Kirche

Kommt bald eine neue Spaltung?

Das Christentum hat ja in seiner langen Geschichte schon viele Kirchenspaltungen erlebt. Die Anzahl der Kirchen, Kofessionen und Glaubensgemeinschaften ist so unübersichtlich geworden, daß da wohl keiner mehr nen absoluten Überblick hat.

Die ökumenische Bewegung will hier Abhilfe schaffen und schafft dies in kleinen Schritten auch. Inzwischen erkennen Katholiken und Protestanten gegenseitig die Taufe an und die mit Rom unierten Ostkirchen benutzen im Gottesdienst das NC ohne „filioque“, weil man sich da zwischen Rom und Orthodoxie auch näher gekommen ist. Ein gemeinsames Abendmahl liegt trotzdem noch in weiter Ferne, das ist halt nicht ganz so einfach.

Was mir in letzter Zeit immer wieder durch den Kopf geht ist die Spaltung in den evangelischen Landeskirchen zwischen eher konservativen und eher liberalen Kreisen. Oftmals geht es dabei ums Bibelverständnis: Die einen nehmen die Bibel eher wörtlich und sehen in ihr eine eigene Autorität, der man als Christ zu folgen habe, die anderen sehen in ihr ein historisches Zeugnis, das auf Christus verweist, die Autorität aller Christen.

Wahrscheinlich ist eine längere Auseinandersetzung darüber, was die Bibel ist und was sie uns bedeutet, angebracht und von Nöten. Allerdings besteht hier eben auch die Gefahr, die Trennung damit zu vollziehen und festzuklopfen. Andererseits sind auch so schon einige aus der Landeskirche ausgewandert und bilden eigene Gemeinden, in denen es dann etwa keine Frauenordination gibt, oder kein Abendmahl zwischen Reformierten und Lutheranern oder was heute meist Stein des Anstoßes ist: Die Haltung gegen über der Homosexualität. Manchmal spielt auch der Islam ne Rolle.

Immer geht es darum, daß die konservative Seite behauptet, eine Linie sei überschritten worden, die nicht mehr mitgetragen werden kann, während die Liberaleren betonen, daß die aktuelle Auslegung der fraglichen Sache noch auf dem Boden des Evangeliums stünde. So lange man sich nicht eing ist, wie man die Bibel auslegt, bzw was man sonst als vermittelnde Autorität in dem Streit annehmen sollte, sind solche Fragen kaum mit letzter Gültigkeit zu entscheiden (denn Konzilien können irren und für die Reformierten haben Bekenntnisse prinzipiell nur zeitlich relative Bedeutung).

Vor kurzem habe ich auf einer Seite von eher konservativen Christen meiner eigenen Landeskirche etwas vom Relativismus gelesen. Der Vorwurf war, daß die Landeskirchen tendentiell gar kein Bekenntnis mehr hätten und alles irgendwie gehen würde. Im Gegensatz dazu betonten jene konservativen Seitenbetreiber, daß ein festes Bekenntnis nötig und wichtig ist.

Ich würde da eine vermittelnde Stellung einnehmen: Einerseits hat jeder ein Bekenntnis, als Christ wohl mindestens das Bekenntnis zu Christus, wie auch immer das individuell verstanden wird. Und diese persönlichen Bekenntnisse sind vielleicht nicht ganz klar formuliert und meist auch widersprüchlich, aber sie sind insofern klar als daß der Betreffende meist sagen kann, was er glaubt und was nicht, wenn auch mit tastenden Worten (lieber tastend, als daß man etwas, das an sich unaussprechlich ist, durch eindeutige Worte unsachgemäß vereinfacht).

Ich meine aber, daß innerhalb einer Kirche, in der viele Individuen sind, die Gott je anders geschaffen hat, eine gewisse Varianz gegeben ist und sein muß. Sonst steht am Ende jeder alleine da, was dem Begriff „Gemeinde“ ja so ziemlich widerspricht. Nicht jeder drückt die Dinge gleich aus, und das macht es IMHO schwierig, eine objektive Grenze zu ziehen, wann jemand Christ ist und wann nicht. Da ich in den anderen nicht reinsehen kann, weiß ich nicht einmal, ob er vielleicht doch genauso denkt wie ich und wir uns nur mißverständlich ausdrücken. Deshalb tendiere ich selbst dazu, all diejenigen als Christen anzusehen, die sich selbst so bezeichnen (und ja, womöglich sind auch welche darunter, die das nur sagen, aber nicht meinen, das kann ich aber nicht entscheiden, Gott weiß es). Das mag nach Relativismus aussehen, aber es ist der Sache geschuldet. Und solange sich jemand als Christ bezeichnet, kann ich mit ihm über unsere verschiedenen Glaubenswege reden, und wir beeinflussen einander vielleicht dahingehend, daß wir beide näher zu Gott kommen (letztlich liegt es eh bei Ihm).

Für mich persönlich kann ich ein klareres Bekenntnis fassen, was sich allerdings schlechter vorsagen läßt als sich vielmehr in meinen Antworten auf Rückfragen äußern kann. Jedenfalls so unvorbereitet, wie ich jetzt darauf bin.

Vielleicht läge im Formulieren und gegenseitigen Vortragen dieser Punkte ein Weg, Konservative und Liberale einander wieder näher zu bringen: Indem sie beide formulieren, wie ihr Bekenntnis aussieht, und anhand welcher Kriterien sie entscheiden, wer ein Christ ist und in die Kirche gehört.

Und zwar wäre es interessant, wenn dies einmal umgekehrt geschähe: Wenn die Liberaleren einmal persönliche Bekenntnisse formulieren und damit das ausdrücken, was den Konservativen so am Herzen liegt: Der echte, unrelativierte Glaube. Und wenn die Konservativen dann mal auf ein Bekenntnis verzichten würden und das formulierten, was den Liberalen wichtig ist: Inwieweit Varianz in den Ansichten der Gemeindeglieder sein kann, ohne daß jemand ausgeschlossen wird.

Interessanter könnte das werden, wenn die Liberalen versuchen, biblisch zu argumentieren. Die Konservativen könnten die Bibel einmal in den Hintergrund treten lassen und sich drauf besinnen, daß Luther sich in Worms auf Schrift und Vernunftgründe berief, und daher versuchen, die Grenzen der Kirche anhand allen Menschen einsichtlicher Gründe zu ziehen.

