Theologie

Credo

Der auferstandene Christus mit der Siegesfahne
Der auferstandene Christus kommt mit der Siegesfahne
Marco d’Oggiono [Public domain], via Wikimedia Commons
In seinem letzten Blogpost umreißt Thomas seinen Glauben in 5 Bibelversen. Die Idee hat er von Malte, der seinerseits einen Vortrag von Rod Rosenbladt übersetzte. (soviel zur Traditionsgeschichte)

 

 

Ich fand die Idee interessant, jedenfalls hat sie mich dazu inspiriert, mir ein wenig Zeit zu nehmen und zu versuchen, das für mich auszuformulieren. Dabei will ich mich nicht auf einzelne Verse beschränken, sondern eher auf Aussagezusammenhänge; die können dann auch gerne mal länger sein. Los geht’s:

 

Schöpfung (Gen 1, 1-5)

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Mußte ich fürs Hebraicum auf Hebräisch auswendig lernen (wie wahrscheinlich die meisten Hebräischlernenden hierzuland). Wichtig ist mir hier zweierlei:

  1. Gott erschafft nichts aus dem Nichts, sondern es war schon was da: Das Tohuwabohu des hebräischen Textes übersetzt die Lutherbibel mit „wüst und leer“.
  2. Gott schafft, indem Er ordnet. Er trennt Licht von Finsternis, Wasser von Land etc etc. So schafft er aus dem lebensfeindlichen Chaos einen Ort, an dem Leben möglich ist.

Sünde (Gen8, 21)

Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.

Mich interessiert weniger, wie genau die Sünde in die Welt kam, wichtiger finde ich die Feststellung, daß die Sünde nun einmal da ist und wir mit ihr umgehen müssen. Das Faktum der Sünde wird an vielen Stellen der Bibel erwähnt. Was mir hier gefällt ist, daß die Sünde nicht als Grund für Strafen und dergleichen vorkommt, sondern als Begründung dafür, nicht mehr zu strafen.

Offenbar nimmt Gott hier Rücksicht auf die Befindlichkeit des Menschen – und fordert nicht bei Strafandrohung die Einhaltung von Gesetzen, die der Mensch eh nicht in der Lage zu erfüllen ist.

Rettung (Kol 2, 12-15)

12 Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet.
15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

Die Lösung des Sündenproblems ist das Kreuz. Am Kreuz wurden die „Mächte der Finsternis“, Sünde, Tod und Teufel ihrer Macht beraubt. Danach wurden sie verspottet. Das ist hin und wieder auch Bestandteil bei Osternachtsgottesdiensten: Das Triumphlachen über den Tod.

Die Schuld, mit der der Teufel (das Böse personifiziert gedacht) uns gefangen hielt, wird ans Kreuz gehängt und belastet nicht mehr, schüchtert nicht mehr ein. Wir sind frei!

Konsequenz (Gen 1, 27)

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Tippfehler? Nein! Aber von vorn: Die Konsequenz aus unserer Rettung, aus der Lösung des Sündenproblems ist der Wunsch, fürderhin mehr Teil der Lösung als Teil des Problems zu sein. Also streben wir danach, Gutes zu tun (nicht um die Erlösung zu erlangen, sondern weil wir erlöst sind).

Der oben zitierte Vers schlägt den Bogen von unserem Antworten in den Taten zur Verehrung Gottes, der ja Grund und Ursprung der Taten ist: Mit „Bild“ ist hier ein Götterbild gemeint. Wir,dieMenschen, sind das Götterbild des einen Gottes. Er wird nicht abgebildet, weil man Ihn in uns erkennen kann (oder soll).  So wird in unseren guten Taten die Güte Gottes offenbar. Das Bild entspricht der Vorlage.

Das Gegenstück dazu finden wir in der Götzenpolemik bei Deuterojesaja (Jes 44, 12-19):

12 Der Schmied macht ein Messer in der Glut und formt es mit Hammerschlägen. Er arbeitet daran mit der ganzen Kraft seines Arms; dabei wird er hungrig, sodass er nicht mehr kann, und trinkt auch kein Wasser, sodass er matt wird.

13 Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem Hause soll es thronen.

14 Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt und der Regen ließ sie wachsen.

15 Das gibt den Leuten Brennholz; davon nimmt er und wärmt sich; auch zündet er es an und bäckt Brot; aber daraus macht er auch einen Gott und betet’s an; er macht einen Götzen daraus und kniet davor nieder.

16 Die eine Hälfte verbrennt er im Feuer, auf ihr brät er Fleisch und isst den Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer.

17 Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott!

18 Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet, dass ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nichts merken können.

19 Er kommt nicht zur Einsicht; keine Vernunft und kein Verstand ist da, dass er dächte: Ich habe die eine Hälfte mit Feuer verbrannt und habe auf den Kohlen Brot gebacken und Fleisch gebraten und gegessen, und sollte die andere Hälfte zum Götzen machen und sollte knien vor einem Klotz?

Bei den Götzen sind die Bilder aus Holz und können nichts tun. Deshalb werden diejenigen unvernünftig genannt, die sich vor einem Holzklotz niederwerfen.

Geborgenheit (Röm 8, 38f)

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Es geht in beide Richtungen. Wir wenden uns nicht nur von Gott gesandt in die Welt, um Gutes zu tun, wir können auch aus der Welt zu Gott Zuflucht nehmen, wann immer wir Geborgenheit und Sicherheit brauchen. Bei allem, was uns widerfahren kann ist eins klar: Wir sind gerettet, Gott gibt uns nicht preis. Um’s Verrecken nicht!

Politik

Petition gegen Polizeigewalt

Was kann man tun, wenn man in Deutschland Opfer von Polizeigewalt wird? Viel, aber weniges ändert etwas, denn am Ende wird dem Polizisten meist mehr geglaubt als dem Opfer. Für Polizisten scheint es weitgehend folgenlos zu sein, im Dienst die Grenzen zu überschreiten, die das Gesetz setzt. Wenn das so ist, sind aber auch die Gesetze nichts mehr als hohle Phrasen und es gibt kaum mehr einen Grund, wieso wir unsere Polizei höher schätzen sollten als die Polizei in irgend einer Diktatur.

Sicher gibt es genügend Polizisten hierzulande, die ihren Dienst anständig verrichten, aber ich vermute mal, solche Polizisten gibt es auch im Iran und Ägypten. Die Frage ist doch, was passiert, wenn ein Polizist das Gesetz bricht.

Um in dem Fall mehr Druck auf die Polizei aufzubauen, hat Dr. Lilia Monika Hirsch, die selbst Opfer von Polizeigewalt wurde (Zähne ausgeschlagen, längere Zeit nackt eingesperrt, Blutentnahme ohne Einwiligung oder richterliche Verfügung…), eine Petition gestartet, die man hier mitzeichnen kann.

