Theologie

Predigtkommentar

Predigen ist eine gefährliche Sache. Viele Menschen hören einem zu und glauben das, was man sagt. Als Prediger hat man eine gewisse Autorität, manches wird ungeprüft geglaubt, weil es „der Herr Pfarrer“ sagt.

Es ist nicht verkehrt, sich das als Prediger bewußt zu machen und ich bin mir bewußt, daß auch ich in meinen Predigten immer wieder in diese Gefahr komme und in die Falle tappe. Ich bin, wie alle anderen Menschen auch, ein Sünder.

Christina machte mich in einem Kommentar auf diese Hörpredigt aufmerksam (leider habe ich keinen Link zum geschriebenen Text). Mein Eindruck ist, daß der Prediger gut auch gute Absichten haben kann, ich denke aber ebenso daß er seine Gemeinde verführt (und zwar schon durch die abwertenden Sprache, die er zum Teil benutzt, um die Flüchtlinge zu bezeichnen; es kommt mehrmals der Begriff „Horden“ etc).

Ich möchte diesen Blogartikel benutzen, um in brüderlicher Verbundenheit auf ein paar Probleme hizuweisen, die mir beim einmaligen Hören der Predigt (den Text vorliegen zu haben würde es mir hier freilich einfacher machen) aufgefallen sind. Am Ende muß sich freilich jeder selbst ein Bild machen, den vor Gott werden wir dereinst alleine stehen, ohne uns auf einen Papst oder Lieblingsprediger berufen zu können.

Ich habe mir beim Hören Notizen gemacht und werde darauf antworten. Das wird leider sehr bruchstückhaft sein. Ich möchte entscheidende Aussagen der Predigt überprüfen und mein jeweiliges Ergebnis vorstellen.

Der Prediger stimmt der Aussage zu, daß Christen alle Menschen lieben, fragt aber, ob dies bedeutet, daß wir alle Menschen in Deutschland aufnehmen müssen, die kommen. Darauf antwortet er mehrfach, zuerst mit einem Beispiel:

Ein Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche soll 200 Flüchtlinge aufnehmen, weil der Hausbesitzer sie alle liebt. Er stellt fest, daß die 200 Menschen zwar in das Haus hinein passen würden, daß es aber schnell zu Chaos führen würde, weil es doch zu wenig Platz zum Leben ist, und spätestens wenn weitere 500 Flüchtlinge ins Haus wollen, geht gar nichts mehr.

Das Beispiel ist sehr anschaulich, es ist nachvollziehbar, und es ist Quatsch. Nachvollziehbar ist es, weil es tatsächlich irgendwann dazu kommt, daß eine bestimmte Fläche zu viele Menschen beherbergen muß. Quatsch ist es, weil die Menge der Flüchtlinge pro m² in Deutschland nicht annähernd den Wert auch nur erreichen kann, der im Beispiel angenommen wird.

Wenn ein Haus 100m2 hat und darin 4 Personen (Papa, Mama, Sohn, Tochter) leben, dann hat jeder 25m². Wenn 200 Personen in dem Haus leben, sind das pro Person nur noch 1/2 m².

2013 standen in Deutschland pro Person im Durchschnitt 45m² zur Verfügung. Bei 80 Mio. Menschen. Um auf 1/2 m² wie im Beispiel mit dem Haus zu kommen, müßten 90 Mal (45:90=1/2) so viele Menschen hier wohnen, also 89 x 80 Mio. = 7,12 Mrd. Flüchtlinge hierher kommen. Das wäre fast die ganze Weltbevölkerung! So viele Menschen kommen sicherlich nicht, auch nicht in den nächsten 100 Jahren! Und es geht auch nur um den momentan (bzw. 2013) bestehenden Wohnraum. Wenn mehr Wohnungen gebaut werden bzw. leerstehende Wohnungen wieder genutzt werden, dann müßten noch mehr Menschen hierher kommen, um auf den 1/2 m² zu kommen, den der Prediger in seinem Beispiel bringt.

Ergebnis: Er übertreibt maßlos und provoziert damit Ängste. Zuletzt war die Rede von 1 Mio. Flüchtlingen pro Jahr. Sind wir einmal großzügig und gehen wir von 5 Mio Flüchtlingen pro Jahr in den nächsten 10 Jahren aus, dann wären das 50 Mio Flüchtlinge zusätzlich zu den 80 Mio. Einwohnern. Und gehen wir der Einfachkeit davon aus, daß niemand in der Zeit stirbt und keine neuen Wohnungen gebaut werden (was Unsinn ist, weil immer neue Wohnungen gebaut werden).

Dann hätten wir 130 Mio Menschen auf den 3,6 Mrd m² Wohnfläche (80 Mio. Einwohner x 45m² pro Einwohner 2013), das ergäbe dann 27,69m² pro Person. Imer noch mehr als in der „guten alten Zeit“ 1965, als jedem im Schnitt 22,3m² zur Verfügung standen.

Und es ist immer noch mehr als zur Verfügung steht, wenn in dem genannten Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche zwei Erwachsene mit zwei Kindern wohnen.

Das sollte deutlich zeigen, in welche unverantwortlicher Weise hier Ängste geschürt werden. Ja, die Flüchtlinge leben derzeit in den Heimen auf engem Raum und das führt zu Unruhe, mitunter auch zu Gewalt. Es wäre aber ein leichtes, hier einfach neue Ressourcen zu schaffen. Im Moment mag es überall knirschen, aber wenn es drauf ankommt können auch schnell neue Gebäude gebaut werden, man muß es nur wollen.

Der Prediger sagt, jeder denkende Christ müßte auch ohne Bibel sehen, daß der Zuzug Chaos bedeute und der Teufel sich ob des Chaos die Hände reibe. Nun, ich erinnere mich ohne Bibel daran, daß man das Böse mit Gutem überwinden soll und daß der Teufel und das Chaos nicht vor der Liebe bestehen werden. Zumal wir im Zweifel unser Kreuz auf uns nehmen und keine Angst haben sollen, auch wenn uns Leiden vorausgesagt sind.

Nun sagt der Prediger, daß die Nächsten- und Feindesliebe ja ganz toll sei, daß aber diese in den persönlichen Bereich gehöre, aber nicht in die Politik, sie gelte also nicht für den Staat resp. das ganze Volk.

Mich erinnert diese Unterscheidung ein wenig an die Eigengesetzlichkeit, die lutherische Theologen aufgrund der Zwei-Reiche-Lehre machen zu können meinten. Die ist liberale Theologie at its  best (und das in der Predigt eines freikirchlichen Predigers!) und hat uns im letzten Jahrhundert die theologische Rechtfertigung des NS Staates eingebracht – heute sollte klar erkennbar sein, daß es sich hier um eine Häresie handelt!

Mit dieser Differenzierung zwischen Politik und privatem Bereich, in dem alleine Feindes- und Nächstenliebe gelten soll kommt der Prediger dazu zu sagen, daß all die Forderungen von Liebe gegenüber Nächsten und Fremden nicht bedeuten, daß ein Volk Fremde aufnehmen solle.

Im NT habe die Gemeinde keine politische Macht gehabt, deshalb sei es auch immer um den persönlichen Breich gegangen und nicht um die Politik. Um die ginge es dagegen im AT.

Dem würde ich sogar zustimmen, das AT hat in viel größerem Maße auch die Staats- oder Gesellschaftsebene im Blick als das NT. Allerdings – und da begeht der Prediger den Kategorienfehler, den er anderen vorwirft – wird im AT eine Theokratie beschrieben, und kein moderner Rechtsstaat. Wie dieser funktioniert finden wir nicht direkt in der Bibel. Auch wie eine Demokratie funktioniert steht dort nicht geschrieben. Trotzdem macht er Rechtsstaat und Demokratie stark, als positive Gegenbeispiele zur Theokratie, die der Islam angeblich fordere. Nun, wenn man in die Bibel, speziell ins AT sieht, dann ist es dort eben auch die Theokratie und nicht die Demokratie, die gefordert wird.

Er gesteht zwar ein, daß man das AT nicht 1:1 übertragen könne, daß es aber doch Vorbildfunktion hätte. Allerdings würde ich anfügen, daß man dabei aufpassen muß, was man überträgt: Die Theokratie, die er offenbar auch nicht will (sonst würde er den Islam dafür kaum kritisieren können), oder die Forderungen Gottes, die auch für ein demokratisiertes Volk im Rechtsstaat gelten?

Mit Verweis auf Röm 13 (komischer Weise NT) und andere Bibelstellen hält er fest, daß der Staat dem Bösen nicht freien Raum lassen dürfe. Allerdings fordert das auch niemand. Keiner fordert, das staatliche Gewaltmonopol (das Schwer in Röm 13) abzuschaffen. Ein Flüchtling unterliegt den gleichen Gesetzen wie wir und für deren Einhaltung ist ebenso die Polizei zuständig. Falls dies nicht geschieht, ist das ein Grund, unsere Polizei besser auszustatten oder sie dazu anzuhalten, ihre Arbeit zu erledigen, es spricht aber nicht dagegen, Flüchtlinge aufzunehmen.

Der Prediger sagt, daß der Staat die Pflicht habe, sein Volk vor dem Bösen mit Gewalt zu schützen. Dem würde ich gr nicht einmal widersprechen. Allerdings frage ich mich da: Was ist das Böse? Sind das Menschen? Gab es da nicht einmal die Unterscheidung zwischen Person und Tat im Christentum: Liebe den Sünder, hasse die Sünde?

