Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 26.03.2012 (Jer 1, 9)

Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

So spricht Gott zu Jeremia. Aber das ist nicht das erste, was Gott sagte. Die erste Rede Gottes an Jeremia steht in Vers 5:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Damit setzt quasi gleich die Handlung im Buch Jeremia ein. Alles vorher ist nur Titel und Datierung. Alles geht los mit der Stimme Gottes, die plötzlich ertönt. Und Jeremia hört das. Jeremia, ein junger Mann aus einer Priesterfamilie. Und das passiert einfach so: Jeremia, paß auf, Du bist jetzt Prophet. Keine Einladung zu nem Eignungstest, kein Bewerbungsgespräch, nichts. Gott interessiert sich auch nicht groß dafür, ob Jeremia der neue Job jetzt zeitlich grad passt, oder ob er doch was anderes vorhatte. Bamm, Berufun, und so isses.

Freilich, als richtiger Prophet gibt Jeremia erst einmal Widerworte:

Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Jeremia will da raus. Prophet sein, das ist ein Full Time Job. Und Jeremia ist aus ner Priesterfamilie. Dem dürfte klar sein, daß das Prophetendasein nicht nur Honigschlecken ist. Der Einwand „zu jung“ war schnell zur Hand, vielleicht das erste, was ihm einfiel. Doch vor Gott entkommt man nicht, auch und gerade nicht als Prophet:

Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten

Das wär ja auch zu leicht gewesen! Gott insistiert. und gibt gleich bekannt, wie die „Geschäftsbeziehung“ in Zukunft laufen soll:

  1. Keine Widerworte
  2. Mobilität wird verlangt
  3. Verkündigung. Gut, das war vorauszusehen…

Vergütung? Nicht wirklich, aber ne Versicherng scheint inbegriffen zu sein. Und dann kommt es:

Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Das war dann wohl die Berufsausbildung. Und die läßt nichts Gutes ahnen: Da ist von Zerstören, Ausreißen und einreißen die Rede. Die Völker und Königreiche werden not amused sein. Es ist zwar auch noch die Rede vom Bauen und Pflanzen, das stimmt etwas versöhnlich, aber trotzdem. Angenehm wird die Sache nicht.

Und das zeigt sich schon am ersten Arbeitstag, Jeremia kann nämlich gleich anfangen. Erst gibt es noch ein Wortspiel mit nem „erwachenden Zweig“, der hier nicht weiter interessant ist, und dann kommt der Kessel:

Ich sehe einen siedenden Kessel überkochen von Norden her.

Jeremia hat seine „Ausbildung“, er ist schon mitten drin im Sehergeschäft. Vorerst sagt ihm Gott noch selbst, wie das zu interpretieren ist:

Von Norden her wird das Unheil losbrechen über alle, die im Lande wohnen. Denn siehe, ich will rufen alle Völker der Königreiche des Nordens, spricht der HERR, dass sie kommen sollen und ihre Throne setzen vor die Tore Jerusalems und rings um die Mauern her und vor alle Städte Judas. Und ich will mein Gericht über sie ergehen lassen um all ihrer Bosheit willen, dass sie mich verlassen und andern Göttern opfern und ihrer Hände Werk anbeten. So gürte nun deine Lenden und mache dich auf und predige ihnen alles, was ich dir gebiete. Erschrick nicht vor ihnen, auf dass ich dich nicht erschrecke vor ihnen! Denn ich will dich heute zur festen Stadt, zur eisernen Säule, zur ehernen Mauer machen im ganzen Lande wider die Könige Judas, wider seine Großen, wider seine Priester, wider das Volk des Landes, dass, wenn sie auch wider dich streiten, sie dir dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dich errette.

Was für ein erster Arbeitstag! Es geht also nicht nur um Ausreißen irgenwelcher Völker und Könige, es geht m Juda, um Jeremias Heimatland selbst. Und von Bauen und Pflanzen ist keine Rede mehr.