Netzfunde

Netzfunde vom Samstag, den 27. April 2013

Bald ist Kirchentag, und die Leute, die da die Organisation machen sind inzwischen so modern, auch ne Wall gestartet zu haben. Die läuft schon.

Was auch schon läuft sind Fernseh- und Radiobeiträge zum Kirchentag. Ich hab da mal versucht, eine nach Zeit sortierte Liste zu erstellen.

Knuuut hat verschiedene Online Ressourcen zum Kirchentag aufgelistet.

Auf dem Pfälzer Landeskirchenblog geht es diese Woche ums Steuernzahlen.

Peter meint, daß Sünde überbewertet ist. Und hat IMHO Recht damit.

Der Bikerpfarrer weist auf ne Rezeptsammlung für den kleinen Geldbeutel hin. Find ich super, so ne Sache. Schade, daß es bei google plus ist. Da kann ich nicht mitmachen…

Theodred hat einen langen, aber lesenswerten Artikel über das Mittelalter, Spanien und die angebliche Toleranz zu dessen muslimischer Zeit zur angeblichen Intoleranz nach der Reconquista geschrieben.

Lynn schreibt davon, daß gute Absichten nicht Falsches richtig machen. Es geht um das purity movement.

Matthias Jung schreibt über Kirche und Politik.

Wir Protestanten nehmen ja selten ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Kirche von Rom für suboptimale Theologie (um es mal so zu umschreiben) zu kritisieren. Dann müssen wir auch mit der Retourkutsche klarkommen: Einer DEK Version des Apostolikums (auf der verlinkten Seite fälschlich als „Gebet des Herrn“ tituliert).

Bei Haltungsturnen geht es um, Verzeihung, „Arschlöcher“. Und zwar solche, die nach Gutsherrenart ihr Geld verteilen wollen, statt solidarisch mit anderen eine Last zu tragen, ohne selbst in jedem Fall entscheiden zu können, wem das jetzt zu Gute kommt. Die Verbindung zu „selbst Gott sein wollen“ halte ich für durchaus treffend.

Sheldon C. Good schreibt über die Bomben in Boston, Terrorismus und Folter. Absolut lesenswerter Artikel, wenn auch nicht an uns gerichtet, sondern an amerikanische Leser. Ansatzweise gilt das Ganze auch für Deutschland.

Bei Michael Blume gibt es nen Artikel zu Martin Luther Kings Letter from Birmingham Jail und die Frage, wann ein Gesetz gerecht und zu befolgen ist, und wann ein Gesetz ungerecht ist und Widerstand verlangt.

Bei GetReligion gibt es einen Artikel über Pädophilie, Daniel Cohn-Bendit und die 68er Bewegung. Und wieder kommt mir der Satz in den Sinn, nach dem gute Absichten (Befreiung) nicht Falsches richtig machen – in dem Fall Pädophilie.

Theologie

Der Ertrag der Erlösung

Manchmal braucht man etwas länger. Über einen Blogartikel zu den Sühnetheorien bei peregrinatio kam ich auf einen älteren Artikel dort, in dem es um ähnliche Gedanken geht. Dort hab ich neben Kommentaren von mir (was man alles so im Netz findet) auch einen Kommentar von Eric Djebe gefunden, der mir damals entweder durch die Lappen ging oder der mir einfach zu dem Zeitpunkt nichts sagte. Jetzt wurde ich vor kürzerem im Forum mit der gleichen Frage (?) nochmals konfrontiert, ebenfalls von Eric Djebe, und all dies zusammen führt nun dazu, daß ich meine zu verstehen, auf was er hinauswill. Manchmal brauch ich alt länger. Er formuliert seine Frage so:

Was passiert im Menschen, in seinem Leben, durch diese Erlösung?

Wo versucht jemand zu beschreiben, was mit ihm passiert, was diese „Erlösung“ mit ihm macht?

Die erste Formulierung ist aus dem peregrinatio Kommentar und die letzte aus dem Forum. Mir scheint, als gibt er im Kommentar danach die Antwort auf die Frage aus dem Forum:

[…] man überlässt das Thema mitsamt Röm 8, dem Schlüsseltext dazu, den ‘wiedergeborenen’ Christen.
[…] Wer sich aber wirklich darauf einlässt, spürt sehr genau, dass Paulus hier fast verzweifelt versucht., irgend etwas auf den Punkt zu bringen. Und wenn wir dieses Etwas erkennen würden, würden wir wohl die meisten Kreuzestheologien als mehr oder weniger gelungene Umschreibungen eben dieses existenziellen Geschehens begreifen.

Wenn wir also Römer 8 richtig verstehen, dann haben wir die Antwort auf die erste Frage. Gleichzeitig haben wir soweit von den verschiedenen Kreuzestheologien abstrahiert, um sie alle mehr oder weniger zusammenbringen zu können, indem wir sie als unterschiedliche Beschreibungen des gleichen Geschehens begreifen. Das wäre in der Tat ne tolle Sache, denn ehrlich gesagt komm ich mit Anselms Ansatz nicht wirklich klar und mir begegnen andere, die damit nicht klarkommen, daß ich damit nicht klarkomme, bzw die meine Alternativgedanken ebenso verwerfen wie ich Anselm. Wenn es hier die Möglichkeit eines Ausgleichs gibt, wär das wirklich ein Fortschritt, für mich, für andere, die unter dieser und anderen Trennnugen in der Gemeinschaft der Gläubigen leiden und vielleicht auch für alle anderen Menschen, da so vielleicht ein Ansatz entstehen könnte, wie christlicher Glaube wieder besser verständlich und annehmbar wird. Fast ne eierlegende Wollmilchsau, und ich mein das ausnahmsweise mal positiv.

Also Römer 8. Ich fand den Text immer etwas bis sehr schwierig zu verstehen. aber die Idee, daß Paulus hier verzweifelt versucht, etwas auf den Punkt zu bringen, funktioniert als Schlüssel erst mal recht gut (danke Eric Djebe!).

Pualus spricht von Fleisch und Geist, Tod und Leben, und zu all diesen Begriffen gibt es schon ganze Bibliotheken, die ich jetzt einfach mal außer Acht lasse (abgesehen von dem, was unbewußt doch reinrutscht, weil das ein oder andere dazu hab ich schon mal gelesen). Es ist, so hab ich es im Proseminar gelernt, immer eine gute Idee, sich erst einmal selbst Gedanken zu machen (diese Weisheit wird zwar durch Begebenheiten der letzten Zeit Lügen gestraft – wer die Anspielung versteht, weiß was ich meine) und dann die Sekundärliteratur zu konsultieren. Und da das hier keine theologische Arbeit werden soll (ich bin schließlich kein Sceince-Blogger), sondern ein Blogartikel, überlaß ich Euch diese Konsultation.

