Commenting Media, Netzfunde

We fight not with bullets, but with wide open arms

Auf Twitter sah ich heute morgen das:

Hier ist der Link, den Screenshot hab ich gemacht, falls das aus welchen Gründen auch immer gelöscht wird, denn in dem Gedicht steckt für mich alles, was den christlichen Glauben ausmacht:

Spray us with bullets or blast us with bombs,
We’ll walk into heaven, singing our psalms.
Kill two, kill four, or even kill more,
And we will surely love you, more than before.
Let us remain faithful until our spirit calms
For we fight not with bullets, but with wide open arms.

Ich versuche mal eine freie Übertragung:

Zerreißt uns mit Kugeln und Bomben die Glieder,
Auf dem Weg in den Himmel sing’n wir unsre Lieder.
Tötet zwei, tötet vier oder tötet noch mehr,
Und wir werden Euch lieben, mehr als vorher.
Lasst gläubig uns ausharrn, beherrschen die Triebe
Uns treibt nicht der Hass an, sondern die Liebe.

Und nochmal etwas wörtlicher:

Besprüht uns mit Kugeln oder zersprengt uns mit Bomben,
Wir werden in den Himmel gehen, unsere Psalmen singend.
Tötet zwei, tötet vier, or tötet sogar mehr,
Und wir werden Euch sicher lieben, mehr als vorher.Lasst uns gläubig bleiben bis unser Geist sich beruhigt
Denn wir kämpfen nicht mit Kugeln, sondern mit weit geöffneten Armen.

So reagieren also ägyptische Christen auf den Bombenanschlag auf eine Kirche in Kairo. Echte Christen, die glauben, und den Glauben nicht für bloße Kulturkulisse halten.

Man vergleiche dem gegenüber Pegida und die AfD, die wohl zu großen Teilen keine Kirchenmitglieder sind, aber meinen, das Christentum verteidigen zu müssen, indem sie auf ihren „Spaziergängen“ Weihnachtslieder singen (ich frag mich ja, welche LIeder da gesungen wurden, eher „Jingle Bells“ oder eher „Vom Himmel hoch“, aber das ist ein anderes Thema).

Die „Verteidigerdes christlichen Abendlandes“ wären sicher die letzten, die der Logik des Gedichtes folgen würden. Sie kämpfen nicht mit offenen Armen, nicht mit Liebe, sondern eben mit Haß, wie ihre vermeindlichen Gegner, die Islamisten. „Vermeindlich“ deshalb, weil sowohl die Islamisten und Terroristen als auch Pegida und AfD an der gleichen Strippe ziehen. Man könnte noch die Nazis hinzunehmen, die Anschläge auf Asylunterkünfte verüben, oder sonst den Geflüchteten zusetzen, physisch oder durch Propaganda. Denn das Ziel all jener ist gleich: Den Frieden stören, um in dem folgenden Chaos ihre Vorstellung von Ordnung durchzusetzen. Haß eben, der sich zuerst gegen die Liebe wendet und sich verlacht, um sich dann selbst zu zerfleischen und alle, die übrig geblieben sind.

Es fällt doch auf, daß sich die Bilder von Berlin 1945 und Kabul 2002 sehr ähneln…

Gesellschaft, Politik

Nützliche Idioten?

Nützliche Idioten?
blu-news.org [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Ein gewisser Alexander Gauland, der offenbar bei der AfD in Brandenburg ein wichtiger Mensch ist, hat offenbar die Flüchtlingshelfer „nützliche Idioten“ genannt, angesichts der Anschläge am 13.11. in Paris.

Ich frag mich ja, wenn man wirklich von „nützlichen Idioten“ sprechen will (ich find den Begriff eigentlich Mist, weil er Menschen abwertet), ob das nicht viel besser auf die ganzen „kritischen Stimmen“ paßt, auf AfD, Pegida, Orban, Le Pen, Seehofer & Söder und wie sie alle heißen.

Denn nützlich für die Terroristen (egal ob Daesh oder Al Quaida) ist doch vor allem eins: Die Spaltung der Gesellschaft in Europa. Die haben doch von Ressentiments gegen Muslime hierzulande am Meisten: Die Muslime spüren Nachteile, werden ausgegrenzt und suchen ihr Heil dann bei den Terroristen, ähnlich wie die Neonazis, die ja auch vor allem dort erfolgreich Nachwuchs finden, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist.

Wenn nun also mehr Druck ausgeübt wird auf Flüchtlinge und Muslime allgemein hierzulande, dann ist das genau das, was die Terroristen wollen. Dann sind diejenigen, die für den größeren Druck werben (also Seehofer, Orban, le Pen etc.) die wirklichen „nützlichen Idioten“.

Diejenigen aber, die helfen, Flüchtlinge zu integireren, die ihnen das Ankommen und das Zurechtfinden in unserer Gesellschaft erleichtern wollen sind diejenigen, die Daesh, Al Quaida und wie sie alle heißen entwaffnen.

So wird ganz konkret, was schon die Bibel lehrt, daß Liebe den Haß überwindet. Deshalb helfen keine Kriege gegen den Terror, auch keine Grenzschließungen und keine Obergrenzen.

Die Lösung ist die Liebe, die Lösung ist, sich um die Menschen zu kümmern, und aller Haß wird über kurz oder lange vertrocknen. So kann sich kein Terrorismus halten – übrigens auch kein rechter Terrorismus à la NSU.

Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Die bürgerliche Mitte

Ein Kommantator mit dem Nickname „Einer aus der bürgerlichen Mitte“ schrieb einen Kommentar beim Vergleich von PEGIDA und NSDAP auf dem Blog von Michael Bittner (unbedingt lesenswert!).

