Theologie

Credo

Der auferstandene Christus mit der Siegesfahne
Der auferstandene Christus kommt mit der Siegesfahne
Marco d’Oggiono [Public domain], via Wikimedia Commons
In seinem letzten Blogpost umreißt Thomas seinen Glauben in 5 Bibelversen. Die Idee hat er von Malte, der seinerseits einen Vortrag von Rod Rosenbladt übersetzte. (soviel zur Traditionsgeschichte)

 

 

Ich fand die Idee interessant, jedenfalls hat sie mich dazu inspiriert, mir ein wenig Zeit zu nehmen und zu versuchen, das für mich auszuformulieren. Dabei will ich mich nicht auf einzelne Verse beschränken, sondern eher auf Aussagezusammenhänge; die können dann auch gerne mal länger sein. Los geht’s:

 

Schöpfung (Gen 1, 1-5)

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Mußte ich fürs Hebraicum auf Hebräisch auswendig lernen (wie wahrscheinlich die meisten Hebräischlernenden hierzuland). Wichtig ist mir hier zweierlei:

  1. Gott erschafft nichts aus dem Nichts, sondern es war schon was da: Das Tohuwabohu des hebräischen Textes übersetzt die Lutherbibel mit „wüst und leer“.
  2. Gott schafft, indem Er ordnet. Er trennt Licht von Finsternis, Wasser von Land etc etc. So schafft er aus dem lebensfeindlichen Chaos einen Ort, an dem Leben möglich ist.

Sünde (Gen8, 21)

Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.

Mich interessiert weniger, wie genau die Sünde in die Welt kam, wichtiger finde ich die Feststellung, daß die Sünde nun einmal da ist und wir mit ihr umgehen müssen. Das Faktum der Sünde wird an vielen Stellen der Bibel erwähnt. Was mir hier gefällt ist, daß die Sünde nicht als Grund für Strafen und dergleichen vorkommt, sondern als Begründung dafür, nicht mehr zu strafen.

Offenbar nimmt Gott hier Rücksicht auf die Befindlichkeit des Menschen – und fordert nicht bei Strafandrohung die Einhaltung von Gesetzen, die der Mensch eh nicht in der Lage zu erfüllen ist.

Rettung (Kol 2, 12-15)

12 Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet.
15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

Die Lösung des Sündenproblems ist das Kreuz. Am Kreuz wurden die „Mächte der Finsternis“, Sünde, Tod und Teufel ihrer Macht beraubt. Danach wurden sie verspottet. Das ist hin und wieder auch Bestandteil bei Osternachtsgottesdiensten: Das Triumphlachen über den Tod.

Die Schuld, mit der der Teufel (das Böse personifiziert gedacht) uns gefangen hielt, wird ans Kreuz gehängt und belastet nicht mehr, schüchtert nicht mehr ein. Wir sind frei!

Konsequenz (Gen 1, 27)

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Tippfehler? Nein! Aber von vorn: Die Konsequenz aus unserer Rettung, aus der Lösung des Sündenproblems ist der Wunsch, fürderhin mehr Teil der Lösung als Teil des Problems zu sein. Also streben wir danach, Gutes zu tun (nicht um die Erlösung zu erlangen, sondern weil wir erlöst sind).

Der oben zitierte Vers schlägt den Bogen von unserem Antworten in den Taten zur Verehrung Gottes, der ja Grund und Ursprung der Taten ist: Mit „Bild“ ist hier ein Götterbild gemeint. Wir,dieMenschen, sind das Götterbild des einen Gottes. Er wird nicht abgebildet, weil man Ihn in uns erkennen kann (oder soll).  So wird in unseren guten Taten die Güte Gottes offenbar. Das Bild entspricht der Vorlage.

Das Gegenstück dazu finden wir in der Götzenpolemik bei Deuterojesaja (Jes 44, 12-19):

12 Der Schmied macht ein Messer in der Glut und formt es mit Hammerschlägen. Er arbeitet daran mit der ganzen Kraft seines Arms; dabei wird er hungrig, sodass er nicht mehr kann, und trinkt auch kein Wasser, sodass er matt wird.

13 Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem Hause soll es thronen.

14 Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt und der Regen ließ sie wachsen.

15 Das gibt den Leuten Brennholz; davon nimmt er und wärmt sich; auch zündet er es an und bäckt Brot; aber daraus macht er auch einen Gott und betet’s an; er macht einen Götzen daraus und kniet davor nieder.

