Gesellschaft, Religion

Der Moslem hat keine Gemeinschaft mit Gott, wenn er Ungläubige zu Freunden hat

So der zweite Satz auf dem Hetzbild, angeblich Sure 3:28. Nach der Übersetzung von Rudi Paret lautet die Aya so:

Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen. Wer das tut, hat keine Gemeinschaft (mehr) mit Allah. Anders ist es, wenn ihr euch vor ihnen wirklich fürchtet. (In diesem Fall seid ihr entschuldigt.) Allah warnt euch vor sich selber. Bei ihm wird es (schließlich alles) enden.

Einmal abgesehen davon, daß die Bibel ebenfalls einige Verse kennt, die dazu ermahnen, keine Gemeinschaft mit der Welt zu haben (2. Kor 6, 14, Eph 5, 6-8 etc), ist die Aussage doch auch schlicht logisch:

Wer Ungläubige zu Freunden hat statt Gläubige, der ist in der Gesellschaft der Ungläubigen und nicht in der Gesellschaft, in der der Gott der Gläubigen verehrt hat. Wenn ich Dortmund-Fan bin und nur mit Bayern Fans rumhänge, inwiefern bin ich dann wirklich Dortmund Fan? Wo kann ich die Fangesänge singen? Wo mich über ihre Tore freuen? Dann gehöre ich nicht mehr dazu.

Das ist nichts Positives oder Negatives. Menschen mit gemiensamen Interessen und Ansichten haben Gemeinschaft – das ist ganz normal. Das gleiche gilt auch für Muslime, wieso auch nicht?

Das ist kein Aufruf zum Krieg, kein Aufruf zur Gewalt, nicht dergleichen. Es ist eine ganz normale, alltägliche Erkenntnis: Wer sich mit Leuten umgibt, die andere Interessen haben, lkann seinen eigenen Interessen nicht oder nur eingeschränkt folgen, deshalb hält sich ja jeder auch an Menschen, mit ähnlichen Interessen.

Das führt nicht zu Krieg, nicht zu Gewalt, nicht zu Mißachtung – oder blicken Dartspieler generell auf Hobbyköche herunter?

Daß diese Aya in der Auflistung des Hetzbildes überhaupt vorkommt, ist lächerlich. Aber so ist diese Hetze ja allgemein meist…

Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Radikalisieren?

Ravenbird hat bei Diaspora* dieses Bild gepostet.

Dazu hat er noch einen Text geschrieben und das ganze hat ein paar Diskussionen nach sich gezogen.

Ich gebe zu ich habe anfangs den Text nur überflogen, denn die Grafik erschien mir schon aussagekräftig genug. Hier möchte ich nochmal meine Gedanken festhalten. In meinem letzten Kommentar dort schrieb ich:

Ich verstehe das so, daß man seine bestehenden Ansichten radikaler vertreten soll, also mehr eigene Meinung durchzusetzen versuchen, weniger auf andere zugehen. Deshalb lehne ich das ab.

Ravenbird entgegnet darauf:

Da ist nicht das geringste von Gewalt gesagt. Da steht was davon für die Interessen von sich uns seinen Mitmenschen einzutreten. Da steht etwas von Solidarität, Kommunikation und Organisation. Achso und wenn Du den Artikel noch mal ganz genau ließt, so wirst Du erkennen das das mit einer totalitären, gewaltbereiten Schiene so rein gar nichts zu tun hat.

Im ursprünglichen Text schrieb Ravenbird unter anderem:

Deshalb rufe ich dazu auf das Ihr selbst Euch radikalisiert! Tretet radikal für Euch und Eure Mitmenschen sowie Eure gemeinsamen Interessen ein. Nein nicht für Deutsche oder die Deutsche Nation! Für Euch selbst, für Eure Familie, Eure Freunde, Eure Bekannten, Nachbarn und all jene in Eurer Umgebung. Dabei muss es egal sein welcher Hautfarbe sie sind, welche Sprache sie sprechen und woher sie kommen.

Was mich hier stört? Das „muß“. Denn es widerspricht dem vorherigen Aufruf, für die eigenen Interessen und die der Mitmenschen einzutreten. Was meine Interessen sind entscheide ich, und nicht ein anderer. Ravenbird ist hier, wahrscheinlich ohne es zu merken, auf einem paternalistischen Weg: Er ist von seinen Ansichten überzeugt und will nun, daß alle anderen diese Ansicht auch als richtig anerkennen und „radikal“ an ihrer Umsetzung arbeiten.

Ich verstehe ja das Grundanliegen, und es ist sicher nicht schlecht gemeint. Aber die Grundstruktur des Aufrufs birgt eben – und darauf will ich hinweisen – die Negierung der Aussage in sich, was bleibt ist Aktionismus, dessen Richtung nicht ganz klar ist.

Ein anderes, grundsätzliches Problem, es klingt in meinem obigen Selbstzitat an ist, daß ich mir in letzter Zeit Gedanekn mache bezüglich des Zusammenhalts der Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der jeder nur seine eigenen Interessen umzusetzen sucht, wird über kurz oder lang auseinanderbrechen. Das wäre an sich noch kein Problem, wenn diese Bruchstellen nicht genau die Stellen wären, an denen später Konflikte auftreten können, die schnell auch mit gewalt ausgetragen werden können. Das ist mein Problem.

Mein alter Religionslehrer machte immer einen Unterschied zwischen der Pluralität und einem Pluralismus in der Gesellschaft. Pluralität ist demnach wichtig und richtig, denn die Einheitsgesellschaft, in der jeder das Gleiche zu wollen hat, was von oben als gut und richtig bestimmt wurde, ist eine Tyrannei, die Menschen sind unterschiedlich und sollen es auch sein dürfen. Ein Problem wird es, wo die Pluralität sich zum Pluralismus wandelt, wo die Diversität der Gesellschaft sich „radikalisiert“, wo jeder radikal für das selbst als richtig angesehene Ideal eintritt und keiner mehr in der Lage ist, auf den anderen zuzugehen und mit ihm nach einem Modus zu suchen, unter dem beide zusammenleben können.

Ich weiß nicht, war es die letzte oder die vorletzte US Präsidentenwahl, da wurde in der Berichterstattung davon gesprochen, daß die jeweiligen Parteien vor allem danach streben, ihre Anhänger zum Wahlgang zu motivieren: Wer mehr seiner Anhänger dazu bringt, den Arsch zu heben und ihre Stimme abzugeben, der würde gewinnen. Überzeugung schien gar keine Rolle zu spielen. In der Zeit danach bekam ich den Eindruck, daß es auch bei uns nicht anders ist.

Was ist das für eine Vorstellung von Demokratie!

Da hofft der Kandidat der einen Partei, daß die Anhänger des anderen Kandidaten nicht in so hoher Zahl wählen gehen, damit er selbst gewinnt. Er hofft also, man lasse sich das auf der Zunge zergehen, daß die demokratische Willensäußerung in gewissen Kreisen nicht stattfindet! Er hofft quasi auf ein Versagen des demokratischen Priinzips zu seinen Gunsten. Und der (oder sein Kontrahent der ähnlich denkt) soll dann als demokratisch gewählter Präsident fungieren! Was für ein Hohn!

Übrigens: Mir wurde das nur bei der Berichterstattung über die US Wahlen bewußt, ich denke nicht, daß unsere Politiker vor solchen Gedanken gefeit sind.

Mein Aufruf wäre also: Radikalisiert Euch nicht! Geht erst einmal auf die anderen zu, versucht, sie zu verstehen, ihre Ängste und Hoffnungen, die sie antreiben. Das mag zuerst verstörend sein, wir haben uns weit voneinander entfernt. Es wird nicht leicht sein, wenn Autonome und Neonazis das Gespräch miteinander suchen, und im gegenseitigen Austausch wird auch mancher vielleicht seine bisherige Position verlassen oderrelativieren müssen, weil er mit neuen Lebenserfahrungen konfrontiert wird, die er mit seinem bisherigen Weltbild nicht einsortiert bekommt.

Deshalb würde ich Ravenbird durchaus zustimmen, wenn er schreibt:

Es geht um Zusammenhalt, um Solidarität. Es geht darum den Teufelskreis unseres Systems, aber auch jenen des Kapitalismus zu durchbrechen!

Wobei, ich denke das Problem liegt tiefer als der Kapitalismus, daß man mit Andersdenkenden nicht (mehr?) redet. Trotzdem ist dies ein Teufelskreis: Man redet übereinander und sucht im jeweils anderen das Problem zu erkennen für die bisherige Misere. Ob die Sündenböcke dabei die Bänker, Nazis, Linken, Gutmenschen, Muslime oder Juden sind (hab ich wen vergessen) spielt an sich keine Rolle, denn keiner geht auf die anderen zu und versucht rauszufinden, wieso die so sind wie man meint daß sie sind (vielleicht sind die ja ganz anders).

Es ist gut, wenn jemand klare Überzeugungen hat und sich dazu bekennt und für sie einsteht. Aber wenn es darum geht

jenen die derzeit im Sattel sitzen und Teil des Systems sind zu zeigen, dass sie und ihr Platz alles andere als sicher sind!

dann frage ich mich was dabei rauskommen soll als einfach nur Rache für begangene Fehler und Austausch der bisherigen Führung durch eine dem Aufrufer genehmere. Die wird von anderer Seite auch wieder kritisiert werden, und so geht der Konflikt weiter.

Durchbrechen wir das! Machen wir mal was anders! Suchen wir das Gespräch miteinander und den Konsens, statt uns im Konflikt zu zerreiben und noch mehr Not und Leid zu produzieren, als wir eh schon haben!

Diskussion mit Theodred

Und die nächste Runde

Das Folgende bezieht sich hierauf:

Erst mal zum Interview mit Necla Kelek:

Wenn die von der türkischen Regierung abhängige Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) so baut, ist das nicht nur eine ästhetische Frage, sondern es soll ein Zeichen gesetzt werden: Seht her, wir sind jetzt hier, und uns hat keiner reinzureden. Architektur ist Zeichensprache wie das Kopftuch oder der Tschador.