Er schreibt darin:

Viel besser fände ich, wenn einmal grundsätzlich diskutiert werden würde, wie man die Flüchtlingswelle bewältigen will.

Die Frage halte ich für sinvoll und möchte darum hier auf seien Kommentar eingehen (und nicht dort, weil es IMHO um ein anderes Thema geht).

Die ZEIT schrieb zuletzt, dass seit September täglich 10.000 Menschen nach Deutschland gekommen sind, also hochgerechnet fast 500.000 Menschen. Wo sollen die denn alle untergebracht werden? Vor allem menschenwürdig und witterungsgerecht?

Das ist in der Tat ein Problem und es ist auch nicht leicht zu lösen. Nur ändert es nichts an den Fakten, daß diese Menschen kommen – und das nicht aus Jux und Dollerei. Wir werden sie nicht ohne Gewalt aufhalten können, und da Gewalt nach meiner Meinung die deutlich schlechtere Alternative ist, werden wir lernen müssen, damit umzugehen, so schwierig es auch ist – gerade jetzt, wo es Winter wird.

Man hört von Beschlagnahme, Zwangsunterbringung in privatem Wohneigentum, Nutzung von Sporthallen als Notunterkunft, von viel Geld, was die Aufnahme der Flüchtlinge kostet.

Ja, es ist teuer, ein Rechtsstaat zu sein. Es ist nicht umsonst, menschlich zu sein, sonst müßt das nicht immer wieder in ganz verschiedenen Situationen eingefordert werden. Auf kurze Sicht am einfachsten ist es, ein Arscholoch zu sein und seine Interessen durchzusetzen. So wie ich unser Land und unsere Gesellschaft verstehe, ist das nicht das, was wir wollen. Wir wollen ein demokratischer Rechtsstaat sein, für den die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Und zu dieser Erklärung gehört das Asylrecht (Art. 14).

Von Unterbringungen in Sporthallen habe ich schon gehört. Diese Hallen gehören den Kommunen, die für die Unterbringung zu sorgen haben. Beschlagnahmungen und Zwangsunterbringungen in privaten Wohnungen gibt es nach meinem Wissen nicht.

Allerdings denke ich persönlich, daß dies durchaus möglich und angebracht sein kann. Erstens verpflichtet Eigentum (Art. 14, Abs. 2 GG) und zweitens kann durchaus per Gesetz enteignet werden (Art. 14, Abs. 3 GG). Im Nachkriegsdeutschland gab es darüber hinaus sogar Einquartierungen. Das war sicher nicht einfach für alle Beteiligten, aber es hat im Endeffekt geklappt.

Es ist halt immer die Frage, wie groß eine Not ist und was man tun kann. Bei Überschwemmungen und sonstigen Naturkatastrophen bringt der Katastrophenschutz auch Menschen in Turnhallen unter, und je nachdem wie groß die Katastrophe ist, wäre denkbar auch leerstehenden Wohnraum zu beschlagnahmen im Dienste der Allgemeinheit.

Nur weil es sich um Ausländer handelt, die hier in Not geraten sind, denkt man jetzt darüber nach, ob man sich der Probleme nicht auch einfach entledigen kann. Ich finde das im höchsten Maße bedenktlich.

Die Situation ist momentan sicherlich schwierig, das kann aber doch nicht heißen, daß man wie ein kleines Kind beleidigt davonrennt und nix mehr macht.

Die Wirtschaft fordert die sofortige Eingliederung der Flüchtlinge ins Arbeitsleben (zu Dumpinglöhnen, weil die Menschen ja auch noch nicht so viel Deutsch können?). Von unangebrachtem Verhalten einiger weniger Flüchtlinge (sexueller Art gegenüber Schülerinnen und Frauen), Gewalt und sonstiger Delikte.
Wenn von Integration gesprochen wird, dann kann man meist den Eindruck gewinnen, dass wir uns den Flüchtlingen anpassen sollen und nicht anders herum.

Ich denke, für Flüchtlinge sollte ebenso der Mindestlohn gelten, wie für alle anderen auch. Wenn dies gewährleistet ist, dann sehe ich nur Vorteile darin, den Flüchtlingen so schnell wie möglich die Arbeit zu erlauben. So können sie zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, es gibt mehr Wertschöpfung, mehr Steuereinnahmen, und so schrumpfen dann letztendlich auch die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge.

Ja, es gibt Flüchtlinge, die straffällig werden, aber das ist eine Binsenweisheit. Ebenso gibt es Deutsche, die sich nicht an die Gesetze halten. Dafür haben wir die Polizei.

Ich sehe nicht, wo wir uns den Flüchtlingen anpassen sollten. Wenn von Integration die Rede ist, dann nehme ich das vor allem im Zusammenhang mit Sprachkursen wahr. Und das sind Deutschkurse für die Flüchtlinge, keine Farsi Kurse für Deutsche! Keiner fordert von uns, uns den Flüchtlingen anzupassen. Rücksicht nehmen vielleicht, wie es ein anständiger Mensch auch sonst gegenüber Deutschen tut, aber das ist ja keine Anpassung. Ein Augenmekrk darauf, daß sie aus anderen Kulturen kommen und es daher zu Mißverständnissen kommen kann. Man muß also nachsichtig sein und erklären, was daneben ist und warum. Ein Kumpel von mir, der in den 80ern Jahren aus der DDR in den Westen kam verstand nicht, wieso er jedesmal, wenn er eine junge Frau „Fräulein“ nannte, aneckte, bis ihm irgendwer mal erklärte, daß die Bezeichnug „Fräulein“ im Westen abgeschafft wurde und als herabwürdigend wahrgenommen wird. Das wußte er nicht – andere Kultur halt. In einem anderen Beispiel erzählte iene Ostdeutsche Kommilitonin, sie hätte wenig Geld auf dem Konto woraufhin ein Westdeutscher Kommilitone miente „Du must halt schaffen gehn.“ Sie war zu Tode beleidigt, weil sie „schaffen“ im Sinne von „anschaffen“ verstand. Er meinte aber „schaffen“ im Sinne von „arbeiten“, wie ich es als Westdeutscher auch zuerst verstanden hatte. Andere Kulturen – auch innerhalb Deutschlands. Da muß man dann halt mit rechnen, freundlich bleiben und versuchen, die Mißverständnisse zu lösen, bevor man das Schlimmste annimmt.

