Gesellschaft, Politik

Abschieben…

als nächstes schaffen wir die BRD ab und treten aus der EU aus. Alles für’s Arsch.

Was zu viel ist, ist zu viel. Menschen, die froh sein können, die Gott danken sollten, daß sie einen deutschen Paß haben, Menschen die nicht hier geboren sind, sondern in unsere Sozialsysteme eingewandert, diese Menschen, und ihre Nachkommen, zeigen mehr und mehr, das sie zum Großteil aus gewaltbereiten Chaoten bestehen.

Wieso schieben wir sie nicht einfach ab. Ich habe die Nase gestrichen voll davon, daß Leute, die von meinen Steuergeldern leben und nichts zum Wohlstand in dieser Republik beitragen, die seit Jahrzehnten nun schon auf der faulen Haut liegen und sich vom Staat finanzieren lassen, ihre umfassende Freizeit – sie arbeiten ja nicht – nutzen, um im Pulk unsere Ordnung zu stören. Nicht einmal Polizisten sind mehr vor ihren Übergriffen sicher!

Ich sage, es reicht! Man hätte schon damals sehen müssen, daß das so nicht klappen kann. Wieso schieben wir sie nicht einfach ab? Weg mit denen, die nicht hier her passen.

Nur, wohin sollen wir die Ossis schieben? Wir haben damals ja nicht nur die Menschen aufgenommen, sondern auch ihr ganzes heruntergewirtschaftetes, marodes Land, haben Milliarden hineingesteckt, und wozu? Daß sie jetzt hingehen und Randale machen, weil ein paar hundert Flüchtlinge kommen! Was der Polizeieinsatz wohl wieder gekostet hat!

Es kotzt mich an!

Na, lieber Leser? Aufgebracht? In den letzten Tagen habe ich es des öfteren bemerkt, daß sich Leute aufregten, wenn ich Ostdeutsche, Aussiedler oder Flüchtlinge aus den Ostgebieten mit den Flüchtlingen dieser Tage gleichsetzte. Sicher, ich will in dem Fal, wie auch oben, provozieren.

Die „Ossis“ hatten Glück: Sie bekamen einen bundesdeutschen Paß, ein (weitgehend) demokratisches System, bürgerliche Freiheiten, sie mußten nicht einmal ihre Heimat aufgeben. Aussiedler und Ostflüchtlinge hatten es da schon nicht mehr so gut. Ihre Heimat mußten sie verlassen, konnten aber hier dank deutschem Paß ziemlich bald Teil der Gesellschaft werden.

Und die Syrer, die heute kommen? Und die anderen Flüchtlinge? Da wird jeder Einzelne als einer zuviel angesehen. Wir investieren Milliarden (!) in die Grenzsicherung, nehmen lieber hin, daß hunderte elebnd absaufen, anstatt daß wir ihnen das Überleben ermöglichen.

Heute morgen habe ich in einem Leserbrief in der Tageszeitung gelesen, wir könnten nicht alle aufnehmen. Wie viele kommen? 800.000 pro Jahr? Wir haben 1990 rund 20 Millionen DDR-Bürger aufgenommen, und haben es gestemmt. Wir haben zu etwa der gleichen Zeit nochmal ein paar Millionen Aussiedler und Spätaussiedler aufgenommen, und auch das geschafft. Wir haben nach dem Krieg, als alles in Schutt und Asche lag, Millionen aufgenommen – und da war der Wohnraum dank Bombenkrieg noch knapper als heute – und das hat auch funktioniert. Soll mir keiner sagen, wir hätten kein Geld oder keinen Platz. Beides ist zur Genüge da, was nicht da ist, ist der Wille. Die Deutschen haben Angst, daß sie etwas zahlen müssen, daß sie von ihrem Reichtum abgeben müssen. Ist wie bei Griechenland: Da haben wir an der Krise vor allem verdient, trotzdem regen sich die Menschen über das Geld auf, das „die Griechen“ uns angeblich kosten.

Plötzlich sind es „die Griechen“, nix mehr vereintes Europa. Kohl würde im Grabe rotieren, wenn er schon tot wäre, angesichts dessen, was „sein Mädchen“ aus dem Land gemacht hat!