Angenommen Frau Kelek hat Recht, daß hier Zeichen gesetzt werden sollen. Na und? Wenn die NPD ihre Demos macht, will sie auch Zeichen setzen, und meist kann sie das auch tun. So lange sie keine verfassungsfeindlichen Symbole mitführen, oder verhetzende Parolen grölen, wird die Polizei nicht eingreifen. Wenn nun auf der anderen Seite Ditib meint, irgendwelche Zeichen setzen und Renomierpimmel bauen zu müssen, bitte. Sie können gerne meinen, daß ich ihnen nicht reinzureden hätte. Nur sehe ich mich an diese ihre Meinung so wenig gebunden, wie an die Meinung der Rechten, ich hätte was gegen Juden und Ausländer zu haben. Wenn sie mein Reinreden zu unterbinden suchen, dann kann ich mich im Rechtsstaat dagegen wehren. Eine Moschee ist keine Bedrohung. Aber es gibt Menschen, die drohen. Denen muß dann das Handwerk gelegt werden, unabhängig davon, was ihre Architektur ausdrücken will. Dabei können die Gebäude gerne stehen bleiben. Gebäude tun mir nix.

Nein, die Nonne oder der fromme Jude demonstrieren ihre persönliche Beziehung zu Gott. Sie bleiben dabei gleichberechtigte Bürger. Tschador und im abgeschwächten Maße auch Kopftuch sind ein Bekenntnis zu ganz bestimmten Machtverhältnissen im Diesseits. Die islamische Frau verhüllt sich für den Mann, der ihr Herrscher und Beschützer ist – und nicht für Gott. Sie zeigt damit, dass sie die Ehre ihres Mannes ist.

Angenommen Frau Kelek hat auch hier recht: Angenommen, die Frauen unter dem Tschador drücken damit ein Bekenntnis zur Unterwürfigkeit aus. Ist es nicht ihr Recht, dies zu tun? Als freie Glieder unserer freien Gesellschaft? Wo eine Frau den Tschador von ihrem Mann vorgeschrieben kriegt, bin ich sofort dabei, das zu unterbinden. Wo es aber ihre eigene, freie Entscheidung ist, werd ich den Teufel tun. Das Problem kennt man doch auch in anderen Kontexten. Da wird katholischen Frauen gesagt, wie sie sich in ihrer „frauenfeindlichen“ Kirche fühlen sollen und daß sie sich wehren sollten etc. Auch dort kommen die Vorwürfe von außenstehenden. Und treffen wahrscheinlich prozentual auch seltener zu, meinetwegen. Aber den Tschador zu verdammen, weil es da vielleicht Frauen gibt, die anders denken als Frau Kelek, das geht mir zu weit. Ich find sogar die Burkaverbote falsch.

Gelebter Glaube kann sich nicht in öffentlichen Demonstrationen erschöpfen, sondern muss als gelebte Kultur die Menschen bereichern und sollte nicht Mittel der Abgrenzung sein. Um das Opferfest zu begehen, ist es zum Beispiel überflüssig, ein blutiges Schlachtfest zu veranstalten.

Ich bin der Meinung, daß jeder Gläubige selbst entscheiden muß, wie sein gelebter Glaube aussieht. Ich würde mir da nicht reinreden lassen, von niemandem. Und Du sicher auch nicht. Frau Kelek macht ja hier nen ganz netten Trick: Erst deklariert sie alles, was mit dem Islam z utun hat zu öffentlichen Demonstrationen, und dann sagt sie, daß Glaube nicht nur daraus bestehen könne. Ich meine: Wenn wirklich nur das dahinter steckt, dann wird das Ganze relativ schnell in sich zusammenbrechen. Wenn die Menschen nicht den Eindruck haben, bereichert zu sein durch den Glauben, dann werden sie über kurz oder lang sich von diesem Glauben abwenden. Ich denke aber, daß er momentan vielen eben sowas wie Identität gibt. Sie werden als Deutsche nicht anerkannt, sie werden in der Türkei nicht als Türken anerkannt, sie stehen zwischen allen Stühlen. Die Zugehörigkeit zur Umma steht aber nirgends in Frage, also definieren sie sich darüber. Jedenfalls hab ich den Eindruck, daß das ne Rolle spielt. Glaube gibt Heimat. Deutschland scheinbar nicht.

Es gab keine kritische Selbstreflexion der muslimischen Gemeinschaften, sie haben sich keinen Schritt bewegt. Ich lerne in der Moschee nicht Nächstenliebe und ein guter Mensch zu sein, sondern mich zu unterwerfen. Auch dies wäre zu akzeptieren, wenn es eine Beziehung zwischen dem Gläubigen und seinem Gott ausdrücken würde. Aber es ist in der Regel die Unterwerfung unter ein Kollektiv mit aggressiven Machtansprüchen im Diesseits.

Ist mir wieder alles etwas zu absolut formuliert, aber okay. Nochmal: Wenn sich jemand unterwerfen will, ob mit oder ohne Beziehung zu seinem Gott, ob mit oder ohne Nächstenliebe, dann geht mich das nix an. Für mich wird es da relevant, wo nicht jemand sich unterwirft, sondern durch Druck unterworfen wird. Als 1/80.Mio stel Souverän dieses Landes bin ich gefordert, meiner Verantwortung als Souverän gerecht zu werden, und das zu unterbinden. Dazu haben wir unser Rechtssystem. Wenn wir den Eindruck haben, daß dies keinen Schutz bietet, müssen wir darüber reden, wie wir den Schutz gewährleisten können, möglichst ohne die freie Selbstunterwerfung anderer zu stören.

Schauen Sie sich mal Koranschulen an. Das ist ein dumpfes Pauken ohne jegliches Verständnis, geschweige denn Kritik. Die kleinen Jungen lernen dort nur, sich dem Imam zu unterwerfen. Es gibt ja keine Institution, die das überprüft. Was der Imam sagt, ist Gesetz. Da werden keine Bürger erzogen, sondern Untertanen. Warum kümmern sich die Imame nicht um zwangsverheiratete Mädchen, um geschlagene oder vergewaltigte Kinder?

Das hört sich sehr ähnlich an wie einige Vorwürfe neoatheistischer Seite gegen die Kirchen. Dort will man dann den Religionsunterricht unterbinden, damit die Kinder nicht indoktriniert werden oder Religionszugehörigkeit überhaupt erst ab 18 gesetzlich zulassen (China läßt grüßen). Ob ich glaube, daß es diese Hinterhofimame gibt? Sicher. Ob ich da eingreifen will, indem ich das unterbinde? Da wird’s haarig, weil ich recht viel vom Recht der Eltern halte, ihre Kinder selbst zu erziehen. Mag sein, daß es da Möglichkeiten gibt, die Dinge zu bessern, das wär aber nochmal ne ganz eigene Diskussion. Ich meine jedenfalls, daß ein islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache an deutschen Schulen eine mögliche Alternative wäre. Die wird dann vielleicht nicht von allen angenommen (Kinder der Zeugen Jehovas gehen auch in den Ethikunterricht), aber ich rechne mit einer qualitativen Verbesserung gegenüber dem Hinterhofimam. Das gibt dann vielleicht nochmal nen eigenen Kulturkampf, auf wen man jetzt hört, den Imam im Hinterhof oder den Religionslehrer in der Schule, aber ich finde, man sollte keine Angst vor dem Kampf haben.

Die Ditib, der Bauherr der Moschee, ist ein Ableger der mächtigen und finanzstarken türkischen Religionsbehörde und die hat im Moment 800 Beamte hierher entsandt. Der Etat dieser Behörde ist nach dem des Militärs der höchste Posten im türkischen Haushalt. Für mich ist der Bau der Kölner Moschee keine Frage von Religionsfreiheit und auch kein Zeichen der Integration.

Frau Kelek darf natürlich denken was sie will. Und es muß auch nicht jede Moschee ne Baugenehmigung kriegen. Wo allerdings das Problem ist, wenn jemand Geld in Deutschland investiert, erschließt sich mir nicht ganz. Gut, die Türkei verfolgt meinetwegen eigene Interessen. Wer nicht? Dann muß man halt über ein Gesetz nachdenken, daß es fremden Regierungen verbietet, in Deutschland zu investieren. Oder ist es nur bei der Türkei schlimm, weil es die Türkei ist?

Wer ständig von „Überlegenheit“ , spricht, von der eigenen Stärke im Kontrast zur Schwäche und den Irrtümern der anderen geht sehr wohl in jene Richtung, wer dazu seine wichtigsten bzw. zentralen Gebäude als offensichtliche Ehrung nach jemandem benennt, der den Krieg gegen die „Unterlegenen“ mit äußerster Härte führte – was ist das anderes als Demagogie?

Und wie viele Michaels- und Georgskirchen gibt es? Beim Motiv des Drachentöters geht es doch auch um die Überwindung des Heidentums, oder hab ich da was falsch verstanden? Ich verstehe ja Deinen Einwand. Ja, wir benennen keine Straßen mehr nach Göring. Aber wie sieht es mit all den Monarchen aus, die Deutschland oder Teile davon regierten? Die ahben auch Kriege geführt? Wie ist es mit Barbarossa, dem alten Kreuzzügler? Ja, dieses ständige Reden von der eigenen Überlegenheit ist schon nervig, und unhöflich allemal. Aber mein Gott, laß sie doch spielen. Abkaufen tu ich es ihnen nicht. Und wenn sie versuchen, dieses Gerede durch Gewalt in die Tat umzusetzen, dann gibt es dafür die Polizei. Verhetzung würde ich sehen, wenn dezidiert dazu aufgerufen wird, „Ungläubige“ anzugreifen oder zu töten. Das sehe ich allgemein noch nicht gegeben, weder durch die Existenz von Minaretten, noch durch diese Renomierpimmelbauten oder die Benennung derselben nach irgendwelchen unmenschlichen Säbelschwingern. Papst Urban, der zum Kreuzzug aufrief, wurde selig gesprochen und hat seinen eigenen Feiertag (wie nennt man das nochmal genau?). Und ja, man muß da sicher nochmal differenzieren, aber wir sind wir uns nicht einig, daß jeder seine eigenen „Helden“ hat, die er verehrt und die andere vielleicht gar nicht so toll finden? Das kennt man ja schon zwischen Protestanten und Katholiken und der Beurteilung Luthers oder der entsprechenden Päpste. Ich hab jedenfalls den Eindruck, daß man an den Aufsätzen zum Thema oftmals sehr leicht die Konfession des Verfassers ablesen kann, ich hab aber auch nur ne Proseminararbeit zur Reformationszeit geschrieben…

Das setzt sich, von Dir und einem großen Teil der Bevölkerung mglw. unbemerkt ,dann auch an anderer Stelle fort. Wer die türkische Verfilmung der Eroberung von Konstantinopel „Fetih 1453“ oder die türkische Serie „Tal der Wölfe“ gesehen hat wird eine Heldenverklärung, Geschichtsklitterung und Dämonisierung sehen, die man zuletzt in Machwerken sah, welche heute klar mit dem Stempel Propaganda versehen sind und durchaus zum „auf Linie bringen“ beitrugen.