Was denkt Ihr? Würde das was werden? Ich vermute ja, daß keine der Seiten es überhaupt nur erwägen würde und statt dessen auf ihren Ansichten beharren. Wie sagte Gott noch gleich? „Es ist ein halsstarriges Volk.“

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Donnerstag, 24. Januar 2013

Antje schreibt von der „neuen Lust am Patriarchat“. Ich weiß nicht, ob ich ihr in allem so folgen kann, ich befasse mich jedoch auch nicht so ausgiebig mit Fragen des Feminismus. Allerdings stelle ich mir die Frage, wieso es gleich eine Rolle spielen muß, ob in einem Film Frauen nur Nebenrollen spielen. In meinem unreflektirten Medienkonsum hab ich es bei solchen Filmen einfach hingenommen, ohne da bewußt nach der Rollenverteilung gefragt zu haben. Vielleicht liegt das auch daran, daß ich ein Mann bin. Bei Rosamunde Pilcher und ähnlichen Produktionen kommt es mir aber oft so vor (ich gebe zu, ich folge bei den Filmen selten der Handlung sondern beschäftige mich meist nebenher mit anderem), als ob dort Männer recht flach dargestellt werden oder lediglich als Statisten dienen, jedenfalls diejenigen Männer, die in den Beziehungsgeschichten eine Rolle spielen. Villeicht ist es auch wirklich so, daß Frauen und Männer generell oder zumindest noch in teileise getrennten Welten leben, und je nach Perspektive das eine oder das andere hervortritt. Bei Kinderfilmen spielen Erwachsene ja auch oft eine Statistenrolle…

Joel schreibt über wörtliche und dynamische Bibelübersetzugen und kommt zu dem Schluß: Die Frage ist nicht unbedingt: „genau oder modern“? Manchmal ist die Frage auch: „ungenau und altmodisch“ oder „genauer und moderner“?

Selten werden bei Sojourner’s in einem Artikel so viele deutsche Theologen genannt, wie in Alessandro Speciales (der mann heißt wirklich so) Artikel zu einer möglichen speziellen Strukur in der Kirche von Rom zur Aufnahme Lutherischer Konvertiten. Auf der einen Seite ist es ja wirklich etwas ärgerlich: Protestantischerseits lädt man zur gemeinsamen Reformationsfeier ein, dafür wird dann in Rom ein Versuch unternommen (oder eher vorbereitet), Protestanten von ihrer Kirche abzuwerben. Da wird in konservativen Kreisen immer wieder betont, man dürfe um der Ökumene willen bloß keine Frauen ordinieren, oder Homosexuelle treuen und dann gibt Rom nicht viel auf ökumenische Rücksichten, und bringt sowas. Ich frage mich: Wieso nicht? Wenigstens ist es ehrlich. Ich jedenfalls habe den Eindruck, daß Rom unter Ökumene immer nur die eigene Struktur meinte und das Ziel ökumenischer Gespräche ist, daß wir Protestanten wie auch die Orthodoxen uns wieder in die Papsthierarchie einordnen sollen. Dann sind diese Sonderstrukturen, die es auch schon für Anglikaner und Orthodoxe gibt (die Vorderen dieser beiden Konfessionen sind darüber auch nicht gerade erbaut) doch nur ehrlich. Man darf sich dann nur in Rom nicht wundern, wenn dann protestantischerseits stärker betont wird, daß die Unterordnung unter die römische Hierarchie nicht Ziel der Ökumene sein kann. Unsereins sucht ja eher den gemeinsamen Glauben als die gemeinsame Hierarchie (ich weiß, das ist provokant formuliert, aber trotzdem auch ehrlich gemeint ;)). Wie dem auch sei, wer gehen will mag gehen, konnte er bisher schon und wird auch weiterhin geschehen, auch umgekehrt, und zwar unabhängig von den jeweiligen Strukturen.

Beim Herrn Alipius erläutern uns die Pimpfe, was „In God we trust“ wirklich bedeutet, wenn’s hart auf hart kommt.

Ebenfalls vom Herrn Alipius (der hat es hier her wo noch andere Quellen verlinkt sind) bin ich auf eine WDR Lokalzeit aufmerksam geworden, die meine Vermutungen bezüglich der Vorgänge in Köln weitestgehend bestätigt.

Wahrscheinlich wird das jetzt in den Medien die Runde nicht machen, aber wer liest auch schon gerne, daß die Katholiken doch keine Unmenschen sind?

Ich bin aber wieder in meiner Vermutung bestätigt, daß gloria.tv irgendwo in der gleichen Ecke wie kreuz.net anzusiedeln ist. Nee, im Ernst, das sollen die Katholiken unter sich ausmachen (meinetwegen mit den lutherischen Neukonvertiten noch dabei ;)), aber Denuniation geht gar nicht und Hilfeinfrastruktur zu blockieren, die sich eigentlich um wirkliche Notfälle kümmern soll, geht erst recht nicht. Aus gutem Grund verbietet man Kindern, aus Jux den Notruf zu wählen.

Wer sagt, es werden keine Gebete erhört? Von hier aus gute Besserung.

Und Melissa schreibt von Homeschooling, warum sie es ablehnt und Martin Luther King. Lesenswert.

Kirche & Web 2.0

Hoc est enim…

Der Kenner erkennt an der Überschrift: Es geht ums Abendmahl, das Herrenmahl, die Eucharistie. Und zwar diesmal in seiner digitalen Form, bzw ob es das geben kann.

Ich weiß, daß auch einige Leser hier der Kirche von Rom angehören und diesen bei dem Gedanken an ein Online-Abendmahl (bzw Eucharistie) gerade sämtliche Fuß- und Fingernägel hochgeklappt sind. Mir ist bewußt, daß es sich hier wohl vor allem um ein Problem handelt, das auch nur innerhalb der evangelischen Kirchen diskutierbar ist. Aber davon gibt es ja auch andere. Mir geht es vor allem darum, inwieweit das schon bestehende evangelische Abendmahlsverständnis (bzw die Verständnisse) eine Online-Form ermöglichen würden. Es geht als nicht darum, den ökumenischen Graben noch tiefer zu graben, sondern vielleicht eher, seine Tiefe ein Stück weiter zu offenbaren. Die Spaltung haben wir ja schon. Aber zm Thema.

Bei Ralpe las ich vom wahrscheinlich ersten Online-Abendmahl. Er brachte auch einen Erfahrungsbericht. Dazu gab es dann einige Kommentarthreads etwa auf Facebook. Außerdem haben Heiko und Matthias noch eigene Artikel geschrieben. Ich hoffe, alle Beiträge (oder wenigstens die meisten) damit erfasst zu haben.

