Gesellschaft

Offener Brief an Viktor Schwabenland

Lieber Viktor,

vor einigen Tagen las ich Deinen Artikel „Elektroschocktherapie gegen heterosexuelles Verhalten? Geht’s noch?“ und dachte darüber nach, diesen zu kommentieren. Leider müßte ich mich dazu auf Deinem Blog anmelden (ich will das gar nicht kritisieren, ich kenne den Streß mit den Spammern selbst ein wenig), allerdings lese ich zugegebener Maßen dort nicht so häufig, daß sich die Anmeldung lohnen würde. Wahrscheinlich würde ich immer wieder meine Logindaten vergessen. Also habe ich nicht kommentiert.

Nun ging mir die Sache aber eine Weile durch den Kopf und ich kam zu dem Schluß, daß ich auch nicht einfach schweigen kann. Aus diesem Grund greife ich auf meinen eigenen Blog zurück, um Dich zu erreichen. Wir sind beide Mitglieder in der Christlichen Blogger Community und ich hoffe, daß Dich diese Zeilen über diesen Weg irgendwie erreichen.

Ein Grund, wieso ich die CBC mag ist, daß dort viele Christen mit ganz verschiedenen Hintergründen versammelt sind und so die gegenseitige Abschottung, die es sonst gibt, ein wenig durchbrochen werden kann. Dabei setze ich voraus, daß wir alle an den Herrn Jesus glauben und danach streben, nach Seinem Willen unser Leben zu gestalten.

Ich hoffe, daß Du die folgenden Zeilen als Hinweis eines Bruders in Christo sehen kannst, und nicht als abwertende Kritik Deiner Person oder Deiner Frömmigkeitsausprägung.

Du schreibst:

Geht es der Europaregierung wirklich um mein und meiner Familie Wohl?
Wohl kaum würde ich meinen, wenn ich solche Nachrichten lese, dass z.B. ein Familienvater ins Gefängnis geworfen wird, weil er sein Kind nicht zum Sexualunterricht bringen wollte.

Daß es sowas wie eine „Europaregierung“ nicht gibt, will ich gar nicht kritisieren, Dir geht es ja nicht um den korrekten Begriff, sondern um das, was von Regierungsseite aus getan wird. Und das ist, daß ein Mann offenbar eingesperrt wurde, weil er seine Kinder nicht zur Schule geschickt hat. Der Grund dafür liegt, soweit entnehme ich es Deinen Äußerungen, daß der Vater nicht einverstanden war mit den Inhalten, die die Kinder vermittelt bekommen. Im vorliegenden Fall geht es um die Sexualkunde.

Zuerst möchte ich anmerken (nenn mich ruhig Haarspalter, aber als vor Gott für mein Tun – auch in politischen Dingen – verantwortlicher Christ ist es mir richtig, hier die Dinge korrekt trennen zu können, um bei der richtigen Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle machen zu können), daß diese Thematik (Schule und Schulverweigerung) nicht in die Zuständigkeit von Europa fällt. Das ist noch nicht einmal Bundessache, sondern Sache jedes einzelnen Bundeslandes (man korrigiere mich, wenn ich hier einen Fehler mache, wie gesagt, das ist mir wichtig).

Du verlinkst zum Beleg zu einem Artikel der „Stimme Rußlands“. Nun ist in dem Artikel tatsächlich die Rede von einem Vater, der in Erzwingungshaft kam, weil er seinen neunjährigen Sohn nicht zum Sexualkundeunterricht schickte, allerdings nennt auch der Artikel der Stimme Rußlands weder Namen noch sonstige Quellen.

Ich möchte weder Dir noch der „Stimme Rußlands“ unterstellen, daß die Geschichte erfunden ist. Ich kann mir gut vorstellen, daß das vorkommt. Aber muß man es nacherzählen, wenn man nicht nachprüfen kann, ob es wirklich stimmt? Es gibt doch diese Maxime im Internet: „proof or didn’t happen“, also zu deutsch „Beweis, oder nicht passiert“, was darauf hinweist, daß es im Netz viele erfundene Geschichten gibt. Von daher ist es, um sich nicht manipulieren zu lassen, sinnvoll, nur das zu glauben, was eindeutig bewiesen ist.