Nach allem was ich sonst so über diese Filme gehört hab, dürftest Du Recht haben. Das ist aber auch schon wieder ne andere Sache, ob die ne Freigabe bekommen oder nicht. Allerdings denke ich dabei dann auch an die Filme meiner Kindheit und Jugend, wo ganz klar war, daß die Amis die strahlenden Helden sind und Russen einfach nur böse… Ich kann das alles reflektieren und trotzdem noch gerne Rambo gucken, oder Rocky IV (war IMHO der krasseste was das anging). Will sagen: Die Tendenzen der Glorifizierung der eigenen „Helden“ und die Dämonifizierung der anderen, das gibt es überall. Möglich, daß die von Dir genannten türkischen Filme noch krasser sind, dazu kann ich nichts sagen, weil ich sie nicht sah. Dann müssen sie eben indiziert werden. Worum es mir geht: Tendenziell ist das überall gegeben.

Und egal was mich dazu getrieben hat, das zu verursachen, spätestens beim Eintreten sollte dann der Mensch, egal ob religiös oder nicht merken: was tue ich da?

Da stimme ich Dir zu. Wobei wir auch alle unsere eigenen Begründungen haben, wann man weiter gehen kann udn wann nicht. Spontan fällt mir als negatives westliches Beispiel das Waterboarding ein. Auch die ganzen Überlegungen von wegen Kollateralschäden. Ich habe die Hoffnung, daß ein Mensch merkt, was er da tut. Ich nehme aber wahr, daß überall (nicht bei allen und jederzeit aber immer mal wieder) zumindest keine Konsequenzen aus diesem Merken gezogen werden. Die einen rechtfertigen sich mit dem Krieg gegen den Terror und dem größeren Gut der Sicherheit. Andere rechtfertigen sich mit ihren eigenen Begründungen. Ich lehne sowohl islamische Begründungen als auch das, was in Amerika (und wohl zum Teil auch bei uns) so lief ab. Ich würde aber nciht die Hand ins Feuer halten, daß ich selbst nicht auch meine fragwürdigen Rechtfertigungen zusammenbau und es vielleicht gar nicht merke. Klar, ich habe eine Überzeugung, was das höchste Gut wäre. Aber ich nehme wahr, daß viele Menschen in der Gesellschaft dem nicht zustimmen. Ich kann meine Vorstellungen nicht absolut setzen, sondern muß tolerant sein. Die gleiche Toleranz verlange ich dann auch von anderen Mitgliedern der Gesellschaft. Friedliches Zusammenleben ist nur mit Toleranz möglich. Wo einer meint, diese verweigern zu können, und seine Ziele mit Gewalt durchzusetzen sucht, hat die Gesellschaft einen Staatsapparat, ich denke dabei vor allem an die Polizei und das Rechtssystem, und die sorgen dann für den Interessenausgleich, indem sie ihr Gewaltmonopol anwendet, um andere Gewalt zu unterbinden. Aber nochmal: Minarette sind keine Gewalt. Ebensowenig wie Mohammedkarikaturen. Deshalb ist eine Gewaltreaktion darauf, wie bei einigen Muslimen gesehen, IMHO auch nicht zu tolerieren. Trotzdem würde ich Minarette genau so wenig verbieten wollen wie Mohammedkarikaturen, oder meinetwegen Jesuswitze. In einer freien Gesellschaft müssen die betreffenden Gruppen das ertragen können, sonst ist Ende mit der freien Gesellschaft.

Hierzulande in einer anderen „Welt“ aufzuwachsen ist nicht schwer. Aber überhaupt nichts von der Welt der anderen mitzubekommen ist nahezu unmöglich. Gerade die Parallelwelt die wir ansprechen ist dank Handy, PC, TV, Schulpflicht, Werbeflächen und weißnochwo stets präsent.

Wie hoch ist die Chance, das falsch einzuschätzen? Du verlangst hier ein verdammt hohes Niveau an Eigenverantwortung und Reflektionsfähigkeit. Gleichzeitig verlinkst Du mir einen Artikel, der den Eindruck erweckt, die muslimischen Frauen mit Kopftuch müßten alle davon befreit werden. In der Hinsicht also dann keine Eigenverantwortung?

Ich kann nicht sagen wie es ist, in einer Parallelgesellschaft aufzuwachen, und wie man dann denkt. Ich lese einige Blogs von amerikanischen Ex-Fundis, und wenn die von ihrem früheren Leben erzählen, hab ich oft den Eindruck, daß es gar nicht so leicht ist, daß, was außerhalb des eigenen Kosmos geschieht, richtig wahrzunehmen. Ich kann mir denken, daß es Muslimen hierzulande ähnlich geht. Wie gesagt, ich kenn es nicht aus erster Hand, alles nur Spekulation. Jedenfalls würd ich deshalb nicht so sicher sagen können, daß man sich da entscheidet. Ja, ich war auch immer Außenseiter, zumindest in Kindheit und Jugend, aber ich meine, das ist nochmal was anderes. Aber selbst bei mir, einem Kind, das nicht in einer Parallelgesellschaft aufgewachsen war, haben sich Gedanken gebildet wie „die anderen sind alle doof“. Man sucht ja irgendwie, mit seiner Außenseiterposition klarzukommen…

Was Regierungschefs angeht, so muss ich zugeben, dass meine gedanklichen Lösungen oft in eine Richtung gehen, die einer Art Kolonialismus gleichen, und das kann ich nicht akzeptieren, schon gar nicht vor dem Hintergrund der Gräuel die darin begangen wurden, vor allem aber vor der erlebbaren Fehl- und Verführbarkeit bei unseren Vertretern wie uns selbst.

Das beschreibt genau meinen Konflikt. Einerseits weiß ich um die geschehenen Gräuel, und will das nicht wiederholen, also schrecke ich davor zurück, Eingreifen zu propagieren. Andererseits seh ich das Elend und denke: Da muß man doch was tun. Mein derzeitiger Standpunkt ist, daß ich hier, wo ich Wahlrecht und damit Verantwortung habe, versuche, der Verantwortung dadurch gerecht zu werden, daß ich anderen anderes Denken und Bauen zugestehe, mit allen damit verbundenen Provokationen, und andererseits danach strebe, Opfern solchen Denkens jede mögliche Hilfe anzubieten. Jeder kann gerne entscheiden, unter wen er sich unterwirft. Aber nicht für andere. Was das Ausland angeht, wo ich kein Wahlrecht habe, und meine Verantwortung deshalb geringer (aber nicht inexistent, ich kann mein Geld einsetzen oder selbst hingehen oder die Regierung wählen, die in der ein oder anderen Richtung aktiv wird) ist, sidn meine Einflußmöglichkeiten geringer. Wie gesagt, ich schrecke davor zurück, Militäraktionen gutzuheißen, bin aber auch kein prinzipieller Gegner von humanitären Einsätzen. Ich denke lediglich, wir machen das zur Zeit mehr schlecht als Recht. Ist aber nochmal ein ganz anderes Thema.

Aber unterschiedliche Maßstäbe wenn es um Menschen und ihre Gebilde geht sind nicht in Ordnung. Das führt letztlich zu unbeachteten Opfern, Eskalation und Bigotterie.

Unterschiedliche Maßstäbe ist vielleicht das falsche Wort gewesen. Unterschiedliche Erwartungen vielleicht eher. Ich erwarte von einer Diktatur nicht, daß sie die Menschenrechte respektiert. Eigentlich gehört die Diktatur weg, aber um nicht wieder in die Kolonialismusfalle zu tappen, müßte man auf liberale Revolutionäre in den jeweiligen Ländern hoffen. In Ägypten waren sie nicht stark genug, um sich dann noch gegen die Islamisten durchzusetzen. Aber was nicht ist…

In der Zwischenzeit müßte man wohl dafür sorgen, die Ofer so gering wie möglich zu halten. Dann nimmt man die Opfer eben als Flüchtlinge auf, wobei man da dann auch schnell bei unseren Asylgesetzen wäre udn inwieweit die Menschen da nochmal zum Opfer werden – wieder ne andere Diskussion.

Das die Gesellschaft aber einfach nur zusieht, wie Mädchen aus Frauenhäusern wieder zu Familien zurückkehren, die sie misshandeln, bedrohen und schließlich auch mißbrauchen ohne ein wachsames Auge und bspw. aufgezwungene Unterstützung zu leisten geht auf Kosten der Mädchen.

Loose – loose Situation. Wobei auch hier die Frage gestellt werden muß, wer den Mädchen vorschreiben will, wie sie sich zu verhalten haben. Wie Du sagst, ist ne schwierige Sache, vor allem wenn man nicht weiß und nicht wissen kann, inwieweit die Entscheidung, zurückzukehren, nicht frei getroffen wurde. Vielleicht muß man manchmal auch einfach nur aushalten, und trotzdem jederzeit Gewehr bei Fuß stehen, wenn Hilfe gebraucht wird. Den Mädchen die Rückkehr zu verweigern wäre ja auch wieder Freiheitsentzug…

Ihr Einspruch lautet unter anderem, dass solch progressives Denken ihre Ausbildung bei den Muslimen diskreditieren würde und sie keine Akzeptanz fänden.

Weicheier. Andererseits dürfte die Angst durchaus begründet gewesen sein. Es war ja schon falsch angefangen, daß man islamische Theologie ohne eine Religionsgemeinschaft als Ansprechpartner betreiben wollte. Das war sicher gut gemeint, aber das reicht halt nicht.

und ich muss zugeben, der Name Lüdemann sagt mir gar nichts.

Guckstu hier. Lüdemann hat den Fehler gemacht, zu laut zu sein, wenn ich das richtig einschätze, denn was er sagte, ist nicht unbedingt neu und er ist auch nicht der Einzige. Aber was die evangelischen Kirchen in Niedersachsen angeht, da hab ich auch ne ganz eigene Meinung…

Brüskiert man die Türkei brüskiert man einen großen Teil der türkischstämmigen Muslime.

Das muß man dann halt hinnehmen.

Die Alternative wäre hier, alle Imame und Islamlehrer zwangsweise aus „westlicher Bildung“ herzuholen.

Ich bin irritiert. Wo sollen die herkommen? Die islamische Theologie im Westen steckt in den Kinderschuhen, ich bin skeptisch ob es da außerhalb Deutschlands überhaupt was gibt. So viele Imame wie benötigt werden kann man zur Zeit gar nicht produzieren…

Die wurde nicht eingehalten, Integrationskurse gestrichen, Gelder veruntreut, die Türen für kritische Frager geschlossen gehalten.