Die Flüchtlinge sind ja nicht per se böse. Womöglich gibt es Flüchtlinge, die Böses tun. Dafür ist die Polizei da, dafür trägt die Obrigkeit das Schwert, wie Paulus feststellt. Damit ist dann aber auch alles gesagt in der Sache.

Den Kern seiner Predigt machen die Passagen zur Unterscheidung von Fremdling und Fremder aus. Der Fremdling, nach dem Prediger ein Proselyt, hebr. als Ger bezeichnet, sei ein Mensch, der den jüdischen Glauben angenommen habe und folglich als Einheimischer, als „Jude mit Migrationshintergrund“ zu behandeln sei: Ohne Unterschied zu anderen Juden.

Der Fremde hingegen, der die Gebräuche des Landes nicht annehme, sei eher als Feind zu behandeln. Für ihn gelten auch diverse soziale Leistungen nicht. Zu diesem hielte Israel deutliche Distanz.

Zu den Begrifflichkeiten verweise ich einfach auf zwei Artikel im Wibilex:

Proselyten (AT)

Fremder (AT)

Das Problem hier ist, daß Israel im AT nicht nur eine religiöse Gemeinschaft wie die Kirche bezeichnet, sondern eben auch einen Staat, der theokratisch-monarchisch regiert wird.

Wenn wir die Theokratie nicht wollen, dann müssen wir alles aussondern, was theokratische Forderung ist. Und theokratisch sind vor allem die Forderungen nach Reinheit des Volkes vor anderen Religionen.

Die freiheitliche Demokratie, in der wir leben, kann keine Religionen ausschließen wie es die altisraelitische Theokratie konnte. Heute könnte niemand mehr auf staatlicher Ebene etwas dagegen sagen, daß Salomo seinen Frauen einen Götzentempel baut. Das sind heute Fragen der privaten Frömmigkeit, also des Bereichs, in dem laut dem Prediger auch Nächsten- und Feindesliebe gelten.

Die abweisende Haltung den Fremden gegenüber haben wir dabei durchaus auch: Wer keinen deutschen oder europäischen Paß hat, gilt hier als Ausländer und hat, wenn er nicht ein Aufenthaltsrecht hat, sehr wenige Rechte. Er kann hier Urlaub verbringen oder zu einem Geschäftstermin kommen, aber viel mehr geht nicht. Er darf hier nicht ohne weiteres wohnen und er darf nciht ohne weiteres eine Arbeit annehmen.

Von den Fremdlingen wurde im AT verlangt, daß sie die Bräuche der Israeliten annehmen – dafür wurde ihnen laut dem Prediger (im Wibilex liest sich das ein wenig anders) die volle Gleichstellung zugebilligt. Damals umfassten diese Bräuche auch die Religion.

Im freiheitlichen Rechtsstaat (und um den geht es ja bei uns, wir nehmen ja keine Flüchtlinge in die Gemeinschaft der Christen auf, wenn sie nicht getauft sind) gelten auch bestimmte Regeln, die eingefordert und per Poizei durchgesetzt werden. Nur werden keine religiösen Forderungen mehr gestellt, weil der freiheitliche Rechtsstaat weltanschaulich neutral ist, er kann also gar keine religiösen Forderungen stellen, sonst wäre er kein freiheitlicher Rechtsstaat mehr.

So gesehen entsprächen also die Flüchtlionge genau den Fremdlingen, denen nach dem prediger sämtliche Sozialleistungen zustehen würden. Trotzdem sin die Sozialleistungen, die Flüchtlingen zugestanden werden, deutlich geringer als das, was uns zur Verfügung steht. Sie stehen noch einmal deutlich untr Hartz IV Niveau, haben keine Krankenversicherung und dürfen oftmals nicht einmal den Landkreis verlassen…

Es spielt im freiheitlichen Rechtsstaat übrigens auch keine Rolle, ob seine Bürger diesen mögen, oder ihn umbauen wollen. Vielen wollen den Umbau, nicht nur „echte Muslime“, wie der Prediger meint. Der freiheitliche Rechtsstaat kann aber nicht Muslimen per se weniger Rechte geben, auch wenn diese ihn tatsächlich abschaffen wollten, denn das entspräche einer Diskriminierung aufgrund der Religion, was nach den Regeln des freiheitlichen Rechtsstaates nicht geht. Er wäre nur noch auf dem Papier ein freiheitlicher Rechtsstaat: Wie jemand, der sich zwar Christ nennt, aber lieber draufhaut, als die andere Wange hinzuhalten.

Der Prediger betont, daß Scharia und Grundgesetz nicht zusammenpassen würden und daß „echte Muslime“ nicht integriert werden könnten. Doch sind auch „echte Muslime“ nicht zwangsläufig immer Muslime, deshalb sollte man zwischen den Menschen und ihrer Religion zu unterscheiden wissen. Fällt die Religion weg, oder wird sie „unecht“ im Sinne des Predigers, geht das mit der Integration vielleicht doch…

Am Ende bringt der Prediger noch die Idee vor, daß das Gericht Gottes bedeuten würde, daß ein Volk preisgegeben würde. Er meint, die Flüchtlinge würden sich von unserem Vermögen ernähren wie es im AT für die Zeit nach dem Fall von Samaria und Jerusalem berichtet wird. Das Überhandnehmen des Fremden sei eine Strafe Gottes.

Das kann durchaus so sein, und wenn es so ist, dann haben wir diese Strafe verdient. Und zwar, weil wir es seit Jahrzehnten verpassen, die Fremdlinge, die als Gastarbeiter kamen, tatsächlich zu integrieren. Sie mögen damals für uns gearbeitet haben und zu unserem Reichtum beigetragen haben, aber es war eben nicht alles gut damals. Wir haben das integrieren verpasst, haben sie wie Fremde anstatt wie Fremdlinge behandelt, und sie ud ihre Kinder sind Fremde geblieben, denen wir nun preisgegeben werden, wenn wir das Ruder nicht noch herum reißen.

Wir sollten aber auch bedenken: Die Bibel spricht in den Versen, die der prediger anführt von der verbrannten Erde, vom Zustand nach dem Krieg, als Assyrer und Babylonier fertig waren mit Israel und Juda. So weit sind wir noch lange nicht. Uns geht es gut, wir schwelgen im Luxus wie Samaria zur Zeit des Amos, auch wenn unsere fetten Kühe nicht auf dem Baschan grasen. Die Aramäer waren ein recht kleines Problem für Israel damals, ebenso wie die Flüchtlinge für uns heute. Wenn wir anständig damit umgehen, wenn wir die Flüchtlinge aufnehmen als Fremdlinge, die sich an unsere Gesetze halten und dafür als Gleichberechtigte behandelt werden, dann haben wir eine Chance. Wenn nicht, wird Assur kommen und uns zu Fall bringen.

Theologie

Pro Christ

Bei Charly habe ich einen Artikel über das diesjährige ProChrist gelesen. Und er kritisiert die Veranstaltung aus konservativer Perspektive. Sonst kenne ich vor allem die Kritik von der anderen (progressiven?) Seite, mir stößt vor allem der Eventcharakter auf: Riesige Show, viel Tamtam, gut Jesus kommt auch vor, und Ziel des Spiels ist, daß irgendwelche Menschen durch Türrahmen gehen.

Ich bin da eher Befürworter einer ruhigeren, langsameren Evangelisation, in der die Massenpsychologie als Beweggrund für das Bekenntnis zu Jesus weitgehend ausgeschlossen werden kann. Das Evangelium ist mir zu wichtig, als daß man es derart zur Show machen sollte, wobei ich nicht in Abrede stellen will, daß einige wirklich über diesen Weg zu Gott finden. Das ist dann auch gut so, aber diese Ausrichtung auf ein bestimmtes Verhalten der Zielgruppe halte ich für fragwürdig. Ausrichtung an Nöten, Problemen und Fragen der Einzenen fänd ich besser, aber das geht in Großveranstaltungen nicht so gut. Dort, so scheint mir, funktionieren vor allem klare schwarz-weiß Aussagen, was Gott will oder nicht, und was wir deshalb zu tun haben oder nicht. Und ein solcher Fundamentalismus ist an sich erst mal schwierig.

Nun aber zu Charlys Kritik, die in eine etwas andere Richtung geht. Zentral an seiner Kritik scheint mir folgender Satz zu sein:

Warum verkaufen manche das Heil so billig, wenn uns die Bibel von einem anderen, einem teuren Preis berichtet? Weil dann evtl. nicht so viele bereitwillig “nach Vorne kommen” um sich zu bekehren? Weil es Menschen geben mag, die sich empören könnten?

Was ich zuerst heraushöre, ist eine Kritik an der Zielvorgabe, daß möglichst viele nach vorne kommen und durch den Türrahmen gehen sollen, als Zeichen für ihre Bekehrung. Die weitere Kritik richtete sich wohl gegen die Angst vor Kritik von außerhalb. Im Kern geht es ihm aber darum, daß das Heil billig verkauft werde. Er schreibt weiter:

Tatsächlich gibt es innerhalb der Kirchen und christl. Gemeinschaftsverbänden diese Diskussion, ob man Heute noch in den Predigten die Sünde, die Sündhaftigkeit der Menschen, die Notwendigkeit der Vergebung und die Notwendigkeit einer Buße – einer Lebensumkehr, erwähnen darf. Damit beraubt man zwar dem christlichen Glauben den gesamten Kern, der ihn eigentlich erst ausmacht – aber das scheint so manchen Kirchen- und Gemeinschaftsvertretern nichts auszumachen.