Und schreibt nicht auch der Apostel Paulus: Prüfet alles, und das Gute behaltet?

Wie gesagt, ich unterstelle Dir nicht, daß es eine erfundene Geschichte ist, aber ich kann es nicht beweisen. Wenn ich also wirklich Deinen Artikel weiterleiten sollte, wie Du am Ende schreibst, würde ich mich selbst dem Vorwurf aussetzen, Unwahrheiten zu verbreiten. So geht es im Prinzip nicht nur mir, sondern allen, die Deinen Artikel weiterverbreiten. Ich möchte Dich also bitten, bei der nächsten Gelegenheit eie Quelle zu suchen, die mehr Auskunft gibt über den Vorgang, so daß man sich unabhängig im Internet zu dem Fall informieren kann. Wenn ein Name genannt wird, so kann man den in der Regel bei Suchmaschinen eingeben und findet mehrere Berichte zu der Sache, die auch immer wieder neue Aspekte ans Licht bringen. Überlege einmal, wie überzeugend Dein Artikel wäre, wenn selbst die größten Kritiker nichts finden könnten, was Deiner Darstellung widerspricht, und sie Dir wohl oder Übel Recht geben müßten!

Du schreibst weiter:

Ich will meine Kinder später auch zu keinem Sexualunterricht bringen, also muß ich mich wohl auch auf ein Gefängnis vorbereiten, oder? Und sowas wird Demokratie genannt? Pfuj! Alles Blabla! Es gibt in Deutschland keine Demokratie.

Im Zweifel ist das wohl so, ja. Du wirst, wenn auch Du Deine Kinder nicht zur Schule schickst und die Strafe nicht bezahlst, ins Gefängnis kommen. So sind unsere Gesetze hier. Und ja, das nennt sich Demokratie. Demokratie bedeutet, daß das Volk die Gesetzgebung maßgebend bestimmt. In Deutschland per Wahl alle 4 bis 5 Jahre, in anderen Ländern wie der Schweiz gibt es auch Volksabstimmungen. Solange Du keine Mehrheit findest, die die Schulpflicht abschaffen will, wirst Du in letzter Konsequenz mit Gefängnis rechnen müssen, wenn Du Deine Kinder nicht zur Schule schickst. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Sexualkundeunterricht, den Sportunterricht, Mathematik, Musik oder Bildende Kunst handelt.

Und doch, in Deutschland gibt es eine Demokratie. Die Parlamente in Bund, Ländern und Kommunen werden demokratisch gewählt, und diese beschließen dann die Gesetze. Nächsten Sonntag hast Du die Chance, auch auf Europäischer Ebene Einfluß zu nehmen. Wenn es irgendwo keine oder keine vollständige Demokratie gibt, dann dort. Trotzdem sollten wir die Möglichkeiten nutzen, die wir haben. Aber ich schweife ab.

Du schreibst:

Ich bin wütend auf das, was ausgerechnet in Baden-Württemberg passiert, wo hingezogen bin, weil ich das Land schön finde. Ausgerechnet hier sollten heterosexuelle Kinder mit Elektroschocks gegen ihr heterosexuelles Verhalten therapiert werden!

Lieber Viktor, das stimmt doch nicht! Es ist nirgends die Rede davon, daß heterosexuelle Kinder tatsächlich „therapiert“ werden sollen mit Elektroschocks. Bitte ließ doch den Artikel, den Du verlinkt hast, bevor Dir das jemand abnimmt und dieses Mißverständnis weiter verbreitet.

Es geht doch dabei um etwas ganz anderes! Es geht darum, daß Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht mehr diskriminiert werden. Zur Zeit ist es doch so, daß viele Menschen in unserer Kultur die Heterosexualität für normal halten und die Homosexualität für unnormal. Das hat leider zur Folge, daß einige Menschen meinen, sie könnten Homosexuelle angreifen, sie für weniger Wert erachten und dergleichen mehr.