Hmm, ich halt von solchen Großaktionen auch nicht viel. Aber gut, wenn sie meinen, ihr Geld so anlegen zu müssen. Wenn ich sehe, wie uns die Kirchengebäude heute belasten, dann frag ich mich, ob sich die Muslime mit diesen Riesenbauten einen Gefallen tun. Ich find die Millionen in den Kirchentagen besser angelegt. Aber das soll jeder tun, wie er will. Wo Geld veruntreut wird, muß ermittelt werden, und im Zweifel geht halt jemand ins Gefängnis. Das hat dann nix mit der Religion zu tun, sondern mit der Straftat.

Ja, in den ersten Jahrhunderten gab es einige Bewegung in christlicher Geographie. Rom gilt mittlerweile zumindest den Katholiken seit Jahrhunderten als Zentrum.

Die Katholiken stellen aber auch nur die Hälfte der Christen. Aber ich meinte auch nicht administrative Zentren. So kann man wohl bestimmte Gegenden in Südamerika oder Afrika Zentren nennen, weil da einfach viel geht. Wenn man dann auf die Kirchen der Reformation sieht, dann ist da durchaus mehr an Fluktuation gegeben: Zürich, Genf, Wittenberg, Heidelberg, England, Amerika… Herrnhut. Die charismatische Bewegung kommt, soweit ich mich entsinne aus Kalifornien. Lateinamerika, Südafrika und Südkorea haben ihre jeweils eigenen Formen der Befreiungstheologie geprägt. An sowas hatte ich gedacht.

Die theologischen Zentren schwanken zwar ein wenig in ihrem Standort, in ihren Überzeugungen und Lehren weit weniger.

Dazu würde ich mir nie ein Urteil erlauben, weil ich mich da viel zu wenig auskenn. Du weißt offenbar mehr, also muß ich Dir da wohl glauben…

Ich kaufe Erdogan nicht ab, dass er von diesem damals zitierten Gedicht abgerückt sei.

Mag sein. Ich kenn ihn zu wenig um mir darüber den Kopf zu zerbrechen.

Den Menschen vorschreiben zu wollen, wie sie ein Symbol zu verstehen haben klappt nur bei „good will“, und den haben Integrationsunwillige und Islamisten garantiert nicht.

Stimmt, und sobald dieser fehlende gute Wille sie in Konflikte mit dem Gesetz bringt, gibt es eine Strafverfolgung. Bis dahin laß sie doch Türmchen bauen.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 24. März 2013

Ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum.
Psalm 119,14

Der Gott des Friedens mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Hebräer 13,20.21

Mit Mahnungen ist es eine Sache. Spätestens bei der dritten wird es ernst, fängt es an Geld zu kosten. Tja, man soll halt nicht bestellen, was man sich nicht leisten kann.

Trotzdem: Manchmal muß man sich vielleicht durchwinden, daß man vielleicht alle Mahnungen so lange laufen läßt, bis man genug Geld zusammen hat. Der Weg, den die Mahnungen zeigen ist dann mtunter sehr verworren, kostet Kraft und Konzentration, damit man auch keinen Termin verpasst. Jedenfalls ist solch ein Weg nicht angenehm, sondern steinig und schwer.

Hinnehmbar kann all diese Anstrengung sein, wenn man selbst sie zu verantworten hat. Wenn man vielleicht seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit falsch eingeschätzt hat und nun die Konsequenzen tragen muß.

Weniger hinnehmbar wird es, wenn man selbst nichts dazu kann. Wenn es darum geht, das zum Leben notwendige zu bezahlen. Wenn an unverschuldet seine Arbeit verloren und keine neue mehr gefunden hat, und sich nun so durchwurschteln muß, bis ein neuer Job greifbar wird. Trotzdem nimmt man es meist zähneknirschend hin. Das Leben kostet Geld, so ist es nun einmal. Ändern können wir wenig.

Ne ganz andere Sache ist es aber, wenn man mit Mahnungen konfrontiert wird, die keinen Bezug zum eigenen Leben aufweisen. Wenn einfach jemand auftritt, und irgendwelche Dinge verlangt, ohne dafür eine juristisch bindende Grundlage vorweisen zu können.

Das muß sich nicht auf finanzielle Fragen beziehen. Als ich als Teenager die Haare lang wachsen ließ, gab es im unmittelbaren Familienumfeld durchaus Leute, die etwas mehr Gesellschaftskonformität bei der Wahl meiner Frisur verlangten. Ja, wir hatte damals die 90er, ich red hier nicht von den 60ern oder 70ern (der Konflikt war auch nicht groß, aber vorhanden).

Wie auch immer, wir lassen uns nicht gerne eine Schuld einreden, wo wir nicht verantwortlich sind.

Jetzt schreibt aber der Psalmbeter von Psalm 119, daß er sich freut. Über einen „Weg der Mahnungen“. Und wer der Mahner ist, dürfte klar sein: Kein geringerer als Gott höchst selbst.

Nur: Welches Recht hätte Gott, an uns Mahnungen zu richten? Welche Verpflichtungen hätten wir gegen Gott, welche Verantwortung gegenüber Ihm? Wenn man von Ihm nichts erbeten hat? Wenn man vielleicht nicht mal an Ihn glaubt?

Wieso sollten Seine Mahnungen ein Gewinn sein, wieso sollte man sich darüber freuen, wenn Er einem nur noch einen kleinen Weg freiläßt, der vielleicht gerade so steinig und schwer ist wie der oben genannte eines Arbeitslosen durch den Mahnungsdschungel seiner Lebenshaltungskosten?

Im Lehrtext ist dann plötzlich die Rede davon, daß Gott Tüchtigkeit zum Tun des Guten verleihen soll. Das ist schon eher etwas Positives. Wer steht nicht gerne als jemand da, der Gutes tut? Sich darüber zu freuen ist jedenfalls nachvollziehbarer, als sich über Mahnungen oder Genörgel zu freuen.

Im Lehrtext steht aber noch etwas: Erstens wird das Tun des Guten mit Gottes Willen identifiziert, und zweitens ist die Rede davon, daß in uns etwas geschaffen werden soll, was Ihm, also Gott, gefällt.

Jetzt läßt sich trefflich spekulieren, was da gemeint sein könnte. Womöglich ist das, was da geschaffen werden soll die Voraussetzung dafür, daß wir zum guten Tun tüchtig werden (und die Voraussetzung dafür, Gottes Willen zu tun).

Nach Meinung der Herrnhuter Losungsverantwortlichen hat das Ganze dann noch mit den Mahnungen und der Freude darüber zu tun.

Eine mögliche Deutung hab ich schon angedeutet:

Gott will, daß wir Gutes tun. Er hat drei Wege, uns dazu zu bewegen: Er kann uns erstens zum Guten ermahnen, dann kann Er in uns etwas schaffen, das dahin führt und letztlich kann Er uns zum Guten tüchtig machen.

Womöglich sind diese drei Wege alle eigentlich zielich das Gleiche: Er macht uns tüchtig indem Er in uns etwas schafft. Beides kommt übrigens durch Jesus Christus, was meiner Meinung nach auf den Glauben an Jesus Christus verweisen könnte. Und dadurch nehmen wir die Mahnungen vielleicht erst an, bzw vielleicht nehmen wir sie ab dann auch erst wahr.

Tüchtig zum Guten sind wir dann, wenn wir Seine Mahnungen hören oder wahrnehmen können. Woher sollten wir vorher wissen, was Gut ist?

Ich höre schon den Einpruch: Gottes Forderungen in welcher Form auch immer dienen zuerst und vor allem der Machtsicherung und -erhaltung einer religiösen Elite, und der Mensch weiß selbst gut genug, was gut ist und was nicht.

Dem ersten Einspruch stimme ich zu. Wenn immer jemand von Gottes Forderungen spricht oder sprach gilt es genau hinzuhören und zu überlegen, was dahinter steckt. In vielen wenn nicht den meisten Fällen geht es tatsächlich um die Durchsetzung von Machtansprüchen bei Inanspruchnahme göttlicher Autorität. Wenn aber Gott tatsächlich existiert und tatsächlich Forderungen an uns hat, oder meinetwegen auch nur Vorschläge zum Lebenswandel, dann sollte man sich überlegen, ob nicht in einzelnen Fällen tatsächlich Gottes Ansichten formuliert werden.

Diese Unterscheidung zu treffen, so bin ich überzeugt, geht nicht ohne den Heiligen Geist. Nebenbemerkung: Das ist dann womöglich auch der Grund dafür, daß nicht gläubige Menschen hier stets absolut sagen (müssen), daß es IMMER um Machterhalt etc geht. Die andere Option, daß tatsächlich Gott dahinter steckt, ist nur möglich, wenn man an Gott glaubt.

Der andere Punkt mit dem Wissen um das Gute ist so eine Sache. Ich stimme zu, daß wir alle eine gewisse Ahnung davon haben, was gut ist und was nicht. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, daß man hin und wieder in Zwickmühlen kommt, wo man nicht weiß, wie man sich entscheiden soll. So ganz scheinen wir den Dreh nicht rauszuhaben. Und ich glaube auch, daß kein Regelwerk der Welt uns für jeden Fall klare Anweisungen geben kann. So ein Legalismus ist auch gar nicht notwendig, wenn man darauf vertrauen kann, daß der Heilige Geist einen führt. Oder wenn man darauf vertrauen kann, daß Gott eine Fehlentscheidung vergeben wird. Die atheistische Alternative wäre, sich einfach für die Variante zu entscheiden, die einem subjekitv grad besser dünkt. Bei einer Fehlentscheidung haben alle Gewissensbisse. In dem Fall haben Christen keinen objektiven Vorteil gegenüber Atheisten. Aber sie wissen um eine höhere Instanz, auf die sie hoffen können, und die ihnen per Mahnungen (oder Vorschlägen) den Weg weist.

Wie schon gesagt sind solche Mahnungen (zumindest nach meinr Meinung) nicht kodifizierbar, sondern nur mit Hilfe des Heiligen Geistes aus einem Text herauszulesen. Ansonsten sind sie mindestens mißverständlich.

Werden sie aber im Heiligen Geist verstanden, dann zeigen sie einen Weg für den Lebenswandel auf, sie machen einen tüchtig, diesen Weg zu gehen, der darin besteht, das Gute zu tun, das mit Gottes Willen identisch ist. Und darüber kann man sich tatsächlich freuen wie über großen Reichtum.