Da bin ich einer Meinung mit ihm. Es kann nicht angehen, daß Prediger davor zurückschrecken, von Sünde, Buße und Vergebung zu predigen. Das sind zentrale Begriffe des christlichen Glaubens, und die dürfen der Gemeinde nicht vorenthalten werden. Fallen diese weg, kommt man schnell zu ner Wellness-Sache die vielleicht noch was mit diversen esoterischen Angeboten zu tun haben mag, aber nicht mehr viel mit Christus. Die Sünde ist eine ernste Sache, sie zu negieren oder zu relativieren letztlich Betrug. So ähnlich auch Charly:

Sagt er jetzt die wichtigen Worte, die aus einer religiösen Betrachtung eine Verkündigung des Evangeliums macht: Sagt er, dass Jesus zu dir kommt und dir deine Sünden vergibt? Das du leben darfst, obwohl du wegen deiner Sünden hättest sterben müssen? ……. – ……. – …….  Nein!

Wobei ich hier andere Akzente setzen würde. Mich spricht in letzter Zeit eher der Befreiungsbegriff an als der Vergebungsbegriff: Befreiung von der Sünde und nicht Vergebung der Sünde. Und das aus folgendem Grund:

Mit der Vergebung der Sünde ist das so ein Problem, denn die ganze Sache kommt moralisch und Oberlehrerhaft daher. Erst muß der Mensch einsehen, daß er Sünder ist, daß er Fehler macht, und daß er dafür verantwortlich ist. Das ist nicht so schnell einsehbar, wie auch Charly anmerkt:

Ich erinnere mich an mehrere Gelegenheiten, die ich erlebt habe, wo Jemand auf solch unerwartet eingeworfene Passagen in einem Gebet, zu welchem er eingeladen war es mitzubeten, reagierte und ausrief: “Ne, also, nö, für mich braucht Niemand zu sterben. Und welche Sünden denn? Ich bin doch kein Sünder!”

Und dann wäre dann ja noch die Frage, wieso Gott den Menschen schafft, seinen Fall zuläßt, nur um ihm dann deshalb böse zu sein, Seinen Sohn zu schicken und ans Kreuz nageln zu lassen, damit Er nicht mehr böse sein muß auf diejenigen, die das glauben…

Zumal das mit dem Fall dann nochmal schwierig wird, wenn man vom unfreien Willen ausgeht, so wie ich.

Deshalb sehe ich die ganze Geschichte lieber weniger als eine von rechtem und unrechtem Verhalten, sondern als eine Geschichte von Gefangenschaft und Befreiung. Die Menschen sind unter der Sünde gefangen. Das heißt, sie tun das, was nicht recht ist, weil sie ihre Hoffnung auf Dinge setzen, die Unrechtes verlangen, um das Heil zu erwerben. Ein Beispiel: Wenn jemand seine Hoffnung auf sein Vermögen setzt, oder Geld im Allgemeinen, dann muß er zusehen, daß er immer über Geld verfügt, denn seine Hoffnung liegt auf seinem Geld. Im Zweifel muß er eben auch Unrechtes tun, um an Geld zu kommen, denn am Geld hängt seine Hoffnung für sein Leben.

Und dieses Unrecht muß er tun, auch wenn er es als Unrecht erkennt und eigentlich nicht tun will. Er ist unter der Sünde, in ihrer Gefangenschaft, und sie gibt ihm vor, was zu tun ist. Die Sünde ihrerseits wird oft als Rebellion gegen Gott aufgefasst, und da ist in dem Beispiel ja gegeben: Nicht auf Gott setzt der fragliche Mensch seine Hoffnung, sondern auf das Geld. Um aus dieser Gefangenschaft herauszukommen, muß er erst einmal Gott vertrauen lernen. Vertrauen und Glauben sind im Griechischen übrigens das gleiche Wort: Pistis. Daß man Gott vertrauen kann, sieht man nirgends deutlicher als am Kreuz von Golgatha: Gott selbst läßt sich von den Menschen ans Kreuz schlagen, läßt sich ermorden, obwohl es Ihm ein Leichtes wäre, sich zu befreien. In der Antike war genau das eine absolute Unglaublichkeit. Die Mehrheit er Menschen konnte nicht glauben, daß ein Gott diese Schmach, diese Schmerzen, dieses Elend auf sich nimmt, denn einem Gott stehen Herrlichkeit und Glanz zu, und ein Gott kann sich diese auch verschaffen.

Der wahre Gott ließ aber von alledem ab und ließ sich ermorden. Seine Macht demonstrierte Er später, indem Er sich das Leben wiedernahm.

Damit sind zwei Dinge klar:

  1. Gott liebt die Menschen so sehr, daß Er lieber selbst Schaden nimmt, als etwas auf sie kommen zu lassen. Man kann Ihm vertrauen.
  2. Gott ist in der Lage, selbst aus dem Tod heraus das Leben wieder zu ergreifen. Er ist enorm mächtig. Man kann auf Ihn hoffen.

Dagegen stinkt da Geld als Hoffnungsträger ab, aber sowas von! Und alle anderen Alternativgötter ebenso, deren sich die Sünde bedient, um über uns zu herrschen. Luther nannte Sünde, Tod und Teufel oft in einem Zug, man kann sie also auch synonym verstehen. Dann wäre die Sünde das selbe wie der Teufel. Wir wären also unter der Herrschaft des Teufels, bevor Christus uns befreit hat. Diese Befreiung ist die Bekehrung, und der Glaube ist da von Anfang an mit dabei, denn in dem Moment, in dem ich Gott vertrauen (also glauben) kann, bin ich bekehrt, und dann gibt es auch keinen Grund mehr, das Unrechte zu tun, das ich nicht tun will, denn Gott verlangt von mir kein Unrecht, Er verlangt überhaupt kein Tun, um das Heil zu erwerben oder zu erhalten. Er schenkt mir das Heil aus Seiner freien Gnade, und ich kann nichts dagegen tun, aber auch nicht dafür.

Ich meine nun, ein an Gott Interessierter würde weniger auf Distanz gehen, wenn ich ihm sage, daß er unter dem Joch der Sünde steht, als wenn ich ihm sage, daß er ein Sünder ist. Beides ist eigentlich das gleiche, aber im ersten Fall liegt der Hauptauenmerk darauf, daß er Opfer der ganzen Sache ist, während im zweiten Fall der Täteraspekt betont wird. Beides trifft zu, aber wenn ich den Menschen in seiner Not an- und ernstnehmen will, muß ich auch hinsehen, was seine Not ist, und nicht, wo er überall falsch gehandelt hat. Das ist ihm meist selbst klar.

Ist jemand zum Glauben gekommen und frei, dann ist er auch empfänglich für Hinweise zu falschem Tun, denn er wird ja danach streben, Gott, der ihm so viel Gutes getan und ihn befreit hat, zu gefallen. Dann braucht man auch nicht mit der Hölle zu drohen oder sonstwie Angst machen.

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Wer ist größer?

Bei Mandy hab ich ne Geschichte gelesen, die ich ähnlich auch schonmal gehört habe, un die in dieser ähnlichen Form auch schon einmal mit Christus in Verbindung gebracht wurde. Die Kurzfassung geht so:

Der New Yorker Bürgermeister hat an einem Winterabend in einem Bezirksgericht den Richter nach Hause geschickt und selbst den Platz übernommen. Angeklagt war eine alte Frau wegen Diebstahls. Sie hatte ein Brot gestohlen, um ihre Enkel durchzubringen. Diesen drohte der Hungertod. Der als Richter fungierende Bürgermeister verurteilte sie zu 10 Dollar Strafe, zahlte sie selbst und verurteilte darüber hinaus jeden Anwesenden zu 50 Cent Strafe dafür in einer Stadt zu leben, in der eine alte Frau Brot stehlen muß, um ihre Enkel durchzubringen. Das Geld bekam die Frau, die nun erst einmal genug hatte, um ihren Enkeln etwas zu essen zu kaufen.

Hier wird nun oft – und so auch bei Mandy – eine Parallele zu Christus und dem Krezesgeschehen gezogen. Demnach könne Gott nicht über unsere Fehler hinwegsehen, so daß eine Strafe nötig sei, zahlt sie aber dann selbst, um uns vom Haken zu lassen.

Ich finde diese Auffasung fragwürdig. Und stehe wohl nicht alleine. Gerade von (krakeele-) atheistischer Seite wird oftmals eingewandt, daß Gott uns ja so geschaffen hat und folglich selbst Schuld sei, daß wir sind, wie wir sind und uns folglich auch schlecht dafür verurteilen könnte. Das wäre dann wie wenn der Bürgermeister der alten Frau alles genommen hätte, so daß sie stehlen mußte, sie dann zu ner Strafe verurteilt für das Stehlen, das ihr als einziges übrig blieb, und sich dann als den großen Helden feiern läßt, wenn er die Strafe selbst zahlt.

Ich sehe ein ganz anderes Problem. Mir stellt sich die Frage danach, wer größer ist: Gott oder irgendein Gesetz, und sei es ein göttliches.

Gewisse christliche Kreise sagen nun, daß das Gesetz größer sei, da Gott sich daran gebunden habe, und so quasi selbst zurückgetreten sei, und nun nicht einfach widerrufen kann, und selbst ungerecht zu werden. Hier ist ein gewisser Legalismus zu erkennen, was Recht ist muß Recht bleiben, koste es, was es wolle. Schuld muß abgegolten werden, denn wo kämen wir denn dahin, wenn nicht etc.

