsttage verbracht hat, und dass er in Zukunft öfter nach der Taube auf dem Dach ausschau halten will, statt sich auf den Spatz in der Hand zu konzentrieren.

Lana schreibt über die Wahrheit. Und die Beweise dafür, die selbt nichts beweisen, wobei man auch nicht beweisen kann, daß die Beweise der Beweise falsch wären. Verwirrt? Mal anders: Gott kann deshalb nicht dekonstruiert werden, weil Er kein Konstrukt ist, sondern wirklich. Was man aber auch nicht beweisen kann. Lana befasst sich seit einiger Zeit mit Fragestelungen im Zusammenhang von Philosophie und Glauben. Mancher wird es bemerkt haben: Im verlinkten Artikel geht sie vor allem auf Nietzsche ein.

Beim Lesen der Serie kam ich übrigens auf einen kleinsten Kern für den christlichen Glauben. Also jetzt so, wie ich ihn verstehe. Ich hör schon die Menge „Ketzer“ rufen… Jedenfalls denke ich, daß der Kern in etwa so aussehen könnte:

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung. Und das Heil, die Erlösung oder wie man es auch nennen mag, kann nie von innerhalb der Schöpfung zu uns Geschöpfen kommen, sondern immer von außerhalb, dem Schöpfer.

Vieleicht kann man das noch weiter kondensieren, wenn man Symbole wie „Heil“ oder „Erlösung“ noch rauskriegt. Ich frage mich gerade, ob die Erlösung darin besteht, aus der Schöpfung zum Schöpfer zu kommen. Aber dazu müßte ich wohl nochmal bei Tillich nachlesen…

Michael Blume schreibt über die evolutionäre Funktion der Scham beim Menschen.

Don Ralfo schreibt über Pfingsten. Und fragt, wieso der Heilige Geist in den Landeskirchen so kurz kommt, also im Vergleich zum Sohn.

Tara Samples schreibt bei Sorourner’s über ihre Erfahrungen mit Mißbrauch in der Kirche und nennt 10 Mythen über den Mißbrauch. Das Ganze macht nen sehr amerikazentrischen Eindruck (ist ja auch ne amerikanische Seite), aber lesensunwert ist es deshalb noch lange nicht. Passt auch irgendwie zur Schamthematik bei Blume, wobei hier die negativen Seiten der Scham aufgezeigt werden. Vielleicht könnte man die Aufforderung formulieren, die Freiheit des Evangeliums hier so zu nutzen, daß man schamloser ist. Dann kommen vielleicht auch die Probleme eher auf den Tisch.
Übrigens gibt es zum Mißbrauch in der Kirche ne Serie bei Sojourner’s, und die suchen scheinbar noch weitere Artikel. Man kann die einreichen. Wie steht am Anfang von Samples Artikel.

Nochmal Sojourner’s, diesmal Jon Huckins. Er schreibt über die Gewalt beim Frieden stiften.

Der Herr Alipius ärgert sich über die kulturelle Veränderung. Und irgendwie kann ich ihm nich so ganz folgen. Wenn die Kinder das Vater Unser nicht mehr aufsagen können, dann sind doch in erster Linie wir Kirchenleute gefragt, es ihnen beizubringen, mitsamt der Erklärung für dessen Relevanz in ihrem Leben. Wenn die Kinder es nicht können, dann haben in erster Linie wir versagt, nicht die pöhsen „Newthink-Umerzieher“. Und wenn irgendein Ministerium in einer spanischen Autonomia nicht mehr Ostern sagen mag, so kann man sich vielleicht darüber ärgern, daß die Kirche (und hier speziell wohl die römische) die Deutehoheit für die öffentliche Kultur verloren hat, aber auch hier stellt sich doch wohl die Frage, wieso das so ist. Freilich gibt es Einanderung, so daß ganz einfach inzwischen auch viele nichtchristliche Bürger hier leben. Wenn er es aber besonders erwähnenswert findet, daß die fragliche Ministerin der sozialistsichen Regierung angehört, dann gibt es vielleicht andere Gründe für deren Distanz zur Kirche als die Einwanderung. Überhaupt frag ich mich, was die ganze Aufregung soll. Diejenigen, die wirklich an Gott glauben, werden weiterhin Ostern und Weihnachten sagen, und nicht Baum- oder Hasenfest. Deshalb möchte ich ein anderes Paradigma vorschlagen, unter dem man das ganze betrachten kann, auch wenn es nen protestantischen Einschlag mitbringt: Was stört’s die deutsche Eiche, wenn sich die Sau dran reibt? In diesem Sinne, nicht so aufregen. Niemand kann die Kirche überwinden, und wenn wir weiterhin fleißig Katechese betreiben, dann werden auch die Spanier irgendwann wieder das Vater Unser aufsagen können.

Dominique Venner hat sich erschossen. Mit einer Pistole, vo der Altar des Notre Dame in Paris. Artikel dazu hab ich beim Herrn Alipius und auf evangelisch.de gelesen. Ich verstehe ja ehrlich gesgat die ganze Aufregung nicht. Für Katholiken wird die Homoehe auch nach deren Einführung in Frankreich oder sonstwo zum Sakrament. Und Protestanten, die konservativer denken, werden auch keine Nachteile davon haben, daß homosexuelle Menschen für ihre Beziehungen nun auch eine staatliche Bescheinigung bekommen können. Ich versteh den Aufruhr echt nicht. Wobei ich, was die Ehe angeht, sowieso der Meinung bin, daß sie als staatliche Einrichtung abgeschafft gehört. Was geht den Staat die Ehe an? Wer mit wem zusammenlebt oder nicht ist entweder Privatsache, oder meinetwegen noch Sache der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Aber sonst?

Soweit für heute. Bis demnächst.