Die Politik lässt das Volk (ich kann den Begriff nicht mehr hören) im Stich. Keine Information, keine Diskussion,… und da sollen sich die Menschen in Deutschland keine Gedanken machen, Sorgen und Ängste haben?

„Die Politik“ ist sehr allgemein. Und es ist ja nicht so, daß es keine Informationen von Politikern gäbe. Die Rechten sind da ganz vorne mit dabei. Auch PEGIDA ist ja eine politische Veranstaltung, und da werden ja auch Meinungen geäußert (auch wenn die IMHO nicht zur Lösung der Probleme beitragen und Diskussion dort nach meiner Wahrnehmung auch nicht stattfindet). Die etablierten Parteien haben vielleicht grad alle Hände voll zu tun, die Krise zu bewältigen, aber es stimmt schon: Es dürfte mehr Information kommen. Wobei man durchaus die Chance hat, sich Informationen zu beschaffen. Die Regierung hat ne eigene Homepage, dort gibt es Kontaktadressen usw. Man kann seinen Bundestagsabgeordneten schreiben und Fragen stellen.

Man braucht keine Sorgen und Ängste zu haben, wenn man auch erst mal nachfragen ud sich informieren kann – idealiter aus mehreren Quellen und nicht nur bei PEGIDA, der Jungen Freiheit und BILD.

Ich bin überzeugt, dass viele Themen viel ruhiger ablaufen würden, weniger Hass da wäre, wenn Kommunikation stattfinden würde. Die Regierenden sollten endlich mal erklären, dass es Unterschiede zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen gibt, dass es eine humanitäre, moralische, menschliche Verpflichtung gibt gegenüber den an Leib und Leben Bedrohten, nicht aber gegenüber denen, die hier das Schlaraffenland sehen.

Das heißt also, daß die BRD die Bürger der DDR, die geflohen sind mehrheitlich hätte abschieben müssen, weil die wenigsten an Leib und Leben bedroht waren?

Aber das mal bei Seite: Die Thematik der Wirtschaftsflüchtlinge ist doch allen bekannt. Und wieder könnte ich fragen, wie das mit den ehemaligen DDR Bürgern ist, die in den Westen ziehen, um einen Job zu finden. Sind das auch Wirtschaftsflüchtlinge? Sollen die Westbundesländer die Grenzen nach Osten schließen, um mehr Syrien-Flüchtlinge aufnehmen zu können?

Ich denke nicht, daß die Themen ruhiger ablaufen würden, wenn diskutiert würde. Diskussionen führen oft dazu, daß die Gemüter hochkochen und viele sind ja auch resistent gegenüber guten Argumenten.

Es muss den Flüchtlingen erklärt werden, dass sie hier lediglich geduldet sind. Wer Straftaten begeht (Asylantenheime als Dealerbude, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag, Diebstahl), hat die Gastfreundschaft der Menschen in Deutschland missbraucht und somit sein Aufenthaltsrecht verwirkt.

Wenn dem Flüchtling dann im Heimatland der Tod droht, ist das faktisch eine Todesstrafe. Die Todesstrafe ist laut GG aber abgeschafft! Bei Asyl geht es nicht um Gastfreudschaft. Das ist keine gnädige Gabe an die Flüchtlinge, osndern das ist deren Recht in einem Rechtsstaat wie Deutschland. Sie sind keine Gäste, sondern Flüchtlinge. So eine Regelung würde höchstens bei Wirtschaftsmigranten Sinn machen. Und selbst da bin ich skeptisch: Es stellt sich doch die Frage, wieso sie straffällig werden. Wenn es unsere sozialen Strukturen sind, sollten wir zuerst die ändern und die ausländischen Straftäter so wegsperren, wie wir das mit deutschen Kriminellen tun. Und so wie wir jene zu rehabilitieren suchen, sollten wir es dann auch mit diesen tun.

Übrigens finde ich es interessant, daß gefordert wird bei kriminellen Ausländern sofort das Aufenthaltsrecht zu entziehen, während man gleichzeitig den kriminellen Lutz Bachmann als Führungsfigur anerkennt. Könnte schon fast als Heuchelei durchgehen.

Es sollte weiterhin geklärt werden, wie der Nachzug der Verwandtschaft geregelt werden soll und dass die Flüchtlinge nach Beendigung des Krieges auch wieder nach Hause gehen müssen.

Der Nachzug der Verwandtschaft ist schon geregelt, und zwar in einer nach meienm Empfinden umneschlichen Weise. So kann ein Flüchtling aus Syrien zwar seine minderjährigen Kinder, nciht aber seine Eltern oder seine volljährigen Kinder nachholen. Die kommen dann im Zweifel im Bombenhagel um.

Falls der Flüchtling mangels Sprachkenntnis vielleicht unsere Regelungen nicht kennt und er den Antrag zur Familienzusammenführung nicht innerhalb 3 Monaten nach seiner Anerkennung stellt, muß selbst seine Frau noch Deutschkenntnisse nachweisen, um nachkommen zu dürfen. Sie muß also in Syrien im Bombenhagel deutsch lernen, um ihr Leben retten zu können, ohne sich an einen Schlepper wenden zu müssen. Das sind die Fakten. Wie viel mehr soll da noch geregelt werden? Noch unmenschlicher?