16 Die eine Hälfte verbrennt er im Feuer, auf ihr brät er Fleisch und isst den Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer.

17 Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott!

18 Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet, dass ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nichts merken können.

19 Er kommt nicht zur Einsicht; keine Vernunft und kein Verstand ist da, dass er dächte: Ich habe die eine Hälfte mit Feuer verbrannt und habe auf den Kohlen Brot gebacken und Fleisch gebraten und gegessen, und sollte die andere Hälfte zum Götzen machen und sollte knien vor einem Klotz?

Bei den Götzen sind die Bilder aus Holz und können nichts tun. Deshalb werden diejenigen unvernünftig genannt, die sich vor einem Holzklotz niederwerfen.

Geborgenheit (Röm 8, 38f)

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Es geht in beide Richtungen. Wir wenden uns nicht nur von Gott gesandt in die Welt, um Gutes zu tun, wir können auch aus der Welt zu Gott Zuflucht nehmen, wann immer wir Geborgenheit und Sicherheit brauchen. Bei allem, was uns widerfahren kann ist eins klar: Wir sind gerettet, Gott gibt uns nicht preis. Um’s Verrecken nicht!

Glaube

Sich selbst zu Markte tragen

Bei „Lumières dans la nuit“ lernt man nicht nur solch wunderbare Begriffe wie „Mitmöse“ als Pendant zum Mitglied, man wird auch hin und wieder auf neue Denkwege gebracht. So beim Mitmösenartikel.

Dort geht es um Prostitution und Selbstmarketing. Mich hat es dazu gebracht, nochmal zu überlegen, wieso Prostitution so oft als verwerflich angesehen wird, während die Erwerbsarbeit allgemein akzeptiert wird.

Es hat sicher auch mit der antiken Körperfeindlichkeit zu tun, die dann irgendwie wohl über Augustinus in die Kirche kam und dort ihr Unwesen trieb und in manchen Ecken noch treibt, aber ich denke, zumindest wir heute beziehen uns in der Ablehnung der Prostitution vor allem auf die Ausbeutung der Prostituierten. Verwerflich ist der damit zusammenhängende Menschenhandel, die Abhängigkeit der Prostituierten von Freiern und Zuhältern. Und dann kann man sich noch Gedanken drüber machen – meist kommt das dann aus religiösem Hintergrund – inwieweit Menschen, die sich freiwillig prostituieren, sich nicht auch nichts Gutes tun, inwieweit diese Arbeit an sich kaputt macht, auch wenn man sie freiwillig macht.

Und dann kommt Elias mit seinem Artikel und zieht die Parallele zum „normalen“ Erwerbsleben. Und ich muß sagen, da ist was dran. Sind diejenigen, die ihre Arbeitskraft zu Markte tragen nicht auch Gefangene? Gut, man muß wirklich Abstriche machen, was ihre Freiheiten angeht. Die wenigsten wurden entführt und in ein Land gebracht, dessen Sprache sie nicht sprechen, um eine Arbeit zu verrichten, die sie nicht tun wollen. Die meisten haben sich für den Job beworben. Trotzdem, auch wenn es bei der Fabrikarbeit keine Sklaverei mehr gibt: Von den Geschäftsführern werden sie genauo als Objekte behandelt, wie die Prostituierten, da helfen auch die Gewerkschaften nicht viel. Die sorgen nur dafür, daß der Preis für den Menschen recht hoch ist, indem sie sowas wie Monopole etablieren. Trotzdem bleiben die Arbeiter würdelos in der kapitalistischen Berechnung, sie werden nicht als Menschen wahrgenommen, sie existieren nicht um ihrer selbst Willen, sondern um des Profits Willen. Wo sie den Profit nicht mehren können, werden sie abgeschafft. Auf welche Weise auch immer, hauptsache sie sind weg und kosten nichts mehr.

