Gesellschaft

Offener Brief an Viktor Schwabenland

Lieber Viktor,

vor einigen Tagen las ich Deinen Artikel „Elektroschocktherapie gegen heterosexuelles Verhalten? Geht’s noch?“ und dachte darüber nach, diesen zu kommentieren. Leider müßte ich mich dazu auf Deinem Blog anmelden (ich will das gar nicht kritisieren, ich kenne den Streß mit den Spammern selbst ein wenig), allerdings lese ich zugegebener Maßen dort nicht so häufig, daß sich die Anmeldung lohnen würde. Wahrscheinlich würde ich immer wieder meine Logindaten vergessen. Also habe ich nicht kommentiert.

Nun ging mir die Sache aber eine Weile durch den Kopf und ich kam zu dem Schluß, daß ich auch nicht einfach schweigen kann. Aus diesem Grund greife ich auf meinen eigenen Blog zurück, um Dich zu erreichen. Wir sind beide Mitglieder in der Christlichen Blogger Community und ich hoffe, daß Dich diese Zeilen über diesen Weg irgendwie erreichen.

Ein Grund, wieso ich die CBC mag ist, daß dort viele Christen mit ganz verschiedenen Hintergründen versammelt sind und so die gegenseitige Abschottung, die es sonst gibt, ein wenig durchbrochen werden kann. Dabei setze ich voraus, daß wir alle an den Herrn Jesus glauben und danach streben, nach Seinem Willen unser Leben zu gestalten.

Ich hoffe, daß Du die folgenden Zeilen als Hinweis eines Bruders in Christo sehen kannst, und nicht als abwertende Kritik Deiner Person oder Deiner Frömmigkeitsausprägung.

Du schreibst:

Geht es der Europaregierung wirklich um mein und meiner Familie Wohl?
Wohl kaum würde ich meinen, wenn ich solche Nachrichten lese, dass z.B. ein Familienvater ins Gefängnis geworfen wird, weil er sein Kind nicht zum Sexualunterricht bringen wollte.

Daß es sowas wie eine „Europaregierung“ nicht gibt, will ich gar nicht kritisieren, Dir geht es ja nicht um den korrekten Begriff, sondern um das, was von Regierungsseite aus getan wird. Und das ist, daß ein Mann offenbar eingesperrt wurde, weil er seine Kinder nicht zur Schule geschickt hat. Der Grund dafür liegt, soweit entnehme ich es Deinen Äußerungen, daß der Vater nicht einverstanden war mit den Inhalten, die die Kinder vermittelt bekommen. Im vorliegenden Fall geht es um die Sexualkunde.

Zuerst möchte ich anmerken (nenn mich ruhig Haarspalter, aber als vor Gott für mein Tun – auch in politischen Dingen – verantwortlicher Christ ist es mir richtig, hier die Dinge korrekt trennen zu können, um bei der richtigen Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle machen zu können), daß diese Thematik (Schule und Schulverweigerung) nicht in die Zuständigkeit von Europa fällt. Das ist noch nicht einmal Bundessache, sondern Sache jedes einzelnen Bundeslandes (man korrigiere mich, wenn ich hier einen Fehler mache, wie gesagt, das ist mir wichtig).

Du verlinkst zum Beleg zu einem Artikel der „Stimme Rußlands“. Nun ist in dem Artikel tatsächlich die Rede von einem Vater, der in Erzwingungshaft kam, weil er seinen neunjährigen Sohn nicht zum Sexualkundeunterricht schickte, allerdings nennt auch der Artikel der Stimme Rußlands weder Namen noch sonstige Quellen.

Ich möchte weder Dir noch der „Stimme Rußlands“ unterstellen, daß die Geschichte erfunden ist. Ich kann mir gut vorstellen, daß das vorkommt. Aber muß man es nacherzählen, wenn man nicht nachprüfen kann, ob es wirklich stimmt? Es gibt doch diese Maxime im Internet: „proof or didn’t happen“, also zu deutsch „Beweis, oder nicht passiert“, was darauf hinweist, daß es im Netz viele erfundene Geschichten gibt. Von daher ist es, um sich nicht manipulieren zu lassen, sinnvoll, nur das zu glauben, was eindeutig bewiesen ist.

Und schreibt nicht auch der Apostel Paulus: Prüfet alles, und das Gute behaltet?

Wie gesagt, ich unterstelle Dir nicht, daß es eine erfundene Geschichte ist, aber ich kann es nicht beweisen. Wenn ich also wirklich Deinen Artikel weiterleiten sollte, wie Du am Ende schreibst, würde ich mich selbst dem Vorwurf aussetzen, Unwahrheiten zu verbreiten. So geht es im Prinzip nicht nur mir, sondern allen, die Deinen Artikel weiterverbreiten. Ich möchte Dich also bitten, bei der nächsten Gelegenheit eie Quelle zu suchen, die mehr Auskunft gibt über den Vorgang, so daß man sich unabhängig im Internet zu dem Fall informieren kann. Wenn ein Name genannt wird, so kann man den in der Regel bei Suchmaschinen eingeben und findet mehrere Berichte zu der Sache, die auch immer wieder neue Aspekte ans Licht bringen. Überlege einmal, wie überzeugend Dein Artikel wäre, wenn selbst die größten Kritiker nichts finden könnten, was Deiner Darstellung widerspricht, und sie Dir wohl oder Übel Recht geben müßten!

Du schreibst weiter:

Ich will meine Kinder später auch zu keinem Sexualunterricht bringen, also muß ich mich wohl auch auf ein Gefängnis vorbereiten, oder? Und sowas wird Demokratie genannt? Pfuj! Alles Blabla! Es gibt in Deutschland keine Demokratie.

Im Zweifel ist das wohl so, ja. Du wirst, wenn auch Du Deine Kinder nicht zur Schule schickst und die Strafe nicht bezahlst, ins Gefängnis kommen. So sind unsere Gesetze hier. Und ja, das nennt sich Demokratie. Demokratie bedeutet, daß das Volk die Gesetzgebung maßgebend bestimmt. In Deutschland per Wahl alle 4 bis 5 Jahre, in anderen Ländern wie der Schweiz gibt es auch Volksabstimmungen. Solange Du keine Mehrheit findest, die die Schulpflicht abschaffen will, wirst Du in letzter Konsequenz mit Gefängnis rechnen müssen, wenn Du Deine Kinder nicht zur Schule schickst. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den Sexualkundeunterricht, den Sportunterricht, Mathematik, Musik oder Bildende Kunst handelt.

Und doch, in Deutschland gibt es eine Demokratie. Die Parlamente in Bund, Ländern und Kommunen werden demokratisch gewählt, und diese beschließen dann die Gesetze. Nächsten Sonntag hast Du die Chance, auch auf Europäischer Ebene Einfluß zu nehmen. Wenn es irgendwo keine oder keine vollständige Demokratie gibt, dann dort. Trotzdem sollten wir die Möglichkeiten nutzen, die wir haben. Aber ich schweife ab.

Du schreibst:

Ich bin wütend auf das, was ausgerechnet in Baden-Württemberg passiert, wo hingezogen bin, weil ich das Land schön finde. Ausgerechnet hier sollten heterosexuelle Kinder mit Elektroschocks gegen ihr heterosexuelles Verhalten therapiert werden!

Lieber Viktor, das stimmt doch nicht! Es ist nirgends die Rede davon, daß heterosexuelle Kinder tatsächlich „therapiert“ werden sollen mit Elektroschocks. Bitte ließ doch den Artikel, den Du verlinkt hast, bevor Dir das jemand abnimmt und dieses Mißverständnis weiter verbreitet.

Es geht doch dabei um etwas ganz anderes! Es geht darum, daß Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht mehr diskriminiert werden. Zur Zeit ist es doch so, daß viele Menschen in unserer Kultur die Heterosexualität für normal halten und die Homosexualität für unnormal. Das hat leider zur Folge, daß einige Menschen meinen, sie könnten Homosexuelle angreifen, sie für weniger Wert erachten und dergleichen mehr.

Wir beide wissen doch, daß Gott alle Menschen liebt, egal, was sie tun. Wir alle sind Sünder, wir alle sind auf Seine Gnade angewiesen. Und keiner kann „den ersten Stein werfen“, weil eben keiner ohne Sünde ist.

Diejenigen aber, die in unserer Kultur wohnen und keinen Glauben an Christus haben, scheren sich nicht um dieses Herrenwort. Sie werfen fröhlich mit Steinen (im wörtlichen und übertragenen Sinn), und verletzen damit die Homosexuellen, die doch auch Gottes Geschöpfe sind.

Der Plan der Lehrer in BaWü ist nun der, hier für ein Umdenken zu sorgen. Sie können das nicht über die Schrift tun, weil der Staat weltanschaulich neutral sein muß, also keine Religion bevorzugen kann. Also setzen sie an einem anderen Punkt an. Dem der Normalität.

Der Gedanke ist der: Wenn sich die Ansicht verbreitet, daß Homosexualität nicht unnormal ist, dann gibt es keinen Grund mehr, Homosexuelle zu diskriminieren. Ebenso wie heute kaum mehr jemand diskriminiert wird, weil er eine Brille trägt (in meiner Kindheit war „Brillenschlange“ noch eine gängige Beleidigung – da sind wir heute weiter). Es geht also nicht darum, die Homosexualität zur Normalität zu machen und die Heterosexualität für Anormal zu erklären, sondern darum, daß Homosexualität genauso normal ist wie Heterosexualität. Ole von Beust ist nun einmal homosexuell. Das ist normal. Westerwelle ebenso. Auch normal. Und so gibt es viele andere Menschen, die auch ganz normal homosexuell sind. Ebenso wie wir normal heterosexuell sind.

Aber nun zum Fragebogen mit den Elektroschocks. Ich vermute, Du hast es überlesen, aber die dort aufgeführten Fragen sind doch alles Fragen, die man für gewöhnlich Homosexuellen an den Kopf geworfen hat. Du hast Recht Dich über die Idee alleine aufzuregen, daß man Heterosexualität durch Elektroschocks therapieren könne. Die Elektroschocks haben lediglich ein Ergebnis. Sie tun weh. So können wir mit keinem Menschen umgehen, vor allem wir Christen, da wir doch angehalten sind, alle Menschen zu lieben. Aber ist es nicht ebenso, wenn Elektroschläge benutzt werden sollen, um Homosexuelle zu „therapieren“? Das geht doch genau so wenig. Das tut denen doch genau so weh! Darum geht es, denke ich, in den Fragebögen. Die Kinder sollen selbst merken, welche üblen Angriffe Homosexuelle in der Vergangenheit (und zum Teil noch heute) über sich ergehen lassen mußten, nur weil sie eben homosexuell waren oder sind.

Vielleicht fällt es Dir auf, wenn Du den Artikel noch einmal liest. Vielleicht änderst Du dann auch Deinen Artikel, damit nicht andere Menschen auf die Idee kommen, in BaWü würden tatsächlich Kinder mit Elektroschocks behandelt, um sie zu Homosexuellen zu machen. Denn das wäre, auch wenn Du das sicher nicht wolltest, eine Lüge. Und wir wissen beide, wer sich der Lüge bedient und wem damit gedient ist.

Weiter schreibst Du:

Als meine 3-jährige Tochter eine Frau mit Bart im Fernseher sah, war sie schockiert. Obwohl sie noch nicht viel versteht, etwas in ihr drin sagt, dass es nicht normal ist. Sie sieht, dass ihr Vater einen Bart hat und ihre Mutter nicht und für ist es normal so und nicht umgekehrt.

Hmm, als ich ein Kind war hatte auch mein Vater keinen Bart. Es gibt Kinder, die vor Menschen mti Bart Angst haben, weil sie es nicht kennen. Viele Menschen, nicht nur Kinder, haben Angst vor Dingen, die sie nicht kennen. Das ist auch ganz normal. Aber man muß es bei der Angst ja nicht belassen. Oftmals ist sie auch unbegründet. Zum Beispiel als ich vor Jahren einen Bart hatte, traf ich auf Bekannte mit ihrem Kind. Das Kind kannte keine Bärte und hatte Angst vor mir. Dabei hätte ich ihm nichts angetan. Manchmal halten uns Ängste auch ab, positive Erfahrungen zu machen.