Wir beide wissen doch, daß Gott alle Menschen liebt, egal, was sie tun. Wir alle sind Sünder, wir alle sind auf Seine Gnade angewiesen. Und keiner kann „den ersten Stein werfen“, weil eben keiner ohne Sünde ist.

Diejenigen aber, die in unserer Kultur wohnen und keinen Glauben an Christus haben, scheren sich nicht um dieses Herrenwort. Sie werfen fröhlich mit Steinen (im wörtlichen und übertragenen Sinn), und verletzen damit die Homosexuellen, die doch auch Gottes Geschöpfe sind.

Der Plan der Lehrer in BaWü ist nun der, hier für ein Umdenken zu sorgen. Sie können das nicht über die Schrift tun, weil der Staat weltanschaulich neutral sein muß, also keine Religion bevorzugen kann. Also setzen sie an einem anderen Punkt an. Dem der Normalität.

Der Gedanke ist der: Wenn sich die Ansicht verbreitet, daß Homosexualität nicht unnormal ist, dann gibt es keinen Grund mehr, Homosexuelle zu diskriminieren. Ebenso wie heute kaum mehr jemand diskriminiert wird, weil er eine Brille trägt (in meiner Kindheit war „Brillenschlange“ noch eine gängige Beleidigung – da sind wir heute weiter). Es geht also nicht darum, die Homosexualität zur Normalität zu machen und die Heterosexualität für Anormal zu erklären, sondern darum, daß Homosexualität genauso normal ist wie Heterosexualität. Ole von Beust ist nun einmal homosexuell. Das ist normal. Westerwelle ebenso. Auch normal. Und so gibt es viele andere Menschen, die auch ganz normal homosexuell sind. Ebenso wie wir normal heterosexuell sind.

Aber nun zum Fragebogen mit den Elektroschocks. Ich vermute, Du hast es überlesen, aber die dort aufgeführten Fragen sind doch alles Fragen, die man für gewöhnlich Homosexuellen an den Kopf geworfen hat. Du hast Recht Dich über die Idee alleine aufzuregen, daß man Heterosexualität durch Elektroschocks therapieren könne. Die Elektroschocks haben lediglich ein Ergebnis. Sie tun weh. So können wir mit keinem Menschen umgehen, vor allem wir Christen, da wir doch angehalten sind, alle Menschen zu lieben. Aber ist es nicht ebenso, wenn Elektroschläge benutzt werden sollen, um Homosexuelle zu „therapieren“? Das geht doch genau so wenig. Das tut denen doch genau so weh! Darum geht es, denke ich, in den Fragebögen. Die Kinder sollen selbst merken, welche üblen Angriffe Homosexuelle in der Vergangenheit (und zum Teil noch heute) über sich ergehen lassen mußten, nur weil sie eben homosexuell waren oder sind.

Vielleicht fällt es Dir auf, wenn Du den Artikel noch einmal liest. Vielleicht änderst Du dann auch Deinen Artikel, damit nicht andere Menschen auf die Idee kommen, in BaWü würden tatsächlich Kinder mit Elektroschocks behandelt, um sie zu Homosexuellen zu machen. Denn das wäre, auch wenn Du das sicher nicht wolltest, eine Lüge. Und wir wissen beide, wer sich der Lüge bedient und wem damit gedient ist.

Weiter schreibst Du:

Als meine 3-jährige Tochter eine Frau mit Bart im Fernseher sah, war sie schockiert. Obwohl sie noch nicht viel versteht, etwas in ihr drin sagt, dass es nicht normal ist. Sie sieht, dass ihr Vater einen Bart hat und ihre Mutter nicht und für ist es normal so und nicht umgekehrt.