Die Durchkapitalisierung unserer Gesellschaft, in der jeder nur noch insofern existenzberechtigt ist, als daß er Profit bringt (wem eigentlich?) ist inzwischen ja schon so weit, daß offen darüber gesprochen wird, ob man Kinder, die bestimmten Qualitätskriterien nicht entsprechen, nicht abtreiben müßte, weil, die kosten ja nur, bringen keinen Profit. Oder die Schwangerschaft und die Erziehung der Kinder entzieht die Eltern zu lange dem Marktgeschehen, bindet zu viel Produktionspotential. Man muß immer Marktkonformer werden, gestern abend, ich glaub bei Monitor, war die Rede davon, daß immer mehr Kinder mit immer mehr psychischen Erkrankungen gelabelt werden, weil sie irgendwelchen Kriterien nicht mehr entsprechen. Sie sind quasi nicht geeignet für den Produktionsbetrieb, kaputt, und müssen vom Psychodoc repariert werden, damit sie wieder volle Daseinsberechtigung haben, „echte“ Menschen sind. Auch hier: Menschen als Objekte. Als Mittel zum Zweck, nicht selbst Zweck.

So machen wir uns kaputt. Wir rennen einem Götzen nach. Dem Götzen des Marktes, dem Götzen der Entwicklung, des Fortschritts, der Machbarkeit. Der Mensch hat einem Zweck zu dienen. Tut er dies nicht, wird er als kaputt gelabelt. Paßt er sich bis zum Umfallen an, geht er über kurz oder lang wirklich kaputt. Aber hauptsache die Wirtschaft floriert, hauptsache der Götze ist gewogen, und straft nicht mit Finanzkrisen und Staatsbankrott. Zweck ist dem Götzendiener der Götze, die Menschen werden zu Mitteln zum Zweck.

Wie viel anders ist da Gott! Er verweist gleich auf den Mitmenschen. Nicht Gott ist Zweck, sondern der Nächste: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Liebet Eure Feinde, tut wohl denen, die Euch hassen. Damit wird jedem Menschen zugesprochen, selbst Zweck zu sein, und jeder Mensch, egal wer, wird auch als Selbstzweck deklariert. Da kann man dann nicht von Menschen als Objekten reden, und sie auch nicht so behandeln, ob Prostituierte, Arbeiter oder Sklaven. Da wird die Arbeit dann nicht zum Selbstzweck, dem die Menschen geopfert werden, sondern die Arbeit hat den Menschen zu dienen. Sie hat dafür zu sorgen, daß das produziert wird, was gerade gebaucht wird.

Vielleicht ist das fortschrittsfeindlich. Vielleicht hemmt das die Entwicklung, weil es ineffizient (noch so ein Unwort) ist. Aber wer sagt denn, daß immer neue Dinge entwickelt werden müßten, für die dann mit großen Werbekampagnen erst noch ein Bedürfnis geschaffen werden muß? Wer sagt, daß es gut ist, wenn wir diesem Mechanismus unsere Umwelt, unsere Mitmenschen und uns selbst opfern? Warum nicht danach fragen: Welches Ziel will ich erreichen, und dann sehen, wie man das finanziell hin kriegt, anstatt zu fragen, wie viel Geld man verdienen will (meist ist die Antwort hier auch recht trivial: mehr!), um dann zu sehen, wie viel Mensch udn Material man dem opfern kann?

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 23.03.2012 (2. Chr 14, 10)

Da Bonifatz auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub (nennt man das so? Darf ich sagen, wo Du hinfährst?), versuch ich mich mal ein wenig beim Wort zum Tag. Ich hoffe, ich kann der Aufgabe gerecht werden.

Der heutige Losungstext steht in 2. Chr 14, 10:

HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

„Steht in“ ist wörtlich zu verstehen. Der Vers ist eigentlich länger. Doch möchte ich auch den Lehrtext mitbenutzen, den die Herrnhuter den Losungen hinzfügen. Dieser steht heute in Philipper 4, 19:

Gott, dem ich diene, wird euch alles geben, was ihr braucht, so gewiss er euch durch Jesus Christus am Reichtum seiner Herrlichkeit teilhaben lässt.

Ja, das ist kein Luthertext, das ist Gute Nachricht. Irgendwie versteh ich nicht ganz, wieso  die den zweiten Halbsatz so übersetzen. Macht nix, hier noch einmal den Luthertext:

Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

Traditionell gesehen

Traditionell ist es ja so, daß der Lehrtext die Losung auslegen soll. Während der Losungstext tatsächlich gelost wird, ist der Lehrtext dazu eine bewußte Auslegung. Und wenn man den AT Satz alleine hat, braucht man die vielleicht auch. So viel gibt der alleine nicht her. Gut, wir wissen daraus, daß Gott dem Schwachen gegen den Starken helfen kann, daß es Ihm nicht schwer fällt.