Ich will Dir nicht erzählen, wie Du Diene Tochter erziehen sollst. Das geht mich letztendlich nichts an und Du wirst Dir diesbezüglich von mir auch nichts anhören (mit Recht!). Ich möchte Dich aber fragen, woher Du so genau weißt, daß es normal ist, daß die Männer Bärte tragen udn die Frauen nicht. Es gibt Frauen, die haben einen Damenbart. Es gibt Männer, die kaum Bartwuchs haben. Bei manchen Völkern ist der Bartwuchs auch bei den Männern sehr spärlich, wenn überhaupt vorhanden. Die Frage ist doch: Weißt Du aus der Bibel oder von Gott direkt, was normal ist und was nicht, oder weißt Du es aufgrund der Kultur, in der Du lebst? Ich vermute, es bezieht sich auf die Kultur, und die wird zu einem Großteil vom Zeitgeist geprägt.

Daher meine Bitte: Überprüfe, was Du als Gegeben voraussetzt, ob es wirklich von Gott gegeben ist, oder ob es einen anderen Ursprung hat. Und vergib mir bitte, Dich auf die Möglichkeit eines Splitters in Deinem Auge hinzuweisen. Ich bin mir dessen bewußt, daß es bei mir Balken zur Genüge gibt, aber auch ich bin darauf angewiesen, daß man mich drauf hinweist, bevor ich sie rausziehen kann.

Im weiteren schreibst Du noch einmal, daß Du nicht willst, daß Deine Kinder zu Schwulen udn Lesben erzogen werden. Wie ich schon sagte, ich sehe nicht, daß das irgendwer wollen würde. Ich halte es wie gesagt für ein Mißverständnis. Nebenbei: Niemand kann Deine Kinder zu Schwulen oder Lesben erziehen. Sie sind, was sie sind. Wenn sie schwul sind, sind sie schwul, wenn lesbisch, dann lesbisch, wenn hetero, dann hetero. Weder Du und noch viel weniger irgendwelche Lobbies können das ändern. Das hat Gott von vorn herein festgelegt, wie Er alles schon von Anfang der Zeit her bestimmt hat.

Ich wünsche Dir Seinen reichen Segen und danke Dir, daß Du Dir die Mühe gemacht hast, meinen Brief ganz zu lesen.

De Benny

Allgemein

Die eine Tür und die Frommen

Schon in der Bibel werden wir vor falschen Lehrern und Propheten gewarnt. Jetzt bin ich ein Mensch, der an das Gute im Menschen glaubt, auch wenn nich davon überzeugt bin, daß wir alle Sünder sind. So viel wir falsch machen, so selten wollen wir das auch wirklich. Nur manchmal muß man einen Strich ziehen, um sich abzugrenzen und nicht mit schuldig zu machen.

Diesen Strich ziehen im Moment viele ehemalige Evangelikale in den USA. Dort ist etwas ziemlich unglaubliches passiert. Es geht um World Vision, die Hilfsorganisation, bei der man Kinder „adoptieren“ kann. Man spendet Geld für ein bestimmtes Kind, das man unterstützt (und damit seine ganze Gemeinschaft) und kann per Brief Kontakt halten. So sieht man dann auch, wie die Spenden helfen.

World Vision ist eine Organisation, das wußte ich bis letzte Woche nicht, die aus dem evangelikalen Millieu der USA stammt. Was ja nicht weiter schlimm ist, so lange den Menschen geholfen wird, können meinetwegen auch Satanisten die Hilfe leisten.

Nun hat World Vision entsprechend der Gesetzeslage angefangen, auch Homosexuelle einzustellen. Das wollte man nicht an die große Glocke hängen, wohl vorausahnend, was für ein Shitstorm folgen würde.

Irgend ein „besorgter Christ“ muß es aber herausgefunden haben, und hat es an die große Glocke gehängt. Und er hatte guten Erfolg damit. Sofort meldeten sich mehrere evangelikale Führer zu Wort und riefen dazu auf, dieser Organisation die Unterstützung zu entziehen.

Wohlgemerkt: Man sollte aufhören, Kinder in den Entwicklungsländern zu unterstützen, weil an der Hilfe vielleicht auch ein oder zwei Homosexuelle beteiligt waren. Gott verhüte, daß das Helfende Geld von einer „Schwuchtel“ nach Afrika umgebucht würde!

Kurz: Diese evangelikalen Führer haben die Perspektive verloren. Es war ihnen wichtiger, die Homosexuellen zu marginalisieren, als sich um das Wohl der Kinder zu sorgen. UNd sie hatten Erfolg, in zweifacher Hinsicht:

  1. World Vision hat zurückgerudert. Es gab so viele Drohungen, die Unterstützung einzustellen, daß World Vision die Entscheidung traf, lieber weiter den Kindern helfen zu können, als zu seiner Entscheidung zu stehen, Homosexuelle zu beschäftigen. Meiner Meinung nach eine mutige Entscheidung. Beide Optionen wären falsch gewesen, aber sie haben die Option gewählt, die eher den Schwächeren hilft, und haben die nicht ganz so schwachen im Stich gelassen.
  2. Aufgrund der Abmeldungen sind jetzt 10.000 Kinder ohne Paten, die voher einen „aufrechten Christen“ als Paten hatten. 10.000 Kinder! Auch hier hatten die Evangelikalen Führer Erfolg. Diese Kinder werden jetzt die Unterstützung nicht bekommen, die sie hätten haben können, aber Hauptsache, es sind keine Homosexuellen involviert.

Ich habe mehrere amerikanische Blogartikel zum Thema gelesen. Irgendwo
fand ich die Aussage, daß die Evangelikalen das Evangelium erweitert hatten. Es beinhaltet nicht mehr nur die Zusage der Liebe und Barmherzigkeit Gottes für den Sünder, sondern noch allerlei kulturelle Punkte, wie etwa die Homophobie.

Nur so ist es zu erklären, daß solch haßerfüllten, homophoben Aktionen nachgegeben wird unter so vielen Menschen, die sich Christen nennen, und eigentlich am Doppelgebot der Liebe orientiert sein müßten.

Ich sehe das ebenso, und möchte daran erinnern, daß in der Bibel stets davor gewarnt wird, das Evangelium zu verfälschen:

Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium,
obwohl es doch kein andres gibt; nur dass einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren.
Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.
Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.
Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht.

So schreibt Paulus in Gal 1, 6-10. Harte Worte, aber ich finde, sie treffen zu auf diese Evangelikalen, die dazu aufriefen, Kindern die Unterstützung zu entziehen, um ihre politischen Forderungen durchzusetzen. Eigentlich hätte die Liebe sie dazu anhalten müssen, danach zu suchen, wie man möglichst vielen Kindern helfen kann. Und die Hoffnung hätte sie anleiten müssen, darauf zu vertrauen, daß Gott entweder die Homosexuellen zu Recht bringt oder sie, also die evangelikalen Führer selbst, denn wenn es eine Meinungsverschiedenheit gibt, ist nicht unbedingt der andere derjenige, der falsch liegt. Aber offenkundig hatten sie keine Liebe zu den Kindern verspürt als sie dazu aufriefen, diese im Stich zu lassen, und auch keine Hoffnung auf Gottes Führung was die Frage in der Homosexualität angeht.

Statt dessen hofften sie darauf, daß Gott scho irgendwie den Kindern helfen würde (derselbe Gott, der uns die Liebe als Gebot mitgab!) und liebten ihre politischen, haperfüllten, homophoben Ansichten. Womöglich gingen sie noch dazu davon aus, daß Gott auf ihrer Seite wäre. Soe wie die Pharisäer Gott auf ihrer Seite wähnten. So wie die falschen Propheten in Israel und Juda immer nur Heil für die kaputte Gesellschaft voraussagten, während Gott Seine Propheten schon längst den Untergang verkündigen lies.

Gott ist auf der Seite der Schwachen. Schon immer gewesen. Wer auch immer die Macht hat, ein Unternehmen so groß wie World Vision in die Knie zu zwingen, gehört wohl kaum zu den Schwachen.

Aber das ist ja alles nur Vorrede. Eigentlich geht es mir um folgendes. Nachdem ich diese ganzen Vorgänge um die Evangelikalen und World Vision gelesen hatte, steiß ich auf Tom’s Blog auf folgendes Video.

Das Video gehört zu einer Aktion der evangelischen Frauen und Männerarbeit mit dem Titel „Eine Tür“. Ich verstehe das Video so, daß in der Kirche alle durch eine Tür reinkommen und in gleicher Weise als Menschen angenommen werden. Im Gegensatz zur Gesellschaft, die den Menschen ein Label aufdrückt – Männlein oder Weiblein – das dann, wie man im Video anhand der Toilettenszenen sieht, der von Gott geschaffenen Schöpfung kaum gerecht wird.

Tom hat das Video wohl falsch verstanden im Sinne von „wir brauchen nur noch eine Toilette“. Das kann geschehen, daß man etwas falsch versteht. Darauf will ich gar nicht eingehen. Aber was ich kommentieren möchte ist der Rest seines Eintrages, weil ich den Eindruck habe, daß es exemplarisch für eine Form des Christentums ist, die den evangelikalen Irrlehrern in den USA nahe steht und darum in der Gefahr ist, ebenso in den Haß abzugleiten und das Evangelium zu verlieren.

Tom schreibt:

Egal, welcher Schwachkopf auf die Idee kam, dass es über 30 Geschlechter geben solle – wo doch die Menschheit in „Mit-Glied“ und „Ohne-Glied“ aufgeteilt werden kann – plappern jetzt alle nach, was die Genderforschung an geistlichen Ergüssen von sich gibt. Die EKD stimmt in den Chor mit ein und hat jetzt beschlossen, dass die Kirche gendergerecht sein soll.

Ich weiß nicht, wie viele Geschlechter es geben soll. Ich bin mir aber sicher, daß es mehr sind als zwei. Sicher kann man die Menschheit in Mit Glied und ohne Glied einteilen. Aber zu welchem Zweck? „Da ist weder Mann noch Frau“ schreibt Paulus. Wieso also an der Differenzierung festhalten? Zumal es mehr gibt als Mann und Frau. Und die Einteilung auch nicht immer eindeutig ist. Was ist zum Beispiel mit Origenes? Männlein oder Weiblein? Er hatte sich ja bekanntermaßen aufgrund einer fragwürdigen Bibelauslegung selbst entmannt? Also Weiblein? Wen hätte er heiraten können? Als Weiblein wohl ein Männlein, aber da er selbst als Männlein geboren war ist das auch ein Problem nach dem Muster von Toms (bürgerlichen) Zeitgeites.

Und was ist mit den Menschen, die mit beidem geboren werden? Auch da gibt es ganz verschiedene Erscheinungen, die in der Schöpfung vorkommen. Was ist mit diesen Menschen? Männlein oder Weiblein? Und wen „dürfen“ sie heiraten?

Nein, es handelt sich bei der Genderforschung weder um Schwachköpfe, noch um Ergüsse, sondern um Menschen, die nach Lösungen suchen für das, was in der Realität vorkommt: Menschen mit unklarer Geschlechterzuordnung. Dazu gehören dann auch Menschen, die als Mann geboren werden und sich als Frau fühlen und umgekehrt.

Klar kann man die Menschen einteilen in mit Glied und ohne Glied. Man kann sie auch in Brillenträger und Nichtbrillenträger einteilen oder in Linkshänder und Rechtshänder, oder in Langhaarige und Kurzhaarige oder in Sympathische und Unsympathische. Nur, welche Rolle spielt das alles?

Tom schreibt:

Schwule, Lesben, Transsexuelle, Bi-Sexuelle usw. sind alle eingeladen in die EKD zu kommen. Nun, das wäre ja an sich nicht schlecht. Jesus Christus hat Sünder immer angenommen und sie sind zu ihm gekommen. Aber die EKD lädt ein, ohne die Leute auf die Notwendigkeit der Buße aufmerksam zu machen. Ja, bei Jesus sind Sünder willkommen, aber sie sollen nicht so bleiben wie sie sind, sondern zu neuen Menschen werden. Menschen, die in der Ordnung und Beziehung Gottes mit Ihm leben. Veränderte Menschen.

Wieso sollte die EKD hier einen Unterschied zwischen LGBT Menschen und Heterosexuellen machen? Sind nicht alle Sünder? Das Problem ist doch, daß bestimmte Kreise (zu denen Tom wohl gehört und auch die evangelikalen Irrlehrer in den USA) meinen, LGBT Menschen wären in besonderer Weise Sünder und müßten in besonderer Weise bereuen und Buße tun, und die damit diese Menschen gezielt aus den Kirchen vergraulen. Die EKD wirkt dem nur entgegen indem sie sagt: Es gibt vor Gott keinen Unterschied zwischen Schwulen, Lesben, Trnssexuellen, Heterosexuellen oder Bisexuellen. Ebensowenig wie es vor Gott einen Unterschied gibt zwischen Griechen und Juden, ziwschen Männern und Frauen, zwischen Freien und Sklaven. Alle sind eins in Christus!