Hmm, als ich ein Kind war hatte auch mein Vater keinen Bart. Es gibt Kinder, die vor Menschen mti Bart Angst haben, weil sie es nicht kennen. Viele Menschen, nicht nur Kinder, haben Angst vor Dingen, die sie nicht kennen. Das ist auch ganz normal. Aber man muß es bei der Angst ja nicht belassen. Oftmals ist sie auch unbegründet. Zum Beispiel als ich vor Jahren einen Bart hatte, traf ich auf Bekannte mit ihrem Kind. Das Kind kannte keine Bärte und hatte Angst vor mir. Dabei hätte ich ihm nichts angetan. Manchmal halten uns Ängste auch ab, positive Erfahrungen zu machen.

Ich will Dir nicht erzählen, wie Du Diene Tochter erziehen sollst. Das geht mich letztendlich nichts an und Du wirst Dir diesbezüglich von mir auch nichts anhören (mit Recht!). Ich möchte Dich aber fragen, woher Du so genau weißt, daß es normal ist, daß die Männer Bärte tragen udn die Frauen nicht. Es gibt Frauen, die haben einen Damenbart. Es gibt Männer, die kaum Bartwuchs haben. Bei manchen Völkern ist der Bartwuchs auch bei den Männern sehr spärlich, wenn überhaupt vorhanden. Die Frage ist doch: Weißt Du aus der Bibel oder von Gott direkt, was normal ist und was nicht, oder weißt Du es aufgrund der Kultur, in der Du lebst? Ich vermute, es bezieht sich auf die Kultur, und die wird zu einem Großteil vom Zeitgeist geprägt.

Daher meine Bitte: Überprüfe, was Du als Gegeben voraussetzt, ob es wirklich von Gott gegeben ist, oder ob es einen anderen Ursprung hat. Und vergib mir bitte, Dich auf die Möglichkeit eines Splitters in Deinem Auge hinzuweisen. Ich bin mir dessen bewußt, daß es bei mir Balken zur Genüge gibt, aber auch ich bin darauf angewiesen, daß man mich drauf hinweist, bevor ich sie rausziehen kann.

Im weiteren schreibst Du noch einmal, daß Du nicht willst, daß Deine Kinder zu Schwulen udn Lesben erzogen werden. Wie ich schon sagte, ich sehe nicht, daß das irgendwer wollen würde. Ich halte es wie gesagt für ein Mißverständnis. Nebenbei: Niemand kann Deine Kinder zu Schwulen oder Lesben erziehen. Sie sind, was sie sind. Wenn sie schwul sind, sind sie schwul, wenn lesbisch, dann lesbisch, wenn hetero, dann hetero. Weder Du und noch viel weniger irgendwelche Lobbies können das ändern. Das hat Gott von vorn herein festgelegt, wie Er alles schon von Anfang der Zeit her bestimmt hat.

Ich wünsche Dir Seinen reichen Segen und danke Dir, daß Du Dir die Mühe gemacht hast, meinen Brief ganz zu lesen.

De Benny

EKD, glaube, kirche, Religion

Antwort an die Altbischöfe

Gestern haben die Altbischöfe Eduard Berger, Heinrich Hermanns, Jürgen Johannesdotter, Dr. Werner Leich, Dr. Gerhard Maier, Dr. Gerhard Müller, Dr. Theo Sorg und Dr. Ulrich Wilckens einen Offenen Brief an die Mitglieder der EKD Synode geschrieben mit der Bitte, die Begründung von §39 Pfarrdienstgesetz nicht mit dem Gesetzestext zu beschließen. Leider habe ich nirgends im Internet den Wortlaut der umstrittenen Begründung gefunden (danke evangelisch.de :(), jedoch ist es für mich auch nicht weiter wichtig.

Es geht im Großen und Ganzen, soviel geht as den zitierten Fragmenten und Erläuterungen hervor, um die Haltung der Kirche zu homosexuellen Partnerschaften bei Pfarrern. Mich interessiert hier mehr die theologisch-biblische Argumentation als die verwaltungstechnisch-juristische Umsetzung, denn ich studiere nicht Jura, sondern Theologie, deshalb möchte ich vor allem auf die theologische Argumentation der Bischöfe eingehen.