Das erste Problem, bevor man zur theologischen Begründung kommt, ist wohl im vorliegenden Fall die Durchführung gewesen. Ralpe kritisierte das Video von der duschenden Dame, das zuerst als Werbeeinblendung der Online-Plattform verstanden wurde, sich aber als Impuls für den Gottesdienst herausstellte. Daß es als solches nicht erkannt wurde (oder erkannt werden konnte) spricht nicht gegen das Online-Abendmahl, sondern vielleicht gegen die Gottesdienstgestaltung des Pfarrers.

Ein Punkt der mich persönlich störte, als ich es las, war, daß die Online-Gemeinde wohl ihr eigenes Abendmahl bekam. Die Einsetzungsworte wurden nochmal gesprochen (oder sollten es werden, der Ton riß ja ab). Für mich ein klares No-Go, denn damit wird die Abendmahlsgemeinschaft der Onlinegemeinde mit der Lokalgemeinde negiert. Wenn, dann eine Einsetzung für alle.

Überhaupt die Gemeinschaft! In den verschiedenen Kommentaren lese ich viel davon, daß eine Gemeinschaft online nicht möglich sei, und daß es deshalb kein Online-Abendmahl geben könne.

Ohne selbst je an einem Online-Gottesdienst, in welcher Form auch immer, teilgeniommen zu haben, bin ich hier skeptisch. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß es Menschen gibt, die eine Gemeinschaftserfahrungauch online habe, genauso wie es auch andere gibt, die diese Erfahrung eben nicht haben. So wie es auch Menschen gibt, denen diese Erfahrung auch im normalen Sonntagsgottesdienst abgeht. Hier wäre mein Denkansatz: Es wird ja niemand gezwungen. Wer online keine Gemeinschaft erfahren kann, wird sowieso nicht an einem Online-Abendmahl teilnehmen, und gut is’…

Gewichtiger finde ich den Einwand, daß das Mahl eine Gabe ist, und keine Nehme. Daß also, wenn ich vorm Compter sitze und mir selbst Brot und Wein nehme dies etwas qualitativ anderes ist, als wenn mir die Elemente gereicht werden, vielleicht noch mit den Worten: „Christi Leib für Dich gegeben“/“Christi Blut für Dich vergossen“.Das kann ich durchaus nachvollziehen. Doch stelle ich mir die Frage: Kommt es hier nicht auch auf die innere Einstellung an? Ist es wirklich ein (selbstherrliches?) Nehmen, wenn ich auf die Worte des Zelebranten warte und Brot und Wein dann im Glauben an-, ein- und aufnehme? In dem Fall, so meine ich, mache ich mir das Abendmahl auch nicht selbst, sondern hänge ab. Der Unterschied, ob ich mir selbst Brot und Wein nehme, oder ob ich Blut und Leib des Herrn empfange, liegt wohl vor allem auch in der eigenen Einstellung begründet. Das Mahl kann nur im Glauben genossen werden. Ohne Glaube ist es eben kein Abendmahl, was dann auch wieder erklärt, wieso ein Online-Abendmahl für viele, die mit der Form nicht einverstanden sind, kein Abendmahl ist. Für sie ist es tatsächlich so, weil sie nicht daran glauben. Daher wirkt es auch nicht.

Was ist aber mit den Menschen, die tatsächlich daran glauben? Wenn also jemand sich vor den Rechner setzt, Brot und Wein bereitlegt, auf die Einsetzungsworte wartet und die Elemente dann zu sich nimmt (vielleicht noch mit gleichzeitiger Chatnachricht „Christi Leib für Dich gegeben“/“Christi Blut für Dich vergossen“)? Ich habe schwierigkeiten zu sagen, daß das nicht ginge.
Mir kommt sogar der Gedanke, daß es so noch viel einfacher wäre, Luthers Idee umzusetzen, daß zuerst alle Kommunikanten Bort nehmen und danach alle den Wein. In „richtigen“ Gottesdiensten muß man sich ja damit behelfen, daß in mehreren Abteilungen gefeiert wird, wenn es nicht gar ein Wandelabendmahl gibt (was ich furchtbar finde – so hat jeder seine Präferenzen).

Was ich nun gar nicht nachvollziehen kann, ist die Angst, die ich in einigen Kommentaren gelesen habe. Und zwar die Angst davor, daß irgendwer vor dem Bildschirm vielelicht nicht mit Brot und Wein, sondern mit Bier und Chips sitzen könnte, und daß dieser jemand dann vielleicht gar nicht in der richtigen Stimmung ist, vielleicht gar nebenher Onlinespiele zockt oder youtube guckt. Ich sehe einfach nicht, daß damit irgendwer geschädigt würde. Was dieser jemand zu sich nimmt, ist mangels Glauben (das wird ja mit dem „verkehrten“ Verhalten unterstellt) auch kein Abendmahl. Dieses Problem würde sich höchstens für die Kirche von Rom und die orthodoxe Christenheit stellen, wo die Wandlung bestehen bleibt (wobei dann wiederum Bier und Chips nicht fnktionieren dürften): Dann könnte sich jemand Massen an Hostien herstellen und damit Rituale mit toten Katzen auf dem Friedhof vollführen (was ich meine ist: Hostienschändung). Daß so etwas katholischerseits nicht gewünscht wird ist klar. Evangelischerseits stellt sich dieses Problem aber nicht, weil eben Christus auch in Brot und Wein Gabe an den Menschen bleibt, und nicht zum verfügbaren Werkzeug wird.

Gebetsanliegen, glaube, kirche, Kirche & Web 2.0

Gebetsanliegen

Heute abend im Gottesdienst hatte ich eine Idee (ja, in Greifswald gibt es auch abends Gottesdienste). Es gibt doch Menschen, die ein Gebetsanliegen haben, und dieses auch vortragen, damit andere mit ihnen beten. Und es gibt Menschen, die gerne mit ihren Glaubensgeschwistern beten. Idealer Weise kommen die in der Gemeinde zusammen, das Gebetsanliegen kommt zur Sprache, und man betet gemeinsam.

Nun ist die Welt aber leider nicht ideal, und man traut sich vielleicht auch nicht immer, die Dinge, die einen im Innersten bedrücken, vor vielleicht halb fremden Menschen auszusprechen. Trotzdem würde man sich freuen und es wäre eine Stütze, wenn man wüßte, daß andere an einen denken und mit einem beten.

Deshalb möchte ich dieses Projekt starten und sehen, ob hier vielleicht Leute zusammenkommen, um füreinander zu beten, einander vielleicht auch besser kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen, was auch immer geschehen mag.

Es ist zuerst einmal ein Angebot. Ich kann nicht abschätzen, ob der Bedarf da ist, oder ob man es vielleicht anders umsetzen sollte.