Ein anderer Einwand aus einem Leserbrief der Tageszeitung: Die Flüchtlinge seien ja alle so hoch gebildet, da wäre es doch notwendig, wenn die ihr eigenes Land aufbauen würden. Das soll doch mal einer dem aus der DDR geflüchteten Arzt sagen! Aber der Leserbriefschreiber wiederlegt sich ja selbst,wenn er sagt,wir hätten kein Geld für die Hochgebildeten. Ja wenn wir kein Geld für sie haben, wie viel Geld hat dann wohl der (kaum mehr existente) syrische Staat?

Wir sollten es vielmehr als Gnade Gottes verstehen, daß uns so viele Flüchtlinge beschert werden. Daß wir unseren Reichtum mit denjenigen teilen dürfen, die in Not sind. Seit Jahres sterben bei uns mehr Leute als geboren werden. Seit Jahren blicken wir voller Angst auf die Demographie. Die Bevölkerungspyramide steht bald Kopf! Jetzt kommen die Flüchtlinge, und wenn wir es schaffen, sie zu integrieren (wie gesat, wir hatten es schon mehrfach geschafft), dann sind bald auch wieder die Renten sicher.

Die Leute haben Angst vor der sich ändernden Kultur. Ja mein Gott, in Berlin ärgert man sich auch über die zuziehenden Schwaben. Ist das ein Grund, wegzusehen, wenn Menschen in Not sind?

Ja, es ist eine enorme Aufgabe, die zu uns strömenden Flüchtlinge zu integrieren. Dazu bräuchten wir eine starke politische Führung, die Visionen entwickeln und umsetzen kann. Und unsere Kanzlerin? Weilt angesichts der Probleme an der Copacabana.

Eigentlich wäre es ein Problem, das wir auf europäischer Ebene lösen müßten. Europa könnte zusammen viel mehr stemmen als Deutschland alleine. Aber wir haben die europäischen Nachbarn platt gemacht mit der Austeritätspolitik. Und inzwischen machen sie es alle Deutschland nach und achten vor allem auf ihre nationalen Interessen. Gut gemacht, Frau Merkel! Aber anstatt sich um das europäische Erbe zu bemühen, anstatt sich für die Wahrung des Friedens (auch des inneren Friedens) einzusetzen, schwebt unsere Kanzlerin über allem und tut… nichts. Zumindest hab ich von ihr noch keine groeße Initiative in Punkto Flüchtlingsproblematik gehört.

Ich mochte Kohl nie, aber der hatte bereits kurze Zeit nach dem Mauerfall einen Plan. Dieser wurde zwar von den geschichtlichen Ereignissen bald wieder überholt, aber dann hatte er wieder einen Plan. Merkel hat nichts, außer der Raute.

Wenn also die Integration mißlingt, so wie die Leserbriefschreiber meiner Lokalzeitung unken, und wie viele meist konservative Mitbürger ebenfalls meinen, dann liegt das vor allem an der konservativen Kanzlerin – und nicht an den Flüchtlingen!

Wir geben, ich habe es schon geschrieben, Milliarden aus, um unsere Grenzen zu sichern. Milliarden. Ein Flüchtlinge kostet, wie ich kürzlich gelesen habe, 1000€ pro Monat. Für eine Milliarde alleine könnten wir nicht nur 800.000 Flüchtlinge aufnehmen, sondern eine Million und sie für einen Monat unterbringen!

Bei der vor einigen Jahren „alternativlosen“ Bankenrettung hatten wir übrigens mal eben 700 Milliarden übrig. Nur so nebenbei.

Und das Geld ist ja nicht weg. Das Geld, das die Flüchtlinge kosten, geht an Betriebe die Nahrungsmittel produzieren, geht an Verwaltung und Sozialarbeiter und viele viele andere, die alle Steuern zahlen, die alle selbst wieder konsumieren. Das Geld geht nicht verloren. Dazu kommt, daß die Flüchtlinge arbeiten wollen, sich integrieren wollen. Die meisten wollen sich, sofern wir es ihnen ermöglichen, hier ein Leben aufbauen, weit weg von Krieg und Not. Sicher haben sie eine andere Kultur als wir, aber wenn sie in die Moschee gehen anstatt… ja anstatt was? Wie viel Prozent der Deutschen geht denn noch in die Kirche? Das ist auch so ein Punkt, der mich aufregt: Menschen, die vom angeblich chritlichen Abendland schwadronieren und noch nie einen Kirche von innen gesehen haben, geschweige denn sich mit christlichen Kernthemen auseinandersetzen. Wie war das mit den Fremdlingen?