So argumentiert auch der Ladenbesitzer, dem das Brot gestohel wurde, und den ich in meiner Zusammenfassung der Geschichte ausgelassen hatte (bei Mandy ist er erwähnt). Aus einer derartigen Gerechtigkeit spricht eine gewisse Unbarmherzigkeit. Und diese Unbarmerzigkeit kommt nicht aus der Welt, wenn der Richter die Strafe einfach selbst zahlt. Denn das Gesetz an sich ist ja unbarmherzig. Das sebe Gesetz, das gerade noch von Gott über sich selbst gehoben wurde (bzw worden sein soll). Damit stünde an höchster Stelle die Unbarmherzigkeit und wir wären nur so lange sicher vor der Verdammnis, wie Gott für uns die Strafe zahlt. Dann müßte Gott aber aus dem Zahlen gar nicht mehr heraukommen, immer wieder und wieder zahlen, weil wir immer wieder und wieder das Gesetz übertreten.

Dann könnte Jesus nicht auferstanden sein, weil Er immer noch zahlen würde. Sünde, Tod und Teufel wären nicht besiegt, nicht überwunden, Paulus hätte sie nicht verspotten können: Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg?. Sie wären vorübergehend in Schach gehalten, aber lange nicht besiegt. Und es gäbe auch keine Aussicht auf einen Sieg, da auf diese Weise Gott diese Unbarmherzigkeit anerkannt und quasi geadelt hätte.

Nun ist Jesus aber auferstanden und der Tod ist besiegt. Keiner zahlt mehr. Jesus starb für uns und ist am Dritten Tag auferstanden nach der Schrift. Ein Schlüssel zu einem anderen Verständnis ist unser Verständnis von Gerechtigkeit. Man kann Gerechtigkeit so auffassen, daß jeder nach seinem Handeln behandelt wird, daß also eine gewise Gleichheit ingehalten wird. Auf Gutes folgt Gutes, auf Böses folgt Böses. Diese Gerechtigkeit ist im Kern unbarmherzig, da auf Böses immer Böses folgen muß, um der Gerechtigkeit willen. Auch wenn es sonst keiner will. Hier geht es ums Prinzip, und zwar über alle Leichen.

Eine andere Möglichkeit, Gerechtigkeit zu verstehen, ist es, wenn man sagt, gerecht ist, wenn etwas gut ist. Dann folgt auf Gutes weiterhin Gutes, aber auch auf Böses folgt Gutes, um den Bösen vom Guten zu überzeugen. Gott macht die Menschen gerecht, nicht indem er ihnen nach ihren Taten vergilt, sondern indem Er sie annimmt. Das war unter anderem auch Luthers Erkenntnis. Luther war in diesem Böses für Böses, Gutes für Gutes gefangen und suchte danach, wie er sich das Gute sichern könnte. Waser an Gutem utn mußte, um Gott zu gefallen. Seine Frage war: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Also: Wie mache ich durch gute Taten Gott gnädig? Die Antwort, die er fand, war verblüffend: Gar nicht. ch muß Gott nicht manipulieren, um Ihn gnädig zu stimmen. Gott ist schon gnädig.

Ich meine, Gott ist vielleicht nicht mit dem Bürgermeister aus der Geschichte gleichzusetzen, aber womöglich Satan mit dem Ladenbesitzer. Oder vielleicht gar das Gesetz! Aber das Beispiel paßt einfach nicht zum Ostergeschehen, wie ich es verstehe. Da hat Gott nichts bezahlt, sondern sich geopfert. Er hat sich quasi dem Urteil Satans unterworfen, um diesen dann der Rechtsbeugung zu überführen. Vielleicht läßt sich die Geschichte so erzählen:

In einem harten Winter, in dem es nichts zu essen gab, saß in der Stadt ein unbarmherziger Richter zu Gericht. Er konnte bei allen Menschen eine Straftat nachweisen, den einen, weil sie Essen klauten, den anderen, weil sie nichts abgaben, wie die Gesetze des Landes es verlangten. Folglich verurteilte er jeden, der in seinen Gerichtssaal gebracht wurde.

Wer Einfluß hatte in der Stadt versuchte, den Richter mit Gefälligkeiten gnädig zu stimmen, und der Richter hatte großen Gefallen an der Macht und der Ehrerbietung, die ihm zuteil wurde. Er brach selbst keine Gesetze, sorgte aber durch seine Machtposition und die Bestechungsversuche der Bürger selbst für größte Ungerechtigkeiten, die er dann wieder gnadnlos verfolgte.

Eines Tages aber kam ein Mann in die Stadt. Es war der Vorgesetzte des Richters, kein anderer als der König, dem die indirekte Gewaltherrschaft des Richters zu Ohren gekommen war. Der König gab sich den Bürgern nicht zu erkennen, der Richter aber wußte, mit wem er es zu tun hatte. Natürlich hatte der König es nicht nötig, Lebensmittel zu stehlen, er teilte das was er hatte aber auch mit anderen, so daß er selbst unschudig war. Der Richter hatte nun ein Problem. Einerseits stahlen immer weniger Menschen, weil sie beim König essen konnten. Andererseits öffneten auch andere Reiche ihre Türen, weil sie sahen, daß der König, obwohl er teilte, selbst immernoch genug hatte. Dem Richter wurde es allmählich schwer, seine Macht aufrecht zu erhalten, denn immer weniger Menschen ließen sich etwas zu Schulden kommen, so daß er immer weniger Menschen verfolgen konnte. Außerdem wollte der Richter selbst König werden. Er war selbst aus königlicher Familie und wußte, daß er selbst König würde, wenn er den richtigen König ins Gefängnis stecken konnte. Die Verurteilung des Königs würd beide Probleme lösen: Die Menschen würden einander wieder bestehlen und Lebensmittel vorenthalten, außerdem könnte der Richter dann nicht nur über eine Stadt, sondern über das ganze Land herrschen. Er hatte immer nch die Macht, Menschen vor Gericht zu holen und zu verurteilen, und da bisher jedes Urteil gerecht war, wurde auch keines davon je angezweifelt. Also ließ er den König verhaften, der immer noch incognito reiste.

Um sicher zu gehen, daß der König auch weiterhin geheim hielt, wer er in Wirklichkeit war, ließ er ihn öffentlich foltern und fragte immer wieder nach seinem Namen. Dieser aber blieb stumm und verweigerte die Aussage.

Der Richter verurteilte ihn wegen Lebensmitteldiebstahl, doch diesmal freilich ohne das Recht dazu zu haben. Aber wer konnte das schon wissen, waren doch alle Urteile bisher gerechtfertigt.

Nun offenbarte sich der König und ließ nun den Richter aus dem Amt jagen. Er war nämlich extra gekommen, um die Stadt von dem Richter zu befreien. Dies ging jedoch nur, wenn der Richter sich selbst etwas zu Schulden kommen ließe, der Richter mußte mit seiner eigenen Waffe, der unbarmherzigen Gerechtigkeit, geschlagen werden, um deren Ungerechtigkeit zu offenbaren. Einige Bürger der Stadt jedoch schenken all dem keinen Glauben. Sie ehren den Richter immer noch, da er gerechte Urteile verhängt. Sie zweifeln aber daran, daß der König wirklich der König ist. Denn dieser hätte sich in der Folter zu erkennen gegeben. Wieso hätte er als König es nötig gehabt, zu leiden?

glaube

Gedanken aus der Stille I

Nach zwei Wochen bin ich jetzt von einem Taizéaufenthalt zurück. Ich hatte dort wieder eine wundervolle Zeit und war endlich mal wieder eine Woche im Schweigen. Da man im Schweigen viel Zeit zum Nachdenken hat, sind dabei einige Texte rausgekommen, die ich nicht einfach in einer Schublade verschwinden lassen möchte. Der erste befasst sich mit der Passionsgeschichte bei Lukas (Lk 22-23), insbesondere mit den Worten Jesu am Kreuz (Lk 23, 33 ff)