Nicht, wie manch einer mutmaßen mag, weil man sonst in die Hölle käme, wenn man von dem Weg abwiche, sondern weil es eine Freude ist, wenn man Gutes tun kann, weil es erfüllend ist, dem Leben einen Sinn gibt.

Dies ist freilich nur für gläubige Menschen nachvollziehbar. Nichtgläubige werden lieber ihren eigenen Vorstellungen von Gut und Böse folgen, ihre eigenen Wege gehen und womöglich jede von Gläubigen behauptete Führung mit Unterwürfigkeit und unfreiem Denken oder mit Unterdrückung und Machtmißbrauch in Verbindung bringen. Vielleicht muß es so sein, zumindest, bis der Heilige Geist auch zu ihnen spricht.

Staat & Politik

Gleiches Recht für alle?

Um es vorweg zu sagen: Ich habe die Berichterstattung um das Urteil des BAG zum Streikrecht in kirchlichen Betrieben nur sehr sporadisch verfolgt und kenne das Urteil nicht. Dennoch möchte ich ein, zwei Gedanken mitteilen in Bezug auf den Artikel von Muriel. Muriel schreibt ziemlich am Anfang, daß es nicht um das Urteil des Gerichts gehe, da dieses sich auf geltendes Recht beziehe, während Muriel sich darauf beziehen will, wie es sein sollte. Auf dieser Grundlage will ich darauf eingehen. Um eine Meinung zu vertreten und zu begründen, wie die Dinge sein sollten, brauche ich keine Kenntnis eines aktuellen Gerichtsurteils. Ich werde nun einzelne Passagen von Muriels Artikel zitieren und dazu Stellung nehmen.

Muriel schreibt:

Ich halte das für völlig offensichtlich, und ich habe noch nie begriffen, warum Religionsfreiheit (die als solche ja ihre Berechtigung hat) das Recht einschließen sollte, sich nicht an dieselben Gesetze halten zu müssen wie Menschen, die nicht meiner Religion angehören.

Muriel unterstellt, daß hier nicht gleiches Recht für alle gelte, sondern ein Sonderrecht für die Religiösen (oder die Kirchen?). Dem ist freilich nicht so, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand. Es steht jedem Menschen frei, sich in Weltanschauugsgemeinschaften zu organisieren, wie es die Kirchen sind, aber eben auch diverse dezidiert nicht religiöse Gemeinschaften wie etwa der Humanistische Verband, der in Bayern sogar „Religionsunterricht“ organisiert. Alle diese Weltanschauungsgemeinschaften, die wie die Großkirchen oder der humanistische Verband als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, haben die gleichen Rechte und Pflichten. Dazu gehört unter anderem das Recht auf ein eigenes Arbeitsrecht. Damit ist noch nicht gesagt, ob das so jetzt gut ist oder nicht. Mir geht es hier lediglich darum, festzuhalten, daß „die Kirchen“ oder „religiöse Menschen“ hier eben kein Sonderrecht haben, sondern womöglich schlicht von ihren Rechten stärkeren Gebrauch machen als der humanistische Verband, oder die Zeugen Jehovas.

Man kann natürlich die Frage stellen, ob es gut ist, Rechtsformen für Gemeinschaften zu finden, ob wir den Staat lieber als einzig Rahmengebende Gemeinschaft etablieren wollen, oder (und?) ob wir Gemeinschaften vielleicht sogar als schädlich ansehen und uns statt dessen lediglich auf das Individuum konzentrieren in einer idealen Gesetzgebung. Das Thema dürfte durchaus ergiebig zu diskutieren sein, sprengt aber den Umfang dieses Artikels.

Warum sollte ein kirchlicher Arbeitgeber Dinge von seinen Mitarbeitern verlangen dürfen, die nicht auch jeder andere Arbeitgeber verlangen darf? Sicher, den Kirchen ist es wichtig, dass sie ihre Aufgabe, die Frohe Botschaft zu verkünden, vernünftig erfüllen können, und dabei stören Streiks natürlich. Na und? Coca-Cola ist es auch wichtig, ihre braune Brühe zu verkaufen, und das wäre für die bestimmt auch einfacher, wenn sie Ausnahmen von Rechtsvorschriften bekämen, die ihnen nicht passen.

Ich vermute einmal: Erklärtes Ziel von Coca Cola ist es, Gewinn zu erwirtschaften. Dies ist legitim und per se nicht zu kritisieren, zumindest so lange man an unserer Wirtschaftsform festhält (ich weiß, sie ist umstritten, und ich habe auch eigene Kritik daran, aber so lange keiner mit was Besserem kommt find ich die Marktwirtschaft nicht gar zu übel). Diakonische (bzw caritative) Unternehmen haben eine andere Zielsetzung, zumindest sollte dies so sein (und wo dies nicht so ist sollte man sich als Kirche um Verbesserung bemühen oder sich im Zweifelsfall trennen, und nicht warten bis weltliche Gerichte für etwas Gerechtigkeit sorgen).

Historisch gesehen – ich mag mich irren, aber ich geh erst al nicht davon aus – ging es bei diakonischen bzw caritativen Einrichtungen darum, daß etwa die Diakonissen quasi ihr Leben „opferten“ und es den Notleidenden widmeten. Die Tätigkeit wurde nicht als Arbeit im Sinne von Erwerbsarbeit verstanden, sondern als Dienst. Dieser Dienst wurde natürlich organisiert von einem Dienstherren, beiden ging es aber (zumindest im Ideal, aber wir sprechen ja von der idealen Geselschaft) um ien gemeinsames Ziel, nämlich die Sorge um eben die Notleidenden (und ja, bevor wieder einer meckert: wie Hilfe damals aussah deckt sich nicht zwingend mit dem, was wir heute als Hilfe begreifen, das ändert jedoch nichts an den guten Intentionen). Das Ziel ist also hier ein selbstloses, wenn man es auch nicht teilen mag, während es bei Coca Cola eigennützig ist, ebenso wie bei aller Erwerbsarbeit: Es geht darum, durch Arbeitsleistung Geld zu erwerben, das man zu eigenen Nutzen einsetzen kann, etwa um Rechnungen zu bezahlen und etwas zu essen zu kaufen.

Idealtypisch gehen die Kirchen wohl immer noch von der Dienstgemeinschaft aus in ihren Betrieben, auch wenn es kaum noch Diakonissen, Nonnen, Mönche oder Diakone gibt, die dort für ein Vergeltsgott dienen. Statt dessen hat die Erwerbsarbeit Einzug gehalten, zumindest in der Form, daß keine Zugehörigkeit zu einem Orden oder Mutterhaus mehr verlangt wird, sondern nur noch eine Kirchenmitgliedschaft. Darüber hinaus haben sich auch nichtkirchliche Einrichtungen etabliert, die teils ebenfals mit idealistischer Motivation, teils aber auch mit klaren Gewinnabsichten materiell gleichwertigen „Service“ anbieten (irgendwas sträubt sich in mir dagegen, bei einem kommerziellen Angebot von „Dienst“ zu schreiben).

Heute ist es nun so, daß vermehrt nur noch das Materielle gesehen wird, leider auch innerhalb der Kirche, und daß infolgedessen die Unterscheidung zwischen (selbstlosem) Dienst und (kommerziellem) Service immer weniger gesehen wird, jedoch auch immer schwieriger ist.

Insofern ist es freilich nicht einzusehen, wieso ein kirchlicher (oder humanistischer, oder… oder) Arbeitgeber Dinge verlangen kann, die ein „weltlicher“ Arbeitgeber nicht verlangen kann. Allerdings ist es einzusehen, daß ein Dienstherr, der einen Dienst definiert, auch festlegen kann, wie dieser Dienst nur auszuführen ist und was dafür vorausgesetzt wird. Dafür muß allerdings gewährleistet sein, daß Dienstherr und Dienender (schon wieder so ne Blockade, „Dienstleister“ zu schreiben, wenn es um Selbstloses geht) eben im selbstlosen Ziel einig sind.

Exkurs in die Praxis: Ich habe persönlich Schwierigkeiten, dieses Selbstlose in jedem diakonischen Betrieb erkennen zu können. Mein Einblick ist nicht allzu groß, muß ich dazusagen, jedoch habe ich den Eindruck, daß auch in der Diakonie (und der Caritas?) betriebswirtschaftliches Denken Einzug gehalten hat. Betriebswirtschaftlich zu denken ist kein Problem, wenn es darum geht, daß eine Mark auch nur einmal augegeben werden kann, und daß man mit den Mitteln haushalten muß. Es wird aber zum Problem, wenn das Finanzielle zum Eigenzweck wird, wenn es nicht mehr in erster Linie darum geht, Not zu lindern, sondern darum, den Betrieb „effizient“ zu führen und vielleicht noch ein klein wenig Gewinn zu machen, um für schwere Zeiten eine Rücklage zu haben. Daher frag ich mich schon seit längerem, ob Diakonie und Caritas nicht den Betrieb der Einrichtungen abgeben sollten (das speziell diakonische, also der Dienst, ließe sich vielleicht auch anders leisten), aber auch das ist eigentlich ein anderes Thema Ich schweife zu oft ab!

Das eine ist eine religiöse Aufgabe, das andere eine kommerzielle. Religiöse Menschen werden Ersteres je nach Neigung für viel wichtiger halten, und Letzeres für nachrangig, wenn nicht sogar unmoralisch. Ich halte Ersteres für schädlich, und Letzteres ist mir ziemlich egal, weil ich das blöde Zeug nicht trinke. Ihr seht das vielleicht wieder anders. So ist das nun mal, Menschen setzen unterschiedliche Prioritäten und haben unterschiedliche Interessen.

Okay, jetzt sind wir ziemlich bei den Grundagen, fast schon bei Ratzingers Relativismus. In der Tat, Menschen haben unterschiedliche Interessen. Manche wollen Brause verkaufen, andere den christlichen Glauben verbreiten, wieder andere wollen alle Juden ermorden oder zumindest die Demokratie abschaffen. Was ich damit sagen will: Ich gehe davon aus, daß die meisten wenn nicht alle Menschen sagen würden, daß einige Interessen berechtigt sind und andere nicht, gerne auch in bestimmten Abstufungen. Deshalb erlaubt unser Gemeinwesen (Staat) zwar die Verbreitung des christlichen Glaubens, während Mord schon verfolgt wird, wenn es sich nicht um Völkermord handelt. Und das ist gut so. Ich sehe keinen Grund, wieso wir uns nicht als Gesellschaft darauf einigen sollten, was wir als hinnehmbar ansehen und was nicht. Und vor allem: Aus welchem Grund. Ich finde, diese Frage korrespondiert auch mit der oben genannten Frage, ob wir den Staat als einziges Gemeinwesen wollen oder auch andere zulassen, um vielleicht eine größere Diversität zu ermöglichen. Wie gesagt, der ganze Fragenkomplex ist sicher spannend zu diskutieren. Unabhängig davon meine ich aber, daß Interesse alleine kein Grund dafür ist, alle möglichen Interessen gleich zu bewerten (das wäre dann wohl des Papstes Relativismus).