Und was Jesus angeht, der die „Sünder“ aufnimmt:

Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.
Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.
Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?
Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.
Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

Die Zöllner galten den „Frommen“ der damaligen Zeit in etwa so als Sünder wie heute die Homosexuellen den Evangelikalen.

Und Jesus sagte einfach zu Matthäus: Komm mit, und er kam mit. Keine Rede von Buße. Keine Rede von anderer Mensch werden. Das verlangen die Pharisäer. Sie fragen, wieso er mit Zöllnern und Sündern ißt. Und Jesus verweist auf Hosea. Es geht nicht um das Sündersein, um die Opfer, die man bringen muß, um Buße zu erlangen. Es geht um Barmherzigkeit, um Liebe. Wieso nicht mit Zöllnern essen? Wieso nicht LGBT Menschen in die Kirche einladen? Wenn Jesus für die Sünder gekommen ist, dann würde ich mir Sorgen machen, wenn ich mich selbst zu den Frommen zählte, denn für die wäre Er dann ja nicht gekommen. So schließen sich Leute wie Tom implizit aus der Erlösung aus. Das würden sie natürlich nicht zugeben. Aber durch ihr Verhalten gegenüber LGBT Menschen machen sie deutlich, daß sie sich wohl doch als über ihnen stehend begreifen. Die müssen erst mal Buße tun. Wir haben das (nicht mehr) nötig, haben ihnen etwas voraus.

Wenn dem so wäre, bräuchten sie Jesus nicht mehr. Und daran kann man eigentlich schon erkennen, wie nahe man mit solchen Ansichten der Irrlehre kommt. Denn jeder braucht Jesus.

Tom schreibt:

Doch die Propaganda der beiden Gruppen innerhalb der EKD verzichtet auf einen Bußaufruf. Sie stellt das Perverse als normal dar. Damit wären wir bei Sodom und Gomorra. Eine Kirche, so wie sie in dem Video dargestellt wird, verkommt buchstäblich zum Scheißhaus. Traurig aber wahr. Eine Kirche, die keine lebensnotwendige Umkehr fordert, hat kein Recht mehr, den Namen Jesus Christus in den Mund zu nehmen. In jedem Geflügelzüchterverein gibt es mehr Regeln und wahrscheinlich auch mehr anständige Leute.

Die EKD mag nicht so laut zur Buße rufen. Aber wieso regt sich Tom darüber nur bei Homosexuellen auf? Wieso regt Tom sich nicht darüber auf, daß die EKD die Landeskirchlichen Gemeinschaften nicht mehr zur Buße ruft? Oder andere konservativere Gruppierungen? Meint Tom, diese hätten die Buße (nicht mehr) nötig?

Und ist es überhaupt immer angebracht, zur Buße zu rufen? Wir haben gesehen, daß Jesus bei der Berufung des Matthäus überhaupt nicht zur Buße rief.

Buße ist sicherlich wichtig. Und wer die Gottesdienste der EKD Kirchen besucht weiß auch, daß sie durchaus vorkommt. Manchmal sogar jeden Sonntag. Zumindest aber immer, wenn Abendmahl gefeiert wird. Kyrie eleison wird dann gesungen: Herr erbarme Dich. Sind das nicht die Worte eines Büßers?

Tom schreibt:

Ja, es gibt immer noch jemanden, der ärger ist als sein Vorgänger. Es gibt immer eine Steigerung der boshaften Dummheit. Irgendwann wird dieses Ärgernis normal sein und der Nächste kommt auf eine noch schlimmere Idee.

Das sehe ich auch so. Es wird Leute geben, die sich als noch rechtgläubiger wähnen als diejenigen, die dafür sorgten, daß die 10.000 Kinder ihre Unterstützung verloren. Sie werden die Irrlehre noch steigern. Und irgendwann ist es dann normal, daß man in „frommen“ Kreisen nicht mehr nach der LIebe fragt, sondern nach menschlichen Gesetzen und Buße der anderen. Jesus hat damit nichts mehr zu tun. Aber Jesus hat den „Fehler“ gemacht, Seinen Namen nicht als Wortmarke schützen zu lassen. Also kann Er mit weltlichen Mitteln nichts dagegen tun. Allerdings wissen wir auch, daß Gott es nicht lange zuläßt, daß in Seinem Namen Unheil angerichtet wird. Israel und Juda sind untergegangen. Und als aktuellstes Beispiel kann man vielleicht auf Fred Phelps, den Gründer der Westboro „Church“ verweisen, der im Namen Gottes Haß und Zwietracht gesäht hat und am Ende von seiner Kirche ausgeschlossen wurde und einsam im Hospitz starb. Echte Menschen Gottes sterben nicht, nach der Lehre dieser „Kirche“. Deshalb war ihnen seine Gebrechlichkeit ein sicheres Zeichen dafür, daß er nicht zu den Erwählten gehört. Ein lebhaftes Beispiel davon, wohin es führt, wenn man sich statt auf den Glauben auf Gesetzeswerke stützt, wie auch immer das Gesetz genau aussieht.

Tom schreibt:

Irgendwann werden wir dann im TV von Sex mit Tieren hören und zusehen müssen, wie zu offener Satansanbetung und Mord aufgerufen wird, auch innerhalb von denen, die sich Christen nennen.

Ist es denn keine Satansanbetung und Mord, wenn evangelikale Führer dazu aufrufen, im Namen Gottes(!) auf die Unterstützung von hilfsbedürftigen Kindern zu verzichten, um ein politisches Ziel zu erreichen, nämlich, daß Homosexuelle marginalisiert werden?

Tom schreibt:

Diese Gender-Stufe ist nur ein Vorgeschmack davon, was noch alles kommen wird. Eine Kirche, die hier mitmacht, sollte sich nicht mehr Kirche nennen. Die EKD wird zu dem verkommen, was im Video dargestellt ist – einem Scheißhaus.

Ich sehe es umgekehrt. World Vision ist ein Vorgeschmack dessen, was noch kommen wird. Die Gender Sensibilität ist ein Schritt in die richtige Richtung. Den Rest möchte ich nicht mehr kommentieren, das legt sich sozusagen selbst aus.

Kirche hat nach meiner Meinung nichts mit Ausgrenzung zu tun. Jesus grenzte nicht aus. Er nahm alle auf, und er forderte nicht immer und von allen Buße. Harte Forderungen stellte Er in der Regel dann, wen seine Gesprächspartner sich selbst rühmten, oder irgendwie mit ihm um Sicherheiten feilschen wollten, wie der reiche Jüngling, der wissen will, wie er das ewige Leben kriegt und dann meint, er hält sich an alle Gebote. Er hatte die falsche Einstellung, wollte ne to do Liste, um sich später darauf berufen zu können. Aber so läuft das nicht, also wird Jesus radikaler mit den Forderungen. Von Paulus wissen wir ja, daß es garnicht auf das Handeln ankommt, sondern auf den Glauben. Der Ansatz mit den to do Listen ist also der verkehrte. Setzt man auf den Glaubenund tut einfach, was man für geboten hält, paßt das schon eher. Auch ohne to do Liste. Und ohne zu meinen, man hätte selbst die Buße nicht mehr nötig oder nicht so nötig wie irgendwelche Sünder, Zöllner oder Homosexuellen.

Einen gesegneten Sonntag.

Gesellschaft

Culture wars on gay rights?

In Amerika gibt es angeblich einen Kulturkrieg. Auf der einen Seite stehen die progressiven Menschen, die für Schwule und Lesben die gleichen Rechte fordern. Auf der anderen Seite stehen die engstirnigen Evangelikalen, die gleichgeschlechtliche Ehen verbieten wollen und nicht müde werden, Schwule und Lesben voller Haß anzugreifen.

Daß es nicht ganz so ist, kann man bei Sojourners nachlesen. Demnach gibt es eine nicht kleine Gruppe von Evangelikalen, die man mit „ambivalent“ bezeichnen muß. Sie lehnen Homosexualität womöglich aus Glaubensgründen ab, ziehen aber keinerlei politische Konseuenzen daraus. Was den Kulturkrieg angeht, wechseln sie zwar nicht die Seiten, aber sie unterstützen auch nicht (mehr?) die konservativ-evangelikale Seite. Und das hat Auswirkungen. So kann man womöglich auch die Auflösung von Exodus International, einer Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hatte, homosexuelle Menschen zu „heilen“, unter diesem Gesichtspunkt sehen.

Allgemein gibt es wohl eine Verlagerung weg von der Prokalmation eines starken, mächtigen Gottes, den man zu fürchten hat, hin zu einem liebenden Gott. Beides hat positive und negative Seiten. Bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung weitergeht.

Netzfunde

Netzfunde vom Donnerstag, den 6. Juni 2013

Zuerst mal der Hinweis auf den Bog von Uwe Hermann. Uwe ist Pfarrer und schreibt schon ne Weile auf seinem Blog „lechajim“ (oder לחיים). Gestern hat er nen Artikel zum Bibelverständnis geschrieben, bei dem er auch einige der Artikel der letzten Tage zu Bergers neuem Buch auflistete. In Zukunft will er dazu auch noch aus eigner Perspektive schreiben, und sammelt noch Fragen, also schreibt ihm, je besser der Input desto besser der Output 😉

Doro schreibt über den (angeblichen?) Fachkräftemangel, und zwar aus einer mir bisher unbekanten Persoektive. Und zwar ist es wohl so, daß transsexuele Menschen bei der Geschlechtsumwandlung auch ihre Arbeitsplätze verlieren, was mir bisher nicht bewußt war, und was ich etwas irrsinnig finde. Aber lest selbst.

Früher, als die Welt noch in Ordnung war und jeder wußte, daß Religion das Problem und nicht die Lösung ist, war es durchaus chic und galt als wahnsinnig subversiv, wenn man Religion auf welchem Weg auch immer angriff. Keine Diffamierung war zu dumm. Manche ewig Gestirgen haben sich da bis heute kein Stück weit weiterentwickelt. Auf der anderen Seite des großen Wassers ist man da schon weiter. Dort wird inzwischen schon der religionsfeindliche kritisiert, Rebell ist nicht der Atheist, der gegen die Massenvernichtungswaffe Vaterunser vorgeht, sondern wer vorgegebene Bahnen verläßt und trotz allem ein Gebet spricht. Ich kann mich dem Herrn Alipius nur anschließen in seiner Freude über Roy.

Stellt sich noch die Frage, wie man das mit diesem Dunk dem Herrn Video denn werten soll. Krisrennt spricht von Zensur, weil der Sender das Video nun doch nicht ausstrahlen will. Der Sender spricht von Verunglimpfung religiöser Symbole. Ich denke nicht, daß man Fundamentalist sein muß, um solch ein Video abzulehnen. Ich mein, meinetwegen können die tausendmal ne Jesusfigur ablecken und auf nem „Altar“ das Röckchen lüpfen. Iss n freies Land. Aber das heißt nicht, daß jeder verpflichtet wäre, das dann auszustrahlen, oder das man das jetzt ganz toll finden müßte. Ehrlich gesgat verstehe ich auch nichtwie man dadurch Kritik am Zölibat oder dem angeblichen Ideal der Jungfräulichkeit lesten sollte? Ohne Erklärung würd ich da wohl nicht drauf kommen. Ich mein, wenn ich ein Video dreh und darin auf ein Judengrab pinkle, dann kann ich auch kaum hingehen und sagen, es ginge mir um die Freiheit Tibets. Da fehlt einfach der Zusammenhang ud was ich da täte, wär einfach pietätlos. Nun, ich sehe den Zusammenhang zwischen Jesuslutschen und Zölibat auch nicht. Zumal keiner zum Zölibat gezwungen wird und diejenigen, die sich dagegen aussprechen, meist selbst nicht im Zölibat leben müssen. Und Ideal der Jungfräulichkeit? Also ich verstand die RKK immer so, daß das Ideal ist, zu heiraten und viele viele Kinder zu kriegen, die man dann auch römisch-katholisch zu erziehen hat. Jungfräulichkeit ist diesem Ziel eher abträglich, aber ich kann mich irren…

Nein, ich hab vielmehr den Eindruck, es geht darum, auf die Scheiße zu hauen und Quote zu machen, weil es eben ziemlich mainstreamig ist, au alles was nach Kirche aussieht, einzudreschen. Und das find ich einfach nur billig, deshalb verlink ich das Video hier auch nicht direkt. Wer abseits vom Mainstream wirklich mal coole subversive Kritik leisten wil, der mache mal ein Video über die Vorzüge von Zölibat und Jungfräulichkeit (wenn man denn nciht von diesem Thema lassen will). DAS wäre doch mal ein Schocker. Das würde den Mainstream herausfordern. Das wäre dann auch wenigstens vergleichbar mit den Aktionen eher religionskritischer Künstler, die sich damals gegen den kirchlich geprägten Mainstream auflehnen wollten. Aber den Arsch dazu hat mal wieder keiner in der Hose.