Daß die Flüchtlinge nach Kriegsende nach Hause gehen ist der Normalfall. Das war bei Bosniern und Kosovaren nicht anders. Der Großteil ging nach Hause. Manche erwarben sich ein weiterführendes Aufenthaltsrecht und blieben, so wie manche Deutsche auch in Bosnien oder dem Kosovo wohnen, aber die Zahl ist beiderseits gering. Auch die Syrer werden Deutschland wieder verlassen, wenn es sicher ist. Vielleicht dauert der Krieg aber so lange, daß sich einige entschließen, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, dann sind es Deutsche wie wir. Und wieso sollte man uns abschieben?

Die Bundesregierung muss ein Wohnungsbauprogramm auflegen, Bürgschaften geben, Sicherheiten schaffen.

Nach meiner Wahrnehmung sind diese Dinge gerade in der Mache.

Es gibt genügend Menschen, die Wohnungen bereitstellen könnten. Warum aber sollten sie das tun, wenn es vermeintlich bessere Mieter (mit Bonitätsnachweis) gibt oder die kulturellen Unsicherheiten vermeintlich so groß sind, dass man es lieber leerstehen lässt?

Klar, deshalb muß und wird da wahrscheinlich auch etwas passieren. Nur brauchen solche Dinge dann doch ein wenig Zeit. Da sind ja dann auch einige rechtliche Fragen zu klären, auch Fragen, wie sich das ganze auf den Wohnungsmarkt auswirkt und die Wohnungseigentümer, wenn plötzlich viele neue Wohnungen entstehen etc. Das ist alles nciht sooo einfach.

Warum neue Wohnungen bauen und sich nachher womöglich mit den Flüchtlingen rumärgern, die dann plötzlich gar nix mehr verstehen (eine bösartige Verallgemeinerung, aber da man in die Köpfe der Menschen leider nicht reinschauen kann halt auch ein menschlicher Reflex)?

Ein privater Vermieter wird immer zusehen, daß er mit seien Mietern klar kommt. Deshalb ist hier auch der Staat gefragt, neue Wohnungen zu bauen, bzw. vorhandene zu enteignen oder zu beschlagnahmen. Am Einfachsten für alle wäre es freilich, wenn Flüchtlinge ohne Druck Wohnraum bekämen.

Wenn die Regierung endlich mal ihre Hausaufgaben machen würden, dann wäre Pegida völlig ohne Substanz und so schnell verschwunden, wie sie gekommen ist.

So einfach ist es nicht. Es gibt immer Unzufriedene. Allen kann man es nicht Recht machen, Und da die Unzufriedenen heutzutage offenbar immer mehr dazu neigen, nur ihre eigenen Probleme zu sehen und sich immer weniger um die allgemeie Probleme kümmern wollen ist es leicht für Bauernfänger, Mitläufer zu finden.

Noch viel besser wäre es, wenn die Ursachen der Flüchtlingswelle in deren Heimatländern bekämpft würden… Ein bürgerlicher Traum!?!

Klar wäre das das Beste, aber das wäre nochmal um einiges teurer für uns, denn dann müßten wir uns richtig engagieren, und zwar humanitär, nicht nur militärisch. Und dann kämen ganz schnell wieder Leute, die sich darüber aufregen, wie viel Geld wir in die arabische Wüste setzen, wo es doch auch hier arme Menschen gibt…

Wie gesagt: Man sieht immer nur das Eigene und ist weder bereit noch in der Lage, auch die Not anderer zu sehen und anzuerkennen…

Politik

Diverse Demos

Ich habe lange überlegt, ob ich auf eine Demonstration gegen Pegida gehen soll. Mir geht die (mindestens) latente Ausländerfeindlichkeit von Teilen dieser Spaziergänger gehörig gegen den Strich. Nicht weniger gegen den Strich geht es mir, wenn (wie in einer ZDF-Dokumentation gesehen) Menschen dafür sind, Ausländer auszuweisen mit dem Hinweis, sie hätten ja selbst kaum genug Geld, um über die Runden zu kommen. Es kotzt mich an, wenn Sozialneid oder meinetwegen auch Angst um die eigene Versorgung dazu führt, dass Menschen dermaßen kaltherzig werden. Denn eins darf man nicht vergessen: Die Menschen, die geflohen sind, können definitiv nichts für die Höhe der Sozialhilfe, die wurde schon lange, bevor die Flüchtlinge kamen, festgesetzt. Es stimmt meiner Meinung nach, dass die Sozialhilfe zu niedrig sind, um tatsächlich ein menschenwürdiges Leben mit Teilhabe an der Gesellschaft zu führen. Dies liegt jedoch an Fehlentscheidungen in der Politik. Flüchtlinge unter den Fehlentscheidungen der Politik leiden zu lassen finde ich einfach nur beschissen. Das waren für mich Gründe zur Anti-Pegida-Demonstration zu gehen. Ich habe diese Demo glücklicherweise als friedlich erlebt.