Aber sonst? Sonst gar nix. Kein Wort dazu, ob Gott das überhaupt vorhat, oder ob Er vielleicht das Gegenteil verfolgt, ob es Gott egal ist und erst motiviert werden soll, z dem Schwachen zu stehen.

Durch den Lehrtext erfahren wir: Gott wird uns geben, was wir brachen. Er wird unserem Mangel abhelfen.

Den Blick weiten

Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn Verse so as dem Zusammenhang gerissen werden. Wie ist das nochmal beim Kontext vom Losungsvers?

Es geht um den König Asa von Juda. Er gehört zu denjenigen, die gelobt werden, weil sie die Verehrung anderer Götter unterbinden. Zumindest am Anfang seiner Regierungszeit (das blieb nicht immer so, aber darm geht es heute nicht) gehört er klar zu den gottgefälligen Königen Judas. Er lebt ruhig im Lande, es gibt keinen Krieg, und er nutzt die Zeit, um die Verteidigungsanlagen auszubauen.

Dann bricht Krieg aus. Die Kuschiter unter Serach fallen ins Land ein. Es ist die Rede von einer Million Soldaten und dreihundert Streitwagen. Dem gegenüber sehen die 580.000 Mann Asas recht mickrig aus.

Sicher sind diese Zahlen übertrieben (welche moderne Armee hat schon 1 Mio Soldaten? Nicht viele!), aber klar wird: Da kommen jede Menge Feinde und man hat nr etwa die Hälfte an Männern entgegenzusetzen. Eigentlich eine ausweglose Situation. Was tut Asa? Er zieht dem feindlichen Heer entgegen, ruft Gott an, und dann kommt der Losngstext: Es ist Dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

Es geht hier nicht um irgend eine theoretische Aussage über Gottes Möglichkeiten. Es handelt sich um die Einleitung zu einem Hilferuf an Gott in der Bedrängung. Denn der Vers geht weiter:

Hilf uns, HERR, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich, und in deinem Namen sind wir gekommen gegen diese Menge. HERR, du bist unser Gott, gegen dich vermag kein Mensch etwas.

Darum geht es im Grunde: Du bist stark genug zu helfen, also hilf! Und was passiert? Die Kschiter werden vernichtend geschlagen. Keiner überlebt, die Judäer plündern und machen große Beute.

Das ist zwar jetzt nicht politisch korrekt, aber darum geht es gar nicht. Der Punkt ist: Asa wird bedroht, Asa vertraut auf Gott, das Unmögliche geschieht, die Gefahr wird in einen Segen verwandelt für Asa und die Judäer: Sie machen reichlich Beute.

Wie stand noch bei Philipper? „Mein Gott wird all Eurem Mangel abhelfen“.

Und was ist der Kontext dieses Textes? Paulus beschriebt, wie er von den Philippern finanziell unterstützt wurde. Er habe keinen Mangel gehabt, aber es sei gut gewesen, daß sie ihm etwas schickten, da er nun Überfluß habe. Und dann kommt der Lehrtext: Der Mangel, der durch die Gaben an Paulus entstanden wird durch Gott ausgeglichen werden.

So hängen beide Texte durchaus miteinander zusammen, denn beide thematisieren Gottes Hilfe für den, der Mangel leidet (ob finanziell oder an Soldaten), aber es gibt auch Unterschiede. Denn während Asas Sieg über die Kuschiter berichtet wird, also Gottes Hilfe konkret beschrieben wird, spricht Paulus nur davon, daß das Ausgleichen des Mengels geschehen wird. Berichtet wird es uns hier nicht.

Insofern ist der Lehrtext zwar ein Hinweis für das Verständnis, das Lesen der ganzen Geschichte von Asa dient dem Verständnis aber mehr.

Es ist also durchaus sinnvoll, wenn Bonifatz die Lehrtexte wegläßt, und lediglich die Losungstexte behandelt.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Letzten

Dies ist der letzte Teil der Reihe „Schwule Pfarrer“ (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil, 4. Teil).

Alles wesentliche ist bereits gesagt, hier soll es sich um eine Zusammenfassung der Ergebnisse handeln. Dazu noch ein kleiner Ausblick, was all das nun eigentlich bedeutet.