Kreuzigung und Tod Jesu erhalten bei Lukas durch das Schweigen und die Worte Jesu am Kreuz ihren ganz eigenen Charakter. Dreimal spricht Jesus am Kreuz bei Lukas, jeder Ausspruch beleuchtet einen neuen Teil seines Leidens und Sterbens. Die ersten Worte Jesu am Kreuz, während er gekreuzigt wird, sind: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Auch in den Stunden seines Todes stellt Jesus seine Beziehung zu Gott nicht in Frage. Auch als ihm schon Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt werden, beginnt er sein Gebet mit „Vater“.
Die folgende Bitte um Vergebung zeigt: Gott nimmt das Leiden Jesu keineswegs ungerührt hin. Es ist nötig, dass Jesus um Vergebung für die bittet, die ihn kreuzigen. Die Soldaten, die Jesus kreuzigen, können sich nicht darauf berufen, ihre Pflicht getan zu haben. Sie werden schuldig – wie alle Menschen. Und weil sie schuldig werden wie alle Menschern reicht auch die Bitte Jesu um Vergebung weiter als nur bis an den Rand von Golgatha. Ich glaube, Jesus bittet am Kreuz nicht nur für die, die ihn gerade an Kreuz nageln. Er bittet für alle, die ihn ans Kreuz gebracht haben durch ihre Schuld – er bittet auch für uns. Der Christus, den Lukas hier schildert, ist der bittende Christus: Er bittet Gott um Vergebung für die Soldaten, für die Menschheit, für uns.
Als Jesus dann am Kreuz hängt, verspotten ihn die Obersten des Volkes,  die Soldaten und einer derer, die mit ihm hingerichtet wurden.
Den Anfang machen die Obersten: „Er hat anderen geholfen, er helfe sich selbst, ist er der Christus, der Auserwählte“. Die Versuchung, der Jesus am Beginn seines irdischen Wirkens ausgesetzt war, wiederholt sich am Ende. Hieß es in der Wüste: „Bist du Gottes Sohn, so sprich zu den Steinen, dass sie Brot werden“, d.h. helfe dir doch selbst, wende dein Hungerleiden ab (Lk 4, 3), so heißt es nun: helfe dir doch selbst, wende dein Todesleiden ab, wenn du der Messias bist. Jesus schweigt.
Die zweite Versuchung: In der Wüste bietet der Teufel Jesus weltliche Macht an, wenn er vor ihm niederfalle (Vgl. Lk 4, 5 ff). Bei den Soldaten heißt es: „Bist du der Juden König, so hilf dir selber“ (Lk 23, 37). Los, erweise doch, dass du ein Herrscher bist. Zeige deine Macht. Jesus schweigt.
Die dritte Versuchung: Der Teufel führt Jesus auf die Tempelzinne in Jerusalem. Wirf dich hinab, dir kann doch nichts passieren (Lk 4, 9). Einer derer, die mit ihm gekreuzigt werden, spricht zu ihm: „Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns“. Los Jesus, erweise deine Macht über Leben und Tod. Wirf dich von der Zinne oder steige vom Kreuz – zeige doch, dass dein Leben unter Gottes Schutz steht. Jesus schweigt. Anders als in der Wüste gibt er auf keine der neuen Versuchungen eine Antwort. Es ist alles gesagt. Ein schweigsamer Jesus gegenüber den Anfechtungen.
Dann spricht der andere Verbrecher. Er weist den ersten zurecht und stellt die Unschuld Jesu fest. Hier ist ein Blick in die Szene der Festnahme bei Lukas aufschlussreich. Jesus gebietet auch bei Matthäus und Johannes der Gewalt, die von seinen Jüngern ausgeht, Einhalt (Mt 26, 47 ff. Joh 18, 1-10)Er heilt jedoch nur bei Lukas das Ohr des verwundeten Knechtes. Er erweist sich als derjenige, der Gewalt so sehr ablehnt, dass er nicht einmal ihre Folgen am Körper eines Feindes duldet und erweist sich so als völlig unschuldig an jeder Gewalt. Grade vor diesem Hintergrund ist die Feststellung des Verbrechers bemerkenswert, denn auch sie wird nur von Lukas überliefert. Dann bittet der Verbrecher: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst“. Der Verbrecher ist angesichts der eigenen Schuld machtlos. Hände und Füße sind festgenagelt oder gebunden, der Leib von der Geißelung geschunden. Er kann rein gar nichts mehr tun – außer das Wort an Jesus zu richten und ihm zu vertrauen. Es ist keine Bitte darum, aus der gegenwärtigen Lage erläst zu werden, der Blick ist schon auf die Zukunft gerichtet. Es fehlen die Worte, noch auf die eigene Schuld zu sprechen zu kommen. Keine Versuche, sich noch zu rechtfertigen. Nicht einmal eine eindeutig formulierte Bitte um Vergebung kommt ihm über die Lippen. Da ist nur pure Sehnsucht danach und Hoffnung darauf, von Jesus nicht vergessen zu werden. Das Leben mag er verlieren, seine  Hoffnung und seine Sehnsucht sind auf Jesus gerichtet. Und jetzt, im Angesicht der auf ihn gerichteten Sehnsucht und Hoffnung bricht Jesus sein Schweigen: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“. Jesus löscht den glimmenden Docht der Sehnsucht und Hoffnung nicht aus, er nährt ihn. Er hört hinter den Worten eine nicht ausgesprochene Bitte um Vergebung – und gewährt sie. Die Vergebung bedeutet nicht, dass der Verbrecher auf Erden keine Verantwortung für seine Tat übernehmen muss, doch sie trennt ihn nicht von Gott.
Doch auch in der Lebenssituation gibt Jesus Hoffnung. Ein Grund für die Kreuzigung war, dass sich das Sterben tagelang hinziehen konnte. Es war ein langes, qualvolles Sterben unter Muskelkrämpfen und schließlich dem Tod durch Ersticken. Indem Jesus sagt: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ stellt er in Aussicht: Dein Leiden ist zeitlich begrenzt. Du wirst nicht mehrere Tage sterben, sondern noch heute. Für jemanden, der mit einem tagelangem Todeskampf rechnen muss, ist das in Anbetracht seiner Lage eine durchaus hoffnungsvolle Perspektive.
Das Gebet „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst“ hat für den Verbrecher Hoffnung zur Folge – für die leidgefüllte Gegenwart und die Zukunft nach dem Tod. Im Angesicht unserer Schuld sind wir nicht mächtiger als der Verbrecher. Wir können zwar Hände und Füße bewegen. Doch wir können weder unsere Schuld wegstoßen noch vor ihr weglaufen. Doch wenn uns angesichts unserer Schuld alle Worte fehlen, können wir mit dem Verbrecher beten: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst“. Er hat dem Verbrecher am Kreuz vergeben, wir können darauf vertrauen, dass er auch uns vergibt. Der Christus am Kreuz bei Lukas ist der gnädige Christus.
Am Ende des Leidens stehen bei Lukas die Worte: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“. Wie der Anfang, so steht auch das Ende des Kreuzestodes im Lichte der Beziehung Jesu zu Gott. Wie er Gott am Beginn der Kreuzigung mit Vater ansprach, so tut er es auch im Augenblick seines Todes. Doch dieses Mal geht es allein um Jesus und Gott. Waren zu Beginn die, die ihn ans Kreuz schlugen und wir Inhalt seiner Worte, ist er es jetzt selbst. Er befiehlt seinen Geist in die Hände seines Vaters. Im Augenblick seines Todes ist er sich der Beziehung zu Gott gewiss. Kein Wort mehr an seine Feinde, allein Gott ist es, der jetzt zählt.Andere mögen ihn auf Befehl von Pilatus gekreuzigt haben, doch nun ist er es, der befiehlt: seinen Geist in die Hände des Vaters. Im Sterben zeigt er völlige Souveränität. Auch der sterbende und leidende Christus ist der souveräne Christus.
Das ist der Christus am Kreuz bei Lukas:
Er bittet um Vergebung.
Er schweigt gegenüber der Versuchung.
Er hört auf das Gebet des Verbrechers und vergibt.
Er ist souverän bis in den Tod.

Das ist der Christus, der uns durch sein Sterben und seine Auferstehung vom Tod erläst hat und denen, die an ihn glauben, sagt: „Amen, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 25.03.2012 (Jes 49, 10)

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Das Wetter wurde in den letzten Tagen besser. Und vor allem wärmer. Der Frühling kommt. Nach der Kälte des Winters freue ich mich richtig darauf, bald ohne Jacke rausgehen zu können. In solchen Zeiten ist ein Satz wie der obige, der von Schutz vor Sonne und Hitze spricht, nicht ganz so wirkend wie im Sommer bei annähernd 40°C (okay, nicht hier in Greifswald, aber zu Hause in der Pfalz gibt es das schonmal).

Im meiner Heimat der Pfalz nicht ganz fernen Saarland gibt es eine Redewendung, die den ersten Teil des Satzes gut aufnimmt:

Hauptsach gut gess‘!

Und damit kann ich mich auch identifizieren. Und daß man nicht dürsten wird spricht mich als Pfälzer sowieso an. Aber um was geht es eigentlich?

Im Kapitel 49 des Jesajabuches geht es um den Gottesknecht, der in der Tradition auf Jesus Christus gedeutet wurde. In Vers 6 sagt Gott, es sei zu wenig, daß der Gottesknecht die Stämme Jakobs – also die Israeliten – aus der Zerstreuung holt. Er soll darüber hinaus noch das Licht der Heiden sein.

Es handelt sich um eine Heilszusage an die Israeliten, die sich zu der Zeit im Exil befinden, aber das Übliche reicht hier nicht. Es ist zu wenig, nur das Exil der Israeliten zu beenden, sie wieder ins Land zurückzuführen, sondern auch die Heiden sollen gewonnen werden.

Der Gottesknecht soll sagen „Geht heraus“ (Vers 9), und dann foögt eine Wanderng aus dem Exil, heim ins gelobte Land. Um diese Wanderung geht es. Gott verspricht, die Wege gerade zu machen, Berge einzuebnen, und eben auch die Versorgung auf dem Weg:

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Der Erbarmer, das ist Gott selbst. Er vergleicht sich in Vers 15 mit einer Mutter, die ihrem Sohn nicht im Stich lassen kann. Das ganze Kapitel atmet die Liebe und Fürsorge Gottes zu Seinem Volk.

Doch, ich habe es schon erwähnt, auch die Heiden sind mit im Boot. Die Heiden, das sind alle Nichtisraeliten. Dazu gehören streng genommen auch wir alle. In der Zeit der alten Kirche wurde noch zwischen Heidenchristen und Judenchristen unterschieden. Heide zu sein bedeutete nicht, kein Christ sein zu können. Ein Heide war ein Mensch mit einer anderen Nationalität. Ein Angehöriger eines anderen Volkes.