Was mich allerdings ebenso ankotzt wie die Kaltherzigkeit und latente Ausländerfeindlichkeit von (so wie ich das wahrnehme) weiten Teilen der Pegidabewegung ist Gewalt gegen diese Bewegung. Ich bin sehr dafür, dass man ihr mit friedlichen Demonstrationen die Abneigung gegen ihre Ansichten zeigt. Ich bin noch mehr dafür, dass man das Gespräch sucht, das habe ich vor einigen Tagen erst gemacht. Gut, die beiden älteren Damen im Café befanden sich grade nicht auf einer Pegida-Demonstration, doch ihre Meinungen gegenüber Asylbewerbern deckten sich mit denen von Pegida. Also, Gegendemonstrationen und Gespräche – jederzeit. Ich distanziere mich jedoch von Menschen, die eine genehmigte Demonstration mit Gewalt behinderten und so den Pegida-Sympathisanten die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung nahmen. So sehr ich die Inhalte von Pegida, wie ich sie bisher wahrgenommen habe, ablehne, muss ich für mich feststellen: Diejenigen, die andere Menschen an der ihnen verfassungsmäßig zustehenden Meinungsäußerung hindern (auch wenn mir die geäußerte Meinung nicht gefällt) sind in meinen Augen keinen Deut besser als die Pegidademonstranten. Beide gefährden meiner Meinung nach mit ihrem Verhalten die Menschenwürde und Freiheit des einzelnen. Bei beidem kriege ich Brechreiz.

Glaube

Einige Gedanken zur Jahreslosung

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Rö 15, 7)
Diese Jahreslosung für 2015 führt mich zu der Frage, wie Christus uns angenommen hat, wie er Menschen annimmt. Ein Beispiel dafür steht im Johannesevangelium in der Begeg-nung mit der Ehebrecherin. Für die Menschen, die sie vor Jesus bringen, ist der Fall klar und die Steinigung unausweichlich. Sie fragen nicht, weil sie den Rat Jesu hören wollen, sondern weil sie hoffen, seinen Rat gegen ihn verwenden zu können.

Noch bevor Jesus ein Wort mit ihnen spricht, setzt er ein Zeichen. Ich stelle mir vor, dass die Frau in Erwartung der Steinigung vor ihm kauert, denn die Rechtslage ist ja eindeutig. Er aber bückt sich, malt in den Staub, begibt sich hinab zu ihr. Jeder Stein, der jetzt geworfen wird, kann jetzt auch ihn treffen. Ohne ein Wort gesagt zu haben schützt er die
Frau. Er nimmt sie als schutzbedürftigen Menschen an – und in Schutz. Die Annahme eines Menschen kann also bedeuten, sich stumm zu einem Menschen dazuzustellen, um ihn zu schützen.
Doch bei der stummen Annahme und dem Schutz bleibt es nicht. Jesus wendet sich denen zu, die der Frau und ihm Böses wollen. Er nimmt sie und ihre Frage ernst. Mit keinem Wort kritisiert er ihre böse Absicht, die hinter ihren Worten steht. Er schickt sie nicht weg. So nimmt er auch die an, die ihn nicht annehmen. Mit den Worten: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ stellt er die Schuld der Frau fest – und gibt die Verantwortung für die Steinigung an jeden einzelnen Zuhörer zurück. Keiner könnte später sagen, Jesus habe bedingungslos die Steinigung befürwortet. Auch so nimmt Jesus Menschen an: Er nimmt ihre Fragen ernst und nimmt ihnen die Entscheidung
für ihr Handeln nicht ab.

Doch ich glaube, er wusste genau, welche Folgen seine Worte haben würden: keiner war fähig, nach diesen Worten einen Stein zu werfen. Die Folge war das Leben der Frau. Menschen annehmen, wie Christus uns angenommen hat, kann also bedeuten, sich schützend an die Seite derer zu stellen, die bedroht sind – unabhängig davon, ob sie schuldig sind oder nicht. Es kann auch bedeuten, mit denen, die auf Gesetze pochen, so zu reden, dass neues Leben möglich wird. Es kann bedeuten, mit denen zu sprechen, die andere des Landes verweisen wollen, so zu sprechen, dass sie ihre Herzen weit werden, sie Ängste verlieren und einander annehmen können, wie Christus uns angenommen hat. Die Annahme Jesu hat natürlich noch viel mehr Facetten, genauso wie der Bibelvers. Doch die werden ein anderes Mal beleuchtet.

Gesellschaft, Politik

Lügenpresse?

Foto von Caruso Pinguin Lizenz CC BY-NC 2.0
Foto von Caruso Pinguin Lizenz CC BY-NC 2.0

Wenn die Demonstranten mit Medien wie „Russia Today“ oder „Al Dschasira“ sprächen, aber lokale und überregionale Medien als „Lügenpresse“ und „Mainstreammedien“ beschimpften, „dann werden rote Linien überschritten“, betonte der Chef der Bundeszentrale für politische Bildung.Vielen Anhängern der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) sei offenbar nicht klar, dass es in Deutschland keine Staatspresse gibt, betonte Krüger. Stattdessen gebe es eine „freie Presse, die das was geschieht, aus konkurrierenden Perspektiven betrachtet, diskutiert und damit die öffentliche Meinungsbildung konfrontiert“.

Gefunden habe ich diesen Textausschnitt hier. Krüger, Chef der bpb hat natürlich Recht. Eigentlich. Wir haben in Deutschland eine freie Presse, die sich in ihrer Gesamtheit vor Medien wie „Russia Today“ oder „Al Dschasira“ nicht verstecken muß. Eigentlich.

Und wir haben demokratisch gewählte Politiker. Politiker, die viel eher den Willen des Volkes repräsentieren, als beispielsweise der Politiker, der hinter „Russia Today“ steht: Putin.

Jetzt werden also sowohl Politiker als auch die Presse von den Pegida Leuten als Lügner angesehen und trauen ihnen nicht mehr, ja man traut nicht mal mehr den Statistikämtern, eigentlich niemandem mehr, der eine irgendwie andere Meinung als man selbst hat.

Jetzt kann man sich hinstellen und das bedauern, man kann dazu aufrufen, sich an Diskussionen zu beteiligen und Fakten anzuerkennen.