Der Artikel, der zu dieser Reihe geführt hat, „argumentierte“ grob so, daß Pfarrer besondere Verantwortung haben, daß Gott sexuelle Sünden besonders hasse, daß (praktizierte) Homosexualität eine solche Sünde ist und daß deshalb (praktizierende) Homosexuelle niemals Pfarrer werden dürften, weil sie der Verantwortung nicht gerecht werden würden und so das Evangelium verfälschten.

Die Verantwortung der Pfarrer

Im zweiten Artikel der Reihe sahen wir, daß Pfarrr tatsächlich eine besondere Verantwortung haben in der Ausübung ihres Amtes. Ihre Verantwortung liegt darin, daß sie Gottes Willen nicht verfälschen dürfen. Also keine billige Gnade, um mit Bonhoeffers Worten zu sprechen. Damit ist gemeint, daß sie nicht sagen dürfen, daß es kein Problem sei, wenn jemand etwas Schlechtes tut. Etwas Schechtes muß etwas Schechtes bleiben. Der Täter ist von Gott angenommen, nicht die Tat, und dadurch hat der Täter auch die moralische Verpflichtung sich anzustrengen, die Tat nicht zu wiederholen. Er muß ein Einsehen in die Schlechtheit der Tat haben.

Würde ein Pfarrer Schlechtes tun, also etwas, das Gottes Willen widerspricht, und würde er daran festhalten, daß dies nicht schlecht wäre, dann wäre er ein schlechtes Vorbild und würde seiner Verantwortung nicht gerecht.

Das bedeutet aber nicht, daß man von einem Pfarrer erwarten soll, daß dieser nie etwas Falsches täte. Dann müßten die Kanzeln leer bleiben. Jeder Mensch macht Fehler, auch ein Pfarrer ist davor nicht gefeit. Wichtig ist hier, wie er mit seinen Fehlern umgeht, ob er sie so wie Wulff dann einräumt, wenn nix anderes mehr geht, oder ob er sie wie Käßmann eingesteht, Buße tut und die Konsequenzen zieht.

Nicht die Konsequenzen zu ziehen, bzw. den Fehler kleinzureden oder zu relativieren, das schadet dem Amt, und der Verkündigung des Evangeliums. Denn es begründet eine Doppelmoral, in der der Pfarrer für sich Dinge rausnimmt, die für andere nicht gelten.

Sexuelle Sünden

Im dritten Teil sahen ir, daß es so etwas wie sexuelle Sünden eigentlich gar nicht gibt. Jedenfalls spielen sie keine große Rolle. Was eine Rolle spielt, eine große Rolle sogar, ist der Götzendienst, also die Verehrung eines anderen Gottes, eines anderen Ideals, als Gott selbst. Solche Götzendienste werden dann häufig mit sexuellen Vokabeln umschrieben.

Das schlimme am Götzendienst ist immer, daß man damit nicht Gott folgt, sondern menschengemachten Größen, seien es Holzbilder, die mit Gold überzogen sind, oder Ideologien wie der Kommunismus. Der Mensch hängt sich dabei immer an seine eigene Macht, vertraut auf das Selbstgemachte, und nicht auf Gott.

Beispielsweise, wenn er, also der Mensch, dem Zeitgeist anhängt. Dann ist alles gut, was zu dieser Zeit bzw. in dieser Kultur als gut gilt. Die Kultur ist geprägt vom Menschen, der sich seine Gedanken dazu machte. So ist in den USA etwa die Todesstrafe gut, in Europa wird sie als schlecht angesehen. Gleiches könnte man mit zig Beispielen durchspielen. Was in einer Kultur gut ist, muß in einer anderen Kultur nicht auch gut sein. Der Zeitgeist, die Kultur, funktioniert nur schlecht als dauerhafter Maßstab. Und daß es schlecht ist, anderen nach unserer Kultur beibiegen zu wollen, was gut ist und was nicht, wissen wir spätestens, seit wir den Kolonialismus kritisch reflektiert haben.

Das darf man nun nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlecht, eine Kultur zu haben. Jeder Mensch hat eine Kultur und lebt in mindestens einer Kultur. Aber es ist kritisch zu sehen, wenn man unreflektiert an einer Kultur festhält und sie quasi als das Evangelium ausgibt. Das Evangelium ist keine Kultur, auch wenn es Kulturen seit 2 Jahrtausenden positiv beeinflußt. Und keine Kultur setzt das Evangelium perfekt um, denn jede Kultur ist menschengemacht und somit zeitlich, also fehleranfällig. An der Kultur, dem Zeitgeist festzuhalten ist somit nichts anderes, als an Menschlichem festzuhalten, als Götzendienst zu treiben.

