Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 31. März 2013

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4

Die Engel sprachen zu den Frauen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Lukas 24,5-6

Ostern, endlich! Das Fest der Auferstehung! Wenn wir uns an Karfreitag erinnern, dann stand dort die Verzweiflung im Mittelpunkt, das Zusammenbrechen einer Welt und das daraus sich entwickelnde Chaos. Die Tageslosung sprach davon Gottes Angesicht zu suchen, und das Angesicht Gottes war das des Gefolterten und bald toten Jesus von Nazareth.

Der Tod Jesu am Kreuz schließlich war der Schlußpunkt, spätestens hier endet nach menschlichen Maßstäben alle Hoffnung, die man vieleicht noch auf Ihn gesetzt hatte. Nach menschlichem Ermessen war dort Schluß, die Hoffnung zu Ende, und jeder war zuerst sich selbst der Nächste.

Doch Karfreitag ist nicht die ganze Wahrheit. Das menschliche Ermessen ist nicht alles. Christus ist auferstanden, das Undenkbare geschehen. Er hat den Tod bezwungen, hat die Hoffnung gerettet.

Die heutige Tageslosung spricht davon, daß Gottes Wahrheit, nicht die menschliche, die Karfreitag alle Hoffnung verlieren muß, Schirm und Schild ist.

Wenn Christus auferstanden ist, dann besteht Hoffnung, auch in der hoffnungslosesten Situation. Wenn Er durch den Tod hindurch gehen konnte, so kann Er uns auch hindurch führen, so kann auch für uns noch Hoffnung bestehen, wo nach menschlichem Ermessen alle Hoffnung zu Ende ist.

Der Lehrtext weist darauf hin, wie die Rede von der Wahrheit zu verstehen ist. Wahrheit ist: Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten, Er ist auferstanden.

Ostern ist ein Fest des Triumphes, der großen, ja größten Freude. Ostern ist der Tag, an dem Gott den Tod besiegte, an dem Gott die Hoffnungslosigkeit besiegte. Dieses Ereignis gibt uns Christen Hoffnung auch dort, wo eigentlich keine Hoffnung mehr sein kann. Und diese Hoffnung gibt Kraft aus der Freiheit erwächst.

Wir müssen auf Weltliches nicht mehr so viel Rücksicht nehmen, eigentlich gar nicht mehr. Was immer uns widerfahren mag, was immer uns drohen mag, was kann uns schon passieren? Im schlimmsten Fall müssen wir sterben. Und dann stehen wir wieder auf.

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg? Sünde, Tod und Teufel habe mit Ostern endgültig verloren, haben endgültig ihre Macht über die Menschen verloren, haben kein Argument mehr für die Angst, durch die sie Macht ausüben.

Denn der Herr ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Netzfunde

Netzfunde Karfreitag 2013

Deutlich weniger als letztes Mal zum Thema Papst, aber doch ne Hand voll Links finde ich heute erwähnenswert.

Zuerst wäre da der Karfreitagstext von Eric Djebe. Sehr eindrücklich und lesenswert. Auch Nick Baines hat einen Text über die Feiertage und die Frage, ob Kirche überhaupt relevant sein soll, ob ihre Vertreter führen sollen, prophetisch sein sollen und dergleichen mehr.

Gänzlich unkarfreitäglich ist das Querdenkerwiki, das gerade online ging, und wo innovative Ideen für die Gesellschaft gesammelt und diskutiert werden sollen.

Und dann noch zwei Videos, die zwar auch nichts mit Karfreitag zu tun haben, aber doch wieder mit dem christlichen Glauben, und zwar von Joshua Tongol:

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https://www.youtube-nocookie.com/embed/NHDj4azOwps

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Freitag, den 29. März 2013

Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.
Psalm 27,8

Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!
Johannes 19,5

Es ist Karfreitag, Todestag des Herrn, und die Tageslosung handelt davon, des Herrn Antlitz zu suchen. Und der Lehrtext weist auf das Antlitz hin: Das eines geschundenen und gedemütigten Menschen.

Denn spätestens seit Mel Gibsons „Passion“ wissen wir, was vor der Dornenkrone kam: Die Züchtigung, die Folter. Gibson stellte es sehr explizit dar, wofür er stark kritisiert wurde. Im Johannesevangelium steht denn auch nur kurz, daß Jesus gegeißelt wurde (Joh 19,1) und daß die Soldaten ihn verhöhnten und schlugen (Joh 19,3). Man kann es fast überlesen. Ich habe über die Jahre gelernt, Gibsons Film dafür wertzuschätzen, zu zeigen, was man sonst schnell überliest: Das körperliche Leid, das Jesus in diesen Stunden widerfuhr.

Der Psalmbeter des 27. Psalms erhofft sich von Gott Rettung, Hilfe, Schutz. Deshalb will er das Antlitz Gottes suchen. Was wird er denken, wenn sich Gott ihm offenbart als Jesus, als der geschlagene, blutüberströmte Mann, der kurz vor der Hinrichtung am Kreuz steht? Für den es noch weniger Hoffnung gibt als für den Psalmbeter selbst?

Enttäuscht wird er sein. Und enttäuscht waren auch die Jünger.

Jesus war überwunden. Er war tot. Es bestand für Ihn keine Hoffnung, und auch anderen konnte Er keine Hoffnung mehr geben. Wer immer sich zu der Zeit an Gott gewandt hat in der Not, hätte er Gott gesehen, wär er in Verzweiflung gefallen: Gott ist tot. Damit ist kein Schutz, keine Hilfe mehr zu erwarten, muß jeder danach sehen, wo er bleibt.

