Netzfunde

Netzfunde für Mittwoch, den 21. August 2013

Das Examen kommt näher, und auch die kirchliche Trauung. Daß wir dabei keine Fotografen haben wollen, da sind meine Frau und ich uns einig. Also, was den Gottesdienst betrifft. Danach, sicher. Ganz ohne Bilder ist ja doof. Aber es ist heutzutage halt wirklich ein Problem, daß bald jeder ein Smartphone hat und damit alles mögliche knipst, teilweise ohne Rücksicht auf andere. Und das tun halt manchmal auch Leute, die man sonst recht gern hat. Wie ich nun bei Heiko Kuschel gelernt habe, nennt man solche Leute „Uncle Bob“. Und sie stören nicht nur und verpassen die Chance, selbst den Gottesdienst zu genießen. Nein, sie machen im Zweifel auch dem Profifotograf das Arbeiten unmöglich. Aber den wird es bei uns ja auch nicht geben. Nur nen ganz normalen Traugottesdienst, wie früher, als noch nicht jeder nen Fotoapparat hatte.

Ralpe ist im Moment in den USA und schreibt auch einiges darüber. So hat er zum Beispiel einen Artikel gerebloggt (nennt man das so?) in dem es darum geht, daß viele evangelikale Jugendliche in den USA sich Katholizismus, Luthertum oder Anglikanischen Hochkirche zuwenden. War mir nicht bewußt. Man kann lesen, daß es daran hängt, daß sich die Jugendlichen in der Kirche ihrer Eltern nicht wohlfühlen, mit all den Bands und so weiter. So wie die Eltern sich eben in den traditionellen Kirchen nicht wohlfühlten.

Interessant finde ich nun eine weitere Beobachtung: Dort, wo evangelikale Gemeinden Wert legen auf eine intellektuell vertretbare Theologie und nicht nur auf Gefühle setzen, bleiben die Jugendlichen.

Mailin schreibt selten, aber wenn sie schreibt, ist es in der Regel gut. Jetzt hat sie sogar zwei Artikel kurz hintereinander veröffentlicht, beide sehr lesenswert.

Im ersten Artikel geht es um das bedingungslose Grundeinkommen, das Lukasevangelium (speziell Lk 22,17) und die Almosen. Arme, so schreibt sie in Rückgriff auf das Johannesevangelium, haben wir immer unter uns. Also wird es immer nötig sein, Almosen zu geben, und das tun wir auch. Aber das BGE wird von vielen abgelehnt. Aber man hat ja was Analoges in den USA: Man spendet viel Geld für alles mögliche, aber ein Sozialsystem? Um Gottes Willen, das wäre ja das Ende!

Im zweiten Artikel geht es darum, was gefährlicher ist, das Innere oder das Äußere. Sie behandelt die Thematik anhand des Verbots von Hakenkreuzen und Hitlergruß. Schlimm ist ja nicht das Hakenkreuz, schlimm ist all das, was in dem System passierte, das sich das Hakenkreuz zum Symbol ausgewählt hatte. Indem wir uns nun auf Äußerlichkeiten konzentrieren, wie Hakenkreuz und Hitlergruß, und das verbieten, besteht die Gefahr, daß wir übersehen, was die Menschen dazu bringt, bei solchen Systemen mitzumachen. Mailin hat Recht wenn sie schreibt, daß wir nicht wissen, was unsere Enkel einmal über uns sagen werden.

glaube, kirche, Religion

Drum prüfe, wer sich…

Die Onlineausgabe der österreichischen Krone Zeitung (entspricht in etwa der BILD) hat nen Artikel geschrieben über die Eröffngsrede des Papstes zum „Gerichtsjahr“. Wie man es von solch seriösen Medien erwartet kam es auch zu geringen Ungenauigkeiten (oder kennt der Papst das Kirchenrecht nicht), wenn da etwa steht:

Denn nicht nur in Bezug auf die Annulierungen rief er seine Mitarbeiter zu einer strengeren Handhabung auf. Schon bei der Spendung des Ehesakraments müsse gewissenhafter vorgegangen werden, meinte Benedikt XVI.

Nun ist es ja so, daß das Ehesakrament nicht vom Priester gespendet wird, sondern die Brautleute spenden es einander, aber man kann vom Artikelschreiber auch nicht verlangen, sich so gut in den katholischen Intera auszukennen, grad bei so seriösen Blättern wie der Krone. Jedenfalls läßt es Zweifel zu, ob denn alles genau so gemeint war, wie berichtet. Aber darum soll es gar nicht gehen.

Mir geht es vielmehr um die Rezeption des Artikels beim Blasphemieblog. Die Mahnung des Papstes, vor der Eheschließng genauer hinzusehen wird dort in den Kommentaren mit Mutmaßungen zu „Jungfräulichkeitstests“ und Ähnlichem in Verbindung gebracht. Es ist ja auch schon eine Anmaßung, wenn die Kirche die Heiratswilligen erst noch prüfen will.

Ist es das wirklich?