2. Mose 22,20:
Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken

2. Mose 23,9:
Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken

3. Mose 19,33:
Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.

3. Mose 19,34:
Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.

3. Mose 23,22:
Wenn ihr aber euer Land aberntet, sollt ihr nicht alles bis an die Ecken des Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten, sondern sollt es den Armen und Fremdlingen lassen. Ich bin der HERR, euer Gott.

5. Mose 10, 17-19:
Denn der HERR, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt und schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.

5.Mose 24, 17:
Du sollst das Recht des Fremdlings und der Waise nicht beugen und sollst der Witwe nicht das Kleid zum Pfand nehmen.

5. Mose 24, 19:
Wenn du auf deinem Acker geerntet und eine Garbe vergessen hast auf dem Acker, so sollst du nicht umkehren, sie zu holen, sondern sie soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen, auf dass dich der HERR, dein Gott, segne in allen Werken deiner Hände.

5. Mose 24, 20:
Wenn du deine Ölbäume geschüttelt hast, so sollst du nicht nachschütteln; es soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen.

5. Mose 24, 21:
Wenn du deinen Weinberg abgelesen hast, so sollst du nicht nachlesen; es soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen.

5. Mose 26, 12:
Wenn du den Zehnten deines ganzen Ertrages zusammengebracht hast im dritten Jahr, das ist das Zehnten-Jahr, so sollst du ihn dem Leviten, dem Fremdling, der Waise und der Witwe geben, dass sie in deiner Stadt essen und satt werden.

5. Mose 27, 19:
Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, der Waise und der Witwe beugt! Und alles Volk soll sagen: Amen.

Ps 146, 9:
Der HERR behütet die Fremdlinge / und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre.

Hes 22, 29:
Das Volk des Landes übt Gewalt; sie rauben drauflos und bedrücken die Armen und Elenden und tun den Fremdlingen Gewalt an gegen alles Recht.

Hes 47, 22:
und wenn ihr das Los werft, um das Land unter euch zu teilen, so sollt ihr die Fremdlinge, die bei euch wohnen und Kinder unter euch zeugen, halten wie die Einheimischen unter den Israeliten; mit euch sollen sie ihren Erbbesitz erhalten

Mal 3, 5:
Und ich will zu euch kommen zum Gericht und will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen und gegen die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der HERR Zebaoth.

Es ist zeimlich eindeutig: Wer sich auf das Christentum, die christliche Kultur, beruft, der kann sich nicht auf Abwehr von Flüchtlingen verlegen. Der muß helfen, so weit er eben kann, und wenn er auf verlorenem Posten kämpft.

Und es ist ja auch so: Die Probleme in den Heimatländern der Flüchtlinge sind ja mitunter von uns verursacht. Was wir gerade erleben ist die Quittung von Jahrzehnten fehlgeleiteter Entwicklungspolitik. Wir haben auf die Wirtschaft gesetzt, anstatt auf die Menschenlichkeit. Es ging darum, Geschäfte zu machen, anstatt den Menschen zu helfen. Am traute es der Marktwirtschaft zu, auch den Menschen zu helfen. Die Marktwirtschaft hat vor allem den Geldbörsen der Reichen und Mächtigen geholfen. Und unseren Geldbörsen. Das Geld, das wir jetzt nicht teilen wollen mit den Flüchtlingen, ist das Geld, das wir durch die Geschäfte mit den Peinigern und Schlächtern von Syrien und Afrika gemacht haben. Deutsche Firmen haben gut mitverdient, und verdienen immer noch mit, sind womöglich sogar wirtschaftlich abhängig von den Konflikten, die die Flüchtlinge hierher treiben.

Und wieder wäre es die Aufgabe unserer Politik, in den Herkunftsländern Einfluß zu nehmen, nicht für bessere Wirtschaftsbedingungen unserer Großindustrie, sondern für die Menschen vor Ort. Dann werden in Zukunft vielleicht ähnliche Flüchtlingsströme ausbleiben. Bis dahin aber haben wir gar keine andere Wahl, die Flüchtlinge, die aktuell unterwegs sind, aufzunehmen und zu integrieren. Denn sie werden auch weiterhin kommen und kein Zaun wird sie stoppen. Wenn wir sie nicht integrieren, dann wird das passieren, was die Konservativen befürchten: Früher oder später bricht das Chaos aus, wenn tausende auf der Straße kampieren müssen.