Damit ist das Chaos ausgebrochen, halten nur noch gesellschaftliche Konventionen einen Rest Ordnung aufrecht, so lange, bis die ersten vor den Konventionen nicht mehr zurückschrecken.

Chaos, Unordnung. Recht des Stärkeren.

Nach all den Ereignissen des Karfreitags lautet die Moral von der Geschicht: Sei einer der Stärkeren, wenn Du bestehen willst.

So steht dann jeder gegen jeden. Chaos.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 10. April 2012

Ostern ist vorbei, ich bin noch etwas müde, morgen geht es zurück an den Studienort, bleibt noch etwas Zeit, die liegengebliebenen Netzfunde der letzten Tage zu bringen.

Eric Djebe hat zum leeren Grab geschrieben, und sein Punkt mit den Frauen hat durchaus etwas für sich.

Der Geier schreibt zum palästinensichen Volk und meint, dies existiere nicht. Dazu will ich selbst nicht viel sagen, sondern Uri Avnerys Entgegnung zur Thematik verlinken.

Mandy hat über die Auferstehung, die Scheidung und die Frage, was nach dem Tod passiert, geschrieben.

Auf dem Hellbound Blog gibt’s nen Artikel über die Sünde. Es geht darum, daß die Sünde unser Problem ist, und nicht Gottes Problem. Wert zu lesen. Im nächsten Artikel soll es darum gehen, was uns zum Sündigen antreibt. Man darf gespannt sein.

Der Herr Alipius schreibt von seinem ersten Ostern als Priester.

Michael Blume schreibt über Judas Iskariot und die Wissenschaftlichkeit von Jura. Er bringt einen interessanten Punkt (auch für die Theologie), indem er von Orietierungswissenschaften spricht.

Nick Baines schreibt davon, wie Jesus die Sache mit der Macht anscheinend ganz falsch verstand. Die Betonung liegt auf „anscheinend“. Und er hat seine Osternachtspredigt veröffentlicht.

Bei peregrinatio gibt’s ein „Politbarometer“ zur Popularität Jesu zwischen Palmsonntag und Karfreitag. Viel interessanter ist noch der dortige Artikel über den Fundamentalismus und seine Beheimatung in der Moderne.

Christian Spließ schreibt über die Aktionen gegen das Tanzverbot am Karfreitag, wobei ich rauszulesen meine, daß er weniger ein Problem mit der (offenen) Diskussion über die Abschaffung des Tanzverbots hat, als mit der Art, in der die Sache beworben wird…

Wolfgang Vögele macht auf eien NZZ Artikel aufmerksam und die Tatsache, daß Vorentscheidungen Einfluß auf Konsequenzen haben. Auch beim Thema Gott und Glauben. Außerdem schreibt er über Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Zoe hat beim Gehn-Test über den Unterschied zwischen dem Oberflächlichen und dem Inneren geschrieben, und daß die meisten Menschen leider nur letzteres sehen.

Walter Jungbauer schreibt über das römisch-katholische Nein zur Priesterinnenweihe und das grundsätzliche Problem der päpstlichen Unfehlbarkeit.

Melissa hat eine neue Serie gestartet, und im ersten inhaltlichen Teil geht es um Transsexualität, die Unkenntnis darüber in fundamentalistischen Kreisen und die daraus entspringenden Fürchte. Ich bin gespannt auf die weiteren Teile, und ich habe größte Hochachtung vor Melissas Offenheit.

Muriel setzt sich mit der Frage einer nach römisch-katholischem Verständnis moralisch vertretbaren Fruchtbarkeitsuntersuchung auseinander.

Und zum Schluß hab ich noch nen Artikel von Stefan Schleim über Kreditkrise, Wirtschaftsboom, Unsicherheit und Flexibilität.

glaube, kirche

Was bringt mir das?

Ostern! In diesen Tagen werden auch die Kritiker von Kirche und Glauben aktiv, und schreiben etwa auf, wie sie das alles so sehen. Und ich will das gar nicht groß kritisieren (obwohl ich schon mehrfach schrieb, daß man das alles auch anders verstehen kann). Solche Kritik ist wichtig, um uns Kirchengliedern und Gläubigen zu zeigen, wie gut wir unseren Glauben nach außen darstellen.

Und wenn ich mir das so durchlese: Nicht gut.

Klar kann man jetzt meckern über polemische Vereinfachung und Konzentration auf gewisse amerikanische Strömungen bei der Kritik, auf einseitige Wahrnehmung etc etc etc. Geschenkt.

Statt dessen, finde ich, sollte man dem das Eigene entgegenstellen.

Der verlinkte Artikel geht ja sehr von der Frage „Was bringt mir das?“ aus. Wieso sollte ich an Gott glauben, wenn…?

Der Glaube an Gott wird so zum Wellness-Tool. Wenn es mir mit besser geht, wieso dann nicht? Wenn es mir ohne genausogut geht, wieso damit befassen?

Wieso damit befassen?

Darin könnte ein Knackpunkt liegen. Das setzt voraus, daß man zum Glauben als Glaubender ein distanziertes Verhältnis hat, sich damit befaßt, ohne daß es einen erfaßt. Aber wie soll das gehen?

Sicher kann ein Erfaßter sich auch mit dem Glauben, der ihn erfaßt hat, befassen. Ebenso kann man auch als nicht Erfaßter sich mit dem Glauben befassen, aber es ist ebe nicht das Gleiche!