In Kapitel 7 schreibt Paulus davon, daß wir einst dem Fleisch verfallen waren. Zu dieser Zeit erregte das Gesetz „sündige Leidenschaften“ in uns (Vers 5). Später betont er dann noch einmal, daß es nicht das Gesetz sei, das eigentlich Sünde ist, sondern die Sünde selbst. Wie dem auch sei sind wir – solange wir dem Fleisch verfallen sind – vom Gesetz gefangen (Vers 6). Das würde den Begriff „Erlösung“ verständlich machen, denn er setzt ja eine Bindung, also eine Gefangenschaft, voraus.

Diese Gefangenschaft ist aber nur so lange effektiv, wie wir am Leben sind, denn Tote sind nicht an das Gesetz gebunden (Vers 1). Bis dahin ist es jedenfalls so, daß man zwar das Gte will aber sieht, daß man immer das Böse tut. Paulus spricht hier vom Gesetz des Fleisches/der Sünde und dem Gesetz des Geistes. Dann, am Ende von Kapitel 7 stellt Paulus die Frage, wer ihn erlöst von sienem todverfallenen Leib (Vers 24). Denn sein Gemüt ist kein Problem, das dient Gottes Gesetz, während das Fleisch, also der Leib, der Körper, dem Gesetz der Sünde dient und darin gefangen ist. Die Lösung, nein, die Erlösng für Paulus ist es also, den Leib und damit das Fleisch und dessen Neigung zur Sünde hinter sich lassen zu können.

Kapitel 8 beginnt nun mit der Feststellung, daß diejenigen, die in Christus sind, keine Verdammnis kennen, weil sie durch das Gesetz des Geistes frei gemacht (erlöst) wurden vom Gesetz der Sünde (Vers 2). Diese Freiheit scheint nicht darin zu bestehen, daß man die Taten des sündigen Fleisches, die man nicht will, loswird (Vers 10):

Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

Es lebt der Geist, tot ist der Leib. Weiterhin. Aber das scheint nicht so zu bleiben (Vers 11):

Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Es wird also eine Veränderung ach der Leiber hin zum Leben geben. Das macht den Eindruck, als ob Paulus aus Kreuzigung und Auferstehung die Hoffnung schöpft, nun bald auch dem Leib nach das Gesetz erfüllen zu können. Das ist es ja, was er in Kapitel 7 beklagte, daß er zwar das Gute tun will, aber das Schlechte tut, daß er es nicht schafft dem Fleisch nach das zu tun, was sein Geist als richtig erkannt hat. Er wollte vom todverfallenen Leib erlöst werden und hier sieht er den Ausweg: Gott macht den todverfallenen Leib lebendig durch Seinen Geist. Interessant finde ich die folgenden zwei Verse:

So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben.
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Mir stellt sich die Frage, wieso wir dem Fleisch etwas schuldig sein sollten. Offenbar sah Paulus das so, sonst hätte er es nicht erwähnt und gleich verneint. Auch interessant finde ich, daß nicht die Rede davon ist, die Taten des Fleisches einfach zu lassen, sondern davon, diese Taten dann zu töten. Dieser Geist in uns jedenfalls sagt uns laut Paulus, daß wir Kinder Gottes sind und damit auch Erben, die mit in die Herlichkeit erhoben werden. Das geht wohl nicht mit dem sündigen Fleischleib. Aus dem Geist heraus weiß Paulus aber, daß die Herrlichkeit trotzdem kommt. Ergo, so verstehe ich ihn, müssen wir diesen Fleischleib, der Paulus so stört, loswerden, von ihm erlöst werden. Dann wäre der sündige Fleischleib das Gefängnis, in das uns die Sünde eingesperrt hat durch das Gesetz.

Dann macht Paulus den Kreis weiter. Die ganze Schöpfung änstigt sich und auch wir ängstigen uns und sehnen uns nach der Erlösung unseres Leibes (Verse 22+23). Dann bringt er aber ein, daß diejenigen, die zu Gott gehören, keine Angst zu haben brauchen, denn sie werden jedenfalls dann auch gerecht gemacht und verherrlicht werden. Gott selbst kümmert sich um sie, und daraus zieht Paulus dann eine überschwengliche Freude (ab Vers 31): Wenn Gott mit uns ist (und das ist Er offenkundig, wenn Er uns gerecht macht und verherrlicht), kann uns eigentlich sonst keiner mehr was. Angst, Hunger, Schwert, Gefahr, alles keine Bedrohung mehr. Niemand kann uns mehr verdammen, wenn Gott uns schon gerecht gesprochen hat. So wie Bundesrecht Landesrecht bricht, bricht Gottes Recht jedes andere Recht. Er ist die letzte Instanz. Abgeschlossen wird das Ganze mit den berühmten Versen 38 und 39:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

In Römer 9 geht es dann um Israel und damit um ein anderes Thema. Zusammengefasst war das Problem des Paulus also vor der Erlösung, daß sein Gemüt zwar Gott folgen wollte, sein Leib es aber nicht tat und wohl auch nie dazu in der Lage war. Paulus muß davor große Angst gehabt haben, wenn man bedenkt, was er später in Anschlag bringt, was uns nichts mehr anhaben kann: Keine Verdammung, kein Schwert und keine Gefahr, kein Hunger, kein Tod kann Angst machen. Ich denke es ist wichtig zu sehen, daß es sich dabei um wirklich angstmachende Faktoren handelt und nicht um eingeredete. Vielleicht könnte man Paulus so übersetzen, daß es ihm um die Verfangenheit des Menschen in der Vergänglichkeit, in der Unsicherheit dieser Welt geht. Denn die Welt ist ja nsicher, und wir kriegen sie nicht unter Kontrolle. Was wir auch tun, wir sind nicht perfekt, wir können uns vor Kriegsangst, Angst ums Überleben etc nicht gänzlich schützen. Die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrhundetre hat hier zwar einiges geleistet, aber auch heute verhungern noch Menschen, und Arbeitslosigkeit ist auch nichts, das man einfach so hinnimmt, wenn schon nicht der Hungertod droht. Wie dem auch sei, der Leib kommt da nicht raus, auch wenn wir dem Gemüt nach gerne anders tun würden wie wir können.