Trotzdem haben wir aus irgendwelchen Gründen immer noch Sonderregeln, die nur für religiöse Interessen gelten, nicht aber für kommerzielle, literarische, sexuelle, oder sonstige säkulare Vorlieben. Das ist Unsinn, und gehört abgeschafft.

Hat mit religiösen Vorlieben nix zu tun, wie oben erwähnt. Würde der Humanistische Verband ein Krankenhaus gründen, hätte er die selben Möglicheiten wie die Kirchen, ohne dezidiert religiöse Interessen zu verfolgen. So könnte er auch festlegen, daß in seinen Schulen nur Lehrer unterrichten dürfen, die bestimmte literarischen und/oder sexuelle Vorlieben teilen. Hier sehe ich keine Ungleichbehandlung. Allerdings scheinen mir die kommerziellen Vorlieben nicht ganz in die Auflistung zu passen, denn man kann mehrere literarische, sexuelle oder sonstige Vorlieben haben, es gibt da massig Vorlieben, die sich herausbilden können. Bei kommerziellen Vorlieben fällt mir nur die Liebe nach mehr ein. Eine Diversität zu konstruieren fällt mir hier sehr schwer. Vielleicht liegt hier die Antwort begraben, wieso kommerzielle Interessen nicht in der Art berücksichtigt werden wie etwa religiöse oder – allgemeiner – weltanschauliche Interessen.

 

Anthropologie

Patriarchat und Freiheit

Durch meine Beschäftigung mit Adolf Stoecker im Zusammenhang mit meiner Examensarbeit sind mir ein paar Gedanken zur patriarchal strukturierten Gesellschaft gekommen, die ich hier zusammenfassen möchte.

Heute wird unter Freiheit weitestgehend verstanden, daß jeder sein eigenen Herr ist und sich um seine eigenen Angelegenheiten selbst in Freiheit kümmert. Dies impliziert, daß jeder auch die Pflicht hat, dieses zu tun. Wer dies nicht leisten kann, hat ein Problem. Er entspricht nicht dem Ideal, und soll möglichst per Bildung in den Stand versetzt werden, bald doch Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können (in diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob der Vorwurf, dumm zu sein, in einer vormodernen Gesellschaft überhaupt möglich ist, falls nicht eine gewisse Schläue gefordert wird).

Früher waren die meisten Menschen nicht ihre eigenen Herren. Sie hatten Herren, welchen sie zu dienen hatten, und die dann auch im Idealfall die Verantwortung für ihre Untertanen zu übernehmen hatten. War ein Untertan dmm, so war dies nicht sein Problem, sondern das Problem seines Herren.

Freilich kam es damals zu massig Mißbrauch seitens der Herren. Sie nutzten ihre Stellung as, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, und übernahmen ihre Verantwortung gerade nicht. Dies führte dazu, daß die Dummheit eines UNtertanen doch wieder z seinem eigenen Problem wurde (ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich fühle mich hier ein wenig an die Prinzipien des Umgangs mit der Bankenkrise erinnert: Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften – aber das führt zu einem anderen Thema).

Im Idealfall war jedoch für die „Dummen“ genau so gesorgt wie für die „Gescheiten“. Idealfall heißt hier: Der zuständige „Herr“ wird seiner Verantwortung gerecht.

Heute ist es vielmehr so, daß die „Dummen“ viel eher die Gelackmeierten sind, weil keiner mehr für sie verantwortlich ist, da jeder die Verantwortung für sich selbst übernimmt. nd falls es doch dazu kommt, daß jemand für andere Verantwortung übernimmt, so kommt es oft zu richtigen Entmündigungen. Dann hat der „Dumme“ gar nichts mehr zu melden – selbst wenn er noch mitreden könnte. Dies brigt natürlich wieder die Gefahr des Mißbrauchs.

Man kann also sagen, daß das heutige System davon ausgeht, daß jeder für sich Verantwortung übernehmen kann – was faktisch nicht stimmt (sonst hätten weder Steuerberater noch Anwälte eine Arbeit), während das patriarchalisch verfasste System davon ausgeht, daß ein „Herr“ seiner Verantwortung gerecht wird – was faktisch ebenso wenig stimmt.

Der Vorteil des heutigen Systems scheint mir vor allem darin zu liegen, daß es keinen Mißbrauch mehr gibt. Ohne Herren kann auch kein Herr seinen Untergebenen ausnutzen.

Der Vorteil des damaligen Systems scheint mir darin zu liegen, daß durch die engere Struktur eine größere Verläßlichkeit in den alltäglichen Dingen erzwungen wurde.Statt der Haftpflichtversicherng hat der jeweilige Herr dafür gesorgt, daß seine Untertanen nicht übervorteilt werden – wenn der Herr seiner Verantwortung gerecht wurde. Aber es soll ja auch schlechte Versicherungen geben.

Jedenfalls scheint mir der Vorteil des alten Systems in der Stabilisierung der Gesellschaft gelegen zu haben. Diese Stabilität war hoch erkauft – mit der Freiheit der Menschen. Jedoch kann eine solche Stabilität auch Freiheiten ermöglichen.

So haben Beamte weniger Freiheiten als Angestellte. Sie dürfen etwa nicht streiken. Allerdings sind ihre Arbeitsverhältnisse auch um einiges stabiler als die normaler Angestellter und Arbeiter. Dadurch haben sie auch größere Freiheiten, weil sie sich bedeutend weniger Sorgen um das Einkommen machen müssen, als andere. Trotz der geringeren Freiheiten waren und sind solche Jobs bei Vater Staat recht beliebt.

Nun ist es ja so, daß wir kein rein liberales System haben, also viele meiner Assagen über das heutige System so gar nicht stimmen. (Und wenn ich die letzten Wahl- und Umfrageergebnisse der FDP so sehe, scheint es in dieser Form auch niemand zu wollen.)

In der Tat versuchen wir in Deutschland ja den Spagat: Einerseits jedem die gleiche Freiheit geben, andererseits für diejenigen Verantwortung übernehmen, die nicht (oder zur Zeit gerade nicht) Verantwortung für sich selbst übernehmen können. Daher haben wir die Sozialsysteme. Wollte man es in der Terminologie des alten Systems beschreiben, ist die Gesellschaft der „Herr“ (nicht umsonst spricht man ja von Volkssouveränität), während diejenigen, die nicht auf eigenen Beinen stehen können, gleichzeitig noch Untertanenstatus haben. Sie haben bestimmte Pflichten. Zwar gibt es keinen wirklichen Frondienst mehr, aber wer Hartz IV empfängt muß auch damit rechnen, im Zweifel zum Stadtpark-Rasen-mähen herangezogen zu werden. Und wenn man hört, was Hartz IV Empfänger so alles über sich ergehen lassen müssen, dann ist Rasenmähen wohl eher ein angenehmer Aspekt der Zwangsmaschinerie.

Als Gesellschaft sind wir wohl auch nur ein mittelprächtiger „Herr“ und übernehmen Verantwortung nur insoweit, als daß wir für unsere Untertanen nicht zu viel ausgeben müssen (das funktioniert übrigens nicht nur mit Hartz IV Empfängern, sondern auch mit Asylanten und anderen Gesellschaftsgruppen, die auf Hilfe angewiesen sind).

Deshalb brauchen wir heute, trotz Sozialsystemen, weiterhin Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen. Erschwerend kommt hinzu, daß diese nicht wie früher die Herren aus ihrer Position Profit schlagen können. Das ist schon alleine für den Zusammenhalt in der Gesellschaft notwendig, der mir immer mehr zu schwinden scheint. Wo jeder nur für sich selbst sorgen soll und muß, bleibt der Blick auf den Nächsten oft verstellt.

Während früher diejenigen vom System bevorzugt wurden, die für andere Verantwortung übernehmen sollten werden heute diejenigen bevorzugt, die Verantwortung für sich selbst übernehmen können.

Ideal wäre wohl ein System, das diejenigen bevorzugt, die für andere Verantwortung tatsächlich übernehmen. Womöglich ist das gar nicht umsetzbar. Aber hier könnte der Grund für die Poplarität religiöser Tugenden wie der Nächstenliebe ohne Gegenleistung vergraben liegen…

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Erpressungspotential kleiner Gruppen

Nach all den religionsbezogenen Artikeln mal wieder was mehr politisches. Bei der Tagesschau hab ich gelesen, daß die Politik nun angesichts des Streiks im Frankfurter Flughafen das Erpressungspotential kleiner Gruppen einschränken will. Der Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag „plädierte für eine neue gesetzliche Regelung, um die Bildung von Kleinstgewerkschaften zu verhindern. Diese sollte möglichst mit dem Grundgesetz vereinar sein“.

<sarkasm>
Also ganz neue Töne von der Union, man will sich neuerdings ans Grundgesetz halten. Ich bin mal gespannt, ob sich das durchsetzt und wie sich diese Linie im politischen Prozess bewähren wird…
</sarkasm>

Im Ernst: Man sieht es als Probem an, daß kleine Gewerkschaften große Betriebe lahmlegen können, und daß es zu Kettenstreiks kommt.

Wenn man nun mal Informationen der anderen Seite sucht und sich etwas einliest, kann man den Eindruck bekommen, daß hier auch eine Rolle spielt, daß große Gewerkschaften im Zweifel lieber die Alleinvertretung der Belegschaft eines Betriebes umsetzen wollen, als sich um eine anständige Entlohnung zu kümmern.

Eine eigene Meinung dazu habe ich noch nicht, ich stelle nur fest, was ich so lese.

Bei einer Sache bin ich mir doch recht sicher: Wer sich auf den Markt beruft und den freien Markt verlangt, der darf dann nicht jammern, wenn es einmal wehtut (gilt auch für Banken). Das heißt, wenn eine kleine Gruppe von Menschen ihre Marktmacht (in dem Fall ihre Arbeitskraft) einsetzt um Druck aufzubauen, dann ist das nicht anders zu werten als anderer Druck, der sonst so aufgebaut wird, etwa wenn betriebsbedingt Einschnitte verkraftet werden müssen.