We are in bondage of a book.

So schreibt Erzbischof Lazar Puhalo. Zu deutsch etwa: „Wir sind Gefangene eines Buches.“ Und weiter:

Ultimately, too many people worship The Book, rather than the deity they proclaim to be great.

Zu viele Menschen beten ein Buch an anstatt der Gottheit, die sie als „groß“ verkünden. Puhalo bezieht das auf alle Buchreligionen und beschreibt, wie all dies zu religiöser Gewalt führt. Mandy hat vor kurzem in ne ähnliche Richtung sich ausgedrückt, als sie schrieb, sie folge Jesus und nicht der Bibel (seht nach beim Artikel vom Uwe Hermann, den ich ganz oben verlinkt hab). Uwe, wenn Du das hier liest, Puhalos Text wär für Deinen nächsten Artikel vielleicht auch interessant 😉

Adam Ericksen hat nen wahnsinnig guten Artikel über den neuen Star Trek Film „Into Darkness“, dessen Bezüge zum Evangelium und zum Krieg gegen den Terror geschrieben. Einer der wenigen Artikel, die einen richtig von den Socken hauen. Und am Beispiel von Krik sieht man, daß ein Schuldbekenntnis nicht unbedingt mit Zerknirschung einhergehen muß, und trotzdem wirksam ist.

Nochmal Mandy: Sie hat ne wichtige Nachricht geschrieben über ne Frau, die ziemlichen Müll verzapft hat und nun wohl die Geister nicht mehr loswird, die sie rief. Ich bin ja nicht mehr bei Facebook und kann den Shitstorm nicht verfolgen, aber wir sollten echt drüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft die Medienkompetenz der Leute um ein paar Kilometer (oder mißt man das in Tonnen?) erhöhen!Das Problem ist halt, daß es sehr schnell zu Mobbildungen kommen kann und Facebook seine Verantwortung, hier regelnd einzugreifen wohl nicht ganz so ernst nimmt. Ist ja auch nur ne moralische Verantwortung, keine gesetzlich festgeschriebene.

Theodred hat einen weiteren Teil seiner Auseinandersetzung mit Deschners Kriminalgeschichte abgeliefert.In dem Zusammenhang verlinkt er auch einen Artikel der Legal Tribune, wo dann auch ne Magisterarbeit zu den Kinderhexen aus dem Kongo verlinkt wird.

Ach, noch ein wenig Bluckupy. Wie viele Demokraten müssen eigentlich noch von den Polizisten zusammengeschlagen werden, bevor Polizeibeamte bei solchen Demos identifizierbar werden? Und wenn der Staat Demonstranten so einschüchtert, wieso gestattet er uns dann noch ein Versammlungsrecht? So ist das nichts Halbes und nichts Ganzes!

Das Ehegattensplitting gilt auch für eingetragene Lebenspartnerschaften, und zwar ab jetzt seit 2001 (nein, das ist nicht widersprüchlich ;)). Find ich gut, daß es hier zu einer Gleichbehandlung kommt. Ich find ja Ehegattensplitting sowieso irrsinnig, weil Ehe bedeutet nicht, daß es Kinder gibt, und wenn immer vom Nutzen der Ehe für die Gesellschaf die Rede ist, dann geht es doch vor allem um die zu erwartenden Kinder; die Zukunft der Gesellschaft. Aber ich hab zu dem Themenkomplex sowieso nen anderen Ansatz.

Daß es ein guter Ansatz ist, die Person und ihre Taten voneinander getrennt zu sehen und zu bewerten, kann man dieser Tage in Torgau beobachten. Die dortigen Häftlinge haben zwar durchaus schlechtes getan – auch Mörder sind unter ihnen – aber deshalb müssen sie nicht selbst abgrundtief schlecht sein:

Wir sind Knackis, aber wir können damit zeigen, dass wir keine schlechten Menschen sind

sagt einer der Insassen, die mit blutigen Schwielen an den Händen Sandsäcke füllen für die Menschen, die vom Hochwasser bedroht sind. In der Not rücken die Menschen zusammen. Alle Menschen. Beim Film Full Metal Jacket, der im Vietnam Krieg spielt, sagt ein Soldat über einen Kameraden, der anderen sehr ruppig begegnet und ihnen droht, dieser sei unter Feuer der beste Freund, den man sich wünschen könne, er brauche einfach nur einen, der ständig mit Granaten auf ihn wirft. In der Not rücken die Menschen zusammen…

 

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde von Donnerstag, dem 4. Oktober 2012

Es sind wieder viele Artikel erschienen in den letzten Tagen, und einige davon möchte ich wieder mit Euch teilen:

Da wär zum Beispiel der Artikel vom „nicht überfrom, nicht allzu weise“ Blog über sittengefährdendes Verhalten. Ich weiß nun, daß sich das sowohl auf Reisen ohne Ehemann nach Saudi Arabien als auch auf Reisen ohne Ehefrau nach Jamaika (Thailand wohl auch, wurde aber nicht genannt) beziehen kann. Und daß man den Unterschied ohne ausreichend Kaffee vielleicht gar nicht mitkriegt. Bleibt nur die Frage: Wenn in Saudi Arabien Frauen diskriminiert werden, wenn sie nicht ohne Mann reisen dürfen, werden dann in westlichen Ländern Männer diskriminiert, wenn sie als Schutz gegen Sexskandale nicht mehr alleine reisen dürfen? Und regen wir uns darüber ebenso auf, wie über die Saudischen Behörden? Nebenbei: Es muß ja eine nicht geringe Zahl an muslimischen Frauen gegeben haben, die sich alleine auf die Hadsch machten. Paßt irgendwie nicht ganz zu dem Vorurteil, daß muslimische Frauen eingesperrt und unselbständig gehalten würden etc.

Zum Thema Papyrus Fragment zu Jesu Frau hat Stephan Witeschek von der Kath. Theol. Fakultät der Uni München bei lectio brevior ein paar Argumente beleuchtet, die für eine Fälschung sprechen.

Ein anderer katholischer Theologe, Bernhard Lang, hat in der NZZ derweil die These wiederholt, nach der der Lieblingsjünger des Johannesevangeliums Maria Magdalena, die „Gefährtin“ (also nicht verheiratet) gewesen sei (via). Ich wundere mich beim besprochenen Johannesevangelium bzw der Episode am Kreuz, auf die sich Lang bezieht, wieso die Mutter Jesu eine Schwester mit Namen Maria hatte. Zwei Schwestern mit dem gleichen Namen?

Der Herr Alipius macht sich Gedanken zur Gefährlichkeit des Internets. Während ich ihm zustimme, daß es durchaus bedenklich ist, wenn Behauptungen und unkritisches Übernehmen von Vorurteilen etc keinen guten Einfluß auf die Gesellschaft haben können, denke ich jedoch nicht, daß „das Internet“ ursächlich Schuld daran ist, sondern wahrscheinlich nur der „Ort“, an dem wir die gesellschaftliche Entwicklung in ihren negativeren Auswirkungen zeitweise relativ ungefiltert vor Augen geführt bekommt.

Aber Bildung tut not, echt jetzt, und damit komme ich zum Artikel von Alex über das hessische Bildungsprogramm und die dortigen Piraten. Das Busgespräch am Ende des Artikels zeigt deutlich, wie nötig Bildung ist.

Nochmal zum Herrn Alipius: Der hat auch noch was geschrieben zum Kirchensteuerurteil mit durchaus kritischen Anteilen. Mir kommt es so vor, als ob auch innerhalb der Landeskirchen die Kirchensteuer aus verschiedenen Gründen immer kritischer gesehen wird. Ein Aspekt, den ich kritisch sehe, ist zum Beispiel die Auslieferung an den Staat. Die Kirchen wissen selbst nicht, wer ihre Mitglieder sind, sondern bekommen das vom Staat gemeldet, mit Verspätungen. Außerdem kommen auch Fehler vor, so daß Ausgetretene auf einmal nachweisen müssen, wirklich ausgetreten zu sein. Darunter leidet das Image der Kirche, auch wenn der Fehler beim Staat lag, denn wie gesagt: Die Kirche weiß nicht, wer dazu gehört. Vielleicht wird es Zeit, darüber nachzudenken, welche Form der Finanzierung für katholische und evangelische Kirchen eine Alternative wäre. Die Überlegungen von berlinjc, so redlich sie auch sein mögen, bieten IMHO noch keine Lösung, aber können womöglich Richtungen andeuten, in die man denken kann. Eine interessante Frage dürfte sein, ob man das Geld hat und überlegt, was man damit anstellt, oder ob man ein (oder mehrere) Projekt(e) hat und zusieht, woher man das Geld dafür nimmt, oder besser gesagt: Wie man es umsetzt. Dann könnten auch die handwerklichen Leistungen „verrechnet“ werden, die Gemeindeglieder einbringen könnten.

Auf dem Uckerlandkirchenblog ist nachzulesen, inwiefern facebook doch ganz gut von Nutzen sein kann für die Kirche, wenn man ein wenig flexibel ist und darüber nachdenkt, was wo gebraucht werden könnte – vernetzt denken eben (via).

Als ich „Taufen per skype“ las, war ich doch etwas überrascht, was da im Uckerland läuft. Es geht aber „nur“ um die Taufgespräche. Eine Problematik, an die ich noch wenig gedacht habe. In Brandenburg – und auch sonst in Ostdeutschland – gibt es riesige Gebiete, die von nur einem Pfarrer versorgt werden. Da sind Treffen zu Kasualgesprächen schon schwierig zu managen. Wenn dann ein Partner kirchlich nicht gebunden ist, will man es diesem auch nicht so umständlich machen. Da sind Kasualgespräche per skype (oder anderer Alternativen? Wieso nicht Chat?) sicher eine Möglichkeit, falls die Leitung stark genug ist.

Beim Hellbound Blog geht es um das Lamb of God Lied „Walk with me in hell“. Ich finde den Gedanken sehr denkenswert, daß der Himmel leer sein müßte, wenn es eine Hölle gäbe, weil Jesus und all die Heiligen nichts dringenderes zu tun hätten, als den armen Verdammten Erleichterung zu verschaffen, ihnen beizustehen in der Höllenqual.

Ebenfalls bei den Jungs von Hellbound aufm Blog findet man ein Zitat von Erzbischof Lazar Puhalo bezüglich Glauben und Furcht. Und bei dem, was er sagt, kann ich ihm nur zustimmen.

In New York gab es wohl in der U-Bahn ziemlich üble Plakate, die dazu aufriefen, im Kampf zwischen zivilisierten Menschen und „Wilden“ Israel zu unterstützen und den Dschihad, also die religiöse Anstrengung im Islam, zu vernichten. Klar, man will hier mit dem Wörtchen Dschihad, das immer als Krieg gegen alles Ungläubige aufgefasst wird, und Krieg ist böse, da stimmen alle zu, Diskriminierung der Muslime möglich machen. Denn ebenso klar ist, jeder weiß, wer gemeint ist mit „Wilder“: Der Muslim, also alle Muslime. Um dies nicht für Hetze zu halten, muß man schon recht abgestumpft sein. Aber dnn gibt es noch diejenigen, die angegriffen werden, weil sie an der Anzeigenkampagne Kritik äußern. Alles zu lesen bei Sojourners.

Ebenfalls bei Sojourners nachlesen kann man, wie man Naziaufmärsche so richtig vereiteln kann. Allerdings habe ich Zweifel, daß die Antifa hierzulande über genügend Humor verfügt, das umzusetzen.

Nochmals Sojourners, und diesmal geht es darum, wie man (römisch-) katholisch sein kann, und zwar überzeugter Katholik, und trotzdem anderer Ansicht als die Kirchenführung. Hört sich einerseits sehr nach den Leuten vom Dialogprozess an, und auf der anderen Seite erfrischend anders. Und irgendwie reizt es mich jetzt auch, mit ner Nonne  nen Roadtrip zu machen.

Mandy hatte über Dirk Bachs Tod geschrieben und ziemlich üble Mails erhalten, worüber sie wiederum schrieb. Ich frage mich, inwieweit ein Christ es noch für christlich halten kann, derartige Haßmails zu schreiben, wie sie erhielt. Von Liebesgebot keine Spur! Und auch mich befällt da so ein Abgrenzungswunsch. Nich von „der Welt“, sondern von solchen homophoben Spinnern. Und dann denke ich wieder an das Zitat vom Erzbischof Puhalo, und wie Recht er doch hat…

Bei God didn’t say that geht es dann ganz passend um die entsprechenden Stellen zur Homosexualität im AT. Die Deutung, daß hier tatsächlich homosexueller Sex verboten wird, kann man teilen, muß man aber nicht. Ich habe schon zweifel, was das „Liegen mit einem Mann“ angeht, weil sonst für Sex eher „erkennen“ benutzt wird. Wichtig finde ich aber die Frage, was man mit solchen Aussagen anfängt, gegen Ende des Artikels. Denn Schweinefleischverbot und dergleichen belastet uns überhaupt nicht, während es beim Thema Homosexualität immer noch große Kontroversen gibt.