So wie jemand, der nur distanziert-sachlich über seinen Fußballverein spricht und denkt, schwerlich als „Fan“ durchgeht. Gleichwohl müssen Fragen beantwortbar sein. Der Glaube kann kein widersinniges System stützen, wie in der oben verlinkten Kritik. Das mit ihm verbundene System muß mindestens so viel Sinn ergeben, wie alle konkurrierenden Systeme. Jemand der sieht, daß in einem bestimmten Verein objektiv sehr guter Fußball gespielt wird, kann dies anerkennen, auch ohne selbst zum Fan zu werden. Etwa, weil er sich mehr für Synchronschwimmen interessiert, was auch nicht verwerflich ist.

Aber der ergleich hinkt, denn beim Glauben geht es nicht nur um einen persönlichen Geschmack. Glaube an Gott, zumindest der christliche Glaube, erhebt den Anspruch – meiner Meinung nach zu Recht – die Wahrheit zum Inhalt zu haben.

Glaube hat etwas mit Wahrheit zu tun, etwas mit der Überzeugung von einer Wahrheit. Man ist davon überzeugt, daß das, was man da glaubt, an den man da glaubt, wahr ist.

Insofern ist die Frage nach dem Nutzen vielleicht etwas zu kurz gegriffen. Die eigentliche Frage ist: Stimmt es, oder stimmt es nicht?

Aber wie findet man so etwas raus? Und um was geht es eigentlich genau? Was ist der Inhalt, der wahr oder unwahr ist? Schöpfungsgeschite im Sinne der Kreation? Anzahl und Namen der Söhne Israels? Korrektes Feiern der Liturgie nach Agende? Genaue Kenntnis aller Dogmen und Konzilsbeschlüsse sowie unkritisches Für-wahr-halten derselben? Ich meine – ich hoffe – er Glaube läßt sich konkretisieren auf wenige Punkte, aus welchen sich dann alles andere ableitet. Oder auch nicht, dann sollte man drüber reden.

Einen ersten Schritt bei der Fassung dieser Konkretion des Inhalts des Glaubens will ich hier versuchen. Es soll um Freiheit und Unterordnung gehen.

Freiheit wird von vielen wenn nicht allen Menschen angestrebt. Dem entspricht auf den ersten Blick, daß die Unterordnung unter einen Gott für viele Glaubenskritiker einer der Hauptgründe gegen den Glauben ist. Gibt man damit nicht seine Freiheit auf? Wird man nicht zum unkritisch-dummen Nachbeter der ewig selben Pseudowahrheiten, die nebenher als Vorwand benutzt wurden, um viele weitere Menschen in Unfreiheit zu halten?

Der Vorwurf ist historisch sicherlich nicht unberechtigt. Es gab und gibt Menschen, die sich auf Dogmen zurückziehen, die diese als wahr betrachten ohne sie begründen zu können, abgesehen etwa von Autoritätsargumenten.

Aber der Vorwurf ist gleichzeitig auch unwahr, da es zu allen Zeiten Menschen gab, die gleichzeitig äußerst fromm waren und trotzdem den eigenen Gauben kritisch hinterfragten, ehrlich nach Begründungen suchten und gerade nicht auf die Nutzbarmachung von Dogmen zur Unterdrückung anderer schielten.

Trotzdem ordneten sie sich unter. Unter Gott, wie sie Ihn verstanden, und wie sie es für vernünftig hielten.

Andere Menschen halten anderes für vernünftig, und hier wird die Sache schwierig. Denn nach welchen Kriterien sollte man ermessen, wer sich jetzt der Wahrheit unterordnet?

Aber zuerst eine andere Sache: Der Wahrheit unterordnen! Wäre eine Unterordnung in diesem Fall auch eine Aufgabe der Selbständigkeit? EIn Freiheitsverlust? Da größte zu vermeidende Übel?

Ich meine, eine Unterordnung unter die Regeln der Wahrheit bedeutet nicht Knechtschaft, vielmehr wird von allen Menschen angestrebt, den Regeln der Wahrheit zu folgen. Damit könnte man auf die Idee kommen, daß die Unterordnung unter die Wahrheit Freiheit bedeutet. Unterordnung wäre also nicht in jedem Fall schecht.

Ich gehe sogar soweit, daß es hier die größte Freiheit gibt und daß jede Freiheit (auch die eingeschränkten Varianten) immer auch einer gewissen Ordnung (und damit Unterordnung, und sei es unter den eigenen egoistischen Willen) bedarf. Die Ordnung gibt den Rahmen vor, in dem man frei handeln kann. Ohne solche Ordnung, kann einem jede mögliche Freiheit bestritten werden. Manche Ordnungen geben einem mehr Freiheit, andere Ordnungen weniger.

Wir haben nun also verschiedene Systeme im Vergleich: Die einen ordnen sich Gott unter, andere anderen Idealen, vom säkularen Humanismus über all die verschiedenen Religionen bis hin zu menschenverachtenden Systemen und persönlichem Egoismus, die Freiheit nur für einige wenige bereit halten (und diese dann wiederum unfrei machen, weil sie an ihrer Macht hängen und dadurch unfrei werden in ihrem Handeln: Was die Macht mindert liegt außerhalb der Möglichkeiten).

Die Frage, was wahr ist, entspricht also wohl der Frage, unter wen oder was man sich unterordnen muß, um die größtmögliche Freiheit zu erfahren.