Und ein solcher Zeitgeist ist die Sache mit der Beziehung der Sünde auf die Sexualität: die Leibfeindlichkeit. Die Bibe ist nicht so leibfeindlich, wie es viele Christen heute sind. Die Bibel macht sich keine Gedanken darüber, ob auch jeder brav nur Sex zur Fortpflanzung hat, ob auch jeder die Lust zu meinden sucht. Die Bibel vergötzt die Lust auch nicht, aber sie sieht sie als zum normalen Leben gehörig an. Sie ist nicht per se schlecht. Sex ist nicht per se schlecht. Zärtlichkeit ist nicht per se schlecht. Wie diese Gedanken ins Christentum gekommen sind – ich würde mal vorschtig vermuten, die Gnosis hat damit etas zu tun – kann ich nicht sagen. Ich bin mir aber recht sicher, daß es mit dem Evangelium von Jesus Christus nichts zu tun hat, wer mit wem ins Bett geht. Denn das Evangelium sagt, daß Gott den Sünder annimmt. Durchaus nicht die Sünde, aber den Sünder. Und es verlangt vom Sünder die Nächsten-, Feindes- und Gottesliebe. Jesus sagt, die Nächsten- und die Gottesliebe sei das ganze Gesetz und die Propheten. Demnach müßte sich alles daraus ableiten. Ich kann verstehen, wie sich das Götzendienstverbot darauf ableitet. Ich kann verstehen, wie sich der Ehebruch daraus ableitet, wie Diebstahl- und Mordverbot. Wie aber das Vorbot einer bestimmten Art der Sexualität, dei auf Augenhöhe geschieht, daraus abgeleitet werden sollte, erschließt sich mir nicht. Und keiner der Anti-Schwulen-Christen, die ich bisher traf, konnte diesen Zusammenhang herstellen.

Diese ganze Ablehnung bestimmter Arten gleichberechtigter Beziehungen sehe ich daher ganz in der Nähe des Götzendienstes. Hier wird versucht, eine Ordnung aufrecht zu erhalten, die doch selbst vom Menschen gemacht ist, die Kultur ist, und eben nicht identisch it dem Evangelium, und die deshal vor dem Evangelium zurückweicen müßte, wenn sie eine christliche Kultur wäre.

Homosexuelle Praktiken

Wir sahen im vierten Teil, daß es nur zwei Bibelstellen gibt, die für die Beurteilug der Homosexualität in Frage kommen, und daß es sich im einen Fall um eine rhetorische Figur handelt (in der es im Hintergrund wohl auch nicht um gleichberechtigte homosexuelle Beziehungen handelt) und im anderen Fall um eine ganz dunkle Formulierung, die so heute icht mehr entschlüsselt werden kann, und die nicht zwingend gegen homosexuelle Praktiken gerichtet sein muß. Sie gilt außerdem für Israel, das ins Land Kanaan einzieht, und nach dem Apostelkonzil dezidiert nicht für Heidenchristen wie uns.

Ob praktizierte Homosexualität ein Problem für Gott ist, muß also stark angezweifelt werden. Jedenfalls stärker, als das Verbot, Schweinefleisch zu essen oder milchige und fleischige Speisen zu mischen.

Vielmehr sieht alles danach aus, daß eine in Liebe geführte homosexuelle Beziehung, die von gegenseitiger Liebe und Verantwortung getragen ist, genauso wenig ein Problem ist, wie eine gleiche heterosexuelle Beziehung.

Schluß

Es gibt also keinen Grund, schwul Pfarrer für ungeeignet zu halten. Ungeeignet sind selbstherrliche Pfarrer, ohne Liebe, ohne Demut, ohne Reue. Pfarrer die alles schon wissen und daher auf Gott verzichten können, weil Er ihnen eh nix Neues mehr sagen kann. Ungeeignet sind Götzendiener-Pfarrer, die sich auf menschlichen Zeitgeist stützen und an ihm stärker festhalten als am Evangelium, denen das es-war-schon-immer-so wichtiger ist als der Mensch, dem sie eigentlich Nächsteniebe erweisen sollten.