Nochmal Mandy, nochmal im Doppelpack. Sie hat nämlich auch geschrieben über Gebete, und darüber, daß sie oft unbeantwortet bleiben. Lesenswert.

So, jetzt hab ich zwar noch jede Menge Artikel, die ich gerne verlinken würde, es wird mir aber einfach zu viel. Also: Pech gehabt. Nächstes Mal vielleicht wieder.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Letzten

Dies ist der letzte Teil der Reihe „Schwule Pfarrer“ (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil, 4. Teil).

Alles wesentliche ist bereits gesagt, hier soll es sich um eine Zusammenfassung der Ergebnisse handeln. Dazu noch ein kleiner Ausblick, was all das nun eigentlich bedeutet.

Der Artikel, der zu dieser Reihe geführt hat, „argumentierte“ grob so, daß Pfarrer besondere Verantwortung haben, daß Gott sexuelle Sünden besonders hasse, daß (praktizierte) Homosexualität eine solche Sünde ist und daß deshalb (praktizierende) Homosexuelle niemals Pfarrer werden dürften, weil sie der Verantwortung nicht gerecht werden würden und so das Evangelium verfälschten.

Die Verantwortung der Pfarrer

Im zweiten Artikel der Reihe sahen wir, daß Pfarrr tatsächlich eine besondere Verantwortung haben in der Ausübung ihres Amtes. Ihre Verantwortung liegt darin, daß sie Gottes Willen nicht verfälschen dürfen. Also keine billige Gnade, um mit Bonhoeffers Worten zu sprechen. Damit ist gemeint, daß sie nicht sagen dürfen, daß es kein Problem sei, wenn jemand etwas Schlechtes tut. Etwas Schechtes muß etwas Schechtes bleiben. Der Täter ist von Gott angenommen, nicht die Tat, und dadurch hat der Täter auch die moralische Verpflichtung sich anzustrengen, die Tat nicht zu wiederholen. Er muß ein Einsehen in die Schlechtheit der Tat haben.

Würde ein Pfarrer Schlechtes tun, also etwas, das Gottes Willen widerspricht, und würde er daran festhalten, daß dies nicht schlecht wäre, dann wäre er ein schlechtes Vorbild und würde seiner Verantwortung nicht gerecht.

Das bedeutet aber nicht, daß man von einem Pfarrer erwarten soll, daß dieser nie etwas Falsches täte. Dann müßten die Kanzeln leer bleiben. Jeder Mensch macht Fehler, auch ein Pfarrer ist davor nicht gefeit. Wichtig ist hier, wie er mit seinen Fehlern umgeht, ob er sie so wie Wulff dann einräumt, wenn nix anderes mehr geht, oder ob er sie wie Käßmann eingesteht, Buße tut und die Konsequenzen zieht.

Nicht die Konsequenzen zu ziehen, bzw. den Fehler kleinzureden oder zu relativieren, das schadet dem Amt, und der Verkündigung des Evangeliums. Denn es begründet eine Doppelmoral, in der der Pfarrer für sich Dinge rausnimmt, die für andere nicht gelten.

Sexuelle Sünden

Im dritten Teil sahen ir, daß es so etwas wie sexuelle Sünden eigentlich gar nicht gibt. Jedenfalls spielen sie keine große Rolle. Was eine Rolle spielt, eine große Rolle sogar, ist der Götzendienst, also die Verehrung eines anderen Gottes, eines anderen Ideals, als Gott selbst. Solche Götzendienste werden dann häufig mit sexuellen Vokabeln umschrieben.

Das schlimme am Götzendienst ist immer, daß man damit nicht Gott folgt, sondern menschengemachten Größen, seien es Holzbilder, die mit Gold überzogen sind, oder Ideologien wie der Kommunismus. Der Mensch hängt sich dabei immer an seine eigene Macht, vertraut auf das Selbstgemachte, und nicht auf Gott.

Beispielsweise, wenn er, also der Mensch, dem Zeitgeist anhängt. Dann ist alles gut, was zu dieser Zeit bzw. in dieser Kultur als gut gilt. Die Kultur ist geprägt vom Menschen, der sich seine Gedanken dazu machte. So ist in den USA etwa die Todesstrafe gut, in Europa wird sie als schlecht angesehen. Gleiches könnte man mit zig Beispielen durchspielen. Was in einer Kultur gut ist, muß in einer anderen Kultur nicht auch gut sein. Der Zeitgeist, die Kultur, funktioniert nur schlecht als dauerhafter Maßstab. Und daß es schlecht ist, anderen nach unserer Kultur beibiegen zu wollen, was gut ist und was nicht, wissen wir spätestens, seit wir den Kolonialismus kritisch reflektiert haben.

Das darf man nun nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlecht, eine Kultur zu haben. Jeder Mensch hat eine Kultur und lebt in mindestens einer Kultur. Aber es ist kritisch zu sehen, wenn man unreflektiert an einer Kultur festhält und sie quasi als das Evangelium ausgibt. Das Evangelium ist keine Kultur, auch wenn es Kulturen seit 2 Jahrtausenden positiv beeinflußt. Und keine Kultur setzt das Evangelium perfekt um, denn jede Kultur ist menschengemacht und somit zeitlich, also fehleranfällig. An der Kultur, dem Zeitgeist festzuhalten ist somit nichts anderes, als an Menschlichem festzuhalten, als Götzendienst zu treiben.

Und ein solcher Zeitgeist ist die Sache mit der Beziehung der Sünde auf die Sexualität: die Leibfeindlichkeit. Die Bibe ist nicht so leibfeindlich, wie es viele Christen heute sind. Die Bibel macht sich keine Gedanken darüber, ob auch jeder brav nur Sex zur Fortpflanzung hat, ob auch jeder die Lust zu meinden sucht. Die Bibel vergötzt die Lust auch nicht, aber sie sieht sie als zum normalen Leben gehörig an. Sie ist nicht per se schlecht. Sex ist nicht per se schlecht. Zärtlichkeit ist nicht per se schlecht. Wie diese Gedanken ins Christentum gekommen sind – ich würde mal vorschtig vermuten, die Gnosis hat damit etas zu tun – kann ich nicht sagen. Ich bin mir aber recht sicher, daß es mit dem Evangelium von Jesus Christus nichts zu tun hat, wer mit wem ins Bett geht. Denn das Evangelium sagt, daß Gott den Sünder annimmt. Durchaus nicht die Sünde, aber den Sünder. Und es verlangt vom Sünder die Nächsten-, Feindes- und Gottesliebe. Jesus sagt, die Nächsten- und die Gottesliebe sei das ganze Gesetz und die Propheten. Demnach müßte sich alles daraus ableiten. Ich kann verstehen, wie sich das Götzendienstverbot darauf ableitet. Ich kann verstehen, wie sich der Ehebruch daraus ableitet, wie Diebstahl- und Mordverbot. Wie aber das Vorbot einer bestimmten Art der Sexualität, dei auf Augenhöhe geschieht, daraus abgeleitet werden sollte, erschließt sich mir nicht. Und keiner der Anti-Schwulen-Christen, die ich bisher traf, konnte diesen Zusammenhang herstellen.

Diese ganze Ablehnung bestimmter Arten gleichberechtigter Beziehungen sehe ich daher ganz in der Nähe des Götzendienstes. Hier wird versucht, eine Ordnung aufrecht zu erhalten, die doch selbst vom Menschen gemacht ist, die Kultur ist, und eben nicht identisch it dem Evangelium, und die deshal vor dem Evangelium zurückweicen müßte, wenn sie eine christliche Kultur wäre.

Homosexuelle Praktiken

Wir sahen im vierten Teil, daß es nur zwei Bibelstellen gibt, die für die Beurteilug der Homosexualität in Frage kommen, und daß es sich im einen Fall um eine rhetorische Figur handelt (in der es im Hintergrund wohl auch nicht um gleichberechtigte homosexuelle Beziehungen handelt) und im anderen Fall um eine ganz dunkle Formulierung, die so heute icht mehr entschlüsselt werden kann, und die nicht zwingend gegen homosexuelle Praktiken gerichtet sein muß. Sie gilt außerdem für Israel, das ins Land Kanaan einzieht, und nach dem Apostelkonzil dezidiert nicht für Heidenchristen wie uns.

Ob praktizierte Homosexualität ein Problem für Gott ist, muß also stark angezweifelt werden. Jedenfalls stärker, als das Verbot, Schweinefleisch zu essen oder milchige und fleischige Speisen zu mischen.

Vielmehr sieht alles danach aus, daß eine in Liebe geführte homosexuelle Beziehung, die von gegenseitiger Liebe und Verantwortung getragen ist, genauso wenig ein Problem ist, wie eine gleiche heterosexuelle Beziehung.

Schluß

Es gibt also keinen Grund, schwul Pfarrer für ungeeignet zu halten. Ungeeignet sind selbstherrliche Pfarrer, ohne Liebe, ohne Demut, ohne Reue. Pfarrer die alles schon wissen und daher auf Gott verzichten können, weil Er ihnen eh nix Neues mehr sagen kann. Ungeeignet sind Götzendiener-Pfarrer, die sich auf menschlichen Zeitgeist stützen und an ihm stärker festhalten als am Evangelium, denen das es-war-schon-immer-so wichtiger ist als der Mensch, dem sie eigentlich Nächsteniebe erweisen sollten.

Wenn es einen schwulen Pfarrer gibt, auf den all das zutrifft, dann stimme ich dem zu, daß er nicht geeignet ist für das Pfarramt. Aber das liegt dann nicht an seiner sexuellen Orientierung.

Sollte es aber wirklich so sein, daß ich die Bibel falsch interpretiere, und daß schwule Pfarrer wirklich ein Problem sind, dann ist das Problem eigentlich viel größer. Denn dann stelen die Kirchen aktuell Pfarrer ein, die ungeeignet sind. Dann ist die Auswahl der Bewerber vielleicht prinzipiell ungeeignet. Dann gibt es womöglich auch zig andere Pfarrer, die als Heterosexuelle ungeeignet sind. Die Kritiker sollten sich also nicht so ehr auf die Schwulen unter den Ungeeigneten einschießen, sondern analysieren und herausarbeiten, wie man geeignete Pfarrer ermitteln kann. Und dabei sollte nicht auf die Sexualität geachtet werden, denn der richtige Galube ist von der Sexualität unabhängig. Jedenfalls wird das ständig behauptet, wenn gesagt wird, daß ein nicht praktizierender Homosexueller kein Problem wäre.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Vierten

Das ist der vierte Teil (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil) der Reihe zum glaubereal-Artikel über schwule Pfarrer.

Im ersten Teil ging es um Vorüberlegungen.

Im zweiten Teil stand im Mittelpunkt, in wie weit ein Pfarrer eine herausragende Position oder Verantwortung hat. Ergebnis war hier, daß der Pfarrer in der Tat eine höhere Verantwortng hat aufgrund seiner Position, daß er aber auch normaler Mensch ist, der wie alle anderen Fehler machen kann. Zu dieser Frage kam es dann noch zu einem weiteren Artikel über Paulus, als Spin-Off sozusagen.

Im dritten Teil stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gott zu „sexuellen Sünden“ steht. Ergebis war, daß zumindest die Andeutungen im glaubereal-Artikel sich weniger auf das Sexuelle der Sünden bezogen, sondern darauf, daß es sich um Götzendienste handelte. Der Götzendienst, also der Verstoß gegen das erste Gebot, ist seinerseits aber durchaus eine besonders schlimme Sünde, weil sie Grundlage aller anderen Sünden ist.

Nach all diesen Klärungen können wir uns nun dem Hauptthema zuwenden, der Homosexualität. Ich halte es für wichtig, zwei Ebenen hier auseinanderzuhalten.

  1. Die Frage, ob es eine Sünde ist, überhaupt homosexuell zu sein.
  2. Die Frage, ob es eine Sünde ist, homosexuelle Handlungen auszuführen
    a) in jedem Fall.
    b) wenn sie zum Spaß (also aus hedonistischen Gründen ohne Bindung) getan werden.
  3. Die Frage, ob nur bestimmte homosexuelle Handlungen sündig sind, andere jedoch nicht.