Ich habe mich in einem anderen Kontext (auch ein offener Brief, damals von Pfarrern an den Präses von Westfalen) schon einmal mit der Thematik befaßt, einige Argumente dürften relemäßigen Lesern (hab ich die überhaupt?) nicht fremd sein.

Die Altbischöfe steigen mit großen Worten in die Begründung ein:

Denn es geht dabei im Grunde um nichts Geringeres als um die Frage, ob evangelische Kirchen darauf bestehen, dass die Heilige Schrift die alleinige Grundlage für den Glauben und das Leben ihrer Mitglieder und für den Dienst und die Lebensführung ihrer ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrer bleibt, oder ob eine Landeskirche nach der anderen eine Angleichung an die in der Gesellschaft üblich gewordenen Lebensformen für so wichtig halten, dass sie dafür die Orientierung an der Heiligen Schrift aufgeben bzw. aufweichen.

Dabei wird unterstellt, die Heilige Schrift würde eine Lebensführng in homosexeller Partnerschaft ablehnen oder verbieten und die Zulassung von homosexuellen Partnerschaften im Pfarrhaus sei somit allein aufgrund einer bibelwidrigen Anpassung an den Zeitgeist erstrebt. Wichtig ist es mir an diesem Punkt festzuhalten, daß die evangelische Kirche kein bischöfliches Lehramt kennt, was also bedeutet, daß man der Vorannahme der Altbischöfe nicht blind folgen darf, sondern sie überprüfen muß, denn das Lehramt tragen wir alle.

Die Unterzeichner des Briefs führen drei Bibelstellen als zentral an:

Röm 1, 26f:

Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.

1. Kor 6, 9f:

Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.

1. Tim 1, 10:

den Unzüchtigen, den Knabenschändern, den Menschenhändlern, den Lügnern, den Meineidigen und wenn noch etwas anderes der heilsamen Lehre zuwider ist,

Auf all diese Stellen bin ich im damaligen Artikel schon eingegangen. Interessant hier, daß keine Rede von den zwei Levitikusstellen die Rede ist, vielleicht sind die Bischöfe selbst zu sehr zeitgeistgesteuert, um sich hinter die dort geforderte Todesstrafe zu stellen? Denn bei ihren Verständnis der entsprechenden Stellen würde es dabei sicherlich auch um Homosexualität drehen, und dann wären sie durch die Bibel gebunden.

Die Altbischöfe nennen im Zusammenhang ihrer Begründung auch 1. Mose 1, 27f:

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Daraus leiten sie, wie ich sie verstehe ab, daß die natürliche Lebensweise die Lebensweise des Verkehrs von Mann und Frau ist. Provokativ könnte man fragen: Sind alleinstehende Menschen dann unnatürlich? Wie paßt das mit den Äußerungen des Paulus zusammen, daß es am besten wäre, alle wären wie er, nämlich ledig (1. Kor 7, 7)? Darin spricht Paulus davon, daß zwar nicht alle die Gabe haben, ledig zu bleiben, aber es doch gut wäre. Ist die von den Altbischöfen genannte natürliche Lebensweise vielleicht doch nicht so natürlich? Oder ist die Natürlichkeit vielleicht gar kein Kriterium? In Epheser 2,3 (kein authentischer Paulusbrief, aber immer noch Heilige Schift) ist die Rede davon, daß Menschen von Natur aus Kinder des Zorns waren. Und diese Menschen wurden gerettet, wohl gegen die Natur. Wieso also sollte die Natur ein Argument sein bei der Homosexualität?

Die Altbischöfe behaupten nun, daß zweierlei nicht möglich ist:

  1. Die Behauptung, es gehe nicht m verantwortungsvolle Homosexalität sondern Verkehr mit Lustknaben im Tempel.
  2. Die Behauptung, es handle sich um zeitgebundene Verbote wie das Predigtverbot für Frauen (1. Kor 14, 34f).