Das Alternativmodell wäre wohlsowas wie eine Verbeamtung. Mehr Verantwortung für die Arbeitgeber, dafür weniger Rechte für die Arbeitnehmer. (ich halte diesen Ansatz im Bereich der Kirchen zum Beispiel für durchaus sinnvoll, bei allen Nachteilen, die man sich damit einfängt)

Wenn man also das Erpressungspotential kleiner Gruppen einschränken will, dann soll man doch bitte auch alle kleinen Gruppen in den Fokus nehmen, inklusive Vorstand, der ja auch recht gute Möglichkeiten hat, Macht einzusetzen. Ich mutmaße einmal, er besteht aus weniger Mitgliedern als die paar streikenden Vorfeldkontrolleure und kriegt bedeutend mehr Geld. Auch scheint er mir mehr Macht zu haben als die kleine GdF. (jedenfalls meint er wohl den Arbeitskampf gewinnen zu können, schätzt sich also selbst als stärker ein)

Gespannt bin ich nun also, mit welchen grundgesetzkonformen Gesetzen die Union gedenkt, das Erpressungspotential der Unternehmensvorstände einzuschränken.

Oder sollte ich etwas falsch verstanden haben?

glaube, kirche, Schwule Pfarrer???

Manchmal platzt mir der Arsch!

Entschuldigung für die Ausdrucksweise, aber es beschreibt den Vorgang nun mal ziemlich gut in seiner Stärke. Schon seit längerem kommentiere ich ja auf einem Blog für Atheistische Selbstvergewisserung mit und störe die Vergewisserung ein wenig, wo sie unbegründet ist. Jedenfalls hoffe ich das. Dabei geht es nicht ohne Aufreger ab. Beiderseits. Und immer wieder der Vorwurf, was „die Kirche“ nicht so alles täte.

Gerne immer wieder genommenes Beispiel (neben anderen): Die Stellung zur Homosexualität bzw. der Umgang mit Homosexuellen. Nun müßte ich schon ziemlich weltfremd sein, wenn ich behaupten würde, daß „die Kirche“ hier gar kein Problem hätte. Selbst wenn man die römische Kirche bei Seite läßt – ich bin kein Römer, deshalb misch ich mich da ungern ein – auch bei uns Protestanten gibt es da antischwule Tendenzen, und zwar nicht nur in den Freikirchen!

Ich hatte dazu ja schonmal was geschrieben. Macht nix, ist ja alles auch schon ne Weile her. Heute nun stieß ich auf einen Blog, der dem Thema „schwule Pfarrer“ ne eigene Seite gewidmet hat, die über das Menu zu erreichen ist.

Beim überfliegen des restlichen Blogs hatte ich den Eindruck, der Blogbetreiber mag in mancherlei Hinsicht eine andere Ansicht als ich haben, sein Glaube scheint ihm aber so ernst zu sein wie mir, und so kann sich vielleicht ein Austausch unter Geschwistern entwickeln, der nicht zu dem Arschplatzen führt wie im Gespräch mit einigen Atheisten.

Der Artikel ist sehr lang, und deshalb werde ich versuchen, Stück für Stück die Argumente entlang zu gehen und meine Meinung dazu schreiben, ohne groß auf die Bewertungen einzugehen, die da sonst noch stehen. Das wird mehrere Beiträge in Anspruch nehmen, da der Text sonst viel zu lange wird. Hier nun das erste Argument und die Auseinandersetzung mit den Grundlagen:

Für die christliche Kirche kann niemals entscheidend sein, was Staat oder Gesellschaft zu einem Thema sagen, sondern nur was die Hl. Schrift dazu sagt.

Dieser Punkt ist richtig. Oder nicht richtig, je nachdem, wie man ihn versteht. Was der Staat zu einem Thema sagt kann für die Kirche kein Kriterium sein. Wäre dies der Fall, so könnte der Staat die Kirche ersetzen. Der Staat wäre Verkündiger der Wahrheit, so wie man das etwa in den Ostblockstaaten erlebt hat.

Gleiches gilt für die Gesellschaft. Die Gesellschaft hat sowieso nie mit einer Stimme gesprochen, und am lautesten sind häufig die falschesten Stimmen, die leider auch am einfachsten formulierte Lösungen bieten, was viele Menschen dann unreflektiert wiederholen. Auch die Gesellschaft kann nicht Kriterium für die Kirche sein, sie ist fehlbar wie der Staat.

Wie ist es nun mit der Bibel? Kann sie ein Kriterium sein? „Ja“, höre ich es schon allenthalben rufen und möchte fast einstimmen: „Ja, denn die Bibel enthält Gottes Wort, an dem wir uns als Christen und als Kirche ausrichten sollen.“ Doch der Ruf bleibt mir im Halse stecken. Mit der Bibel wurden Kriege, Sklaverei, Kolonialismus, kurz, Unterdrückung in allerlei Gestalt gerechtfertigt.

Bevor ich also lauthals in den Ruf einstimme, muß ich mir überlegen: Wieso hat das geklappt? Wieso konnte die Bibel für Derartiges mißbraucht werden? Und ich muß mir in Erinnerung rufen: Auch ich bin ein Sünder und grundsätzlich ohne weiteres in der Lage, auch ohne es zu wollen, die Bibel falsch zu interpretieren und somit zu mißbrauchen, was dann unweigerlich Folgen haben wird, so wie auch die früheren Mißbräuche Folgen hatten.

Ich muß also fragen:

  1. Was war die Ursache für die Mißbräuche damals?
  2. Wie hätte damals ein Mißbrauch des Textes verhindert werden können?
  3. Wie wende ich diese Erkenntnis auf die heutige Situation an, um nicht den Fehler von damals zu wiederholen?

Fragt man nach den Ursachen für den damaligen Mißbrauch, so sind wohl zwei Dinge zu nennen:

  1. Ein von Bibel und Glauben unabhängiges Interesse am Mißbrauch.
  2. Das Herausreißen von Bibelversen aus dem Kontext, ohne das Ganze der Bibel zu betrachten.

Für die Verhinderung folgt dann, daß man sich zuerst seines Interesses gewahr geworden wäre. Wenn ich an der Sklaverei Geld verdiene, wenn ich auf Sklaven angewiesen bin, oder wenn ich auch nur aus welchen Gründen auch immer, Menschen anderer Hautfarbe als minderwertig ansehe, dann beeinflußt dies mein Bibellesen.

Wir können uns nun heute hinstellen und sagen: Jaha, wir sind ja aber modern, wir hängen ja nicht mehr solchen altmodischen Ansichten an. Und schon beruft man sich auf die Gesellschaft, die ja anfangs als Kriterium ausgeschlossen wurde.

Ich meine dagegen vielmehr: Solche Interessen, wie oben genannt, kommen von der Sünde, von der Trennung von Gott. Da wir alle ohne Unterschied Sünder sind, wäre es Hybris zu behaupten, wir könnten heute nichts mehr falsch machen. Die Gefahr, daß der Zeitgeist sich in unsere Bibelauslegung einschleicht, besteht also weiterhin. Zumindest für den Fall, daß wir keine unfehlbaren Nichtsünder sind. Wären wir perfekt, könnten wir solche unbewußten Eigeninteressen beim Auslegen der Bibel ausschließen.

Was kann uns dabei helfen? Nun, es würde schon helfen, wenn wir nicht einzelne Bibelverse betrachteten, sondern auch anderslautende Verse zu Rate zögen, und die bereits vorliegenden Verse im Kontext betrachteten. So hätten wir ein stärkeres Korrektiv aus der Bibel selbst.

Dabei müssen wir beachten, daß die Bibel geschrieben wurde zu einer Zeit, die der unsrigen nicht sehr ähnlich ist. Ach damals gab es einen Zeitgeist, und auch damals mußten die Leute damit umgehen. Es gibt nun die verschiedensten Vorstellungen, wer denn Autor der Bibel wäre: Gott höchstselbst, Autoren, die alles von Gott in die Hand diktiert bekamen, Autoren, die durch Gott wie auch immer inspiriert waren oder ganz einfache Menschen, deren Texte warum auch immer überliefert wurden.

Da wir die Frage stellen, an wen sich die Kirche halten muß, können wir für die Bibel zumindest ausgehen, daß sie irgend etwas mit dem Gott der Kirche zu tun hat, daß sie eine Autorität ist, wieso auch immer.

Was wir weiterhin annehmen müssen, ist, daß sie auch zu alten Zeiten verstanden wurde. Die Bibel wäre überflüssig gewesen, wenn ihr Text zwar vor 2000 Jahren und früher entstanden wäre, sie aber den Menschen damals nichts zu sagen gehabt hätte, sondern nur uns modernen Menschen heute.

Die Aussagen müssen also in der damaligen Kultur schon verständlich gewesen sein. Wollen wir also eine gewisse Sicherheit gewinnen beim Auslegen der Bibel, so kann es nicht verkehrt sein, zu sehen, wie der Text wohl in seiner Entstehungszeit gewirkt hat. Demjenigen, der Gott für den Autor hält, kann dies nicht zuwider sein, denn er geht von einem ewig gültigen Wort aus, das auch damals galt. Dem liberaleren Christen kann es Recht sein, weil dies die Methode der historischen Kritik ist, die er auch an der theologischen Fakultät lernt.

Wir haben uns also unterhalten über die eigenen Interessen, die einem nicht zwingend bewußt sein müssen, wir sprachen über die Beachtung der Verse im Kontext sowie die Berücksichtigung der ganzen Bibel, und wir sprachen darüber, die Texte möglichst im Verständnis der Entstehungszeit zu begreifen.

Hierbei kann es zu Auseinandersetzungen kommen, wann genau ein Text geschrieben wurde, also was genau der Kontext ist. Auf diese Fragen ist dann im Einzelnen einzugehen.

Wenn wir nun all dies bedacht haben, haben wir dann den Willen Gottes erfahren? Oder bedarf es noch eines Schrittes? Wenn wir nun herausgearbeitet haben, daß ein bestimmter Vers in einer bestimmten Situation so und so verstanden wurde, wissen wir dann, was wir heute zu tun haben? Oder wenn wir mehrere Verse haben, die in unterschiedliche Richtungen weisen?

Wir können es nicht sicher wissen, deshalb bedürfen wir weiterhin des Gebets, der Gemeinschaft der Kirche und des Austauschs untereinander, und des Hörens auf unser Gewissen.

