Glaube

Ein Afrikaner in Norwegen

Bei Christliche Perlen stieß ich auf einen Text, der wohl erbaulich sein soll, über einen afrikanischen Christen, der sich aufmachte nach Norwegen (wieso gerade Norwegen und nicht Deutschland wird nicht gesagt), um die „Glaubensgenossen aus der reichen, westlichen Welt“ kennenzulernen.

Überwältigt von dem Überfluß stellt er am Ende fest, daß er mit den Norwegern nicht tauschen möchte. In Afrika habe man nichts, dafür habe man Leidenschaft für Jesus, während der Überfluß Norwegens dazu führt, daß man sich für Jesus nicht interessiere, keine Begeisterung für Ihn habe weshalb das Leben leer und unglücklich werde.

Solche Geschichten ärgern mich oft, denn was sollen sie aussagen? Ihr bösen Europäer, Ihr seid so reich! Schämt Euch, daß Ihr so reich seid! Wärt Ihr nicht so reich, wärt Ihr gläubiger – und ergo bessere Menschen.

Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, daß Not beten lehrt. Und es ist sicher auch niht von der Hand zu weisen, daß die Kirchen in ärmeren Gegenden oftmals voller sind. Doch was ist die Konsequenz? Soll ich deshalb Armut anstreben, um auch ja ein guter Christ zu werden? Soll ich die Pfunde, die Gott mir anvertraut hat (Lk 19,11ff) vergraben, um ja nicht das Beten zu verlernen?

Ich stelle mir eine Antwort der Norweger an den Afrikaner vor:

Wir können verstehen, daß Du nicht mit uns tauschen möchtest, denn in der Tat: Ohne Not betet es sich nicht so schnell und so leicht. Unsere Bäuche sind voll, deshalb vergessen wir oftmals, welche Gnade dieser Reichtum ist; und wir vergessen Dem zu danken, der uns den Reichtum schenkt. Darüber können unsere Leben viel von der Freude verlieren, die Ihr habt.
Doch ist unser Reichtum wie alles eine Gabe Gottes. Sollten wir uns dessen schämen, was Er uns Gutes tut? Du magst nicht mit uns tauschen wollen, und Du mußt es auch nicht, denn wir sind es, die von Gott in unsere Situation gebracht wurden. Mit all den positiven und negativen Folgen. Der eine sieht vor allem den materiellen Reichtm, der andere vor allem die geistige Armut. Doch kann man auch im Reichtum von Jesus begeistert sein, wenn es auch schwerer fallen mag. Und auch im Reichtum kann man Gottes Ruf vernehmen. Wir sind von Gott in diese Situation gestellt, um durch Seine Hilfe damit umgehen zu lernen, um auch im Reichtum Ihm zu folgen, und das, was wir haben, verantwortungsvoll einsetzen zu können. Kritisier also bitte die Art, wie wir unseren Reichtum einsetzen. Aber kritisiere nicht den Reichtum selbst, den Gott hat ihn gegeben, wie Gott alles gegeben hat. Er ist unser Pfund, mit dem wir wuchern sollen, zu unser aller Wohl. Euer Reichtum ist Eure Freude an Jesus, die uns oftmals so fremd geworden ist. So hat jeder seinen Platz in der Welt, jeder hat seine Probleme und jeder hat seine Vorteile, und wenn wir einander unterstützen, miteinander Gemeinschaft haben, ein Leib werden, dann sind wir, die wir von Gott gesegnet sind, auch ein Segen für unsere Geschwister (1. Mose 12,2).

Der Mensch will immer das haben, was sein Nachbar gerade hat. Ist er arm, so sieht er nur den Reichtum des Nachbarn, und wünscht sich, ebenso reich zu werden, und betet darum was das Zeug hält. Hat er den Reichtum dann, so sehnt er sich dahin zurück, als er ohne den Reichtum glücklicher zu leben meinte, er erdichtet sich Geschichten von armen Afrikanern und wünscht sich wieder dahin, woher er gekommn war. Wird er daraufhin wieder arm, wird er sich den Reichtum zurückwünschen.

Sollten wir nicht statt dessen das Los annehmen, das Gott uns gewährte? Sollten wir nicht zusehen, damit verantwortungsvoll umzugehen? Was bringt es uns, wenn wir wie Kinder immer wieder das wollen, was wir nicht haben? Gott hat uns an unseren Platz gestellt und ich meine wir sollten zusehen, unserer Verantwortung darin gerecht zu werden, so gut wir können. Andere mögen uns so scheinen, als hätten sie ein einfacheres Leben, aber das ist erstens selten der Fall, und zweitens eher ein Grund zur Mitfreude mit Ihnen (falls es doch so ist) als für Eifersucht.