Gott war aber der Nationalgott der Israeliten. Also eigentlich gar nicht zuständig für uns Heiden. Trotzdem wandte Er sich auch uns zu, übernahm auch für uns Verantwortung, wenn man so will.

Wir gehen auf Karfreitag zu, dem höchsten Feiertag des Protestantismus. Der Tag, an dem Christus für die Schuld der Menschen ans Kreuz ging. Nicht nur für sein eigenes Volk, nicht nur für die Frommen, sondern für alle Menschen, ob sie Ihn kannten oder nicht.

Gott, der als Nationalgott der Israeliten anfing, und doch Gott der ganzen Welt ist, hat Verantwortung übernommen für Seine Welt, und starb für uns.

Vielleicht sollten wir überlegen, ob wir, als Verehrer dieses Gottes nicht auch auf gleiche Weise Verantwortung übernehmen über das hinaus, was uns als Bereich zugesprochen wird. So wie Gott die Grenzen Seines Volkes überschritt, um uns allen das Heil zu bringen, können auch wir Grenzen überschreiten, zum Wohle aller Menschen.

Das Stichwort der Nationalität kann uns hier ein erster Anhalt sein. Wenn Gott sich nicht um die Nationalität derer scherte, die Ihn verehrten, wieso sollten wir noch Menschen nach Nationalität unterscheiden und Hilfesuchende an unseren Grenzen abwehren, nur weil sie Geld kosten? Wieso sollten wir Menschen, die hier wohnen abschieben, nur weil sie Geld kosten?

Kreuzigungsdarstellung in der Kathedrale von Jeju-Si, Jeju-Do, Republik Korea

Man kann weiter gehen und fragen wieso Menschen andernorts verhungern sollen, nur weil es dort nichts zu essen gibt. Heil bedeutet im ersten Moment auch immer weltliches Heil, gutes Leben. Im zweiten Schritt – den sollte man nicht vergessen – darf man dann aber auch das ewige Heil nicht vergessen werden. Es ist eins die Nackten zu kleiden und den Hungrigen zu essen zu geben. Doch wollen die Verlorenen auch gerettet werden. Dazu ging Gott ans Kreuz. Und dazu hat Er uns dann ausgesandt.

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Das Kreuz

Als Krawallchrist (Religiot ist wohl inzwischen nicht mehr scharf genug und zu abgenutzt als diffamierender Begriff) bin ich vielleicht dazu prädestiniert, mir auch Gedanken zum Kreuz in Gerichtssälen, Schulen und Verwaltngen etc. zu machen. In letzter Zeit hört man ja öfters mal von Gerichtsbeschlüssen, die das Abhängen fordern und Menschen, die das nciht tun, sich dagegen wheren oder sich beklagen, weil die Kreze eben nicht abgehängt werden. Oder kurz: Es ist ein umstrittenes Thema.

Dabei sagt die eine Seite: Das Kreuz ist ein Symbol des Christentums und damit steht es der staatlichen Neutralität entgegen, dieses Symbol in staatlichen Gebäuden aufzuhängen.

Die andere Seite meint: Das Kreuz ist nicht nur Symbol des Christentums, sondern vielmehr Teil der Kultur in Mitteleuropa und Detschland, und daher spricht nichts dagegen, dieses Symbol auch im staatlichen Kontext zu benutzen, ohne die Neutralität zu verletzen.

Persönlich tendiere ich eher dazu zu sagen: Hängt die Kreuze ab. Was hat man denn davon (ob nun als Christ oder als Kulturfetischist) wenn ein Kreuz an der Schul- oder Gerichtswand hängt? Nichts, also wozu der ganze Streß. Hängt die Dinger ab und gut ist. Ich kenne keinen Christen der meint, die Kreuze an der Schulwand für seinen Glauben zu benötigen.

Vor allem die Kulturthese erschien mir völlig irrwitzig, und ich habe mich ach geärgert, daß hier von staatswegen ein christliches Symbol umgedeutet und damit entkernt wird. Doch dann fiel mir etwas auf: Das Kreuz kommt nicht nur an Staatlichen Gebäudewänden vor, sondern auch anderswo. Etwa den Flaggen der skandinavischen Länder, ebenso in mehrfacher Ausführung beim Union Jack sowie den Flaggen der einzelnen Teile des Vereinigten Königreichs (und ich habe sicher einige Staaten vergessen), darüber hinaus auch in vielen Länder- und Kommnalwappen (etwa das Trierer Kreuz oder das Kurkölinsche Kreuz). Auch Fußballvereine haben mitunter ein Kreuz im Wapppen, was schon für Aufregung in islamischen Ländern gesorgt hat. Wobei, eigentlich ist die Türkei ja laizistisch…

Jedenfalls bringt das nochmal eine ganze andere Dimension in die Diskussion. Wenn das Kreuz nur religiöses Symbol ist und nicht ach kulturelles Symbol, müßten hunderte oder tausende Kommunen, Kreise und einige Länder in Detschland (und der ganzen EU?) ihre Wappen ändern. Wenn es aber auch kulturelles Symbol ist, stellt sich die Frage nach der Abgrenzun zwischen den beiden, dem Kreuz auf der Flagge Dänemarks und dem Kreuz an der Wand einer bayrischen Grundschule. Das Ganze könnte noch weitere Kreise ziehen, man denke nr an die Andreaskreuze an Bahnübergängen! Im Ursprung sicherlich christliche Symbole.

Ich bin immer noch der Meinng, man kann die Kreuze in den öffentlichen Gebäuden ruhig abhängen. Ich habe auch weniger ein Problem damit, die Justitia Figuren stehen zu lassen, obwohl es sich hierbei ja auch um ursprünglich religiöse Figuren handelt. Aber ich bin mir bei der Grenzziehung zwischen den Kreuzen in Staatssymbolen und den Schulwandkreuzen nicht mehr so sicher. Was macht ein staatlich verwendetes Kreuz zum Kulturbestandteil, und was verhindert selbiges, wie es im Fall von Gerichtswandkreuzen und dergleichen behauptet wird?

glaube

Wer starb am Kreuz?

Die Frage mag komisch klingen. Jesus natürlich, zumindest wenn man nicht dem Doketismus anhängt. Aber von vorn:

sicDaniel, ein Kommentator beim Blasphemieblog, stellte in den Kommentaren zu einem Artikel die Frage danach, wie das denn sein könnte, daß einerseits Jesus Gott ist und andererseits Jesus am Kreuz gestorben ist. Dann wäre ja Gott gestorben, und Gott könne nicht sterben, das widerspräche Gott.

Es wurden ein paar Sätze gewechselt, bis jemand darauf hinwies, daß dies doch eine seltsame Debatte für ein atheistisches Blog sei. Stimmt auch irgendwie, deshalb möchte ich hier jetzt eine Antwort versuchen, und die Debatte kann dann ja auch hier weitergehen, um nicht weiter die Atheisten zu belästigen.

Vorab möchte ich noch sagen, daß ich weder Sprachrohr irgend einer christlichen Gruppierung bin noch dies eine wissenschaftliche Abhandlung darstellt. Hinweise darüber, wo ich mit irgendwelchen Theologen, Bekenntnisschriften oder sonstigem nicht konform gehe sind willkommen, aber gehen insofern am Ziel vorbei, als daß ich hier keine offizielle Meinung repräsentiere, sondern von meinem Glauben Zeugnis ablege. Ich bin sowieso skeptisch, was darüber hinausgehende kirchliche Äußerungen auf protestantischer Seite angeht.

Tod

Am Anfang muß die Frage nach dem Tod stehen. Was ist Tod? Was macht ihn aus? Was ist er nicht?

Unter Tod verstehe ich das Ende des biologischen Lebens: Das Herz hört auf zu schlagen, die Atmung hört auf, die Hirnfunktionen und nach einer Weile auch die biochemischen Prozesse in den einzelnen Körperzellen. Der Zerfall, die Verwesung des Körpers setzt ein.

Tod ist jedoch nicht ein Ende des Seins, in dem Sinn, daß nichts mehr da wäre. Ich denke dabei nicht etwa an eine Seele. Die unsterbliche Seele wie man sie sich heute vorstellt ist eine platonische Vorstellung, die erst sekundär vom Christentum rezipiert wurde, und die ich für nicht hilfreich erachte.

Mir geht es um das, was sonst übrig bleibt von einem Menschen. Da wären erst einmal die Auswirkungen seiner Taten zu Lebzeiten, oder die Dinge, die er gemacht hat, ob Häuser oder Gedichtbände, und die Erinnerung an ihn. Mit dem Tod eines Menschen geht nicht alles Wissen über ihn verloren. Durch Zugriff auf private Schriften lernt man ihn vielleicht sogar besser kennen als vorher. Dies ist nichts Materielles, das übrig bleibt, und der Mensch hat da nichts mehr von. Es erscheint mir jedoch wichtig, darauf hinzuweisen.

Trinität

Der christliche Gott wird als Dreifaltigkeit gedacht: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Alle sind verschieden, alle sind Gott, und Gott ist nur einer. Ein scheinbarer Widerspruch, doch denke ich, daß man das nicht so als Mysterion stehen lassen muß. Auch wenn vielleicht nicht alle Aspekte geklärt werden können, gibt es doch Möglichkeiten, sich die Denkbarkeit der Trinität zu erleichtern.