Alles richtig und gut, ohne miteinander zu reden wird es nicht besser werden. Allerdings sollte man sich selbst auch einmal genauer mit diesen Vorwürfen auseinandersetzen, den die kommen nicht aus dem luftleeren Raum.

So hat Thomas in seinem Jahresrückblick auf Politikeraussagen des Jahres 2013 verwiesen, die sich in diesem Jahr schon als Unwahrheiten herausgestellt haben. Es dürfte weiter Konsens bestehen, daß noch viel mehr solcher Aussagen gefunden werden könnten. Die meisten unter uns würden wohl auch der Aussage zustimmen, daß dies eben zum Geschäft der Politik gehört, daß man als Politiker nicht einfach nur seinen Willen durchsetzen kann, sondern auch Kompromisse eingehen muß.

Allein: Wo ist der Politiker, der das auch mal offen eingesteht? Ein CDUler, der im Wahlkampf sagt, daß man womöglich auch mit der AfD könnte. Oder ein SPDler der sagt, daß man mit den Linken nicht möchte, aber vielleicht doch lieber als mit der Union? Oder daß man Rot-Grün anstrebt, daß mn aber auch ne große Koalition machen würde, wenn anders das Land führungslos bleiben müßte etc etc?

Die Bürger sind erwachsen, und es wäre

im Sinne unserer Demokratie und unseres Gemeinwesens überhaupt, wenn Politiker (vor allem solche im Wahlkampf) sie auch so behandeln würden. Das kann bedeuten, daß man eine Wahl verliert. Aber der Schaden ist anders herum vielleicht noch viel größer. Eine Gelegenheit für Politiker, Größe zu zeigen, wenn sie das Allgemeinwohl vor das persönliche Wohl stellen, und uns gleich die Wahrheit sagen, anstatt auf den Effekt zu hoffen.

Von Populisten werden wir das nicht erwarten können, und das ist ein Problem, denn es würde ihnen vermutlich Vorteile beschaffen. Auf lange Sicht würde es aber – so denke ich – Populismus vorbeugen und unsere Gesellschaft insgesamt erwachsener machen.

Kommen wir also zur Presse, dem anderen Feindbild der Pegida Leute. Und da hat Michael in seinem tollen Artikel zur (nicht) drohenden Islamisierung (unterfüttert mit Daten zu den Geburtenraten) gleich auf zwei Falschinformationen eines großen deutschen – ja was eigentlich, Zeitung will ich es nicht nennen – hingewiesen. Persönlich fällt mir da noch der Fall Nikolaus Brender – Peter Frey ein. Allgemein habe ich in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, daß die Medien zunehmend voneinander abschreiben und Nachrichten kaum mehr geprüft oder recherchiert werden. So werden Fehler (auch intendierte Fehler) einfach reproduziert.

Auch hier kann man sagen: Alles verständlich. Die Presse arbeitet (abgesehen von den öffentlich-rechtlichen, aber da gibt es auch Kostendruck) nach kapitalistischen Maximen. Man hat zwar den Auftrag, zu informieren, auch zu recherchieren und kritisch zu hinterfragen, allerdings ist das teuer und kommt deshalb wohl nicht immer zum Zug. Auf der anderen Seite verschaffen Skandale, Horrormeldungen und dergleichen Auflage. Wenn der neue EKD Ratsvorsitzende also fordert,

nicht nur von IS-Terror, sondern dem friedlichen Zusammenleben von Christen und Muslimen zu berichten

dann kann er vielleicht auf die Kirchenmedien dementsprechenden Einfluß nehmen und auf eine finanzielle Absicherung trotz solcher schlechter veraufbaren Meldungen hinwirken. Allein, auch in der Kirche wird gespart.

Man muß sich also auch eingestehen, daß unsere Presse zumindest vom Markt nicht unabhängig ist. Und das ist ein Problem, für das ich keine Lösung weiß. Der Verwies auf Blogs und andere Online-Medien kommt immer einmal wieder, aber kaum ein Blogger hat die Zeit und die Kenntnisse, hinreichend zu recherchieren. Und wenn doch, dann betreibt er das Bloggen zumindest semiprofessionell und muß sich wieder it den Gesetzmäßigkeiten des Marktes auseinandersetzen.

Trotzdem denke ich, ist es wichtig, sich mit den Pegida Leuten auszutauschen. Dies wird erschwert durch die Verweigerung gegenüber den Medien (und die fehlende Homepage). Vielleicht muß man dann doch mal auf „Russia Today“ schalten, um deren Ansichten mitzukriegen.

Und im Laufe der Diskussion müssen die dann auch begreifen, daß sie villeicht nicht „das Volk“ sind und ihre Ansichten nicht durchsetzen können. Ein guter Ausgang solcher Gespräche wäre, wenn man einander ein wenig besser versteht und die Ängste kennt, die den jeweils anderen bewegen (am Ende geht es vielleicht um die eigene Altersarmut und nicht um Ausländerhaß). Dann könnte man vielleicht sogar überlegen, wie man diese Ängste beseitigt. Wer sich hier engagiert, auch politisch engagiert, kann für die Zukunft sicher viele Pluspunkte sammeln.

Gesellschaft, Politik

Pegida

In den letzten Tagen, als sich der erste Teil meines Schulpraktikums dem Ende zuneigte, hörte ich in der Presse von der Existenz einer Bewegung, die sich „Pegida“ nennt. Wie wahrscheinlich alle schon wissen steht dies für Patrioten Europas gegen Islamisierung des Abendlandes.

