Kirche & Web 2.0

Jenseits der Parochie

Es ist schon ein paar Tage her, daß Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Ralf Peter Reimann und Alexander Ebel einen Artikel mit dem Titel „Jenseits der Parochie“ im Pfarrerblatt veröffentlichten.

Der Artikel enthält viele interessante Gedanken und ist durchaus lesenswert. Ich möchte nun, nachdem ich den Artikel gelesen (und auch kommentiert) habe, mir hier ein paar weiterführende Gedanken dazu machen.

Die Frage ist grob: Wie geht die Kirche mit den Möglichkeiten des Internets um, vor allem den mit Web 2.0 bezeichneten Techniken, die eine echte Vernetzung und many to many Kommunikation ermöglichen.

Der Pfarrerblatt Artikel geht vor allem auf den technischen Hintergrund ein und fragt nach Möglichkeiten, wie man einen Content X möglichst breit kommunizieren kann. Jedenfalls verstehe ich es in diesem Zusammenhang, wenn davon geredet wird, daß Content über private Seiten der Pfarrer Verbreitung finden sollen.

Mir stellen sich hier zwei Fragen:
1. Welcher Content soll überhaupt kommuniziert werden?
2. Besteht das Agieren der Kirche im Netz lediglich in einer one to many Kommunikation?

Wieso nicht auch einmal zuhören?

Die Alternative zum lediglichen Hinauskommunizieren läßt sich eigentlich leicht benennen: Hineinkommunizieren, oder weniger verkompliziert ausgedrückt: Auch mal zuhören.

Dabei stellt sich wieder einmal die Frage, wer überhaupt kirchlicher Akteur ist, also wer überhaupt zuhören soll, statt nur zu reden. Diese Frage möchte ich unter Berufung auf die Priesterschaft aller Gläubigen erst einmal offen lassen. Sicher angesprochen fühlen darf sich die Institution Kirche in welcher Art auch immer, ob man das jetzt nun bei Gemeindepfarrern, Öffentlichkeitsarbeit und/oder der Synode ansiedelt, egal. Aber auch alle anderen Gläubigen können und dürfen sich durchaus angesprochen fühlen.

Man hört also zu und kommt dadurch zu irgendeiner Erkenntnis. Womöglich über die Menschen im Allgemeinen und ihre Sorgen und Probleme, aber auch das was ihnen Hoffnung gibt im Besonderen.

Aber was sag ich denn nun?

Derlei Erkenntnisse sind nach meinem Dafürhalten gute Quellen für Contentproduktion. Wie genau das jetzt aussieht, ob es sich um einen längeren Text zu einem abstrakten Thema des Glaubens etwa in ner Predigt oder nem Blogartikel handelt, ob es ein Video ist oder ein Comic, ob man sich mit diesem Wissen in Internetforen oder anderen Diskussionen einbringt hängt auch von der jeweiligen Person, ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten und nicht zuletzt auch Präferenzen ab. Und ja, dabei geht es nicht nur um bloße Inhaltsvermittlung, in Diskussionen oder Chats kann es durchaus auch zu seelsorgeartigen Gesprächen kommen.

Wie nun?

Ich stelle mal ein Postulat auf: Auch heute noch sind Menschen auf den Glauben ansprechbar. Kirchen- und Religionskritik, die im Internet besonders laut vernehmbar sind (oder hab ich da ne verschobene Wahrnehmung?) fordern geradezu nach Stellungnahmen, aber eben auch weniger „kritische“ Zeitgenossen sind durchaus Willens, sich über Glauben und Religion zu unterhalten. So ist jedenfalls meine Erfahrung, wenn ich mein Studienfach nenne. Kaum jemand, der nicht eine Diskussion zu Kirche und Glaube beginnt oder wenigstens ne persönliche Stellungsnahme zum Thema abgibt. Ich denke nicht, daß es Mathemtikstudetnen ähnlich geht… ich schweife ab.

Was ich jedenfalls festhalten wollte: Der „Markt“ für den christlichen Content ist jedenfalls da. Wenn nun irgend ein Christ sich berufen fühlt, diesen „Markt“ mit Content zu versorgen, kann er sich durch Zuhören ein Bild darüber verschaffen, was genau gesucht wird. Ich mutmaße einmal, daß nachvollziehbare Darstellungen der Verwendung der finanziellen Mittel der Kirche (okay, kein Glaubensthema aber ein Kirchenthema und vor allem ein GLAUBwürdigkeitsthema) besser aufgenommen würde als ein Traktat über die bei Unglauben zu erwartenden Höllenqualen. Andererseits wäre eine nachvollziehbare Darlegung der Höllenlehre oder der Vorteile des Glaubens an Gott sicher auch nicht ohne Zuhörer.

Dabei kann jeder zuhören und Content produzieren, Pfarrer, Synodale, Mitglieder der Kirchenregierung, oder eben auch Tante Erna, die jeden Sonntag den Gottesdienst besucht, sofern sie mit dem Computer umgehen kann.

Während also nun jeder Content produzieren kann und es auch soll, sehe ich die institutionalisierte Kirche hier mehr in einer Bringschuld als das normale Gemeindeglied. Immerhin hat die Institution den Auftrag der Verkündigung. So könnte sie etwa für Premiumcontent sorgen, entweder durch eigene Produktion, ich denke dabei an Andachten, aber auch Nachrichten aus dem kirchlichen Leben oder einen youtube Kanal, meinetwegen auch einen eigenen Blog oder Miniblog oder ne Facebookseite oder dergleichen. Sie kann aber auch (zusätzlich?) zur Vernetzung der Christen im Netz beitragen, indem sie aufeinander verweist. So könnte sie die Kreativität all der Comiczeichner, Videoersteller etc im eigenen Sinne fördern, ohne selbst mit größerer Kreativität in Erscheinung treten zu müssen. Und die Pfarrerzentriertheit wäre ein Stück weit aufgehoben (wobei zu erwarten steht, daß unter den Kreativen sich auch der ein oder andere Pfarrer befindet).