Zuerst muß einmal gesagt werden, daß kein Pfarrer gern den Trachtenverein spielt. Kein Pfarrer möchte, daß Kirche und Glabe als „netter feierlicher Rahmen“ betrachtet werden, das den Brautleuten sonst nichts bedeutet. Trauungen gehören zum Anstrangendsten, wenn ich dem glauben darf, was im Dienst befindliche Pfarrer mir sagten. Das muß nichts Schlechtes sein, die schönsten Dinge sind meist mit Anstrengung verbunden. Doch wenn es dann soweit kommt, daß an dem Tag alles perfekt sein muß und eine Spannung in der Luft liegt, die einem den Atem abschnürt, und dann noch der Fotograf sich nicht zurückhalten kann und dem Pfarrer seinen Job fast verunmöglicht, ist es vielleicht verständlich, daß der Pfarrer nicht nur mitsamt der Kirche den Statisten spielen will, der so tut als würde der kirchliche Aspekt der Geschichte den Brautleuten wirklich etwas bedeuten.

Insofern gibt es schon hier einen guten Grund für den Pfarrer zu prüfen, ob er der Geschichte zustimmen kann. Diese Prüfung wird jedoch in den weitas meisten Fällen positiv ausfallen und findet wohl auch eher unterbewußt statt. Im Grunde kann man schon davon ausgehen, daß die weitaus meisten Menschen, die sich wegen einer Trauung an den Pfarrer wenden, auch mit dem religiösen Aspekt etwas anfangen können, bei aller hektischen Planung jeder Sekunde (mit begleitender Fotodokumentation).

Ich komm aber vom Thema ab, denn darum wird es dem Papst wohl weniger gehen. Ich denke es geht vor allem darum, daß die Pfarrer sich auch mit dem Brautpaar befassen, bevor sie der Trauung zustimmen. So gibt es nicht ohne Grund das Tragespräch, wo sicher auch viele organisatorische Fragen geklärt werden und Liederwünsche etc erfragt werden, aber darüber hinaus stellt der Pfarrer durchaus auch persönliche Fragen.

Ich kann mich an einen Fall in der Familie erinnern, wo die Braut danach meinte, der Pfarrer sei sehr neugierig gewesen.

Hatte er sie nach schlüpfrigen Schlafzimmerdetails gefragt? Nein, er fragte, wie sie sich kennengelernt haben, was den einen am jeweils anderen begeistert, ob Kinder geplant sind, ob einer der beiden im Beruf zurückstecken wird, oder ob es andere Pläne gibt, ob sie genug Zeit füreinander haben etc.

Alles Fragen, die einerseits darauf abzielen, daß der Pfarrer in der Ansprache dann auch etwas über die Eheleute weiß (die er heute in der Regel ja nicht mehr kennt), die aber andererseits auch Fragen sind, die in einer Partnerschaft geklärt sein sollten, wie etwa der Kinderwunsch oder ob jemand zu Hause bleibt bei den Kindern etc. Der Pfarrer interessiert sich dabei weniger für die Antwort, vielmehr liegt es in seiner Verantwortung, diese Fragen, die vielleicht in der Beziehung noch nie zur Sprache kamen oder vermieden wurden, anzusprechen, damit sie auf dem Tisch sind und geklärt werden können, bevor daran später einmal die Ehe zerbricht. Manche Kirchen kennen zu diesem Zweck auch eigene Eheseminare, wo es dann auch um diese Themen geht (und oft auch um die Vermittlung von moralischen Vorstellngen etc).

Vor diesem Hintergrund ist meiner Meinung nach auch folgender Satz aus dem Krone Artikel zu verstehen:

Eine strenge Prüfung der Überzeugungen der Heiratswilligen könne verhindern, dass sie „aus emotionalen Impulsen oder oberflächlichen Gründen eine Verpflichtung eingehen, die sie anschließend nicht einhalten können“.

Wie der Pfarrer bei dem Gespräch vorgeht, liegt großteils an ihm, und so kann es bei einzelnen auch zu ganz krotesken Gesprächen kommnen, wie etwa hier.

Im Großen und Ganzen jedoch ist es eine gute Idee, zu prüfen, ob eine Ehe gelingen kann. Das tun die Eheleute in der Regel selbst schon, doch eine Unterstützng durch den Pfarrer, der ungeklärte Fragen aufwirft, kann sicher nicht schlecht sein.

Es geht darum Situationen wie die Folgende zu vermeiden:

In der Woche nach der Trauung klingelt es morgens zwischen 3 und 4 im Pfarrhaus, und vor der Tür steht der Bräutigam, in Tränen aufgelöst. Es hatte sich herausgestellt, daß, während er in der Frau die Liebe seines Lebens sah, sie die Sache eher locker nahm und lediglich heiratete, weil sie meinte, das müsse man auch einmal erlebt haben. So kam es dann auch dazu, daß der Mann die Frau in den Flitterwochen mit nem anderen im Bett erwischte. Die Ehe wurde nach kurzer Zeit geschieden und der Pfarrer lastet es sich an, daß er bei ein, zwei Dingen nicht nachgehakt hatte, im Gespräch.