Zuerst fand ich die Bezeichnung ja ulkig: Patriot ist ein Wort, das ich mit dem Konzept des Nationalstaates in Verbindung brachte (patria= Vaterland) und nicht mit einem ganzen Kontinent! Offenbar wird hier „Europa“ als so etwas wie ein Vaterland angesehen (das wäre dann erst einmal ein durchaus positiver Aspekt, vielleicht überwinden wir j mit dem ganzen Populismus auch rechts von der Mitte die nationale Kleinstaaterei), ob und inwieweit hier Länder wie Rumänien oder Bulgarien mitgemeint sind, wäre interessant zu wissen aber führt hier vom Thema fort.

Dann hörte ich immer wieder davon, die Demonstranten würden gegen Zuwanderung und „Islamisierung“ protestieren (wieder so ein Unding: pro testare bedeutet „für etwas Bekenntnis ablegen“, und nicht gegen etwas!), hätten Angst, die Zuwanderung würde sie zu viel kosten und dergleichen, und ich bekam etwas Zorn. Ich kann mich noch gut entsinnen, wie nach der Wende immer wieder die Sprüche kamen, die „Ossis“ seien alles faule Säcke und wären in die Sozialsysteme eingewandert ohne selbt etwas geleistet zu haben oder leisten zu wollen. Außerdem seien die eh alle in der Stasi gewesen, also eigentlich Verbrecher. Daß nun die Einwohner einer Stadt, die damals auf diese Weise diskriminiert wurden auf die Straße gehen sollen und die gleichen dummen Sprüche nun anderen Menschengruppen an die Köpfe werfen, ärgerte mich ohne Maßen.

Gedanken wie „dann bauen wir die Mauer halt wieder auf und nehmen unser Sozialsystem wieder mit, wenn die nicht teilen können“ kamen in mir auf. Dabei unterlief mir der Fehler, die Parole der Demos für bahre Münze genommen zu haben: „Wir sind das Volk“. Das sind sie nämlich nicht. Es sind letztes Mal rund 15.000 Menschen gewesen.  Laut Wikipedia hatte Dresden Ende letzten Jahres 530.754 Einwohner. Nehmen wir der Einfachheit an, das habe sich noch nicht geändert und daß alle Protestler Kontratestler auch aus Dresden stammen und nicht von anderen Städten dorthin getingelt sind, dann sind das von Dresden etwas weniger als 3%!!!

Das Volk sind nicht 3%! Sieht man sich die Situation im Rest der Republik an, dürfte klar werden, es handelt sich um eine verschwindende Minderheit, die hier das Wort ergreift . Daß sie sich für eine Mehrheit halten und bei – wieviel? 2,5% Ausländern? – inDresden von einer großen Überfremdungsgefahr ausgehen, mag zusammenhängen. Wenn 3% die Mehrheit ist, ist 2,5% nicht weit davon entfernt… (man verziehe mir diese Entgleisung ins Satirische)

Im Gespräch mit einem Freund fiel uns auf, daß es ja tatsächlich gar nicht so klar ist,w as die eigentlich wollen. Bei Facebook (ne richtige Internetseite hat Pegida leider nicht) findet man eine Liste mit 19 Punkten, die ziemlich nichtssagend sind, wie Mission Phoenix aufzeigt. Mit der Presse redet Pegida nicht und die Internetkommentare und Leserbriefe in der Tageszeitung können ebensogut Einzelmeinungen sein.

Ich habe ja durchaus Verständnis für das Mißtrauen der Presse gegenüber. Ich habe schon oft gesehen, wie da einfach voneinander abgeschrieben wurde und auch, wie Sachverhalte verdreht dargestellt wurden. Trotzdem ist es schwierig, sich ein eigenes Bidl zu machen, wenn es weder eine Homepage gibt (ich bin nicht bei Facebook, überhaupt ist es recht lächerlich, einerseits auf die Mainstreammedien zu schimpfen und sich dann auf DEM Mainstreammedium zu präsentieren).

Es gibt Meldungen, daß der Kern von Pegida dem rechtsradikalen Bereich zuzurechnen ist (zum Beispiel hier). Eiin wenig stutzig macht mich dabei, daß diese Einschätzung vor allem von Seiten der Politik kommt, die unter Umständen ein Interesse daran hat, die Sache kleinzureden.

Denn es gibt durchaus Hinweise darauf, daß die Politik nicht ganz unschuldig ist am Aufkommen dieser Gruppierung (der Nachtwächter hat dazu eine ganz eigene Meinung). Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sieht einen Grund für die Beteiligung an den Demos in den sozialen Sorgen der Menschen, die dann von einigen Nazis „islamisiert“ würden. Damit hat er wohl nicht ganz unrecht und benennt eben genau eine Verfehlung der Politik in den letzten Jahren.

Auch die Mainstreammedien sind wohl nicht ganz unschuldig, wie der Prollblog nahelegt.

Seit den Anschlägen am 11.9.2001 wurden immer wieder unter Verweis auf die (angebliche) Terrorgefahr Bürgerrechte ausgehöhlt, umgedeutet oder eingeschränkt sowe Kriege geführt. Dabei wurde stets auf die Bedrohung durch (islamische) Terroristen hingewiesen, sowie auf die Notwendigkeit (irgend) etwas zu tun. Diese Saat geht nun offenbar auf und ich denke, wir müssen als Gesellschaft damit umgehen, produktiv umgehen, um es nicht noch schlimmer werden zu lassen (und noch schlimmere Saaten aufgehen zu sehen).

Dazu ist es erst einmal nötig, sich ein Bild von der Lage zu machen. Einiges habe ich schon gesagt: Das Problem der Politik, daß sie sich um Sozialabbau und Angstmacherei kümmert, aber viele Leute in ihren Ängsten und Sorgen abgehängt hat. Es geht vielen wohl darum, lieber Wahlen zu gewinnen, als zum Wohle des Landes zu arbeiten.