Da die Institution Kirche wohl auch weitreichendere Möglichkeiten im informationstechnischen Bereich hat als die kreativen Privatpersonen, könnte etwa dafür gesorgt werden, daß produzierter Content leicht auf gängigen (Facebook, Twitter, Tumblr…) und weniger gängigen (Diaspora, Friendica, Identi.ca, tent…) Plattformen weiterverbreitet werden kann.

Diese Weiterverbreitung geschähe dann wohl, wie im Pfarrerblatt Artikel genannt, auch und wahrscheinlich zumindest Anfangs vor allem durch Pfarrer auf ihren Privatprofilen. Aber mit der Zeit auch immer mehr durch normale Gemeindeglieder, die sich, je nach Qualität des Contents (spricht es an, hat es was mit eigener Situation zu tun etc) und eigener Interesselage dazu bereit finden, etwas zu teilen oder am Ende gar selbst der Kirchenseite folgen. Ob bei Facebook oder sonstwo im Netz.

Update:

Was mir gerade noch einfällt: Die institutionalisierte Kirche könnte darüber hinaus (etwa per Social Media Guidelines? ;)) Hinweise geben, wie man gut zuhört, wie man Content entwickelt und dergleichen, also quasi als Qualifizierungs- bzw Professionalisierungsstelle dienen (und „dienen“ find ich hier als Begriff gar nicht so verkehrt).

Kirche & Web 2.0

Da blickt man mal von der Arbeit auf…

… und dann wird ein Kommentar als SPAM gewertet, nachdem heute mittag ein SPAM Kommentar nicht erkannt wurde.

Dabei war das ein Pingback (oder heißt das jetzt Trackback) zum Gebetsanliegen-Projekt, also Werbung (und da es Werbung für diesen Blog ist, asdrücklich erwünscht ;)), ausgehend von scoop.it, genauer von der Kirche 2.0 Seite dort von Andrea Mayer Edoloeyi.

Dieses scoop.it sieht interessant aus, und die Kirche 2.0 Seite sowieso, und deshalb kommt die jetzt in die Blogroll.

Und nachdem ich grad seh, daß ich den Alexander Ebel auch noch vergessen habe (wie konnte ich nur! Nach diesem krassen Sozialmedienabbruch mit Ausstieg bei Facebook und Twitter muß ich mein Hirn wieder mehr nutzen!), kommt der auch noch in die Blogroll.

So und nun weiter zm lustigen Literaturliste erstellen.

 

Update: Ganz schön blöd von mir, den Alexander Ebel hatte ich gar nicht vergessen. Das mit dem Hirn nutzen muß ich noch ein bißchen üben…

 

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Youtube und die Verkündigung

Youtube erreicht mehr Menschen als die Sonntagspredigt, titelt idea. Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, inwieweit die Rechnung stimmt – es gehen ja immer noch recht viele Menschen in die Kirche, und wenn das genannte youtube-Weihnachtsvideo in Konkurrenz treten muß zu den Weihnachtsgottesdiensten, könnte es tatsächlich eng werden mit dem Vorsprung in der Wirkweite – ist es doch eine interessante Frage, ob und wie sich videoportale für die Verkündigng nutzen lassen.

Der Vorteil gegenüber der Gottesdienstübertragung sonntags af dem ZDF oder dem Wort zum Sonntag der ARD und auch anderen Fernsehangeboten wäre, daß sich eigentlich jeder, der Zeit und Lust hat, sich dranzumachen, ein entsprechendes Video einstellen kann. Auch für ganz andere Zielgruppen als die entsprechenden Fernsehformate.

Auch die Funktion wäre eine etwas andere, zmindest anders als beim Fernsehgottesdienst, denn mir scheint, daß sich über youtube vor allem Verkündigung, also Predigt, realisieren ließe. Das kann dann in allen möglichen Formen stattfinden und muß nicht an die Kanzelrede in der Kirche erinnern, deren Paradigma ja auch beim Wort zum Sonntag zum Zuge kommt, wenn auch ohne Kanzel und teilweise sogar außerhalb des Studios. Verkündigung bei yotube kann auch aussehen wie eine Dokumentation von Guido Knopp über die Goldfische Hitlers, oder noch andere Formen annehmen.

Mehr als die Verkündigung kann yotube meines Erachtens nach nicht leisten, zumindest nicht diejenigen Gottesdienstteile wie Gebet, Lobpreis oder gar die Sakramente. Darüber hatte ich auch schon mehrmals geschrieben.

Allerdings sehe ich es durchaus so, daß eine Unterstützng der Verkündigng durch youtube eine gute Möglichkeit wäre, das Evangelium auch wieder außerhalb des kirchlichen Ghettos zu verbreiten. Vor allem zwingt youtube quasi dazu, sich an die alte Regel zu halten: „Man kann über alles predigen, nur nicht über 20 Minuten.“

Und noch einen Vorteil gäbe es: Im Gegensatz zur Sonntagspredigt gibt es bei youtube sehr schnell Rückmeldungen, die sich nicht auf ein „schöne Predigt Herr Pfarrer“ beschränken. Hier besteht viel eehr die Möglichkeit, über den Inhalt auch ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Jetzt brachen wir nur noch genügend technikaffine Pfarrer, die medienpädagogisch und handwerklich in der Lage sind, gute Videos zu produzieren und dann auch noch die Kommentare betreen können. Nach allem, was man so aus der pfarrämtlichen Alltagspraxis hört, gibt es dafür wohl eher weniger Freiräume…