Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 27.11.2012

So, nachdem ich in letzter Zeit leider anderweitig sehr beschäftigt war, kommt mal wieder was zur Tageslosung:

So habt nun Acht, dass ihr tut, was der HERR, euer Gott, euch geboten hat, und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken. (Dtn 5, 32)

Der Lehrtext dazu lautet:

Christus spricht: Das höchste Gebot ist das: ‚Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften‘ Das andre ist dies: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ Es ist kein anderes Gebot größer als diese. (Mk 12, 29-31)

gebt Acht, dass IHR tut, was der Herr, EUER Gott, EUCH geboten hat.

Die Hervorhebungen zeigen: Es geht um ein Beziehungsgeschehen. Es geht um eine Beziehung zwischen dem „Ihr“, dem Volk Israel, und Gott, gestiftet dadurch, dass Gott seinen Willen kundtut und Israel und der Gott, der Israel aus Ägypten führte, zueinander gehören.

Gott bezieht sich auf den Menschen, immer wieder neu. Wenn nun bald die Adventszeit beginnt, wird uns das wieder vor Augen geführt: Gott wurde Mensch, so weit geht seine Beziehung zu uns Menschen. Wir sind zu einer Beziehung zu Gott eingeladen, im Hören auf sein Wort von der Versöhnung, im Gebet – alleine und in Gemeinschaft mit anderen.
Wie weit geht meine Beziehung zu Gott? Wann nehme ich mir Zeit dafür?

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 15.11.2012

Heute mal kurz und bündig:

„Du tust mir kund den Weg zum Leben“ (Ps. 16, 11)

Den Vers versteht man besser, wenn man den vorigen mitliest:

Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen. Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.

Es geht nicht darum, dass es keinen Tod auf der Erde gibt. Es geht darum, dass wir Gott auch im Tod nicht gleichgültig sind.

Lebe ich schon aus dem Vertrauen heraus, dass ich Gott auch im Tod nicht gleichgültig bin?

Erwarte ich etwas nach dem Tod?

Wenn ja: Wie verändert die Erwartung mein Leben, wie gehe ich damit durch den Alltag?

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde von Donnerstag, dem 4. Oktober 2012

Es sind wieder viele Artikel erschienen in den letzten Tagen, und einige davon möchte ich wieder mit Euch teilen:

Da wär zum Beispiel der Artikel vom „nicht überfrom, nicht allzu weise“ Blog über sittengefährdendes Verhalten. Ich weiß nun, daß sich das sowohl auf Reisen ohne Ehemann nach Saudi Arabien als auch auf Reisen ohne Ehefrau nach Jamaika (Thailand wohl auch, wurde aber nicht genannt) beziehen kann. Und daß man den Unterschied ohne ausreichend Kaffee vielleicht gar nicht mitkriegt. Bleibt nur die Frage: Wenn in Saudi Arabien Frauen diskriminiert werden, wenn sie nicht ohne Mann reisen dürfen, werden dann in westlichen Ländern Männer diskriminiert, wenn sie als Schutz gegen Sexskandale nicht mehr alleine reisen dürfen? Und regen wir uns darüber ebenso auf, wie über die Saudischen Behörden? Nebenbei: Es muß ja eine nicht geringe Zahl an muslimischen Frauen gegeben haben, die sich alleine auf die Hadsch machten. Paßt irgendwie nicht ganz zu dem Vorurteil, daß muslimische Frauen eingesperrt und unselbständig gehalten würden etc.

Zum Thema Papyrus Fragment zu Jesu Frau hat Stephan Witeschek von der Kath. Theol. Fakultät der Uni München bei lectio brevior ein paar Argumente beleuchtet, die für eine Fälschung sprechen.

Ein anderer katholischer Theologe, Bernhard Lang, hat in der NZZ derweil die These wiederholt, nach der der Lieblingsjünger des Johannesevangeliums Maria Magdalena, die „Gefährtin“ (also nicht verheiratet) gewesen sei (via). Ich wundere mich beim besprochenen Johannesevangelium bzw der Episode am Kreuz, auf die sich Lang bezieht, wieso die Mutter Jesu eine Schwester mit Namen Maria hatte. Zwei Schwestern mit dem gleichen Namen?

Der Herr Alipius macht sich Gedanken zur Gefährlichkeit des Internets. Während ich ihm zustimme, daß es durchaus bedenklich ist, wenn Behauptungen und unkritisches Übernehmen von Vorurteilen etc keinen guten Einfluß auf die Gesellschaft haben können, denke ich jedoch nicht, daß „das Internet“ ursächlich Schuld daran ist, sondern wahrscheinlich nur der „Ort“, an dem wir die gesellschaftliche Entwicklung in ihren negativeren Auswirkungen zeitweise relativ ungefiltert vor Augen geführt bekommt.