Deshalb sollten wir uns endlich aufraffen, den Arsch hochkriegen, und uns überlegen, wie wir die Flüchtlinge aufnehmen und integrieren und gleichzeitig die rechten Spinner in Schach halten, die meinen, sie würden irgendwem einen Gefallen tun, wenn sie Steine und Flaschen auf Polizisten werfen und Unterkünfte anzünden.

Und wenn wir das nicht hinkriegen, dann laßt uns die EU abschaffen, denn wenn es nur um freien Warenverkehr geht und darüber ganze Nationen zu Grunde gehen sollen, dann brauchen wir die nicht. Ebenso Deutschland. Wenn wir unsere Steuern nur zahlen, damit Angie ihre Raute in die Kamera hält, dann brauchen wir auch das nicht. Die Länder sind belastet genug mit den Flüchtlingen. Dann sollen sie auch die ganzen Steuergelder bekommen!

Gesellschaft, Politik

Pegida

In den letzten Tagen, als sich der erste Teil meines Schulpraktikums dem Ende zuneigte, hörte ich in der Presse von der Existenz einer Bewegung, die sich „Pegida“ nennt. Wie wahrscheinlich alle schon wissen steht dies für Patrioten Europas gegen Islamisierung des Abendlandes.

Zuerst fand ich die Bezeichnung ja ulkig: Patriot ist ein Wort, das ich mit dem Konzept des Nationalstaates in Verbindung brachte (patria= Vaterland) und nicht mit einem ganzen Kontinent! Offenbar wird hier „Europa“ als so etwas wie ein Vaterland angesehen (das wäre dann erst einmal ein durchaus positiver Aspekt, vielleicht überwinden wir j mit dem ganzen Populismus auch rechts von der Mitte die nationale Kleinstaaterei), ob und inwieweit hier Länder wie Rumänien oder Bulgarien mitgemeint sind, wäre interessant zu wissen aber führt hier vom Thema fort.

Dann hörte ich immer wieder davon, die Demonstranten würden gegen Zuwanderung und „Islamisierung“ protestieren (wieder so ein Unding: pro testare bedeutet „für etwas Bekenntnis ablegen“, und nicht gegen etwas!), hätten Angst, die Zuwanderung würde sie zu viel kosten und dergleichen, und ich bekam etwas Zorn. Ich kann mich noch gut entsinnen, wie nach der Wende immer wieder die Sprüche kamen, die „Ossis“ seien alles faule Säcke und wären in die Sozialsysteme eingewandert ohne selbt etwas geleistet zu haben oder leisten zu wollen. Außerdem seien die eh alle in der Stasi gewesen, also eigentlich Verbrecher. Daß nun die Einwohner einer Stadt, die damals auf diese Weise diskriminiert wurden auf die Straße gehen sollen und die gleichen dummen Sprüche nun anderen Menschengruppen an die Köpfe werfen, ärgerte mich ohne Maßen.

Gedanken wie „dann bauen wir die Mauer halt wieder auf und nehmen unser Sozialsystem wieder mit, wenn die nicht teilen können“ kamen in mir auf. Dabei unterlief mir der Fehler, die Parole der Demos für bahre Münze genommen zu haben: „Wir sind das Volk“. Das sind sie nämlich nicht. Es sind letztes Mal rund 15.000 Menschen gewesen.  Laut Wikipedia hatte Dresden Ende letzten Jahres 530.754 Einwohner. Nehmen wir der Einfachheit an, das habe sich noch nicht geändert und daß alle Protestler Kontratestler auch aus Dresden stammen und nicht von anderen Städten dorthin getingelt sind, dann sind das von Dresden etwas weniger als 3%!!!