Ich denke Punkt 1 läßt sich relativ frei beantworten. Mir ist kein Bibeltext bekannt, noch irgend eine Kirche, die allein das Empfinden, also das sich hingezogen fühlen zu einer Person gleichen Geschlechts, als Sünde deklarieren würde. Die konservativsten Positionen die ich kenne, haben kein Problem damit, wenn der (oder die) homosexuell empfindende zölibatär lebt. Eine „Heilung“, wie sie mancherorts angeboten werden, richtet sich an diejenigen, die kein zölibatäres Leben führen können oder wollen.

Auch wichtig ist mir hier festzuhalten, daß die Liebe zwischen zwei Menschen nicht an ein Geschlecht gebunden ist. Als Jonathan stirbt, sagt David, seine Liebe hätte ihm mehr bedeutet als Frauenliebe (2. Sam 1, 26). Es ist also nichts Verkehrtes daran, als Mann einen Mann zu lieben. Selbst David tat das, ohne daß es kritisiert wurde (im Gegensatz zu seiner „Liebe“ zur Frau des Uria).

Ich halte diesen Punkt für wichtig, festzuhalten. Er führt nämlich weiter zu der Frage, wie eine Beziehung zwischen zwei Männern zu bezeichnen ist, die auf gegenseitiger Liebe aufbaut, aber nciht sexuell ist. Was wäre, wenn ein Pfarrer mit einem Mann zusammenwohnen würde, ihn lieben würde, aber eben jeder in seinem Bett schliefe?

Ich will diesen Gedanken nur ansprechen und jedem zm eigenen Überdenken empfehlen. Denn wenn an den homosexuellen Gefühlen nichts Falsches ist, wenn auch David, der ja als heterosexuell gelten muß (oder höchstens Bi, sonst würde ja die Szene mit Batseba nicht stattgefunden haben), die Liebe eines Mannes über die der Frauen schätzte, dann wäre gegen ein zölibatär zusammenlebendes Paar Männer (oder Frauen) im Pfarrhaus nichts einzuwenden.

Punkt 2 hat zwei Unterpunkte. Ich möchte doch zuerst einmal den Textbefund klären, af den die Ablehnung der Homosexalität aufgebaut wird. Im glaubereal-Artikel werden folgende Bibeltexte genannt:

  • 3. Mose 18, 22 & 20, 13 (beide Stellen sind ziemlich identisch)
  • Röm 1, 26-27

Und ich bin der Meinung, damit sind alle auch nur in Frage kommenden Stellen genannt. Alle Stellen, die sonst noch vorkommen, haben recht wenig mit Homosexualität zu tun. Bei der Geschichte von Sodom und Gomorrah wird immer wieder ein derartiger Zusammenhang hergestellt, weil die Menschen von Lot verlangten, die Boten rauszugeben, damit sie „erkannt“ würden. Nun bedeutet „erkennen“ ja bekanntlich durchaus „Sex haben“ im AT, es bedeutet aber eben auch erkennen. Und wenn da Unbekannte in eine Stadt kommen und bei einem Zugezogenen einkehren, dann kann es durchaus ein Interesse daran geben, diejenigen zu erkennen, also herauszufinden, um wen es sich handelt und ob es vielleicht feindliche Spione sind.

Auch werden oft Passagen aus den Briefen genannt, die sich gegen Knabenschänder und Lustknaben richten. Aber auch hier geht es um etwas anderes. Die Lustknaben waren junge Männer, die bei älteren Männern in die Schule gingen und etwa in Philosophie, aber ach Kampf unterrichtet wrden. Also alles was man damals so als junger Grieche zu wissen hatte. Die älteren Männer hatten so ihre Lustobjekte. Auch spielten Geschenke von den alten an die junge Männer eine gewisse Rolle. Es waren also Abhängigkeitsverhältnisse, es war Sex gegen Bezahlung, eigentlich Prostitution. Daß das in der Bibel verurteilt wird, hat mit Homosexualität nichts zu tun.

Allerdings gab es in der Antike auch kaum homosexuelle Beziehungen, wie wir sie heute haben. Also Beziehungen auf Augenhöhe, die in der Liebe zueinander gründen, und nicht in Geschenken, Unterricht oder Lustgewinn.

In Rom war es beispielsweise für einen freien Mann verpönt, eine homosexuelle Beziehung zu einem anderen Freien zu haben. Beziehungen zu Sklaven waren kein Problem.

Das führt uns zur Römerbriefstelle:

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen17 haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,
und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt, indem die Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.

Zuerst fällt einmal auf, daß der Text mit „deswegen“ beginnt. Eigentlich geht es los in V22: „Da sie sich für Weise hielten…“. Was wird also gesagt? Paulus schreibt, daß die Menschen Gott durchaus erkennen konnten, aber Gott den Schöpfer mit dem Geschöpf vertauscht haben und statt Gott nun lieber Bildnisse angebetet haben. Und darauf folgt dann, daß Gott sie straft, indem sie Mann mit Mann und Fra mit Frau Schande treiben läßt etc. Hier ist also die homosexuelle Handlung eine Strafe Gottes. Sie taten, was nciht recht ist (V 28) und waren voll von Ungerechtigkeit nd Schlechtigkeit etc… (V 29ff).

Wichtig scheint mir, das Wort Begierde zu sein, bzw. Leidenschaften. Ich frage mich, was hat Paulus vor Augen? Ich denke wieder an die Beziehungen zwischen dem jungen und dem alten Mann in der griechischen Welt. Möglicherweise standen Erzählungen über Sappho Pate für den Teil, wo es um die Frauen geht.

Und damit hat Palus in Rom sicherlich Erfolg, ist der Verkehr zwischen zwei Freien doch dort verpönt. Wie dem auch sei, Paulus setzt hier jedenfalls voraus, daß das, was beschrieben wird, negativ ist, nicht nach Gottes Willen. Er argumentiert damit, in Rom denkt man ähnlich wie im zeitgenössischen Judentum über homosexuelle Praktiken, also kann er auf Zustimmung hoffen.

Trotzdem geht es eben um Begierde, und nicht um den Sex in einer auf Dauer angelegten Beziehung. Es geht um Lustgewinn, und dieser ist als Grundlage für Sex eben auch bei Heterosexuellen nicht ausreichend. Für unser Problem trägt diese Stelle also recht wenig aus. Sie bestätigt uns, daß Sex aus reiner Begierde zwischen Gleichgeschlechtlichen verkehrt ist.

Ein wenig anders sieht es aus bei den Levitikusstellen:

Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

So steht es in Lev 18, 22. Krasser noch Lev 20, 13:

Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.

Es geht also darum, beim Manne zu liegen wie bei einer Frau. Festzuhalten ist zuerst einmal: Hier geht es um eine bestimmte Form des geschlechtlichen Verkehrs, der verboten wird. Es geht nicht um die Liebe zwischen zwei Männern oder zwischen zwei Frauen, die verboten werden soll. Das entspricht dem, was ich oben schon schrieb.

Die Frage stellt sich nun, was denn genau gemeint ist mit „beim Mann liegen wie bei einer Frau“? Im Hebräischen ist es dann noch unklarer, da ist nämlich davon die Rede, daß man nicht bei Männlichem liegen soll. Es ist also nicht die Rede von einem Mann, sondern von etwas Männlichem. Wieso diese Unterscheidung? Wieso steht da nicht zweimal Mann? Wieso einmal „Männliches“? Handelt es sich etwa um keinen richtigen Mann? Das muß dunkel bleiben.

Eine andere Frage taucht auf: „wie mit einer Frau“. Im Hebräischen (und auch in der griechischen Übersetzung) steht genauer „Bettlager der Frau“ oder auch „Geschlechtsverkehr der Frau“. Das Wort für Bettlager kann auch Geschlechtsverkehr heißen (wobei es mir scheint, als ob im Hebräischen die Bedeutung „Lager“ häufiger ist, im Griechischen die Bedeutung Geschlechtsverkehr). Wieso diese Beschreibung?

Eine weitere Frage taucht auf: In der Geschichte von Sodom und Gomorrah ist die Rede davon, daß die Männer der Stadt die Fremden „erkennen“ wollen. Wieso, wenn es um ein generelles Verbot de sexuellen Verkehrs mit Männern geht, wird dieser Begriff hier nicht gebraucht?

Auch an anderen Stellen, wo Mann und Frau Sex miteinander haben, ist die Rede vom Hinlegen. Aber nicht die besondere Betonungs des Bettlagers oder Geschlechtsverkehrs der Frau. So stellt sich mir die Frage, ob hier vielleicht auch gemeint sein könnte, daß man nicht im Ehebett mit einem Mann schlafen soll, also quasi die Frau betrügen mit einem Mann, und ihr damit die Chance auf ein Kind nehmen.

Was genau gemeint ist, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls sieht alles danach aus, als ob es sich um eine bestimmte Situation oder eine bestimmte Art des Verkehrs handelt. Nicht verboten wird die Liebe zwischen zwei Männern. Nicht verboten wird der Kontakt, soweit er nicht „Geschlchtsverkehr der Frau“ ist. Verboten ist alleine das, was unter diesen dunklen Begriff fällt, der nicht mit dem allgemeinen „erkennen“ ausgedrückt wird und ach nicht nur mit „beieinander liegen“. Will man die Bibel ernst nehmen, muß man diese Abweichungen ernst nehmen.

Sieht man sich den Kontext an, so geht es bei all den Fragen im Umfeld sowieso nicht um irgend eine Moral, sondern um die Reinheit. Die Völker, die vorher im Land waren, haben all das getan, und haben sich damit kultisch unrein gemacht. Das Land sollte aber rein sein, deshalb mußte auch das Volk, das einwanderte, also die Israeliten, rein sein. Es geht also um einen kultischen Kontext. Darauf weist auch der Begriff Greul hin.

Wer sich also an diese Gesetze hält, der muß logischerweise auch all die anderen Reinheitsgebote halten, denn das eine macht so unrein wie das andere. Dies steht aber widerm im Widerspruch zum NT, in dem gesagt wird, daß Heidenchristen, also wir alle, nicht an das Gesetz der Juden gebunden sind. Paulus hatte sogar Tischgemeinschaft mit den unreinen Heidenchristen, obwohl er selbst ein Judenchrist war.

Abschließend läßt sich also sagen, daß es Paulus im Römerbrief nicht darum geht, über die Homosexualität eine Aussage zu machen, sondern sie als Beispiel nahm für etwas (zumindest) zum damaligen Zeitpunkt bei ihm sowie den Adressaten als negativ Verstandenes. Darüber hinaus spricht er von Begierden und Leidenschaften, die auch bei heterosexuellen Menschen nicht Grund für Sex sein können, solange keine Übernahme von Verantwortung dazukommt.

Im AT gibt es eine Stelle, die in zwei Versen vorkommt, einmal noch mit einer Todesdrohung. Was mit der Formlierung gena gemeint ist muß für uns heute dunkel bleiben. Jedenfalls wird eine bestimmte Praxis genauer benannt, denn anders sind die speziellen Wörter kaum zu erklären.

Darüber hinaus geht es um Reinheit, also ein kultisches und nicht um ein moralisches Ideal. Wer daran festhält, muß am ganzen Gesetz festhalten. Uns Heidenchristen ist das jüdische Gesetz aber laut NT nicht auferlegt. Demnach haben diese Gesetze für uns keine Relevanz. Genasowenig wie Paulus es für sich als relevant erachtete, keinen Umgang mit den Heiden zu haben. Er hatte ihn, er aß mit ihnen, er kritisierte sogar Petrus, als der mal so mal so tat (Gal 2). Es handelt sich um ein Gebot für die Israeliten für das Land.

Für uns hier und heute, die wir Beziehungen von Homosexellen auf Augenhöhe kennen, richtet es nicht viel aus. Für Homosexuelle gilt wie für Heterosexuelle, daß eine sexuelle Beziehung in Verantwortung geführt sein muß. Das leitet sich aus der Nächstenliebe her. Spaß einfach so ist nicht zu haben, dabei bleibt immer jemand auf der Strecke auf lange Sicht. Liebe kann jedoch nicht verkehrt sein. Egal, wer nun wen liebt.

Das einzige, was man vielleicht mutmaßen könnte, wäre der Verbot bestimmter sexueller Handlungen (und dann auch nur für die, die das ganze Gesetz halten, inklusive Beschneidung und Schweinefleischverbot!). Es ist jedoch fraglich, welche Praxis gemeint ist und selbst wenn man es wüßte, würde wohl niemand auf die Idee kommen, Kameras im Schlafzimmer installieren zu wollen, um zu sehen, ob sich auch alle schön an das Verbot halten.