Paulus hat nun den Ausweg entdeckt der darin liegt, Gottes Liebe zu finden, die ihm zwar den Hungertod nicht zwangsläufig erspart (der Tradition nach ist Paulus ja nicht verhungert, aber af andere unschöne Weise zu Tode gekommen), aber Hoffnung auf ein Danach gibt, das so viel schöner und wunderbarer ist als es alles sein kann, was wir hier auf Erden möglicherweise erleiden müssen. Ich denke das ist es, wovon Paulus schreibt. Daß die Gewißheit zu Gott zu gehören zu der Gewißheit führt, daß einem nichts mehr passieren kann, das einen im Innersten bedroht. Denn nach allem, was kommt, und sei es ein furchtbarer Tod, kommt garantiert Gottes Herrlichkeit.

Der Text wurde jetzt sehr lang, hoffentlich nicht zu lang zum Lesen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht einfach nur ne neue Theorie gebracht (oder wohl eher ne alte Theorie aufgewärmt) habe oder tatsächlich ein Stück weit hinter die Theorien zum existentiellen Geschehen vorstoßen konnte. Mir hat es jedenfalls viel gebracht, den Artikel zu schreiben, und ich bin wie immer an Euren Kommentaren interessiert.

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Wer ist größer?

Bei Mandy hab ich ne Geschichte gelesen, die ich ähnlich auch schonmal gehört habe, un die in dieser ähnlichen Form auch schon einmal mit Christus in Verbindung gebracht wurde. Die Kurzfassung geht so:

Der New Yorker Bürgermeister hat an einem Winterabend in einem Bezirksgericht den Richter nach Hause geschickt und selbst den Platz übernommen. Angeklagt war eine alte Frau wegen Diebstahls. Sie hatte ein Brot gestohlen, um ihre Enkel durchzubringen. Diesen drohte der Hungertod. Der als Richter fungierende Bürgermeister verurteilte sie zu 10 Dollar Strafe, zahlte sie selbst und verurteilte darüber hinaus jeden Anwesenden zu 50 Cent Strafe dafür in einer Stadt zu leben, in der eine alte Frau Brot stehlen muß, um ihre Enkel durchzubringen. Das Geld bekam die Frau, die nun erst einmal genug hatte, um ihren Enkeln etwas zu essen zu kaufen.

Hier wird nun oft – und so auch bei Mandy – eine Parallele zu Christus und dem Krezesgeschehen gezogen. Demnach könne Gott nicht über unsere Fehler hinwegsehen, so daß eine Strafe nötig sei, zahlt sie aber dann selbst, um uns vom Haken zu lassen.

Ich finde diese Auffasung fragwürdig. Und stehe wohl nicht alleine. Gerade von (krakeele-) atheistischer Seite wird oftmals eingewandt, daß Gott uns ja so geschaffen hat und folglich selbst Schuld sei, daß wir sind, wie wir sind und uns folglich auch schlecht dafür verurteilen könnte. Das wäre dann wie wenn der Bürgermeister der alten Frau alles genommen hätte, so daß sie stehlen mußte, sie dann zu ner Strafe verurteilt für das Stehlen, das ihr als einziges übrig blieb, und sich dann als den großen Helden feiern läßt, wenn er die Strafe selbst zahlt.

Ich sehe ein ganz anderes Problem. Mir stellt sich die Frage danach, wer größer ist: Gott oder irgendein Gesetz, und sei es ein göttliches.

Gewisse christliche Kreise sagen nun, daß das Gesetz größer sei, da Gott sich daran gebunden habe, und so quasi selbst zurückgetreten sei, und nun nicht einfach widerrufen kann, und selbst ungerecht zu werden. Hier ist ein gewisser Legalismus zu erkennen, was Recht ist muß Recht bleiben, koste es, was es wolle. Schuld muß abgegolten werden, denn wo kämen wir denn dahin, wenn nicht etc.

So argumentiert auch der Ladenbesitzer, dem das Brot gestohel wurde, und den ich in meiner Zusammenfassung der Geschichte ausgelassen hatte (bei Mandy ist er erwähnt). Aus einer derartigen Gerechtigkeit spricht eine gewisse Unbarmherzigkeit. Und diese Unbarmerzigkeit kommt nicht aus der Welt, wenn der Richter die Strafe einfach selbst zahlt. Denn das Gesetz an sich ist ja unbarmherzig. Das sebe Gesetz, das gerade noch von Gott über sich selbst gehoben wurde (bzw worden sein soll). Damit stünde an höchster Stelle die Unbarmherzigkeit und wir wären nur so lange sicher vor der Verdammnis, wie Gott für uns die Strafe zahlt. Dann müßte Gott aber aus dem Zahlen gar nicht mehr heraukommen, immer wieder und wieder zahlen, weil wir immer wieder und wieder das Gesetz übertreten.

Dann könnte Jesus nicht auferstanden sein, weil Er immer noch zahlen würde. Sünde, Tod und Teufel wären nicht besiegt, nicht überwunden, Paulus hätte sie nicht verspotten können: Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg?. Sie wären vorübergehend in Schach gehalten, aber lange nicht besiegt. Und es gäbe auch keine Aussicht auf einen Sieg, da auf diese Weise Gott diese Unbarmherzigkeit anerkannt und quasi geadelt hätte.

Nun ist Jesus aber auferstanden und der Tod ist besiegt. Keiner zahlt mehr. Jesus starb für uns und ist am Dritten Tag auferstanden nach der Schrift. Ein Schlüssel zu einem anderen Verständnis ist unser Verständnis von Gerechtigkeit. Man kann Gerechtigkeit so auffassen, daß jeder nach seinem Handeln behandelt wird, daß also eine gewise Gleichheit ingehalten wird. Auf Gutes folgt Gutes, auf Böses folgt Böses. Diese Gerechtigkeit ist im Kern unbarmherzig, da auf Böses immer Böses folgen muß, um der Gerechtigkeit willen. Auch wenn es sonst keiner will. Hier geht es ums Prinzip, und zwar über alle Leichen.

Eine andere Möglichkeit, Gerechtigkeit zu verstehen, ist es, wenn man sagt, gerecht ist, wenn etwas gut ist. Dann folgt auf Gutes weiterhin Gutes, aber auch auf Böses folgt Gutes, um den Bösen vom Guten zu überzeugen. Gott macht die Menschen gerecht, nicht indem er ihnen nach ihren Taten vergilt, sondern indem Er sie annimmt. Das war unter anderem auch Luthers Erkenntnis. Luther war in diesem Böses für Böses, Gutes für Gutes gefangen und suchte danach, wie er sich das Gute sichern könnte. Waser an Gutem utn mußte, um Gott zu gefallen. Seine Frage war: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Also: Wie mache ich durch gute Taten Gott gnädig? Die Antwort, die er fand, war verblüffend: Gar nicht. ch muß Gott nicht manipulieren, um Ihn gnädig zu stimmen. Gott ist schon gnädig.