Die zweite Behauptung sei ausgeschlossen dadurch, daß nach 1. Tim 10 und 1. Kor 6 die Homosexellen vom Himmelreich ausgeschlossen wären, was anhand der Überprüfung des ersten Punktes noch gegenzuchecken ist. Doch bevor ich dazu komme muß ich noch einmal meiner Verwunderng Asdruck verleihen.

Hatten die Altbischöfe nicht weiter oben im Brief ihre Sorge ausgedrückt, die biblischen Normen werden verlassen zu Gunsten einer unbiblischen Anpassng an die moderne Gesellschaft? Wie können sie dann das Verbot der Frauenpredigt, wenn sie es denn so auffassen (ich kann nur ein Gebot darin erkennen, bei der Predigt nicht dazwischenzuquatschen) als zeitlich gebunden verstehen, das aufgrund der Nichtnennung bei 1. Kor 6 und 1. Tim 10 nicht gar so verbindlich ist? Sind die Altbischöfe gegen predigende Frauen? Dann sollen sie bekennen, was sie als Wahrheit erachten. Sind sie der Meinung, es handle sich um eine zeitgebundene Regulierung, dann bitte ich darum mir zu erklären, wie sie mit ihrem Bibelverständnis und der Hermenetik, die sie bei der Frage der Homosexualität an den Tag legen dazu kommen!

Nun zum ersten Punkt, der, wenn er fällt Punkt 2 gleich mitnimmt: Laut den Bischöfen schließt der Text in Röm 1 aus, daß bei 1. Kor 6 und 1. Tim 10 Tempelprostitution gemeint sei. Wenn ich mir die Texte ansehe, dann ist bei Röm 1 von Männern und Frauen die Rede, bei den anderen Stellen aber nur von Männern, nämlich Knabenschändern und Lustknaben. Es ist sehr fraglich, ob hier das gleiche gemeint sein kann wenn anderes geschrieben wird.

Alleine die Wortwahl läßt darauf schließen, daß es sich bei 1. Kor und 1. Tim um Abhängigkeitsbeziehungen handelt, in denen der Sex eine Rolle spielt. Knabenschänder sperren wir hete noch mit gutem Grund ein. Und auch bei Kindern und Jugendlichen, die sich prostituieren, verstehen wir dies nicht als Ausdruck ihrer sexuellen Selbstbestimmung, sondern als durch irgendwelche finanziellen oder sonstigen Zwänge begründet, die es abzstellen gilt, damit die Kinder Kinder sein können. Partnerschaftliche Homosexualität auf Augenhöhe unterscheidet sich davon in der Art, wie sich bezahlter Sex mit kleinen Mädchen von einer heterosexellen Partnerschaft auf Augenhöhe unterscheidet. Es fällt mir schwer nachzvollziehen, warum die Bischöfe das nicht sehen.

Zu Röm 1 sei noch einmal auf meinen anderen Artikel verwiesen. Damals schien es mir so, als seien dort eigentlich heterosexuelle Menschen gemeint. Eine andere Erklärung könnte sein, was man aus Therapien öfter hört: Ein Umfeld macht krank und führt dazu, daß einzelne Menschen krank werden, die für das Umfeld nicht verantwortlich sind. Ein Chemieunternehmen verpestet die Luft und die Anwohner, die nix dazu können, bekommen Asthma. Die Menschen verheren die Geschöpfe statt des Schöpfers und darafhin werden einige homosexuell, nicht aus Schuld, sondern als Symptom für die Sünde in der Welt. Die Auslebung der Homosexualität ist – so verstanden – auch keine Sünde.

Festzuhalten bleibt, daß Paulus an keiner Stelle dezidiert sagt: Homosexuelle Handlngen bringen einen in die Hölle. nd auch sonst in der Bibel steht das nicht.

In diesem Sinne kann ich die luthersche Warnung nur an die Altbischöfe zurückgeben: Das Wort sie sollen lassen stahn!