So laßt uns das Los annehmen, das Gott uns zugedacht hat. Denn Gott verteilt keine Nieten.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Montag, den 25. März 2013

Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden.
Psalm 16,6

Was ihr auch tut, tut es mit Leib und Seele, so als wäre es für den Herrn und nicht für Menschen, im Wissen, dass ihr dafür vom Herrn das Erbe empfangen werdet. Dient Christus, dem Herrn!
Kolosser 3,23-24

Land losen wär doch einmal eine Alternative zum Kauf. Einfach bei ner Tombola für ne Hand voll Euros ein paar Lose besorgt, und dann gewinnen. Nichts tun, und ne nette Geldanlage bekommen.

So ist es wohl nicht ganz gemeint. Land war zur Zeit der Abfassung des 16. Psalms in erster Linie keine Geldanlage, sondern Mittel, um zu leben. Auf dem Land baute man Nahrungsmittel an. Keine Nahrungsmittel, kein Abendessen, und Frühstück und Mittagessen fielen dann wohl auch eher Mau aus, ganz zu schweigen vom Kaffeetisch nachmittags. Es sei denn man hatte Geld, aber das mußte man ja auch erst mal erwerben.

Dem Beter fiel das Los auf gutes Land, Land von dem er gut leben konnte, und das ihm – hoppla, das erklärt vielleicht einiges – zum Erbteil geworden ist. Das heißt, er hat es geerbt. Das Los war kein wirkliches Los, sondern eher Zufall. Zufällig wurde er in eine Familie geboren, deren Landbesitz nicht nur trockene, steinige Wüste umfasst, sondern auch brauchbares, gutes Land. Er hat also Glück gehabt und freut sich darüber.

Der Lehrtext spricht von einem anderen Erbe. Und zu ganz anderen Menschen. Hier geht es nicht um Landbesitzer, die angesprochen werden, sondern unter anderem um Sklaven, die aufgefordert werden, ihre Arbeit nicht nur zu verrichten, sondern so zu verrichten, als arbeiteten sie für Gott. Der Lohn dafür soll dann ein ominöses Erbe sein.

Ich muß sagen, mich ärgert dieser Text. Es ärgert mich zu lesen, daß hier werkgerechtes Denken propagiert wird. Wenn Du das und das tust, dann kriegst Du einen Lohn. Von Gottes freier Gnade ist da nicht viel zu hören. Erst die Arbeit, dann der Lohn. Oder anders: Keine Arbeit, kein Lohn. Wer nicht spurt geht leer aus.

Nein. Er geht nicht leer aus, wir müssen nur einen Vers weiter lesen:

Denn wer unrecht tut, der wird empfangen, was er unrecht getan hat

Es geht also nicht um eine wie auch immer geartete Hölle in die man kommt, wenn man die geforderte Arbeit nicht verrichtet. Die Rede vom Erbe deutet also wohl nicht auf den Himmel hin, dessen Gegenteil dann wohl die Hölle wäre. Wer Unrecht tut wird das auch empfangen. What goes around, comes around. Man erntet, was man sät.

Die Gefahr in der Hölle zu landen haben wir also vorerst gebannt, nun stellt sich die Frage, ob was uns Losung und Lehrtext sagen wollen. Die Verbindung ist der Erbteil, der im Psalm als günstiger Zufall in Form von Land beim Psalmbeter landet.

Im Kolosserbrief ist das Erbe ein Erbe von Gott. Man bekommt es, wenn man als Sklave sich nicht auflehnt, sondern seine Arbeit verrichtet, als täte man sie nicht für seinen Besitzer, sondern für Gott selbst. Und das Gegenteil des Erbes, wenn man nicht so handelt ist, daß man das empfängt, das man tut.

Womöglich ist gemeint, daß gutes Verhalten als Sklave auch irgendwann den Besitzer dazu bringen wird, einen besser zu behandeln. Wobei ich daran zweifeln würde, daß das so sein muß, und die Bibel ist an anderer Stelle auch realistischer, was die Rolle von Sklaven angeht. Niemand wird dafür gelobt, daß er seine Arbeit tut. Aber man kann darauf gehen, daß man die Folgen zu spüren bekommt, wenn man seine Arbeit nicht macht. Ist das Erbe, von dem die Rede ist, daß man als Sklave seine Ruhe hat und nicht ganz so oft geschlagen wird?