Wenn es einen schwulen Pfarrer gibt, auf den all das zutrifft, dann stimme ich dem zu, daß er nicht geeignet ist für das Pfarramt. Aber das liegt dann nicht an seiner sexuellen Orientierung.

Sollte es aber wirklich so sein, daß ich die Bibel falsch interpretiere, und daß schwule Pfarrer wirklich ein Problem sind, dann ist das Problem eigentlich viel größer. Denn dann stelen die Kirchen aktuell Pfarrer ein, die ungeeignet sind. Dann ist die Auswahl der Bewerber vielleicht prinzipiell ungeeignet. Dann gibt es womöglich auch zig andere Pfarrer, die als Heterosexuelle ungeeignet sind. Die Kritiker sollten sich also nicht so ehr auf die Schwulen unter den Ungeeigneten einschießen, sondern analysieren und herausarbeiten, wie man geeignete Pfarrer ermitteln kann. Und dabei sollte nicht auf die Sexualität geachtet werden, denn der richtige Galube ist von der Sexualität unabhängig. Jedenfalls wird das ständig behauptet, wenn gesagt wird, daß ein nicht praktizierender Homosexueller kein Problem wäre.

glaube, Religion

Wer interessiert sich schon für Gottes Willen?

Hab im Moment grad ne tolle Diskussion auf nem Atheistenblog laufen. Recht weit unten im Diskussionsverlauf (Kommentar Nr 282) kam ich auf eine Idee, die ich hier etwas ausführen möchte. Nich aber ohne mich vorher bei Hinterfragerin für den Anstoß zu bedanken.

Es geht um Gottes Willen. Doch, zu was ist der nütze? Naja, mag man sagen, eben dazu, zu wissen, was gut ist und was schlecht. Stimmt. Stellt sich noch die Frage, wie man Gottes Willen rausfinden kann. Darauf möchte ich hier gar nicht eingehen (wer mich kennt weiß, daß IMHO das nicht über naiven Biblizismus geht), sondern auf eine ganz andere Frage:

Wann ist der Wille Gottes relevant? Wann nicht als Frage nach Geschäftszeiten, also nicht Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr (oder noch schlimmer lediglich Sonntags von 10 bis 11), sonst kann man tun, was man will, sondern an welcher Stelle im Glauben, in der Theologie?

Hinterfragerin hatte geschrieben, daß sich aus der Aussage, es gebe einen Gott gleich auch die Frage stelle, was will dieser Gott? Ich finde, das ist zu früh.

Ich finde, es ist angemesserer, erst einmal zu fragen: Wer ist dieser Gott? Was hat er so getan? Darauf könnte man dann grob antworten, Gott ist der Schöpfer, er hat die Welt aus dem Chaos geschaffen und uns Menschen nebst vielen anderen Lebenwesen hineingesetzt, wurde letztlich selbst Mensch und erlöste uns von dem Bösen, dem wir anhängen, indem er uns seine Liebe zu uns vorlebte und bis in den Tod durchhielt, so in der Art. Und ja, man könnte jetzt noch tasend Diskussionen zu Schöpfungs- und Erlösngslehre hier einfügen. Das will ich jetzt nicht tun, weil der Artikel dann ellenlang wird. Jedenfalls sind dies alles Fragen, die zuerst zu klären sind, aus meiner Sicht. So lange all das nicht klar ist, ist es unerheblich zu fragen: Was will Gott?

Was soll diese Frage ohne vorher zu wissen, wie er zu uns steht? Man fragt ja auch nicht „was will Al Capone“ ohne vorher zu klären, ob man überhaupt auf einer Linie ist, ob man überhaupt bereit ist, ihm zu Willen zu sein. Hat man dies nicht geklärt, versteht man auch nicht das Problem dahinter, wenn Capone sagt, er will ein Auto. Ohne geklärt zu haben, wer das ist, würde man ihm vielleicht ein Auto verkaufen. Wenn man wüßte, daß er es als Fluchtauto benutzen will, würde man sich vielelicht verweigern (oder das Auto präparieren, so daß er der Polizei darin nicht entkommen kann). Jedenfalls würde man anders mit seinem Willen umgehen.