Ich meine, Gott ist vielleicht nicht mit dem Bürgermeister aus der Geschichte gleichzusetzen, aber womöglich Satan mit dem Ladenbesitzer. Oder vielleicht gar das Gesetz! Aber das Beispiel paßt einfach nicht zum Ostergeschehen, wie ich es verstehe. Da hat Gott nichts bezahlt, sondern sich geopfert. Er hat sich quasi dem Urteil Satans unterworfen, um diesen dann der Rechtsbeugung zu überführen. Vielleicht läßt sich die Geschichte so erzählen:

In einem harten Winter, in dem es nichts zu essen gab, saß in der Stadt ein unbarmherziger Richter zu Gericht. Er konnte bei allen Menschen eine Straftat nachweisen, den einen, weil sie Essen klauten, den anderen, weil sie nichts abgaben, wie die Gesetze des Landes es verlangten. Folglich verurteilte er jeden, der in seinen Gerichtssaal gebracht wurde.

Wer Einfluß hatte in der Stadt versuchte, den Richter mit Gefälligkeiten gnädig zu stimmen, und der Richter hatte großen Gefallen an der Macht und der Ehrerbietung, die ihm zuteil wurde. Er brach selbst keine Gesetze, sorgte aber durch seine Machtposition und die Bestechungsversuche der Bürger selbst für größte Ungerechtigkeiten, die er dann wieder gnadnlos verfolgte.

Eines Tages aber kam ein Mann in die Stadt. Es war der Vorgesetzte des Richters, kein anderer als der König, dem die indirekte Gewaltherrschaft des Richters zu Ohren gekommen war. Der König gab sich den Bürgern nicht zu erkennen, der Richter aber wußte, mit wem er es zu tun hatte. Natürlich hatte der König es nicht nötig, Lebensmittel zu stehlen, er teilte das was er hatte aber auch mit anderen, so daß er selbst unschudig war. Der Richter hatte nun ein Problem. Einerseits stahlen immer weniger Menschen, weil sie beim König essen konnten. Andererseits öffneten auch andere Reiche ihre Türen, weil sie sahen, daß der König, obwohl er teilte, selbst immernoch genug hatte. Dem Richter wurde es allmählich schwer, seine Macht aufrecht zu erhalten, denn immer weniger Menschen ließen sich etwas zu Schulden kommen, so daß er immer weniger Menschen verfolgen konnte. Außerdem wollte der Richter selbst König werden. Er war selbst aus königlicher Familie und wußte, daß er selbst König würde, wenn er den richtigen König ins Gefängnis stecken konnte. Die Verurteilung des Königs würd beide Probleme lösen: Die Menschen würden einander wieder bestehlen und Lebensmittel vorenthalten, außerdem könnte der Richter dann nicht nur über eine Stadt, sondern über das ganze Land herrschen. Er hatte immer nch die Macht, Menschen vor Gericht zu holen und zu verurteilen, und da bisher jedes Urteil gerecht war, wurde auch keines davon je angezweifelt. Also ließ er den König verhaften, der immer noch incognito reiste.

Um sicher zu gehen, daß der König auch weiterhin geheim hielt, wer er in Wirklichkeit war, ließ er ihn öffentlich foltern und fragte immer wieder nach seinem Namen. Dieser aber blieb stumm und verweigerte die Aussage.

Der Richter verurteilte ihn wegen Lebensmitteldiebstahl, doch diesmal freilich ohne das Recht dazu zu haben. Aber wer konnte das schon wissen, waren doch alle Urteile bisher gerechtfertigt.

Nun offenbarte sich der König und ließ nun den Richter aus dem Amt jagen. Er war nämlich extra gekommen, um die Stadt von dem Richter zu befreien. Dies ging jedoch nur, wenn der Richter sich selbst etwas zu Schulden kommen ließe, der Richter mußte mit seiner eigenen Waffe, der unbarmherzigen Gerechtigkeit, geschlagen werden, um deren Ungerechtigkeit zu offenbaren. Einige Bürger der Stadt jedoch schenken all dem keinen Glauben. Sie ehren den Richter immer noch, da er gerechte Urteile verhängt. Sie zweifeln aber daran, daß der König wirklich der König ist. Denn dieser hätte sich in der Folter zu erkennen gegeben. Wieso hätte er als König es nötig gehabt, zu leiden?

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 25.4.2012 (Psalm 1, 3)

„Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verdorren nicht.“

Mit dem „Er“ ist derjenige gemeint, der „Gefallen hat am Gesetz des HERRN und sinnt über sein Gesetz bei Tag und bei Nacht“ (Vgl. Ps 1, 2). Die Gesetze des HERRN werden hier verstanden als Quelle des Lebens. Wer an ihnen Gefallen hat, steht an der Quelle des Lebens und bringt Frucht. Ich finde, es spricht für ein sehr positives Verständnis von Gesetz, wenn es wie an dieser Stelle nicht primär als Einschränkung oder Reglementierung des Lebens verstanden wird, sondern als die Quelle, aus der Leben erst hervorgeht. Dabei gilt es zu beachten, dass es eben nicht um ein bloßes „gutfinden“ der Gesetze geht. Bei Tag und bei Nacht über etwas nachdenken heißt ja, ihm Raum im täglichen Leben zu geben. Das ist, glaube ich, das Spannende an dieser Auffassung des göttlichen Rechtes: Wer dem göttlichen Recht im täglichen Leben Raum gibt, gelangt zur Quelle des Lebens. Ich glaube nicht, dass sich die Quelle des Lebens mit Gewalt verträgt. Es ist nicht zu bestreiten, dass Gott leider immer wieder mit Gewalt in Verbindung gebracht wurde und wird. Ich habe starke Zweifel daran, dass diejenigen, die Gott zur Legitimation von Gewalt gebrauchen, die sind, die wie Bäume, gepflanzt an Wasserbächen, sind.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Vierten

Das ist der vierte Teil (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil) der Reihe zum glaubereal-Artikel über schwule Pfarrer.

Im ersten Teil ging es um Vorüberlegungen.

Im zweiten Teil stand im Mittelpunkt, in wie weit ein Pfarrer eine herausragende Position oder Verantwortung hat. Ergebnis war hier, daß der Pfarrer in der Tat eine höhere Verantwortng hat aufgrund seiner Position, daß er aber auch normaler Mensch ist, der wie alle anderen Fehler machen kann. Zu dieser Frage kam es dann noch zu einem weiteren Artikel über Paulus, als Spin-Off sozusagen.