Dies halte ich für eine Kernfrage, die, falls überzeugend beantwortet, dem entsprechenden System viel Zustimmung bringen würde.

Ich meine weiter, daß es im Christentum um nichts anderes geht als um eben diese größte Freiheit:

Zentral im Christentum sind Karfreitag und Ostern, also Tod und Auferstehung Jesu. Versteht an diese nicht so, wie in der oben verlinkten Kritik, sondern eher im Rahmen der ebenfalls verlinkten alternativen Betrachtungsweise, dann hat das Ganze viel mit Freiheit zu tun. In Kürze kann man es so fassen:

Der Teufel hält die Welt gefangen und versucht über alles die Kontrolle zu bekommen, sich alles unterzuordnen. Den Teufel kann man hier als Chiffre für all das bezeichnen, was man als böse ansieht (man kann es sicher auch objektiver fassen aber für den Anfang reicht diese subjektive Sichtweise). Gegenspieler ist Gott, der die Welt befreien möchte.

Der Teufel geht auf folgende Weise vor: Er bringt den Menschen (jeden einzeln) dazu, etwas zu tun, das Unrecht ist. Dann benutzt er dies gegen den Menschen, um ihn immer tiefer in unrechten Taten zu verwickeln, indem er die erste Tat zu decken versucht. Ziel ist es, den Menschen zu isolieren, ihm keine Entwicklungsmöglichkeit zum Guten hin zu geben und ihn im Netz aus Unrecht und Lüge, das er um sich gesponnen hat zu ersticken. Dabei setze dann die einen Menschen auch die anderen unter Druck, in einer gewissen unrechten Weise zu handeln. Ziel des Teufels bleibt die Kontrolle. Wer stirbt, kommt ebenfalls in seinen Machtbereich, den Tod, die Hölle.

Gott kann nicht viel machen. Schließlich wird er Mensch, und gleich fängt der Teufel an und verucht, Ihn zum Bösen zu verleiten. Gott-als-Mensch (Jesus) läßt sich jedoch nicht darauf ein, also setzt der Teufen Ihn durch andere unter Druck, bis hin zu Seiner Ermordung. Denn so käme Gott-als-Mensch ebenfalls in den Tod ud wäre unter des Teufels Gewalt. Sowohl die Toten als auch die lebend-isolierten sind im Grunde ohne Beziehung und damit tot.

Doch der Einsatz Gottes für die Menschen befreit diese aus Tod und Hölle. Gott ist größer als der Teufel, das Gute größer als das Böse, und so werden Beziehungen wieder möglich. Gott besiegt Tod und Teufel und überwindet damit die Hölle.

Damit eröffnet Gott neue Möglichkeiten für diejenigen, die schon ziemlich verstrickt sind in ihr eigenes Unrechttun. Sie kriegen wieder Hoffnung, weil Gott in Seinem Tun quasi sagt: Das Unrecht das Ihr tut, rechne ich Euch nicht an (wiewol es trotzdem Unrecht bleibt!), gehet hin und sündigt fortan nicht mehr.

Er befreit die Menschen aus den Verstrickungen der Hölle, indem Er sie annimmt, sie liebt, trotz aller Taten, mit denen der Teufel sie zu kontrollieren sucht. Damit ist die Macht des Teufels gebrochen, oder etwas weniger mystisch ausgedrückt: Die Macht, die unsere unrechten Taten über uns haben.

Und das halte ich für eine unglaublich befreiende Wahrheit. Denn es erlaubt einem, alles zu tun, was einen Gut dünkt (≠wozu man gerade Lust hat) und hält einen nicht in äußeren Zwängen gefangen, wie das Tun unrechter Taten. Während man untergeordnet unter Gott sowohl Gutes als auch Böses tun kann, ist man bei anderen Unterordnungen in Sachzwängen gefangen und damit in seinem Handeln auf die Sachzwänge eingeschränkt.

Wenn jetzt jemand meint, daß auch er nicht von Sachzwängen eingeschränkt sei und eben so eine Freiheit habe, wie der sich Gott unterordnende Christ, dann habe ich zweierlei dazu zu sagen:

  1. Ich freue mich aufrichtig für Dich, und daß Du diese Freiheit erlebst.
  2. Womöglich sind wir beide näher beieinander als es den Anschein hat.

Übrigens würde ich für mich nicht in Anspruch nehmen, mich gar nicht mehr durch Sachzwänge beeinflussen zu lassen. Daher bedarf ich immer wieder der Vergebung Gottes. Dieser kann ich jedoch gewiß sein, und so kann ich es immer wieder aufs Neue versuchen, ohne Sachzwänge zu leben und nur noch Gutes zu tun. Dies zu erreichen ist mein sehnliches Ziel.

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 27.03.2012 (Ps 148, 3.5)

Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne! Denn er gebot, da wurden sie geschaffen.

Der heutige Losungstext ist eine Aufforderung zm Gotteslob. Gott soll von Sonne, Mond und Sternen gelobt werden und zwar aus einem bestimmten Grund: Er gebot, dann wurden sie geschaffen. Gott spricht, und was Er sagt, geschieht auch. Gestern hatten wir es davon, daß die Propheten ein Lied davon singen können.