Die Sache läuft grob so:

Es gibt eine E-Mail Adresse (beter ät lavabit.com), an die man Gebetsanliegen schicken kann. Diese werden dann gesichtet (um sicherzugehen, daß niemand irgendwelche zwielichtigen Seiten anpreist und dergleichen) und anschließend veröffentlicht. Und zwar so anonym, wie sie sind. Das heißt: Die E-Mail Adresse wird nicht genannt, und der Text der Mail wird wie er ist wiedergegeben. So kann jeder entscheiden, wie viel er von sich preisgeben will.

Uns die Arbeit erleichtern kann man, indem man

[category Gebetsanliegen]

irgendwo im Text der Mail platziert, damit das auch an die richtige Stelle kommt. Alles Weitere steht hier. Die Gebetsanliegen (und diesen Artikel hier) findet man dann hier. Und natürlich gibt es zu den Gebetsanliegen auch einen extra RSS Feed.

Man darf dieses Angebot auch gerne weitersagen 😉 und wie gesagt: Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen.

glaube, kirche, Religion

Die Teilnahme an der Eucharistie

Heute morgen hab ich es mal wieder geschafft, nach langer Zeit, zum Morgenlob zu gehen. Ist immer freitags, ist immer früh, ist in der KSG, aber ökumenisch in der Ausrichtung.

Und danach gibt es Frühstück und theologische Gespräche. Ich befürchte ja, daß der Kaplan manchmal vielleicht etwas genervt ist von meiner protestantischen Sichtweise, die ich offen vertrete, aber hey, es ist ne ökmenische Veranstaltung.

Heute morgen ging es mal wieder um die Eucharistie. Dabei betonte er, daß ja nicht nur Protestanten nicht hinkönnen, sondern auch allerlei Katholiken nach Lehre ihrer Kirche besser nicht zur Eucharistie gehen, um sie sich nicht zum Gericht einzunehmen. Ein Kommilitone betonte, daß früher die Teilnahme auch an die vorherige Beichte inklusive Bußübungen gebunden war, und daß dies eigentlich immer noch gelten würde.

Da dachte ich dann: Wie viel einfacher wäre die Ökumene, wenn das noch so wäre! Welcher Protestant würde noch zur römischen Eucharistie wollen, wenn die Beichte Voraussetzung ist? Und zwar auch für die Katholiken!

All die ganzen Streits über gemeinsames Abendmahl wären plötzlich von Tisch, der öffentliche Druck würde verschwinden, oder, was wahrscheinlicher ist, sich auf diesen Rückschritt konzentrieren, und etliche Priester und Bischöfe müßten sich mit noch etlicheren erbosten Gemeindegliedern rumschlagen – so jedenfalls die Befürchtng meiner katholischen Kommilitonen heute morgen. Aber das gemeinsame Abendmahl wäre erst mal aus dem Fokus der Öffentlichkeit.

Und ganz vielleicht würde ja dieser nachlassende Druck dafür sorgen, daß es dann irgendwann hinter verschlossenen Türen tatsächlich zu ner Einigung käme in der Sache, weil keiner das Gesicht verlieren muß.

Naja, man wird doch mal träumen dürfen.

glaube, kirche, Kirche & Web 2.0

Ewiger Lobpreis

Die Idee mit der Twitterwall hat mich nicht losgelassen. Für alle, die den gestrigen Artikel nicht gelesen haben kurz zusammengefasst:

Man denke sich einen Hashtag aus für Lobpreis, und mache den nach und nach in der weltweiten (twitternden) Christentheit bekannt. Wenn jetzt die Leute, wenn ihnen gerade danach ist, nen kurzen Lobpreistext mit dem entsprechenden Hashtag in Twitter eingeben, kann man über ne Twitterwall das Ganze als ewiger Lobpreis abbilden, sichtbar machen.

Das hätte womöglich auch ökumenische Auswirkungen. Im Loben Gottes dürfte es nicht zu zu viel Streit zwischen den Konfessionen kommen, ist ja kein Sakrament. Da wir Christen ziemlich zahlreich sind und rund um den Erdball verstreut, dürfte es durchaus möglich sein, einen ständigen Strom von kurzen Dankgebeten oder Hymnen zu erzeugen, ohne viel Organisation in der Art, Leute inezuteilen für gewisse Schichten. Die Idee ist vielmehr, das jeder lediglich wenn er grad bei twitter eingelogt ist und ihm nach Lobpreis ist, das dann tut. Bei entsprechender Bekanntheit dürfte das für den Gebetsstrom ausreichen, wie gesagt, wir sind ziemlich zahlreich.

Inzwischen stell ich mir Fragen zur praktischen Umsetzung. Eigentlich ist es nur eine Idee, die verbreitet werden und auf Gegenliebe treffen muß. Eine tatsächliche Homepage muß nicht nötig sein. Jeder kann sich selbst ne entsprechende Twitterwall bauen, es gibt da ja genügend kostenlose Möglichkeiten im Netz (mir ist noch nicht ganz klar, wie man sowas machen würde, wenn man es selbst bauen wollte, ich denke aber die Antwort ist in der Twitter API zu finden).

Was aber festgelegt werden muß, ist ein Hashtag. Ich hab mal nach #praise gesucht, das wird wohl im Angelsächsischen Raum jetzt schon häufig benutzt für kurze Lobpreistexte, auch #ptl für „Praise the Lord“ kommt recht häufig vor.

Ich denke, die beiden sind durchaus verwendbar. Gerade #ptl ist auch schön kurz. Stellt sich nun die Frage, wie man das Ganze bekannt macht. Dazu bräuchte man wahrscheinlich doch wieder eine Homepage mit Erklärung der Aktion in mehreren Sprachen und ner exemplarischen Twitterwall.

Dann stellt sich noch die Frage, inwieweit man andere Dineste einbeziehen kann: Kurznachrichten bei Facebook, Myspace, den verschiedenen VZ-Netzwerken, Wer-kennt-Wen und wie sie alle heißen. Dazu müßte man sich wohl selbst ne Seite bauen (und erst mal rausfinden, ob und wie das technisch machbar ist).

Der Artikel hier soll dazu dienen, die ganze Sache ienmal tiefer zu durchdenken. In der Hoffnung, daß hier der ein- oder andere mitliest und seine Meinung dazu sagt, zur Idee an sich, zu technischen Fragen oder was auch immer. Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, ne Sache ins Rollen zu bringen, die in etwa dem entspricht:

As o’er each continent and island
The dawn leads on another day,
The voice of prayer is never silent,
Nor dies the strain of praise away.

The sun that bids us rest is waking
Our brethren ’neath the western sky,
And hour by hour fresh lips are making
Thy wondrous doings heard on high.