Und aus all den dargelegten Gründen seh ich kein Problem darin, wenn zwei Menschen, die einander lieben und füreinander Verantwortng übernehmen, Sex miteinander haben. Egal welchen Geschlechtes sie sind.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Zweiten

Nachdem es im 1. Teil der Auseinandersetzung mit dem glaubereal-Artikel „Schwule Pfarrer???“ um die Frage nach der Bibel ging, geht es heute um die Stellung des Pfarrers.

Anfangen möchte ich mit einem Zitat:

Zunächst sei festgestellt, daß es in diesem Artikel nicht um gewöhnliche Menschen geht, die ein Laster haben, sondern um Pfarrer. Worin besteht das Amt des Pfarrers? Das Amt des Pfarrers ist es, sich um das Seelenheil der Glieder seiner Kirche zu kümmern. Der Pfarrer soll predigen: “Jesus Christus will und kann uns aus der Sklaverei jeder Sünde befreien” (Matth. 1, 21),  hört das Evangelium: “Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3, 16).

Die Frage ist also: Ist der Pfarrrer etwas besonderes, oder ist er es nicht? Ohne mschweife zustimmen kann man, wenn es darum geht, ob es zum Amt des Pfarrers gehört, zu predigen. Es hat auch Seelsorge und einiges mehr zur Aufgabe (häufig auch jede Menge Papierkram), aber das Predigen ist eine sehr wichtige Aufgabe des Pfarrers. Bei der Aussage, der Pfarrer habe die Aufgabe, „sich um das Seelenheil der Glieder seiner Kirche zu kümmern“ stutze ich und muß nachfragen:

Ist der Pfarrer für das Seelenheil der Gemeindegleider verantwortlich? Ist die Aussage so gemeint? Soll er vielleicht gar qua Predigt dafür sorgen, daß die Gemeindeglieder ihr Seelenheil erlangen? Oder ist damit lediglich das gemeint, was ich schon sagte: Seelsorge. Sich kümmern um diejenigen in der Gemeinde, die schwer zu tragen haben, in welcher Weise auch immer. Das kann dann durchaus auch Fragen des Glaubens betreffen, in denen der Pfarrer raten kann. Das kann auch unbewußt durch eine Predigt geschehen, wenn das entsprechende Gemeindeglied die Predigt als Wort Gottes erlebt, das ihn direkt anspricht und in seiner Situation aufhilft. Wie der Autor diese Aussage nun versteht, bleibt vorerst im Dunkeln. Sie scheint für ihn nur betonende Funktion zu haben. Betont werden soll: Nicht jeder kann Pfarrer werden, mit dem Amt des Pfarrers geht eine bestimmte Verantwortung einher.

Ein Stück weiter unten werden dann zwei Schriftstellen zitiert. Ich will sie hier übernehmen:

1 Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe.
2 Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren,
3 kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig,
4 einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit.
5 Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen?
6 Er soll kein Neugetaufter sein, damit er sich nicht aufblase und dem Urteil des Teufels verfalle.
7 Er muss aber auch einen guten Ruf haben bei denen, die draußen sind, damit er nicht geschmäht werde und sich nicht fange in der Schlinge des Teufels.
8 Desgleichen sollen die Diakone ehrbar sein, nicht doppelzüngig, keine Säufer, nicht schändlichen Gewinn suchen;
9 sie sollen das Geheimnis des Glaubens mit reinem Gewissen bewahren.
10 Und man soll sie zuvor prüfen und wenn sie untadelig sind, sollen sie den Dienst versehen.
11 Desgleichen sollen ihre Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch, nüchtern, treu in allen Dingen.
12 Die Diakone sollen ein jeder der Mann einer einzigen Frau sein und ihren Kindern und ihrem eigenen Haus gut vorstehen.
13 Welche aber ihren Dienst gut versehen, die erwerben sich selbst ein gutes Ansehen und große Zuversicht im Glauben an Christus Jesus.

Es geht um Bischöfe und Diakone, also Ämter, die mit der Gemeindeführung zu tun haben. Diese Bibelstelle gibt uns sicherlich einen Anhalt um zu verstehen, wie ein guter Gemeindeleiter sein soll.

Dabei gelten für den Bischof schärfere Regeln als für den Diakon, wohl auch deshalb, weil in der Situation, in die der Brief geschrieben wird, eine solche ist, in der der Bischof eine höhere Verantwortung trägt als der Diakon. Abgesehen von dem, was auch vom Diakon erwartet wird (Ehrbarkeit, kein Säufer, nicht geldgierig, nur eine Ehefrau, guter Haushaltsvorstand) wird vom Bischof noch verlangt, geschickt im Lehren zu sein, was wohl das Predigen meint, gastfrei zu sein, was wohl darauf hinweist, daß Gäste der Gemeinde vor allem beim Bischof wohnten, er sollte kein Neugetaufter sein (wohl auch, um nicht im ersten Enthusiasmus alles einzureißen, was ihm persönlich nicht ganz recht dünkt) und dann sind noch Attribute genannt, die einen gutherzigen aber würdevollen Menschen ausmachen, dem man sich gerne anvertraut, weil er auch ohne das Amt etwas gilt. Hierher gehört auch der gute Ruf.

Interessant ist die Doppelzüngigkeit, bzw das Verbot derselben beim Diakon, aber nicht beim Bischof. Ich würde auch nicht zu viel da hineinlegen. Denn wir sehen ja aus der Geschichte der Kirche, daß auch Menschen Pfarrer wurden, und gute Pfarrer, auf die nicht alles zutraf. So hatte Bonhoeffer gar keine Frau. Auch Luther war lange unverheiratet. Infolgedessen war auch kein Haushalt da, dem vorzustehen war. Von Luther wird gar berichtet, daß er einem guten Bier nicht abgeneigt war, obgleich ich zögere, ihn deshlb gleich als Säufer hinzustellen. Und was ist mit all den weiblichen Pfarrern? Davon gibt es jede Menge, die einen verdammt guten Job machen. Eine beispielsweise in meiner Heimatgemeinde. Sie predigen, machen Seelsorge, kümmern sich um die Gemeinde so gut wie es auch jeder Mann tut. Die meisten haben aber wie Bonhoeffer keine Frau. (und ich bezweifle stark, daß das irgendwer als Manko ansieht)

Wie dem auch sei ist es doch verständlich, wenn gewisse Regeln aufgestellt werden für die Person des Pfarrers. So geschah es im 1. Timotheusbrief und so ist es ach heute noch sinnvoll. Aus dem Brief kann man auch erkennen, was wohl ein besonderes Problem war: Geldgier, Gewalttätigkeit, Streitsucht, aber auch ein schlechter Ruf, selbst wenn man nichts dafür konnte. Die Gemeinde sollte nicht schlecht dastehen, nur weil sie die Leitung einem Menschen anvertraut hatte, der einen schlechten Ruf „in der Welt“ hatte, welcher nun auf die gesamte Gemeinde abfärben konnte. Da organisierte man sich lieber anders, um die Ausbreitung des Evangeliums nicht durch die Vorurteile der (noch) Ungläubigen zu hindern. Andernorts wurde das in anderem Kontext wunderbar beschrieben. Mir fällt spontan noch ein, wie Paulus schreibt, daß man keine langen Haare haben soll als Mann (1. Kor 11, 14), weil es die Natur lehrt. Die Natur steht hier aber im Gegensatz zu älteren Traditionen im Judentum. So hatte Simson bekanntlich lange Haare, ohne daß es ein Problem gewesen wäre. Das Problem trat erst auf, als sie ihm geschnitten wurden. Und Simson hatte lange Haare, weil Menschen, die Gott geweiht waren, allgemein lange Haare hatten (vgl. auch Lev 19, 27).

Der Begriff der Natur ist allgemein interessant. Wir können hier jedenfalls festhalten, daß er nichts mit einem etwa ewigen Willen Gottes zu tun hat, sondern mehr mit den Dingen, wie sie gerade sind. Weil es die Norm ist in der Gesellschaft, sollen Fraen ihren Kopf bedecken beim Gebet, Männer sollen dies nicht tun. Aus dem gleichen Grund sollen Männer keine langen Haare haben, Frauen aber schon. Aus dem gleichen Grund soll ein Bischof einen guten Ruf haben. Das Evangelium soll nicht durch Rufmord gefährdet werden.

Freilich gibt es Punkte, die für die Gemeinde wichtig sind. Dazu gehört zweifelsohne, daß der Bischof nicht geldgierig sein soll. Dies gilt umso mehr, wenn er das Vermögen der Gemeinde verwaltet. Und auch lehren soll er können, also predigen (aber auch Katechese gehört hierzu).

Damit ist dem glaubereal-Artikel hier zuzustimmen: Ein Pfarrer (oder Bischof oder Diakon) hat eine bestimmte Verantwortung. Was er tut, wirkt sich aus. Deshalb sollte die Kirche sich genau überlegen, wen sie zum Pfarrer beruft, und welche Regeln sie aufstellt.

Ich stimme dem Autor auch zu, daß es nicht sein kann, daß der Pfarrer eins predigt und das andere tut. Das würde die Predigt unglaubwürdig machen. Ich will noch nicht darauf eingehen, wie das nun mit dem schwulen Pfarrer ist. Diese Frage wird später noch ausreichend Raum finden. Viel wichtiger finde ich die Frage:

Muß man mit der Übernahme eines Amtes quasi zum Übermensch werden, der nie mehr sündigt? Dazu Paulus:

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Paulus ging nicht davon aus, daß er, als Apostel, nur Gutes tun könnte. Und trotzdem predigte er, und ich will meinen nicht mit wenig Erfolg. Wir dürfen also von unseren Pfarrern auch nicht erwarten, daß sie immer alles richtig tun. Ein Unterschied ist es freilich, wenn jemand seine Verfehlungen nicht als solche ansieht. Wenn also ein Pfarrer etwa lügt oder stiehlt dies auch offen zugibt, aber nciht als Problem ansieht. Und dann vielleicht noch allsonntäglich predigt, daß man nicht lügen und nicht stehlen soll.

Dann wird der Pfarrer unglabwürdig. Wenn er lügt, und er sieht es selbst als Verfehlung an, und er kehrt um und tut Buße und steht wie Paulus zu seiner Verfehlung, liegt die Sache anders.

Die Serie geht weiter. Nach derzeitigem Stand befaßt sich der nächste Artikel mit den „sexuellen Sünden“, was immer damit gemeint sein mag.

glaube, kirche, Schwule Pfarrer???

Manchmal platzt mir der Arsch!

Entschuldigung für die Ausdrucksweise, aber es beschreibt den Vorgang nun mal ziemlich gut in seiner Stärke. Schon seit längerem kommentiere ich ja auf einem Blog für Atheistische Selbstvergewisserung mit und störe die Vergewisserung ein wenig, wo sie unbegründet ist. Jedenfalls hoffe ich das. Dabei geht es nicht ohne Aufreger ab. Beiderseits. Und immer wieder der Vorwurf, was „die Kirche“ nicht so alles täte.

Gerne immer wieder genommenes Beispiel (neben anderen): Die Stellung zur Homosexualität bzw. der Umgang mit Homosexuellen. Nun müßte ich schon ziemlich weltfremd sein, wenn ich behaupten würde, daß „die Kirche“ hier gar kein Problem hätte. Selbst wenn man die römische Kirche bei Seite läßt – ich bin kein Römer, deshalb misch ich mich da ungern ein – auch bei uns Protestanten gibt es da antischwule Tendenzen, und zwar nicht nur in den Freikirchen!

Ich hatte dazu ja schonmal was geschrieben. Macht nix, ist ja alles auch schon ne Weile her. Heute nun stieß ich auf einen Blog, der dem Thema „schwule Pfarrer“ ne eigene Seite gewidmet hat, die über das Menu zu erreichen ist.

Beim überfliegen des restlichen Blogs hatte ich den Eindruck, der Blogbetreiber mag in mancherlei Hinsicht eine andere Ansicht als ich haben, sein Glaube scheint ihm aber so ernst zu sein wie mir, und so kann sich vielleicht ein Austausch unter Geschwistern entwickeln, der nicht zu dem Arschplatzen führt wie im Gespräch mit einigen Atheisten.

Der Artikel ist sehr lang, und deshalb werde ich versuchen, Stück für Stück die Argumente entlang zu gehen und meine Meinung dazu schreiben, ohne groß auf die Bewertungen einzugehen, die da sonst noch stehen. Das wird mehrere Beiträge in Anspruch nehmen, da der Text sonst viel zu lange wird. Hier nun das erste Argument und die Auseinandersetzung mit den Grundlagen:

Für die christliche Kirche kann niemals entscheidend sein, was Staat oder Gesellschaft zu einem Thema sagen, sondern nur was die Hl. Schrift dazu sagt.