Das Volk sind nicht 3%! Sieht man sich die Situation im Rest der Republik an, dürfte klar werden, es handelt sich um eine verschwindende Minderheit, die hier das Wort ergreift . Daß sie sich für eine Mehrheit halten und bei – wieviel? 2,5% Ausländern? – inDresden von einer großen Überfremdungsgefahr ausgehen, mag zusammenhängen. Wenn 3% die Mehrheit ist, ist 2,5% nicht weit davon entfernt… (man verziehe mir diese Entgleisung ins Satirische)

Im Gespräch mit einem Freund fiel uns auf, daß es ja tatsächlich gar nicht so klar ist,w as die eigentlich wollen. Bei Facebook (ne richtige Internetseite hat Pegida leider nicht) findet man eine Liste mit 19 Punkten, die ziemlich nichtssagend sind, wie Mission Phoenix aufzeigt. Mit der Presse redet Pegida nicht und die Internetkommentare und Leserbriefe in der Tageszeitung können ebensogut Einzelmeinungen sein.

Ich habe ja durchaus Verständnis für das Mißtrauen der Presse gegenüber. Ich habe schon oft gesehen, wie da einfach voneinander abgeschrieben wurde und auch, wie Sachverhalte verdreht dargestellt wurden. Trotzdem ist es schwierig, sich ein eigenes Bidl zu machen, wenn es weder eine Homepage gibt (ich bin nicht bei Facebook, überhaupt ist es recht lächerlich, einerseits auf die Mainstreammedien zu schimpfen und sich dann auf DEM Mainstreammedium zu präsentieren).

Es gibt Meldungen, daß der Kern von Pegida dem rechtsradikalen Bereich zuzurechnen ist (zum Beispiel hier). Eiin wenig stutzig macht mich dabei, daß diese Einschätzung vor allem von Seiten der Politik kommt, die unter Umständen ein Interesse daran hat, die Sache kleinzureden.

Denn es gibt durchaus Hinweise darauf, daß die Politik nicht ganz unschuldig ist am Aufkommen dieser Gruppierung (der Nachtwächter hat dazu eine ganz eigene Meinung). Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sieht einen Grund für die Beteiligung an den Demos in den sozialen Sorgen der Menschen, die dann von einigen Nazis „islamisiert“ würden. Damit hat er wohl nicht ganz unrecht und benennt eben genau eine Verfehlung der Politik in den letzten Jahren.

Auch die Mainstreammedien sind wohl nicht ganz unschuldig, wie der Prollblog nahelegt.

Seit den Anschlägen am 11.9.2001 wurden immer wieder unter Verweis auf die (angebliche) Terrorgefahr Bürgerrechte ausgehöhlt, umgedeutet oder eingeschränkt sowe Kriege geführt. Dabei wurde stets auf die Bedrohung durch (islamische) Terroristen hingewiesen, sowie auf die Notwendigkeit (irgend) etwas zu tun. Diese Saat geht nun offenbar auf und ich denke, wir müssen als Gesellschaft damit umgehen, produktiv umgehen, um es nicht noch schlimmer werden zu lassen (und noch schlimmere Saaten aufgehen zu sehen).

Dazu ist es erst einmal nötig, sich ein Bild von der Lage zu machen. Einiges habe ich schon gesagt: Das Problem der Politik, daß sie sich um Sozialabbau und Angstmacherei kümmert, aber viele Leute in ihren Ängsten und Sorgen abgehängt hat. Es geht vielen wohl darum, lieber Wahlen zu gewinnen, als zum Wohle des Landes zu arbeiten.

Da greift man dann doch lieber bestehende Ressentiments auf, wie etwa bei dem neuesten Unsinn der CSU, die Sprache an den Küchentischen vorzuschreiben (die Türken sollen deutsch reden aber die CSU spricht weiter bairisch) oder vor ein paar Jahren, die Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, die einen gewissen Herrn Koch zum Ministerpräsidenten machte… (dies sind zwei Beispiele, die mir einfallen. Der Leser weiß sicherlich um ähnlichen Unsinn anderer Parteien oder kann diesen im Internet recherchieren)

Und die Medien? Die müssen eben Auflage machen, so ist das im Kapitalismus. Trotzdem denke ich, haben die Medien auch eine ethische Verantwortung. Und da muß man sich dann auch an die eigene Nase fassen, inwieweit man Teil des Problems ist, auch wenn man „nur seinen Job getan“ hat.

Zum Bild von der Lage gehört aber auch die Einschätzung der Pegida Leute. Wie gesagt, das ist schwer. Sascha Lobo spricht von Latenznazis:

Vielmehr kommt mit Pegida ein neuer politischer Bürgertypus auf die Bühne – der unbewusst Rechtsextreme oder Latenznazi.

Also Leute, die rechtsextreme Positionen vertreten, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, dass sie rechtsextrem sind.