So auch bei Gott. Ohne zu wissen, daß er uns liebt, daß er uns erlöst hat, kann man mit seinen Forderungen nicht viel anfangen. Man hat auch kaum einen Anhalt, Forderungen gegeneinander abzuwägen. Ist jetzt das Sabbathgebot wichtiger oder das Nächstenliebegebot?

Danach ist immer noch zu klären, wie Gott die Welt sieht (diese Frage dient vor allem der Abwehr eines naiven Biblizismus, der die Bibel und unsere Begriffe von den Dingen zu Götzen macht, denen man an Stelle von Gott folgt). Was meint er mit Sabbath, was meint er mit Liebe, was meint er mit Zauberei und Götzendienst. Was ist „Gräul“. Diese Fragen sind ebenso wichtig und noch viel schwerer zu beantworten. Aber wenn ich Gottes Willen kenne in der Form: Tu X nicht, weil es ist ein Gräul bzw Y, und ich kenne weder X noch Y genau, woher will ich wissen ob ein A X oder Y entspricht?

Wenn ich Gott kenne, wenn ich weiß, daß ich erlöst sind, und nichts mich von Gott trennen kann, was ach geschieht, was ich auch tue oder getan habe, dann ist das Ursache unglaublicher Freude und Dankbarkeit. Dann kann ich fragen: Gott, was willst Du? Womit kann ich Dir eine Freue machen? Und dann werde ich ach darauf achten, nicht meine Vorstellungen da reinzbringen, sondern ganz auf Gott zu hören. Denn ich bin ja voll der Freude und Dankbarkeit, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu spüren.

Leider ist dies sehr selten der Fall, und es ist auch nie ein anhaltender Zustand (der Mensch bleibt Sünder). Aber er kommt immer wieder, kann immer wieder kommen und ist Grund dafür, nicht nach sich zu fragen sondern nach Gott und damit auch nach dem Nächsten bis hin zum größten Feind.

In diesem Bewußtsein ist man darauf bedacht, kein Leid anzurichten, ist sensibel dafür. Die Sensibilität geht verloren mit dem Maß, wie die Erlösungsgewißheit verloren geht. Mit dem Maß, mit dem man meint, man hätte eine Pflicht, Gottes Willen zu tun. In dem Maß, wie man sich müht, seinen Willen (oder das was man dafür hält) zu tun, ohne es recht eigentlich zu wollen. In diesem Moment schleichen sich götzendienerische Tendenzen ein. Man fühlt einen Druck, Gottes Willen zu tun und tut irgend etwas, das man als Willen Gottes darstellen und verkaufen kann. Es hat nun nicht mehr den Zweck, Gott eine Freude zu tun, sondern sich selbst einzureden, man tue ja das Richtige oder genug. Schrittweise geht es dann dahin, daß man im sozialen Umfeld den Anschein aufrecht erhält, sich ja an Gottes Willen zu orientieren, um als erlöst zu gelten. Weil wer will schon von der Erlösung hören, wenn er meint, auch selbst gut genug zu sein, wenn er sich lieber an seine eigenen Regeln hält statt an die Gottes, anfangs vielleicht sogar ohne es zu bemerken? Der nächste Schritt wäre dann, daß man weiterhin nach außen den Schein wahrt, aber aktiv ein Verhalten pflegt und ein Denken fördert, das einen selbst als besonders gottgefällig dastehen läßt (zumindest in einem bestimmten Kontext), das aber vor allem auf den eigenen Vorteil ausgerichtet ist. Es geht dann meist um die eigene Brieftasche.

Das alles geschieht, so gewinne ich immer mehr den Eindruck, dort, wo die Heilsgewißheit verloren ging in der Art, daß sie von Gott abhängig ist und zur vergötzen Heilsgewißheit wurde, die am Menschen, am Selbst hängt und an den Erfolgen nd Taten, die man „für Gott“ vorzweisen hat. So kann es dann auch zu so etwas kommen, was in der angesprochenen Diskussion auch genannt wurde: Der im folgenden Video (naja, 5 Videos) gezeigte Hexenglaube in Kinshasa, der Kinder zu Verfolgten und Gequälten macht (nichts für schwache Nerven):

http://www.youtube.com/watch?v=wa9YAdXtZrY

http://www.youtube.com/watch?v=Az0iv86GQGw

http://www.youtube.com/watch?v=YrSpmMulG38

http://www.youtube.com/watch?v=lQ9pzr3C4Sc

http://www.youtube.com/watch?v=plP3cNe86rI