Dieser Punkt ist richtig. Oder nicht richtig, je nachdem, wie man ihn versteht. Was der Staat zu einem Thema sagt kann für die Kirche kein Kriterium sein. Wäre dies der Fall, so könnte der Staat die Kirche ersetzen. Der Staat wäre Verkündiger der Wahrheit, so wie man das etwa in den Ostblockstaaten erlebt hat.

Gleiches gilt für die Gesellschaft. Die Gesellschaft hat sowieso nie mit einer Stimme gesprochen, und am lautesten sind häufig die falschesten Stimmen, die leider auch am einfachsten formulierte Lösungen bieten, was viele Menschen dann unreflektiert wiederholen. Auch die Gesellschaft kann nicht Kriterium für die Kirche sein, sie ist fehlbar wie der Staat.

Wie ist es nun mit der Bibel? Kann sie ein Kriterium sein? „Ja“, höre ich es schon allenthalben rufen und möchte fast einstimmen: „Ja, denn die Bibel enthält Gottes Wort, an dem wir uns als Christen und als Kirche ausrichten sollen.“ Doch der Ruf bleibt mir im Halse stecken. Mit der Bibel wurden Kriege, Sklaverei, Kolonialismus, kurz, Unterdrückung in allerlei Gestalt gerechtfertigt.

Bevor ich also lauthals in den Ruf einstimme, muß ich mir überlegen: Wieso hat das geklappt? Wieso konnte die Bibel für Derartiges mißbraucht werden? Und ich muß mir in Erinnerung rufen: Auch ich bin ein Sünder und grundsätzlich ohne weiteres in der Lage, auch ohne es zu wollen, die Bibel falsch zu interpretieren und somit zu mißbrauchen, was dann unweigerlich Folgen haben wird, so wie auch die früheren Mißbräuche Folgen hatten.

Ich muß also fragen:

  1. Was war die Ursache für die Mißbräuche damals?
  2. Wie hätte damals ein Mißbrauch des Textes verhindert werden können?
  3. Wie wende ich diese Erkenntnis auf die heutige Situation an, um nicht den Fehler von damals zu wiederholen?

Fragt man nach den Ursachen für den damaligen Mißbrauch, so sind wohl zwei Dinge zu nennen:

  1. Ein von Bibel und Glauben unabhängiges Interesse am Mißbrauch.
  2. Das Herausreißen von Bibelversen aus dem Kontext, ohne das Ganze der Bibel zu betrachten.

Für die Verhinderung folgt dann, daß man sich zuerst seines Interesses gewahr geworden wäre. Wenn ich an der Sklaverei Geld verdiene, wenn ich auf Sklaven angewiesen bin, oder wenn ich auch nur aus welchen Gründen auch immer, Menschen anderer Hautfarbe als minderwertig ansehe, dann beeinflußt dies mein Bibellesen.

Wir können uns nun heute hinstellen und sagen: Jaha, wir sind ja aber modern, wir hängen ja nicht mehr solchen altmodischen Ansichten an. Und schon beruft man sich auf die Gesellschaft, die ja anfangs als Kriterium ausgeschlossen wurde.

Ich meine dagegen vielmehr: Solche Interessen, wie oben genannt, kommen von der Sünde, von der Trennung von Gott. Da wir alle ohne Unterschied Sünder sind, wäre es Hybris zu behaupten, wir könnten heute nichts mehr falsch machen. Die Gefahr, daß der Zeitgeist sich in unsere Bibelauslegung einschleicht, besteht also weiterhin. Zumindest für den Fall, daß wir keine unfehlbaren Nichtsünder sind. Wären wir perfekt, könnten wir solche unbewußten Eigeninteressen beim Auslegen der Bibel ausschließen.

Was kann uns dabei helfen? Nun, es würde schon helfen, wenn wir nicht einzelne Bibelverse betrachteten, sondern auch anderslautende Verse zu Rate zögen, und die bereits vorliegenden Verse im Kontext betrachteten. So hätten wir ein stärkeres Korrektiv aus der Bibel selbst.

Dabei müssen wir beachten, daß die Bibel geschrieben wurde zu einer Zeit, die der unsrigen nicht sehr ähnlich ist. Ach damals gab es einen Zeitgeist, und auch damals mußten die Leute damit umgehen. Es gibt nun die verschiedensten Vorstellungen, wer denn Autor der Bibel wäre: Gott höchstselbst, Autoren, die alles von Gott in die Hand diktiert bekamen, Autoren, die durch Gott wie auch immer inspiriert waren oder ganz einfache Menschen, deren Texte warum auch immer überliefert wurden.

Da wir die Frage stellen, an wen sich die Kirche halten muß, können wir für die Bibel zumindest ausgehen, daß sie irgend etwas mit dem Gott der Kirche zu tun hat, daß sie eine Autorität ist, wieso auch immer.

Was wir weiterhin annehmen müssen, ist, daß sie auch zu alten Zeiten verstanden wurde. Die Bibel wäre überflüssig gewesen, wenn ihr Text zwar vor 2000 Jahren und früher entstanden wäre, sie aber den Menschen damals nichts zu sagen gehabt hätte, sondern nur uns modernen Menschen heute.

Die Aussagen müssen also in der damaligen Kultur schon verständlich gewesen sein. Wollen wir also eine gewisse Sicherheit gewinnen beim Auslegen der Bibel, so kann es nicht verkehrt sein, zu sehen, wie der Text wohl in seiner Entstehungszeit gewirkt hat. Demjenigen, der Gott für den Autor hält, kann dies nicht zuwider sein, denn er geht von einem ewig gültigen Wort aus, das auch damals galt. Dem liberaleren Christen kann es Recht sein, weil dies die Methode der historischen Kritik ist, die er auch an der theologischen Fakultät lernt.

Wir haben uns also unterhalten über die eigenen Interessen, die einem nicht zwingend bewußt sein müssen, wir sprachen über die Beachtung der Verse im Kontext sowie die Berücksichtigung der ganzen Bibel, und wir sprachen darüber, die Texte möglichst im Verständnis der Entstehungszeit zu begreifen.

Hierbei kann es zu Auseinandersetzungen kommen, wann genau ein Text geschrieben wurde, also was genau der Kontext ist. Auf diese Fragen ist dann im Einzelnen einzugehen.

Wenn wir nun all dies bedacht haben, haben wir dann den Willen Gottes erfahren? Oder bedarf es noch eines Schrittes? Wenn wir nun herausgearbeitet haben, daß ein bestimmter Vers in einer bestimmten Situation so und so verstanden wurde, wissen wir dann, was wir heute zu tun haben? Oder wenn wir mehrere Verse haben, die in unterschiedliche Richtungen weisen?

Wir können es nicht sicher wissen, deshalb bedürfen wir weiterhin des Gebets, der Gemeinschaft der Kirche und des Austauschs untereinander, und des Hörens auf unser Gewissen.

Der Geist mag wehen, wo ER will, das ändert nichts daran, daß Er uns verheißen ist. Darauf will ich vertrauen. Und wer jetzt fragt: Wieso all das vorherige Bedenken, überprüfen und Bibel exegetisieren?  – dem sei mit Paulus (1. Thess 5, 21) gesagt:

 Prüft aber alles und das Gute behaltet.

Freilich kann man auch so beten und von Gott den Weg gewiesen kriegen. Dann brächte man aber nicht einmal die Bibel. Diese ganzen Überprüfungen dienen vor allem dem: Nicht die eigenen unbewußten Interessen (und damit den Zeitgeist) in die Auslegung der Bibel hineinbringen.

Religion

Zensus 2011

Es ist ja bald Volkszählung. Und in meiner Timeline bei twitter (@tonnerkiller) tachen immer mehr Verweise auf Möglichkeiten auf, wie man sich dagegen wehren könnte.

Jetzt dachte ich: Volkszählung? Da war doch was! Und in der Tat, die Bibel weiß Rat:

1 Und der Zorn des HERRN entbrannte abermals gegen Israel, und er reizte David gegen das Volk und sprach: Geh hin, zähle Israel und Juda! 2 Und der König sprach zu Joab und zu den Hauptleuten, die bei ihm waren: Geht umher in allen Stämmen Israels von Dan bis Beerscheba und zählt das Kriegsvolk, damit ich weiß, wie viel ihrer sind. 3 Joab sprach zu dem König: Der HERR, dein Gott, tue zu diesem Volk, wie es jetzt ist, noch hundertmal so viel hinzu, dass mein Herr, der König, seiner Augen Lust daran habe; aber warum verlangt es meinen Herrn, den König, solches zu tun? 4 Aber des Königs Wort stand fest gegen Joab und die Hauptleute des Heeres. So zog Joab mit den Hauptleuten des Heeres aus von dem König, um das Volk Israel zu zählen.

5 Und sie gingen über den Jordan und fingen an bei Aroër und bei der Stadt, die mitten im Bachtal liegt, nach Gad und nach Jaser zu 6 und kamen nach Gilead und zum Land der Hetiter nach Kadesch zu und darauf nach Dan, und von Dan wandten sie sich nach Sidon zu. 7 Dann kamen sie zu der festen Stadt Tyrus und allen Städten der Hiwiter und Kanaaniter und in das Südland Judas nach Beerscheba. 8 So durchzogen sie das ganze Land und kamen nach neun Monaten und zwanzig Tagen nach Jerusalem zurück. 9 Und Joab gab dem König die Summe des Volks an, das gezählt war. Und es waren in Israel achthunderttausend streitbare Männer, die das Schwert trugen, und in Juda fünfhunderttausend Mann.
10 Aber das Herz schlug David, nachdem das Volk gezählt war. Und David sprach zum HERRN: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, HERR, nimm weg die Schuld deines Knechts; denn ich hab sehr töricht getan.
11 Und als David am Morgen aufstand, kam des HERRN Wort zu Gad, dem Propheten, Davids Seher: 12 Geh hin und rede mit David: So spricht der HERR: Dreierlei lege ich dir vor; erwähle dir eins davon, dass ich es dir tue. 13 Gad kam zu David und sagte es ihm an und sprach zu ihm: Willst du, dass drei Jahre lang Hungersnot in dein Land kommt oder dass du drei Monate vor deinen Widersachern fliehen musst und sie dich verfolgen oder dass drei Tage Pest in deinem Lande ist? So bedenke nun wohl, was ich antworten soll dem, der mich gesandt hat. 14 David sprach zu Gad: Es ist mir sehr angst, aber lass uns in die Hand des HERRN fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; ich will nicht in der Menschen Hand fallen. 15 Da ließ der HERR die Pest über Israel kommen vom Morgen an bis zur bestimmten Zeit, sodass von dem Volk starben von Dan bis Beerscheba siebzigtausend Mann.
So steht es im 24. Kapitel des 2. Samuelbuches. Wir lernen: Volkszählung böse. Sogar so schlimm, daß trotz Reue Davids eine Strafe sein muß, und zwar der Tod von 70.000 Menschen. Rechnet man es um auf die gezählten 1,3 Mio (500k in Israel und 500k in Juda), dann wären das etwa 5% der Bevölkerung. Geht man in Detschland von 80 Mio Menschen aus (nach dem Zensus wissen wir vielleicht genaueres), entsprechen 5% 4 Millionen Menschen. Das heißt, biblizistisch gedacht laufen wir Gefahr, 4 Millionen Mitmenschen an die Pest oder eine Hungersnot zu verlieren. Oder Merkel wird 3 Monate vor ihren Widersachern fliehen müssen. Wäre vielleicht für die breite Masse des Volkes noch hinnehmbar, aber schon der gute David ließ lieber andere leiden (jetzt mal ganz unreflektiert gesagt).
Jedoch kam schon im Umfeld der letzten, ursprünglich für 1981 geplanten Volkszählung dann auch das Ende für die Regierungszeit Schmidts. Sollte die Bibel doch Recht haben?
Jedenfalls meine ich, aus fundamentalistischer Sicht einen guten Grund gefnden zu haben, zum Wohle der Allgemeinheit, die Mitarbeit bei der Erfassung zu verweigern. Die entsprechende Bibelauslegung mag recht ungewöhnlich sein (wobei sie auch nicht viel anders funktioniert als die Auslegung, die Homosexualität zur Sünde machen soll und dergleichen fundamentalistische Auslegungen mehr), aber das hat zumindest bei der Zulassung des Schächtens für Muslime auch nicht gestört (es handelte sich um eine Minderheit, die es als notwendig ansah). Und dabei ist zu bedenken: Der Tierschutz steht im Grundgesetz, die Religionsfreiheit sowieso, der Zensus nicht!