PS: Das gleiche könnte man dann nochmal mit Fürbitten durchführen. Möglicher Hashtag wäre vielleicht #eleison.

UPDATE:

Nachdem ich jetzt bei tweetwally.com ne Wall mit dem Tag #ptl angelegt habe, hab ich das ganze auch mal auf Pageflakes abgebildet. Das Schöne bei tweetwally ist, man kann einen Text dazu schreiben, um das Ganze zu erklären (der ist mir inzwischen aber auch schon zu lange geraten, muß demnächst gekürzt werden) und man kriegt seine eigene Url, also die Subdomain kann man wählen. Auf Pageflakes hab ich das ganz einfach per iframe eingebunden. Wenn jemand sowas ähnliches machen will af seinem Blog oder sonstiger Seite, dann wäre hier etwas html:

<iframe frameborder="0" width="500" height="600" src="http://eternalpraise.tweetwally.com/embed" target="_blank" align="center" scrolling="Auto"></iframe>

kirche, Kirche & Web 2.0

Neid

… daß ich nicht dabei sein konnte. Aber nicht so viel, vor allem Interesse daran, was da jetzt rumkommt. Also so an Ideen. Mir kam auch eine, mehr dazu weiter unten.

Um was geht’s? Natürlich um das Barcamp Kirche 2.0 am letzten Wochenende. Um jetzt nicht wie der Blinde von der Farbe zu sprechen über ein Treffen, zu dem ich nicht hingekommen bin, hier einfach mal ne Liste mit Beiträgen zum Thema:

Wahrscheinlich gibt es inzwischen schon wieder einige neue Berichte, die ich noch nicht gesehen habe. Wie immer gilt, ich schreib sie gerne noch rein, wenn ich se find oder mir jemand was sagt.

Nachdem ich das alles gelesen habe, und eigentlich auch schon vorher, kommen mir so einige Gedanken, die ich jetzt ganz unsortiert mitteilen will.

Sakramente

Heiko Kuschel hat in seinem Blogartikel geschrieben, daß Sakramente im Twittergottesdienst nicht gehen. Ich hatte mir da schon einmal ähnliche Gedanken gemacht, aber damals schon zumindest für das Abendmahl eingeschränkt. Und inzwischen stellt sich mir die Frage etwas deutlicher:

Was spricht dagegen, wenn jeder Brot und Wein zur Hand hat, der Segen via Twitter gesprochen wird, und man dann gleichzeitig, freilich ohne einander zu sehen, erst Brot ißt, dann Wein trinkt?

Ich bin mir ehrlich gesagt unsicher, hab auch meine Vorbehalte, kann sie aber nicht wirklich in Worte fassen, so daß ich mich frage, ob es wirklich einen Grund gibt.

Bei der Taufe bin ich freilich ebenfalls der Meinung, daß das nicht über’s Netz geht. Schon alleine, weil man über’s Netz kein Wasser übertragen kann…

Lobpreis

Vor gar nicht langer Zeit hab ich mich ja zu youtube und Verkündigung geäußert. Nun drängt sich mir immer mehr af: Twitter ist DAS Medium für Lobpreis. Seit meinem ersten Artikel zum Thema Gottesdienst und Internet hab ich mich immer wieder nach dem Gemeindegesang gefragt, und ob das überhapt geht über das Netz. Irgendwie stell ich es mir komisch vor, vorm Rechner zu sitzen und Ein feste Burg zu schmettern.

Aber wenn man das Ganze elementarisiert, dann kommt man vom Gemeindegesang schnell zu dem Wörtchen Lobpreis. Und das geht auch ohne Gesang, das geht auch zum Beispiel per Text. Und das Tolle dabei ist, solche Texte können recht kurz sein. Psalm 117 paßt beispielsweise komplett in einen Tweet.

Fürbitten

Ehrlich gesagt ich gehör zu den Leuten, die sich nie trauen, freie Fürbitten zu sprechen. Muß ich mir wohl noch angewöhnen, bis das Studium um ist. Wie dem auch sei, gibt es viele Menschen, die das können. Und mit der Anonymität des Netzes fällt vielleicht auch ein wenig die Scheu davor, im Mittelpunkt zu stehen.

Daher denke ich, daß Fürbitten ebenfalls, und zwar vor allem in der freien Form, wunderbar zu twitter passen können. Fürbitten können auch oft sehr kurz und prägnant formuliert werden, so könnten dann mehrere Menschen über Twitter an der entsprechenden Stelle im Gottesdienst ihre Fürbitt-Tweets absenden, die dann von der Gemeinde auf der Twitterwand verfolgt werden können.

Fragmentarisieren?

Bei all den Möglichkeiten drängt sich mir jetzt ein Gedanke auf: So gut die einzelnen Elemente für die einzelnen Bedürfnisse geeignet sein sollten, ist es sinnvoll und pragmatisch, sie zu einem Gottesdienst zu integrieren? Wenn ich jetzt meinen Computer anmache und merke, da läuft grad ein Gottesdinest auf Twitter, und ich will nen Lobpreis oder ne Fürbitte formlieren, kann es passieren, daß der Gottesdienst bis ich den Tweet abgesetzt hab, schon weiter ist. Und der Tweet stört dann einfach, weil er am falschen Platz ist. Auch dauert es je nach Internetverbindung eine Weile, falls die Predigt bei yotube als Video vorliegt, bis alle Teilnehmer dahin umgeschaltet haben, oder bis das Video geladen hat. Ich kenn einige Gegenden, da kann man das mit dem Video sowieso gleich ganz vergessen, da gibt es noch kein DSL.

Aber wer sagt denn, daß ein Gottesdienst immer aus Lobpreis, Gebet, Predigt etc bestehen muß? Predigten kann man auch so lesen, in Büchern oder im Netz, wo es Archive gibt. Man kann auch so beten, oder Gott preisen (auch wenn es selten vorkommen sollte).

Mein Gedanke geht weg vom Paradigma des Sonntagsgottesdienstes, hin zu Frömmigkeitsformen. Per twitter kann man im stillen Kämmerlein beten, und trotzdem Teil der weltweiten Kirche sein. Man kann, wenn man die Zeit dafür hat, sich eine Predigt ansehen, anhören oder lesen. Und auch wenn nicht eine geschlossene Gruppe gemeinsam zu einem Zeitpunkt vorm Computer sitzt und das Gleiche tut, kann Gemeinschaft entstehen, oder englisch: community.