Im dritten Teil stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gott zu „sexuellen Sünden“ steht. Ergebis war, daß zumindest die Andeutungen im glaubereal-Artikel sich weniger auf das Sexuelle der Sünden bezogen, sondern darauf, daß es sich um Götzendienste handelte. Der Götzendienst, also der Verstoß gegen das erste Gebot, ist seinerseits aber durchaus eine besonders schlimme Sünde, weil sie Grundlage aller anderen Sünden ist.

Nach all diesen Klärungen können wir uns nun dem Hauptthema zuwenden, der Homosexualität. Ich halte es für wichtig, zwei Ebenen hier auseinanderzuhalten.

  1. Die Frage, ob es eine Sünde ist, überhaupt homosexuell zu sein.
  2. Die Frage, ob es eine Sünde ist, homosexuelle Handlungen auszuführen
    a) in jedem Fall.
    b) wenn sie zum Spaß (also aus hedonistischen Gründen ohne Bindung) getan werden.
  3. Die Frage, ob nur bestimmte homosexuelle Handlungen sündig sind, andere jedoch nicht.

Ich denke Punkt 1 läßt sich relativ frei beantworten. Mir ist kein Bibeltext bekannt, noch irgend eine Kirche, die allein das Empfinden, also das sich hingezogen fühlen zu einer Person gleichen Geschlechts, als Sünde deklarieren würde. Die konservativsten Positionen die ich kenne, haben kein Problem damit, wenn der (oder die) homosexuell empfindende zölibatär lebt. Eine „Heilung“, wie sie mancherorts angeboten werden, richtet sich an diejenigen, die kein zölibatäres Leben führen können oder wollen.

Auch wichtig ist mir hier festzuhalten, daß die Liebe zwischen zwei Menschen nicht an ein Geschlecht gebunden ist. Als Jonathan stirbt, sagt David, seine Liebe hätte ihm mehr bedeutet als Frauenliebe (2. Sam 1, 26). Es ist also nichts Verkehrtes daran, als Mann einen Mann zu lieben. Selbst David tat das, ohne daß es kritisiert wurde (im Gegensatz zu seiner „Liebe“ zur Frau des Uria).

Ich halte diesen Punkt für wichtig, festzuhalten. Er führt nämlich weiter zu der Frage, wie eine Beziehung zwischen zwei Männern zu bezeichnen ist, die auf gegenseitiger Liebe aufbaut, aber nciht sexuell ist. Was wäre, wenn ein Pfarrer mit einem Mann zusammenwohnen würde, ihn lieben würde, aber eben jeder in seinem Bett schliefe?

Ich will diesen Gedanken nur ansprechen und jedem zm eigenen Überdenken empfehlen. Denn wenn an den homosexuellen Gefühlen nichts Falsches ist, wenn auch David, der ja als heterosexuell gelten muß (oder höchstens Bi, sonst würde ja die Szene mit Batseba nicht stattgefunden haben), die Liebe eines Mannes über die der Frauen schätzte, dann wäre gegen ein zölibatär zusammenlebendes Paar Männer (oder Frauen) im Pfarrhaus nichts einzuwenden.

Punkt 2 hat zwei Unterpunkte. Ich möchte doch zuerst einmal den Textbefund klären, af den die Ablehnung der Homosexalität aufgebaut wird. Im glaubereal-Artikel werden folgende Bibeltexte genannt:

  • 3. Mose 18, 22 & 20, 13 (beide Stellen sind ziemlich identisch)
  • Röm 1, 26-27

Und ich bin der Meinung, damit sind alle auch nur in Frage kommenden Stellen genannt. Alle Stellen, die sonst noch vorkommen, haben recht wenig mit Homosexualität zu tun. Bei der Geschichte von Sodom und Gomorrah wird immer wieder ein derartiger Zusammenhang hergestellt, weil die Menschen von Lot verlangten, die Boten rauszugeben, damit sie „erkannt“ würden. Nun bedeutet „erkennen“ ja bekanntlich durchaus „Sex haben“ im AT, es bedeutet aber eben auch erkennen. Und wenn da Unbekannte in eine Stadt kommen und bei einem Zugezogenen einkehren, dann kann es durchaus ein Interesse daran geben, diejenigen zu erkennen, also herauszufinden, um wen es sich handelt und ob es vielleicht feindliche Spione sind.

Auch werden oft Passagen aus den Briefen genannt, die sich gegen Knabenschänder und Lustknaben richten. Aber auch hier geht es um etwas anderes. Die Lustknaben waren junge Männer, die bei älteren Männern in die Schule gingen und etwa in Philosophie, aber ach Kampf unterrichtet wrden. Also alles was man damals so als junger Grieche zu wissen hatte. Die älteren Männer hatten so ihre Lustobjekte. Auch spielten Geschenke von den alten an die junge Männer eine gewisse Rolle. Es waren also Abhängigkeitsverhältnisse, es war Sex gegen Bezahlung, eigentlich Prostitution. Daß das in der Bibel verurteilt wird, hat mit Homosexualität nichts zu tun.

Allerdings gab es in der Antike auch kaum homosexuelle Beziehungen, wie wir sie heute haben. Also Beziehungen auf Augenhöhe, die in der Liebe zueinander gründen, und nicht in Geschenken, Unterricht oder Lustgewinn.

In Rom war es beispielsweise für einen freien Mann verpönt, eine homosexuelle Beziehung zu einem anderen Freien zu haben. Beziehungen zu Sklaven waren kein Problem.

Das führt uns zur Römerbriefstelle:

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen17 haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,
und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt, indem die Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.

Zuerst fällt einmal auf, daß der Text mit „deswegen“ beginnt. Eigentlich geht es los in V22: „Da sie sich für Weise hielten…“. Was wird also gesagt? Paulus schreibt, daß die Menschen Gott durchaus erkennen konnten, aber Gott den Schöpfer mit dem Geschöpf vertauscht haben und statt Gott nun lieber Bildnisse angebetet haben. Und darauf folgt dann, daß Gott sie straft, indem sie Mann mit Mann und Fra mit Frau Schande treiben läßt etc. Hier ist also die homosexuelle Handlung eine Strafe Gottes. Sie taten, was nciht recht ist (V 28) und waren voll von Ungerechtigkeit nd Schlechtigkeit etc… (V 29ff).

Wichtig scheint mir, das Wort Begierde zu sein, bzw. Leidenschaften. Ich frage mich, was hat Paulus vor Augen? Ich denke wieder an die Beziehungen zwischen dem jungen und dem alten Mann in der griechischen Welt. Möglicherweise standen Erzählungen über Sappho Pate für den Teil, wo es um die Frauen geht.