Mein Religionslehrer, von dem ich viel gelernt habe, hat es einmal mit den Rollen verglichen, die ein Mensch inne haben kann: So kann ich zum Beispiel gleichzeitig Freund meiner Freundin, Student meines Studienfachs und Einwohner meiner Stadt sein. In allen drei Rollen verhalte ich mich anders, und manchmal ist es schwierig, sie voneinander zu trennen. Doch kann man vielleicht grob sagen, daß wenn ich den Stadtrat mitwähle, dies weniger als Freund meiner Freundin tue denn als Bürger der Stadt. Und wenn ich sie küsse tue ich das nicht als Student. Genausowenig bin ich in erster Linie Bürger, wenn ich für’s Examen lerne. Und trotzdem bin ich der selbe.

Der Sohn

Jesus ist der Sohn Gottes und trotzdem selbst auch Gott. Und zwar nicht in abgestufter Weise, sondern eben vollkommen Gott. Aber Er ist nicht der einzige Aspekt von Gott. Er ist aber nicht nur vollkommen Gott, sondern eben auch vollkommen Mensch. Und als Mensch Sohn Gottes. In der Antike stellte man es sich ja so vor, daß der Samen des Mannes in die Frau gepflanzt wird, und das Kind heranwächst ohne daß die Fra da noch ein paar Chromosomen beisteuert. So denke ich, ist auch die Gottessohnschaft Jesu zu verstehen. Er ist Sohn des Vaters, eben weil der Same als vom Vater kommend gedacht war. Das macht Ihn dann aber nicht zu weniger Gott, oder zu einem Juniorgott. Es ist der selbe.

Tod revisted

Unser Verständnis von Tod ist sicherlich nicht das, was man sich früher darunter vorgestellt hat. Luther benutzte oft Sünde, Tod und Teufel als Synonyme, die das gleiche bezeichneten: Die Trennung von Gott. Man stellte sich ein Totenreich vor, wo die Verstorbene hinkommen und gefangen sind, in absoluter Gottesferne. Wo Tod heute als biologisches Ende verstanden wird, wurde es damals vor allem als Ende aller Beziehungen verstanden. Nicht einmal mehr die Beziehung zu Gott konnte über den Tod hinaus aufrecht erhalten werden.

Kreuzigung

Nun kam es also zur Kreuzigung. Jesus wurde ans Kreuz genagelt, und starb. Und da Gott Jesus war und Jesus Gott war, starb Gott und kam ins Totenreich, in die absolute Trennung von Gott. Jesus wurde beziehungslos und ging an den Ort, wo Beziehung nicht mehr möglich war.

Doch ist dadurch, daß Gott an den Ort kommt, wo es keinen Gott gibt, der Ort der Getrenntheit von Gott zum Ort der Nähe Gottes geworden. Wenn Gott in die Gottesferne kommt, ist Gott nicht mehr fern, und besiegt die Gottesferne, also die Hölle oder den Tod. Darin liegt auch der vielleicht etwas hämisch klingende Osterjubel begründet:

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg?

Ein Aufhören der biologischen Prozesse ist also nicht im Fokus, wenn es um den Tod und die Auferstehung Christi geht. Ich habe Schwierigkeiten, mir Gott mit biochemischen Zellprozessen vorzustellen, die aufhörten in dem Moment, wo Gott am Kreuz starb.

Alles alter Käse?

Wenn sich nun die Vorstellung in Bezug auf den Tod gewandelt haben, hat die ganze Kreuzigungsgeschichte uns heute nichts mehr zu sagen? Ist es ein veralteter Mythos, der in alten Büchern steht und keine Relevanz mehr für das heutige Leben hat? Was passierte wirklich damals?

Ich denke, die historischen Details des damaligen Geschehens können wir heute nicht mehr greifen, und nachweisen schon gar nicht. Die Bibel ist ja schon recht wortkarg, was die Auferstehung angeht. Viel mehr als das „daß“ der Auferstehung wird nicht berichtet. Aber es ist ja doch möglich, anzunehmen, daß ein gekreuzigter Mensch durchaus in Folge von Folter und Kreuzigung starb, und zwar in dem Sinne, wie wir heute Tod verstehen.

Die Hölle, gedacht als absolute Beziehungslosigkeit, als Ort, von dem man nicht Gott und auch sonst niemanden mehr erreichen kann, ist durchaus auch denkbar. Mangelndes Vertrauen erschwert auch heute Beziehungen, macht sie teilweise unmöglich. Und das mangelnde Vertrauen kommt aus Verletzungen, die man erlebt hat.

Durchbrechen kann man das nur durch Zuwendung, durch Liebe, indem man auch mal Angriffe aushält. So wird die Beziehungslosigkeit durchbrochen und besiegt, der Hölle die Macht genommen.

Was spricht dagegen, daß Jesus genau das gemacht hat? Indem er trotz Schuldlosigkeit in den Tod ging? Und was spricht dagegen, daß er danach wieder aufstand? Wenn es Gott gibt, und ich sehe keinen Grund daran zu zweifeln, kann man Ihm durchaus auch die Macht zutrauen, sich das Leben wieder zu nehmen, wenn Er es gelassen hat. Damit hätten die Menschen damals dann auch gesehen, daß es tatsächlich Gott war, der da alles erduldete und sich trotz Möglichkeiten nicht wehrte. Gott, der sich den Menschen zuwendet und auch ärgste Angriffe wegsteckt, und dadurch eben auch Beziehung wieder ermöglicht. Und wo die Beziehung ist, ist nicht Hölle, nicht Tod, nicht Teufel.

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Faith or Doubt

Wer kennt diese lustigen, aber nicht so gemeinten, kleinen Comics von Jack Chick? Für alle, die es noch nicht kennen: Es handelt sich um Traktate in Comic Form, inzwischen auch in vielen Sprachen zu haben sind (schon aufm Kölner Kirchentag wurden deutsche Comics verteilt). Dabei bekommt so ziemlich jeder etwas ab, der nicht genau die Ansichten von eben jenem Jack Chick teilt: Protestanten, Katholiken, Freikirchler, Zeugen Jehovas, Mormonen, Muslime, Juden, Hindus etc. Ich denke es ist ziemlich schwer, ihm Einseitigkeit vorzuwerfen (interessant wäre ein Comic über die Westboro Baptist Church, aber die ist dann wohl doch zu klein).

Und wie es halt so ist bei solchen Traktaten, läuft es mehr oder weniger danach ab, daß man eben das Richtige tun muß, wenn man nicht ewig in der Hölle brennen will: Sünden bekennen und sein Leben Jesus übergeben. Tut er das nicht (so wie die Antagonisten der Comics), kommt es unweigerlich dazu, daß man vor Gottes Richterstuhl steht und dann geschockt erfahren muß, daß man von nun an und in Ewigkeit sein Dasein in der Hölle zubringen wird. Werkgerechtigkeit? Auf jeden Fall! Aber nicht, ohne genau das den Katholiken auch noch als Grund vorzuhalten, warum sie in die Hölle kommen.

Soviel zu den Chick Comics. Als ich nun nach längerer Zeit mal wieder auf die Homepage gesehen hab – ich gebs zu, ich nutz die Comics als das was sie sind: Comics, und lach drüber – war da ein Video, und darum soll es hier gehen:

http://www.youtube.com/watch?v=gbhj59j04G4&feature=player_embedded

Faith

Faith or Doubt ist das Motto, unter dem die ganze Sache steht. Faith steht für die King James Bible, eine alte englische Bibelübersetzung, die wie auch Lutherbibeln bis einschließlich der 1912er Revision auf dem Textus Receptus basiert.

Textus Receptus

Der Textus Receptus ist der Bibeltext der Tradition. Vereinfacht gesagt ist es so, daß der Bibeltext immer und immer wieder abgeschieben wurde, und dabei eben auch – Evangelikale werden das nicht gerne hören – Veränderungen vorgenommen wurden. Wenn ein Abschreiber zum Beispiel einen Schreibfehler entdeckt hat, hat er ihn vielleicht ausgebessert. Oder auch wenn es Grammatikfehler gab, manchmal wurde auch der Stil verbessert.

Manchmal waren die Abschreiber aber auch müde, haben Buchstaben verwechselt, Wörter und Zeilen doppelt geschrieben oder übersprungen. Das konnte dann von den nächsten Abschreibern wieder asgebessert werden, so daß es halt wieder einen Sinn ergibt.

Unnötig zu sagen, daß es dabei über die Jahrhunderte natürlich immer mehr Abweichngen entstanden, ach unter den einzelnen Handschriften. Dabei hat sich eine Tradition als ziemlich stark und weit verbreitet herausgestellt. Und diese Texttradition diente Erasms von Rotterdam als Grundlage für seine griechische Bibelausgabe 1516. Ab 1633 wurde diese Ausgabe als Textus Receptus bezeichnet. Wer keine Theologie studiert und es genauer wissen will, kann einiges schon bei Wikipedia lesen, wer sich darüber hinaus Bücher ansehen will, kann sich zum Beispiel die Einführung im NT Graece durchlesen, oder gleich Alands Der Text des Neuen Testaments. Und dann gibt es noch das Arbeitsbuch zum Neuen Testament von Conzelmann/Lindemann, da kriegt man dann auch gleich noch die anderen Schritte der historischen Kritik beigebracht.

Doubt

Doubt steht für all jene Bibelübersetzungen, die sich nicht am Textus Receptus orientieren, sondern per Textkritik möglichst nah an den ursprünglichen Text zu gelangen versuchen und diesen dann als Grundlage für die Übersetzng nehmen, und nicht den Textus Receptus.