Zu guter Letzt möchte ich auch hervorheben, wo ich mit den Bischöfen übereinstimme: Die freie Gesellschaft muß nicht nur die Ansicht der Befürworter zulassen, sondern auch die der Gegner, beides möglichst ohne viel Polemik (ich hab versucht mich zurückzuhalten in meinem Artikel). Ich stimme den Altbischöfen zu, daß ein Ausschluß von der Ordination nicht bedeutet, man spreche die Menschenwürde ab. Viele Nichtchristen oder auch Angehörige anderer christlicher Konfessionen können nicht ordiniert werden in der evangelischen Kirche, ohne daß dies ihre Menschenwürde antastete.

Und dann hat der Brief noch eien Nachsatz, der so völlig aus allem rausfällt:

Im übrigen sollten Sie auch ernst nehmen, dass mit der Annahme dieses Pfarrdienstgesetzes im Sinne der „Begründung“ jeder Fortschritt zu ökumenischer Gemeinschaft mit der katholischen und den orthodoxen Kirchen sowie auch mit einigen lutherischen Kirchen in der Welt blockiert sein würde.

Ich unterstütze die Ökumene aus vollem Herzen, doch kann ein schwererer Stand in den Gesprächen kein Grund sein die eigene Ordnng zu ändern. Grund kann nur der Wille Gottes sein, den Er in der Heiligen Schrift und durch den Heiligen Geist offenbart.

Daher wundere ich mich über die Maßen, daß Bischöfe der lutherischen Kirche(n) überhaupt den Gedanken fassen können, der Konsens mit Rom und den orthodoxen Kirchen seien ein Argument für oder gegen eine Entscheidung, zmal sie sich in dem Brief schon so sehr auf die Bibel berufen haben. Man bedenke, wenn Luther den Konsens mit Rom über die Bibel gestellt hätte!

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Burkaverbot – offener Brief

Ich bin heute über einen Kommentar in meinem Artikel zum Gebetsverbot in Berlin auf den Blog Alien in Europe aufmerksam geworden. Der Blog wird von einer Muslima betrieben und scheint mir nach erstem Lesen einen ausgewogenen Blick auf die Gesellschaft aus muslimischer Sicht zu geben. Was mir oft begegnete, nämlich undifferenzierte Blogs à la Islam gut – alle anderen böse, ist hier gerade nicht, eine schöne Abwechslung (wahrscheinlich hab ich immer an den falschen Stellen gesucht).

In besagtem Blog ist ein offener Brief veröffentlicht zum Burkaverbot in Belgien (und ähnlichen Plänen in ganz Europa), mit der Bitte, den Brief weiter zu verbreiten. Das will ich hiermit tun. Ich bin zwar weiß Gott kein Muslim, und sehe auch nicht, daß ich je einer werde, aber ich bin überzeugter Anhänger unserer freiheitlichen Grundordnung in Deutschland (die Freiheit ist mir im Zweifel wichtiger als die Demokratie, wie ich schon mal schrieb). Und diese freiheitliche Grundordnung gerät in Gefahr, ja wird in Frage gestellt, wenn Menschen aufgrund ihrer Kleidung, seien es Burkas, Kopftücher oder Schottenröcke diskriminiert werden. Wenn sie allein aufgrund ihrer Religion marginalisiert werden, wenn sie, aus Angst vor möglichen Konflikten nicht mehr beten dürfen (hat was von: die Frau ist selbst schuld, daß sie vergewaltigt wurde, hätt sie sich nicht so angezogen -> der Muslim ist selbst schuld, daß er nicht beten darf, wenn er so provokativ sein Recht einfordert), dann stimmt etwas nicht.

Es kann nicht sein, daß man den Muslimen (mit Recht) Toleranz für Mohammedkarikaturen abverlangt, auf der anderen Seite aber keinerlei Toleranz für die Muslime aufbringt, wenn deren Glaube an der Kleidung zu erkennen ist.