Man kann sich ja heute kaum mehr viel unter „Gotteslob“ vorstellen. Viel mehr stellt sich die Frage: Hat der das denn nötig? Lob erscheint uns als etwas das wir geben, was eigentlich überflüssig ist. Der Gedanke vom Engel, der den lieben langen Tag auf der Wolke sitzt, mit der Harfe und der Hand und Gott Loblieder singt ist den meisten Zeitgenossen doch recht befremdlich. Wieso verdonnert Gott den armen Engel zum Harfendienst? Was muß das doch für ein Großkotz sein!

Lob. Das ist was für Kinder. Ein Kind hat ne Eins geschrieben, und man lobt es, das Selbstwertgefühl soll gestärkt werden, er soll motiviert werden, so weiter zu machen. Das gleiche macht ein Chef vielleicht auch mit einem Angestellten. Ziel: Ebenfalls Motivation. Fernziel: Mehr Profit, selbst etwas davon haben.

Aber ansonsten? Und vor allem: In beiden Fällen gibt es ein Gefälle, der Lobende steht oben, der Gelobte unten. Eine Hierarchie. Wie komisch wäre es, wenn der Chef von seinem Angestellten Lob erwarten würde? Solche Chefs sind doch mindestens unangenehm. Oder wenn Eltern von ihren Kindern Lob erwarten: Ja Mama, das Essen schmeckt… Moment! Das Essen schmeckt?

Würde das nicht bedeuten, die Mutter stünde hierarchisch unter dem Kind, das die Kochkünste lobt? Wäre es vielleicht sogar im Rahmen feministisch-emanzipatorischer Reflektion geboten, solches Lob zu unterbinden? (alternativ könnte man auch den Brauch, daß die Mütter Essen machen angreifen;))

Kind! Das tut man nicht! Deine Elten sind nicht Deine Angestellten! Was denkst Du Dir?

Ich denke es wird klar, daß Lob recht wenig mit Hierarchie zu tun hat. Man lobt auch Fußballer, wenn sie Tore schießen, oder auch wenn sie welche Verhindern (Torwarte), also wenn sie gut spielen. Und das tut man, weil man sich über den Sieg der eigenen Mannschaft freut, nicht weil die Fußballer bei einem angestellt wären und man sie zwecks Profitoptimierung motivieren will. Man lobt auch ganz andere Menschen, wenn man sich freut. Durchaus auch den Chef, manchmal sogar aus Hochachtung Spieler der gegnerischen Mannschaft oder andere Menschen, deren Motivation einem sonst erst einmal nicht am Herzen liegt.

Und Gott? Ändert das jetzt was in Bezug auf Ihn?

Das kommt darauf an. Freuen wir uns über Gott, oder haben wir wenigstens Hochachtung vor seinen Leistungen? Der Losungstext ist etwas verknappt, was die Herrnhter ja öters mal tun. Der Psalm ist voll von Lobaufrufen, aber er hat auch die Begründun in den Versen 5 und 6:

Die sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, da wurden sie geschaffen. Er lässt sie bestehen für immer und ewig; er gab eine Ordnung, die dürfen sie nicht überschreiten.

Der Psalmist behauptet, Gott sei derjenige, der alles gemacht hat und bestehen läßt, der eine Ordnng gab, die „sie“ nicht überschreiten dürfen. Sieht man sich den im Losungstext ausgelassenen Vers 4 an, kriegt man einen Hinweis, an wen da wohl vor allem gedacht ist:

Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel und ihr Wasser über dem Himmel!

Man kann vielleicht etwas unfair sagen, früher waren die Menschen noch dankbarer. Als Urzustand betrachteten sie das todbringende Chaos, und sie freuten sich über alles, was ein wenig Ordnung brachte und Glück ermöglichen konnte. Daß es die Welt gab, daß es Menschen geben konnte, die sich an der Welt und ihrem Leben freuen konnten, die glücklich waren, war Anlaß großer Freude. Und damit auch ein Anlaß dafür, denjenigen zu loben, der das alles so gut hingekriegt hatte.

Heute sehen wir das anders. Wir sind verwöhnt vom Wohlstand, wir akzeptieren Gott höchstens noch als Knecht und nehmen als Urzustand die Perfektion an. Überall, wo die Dinge nicht laufen, wie sie sollten, suchen wir einen Sündenbock. Theodizeefrage sei Dank, steht uns dafür Gott immer zur Verfügung. Nur, der ist ja allmächtig, also braucht der ein Lob gar nicht zu erwarten, selbst wenn wir einmal annehmen sollten, Er hätte wirklich mal etwas zu Stande gebracht (und es gäbe keine „wissenschaftliche“ Erklärung – als ob das ein Widersprch wäre!).

Wie soll man den Allmächtigen für besondere Leistungen loben? Gar nicht! Es ist schlicht unmöglich! Der einzige Grund für ein Lob läge in der Freude.

Gott motivieren läuft schon deshalb nicht, weil Er eben nicht unser Knecht ist. Und wenn jemand allmächtig ist, gibt es auch keine besonderen Leistungen mehr, denn das Besondere wird zum Standard.

Die Einzige Möglichkeit die wir haben, ist die Freude. Wo wir Gott nicht als Schöpfer verstehen, wo wir in Ihm nicht den Grund erblicken, wieso wir da sind und überhaupt in der Lage sind, uns zu freuen (trotz allem Leid, das uns widerfährt), wird es keinen Grund für ein Gotteslob geben, weil die dazu nötige Freude an Gott fehlt.