Der vorangehende Vers lautet:

Ihr Sklaven, seid gehorsam in allen Dingen euren irdischen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens und in der Furcht des Herrn.

Es geht also gerade nicht darum, dem Besitzer zu gefallen, indem man sich den Anschein gibt, ganz brav und gehorsam zu sein, und irgendwie auch seine Arbeit hinkriegt, sondern indem man seine Arbeit als seine Berufung wirklich annimmt, daß man sich als genau dahin gestellt versteht, wo Gott einen haben will. Und daß man in diesem Bewußtsein dann seine Arbeit verrichtet. Nicht, um seinem Besitzer zu gefallen, der spielt dabei keine Rolle.

Das Erbteil ist vielleicht wirklich der Himmel. Und die Alternative? Nun, wenn man als Sklave nicht tut wie geheißen, dann kann man die Konsequenz vielleicht wirklich auch als Hölle ansehen. Von Schlägen als Strafe bis zum Tod ist eigentlich alles drin. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Während der Psalmbeter sagt, er habe ein gutes Stück Land erhalten, weil er glücklich war, besitzt der Sklave nicht einmal sich selbst, und soll trotzdem die Füße stillhalten.

Ihm blieb vielleicht wirklich nicht viel übrig, außer auf Gott zu vertrauen. Ein gewisser Onesimus, Sklave des Philemon, hatte dieses geforderte Vertrauen wohl auch nicht. Trotzdem ist die Alternative nicht besser. Also Füße stillhalten und durch, und darauf hoffen, daß Gott einem dereinst ein besseres Dasein verschaffen wird?

Mir ist das etwas wenig, wenn ich ehrlich bin. Jetzt kann man sagen, daß man daran erkennt, daß der Kolosserbrief eben kein echter Paulusbrief ist und daher auch keine ganz so tolle Theologie hat, aber er steht immerhin in der Bibel.

Weiter vorne ist die Rede davon, daß man als Christ alle negativen Gefühle und Verhaltensweisen ablegen soll und sich an Liebe und Vergebung orientieren.

Das würde sich dann auch auf die Besitzer beziehen. Auch diesen müßte man vergeben. Egal was sie tun. Und man wäre aufgefordert, sie zu lieben.

Wie viel schwieriger ist es doch hier, an das Erbteil zu kommen, als es für den Psalmbeter war, der einfach Glück hatte. Beides kommt von Gott, und es ist nach menschlichem Ermessen ungerecht. Die Welt ist ungerecht. Auch wenn innerhalb der Gemeinde Nationalität oder sozialer Status nicht zählt, wie Vers 11 betont:

Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.

Im „echten“ Leben kann das anders ausgesehen haben. Und Sklaven, deren Besitzer kein Christ war oder sich einfach nicht an die Forderungen hielt, hatten Pech, so wie der Psalmbeter Glück hatte.

Ich bin der Ansicht, daß alleine schon die ganzen Forderungen schon in dem Moment überflüssig und Fehl am Platz sind, wo sie ausgesprochen werden. Wer zu Christus gefunden hat, ist in der Regel derart voll von Freude, daß er bald zerplatzt. Ihm muß man eigentlich nicht mehr sagen, daß er vergeben und Liebe walten lassen soll, weil Gott ihn zuerst geliebt hat und er das begriffen hat.

Womöglich versucht der Autor des Kolosserbriefes, ob es nun Paulus war oder nicht, an diese ersten Gefühle der Erlösten zu erinnern, um eine Erkaltung des Glaubens zu verhindern. Es ist schon schwer zu lieben und zu vergeben, wenn es Schläge als Ausgleich gibt. Auch wenn dereinst alles mal besser werden soll.

Womöglich ist das Ziel des Briefautors auch, daß die Sklaven durch ihr Verhalten ihre Besitzer dazu bringen, selbst auch Christen zu werden, die dann ihre Sklaven nicht mehr als Sklaven behandeln sollten, jedenfalls nach dem Kolosserbrief, und der Philemonbrief deutet ja in die gleiche Richtung.

Es wäre schön, wenn der Brief hier eindeutiger wäre, mehr erklären würde. Tut er aber nicht.