Community

Nehmen wir das Paradigma der Predigt aufm Blog. Ein Prediger schreibt seine Predigt und stellt sie af sienen Blog, für alle Welt zu lesen. Und unter Umständen dauert es nicht lange, bis sich die ersten Kommentatoren melden. Hier ist die Gelegenheit gegeben, die Themen der Predigt mit Interessierten zu besprechen, und meist kommt doch eine gehaltvollere Rückmeldung als „schöne Predigt, Herr Pfarrer“, die zwar lieb gemeint ist, aber unter mständen mehr über das soziale Ranking des Pfarrers im Dorf als über die Qualität der Predigt sagt.

Oft ist es so, daß sich um einen Blog eine gewisse Gruppe von Menschen sammelt, die da immer mal wieder lesen, und auch kommentieren. So ist man offene Gemeinschaft im Austausch über den Glauben.

Ähnlich ist es möglich bei youtube- Videos oder ähnlichen Videoportalen: Auch hier kann kommentiert werden, auch hier können sich Gemeinschaften um einen Channel bilden.

Problem dabei sind Spammer und Trolle, und man wird unter Umständen Wege entwickeln müssen, seine Gemeinschaft vor ihnen zu schützen.

Auch bei Fürbitten oder Lobpreis kann Gemeinschaft entstehen, wenn auch vielleicht viel diffuser als beim Predigtblog oder youtube Channel:

Denkbar wäre vielleicht, daß man einen Hashtag etabliert je für Fürbitten und Lobpreis. Man könnte für jeden eine Twitterwall errichten, und so Kontakt zur Gemeinschaft bekommen. Etwa, indem man sich die Fürbittenwand ansieht, und für sich allein im Kämmerchen mitbetet. Oder einfach seine eigene Fürbitte absendet in der Gewißheit, Mitbeter zu finden. Ebenso beim Lobpreis kann man mitlesen, oder auch selbst mitmachen oder beides. Idealiter wären die Hashtags international verbreitet und es käme zur ewigen Fürbitte und ewigem Lobpreis in allen möglichen Sprachen, aber einheitlichen Hashtags. Das wäre doch einmal etwas für die Ökumene!

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Gerüchteküche

Mit Gerüchten muß man aufpassen, auch wenn man die Quellen für vertrauenswürdig hält. Deshalb sei hier zuvorderst klipp und klar gesagt, daß es sich hier um „Buschfunk“ handelt, also was man so von Kommilitonen aus anderern Kirchen hört:
Eine nicht näher bezeichnete Landeskirche (ich weiß welche, nur soviel: Nicht meine Heimatkirche und nicht meine derzeitige Ortskirche) soll Vorbehalte gegenüber denjenigen Pfarramtsstudenten mit römisch-katholischem Partner geäußert haben, die Begründung sei, daß wer zu Hause nicht überzeugen kann, dies schwerlich in der Gesellschaft tun könne.
Ich hoffe, dies ist wirklich nur Gerücht ohne wahren Kern. Denn unser Ziel als Kirche (jetzt allgemein gesprochen im Sinne von Christi Leib) kann ja wohl nicht sein, untereinander die Mitglieder abspenstig zu machen, sondern das Evangelium zu predigen. Man kannjetzt wohl schwerlich behaupten, ein katholischer Christ hätte vom Evangelium noch nichts gehört, zumal, wenn er in einem evangelischen Pfarrhaus wohnt. Es mag ja sein, daß die Katholiken einiges aus evangelischer Sicht recht komisch auslegen, aber das gilt aus meiner Sicht auch für manche lutherischen Lehren…
Neben dem doch sehr irritierenden Verständnis pfarrerlicher Qualitäten schreckt dies natürlich auch Kandidaten ab. Und ich weiß nicht, ob es das ist, was eine Kirche will, angesichts immer kleiner werdender Zahlen von Theologiestudenten (wobei ich zugeben muß, ich kenne die Stellensituation der betreffenden Kirche nicht – einige Kirchen scheinen noch ein „zu viel“ an Bewerbern zu haben).
Jedenfalls war ich schockiert darüber und dachte, ich stell es hier einmal zur Diskussion: Spielt die Religion oder Konfession des Partners eine Rolle bei der Beurteilung der Qualität des Pfarrers, ja oder nein?

glaube, kirche

Ökumene

Wir erinnern uns: Ökmene bedeutet römische Reichskirche.

So sagte ein Professor der Kirchengeschichte immer wieder in einer Vorlesung über die Kirchengeschichte des Mittelalters. Und bisher schien es mir so, als wäre dies auch das römische Verständnis im Gespräch mit den anderen Kirchen… äh, Pardon, Glaubensgemeinschaften.

Okay, ich will ja gar nicht weiter sticheln. Natürlich war es eine Enttäuschung, noch einmal unter die Nase gerieben zu kriegen, daß wir Protestanten keine „richtige“ Kirche sind. Ist im Rahmen der römischen Denkweise nur folgerichtig und konseqent, aus evangelischer Sicht aber eben falsch, da wir Kirche nicht am Weihesakrament (das wir gar nicht kennen) festmachen, sondern daran, daß dort die Sakramente recht verwaltet und Gottes Wort lauter gepredigt wird. So oder so ähnlich hatte sich Luther ausgedrückt, und auch wenn ich selbst kein Lutheraner bin, kann ich dem durchaus etwas abgewinnen.

Auch das Bemühen um die Piusbrüder bei gleichzeitiger (gefühlter) Gleichgültigkeit gegenüber den protestantischen Geschwistern von Seiten des Papstes sorgte für Enttäuschung. Aber wiederm aus römischer Perspektive nur folgerichtig, denn die Piusbrüder haben „echte“ Sakramente und weihen ihre Priester nd Bischöfe, und zwar mit apostolischer Sukzession. Insofern sind sie für Rom ungleich mehr Geschwister als wir Protestanten, ach sollte die Einheit mit ihnen schneller herzustellen sein, da die Differenzen marginal sind und soweit ich es beurteilen kann vor allem im Gehorsam dem Bischof von Rom gegenüber bestehen.

Alles aus protestantischer Sicht unschöne aber verständliche Geschehnisse der Vergangenheit. Als Protestant hatte man sich schon fast damit abgefunden, daß eine Anerkennung des eigenen Glaubens durch Rom nur um den Preis zu haben ist, sich dem Papst unterzordnen, Ökumene also als Rückkehr in den Schoß Roms, wahrscheinlich mit anschließendem Klappe halten und auf den Papst lauschen.

Jetzt nicht falsch verstehen, ich halte den Papst für einen durchaus hellen Kopf, und vieles was er sagt, hat Hand und Fuß. Aber er steht nicht zwischen mir und Gott, nd folglich werde ich mich auch nicht dem papst und seiner Lehre unterordnen, sondern sie in Betracht ziehen, mich Gott zuwenden und mit der Freiheit des Christenmenschen mich selbst vor Gott verantworten, auf den allein ich baue, ohne klerikal verordnete Mittelsmänner.