Statt dessen sind wir Gott sauer, weil nicht alles perfekt ist (nach unserer *perfekten* Ansicht), weil Gott das Leid zuläßt, das uns täglich begegnet, wegen Hungersnöten, Erdbeben und Liebeskummer. Selbst wenn wir annehmen, daß es einen Gott gibt, sind wir doch unversöhnt mit Ihm. Und der Punkt ist wichtig! Wir haben ein Problem mit Ihm, nicht umgekehrt!

Was kann man daran ändern? Wie können wir von den verzogenen Perfektionseinforderern zu Menschen werden, die sich am Schönen freuen können, ohne gleich alle möglichen Mängel zu reklamieren?

Dazu bedarf es der Versöhnung. Wir sind in der Passionszeit und gehen auf Karfreitag zu. An diesem Tag, so heißt es, geschah die Versöhnung der Menschen mit Gott. Sie geschah dadrch, daß Gott für uns am Kreuz starb.

Dieser Tod, so heißt es, versöhnt uns nun wieder mit Gott und ist Grund zur Freude (und damit zum Lob). Gott hat als Jesus die Knechtsrolle angenommen, was Er nicht gemußt hätte. Er kam zu uns und zeigte uns, wie wir in der mangelhaften Welt leben können. Er gab uns Hinweise, wie wir mit den größten Mängeln selbst fertigwerden können (Liebet Ere Feinde, tut wohl denen, die Euch hassen, liebet Eure Nächsten, sorgt für die Armen…).

Danach starb Er am Kreuz, weil die hohe Politik Ihn als Problem wahrnahm (die hohe Politik hat oft andere Pläne als der Rest der Menschen, wobei in der Demokratie wir Wähler die hohe Politik sind) und stand danach einfach wieder auf und zeigte damit, daß Er wirklich Gott ist nd die Macht über den Tod hat.

Damit wird aber auch anderes klar: Nicht wir sind diejenigen, die von Ihm eine perfekte Welt erwarten können. Er ist nicht UNSER Knecht. Vielmehr könnte ER von uns eine perfekte, oder zumindest eine perfektere Welt verlangen. Die Rollen haben sich getauscht.

In der Folge können wir dann froh sein, wenn überhaupt irgend etwas annähernd perfekt ist. Denn da müssen wir nicht ran, und etwas tun. Wo es keine Überschwemmungen gibt, müssen wir keine Deiche bauen. Wo es keine Erdbeben gibt, haben wir auch weniger zu tun. Wo es regnet, müssen wir nicht bewässern. Und wo ein Samenkorn, das man in die Erde steckt zu einer Pflanze wird, die Früchte trägt, brauchen wir uns keine Gedanken darm machen, wie wir sonst an etwas zu essen kommen.

Froh sein! Genau. So haben dann auch wir Grund zur Freude, und Grund zum Lob.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 25.03.2012 (Jes 49, 10)

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Das Wetter wurde in den letzten Tagen besser. Und vor allem wärmer. Der Frühling kommt. Nach der Kälte des Winters freue ich mich richtig darauf, bald ohne Jacke rausgehen zu können. In solchen Zeiten ist ein Satz wie der obige, der von Schutz vor Sonne und Hitze spricht, nicht ganz so wirkend wie im Sommer bei annähernd 40°C (okay, nicht hier in Greifswald, aber zu Hause in der Pfalz gibt es das schonmal).

Im meiner Heimat der Pfalz nicht ganz fernen Saarland gibt es eine Redewendung, die den ersten Teil des Satzes gut aufnimmt:

Hauptsach gut gess‘!

Und damit kann ich mich auch identifizieren. Und daß man nicht dürsten wird spricht mich als Pfälzer sowieso an. Aber um was geht es eigentlich?

Im Kapitel 49 des Jesajabuches geht es um den Gottesknecht, der in der Tradition auf Jesus Christus gedeutet wurde. In Vers 6 sagt Gott, es sei zu wenig, daß der Gottesknecht die Stämme Jakobs – also die Israeliten – aus der Zerstreuung holt. Er soll darüber hinaus noch das Licht der Heiden sein.

Es handelt sich um eine Heilszusage an die Israeliten, die sich zu der Zeit im Exil befinden, aber das Übliche reicht hier nicht. Es ist zu wenig, nur das Exil der Israeliten zu beenden, sie wieder ins Land zurückzuführen, sondern auch die Heiden sollen gewonnen werden.

Der Gottesknecht soll sagen „Geht heraus“ (Vers 9), und dann foögt eine Wanderng aus dem Exil, heim ins gelobte Land. Um diese Wanderung geht es. Gott verspricht, die Wege gerade zu machen, Berge einzuebnen, und eben auch die Versorgung auf dem Weg:

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Der Erbarmer, das ist Gott selbst. Er vergleicht sich in Vers 15 mit einer Mutter, die ihrem Sohn nicht im Stich lassen kann. Das ganze Kapitel atmet die Liebe und Fürsorge Gottes zu Seinem Volk.

Doch, ich habe es schon erwähnt, auch die Heiden sind mit im Boot. Die Heiden, das sind alle Nichtisraeliten. Dazu gehören streng genommen auch wir alle. In der Zeit der alten Kirche wurde noch zwischen Heidenchristen und Judenchristen unterschieden. Heide zu sein bedeutete nicht, kein Christ sein zu können. Ein Heide war ein Mensch mit einer anderen Nationalität. Ein Angehöriger eines anderen Volkes.

Gott war aber der Nationalgott der Israeliten. Also eigentlich gar nicht zuständig für uns Heiden. Trotzdem wandte Er sich auch uns zu, übernahm auch für uns Verantwortung, wenn man so will.