Folglich steht auch keine Übersetzung zu 100% fest, es könnten ja immer neue Handschriften auftauchen, die zu ner neuen Textbasis führen. Das ist eigentlich kein Problem, wenn man die Bibel als (durchaus inspiriertes) Buch versteht. Ist die Bibel ein Buch, dann ist es erst einmal auch kein Problem, wenn verschiedene Übersetzungen gemacht werden für verschiedene Zielgruppen.

Ich studiere Theologie, und weil wir da nicht nr stur Dogmen auswendig lernen (eigentlich gar keine, es sei denn man faßt Griechisch-Stammformen als Dogmen auf, und so gesehen bin ich kein Dogmatiker ;)), les ich viele Dinge mit, wenn ich nen Bibeltext lese, die meine Oma nicht mitliest. Ganz einfach weil ich vielleicht schon etwas mehr über die sozialen Hintergründe zur Entstehungszeit der Texte gehört hab.

Dann ist die Frage, wie nah bleibt die Übersetzung am Text. Wenn sie wirklich ganz nahe am Text bleibt, dann wird es für deutsche (und englische und andere auch) Leser schnell unschön zu lesen. Das Griechische benutzt einfach viel mehr Partizipen, zum Beispiel. Dazu gibt es grammatikalische Strukturen, die kann man nicht 1:1 übersetzen. Insofern steht man immer (!) zwischen den Stühlen. Will man einen Bibeltext, der möglichst nah an den Ursprachen ist, oder will man, daß die Übersetzung auch verstanden wird?

Aus all diesen Gründen (und noch vielen weiteren) gibt es heute so viele verschiedene Bibelübersetzungen: Von der Volxbibel über die Einheitsübersetzung bis zur original Lutherbibel.

Wie gesagt: All das ist kein Problem, wenn man die Bibel als Buch versteht, wenn auch als inspiriertes Buch. Aber wie soll man sie denn sonst verstehen?

Der papierne Papst

Völlig anders sieht es aus, wenn man von der Bibel erwartet, einem alle Antworten zu liefern. Wenn sie zum Handbuch und Orakel für ein gottgefälliges Leben gemacht wird (am besten noch per Bibelstechen).

So verlangt man etwas von der Bibel, das sie nicht leisten kann oder sollte. Denn mal ehrlich: Wenn die Bibel alle Antworten liefert tritt sie dann nicht als Mittler zwischen uns und Gott, als Verkündigerin des göttlichen Willens, vielleicht gar noch als einzige? Wo bleibt Gott, wenn die Bibel seinen Platz zugewiesen bekommt? Und inwieweit sind allein as der Bibel abgeleitete Regeln die Regeln, die man selbst in die Bibel reingelesen hat? Gerade heute hab ich irgendwo gelesen:

Jesus sprach nie über Homosexualität. Es gibt 12 (?) Verse in der Bibel, die sich irgendwie mit dem Thema befassen, aber stark vom Kontext abhängen, und es gibt riesige Kontroversen darüber. Es gibt aber tausende Stellen zur Armut in der Bibel, und die nimmt keiner in den Fokus.

Ich denke, daß wer von der Bibel 100% richtige Antworten erwartet, damit er seinen gottgegebenen Verstand ausschalten und im Atopilot funktionieren kann, der macht etwas falsch. Er verweigert die Verantwortung, die ihm übertragen ist (ja, von Gott) nd versucht Gott loszuwerden, indem er immer genau macht, was gefordert ist. Ein ähnliches Verhalten kenn ich von der Bundeswehr:

Nicht auffallen!

Wer beim Bund immer gleich gemacht hat, was erwartet wurde, mußte sich nicht mehr als unbedingt nötig mit den Vorgesetzen aseinandersetzen, mußte nicht diskutieren und riskierte nichts. Beim Bund war dieses Verhalten erwünscht, aus mehreren Gründen (die ich zum Teil nachvollziehen kann). Aber sieht so die lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer und Erlöser aus? Das wäre furchtbar!

Falsche Alternativen

Überhaupt sind es falsche Alternativen, die hier aufgemacht werden: Auf der einen Seite der Glaube, der fest steht und nicht wackelt, auf der anderen Seite der Zweifel und die Gefahr, etwas falsch zu verstehen und in der Konseqenz dann in die Hölle zu kommen. Denn letztendlich geht es ja genau darum, daß die Macher der Seite einen Weg suchen, die Hölle sicher zu vermeiden. Sonst würde der Glaube reichen, und man brächte nicht noch die richtige Bibel etc, aber ich sagte ja schon: Werkgerechtigkeit.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Glaube und Zweifel zusammen gehören. Und Zweifel, oder altdeutsch: Anfechtung, ist auch nichts per se schlimmes. Der Glaube kann daran wachsen und für mich stellt es sich so dar, daß der Kern des Glaubens sich immer klarer darstellt.

Doch wenn Glaube und Zweifel auf einer Seite sind, was ist dann auf der anderen Seite? Ich meine es ist die Sicherheit, das Wissen. Wissen und Sicherheit sind das Gegenteil von glaubendem Zweifel und zweifelndem Glauben.

Sicherheit, daß man immer das richtige tut und Gott nicht ärgert. So wird das Wissen um das Richtige überlebensnotwendig. Wer nicht weiß, was Gott will, landet womöglich in der Hölle, weil er ohne dieses Wissen nicht tun kann, was Gott von ihm verlangt. Unter Umständen tut er genau das Falsche.

In seiner Angst klammert er sich an einen Text, den er für die göttliche Anleitung für alle Lebenslagen hält. So kann er Gott in die Tasche stecken und sich beruhigen. Denn er weiß, was in der Bibel steht und so weiß er auch, was Gott will. Man stelle sich das vor: Das ist wie wenn ein Soldat den Reibert mit dem Stuffz vertauscht, wenn wir schon beim Thema Bundeswehr waren.

Wer sich statt Gott auf die Bibel verlassen will, macht einerseits irgendwo einen Gegenstand zu seinem Gott, ob bewußt oder unbewußt. Und damit, weil er den Gegenstand ja kennt und beherrscht, er kennt ja seine Bibel, macht er sich selbst zm Gott.

Auf der anderen Seite ist da diese Angst, die aus alledem spricht: Angst vor der Hölle. Angst, daß Glaube allein nicht reicht, daß es ein echter, ein richtiger Glaube ist, ein perfekter Glaube. Daß man immer tut, was Gott will, um ja nicht mit der Hölle bestraft zu werden.

Als ob Christus nie am Kreuz gehangen hätte: Die Angst, ein Sünder zu sein. Die Angst, Gott etwas schuldig zu sein, auf Seine Gnade angewiesen zu sein.

Paradox

Es ist schon paradox: Gleichzeitig Selbstvergöttlichung und Angst vor der Strafe des wirklichen Gottes. Es ist aber auch menschlich, und ganz normal. Der Mensch ist ein Sünder und als solcher will er eben gena das nicht wahrhaben. Er will auf eigenen Beinen stehen, nur sich selbst verantwortlich sein und niemandem etwas schuldig bleiben, schon gar nicht einem starken Konkurrenten um den Gottestitel. Bleibt man dem wahren Gott etwas schuldig ist ja damit geklärt, wer wirklich Gott ist.

Darin liegt die Angst: Entgöttlichung des selbstvergöttlichten Menschen bedeutet eben auch Kontrollverlust des Menschen über die Situation, sein Leben. Er muß sich eingestehen, daß er nicht selbst für sein Wohl sorgen kann. Nicht in letzter Instanz. Das verunsichert, es macht Angst. Ohne Vertrauen in Gott ist es nicht auszuhalten. Vertrauen ist aber nicht Sicherheit. Vertrauen ist Glaube.

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Der Muskeljesus

Bei idea hab ich grad gelesen, daß in Bremen ein ehemaliger US Soldat ein Fitness-Studio aufgemacht hat. Das wäre ja noch nicht besonders erwähnenswert. Besagter Amerikaner macht nun Werbung mit einer muskelbepackten Jesus-Figur, die ein Kreuz zerbricht. Das wird wohl der Grund sein, warum idea darüber berichtet. Was mich aber dazu gebracht hat, ein paar Seiten zu schreiben ist die Aussage, mit der Martina Höhn vom katholischen Gemeindeverband zitiert wird, nämlich daß theologisch nichts an der Aussage des Bildmotivs falsch sei, daß Jesus das Kreuz überwindet.

Hier muß ich nun doch sagen: An der Überwindung des Kreuzes durch Jesu ist nichts falsch. Fragwürdig halte ich jedoch die Methode, mit der der Muskeljesus das Kreuz überwindet.

Während in der Bibel Jesus das Kreuz überwindet, indem Er es auf Sich nimmt und erträgt, zerbricht es der Muskeljesus kurzerhand, macht also Gebrauch von Gewalt, um dem Ertragen des Kreuzes zu entgehen. Er überwindet das Kreuz weniger, als daß Er es aus dem Weg räumt.

Vielleicht interpretier ich auch ein wenig über und zu viel in das Bild hinein. Es ist ja nicht so, daß ich mich jetzt angegriffen fühle in meinen religiösen Gefühlen. Aber ich finde, man sollte eben doch manchmal genauer hinsehen, bevor man auf die Schnelle Gemeinsamkeiten feststellt, die bei genauerem Hinsehen vielleicht doch nicht so ganz gegeben sind…