Da kam mir dann dieses Interview mit Bischof Müller aus Regensburg unter, der neben den Katholiken Regensburgs auch noch für die Ökumene zuständig ist. Und der hat ein paar ganz tolle Kracher losgelassen, durchaus scharf, durchaus fragwürdig, aber endlich auch einmal wieder eine Äußerung von römischer Seite in Richtung der Protestanten.

Der Einstieg ins Interview gescheiht über eine Einschätzung zm Stand der Ökumene mit den Protestanten, und anstatt auf den getrennten Tisch des Herrn einzugehen, was wohl alle Protestanten machen würden, hat er ganz andere Prioritäten, und die sind nicht einmal dogmatisch. Sie sind ethischer Natur, er nennt nämlich Bio- und Sexalethik! Hier gäbe es Spannungen und in der Tat, die gibt es. Ich hätte sie jedoch as protestantischer Sicht nie für so beträchtlich gehalten, daß sie die Ökumene belasten würden. Er nennt die Heilige Schrift und die Glaubenslehre als Grundlage für die Position Roms, wobei ich eine Auseinandersetzung über die Herleitung der römischen Sexalethik aus der Schrift interessant fände. In der Bioethik vertrete ich sehr römische Ansichten und stehe vielen evangelischen Protagonisten eher kritisch gegenüber, insofern fände ich diesen Aspekt jetzt nicht so interessant. Die Sexualethik der römischen Kirche und die Heilige Schrift, das ist jedoch eine Thematik, die ich gerne vertiefen würde. Leider geht Müller nicht näher darauf ein.

Es folgt auf dem Fuße die Frage nach dem gemeinsamen Herrenmahl, und Müller antwortet wie nicht anders zu erwarten: Das ist Zeichen der Kircheneinheit und kann nicht geschehen, wo es noch keine Einheit gibt. Klare Ansage von ihm, klare Ablehung von mir. Vor allem, wenn Einheit bedeten sollte, daß alles monokulturell unter einem Hut, nämlich der Mithra des römischen Bischofs, gefaßt werden soll, um Einheit zu haben. Interessant wäre zu wissen, in welchen Fragen denn Einheit erzielt werden muß. In der Dogmatik? Auch in der Ethik? Sind abweichende Liturgien ein Grund gegen Einheit? Wie steht es mit dem Laienkelch? Wie ist es mit der Berufung Homosexueller zu Pfarrern, oder gar von Frauen? Dürfen wir noch eine eigene Kircheninstitution haben, oder muß auch diese aufgelöst und die Kirchengleider von den Bistümern der römischen Kirche afgenommen werden? Ich habe leider den Eindruck, man will uns Protestanten mit der Aussicht auf das gemeinsame Abendmahl locken, um uns dann doch noch einzufangen. In der Zwischenzeit gibt es Agapemahle, aber darauf geh ich jetzt nicht ein, das ärgert mich nur.

Er vergleicht die gemeinsame Eucharistie mit der obersten Sprosse einer Leiter, die man nicht zuerst nehmen könne, vor den anderen. Einverstanden, aber dann wäre es wichtig und sinnvoll, sich darüber zu verständigen, was die anderen Sprossen sind. Ich habe hier wirklich ein Verständnisproblem, denn in evangelischer Tradition steht der Mensch nun einmal alleine vor Gott, was eine große Varianz innerhalb der evangelischen Kirchen zur Folge hat, mit allen Vor- und Nachteilen. Ich finde, die Vorteile überwiegen die Nachteile jedoch bei weitem. In Rom sieht man das wohl anders. Unter Umständen sieht man nur ungeordnetes Chaos, wenn man die reformatorischen Kirchen ansieht. Und diese Unordnng ist man in der römischen Kirche wohl nicht mehr gewohnt in Zeiten, wo alles nach Rom ausgerichtet und der Papst nebst Konzilien unfehlbar ist.

Bischof Müller sagt weiterhin, daß ein um die Ökumene besorgter Mensch nicht immer Forderungen stellen soll, sondern sehen soll, wie man bei sich selbst etwas tun kann. Schön und gut, möchte ich. Aber was wäre denn gewünscht? Und da kommen die Forderungen wieder ins Spiel. Was die Protestanten wollen, dürfte klar sein: Gemeinsam kommunizieren ohne von Gott lassen zu müssen, denn nicht anders müßte ich es verstehen, wenn ich den Papst als unfehlbare Instanz zwischen mir und dem wahrhaft unfehlbaren Gott anerkennen müßte. Das wollen die Römer wiederum nicht. Aber was sie wollen, ist mir noch nicht ganz klar. Vielleicht sollte man sich doch einmal verstärkt über die Ethik unterhalten, nd die Dogmatik einmal bei Seite lassen?

Froh wäre ich allerdings, wenn Müller seine Drohung wahrmachen würde, und gegen Vorgänge und Auffassungen in den evangelischen Kirchen protestierte, die nicht biblisch begründet sind. Sicher sind Diskussionen über rechte Bibelauslegung immer ein veritabler Konfliktort, aber das sollte ns nicht davon abhalten, nach der Wahrheit zu streben, und ein Weg zu ihr führt über die Kritik. In diesem Sinne bitte, Herr Bischof, nennen Sie Ihre Bedenken.

Dann spricht der Bischof davon, daß es zu einer Wellness-Religion käme, wenn Ökumene wie eine feindliche Übernahme aus der Geschäftswelt funktionierte. Nun denn, das bedeutet implizit also, wir Protestanten würden einer Wellness-Religion anhängen. Falls der Bischof es tatsächlich so gemeint haben sollte, fühle ich mich nun doch ein bißchen angegriffen. Was ist denn bei uns bitte schön mehr Wellness als in Rom? Auch hier würde ich mir mehr Ausführung durch Müller wünschen. Vielleicht kommt das ja noch die Tage.

Sicherlich kann, um nochmal auf die feinliche Übernahme zurückzukommen, Ökumene nicht so funktionieren, daß die Römer protestantisch werden. Genausowenig wie sie so funktionieren kann, daß die Protestanten sich wieder Rom unterwerfen. Die Frage ist, was kann man loslassen und was ist einem wichtig. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, wo bei den Römern Beweglichkeit herrscht. Ich kann es nur für mich sagen: Wichtig ist mir, daß ich nicht durch irgendwelche Instanzen von Christus getrennt werde, denn Er ist mein Herr, und zwar direkt, ohne Mittelsleute. Gott ist mein Vater, der direkt zu mir spricht und nicht der Stimme eines Bischofs in Italien bedarf, um mir zu sagen, daß ich Sein Kind bin. Ich sehe jedoch auch das Problem darin, denn was ich mir rausnehmen will, ist nichts als eine sehr große Freiheit und Unabhängigkeit von Lehrämtern und dergleichen, nd ich sehe nicht, wie Rom dies zulassen könnte und trotzdem von Kircheneinheit sprechen.