Deshalb nun hier der offene Brief im Wortlaut, auch wenn mein Blog wahrscheinlich von keiner Adressatin überhaupt gelesen wird:

Assalamu alaikum wa rahmatullah

Liebe Geschwister im Islam,

seit dem unseligen Volksentscheid gegen Minarettbau in der Schweiz sehen zu viele Menschen in Europa anscheinend die Zeit gekommen, um ernsthaft gegen den Islam vorzugehen. Es wurde seit Jahren immer wieder hier und da mit rechtlichen und verwaltungstechnischen Maßnahmen versucht, das Muslimsein so ungemütlich wie möglich zu machen. Ganz üble Auswüchse waren das Kopftuchverbot für Lehrerinnen in Deutschland, für Schülerinnen in Frankreich und einzelne Sondergesetze in italienischen und schweizer Bezirken – ich will nicht alles aufzählen, wer sich informiert, kennt sie alle.

Nun hat man sich auf die Schwestern eingeschossen, die der Auslegung folgen, dass auch das Gesicht zu bedecken besser bzw. Pflicht sei. In Belgien ist das erste Anti-Burka-Gesetz beschlossen, in Frankreich auf dem Weg, Italien denke ich, wird folgen, wenn nicht landesweit, dann weiter in einzelnen Provinzen. Dänemark macht bestimmt gerne mit. In Deutschland wird man, meiner Erfahrung nach, davor zurückschrecken, statt dessen mit Einzelverboten vorgehen – durch andere Gesetze, insbesondere im Bereich der Arbeitsverwaltung. Es wird wieder viele Schwestern vor schwere Gewissensentscheidungen stellen, noch mehr als bisher.

Und, was tun wir? Sagen wir, ach, nein, ist ja doch keine Pflicht, warum sollen wir uns da stark machen? Oder sagen wir, halt, nein, unsere Schwestern folgen einer Auslegung, die nicht falsch ist, und es ist ihr gutes Recht. Es ist auch ihr gutes Recht, zu verlangen, dass wir uns dagegen aussprechen, dass hier Sondergesetze gemacht werden, die den europäischen Rechtssystemen im Grunde widersprechen. Also, Solidarität mit den Schwestern, energischer Protest!

Höre ich das? Nein, zumindest noch nicht.

Und daher schreibe ich diesen Brief. Denn, bedenkt bitte: heute sind es „nur“ die Niqabis. Morgen? Gesetze, die vorschreiben, dass die Mädchen erst mit 18 Kopftuch tragen dürfen? Dass man Kinder nicht mehr arabisch und Quranlesen, oder gar Beten lehren darf? Genaue Kontrollen aller Moscheen, damit dort keinerlei Kurse mehr stattfinden? Zulassungsbeschränkungen für Imame? Es gibt da eine Menge denkbarer Möglichkeiten, die eine Gefahr für alle in Europa lebenden Muslime wären, insbesondere für die Möglichkeit, auch die Kinder als Muslime zu erziehen. Dort sind wir am Verletzlichsten, wenn man nämlich unsere Kinder noch mehr als bisher unserem Din entfremdet.

Sagt jetzt nicht, ach, soweit wird es nicht kommen. Seht euch an, was schon alles geht, wie oft Gesetze extra geändert wurden, weil die bestehenden zugunsten der Muslime hätten ausgelegt werden müssen. Selbst das Grundgesetz hat man ergänzt in der Hoffnung, das Schächten verbieten zu können. Daher sage ich euch, wenn wir uns nicht wehren, nicht deutlich machen, dass unser Islam nicht verhandelbar ist, WIRD es soweit kommen. Und weiter.

Vor Allah sind wir dafür verantwortlich, was mit unseren Kindern, unserer Ummah geschieht. Daher sollten wir alle das tun, was wir können. Schreibt Leserbriefe, sprecht das Thema in den Moscheen an, bei den Verbänden. Meine große Bitte an alle Verbandsvertreter: macht bei den Innenministern klar, so nicht. Unterstützt die Verbände in Belgien, Frankreich, der Schweiz. Duckt euch nicht. Vertraut auf Allah – der uns helfen wird, wenn wir standhaft sind.

Denkt an unsere Kinder!