Der Geist mag wehen, wo ER will, das ändert nichts daran, daß Er uns verheißen ist. Darauf will ich vertrauen. Und wer jetzt fragt: Wieso all das vorherige Bedenken, überprüfen und Bibel exegetisieren?  – dem sei mit Paulus (1. Thess 5, 21) gesagt:

 Prüft aber alles und das Gute behaltet.

Freilich kann man auch so beten und von Gott den Weg gewiesen kriegen. Dann brächte man aber nicht einmal die Bibel. Diese ganzen Überprüfungen dienen vor allem dem: Nicht die eigenen unbewußten Interessen (und damit den Zeitgeist) in die Auslegung der Bibel hineinbringen.

Allgemein

Zeichen und Wunder

Daß ein Christ nicht unbedingt Unionswähler ist mag einige überraschen (manche Vorurteile sind nicht totzukriegen), ist für Christen und Nichtunionswähler wie mich aber Normalzustand. Ehrlich gesagt sind meine Erwartungen an die Union auch recht gering, das C scheint eher Marketinggag als ernst gemeint zu sein.

Dementsprechend überrascht war ich, als ich nen Blogartikel von nem Unionsmitglied las, thematisch zu Hevelings Auslassungen im Handelsblatt, den ich als durchaus vernünftig bezeichnen würde.

Darin verlinkt hat der Autor auf die Webseite einer Initiative Faires Urheberrecht. Das lässt erst einmal Alarmglocken schrillen. Schnell kommen Assotiationsketten auf in Verbindung zur Initative Neue Soziale Marktwirtschaft mit ihrem Slogan „sozial ist, was Arbeit schafft“, der dem Lohndumping nen positiven Anstrich verpassen wollte.

Doch bei erster Durchsicht der Webseite scheint sie mir inhaltlich in die richtige Richtung zu gehen. Freilich, es gibt keine Kommentarfunktion, trotzdem wird auf eine „spannende Diskussion“ gehofft und die dann wohl doch eher konservativ-altmodisch individuell und nicht öffentlich im Netz geschehen soll. Auch das Blog (ebenfalls keine Kommentarfunktion!) hat lediglich einen Eintrag, der die Inhalte er restlichen Seite zusammenfasst und eine pdf verlinkt, die das Ganze nochmal zum besseren Ausdrucken enthält (dem ein oder anderen vielleicht etwas viel Redundanz, aber erstens ist repetitio mater studiorum und andererseits ist es ne Initiative von Unionsmitgliedern, die müssen auch mit ihren Partei.. [ähm, sagt man da auch Parteigenossen?] kommunizieren, die das Internet noch ausdrucken ;)).

Aber lassen wir mal die Unbeholfenheit des hübschen aber unkommunikativen Webauftritts bei Seite und sehen auf die Inhalte, so sieht man, daß es möglicherweise bei der Union wirklich Menschen gibt, die das Problem erkannt haben und wichtige Punkte für ein zukunftsfähiges Urheberrecht nennen:

und, was etwas weniger mit dem Urheberrecht zu tun hat:

  • Keine Sperrung von Internetzugängen als Sanktion für Rechtsbrüche

Der letzte Punkt wird verwirrenderweise unter „Keine Netzsperren“ geführt. Jemand sollte den Initiatoren nochmal den Unterschied zwischen Sarkozys Three-Strikes und von der Leyens DNS-Stoppschild erklären. Stoppschilder scheinen bei der Union übrigens zum Standardrepertoire zu gehören, auch Alexander Kurz, der Autor des schon genannten einzelnen Blogartikels schreibt:

Wir sind der Auffassung, dass sich einzelne Abgeordnete hier in Standpunkte verrannt haben, die sowohl gesellschaftlich als auch unionsintern weder gewünscht noch mehrheitsfähig sind. Deshalb muss hier einmal deutlich sichtbar ein Stop-Schild hochgehalten werden.

Wenn er es so ausdrücken will, okay. Aber ich schweife ab.

Jedenfalls bin ich der Meinung, daß man solche Unionspolitiker beim Wort nehmen sollte um an den Punkten, die sie nennen, anzuknüpfen und somit das Thema auch bei den etablierten Parteien zu verankern. Sicher kann es noch massig Dissens im Detail geben, aber dazu muß die Diskussion erst einmal einsetzen. Und wenn sie nicht auf der Initiativenhomepage stattfinden kann, dann halt anderswo.

Jedenfalls finde ich es ermutigend, daß dieses Thema, mit der meist die Piratenpartei verbunden wird, nun auch bei der Union Anklang findet, wenn auch nur bei einer kleinen Gruppe. Die Grünen gab es auch rund 30 Jahre, bevor eine Unionskanzlerin Nuklearenergie doof fand. Vielleicht dauert es diesmal ja nicht so lange, bis die Union zur Vernunft kommt. Und in 30 Jahren sind die Piraten vielleicht auch so stark, daß sie mit der Union allein das Urheberrecht ändern können, und ein Umdenken bei SPD und Grünen nicht mehr nötig wird.

Allgemein

Arbeitsteilung

Irgendwann vor langer, langer Zeit, haben die Menschen angefangen, sich niederzulassen und nicht mehr als Nomaden umherzuziehen. Mit der Zeit kam es dann dazu, daß die technische Entwicklung so weit gedieh, daß nicht mehr jeder alles tat, sondern sich Berufe herausbildeten. Einige bebauten die Felder und sorgten für die Nahrung, andere stellten die Werkzuge dafür her und so weiter und so weiter.

Diese Arbeitsteilung hat sich über Jahrtausende bewährt, es konnten immer weitere Fortschritte erzielt werden, weil nicht mehr jeder Mensch alles überblicken können mußte. Andererseits hat diese Arbeitsteilung jedoch auch eine negative Seite, wenn man es so nennen will. Man ist darauf angewiesen, dem anderen zu vertrauen. Wenn ich mein Auto nicht selbst reparieren kann, dann muß ich darauf vertrauen, daß ich in der Werkstatt nicht über den Tisch gezogen werde. Gleiches gilt natürlich in entsprechender Form auch für andere Betriebe, so muß man auch seinem Bankkaufmann vertrauen können oder seinem Versicherungskafmann.

Besteht dieses Vertrauen jedoch, dann erleichtert dies den Alltag nachhaltig. Tritt ein Problem auf in einem Feld, in dem man sich nicht auskennt, ruft man den entsprechenden Fachmann des Vertrauens an, und der kümmert sich dann drum – gegen eine kleine Gebühr.

Mir kam vor kurzem der Gedanke, ob diese Lebenshaltung mit dafür verantwortlich sein könnte, daß etwa ale Menschen oder Menschen mit Behinderung oftmals in Einrichtungen gegeben werden, die sich mit sowas auskennen.

Ich meine das in keinem Fall negativ, jedenfalls will ich niemandem einen Vorwurf machen. Ich frage lediglich nach dem Ursprung nd den Bedingungen der Tat. Man hat selbst jede Menge zu tun, um etwa seinen Lebensunterhalt zu verdienen, oder man hat aus anderen Gründen einfach die Zeit nicht, oder auch nicht den Raum, um die gebrechlich gewordenen Eltern aufzunehmen. Unter Umständen wollen diese dies auch gar nicht. Trotzdem meine ich, daß dahinter die Arbeitsteilung steckt. Es gibt Menschen, die in der Pflege tätig sind, die sich auskennen, und das übernehmen können.

In letzter Zeit scheint es mir allerdings einen gegenläufigen Trend zu geben: Das Ideal lautet wieder, überall mitreden zu können. Zuerst fallen mir da die Forderungen nach mehr direkter Demokratie ein, in der die Bürger nicht nur alle 4 Jahre ein Kreuz beim Politiker ihres Vertrauens machen (oder bei dem des geringsten Mißtrauens), sondern auch während der Legislaturperide in den Gesetzgebungsprozess eingreifen und entscheiden können.

Ein ganz anderer Ort sind etwa die neuen Medien. Geschlossene Betriebssysteme werden abgelehnt (wenn auch noch nciht von einer Mehrheit), das Ideal ist das offene Betriebssystem, bei dem ich theoretisch alles selbst einstellen kann (wenn ich das Wissen und die Zeit dazu habe).

Es ist nur ein persönlicher Eindruck, und auch wenn dies nicht auf alle Gebiete übertragbar ist, dann habe ich doch den Eindruck, daß die Idealvorstellung des Menschen weg vom arbeitsteilig schaffenden Menschen, der den jeweiligen Fachleuten (oder wenigstens einigen davon) vertraut, hin zum Alleskönner (oder Alleskönnensoller?) geht.

Auch in Punkto Umgang mit Behinderung ist das Ideal heute die Inklusion. Zum Glück! Und hoffentlich setzt sich dieses Ideal bald flächendeckend durch! Doch auch hier: Nicht mehr die Einrichtung kümmert sich um diese Menschen, sondern sie sollen wieder mitten in der Gesellschaft sein, wie alle anderen auch, denn behindert ist man nicht, behindert wird man. Und besondere Einschränkungen und Fähigkeiten hat jeder.

Ich denke, diese ganze Sache hat viel mit gesellschaftlichem Zusammenhalt zu tun. Wo es Beziehungen zwischen den Menschen gibt, die Vertrauen schaffen, kann man sein Auto dem Mechaniker anvertrauen, und muß nicht selbst reparieren. Wo diese Beziehungen nicht mehr existieren, wird es schwierig. Der Alleskönner wird gefragt.

Dies ermöglicht dann wieder neue Beziehungen, etwa wenn Menschen mit bestimmten Beeinträchigungen (vlgo: Behinderte) wieder Teil der Gesellschaft sein können. Oder wenn sich Linux-User zum Stammtisch treffen.

Das Mißtrauen hat zugeschlagen, mir scheint, wir befinden uns in einem gesellschaftlichen Umstrukturierungsprozess. Noch wurden nicht alle, denen mißtraut wird, zu Fall gebracht. Es ist auch offen, ob dies geschehen wird, oder ob diejenigen Gesellschaftsgruppen sich wie auch immer wieder Vertrauen erwerben.

Gleichzeitig bilden sich neue Vertrauensverhältnisse, die dann wieder zu einer gewinnbringenden Arbeitsteilung führen können. So entwickelt sich Gesellschaft fort. Fördern kann man das, indem man Beziehungen stiftet und ermöglicht, über alte Gräben hinweg. Hindern kann man den Fortschritt, indem man Beziehungen verunmöglicht oder jedenfalls nachhaltig erschwert, indem man andere Ziele im Leben propagiert (egal, wie gut und edel diese sein mögen).