Verstehen wiederm kann ich, daß Müller es nicht mag, als unmodern und rückständig dargestellt zu werden, im Gegensatz zu den Evangelischen Kirchen, die durch Aufklärung nd Moderne hindrchgegangen sind, wie er Huber zitiert. Keiner hört sich gerne an, daß er unaufgeklärt sei. Und ich finde, das beschreibt die römische Kirche ach nur sehr unzreichend. In der Tat scheint es mir so, daß die Vernunft in Rom viel höher angesehen ist als bei protestantischen Gläubigen, ich schließe mich da gerne mit ein. Wobei vielleicht noch zu klären wäre, was genau mit Vernunft gemeint ist.

Dann geht es um die Reformation, in deren Folge etwas geschah, was nicht hätte sein dürfen, nämliche die Kirchenspaltung. Hier muß ich dem Bischof unumwunden Recht geben, ich kann es menschlich auch verstehen, daß die Kirche von Rom im Tridentinum die Spaltung vollzog, vielleicht in der Hoffnng, so doch noch einmal das Ruder herumzureißen und die Kontrolle wiedererlangen zu können. Leider war es dann aber doch die Spaltung, die die römische Kirche vollzog, indem sie sich vom Rest der Catholica abspaltete. Aber gerade m das rückgängig zu machen, ist ja die Ökumene da, um die Einheit wieder herzustellen, wie sie vor dem Tridentinum gegeben war.

Am Schluß spricht er noch die Aussage Luthers an, der Papst sei der Antichrist. Auch hier kann ich den Wunsch nach Distanzierng verstehen, genaso wie ich mir wünsche, daß Zwingli, Calvin und alle anderen Reformatoren in Rom rehabilitiert werden. Daz ist es aber nötig, erst einmal herauszuarbeiten, was mit der Aussage gemient war, und inwieweit man das hete immer noch so sehen würde, wenn auch weniger polemisch in Worte gefaßt.

Mir erscheint es wichtig, die Ökumene nicht nur voranzubringen, sondern sie auch ernst zu nehmen. Und das bedeutet dann auch anzusprechen, wenn man zu Punkten kommt, wo das Verständnis grundverschieden ist. Da kann man nicht einfach den Teppich drüber ausbreiten und so tun, als wäre nichts. Wir Protestanten sind aus einem Grund protestantisch, und die römischen Christen sind aus einem Grund römische Christen. Und das Kirchenverständnis Roms ist mir fremd bis zur Unverständlichkeit. So wie den Römern vielleicht auch unverständlich ist, wie wir Protestanten verschiedene ethische nd dogmatische Ansichten haben und trotzdem eine Kirche sein können.

Um einander zu verstehen, muß man miteinander sprechen. Und das geschieht nun, aufgrund der scharfen Äußerungen Müllers. Mal sehen, wie es weitergeht.

Update: Heute habe ich im Österreich Journal eine Meldung über die Reaktion Prof. Körtners aus Wien af das Müllerinterview entdeckt.

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Margot, nein Danke?

Ich bin grad über einen Blog namens Maria Magdalena gestolpert, wohl von einer römischen Katholikin betrieben mit kirchenbezogenen Inhalten.

Darunter auch ein Beitrag zur EKD Ratsvorsitzenden und Bischöfin von Hannover Margot Käßmann. Frau Käßmann ist ja nicht unumstritten, und ihre Äußerungen zu allen möglichen Themen mögen ja auch durchaus kritikfähig sein.

Der genannte Beitrag hat mich dann aber doch etwas traurig gestimmt, vor allem wegen folgenden Sätzen:

Es ist eigentlich ein Trauerspiel: Das Bild von „Kirchens“, das diese Frau in der Öffentlichkeit vermittelt, wird dann gern auch gleich auf alle anderen ausgeweitet. Und mir tut es weh, wenn die una sancta in die Deppenriege eingereiht wird.

Diese Frau ist die gewählte Repräsentantin der landeskirchlich organisierten Protestanten in Deutschland. Die Una Sancta besteht eben nicht nur aus Rom, sondern aus allen Gläubigen, der Gemeinschaft der Heiligen, die die Una Sancta erst konstituieren. Ohne Gläubige keine Kirche.

Wenn nun Anhänger eines Bischofs (z.B. dessen von Rom) über eine andere Bischöfin (okay, keine Sukzession, eine Frau, also aus römischer Sicht nicht Bischöfin aber trotzdem Gläubige und damit Schwester im Glauben ALLER Christen) reden als von einer Deppin, dann tut das mir weh und ich frage mich, wo da die christliche Geschwisterliebe bleibt und ob die Ökumene wirklich am Ende ist.

Und ärgerlich stimmt es mich auch, wenn ich genauer darüber nachdenke. Natürlich werden die Römer nun mit der Käßmann in einen Topf geworfen, sie stehen in der gleichen „Deppenriege“. So wie wir alle bei manchen Leuten zu der „Deppenriege“ eines George Bush Jr. gezählt werden, nur weil er eben auch Christ ist.

Umgekehrt werden protestantische Christen seit Jahren wegen verschiedener Päpste und deren Entscheidungen von undifferenzierten Leuten in die „Deppenriege“ aus Rom eingereiht. Menschen treten aus der evangelischen Kirche aus wegen der Haltung des Vatikan zu Kondomen, Jungfrauengeburt oder was auch immer…

Wir, als Christen, als Gläubige, als Geschwister im Glauben sitzen doch alle in der gleichen „Deppenriege“, die man manchmal Una Sancta nennt, manchmal Weltkirche, Gemeinschaft der Gläubigen, weltweite Christenheit. Wir sitzen in einem Boot. Natürlich stehen ir manchmal blöd da wegen dem Verhalten unserer Geschwister. Oft genug stehen wir aber auch gut da.

Ich hätte von Maria Magdalena wenigstens erwartet, sich mit den Argumenten von Margot Käßmann auseinanderzusetzen und diese anzugreifen, anstatt die Person. Ich schieß ja auch manchmal über das Ziel hinaus, deshalb möchte ich es auch dabei bewenden lassen darauf hingewiesen zu haben, mit der Hoffnung, in Zukunft um die Sache streiten zu können und nicht um Personen.