Wie fühlt man sich da wohl? Erschlagen? Kann ich mir denken! Und auch wenn Jeremia gehofft haben sollte, das ginge bald vorbei: Da wurde er enttäuscht. Jeremia sollte 40 Jahre lang als Prophet wirken. Er erlebte die Zerstörung Jersalems. Mit Rente war dann wohl auch nicht viel: Seine Spuren verlieren sich, nachdem er nach Ägypten verschleppt wurde.

Kein leichtes Leben. Kein schönes Leben. Keine Chance, zu entkommen. Statt dessen: Leid. Oder lateinisiert: Passion.

Es ist Passionszeit. Die Passion bezieht sich nicht auf Jeremia, sondern auf Jesus. Jesu Aufgabe war es nicht, Jahrzehnte lang zu prophezeien und dann in ein fremdes Land verschleppt zu werden. Er war als Kind in Ägypten, kam aber wieder heil nach Hause, nur um dann, ein paar Jahre später, in Jerusalem am Kreuz zu sterben, gefoltert und verspottet.

Er mußte es tun. Dazu war er da. Und auch Jeremia mußte tun, was er tat. Gott ließ ihm keine Wahl. Er hatten eine schwere Lebensaufgabe zu erfüllen.

Und er erfüllte sie. Und Gott errettete ihn.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 22.2.2012 (Ps. 116, 8)

Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Die Rettung der Seele vom Tod – grade am Beginn der Passionszeit, an deren Ende ja die Überwindung des Todes steht, besteht die Gefahr, diesen Text vorschnell und kritiklos durch eine christliche Brille zu betrachten. Gegen eine solche christliche Brille ist erstmal nichts einzuwenden. Man muss jedoch in der Lage sein, sich durch Hinweise, die der Text gibt, zeitweise von der christlichen Brille zu lösen bzw. die Aussagen, die man aufgrund der christlichen Brille tätigen würde, nocheinmal zu hinterfragen.

Dem Losungstext gehen mehrere Verse voran. Zunächst wird erklärt, dass der Beter JHWH liebt und dieser ihn erhört und aus realer Todesgefahr errettet hat (V. 1-6). In V. 7 wird dann die Seele zur Ruhe gemahnt, da Gott ihr ja Gutes tut. Es kommt dann in V. 8 zu einer Veränderung im Text. Zuvor wurde von JHWH immer nur in der 3. Person gesprochen (V. 1-7), in V. 8 wird nun JHWH direkt angesprochen. Man kann nun sicher über verschiedene Entstehungsschichten des Textes sprechen. Ich aber finde es viel spannender, zu sehen, was der Redaktor hier vermittelt. Sowohl in V. 1-7 als auch in V. 8 lautet die zentrale Aussage: JHWH hat aus Todesgefahr gerettet. Inhaltlich also nichts Neues. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass in 1-7 über JHWH, in V. 8 mit JHWH gesprochen wird. Über JHWH reden hat seine Zeit, mit JHWH reden hat seine Zeit. Der Psalmist spricht im Gebet erst über JHWH, er macht den Hörern und Lesern mit der Rede über JHWH plausibel, warum er überhaupt betet.

Ich glaube, wir können aus diesem Psalm lernen, dass wir uns bewusst machen, warum wir beten – und auch keine Scheu davor haben, anderen gegenüber zu erklären, was uns zum Gebet bringt.

Ich habe zu Beginn von der Passionszeit und der christlichen Brille gesprochen. Die Brille möchte ich jetzt wieder aufsetzen. Mit Blick auf die Situation des Psalmisten ist zu sagen: Er spricht von einem gegenwärtigen, für Menschen fühlbaren Tod – vom leiblichen Tod. Dieser Tod ist auch nach Christi Auferstehung nicht aus der Welt. Gestorben und begraben wird weiterhin. Der leibliche Tod ist ein Schlusspunkt hinter dem irdischen Leben. Doch Christen dürfen auf einen weiteren, wichtigen Punkt Vertrauen: Die Auferstehung Christi. Sie ist der Punkt, der aus dem Schlußpunkt hinter dem irdischen Leben den Doppelpunkt vor dem ewigen Leben macht. Der Entstehung dieses Doppelpunktes gedenken wir in den nächsten 40 Tagen der Passionszeit.