Und damit hat Palus in Rom sicherlich Erfolg, ist der Verkehr zwischen zwei Freien doch dort verpönt. Wie dem auch sei, Paulus setzt hier jedenfalls voraus, daß das, was beschrieben wird, negativ ist, nicht nach Gottes Willen. Er argumentiert damit, in Rom denkt man ähnlich wie im zeitgenössischen Judentum über homosexuelle Praktiken, also kann er auf Zustimmung hoffen.

Trotzdem geht es eben um Begierde, und nicht um den Sex in einer auf Dauer angelegten Beziehung. Es geht um Lustgewinn, und dieser ist als Grundlage für Sex eben auch bei Heterosexuellen nicht ausreichend. Für unser Problem trägt diese Stelle also recht wenig aus. Sie bestätigt uns, daß Sex aus reiner Begierde zwischen Gleichgeschlechtlichen verkehrt ist.

Ein wenig anders sieht es aus bei den Levitikusstellen:

Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

So steht es in Lev 18, 22. Krasser noch Lev 20, 13:

Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.

Es geht also darum, beim Manne zu liegen wie bei einer Frau. Festzuhalten ist zuerst einmal: Hier geht es um eine bestimmte Form des geschlechtlichen Verkehrs, der verboten wird. Es geht nicht um die Liebe zwischen zwei Männern oder zwischen zwei Frauen, die verboten werden soll. Das entspricht dem, was ich oben schon schrieb.

Die Frage stellt sich nun, was denn genau gemeint ist mit „beim Mann liegen wie bei einer Frau“? Im Hebräischen ist es dann noch unklarer, da ist nämlich davon die Rede, daß man nicht bei Männlichem liegen soll. Es ist also nicht die Rede von einem Mann, sondern von etwas Männlichem. Wieso diese Unterscheidung? Wieso steht da nicht zweimal Mann? Wieso einmal „Männliches“? Handelt es sich etwa um keinen richtigen Mann? Das muß dunkel bleiben.

Eine andere Frage taucht auf: „wie mit einer Frau“. Im Hebräischen (und auch in der griechischen Übersetzung) steht genauer „Bettlager der Frau“ oder auch „Geschlechtsverkehr der Frau“. Das Wort für Bettlager kann auch Geschlechtsverkehr heißen (wobei es mir scheint, als ob im Hebräischen die Bedeutung „Lager“ häufiger ist, im Griechischen die Bedeutung Geschlechtsverkehr). Wieso diese Beschreibung?

Eine weitere Frage taucht auf: In der Geschichte von Sodom und Gomorrah ist die Rede davon, daß die Männer der Stadt die Fremden „erkennen“ wollen. Wieso, wenn es um ein generelles Verbot de sexuellen Verkehrs mit Männern geht, wird dieser Begriff hier nicht gebraucht?

Auch an anderen Stellen, wo Mann und Frau Sex miteinander haben, ist die Rede vom Hinlegen. Aber nicht die besondere Betonungs des Bettlagers oder Geschlechtsverkehrs der Frau. So stellt sich mir die Frage, ob hier vielleicht auch gemeint sein könnte, daß man nicht im Ehebett mit einem Mann schlafen soll, also quasi die Frau betrügen mit einem Mann, und ihr damit die Chance auf ein Kind nehmen.

Was genau gemeint ist, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls sieht alles danach aus, als ob es sich um eine bestimmte Situation oder eine bestimmte Art des Verkehrs handelt. Nicht verboten wird die Liebe zwischen zwei Männern. Nicht verboten wird der Kontakt, soweit er nicht „Geschlchtsverkehr der Frau“ ist. Verboten ist alleine das, was unter diesen dunklen Begriff fällt, der nicht mit dem allgemeinen „erkennen“ ausgedrückt wird und ach nicht nur mit „beieinander liegen“. Will man die Bibel ernst nehmen, muß man diese Abweichungen ernst nehmen.

Sieht man sich den Kontext an, so geht es bei all den Fragen im Umfeld sowieso nicht um irgend eine Moral, sondern um die Reinheit. Die Völker, die vorher im Land waren, haben all das getan, und haben sich damit kultisch unrein gemacht. Das Land sollte aber rein sein, deshalb mußte auch das Volk, das einwanderte, also die Israeliten, rein sein. Es geht also um einen kultischen Kontext. Darauf weist auch der Begriff Greul hin.

Wer sich also an diese Gesetze hält, der muß logischerweise auch all die anderen Reinheitsgebote halten, denn das eine macht so unrein wie das andere. Dies steht aber widerm im Widerspruch zum NT, in dem gesagt wird, daß Heidenchristen, also wir alle, nicht an das Gesetz der Juden gebunden sind. Paulus hatte sogar Tischgemeinschaft mit den unreinen Heidenchristen, obwohl er selbst ein Judenchrist war.

Abschließend läßt sich also sagen, daß es Paulus im Römerbrief nicht darum geht, über die Homosexualität eine Aussage zu machen, sondern sie als Beispiel nahm für etwas (zumindest) zum damaligen Zeitpunkt bei ihm sowie den Adressaten als negativ Verstandenes. Darüber hinaus spricht er von Begierden und Leidenschaften, die auch bei heterosexuellen Menschen nicht Grund für Sex sein können, solange keine Übernahme von Verantwortung dazukommt.

Im AT gibt es eine Stelle, die in zwei Versen vorkommt, einmal noch mit einer Todesdrohung. Was mit der Formlierung gena gemeint ist muß für uns heute dunkel bleiben. Jedenfalls wird eine bestimmte Praxis genauer benannt, denn anders sind die speziellen Wörter kaum zu erklären.

Darüber hinaus geht es um Reinheit, also ein kultisches und nicht um ein moralisches Ideal. Wer daran festhält, muß am ganzen Gesetz festhalten. Uns Heidenchristen ist das jüdische Gesetz aber laut NT nicht auferlegt. Demnach haben diese Gesetze für uns keine Relevanz. Genasowenig wie Paulus es für sich als relevant erachtete, keinen Umgang mit den Heiden zu haben. Er hatte ihn, er aß mit ihnen, er kritisierte sogar Petrus, als der mal so mal so tat (Gal 2). Es handelt sich um ein Gebot für die Israeliten für das Land.

Für uns hier und heute, die wir Beziehungen von Homosexellen auf Augenhöhe kennen, richtet es nicht viel aus. Für Homosexuelle gilt wie für Heterosexuelle, daß eine sexuelle Beziehung in Verantwortung geführt sein muß. Das leitet sich aus der Nächstenliebe her. Spaß einfach so ist nicht zu haben, dabei bleibt immer jemand auf der Strecke auf lange Sicht. Liebe kann jedoch nicht verkehrt sein. Egal, wer nun wen liebt.