Für Lobo wirkt der gleiche Unsinn, das eine zu behaupten und das andere zu tun, sowohl bei Pegida als auch sonst in der Gesellschaft: Die Pegida Leute behaupten, sie hätten nichts gegen „Asylanten“ und demonstrierten dann doch gegen sie, ebenso wie in der Politik immer behauptet wird, Deutshcland sei weltoffen, und trotzdem ersaufen tausende an den europäischen Grenzen jämmerlich, weil auch Deutschland sich für geschlossene EU Außengrenzen einsetzt.

Meine Vermutung ist, daß eine gewisse Rechtslastigkeit in der Gesellschaft durchaus vorhanden ist. Und noch etwas scheint mir sowohl bei Pegida als auch sonst in der Gesellschaft verbreitet zu sein: Die zunehmende Unfähigkeit, sich auf andere einzulassen und nach Kompromissen zu suchen (zu einzelnen Aspekten der Problematik habe ich hier und hier schon gebloggt).

Und was kann man tun?

Ich denke, daß eine klare Abgrenzung nötig ist, wie sie etwa der Bamberger Erzbischof Schick oder der ehemalige Bischof von Berlin, Wolfgang Huber. Auch die Redaktion von evangelisch.de hat ihre Form der Abgrenzung gefunden und auf Facebook gibt es wohl schon einige Nachahmer (wie gesagt, ich hab kein Facebook, krieg aber manchmal was mit).

Als Christ ist es für mich undenkbar, Wertigkeiten von Menschen anzunehmen. Ich las des öfteren Äußerungen wie „Wir sind die Gastgeber, die Gäste müssen sich uns fügen, sonst müssen sie gehen“.  Das bringe ich mit dem Christentum nicht zusammen (und damit auch schwerlich mit der immer heraufbeschworenen „abendländischen Kultur“), denn mein Herr, Christus, fordert die Nächsten- und Feindesliebe. Ds bedeutet dann eher, die andere Wange hinzuhalten, anstatt die Gäste rauszuwerfen. „Überwindet das Böse mit Gutem“. Ich kann bei einer Abschiebung nichts Gutes erkennen, das in der Lage wäre, etwas Böses zu überwinden.

Allerdings kann die Abgrenzung in den wenigsten Fällen absolut sein. Diejenigen, die gesprächsbereit sind (falls es die gibt, wie gesagt reden die Pegida Leute mit niemandem, aber sie scheinen im Netz fleißig Kommentare zu verteilen), muß man versuchen zu erreichen. Und dann muß man nachfragen: Was wollt Ihr eigentlich? Und dann kann man antworten, wieso man das für eine schlechte Idee hält oder nicht. Oder man kann, wie Mission Phoenix, darauf hinweisen, daß eine oder mehrere Forderungen ins Leere laufen, weil sie schon umgesetzt sind.

Hier wären auch die Medien und die Politiker gefordert. Dazu müßte man sich aber die Mühe machen, tatsächlich das Gespräch zu suchen, tatsächlich zuzuhören und auch einmal Farbe zu bekennen, wo es weh tut. Also für den Politiker, wo seine Meinung von der Masse abweicht und für die Medien, wo eine Meldung vielleicht nicht die große Auflage bringt.

Das Lächerlichmachen der Pegida Leute müßte man vor diesem Hintergrund als kontraproduktiv ansehen, da es den Graben ja nur vertieft (wobei es wirklich sehr gute Persiflagen gibt). Wichtig wäre diejenigen, die der Vernunft noch zugänglich sind, anzusprechen und sich von den anderen abzugrenzen, sie letztendlich so unter Druck zu setzen, daß sie ihre (angebliche) braune Fratze so offen zeigen, daß die vielen (angeblichen) Mitläufer sich angewidert abwenden.

Epilog

Es ist spät und ich bin nicht ganz zufrieden mit dem Artikel. Ich hätte an einigen Stellen präziser formulieren können und im Ganzen wohl auch straffen müssen. Ich entscheide mich dafür, den Artikel doch zu veröffentlichen und womöglich einen kürzeren, präziseren folgen zu lassen, falls Zeit und Laune es hergeben. In diesem könnte ich dann auch etwaige Kommentare hier verarbeiten: Hab ich etwas übersehen, hab ich falsche Schlüsse gezogen? etc… 😉