Wir gehen auf Karfreitag zu, dem höchsten Feiertag des Protestantismus. Der Tag, an dem Christus für die Schuld der Menschen ans Kreuz ging. Nicht nur für sein eigenes Volk, nicht nur für die Frommen, sondern für alle Menschen, ob sie Ihn kannten oder nicht.

Gott, der als Nationalgott der Israeliten anfing, und doch Gott der ganzen Welt ist, hat Verantwortung übernommen für Seine Welt, und starb für uns.

Vielleicht sollten wir überlegen, ob wir, als Verehrer dieses Gottes nicht auch auf gleiche Weise Verantwortung übernehmen über das hinaus, was uns als Bereich zugesprochen wird. So wie Gott die Grenzen Seines Volkes überschritt, um uns allen das Heil zu bringen, können auch wir Grenzen überschreiten, zum Wohle aller Menschen.

Das Stichwort der Nationalität kann uns hier ein erster Anhalt sein. Wenn Gott sich nicht um die Nationalität derer scherte, die Ihn verehrten, wieso sollten wir noch Menschen nach Nationalität unterscheiden und Hilfesuchende an unseren Grenzen abwehren, nur weil sie Geld kosten? Wieso sollten wir Menschen, die hier wohnen abschieben, nur weil sie Geld kosten?

Kreuzigungsdarstellung in der Kathedrale von Jeju-Si, Jeju-Do, Republik Korea

Man kann weiter gehen und fragen wieso Menschen andernorts verhungern sollen, nur weil es dort nichts zu essen gibt. Heil bedeutet im ersten Moment auch immer weltliches Heil, gutes Leben. Im zweiten Schritt – den sollte man nicht vergessen – darf man dann aber auch das ewige Heil nicht vergessen werden. Es ist eins die Nackten zu kleiden und den Hungrigen zu essen zu geben. Doch wollen die Verlorenen auch gerettet werden. Dazu ging Gott ans Kreuz. Und dazu hat Er uns dann ausgesandt.

glaube

Wer starb am Kreuz?

Die Frage mag komisch klingen. Jesus natürlich, zumindest wenn man nicht dem Doketismus anhängt. Aber von vorn:

sicDaniel, ein Kommentator beim Blasphemieblog, stellte in den Kommentaren zu einem Artikel die Frage danach, wie das denn sein könnte, daß einerseits Jesus Gott ist und andererseits Jesus am Kreuz gestorben ist. Dann wäre ja Gott gestorben, und Gott könne nicht sterben, das widerspräche Gott.

Es wurden ein paar Sätze gewechselt, bis jemand darauf hinwies, daß dies doch eine seltsame Debatte für ein atheistisches Blog sei. Stimmt auch irgendwie, deshalb möchte ich hier jetzt eine Antwort versuchen, und die Debatte kann dann ja auch hier weitergehen, um nicht weiter die Atheisten zu belästigen.

Vorab möchte ich noch sagen, daß ich weder Sprachrohr irgend einer christlichen Gruppierung bin noch dies eine wissenschaftliche Abhandlung darstellt. Hinweise darüber, wo ich mit irgendwelchen Theologen, Bekenntnisschriften oder sonstigem nicht konform gehe sind willkommen, aber gehen insofern am Ziel vorbei, als daß ich hier keine offizielle Meinung repräsentiere, sondern von meinem Glauben Zeugnis ablege. Ich bin sowieso skeptisch, was darüber hinausgehende kirchliche Äußerungen auf protestantischer Seite angeht.

Tod

Am Anfang muß die Frage nach dem Tod stehen. Was ist Tod? Was macht ihn aus? Was ist er nicht?

Unter Tod verstehe ich das Ende des biologischen Lebens: Das Herz hört auf zu schlagen, die Atmung hört auf, die Hirnfunktionen und nach einer Weile auch die biochemischen Prozesse in den einzelnen Körperzellen. Der Zerfall, die Verwesung des Körpers setzt ein.

Tod ist jedoch nicht ein Ende des Seins, in dem Sinn, daß nichts mehr da wäre. Ich denke dabei nicht etwa an eine Seele. Die unsterbliche Seele wie man sie sich heute vorstellt ist eine platonische Vorstellung, die erst sekundär vom Christentum rezipiert wurde, und die ich für nicht hilfreich erachte.

Mir geht es um das, was sonst übrig bleibt von einem Menschen. Da wären erst einmal die Auswirkungen seiner Taten zu Lebzeiten, oder die Dinge, die er gemacht hat, ob Häuser oder Gedichtbände, und die Erinnerung an ihn. Mit dem Tod eines Menschen geht nicht alles Wissen über ihn verloren. Durch Zugriff auf private Schriften lernt man ihn vielleicht sogar besser kennen als vorher. Dies ist nichts Materielles, das übrig bleibt, und der Mensch hat da nichts mehr von. Es erscheint mir jedoch wichtig, darauf hinzuweisen.

Trinität

Der christliche Gott wird als Dreifaltigkeit gedacht: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Alle sind verschieden, alle sind Gott, und Gott ist nur einer. Ein scheinbarer Widerspruch, doch denke ich, daß man das nicht so als Mysterion stehen lassen muß. Auch wenn vielleicht nicht alle Aspekte geklärt werden können, gibt es doch Möglichkeiten, sich die Denkbarkeit der Trinität zu erleichtern.