Da greift man dann doch lieber bestehende Ressentiments auf, wie etwa bei dem neuesten Unsinn der CSU, die Sprache an den Küchentischen vorzuschreiben (die Türken sollen deutsch reden aber die CSU spricht weiter bairisch) oder vor ein paar Jahren, die Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, die einen gewissen Herrn Koch zum Ministerpräsidenten machte… (dies sind zwei Beispiele, die mir einfallen. Der Leser weiß sicherlich um ähnlichen Unsinn anderer Parteien oder kann diesen im Internet recherchieren)

Und die Medien? Die müssen eben Auflage machen, so ist das im Kapitalismus. Trotzdem denke ich, haben die Medien auch eine ethische Verantwortung. Und da muß man sich dann auch an die eigene Nase fassen, inwieweit man Teil des Problems ist, auch wenn man „nur seinen Job getan“ hat.

Zum Bild von der Lage gehört aber auch die Einschätzung der Pegida Leute. Wie gesagt, das ist schwer. Sascha Lobo spricht von Latenznazis:

Vielmehr kommt mit Pegida ein neuer politischer Bürgertypus auf die Bühne – der unbewusst Rechtsextreme oder Latenznazi.

Also Leute, die rechtsextreme Positionen vertreten, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, dass sie rechtsextrem sind.

Für Lobo wirkt der gleiche Unsinn, das eine zu behaupten und das andere zu tun, sowohl bei Pegida als auch sonst in der Gesellschaft: Die Pegida Leute behaupten, sie hätten nichts gegen „Asylanten“ und demonstrierten dann doch gegen sie, ebenso wie in der Politik immer behauptet wird, Deutshcland sei weltoffen, und trotzdem ersaufen tausende an den europäischen Grenzen jämmerlich, weil auch Deutschland sich für geschlossene EU Außengrenzen einsetzt.

Meine Vermutung ist, daß eine gewisse Rechtslastigkeit in der Gesellschaft durchaus vorhanden ist. Und noch etwas scheint mir sowohl bei Pegida als auch sonst in der Gesellschaft verbreitet zu sein: Die zunehmende Unfähigkeit, sich auf andere einzulassen und nach Kompromissen zu suchen (zu einzelnen Aspekten der Problematik habe ich hier und hier schon gebloggt).

Und was kann man tun?

Ich denke, daß eine klare Abgrenzung nötig ist, wie sie etwa der Bamberger Erzbischof Schick oder der ehemalige Bischof von Berlin, Wolfgang Huber. Auch die Redaktion von evangelisch.de hat ihre Form der Abgrenzung gefunden und auf Facebook gibt es wohl schon einige Nachahmer (wie gesagt, ich hab kein Facebook, krieg aber manchmal was mit).

Als Christ ist es für mich undenkbar, Wertigkeiten von Menschen anzunehmen. Ich las des öfteren Äußerungen wie „Wir sind die Gastgeber, die Gäste müssen sich uns fügen, sonst müssen sie gehen“.  Das bringe ich mit dem Christentum nicht zusammen (und damit auch schwerlich mit der immer heraufbeschworenen „abendländischen Kultur“), denn mein Herr, Christus, fordert die Nächsten- und Feindesliebe. Ds bedeutet dann eher, die andere Wange hinzuhalten, anstatt die Gäste rauszuwerfen. „Überwindet das Böse mit Gutem“. Ich kann bei einer Abschiebung nichts Gutes erkennen, das in der Lage wäre, etwas Böses zu überwinden.

Allerdings kann die Abgrenzung in den wenigsten Fällen absolut sein. Diejenigen, die gesprächsbereit sind (falls es die gibt, wie gesagt reden die Pegida Leute mit niemandem, aber sie scheinen im Netz fleißig Kommentare zu verteilen), muß man versuchen zu erreichen. Und dann muß man nachfragen: Was wollt Ihr eigentlich? Und dann kann man antworten, wieso man das für eine schlechte Idee hält oder nicht. Oder man kann, wie Mission Phoenix, darauf hinweisen, daß eine oder mehrere Forderungen ins Leere laufen, weil sie schon umgesetzt sind.

Hier wären auch die Medien und die Politiker gefordert. Dazu müßte man sich aber die Mühe machen, tatsächlich das Gespräch zu suchen, tatsächlich zuzuhören und auch einmal Farbe zu bekennen, wo es weh tut. Also für den Politiker, wo seine Meinung von der Masse abweicht und für die Medien, wo eine Meldung vielleicht nicht die große Auflage bringt.

Das Lächerlichmachen der Pegida Leute müßte man vor diesem Hintergrund als kontraproduktiv ansehen, da es den Graben ja nur vertieft (wobei es wirklich sehr gute Persiflagen gibt). Wichtig wäre diejenigen, die der Vernunft noch zugänglich sind, anzusprechen und sich von den anderen abzugrenzen, sie letztendlich so unter Druck zu setzen, daß sie ihre (angebliche) braune Fratze so offen zeigen, daß die vielen (angeblichen) Mitläufer sich angewidert abwenden.

Epilog

Es ist spät und ich bin nicht ganz zufrieden mit dem Artikel. Ich hätte an einigen Stellen präziser formulieren können und im Ganzen wohl auch straffen müssen. Ich entscheide mich dafür, den Artikel doch zu veröffentlichen und womöglich einen kürzeren, präziseren folgen zu lassen, falls Zeit und Laune es hergeben. In diesem könnte ich dann auch etwaige Kommentare hier verarbeiten: Hab ich etwas übersehen, hab ich falsche Schlüsse gezogen? etc… 😉