Das einzige, was man vielleicht mutmaßen könnte, wäre der Verbot bestimmter sexueller Handlungen (und dann auch nur für die, die das ganze Gesetz halten, inklusive Beschneidung und Schweinefleischverbot!). Es ist jedoch fraglich, welche Praxis gemeint ist und selbst wenn man es wüßte, würde wohl niemand auf die Idee kommen, Kameras im Schlafzimmer installieren zu wollen, um zu sehen, ob sich auch alle schön an das Verbot halten.

Und aus all den dargelegten Gründen seh ich kein Problem darin, wenn zwei Menschen, die einander lieben und füreinander Verantwortng übernehmen, Sex miteinander haben. Egal welchen Geschlechtes sie sind.

glaube

Römer 7 und die Sünden

Rainer Braendlein hat in einem Kommentar zum zweiten Artikel der Schwule Pfarrer Reihe bzw in einem eigenen Blogpost (beide Texte sind identisch, soweit ich das sehe) sich mit der Frage befasst, ob Paulus denn „in Sünde gelebt“ habe.

Ausgangspunkt war eine Formulierung im genannten zweiten Schwule Pfarrer Artikel:

Muß man mit der Übernahme eines Amtes quasi zum Übermensch werden, der nie mehr sündigt? Dazu Paulus:

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Paulus ging nicht davon aus, daß er, als Apostel, nur Gutes tun könnte. Und trotzdem predigte er, und ich will meinen nicht mit wenig Erfolg. Wir dürfen also von unseren Pfarrern auch nicht erwarten, daß sie immer alles richtig tun.

Meine These war nun, daß es sich hier um eine Aussage Pauli handelt, die sich auf sein Leben zur Zeit der Verfassung des Briefes bezieht, Rainer Braendlein will es als Rückblende auf das frühere Leben verstehen.

Nun sind nach meiner Lektüre der Erwiderung Rainer Braendleins in seinem Artikel sowie dem wiederholten Lesen der gesamten Auseinandersetzung meiner Meinung nach 3 Dinge festzhalten:

  1. Es handelt sich wohl um ein Mißverständnis. Denn Rainer Braendlein zielt in seinem Artikel vor allem darauf ab, daß Paulus nicht „in Sünde gelebt“ habe. Man müßte vielleicht nochmal genau klären, was damit gemeint sein soll. Meine Absicht war es jedoch nie zu sagen, Paulus sei als Apostel verloren gewesen. Ich spreche mich auch nicht für eine billige Gnade aus. Was ich in meinem Artikel sage ist, daß man von einem Pfarrer nicht verlangen darf, perfekt zu sein. Man darf aber schon von ihm erwarten, daß er die Sünde zu vermeiden sucht. Ich denke hier hat mich Rainer Braendlein nicht ganz verstanden und ich ihn auch nicht, aber eigentlich haben wir die gleiche Ansicht.
  2. Meine ich nicht, daß der fragliche Abschnitt ein verlorenes, unerlöstes Leben (so verstehe ich das „Leben in Sünde“, bin mir aber nicht sicher) bedeten muß. Denn was sagt Paulus? Er sagt, daß in seinem Fleisch das Böse wohnt, und er es auch tut, obwohl er nicht will. Nach meinem Verständnis ist das aber nichts anderes als das, was Rainer Braendlein schreibt:

    Röm 7, 25 ist nicht etwa so gemeint, daß Paulus in Sünde gelebt hätte, sondern er meint, daß er bedauerlichesweise einen Leib mit sich herumschleppen muß, der völlig der Sünde unterworfen ist.

    Paulus hatte bedauerlicherweise, wie wir alle, den Leib aus Fleisch, weil der Geistleib eben erst kommt. Und wie wir auch mußte er kämpfen. Aber ebenso wie auch wir, hat er Anteil an der Gnade Gottes. Daß heißt, auch wenn das Fleisch einmal gewinnt (und wenn wir ehrlich sind, tut es das oft genug, wie fromm wir auch sind und wie ernsthaft wir unseren Weg mit dem Herrn auch gehen), dürfen wir trotzdem Buße tun und auf Gnade hoffen (hier würde nun Luthers „sündige tapfer“ passen). Das gilt für Paulus wie für uns.

  3. Ich denke, genau davon spricht Paulus hier. Er schreibt in Kapitel 6 erst von der Taufe, dann in Kapitel 7 erst von der Freiheit vom Gesetz und kommt dann daz den Menschen unter dem Gesetz zu beschreiben. Und da unterscheidet sich erst einmal nicht viel zwischen Christen und Nichtchristen. Paulus stellt die Situation dar, wie sie ist: Das Fleisch ist schwach, und das Gesetz zeigt an, was eigentlich gut ist, treibt dabei aber umso mehr zum Sündigen an. Paulus betont, daß er (und damit ach jeder andere Mensch) das Gute tun will aber trotzdem das Böse tut und kommt schließlich zu der Formulierung (V24):

    Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?

    Das ist erst einmal die Situation des Nichtchristen. Aber eben auch die Situation des getauften Christen, wie wir dann im Folgenden sehen (V25):

    Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

    Denn der Nichtchrist dient nicht mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, das tut der Christ. Denn Er lobt erst Gott und sagt danach, daß er nun, also nach der Bekehrung, dem Gemüt (im Griechischen steht νοῦς, also ist das Denken gemeint, keine Emotion) nach dem Gesetz Gottes dient und dem Fleisch, also dem Körper nach dem Gesetz der Sünde. In Kapitel 8 schreibt Paulus dann, daß durch den Geist die Taten des Fleisches kontrolliert werden können also der νοῦς, der Verstand, der Gott folgt, herrscht über den Körper, der der Sünde folgt. Da sind wir wieder einer Meinung.

Doch halte ich weiterhin daran fest, daß Menschen bei allem Wollen nicht immer auch ein Können haben. Es geht hier nicht um „ein Fehler und Du bist raus“. Wenn ein Mensch von seinem Körper überwunden wird, kann er über den Weg der Buße bzw. Reue (μετανοῖα; vgl. 2. Kor 7,9f; 12, 21; 2. Ti 2, 25f) wieder dahin kommen, daß der Gott folgende Verstand wieder das Ruder übernimmt. Und das sollte man jedem Menschen zugestehen, denn kein Mensch wird von der Bekehrung bis zum Tod alles richtig machen und ganz ohne Buße auskommen.