Mein Religionslehrer, von dem ich viel gelernt habe, hat es einmal mit den Rollen verglichen, die ein Mensch inne haben kann: So kann ich zum Beispiel gleichzeitig Freund meiner Freundin, Student meines Studienfachs und Einwohner meiner Stadt sein. In allen drei Rollen verhalte ich mich anders, und manchmal ist es schwierig, sie voneinander zu trennen. Doch kann man vielleicht grob sagen, daß wenn ich den Stadtrat mitwähle, dies weniger als Freund meiner Freundin tue denn als Bürger der Stadt. Und wenn ich sie küsse tue ich das nicht als Student. Genausowenig bin ich in erster Linie Bürger, wenn ich für’s Examen lerne. Und trotzdem bin ich der selbe.

Der Sohn

Jesus ist der Sohn Gottes und trotzdem selbst auch Gott. Und zwar nicht in abgestufter Weise, sondern eben vollkommen Gott. Aber Er ist nicht der einzige Aspekt von Gott. Er ist aber nicht nur vollkommen Gott, sondern eben auch vollkommen Mensch. Und als Mensch Sohn Gottes. In der Antike stellte man es sich ja so vor, daß der Samen des Mannes in die Frau gepflanzt wird, und das Kind heranwächst ohne daß die Fra da noch ein paar Chromosomen beisteuert. So denke ich, ist auch die Gottessohnschaft Jesu zu verstehen. Er ist Sohn des Vaters, eben weil der Same als vom Vater kommend gedacht war. Das macht Ihn dann aber nicht zu weniger Gott, oder zu einem Juniorgott. Es ist der selbe.

Tod revisted

Unser Verständnis von Tod ist sicherlich nicht das, was man sich früher darunter vorgestellt hat. Luther benutzte oft Sünde, Tod und Teufel als Synonyme, die das gleiche bezeichneten: Die Trennung von Gott. Man stellte sich ein Totenreich vor, wo die Verstorbene hinkommen und gefangen sind, in absoluter Gottesferne. Wo Tod heute als biologisches Ende verstanden wird, wurde es damals vor allem als Ende aller Beziehungen verstanden. Nicht einmal mehr die Beziehung zu Gott konnte über den Tod hinaus aufrecht erhalten werden.

Kreuzigung

Nun kam es also zur Kreuzigung. Jesus wurde ans Kreuz genagelt, und starb. Und da Gott Jesus war und Jesus Gott war, starb Gott und kam ins Totenreich, in die absolute Trennung von Gott. Jesus wurde beziehungslos und ging an den Ort, wo Beziehung nicht mehr möglich war.

Doch ist dadurch, daß Gott an den Ort kommt, wo es keinen Gott gibt, der Ort der Getrenntheit von Gott zum Ort der Nähe Gottes geworden. Wenn Gott in die Gottesferne kommt, ist Gott nicht mehr fern, und besiegt die Gottesferne, also die Hölle oder den Tod. Darin liegt auch der vielleicht etwas hämisch klingende Osterjubel begründet:

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg?

Ein Aufhören der biologischen Prozesse ist also nicht im Fokus, wenn es um den Tod und die Auferstehung Christi geht. Ich habe Schwierigkeiten, mir Gott mit biochemischen Zellprozessen vorzustellen, die aufhörten in dem Moment, wo Gott am Kreuz starb.

Alles alter Käse?

Wenn sich nun die Vorstellung in Bezug auf den Tod gewandelt haben, hat die ganze Kreuzigungsgeschichte uns heute nichts mehr zu sagen? Ist es ein veralteter Mythos, der in alten Büchern steht und keine Relevanz mehr für das heutige Leben hat? Was passierte wirklich damals?

Ich denke, die historischen Details des damaligen Geschehens können wir heute nicht mehr greifen, und nachweisen schon gar nicht. Die Bibel ist ja schon recht wortkarg, was die Auferstehung angeht. Viel mehr als das „daß“ der Auferstehung wird nicht berichtet. Aber es ist ja doch möglich, anzunehmen, daß ein gekreuzigter Mensch durchaus in Folge von Folter und Kreuzigung starb, und zwar in dem Sinne, wie wir heute Tod verstehen.

Die Hölle, gedacht als absolute Beziehungslosigkeit, als Ort, von dem man nicht Gott und auch sonst niemanden mehr erreichen kann, ist durchaus auch denkbar. Mangelndes Vertrauen erschwert auch heute Beziehungen, macht sie teilweise unmöglich. Und das mangelnde Vertrauen kommt aus Verletzungen, die man erlebt hat.

Durchbrechen kann man das nur durch Zuwendung, durch Liebe, indem man auch mal Angriffe aushält. So wird die Beziehungslosigkeit durchbrochen und besiegt, der Hölle die Macht genommen.

Was spricht dagegen, daß Jesus genau das gemacht hat? Indem er trotz Schuldlosigkeit in den Tod ging? Und was spricht dagegen, daß er danach wieder aufstand? Wenn es Gott gibt, und ich sehe keinen Grund daran zu zweifeln, kann man Ihm durchaus auch die Macht zutrauen, sich das Leben wieder zu nehmen, wenn Er es gelassen hat. Damit hätten die Menschen damals dann auch gesehen, daß es tatsächlich Gott war, der da alles erduldete und sich trotz Möglichkeiten nicht wehrte. Gott, der sich den Menschen zuwendet und auch ärgste Angriffe wegsteckt, und dadurch eben auch Beziehung wieder ermöglicht. Und wo die Beziehung ist, ist nicht Hölle, nicht Tod, nicht Teufel.