Aber Bildung tut not, echt jetzt, und damit komme ich zum Artikel von Alex über das hessische Bildungsprogramm und die dortigen Piraten. Das Busgespräch am Ende des Artikels zeigt deutlich, wie nötig Bildung ist.

Nochmal zum Herrn Alipius: Der hat auch noch was geschrieben zum Kirchensteuerurteil mit durchaus kritischen Anteilen. Mir kommt es so vor, als ob auch innerhalb der Landeskirchen die Kirchensteuer aus verschiedenen Gründen immer kritischer gesehen wird. Ein Aspekt, den ich kritisch sehe, ist zum Beispiel die Auslieferung an den Staat. Die Kirchen wissen selbst nicht, wer ihre Mitglieder sind, sondern bekommen das vom Staat gemeldet, mit Verspätungen. Außerdem kommen auch Fehler vor, so daß Ausgetretene auf einmal nachweisen müssen, wirklich ausgetreten zu sein. Darunter leidet das Image der Kirche, auch wenn der Fehler beim Staat lag, denn wie gesagt: Die Kirche weiß nicht, wer dazu gehört. Vielleicht wird es Zeit, darüber nachzudenken, welche Form der Finanzierung für katholische und evangelische Kirchen eine Alternative wäre. Die Überlegungen von berlinjc, so redlich sie auch sein mögen, bieten IMHO noch keine Lösung, aber können womöglich Richtungen andeuten, in die man denken kann. Eine interessante Frage dürfte sein, ob man das Geld hat und überlegt, was man damit anstellt, oder ob man ein (oder mehrere) Projekt(e) hat und zusieht, woher man das Geld dafür nimmt, oder besser gesagt: Wie man es umsetzt. Dann könnten auch die handwerklichen Leistungen „verrechnet“ werden, die Gemeindeglieder einbringen könnten.

Auf dem Uckerlandkirchenblog ist nachzulesen, inwiefern facebook doch ganz gut von Nutzen sein kann für die Kirche, wenn man ein wenig flexibel ist und darüber nachdenkt, was wo gebraucht werden könnte – vernetzt denken eben (via).

Als ich „Taufen per skype“ las, war ich doch etwas überrascht, was da im Uckerland läuft. Es geht aber „nur“ um die Taufgespräche. Eine Problematik, an die ich noch wenig gedacht habe. In Brandenburg – und auch sonst in Ostdeutschland – gibt es riesige Gebiete, die von nur einem Pfarrer versorgt werden. Da sind Treffen zu Kasualgesprächen schon schwierig zu managen. Wenn dann ein Partner kirchlich nicht gebunden ist, will man es diesem auch nicht so umständlich machen. Da sind Kasualgespräche per skype (oder anderer Alternativen? Wieso nicht Chat?) sicher eine Möglichkeit, falls die Leitung stark genug ist.

Beim Hellbound Blog geht es um das Lamb of God Lied „Walk with me in hell“. Ich finde den Gedanken sehr denkenswert, daß der Himmel leer sein müßte, wenn es eine Hölle gäbe, weil Jesus und all die Heiligen nichts dringenderes zu tun hätten, als den armen Verdammten Erleichterung zu verschaffen, ihnen beizustehen in der Höllenqual.

Ebenfalls bei den Jungs von Hellbound aufm Blog findet man ein Zitat von Erzbischof Lazar Puhalo bezüglich Glauben und Furcht. Und bei dem, was er sagt, kann ich ihm nur zustimmen.

In New York gab es wohl in der U-Bahn ziemlich üble Plakate, die dazu aufriefen, im Kampf zwischen zivilisierten Menschen und „Wilden“ Israel zu unterstützen und den Dschihad, also die religiöse Anstrengung im Islam, zu vernichten. Klar, man will hier mit dem Wörtchen Dschihad, das immer als Krieg gegen alles Ungläubige aufgefasst wird, und Krieg ist böse, da stimmen alle zu, Diskriminierung der Muslime möglich machen. Denn ebenso klar ist, jeder weiß, wer gemeint ist mit „Wilder“: Der Muslim, also alle Muslime. Um dies nicht für Hetze zu halten, muß man schon recht abgestumpft sein. Aber dnn gibt es noch diejenigen, die angegriffen werden, weil sie an der Anzeigenkampagne Kritik äußern. Alles zu lesen bei Sojourners.

Ebenfalls bei Sojourners nachlesen kann man, wie man Naziaufmärsche so richtig vereiteln kann. Allerdings habe ich Zweifel, daß die Antifa hierzulande über genügend Humor verfügt, das umzusetzen.

Nochmals Sojourners, und diesmal geht es darum, wie man (römisch-) katholisch sein kann, und zwar überzeugter Katholik, und trotzdem anderer Ansicht als die Kirchenführung. Hört sich einerseits sehr nach den Leuten vom Dialogprozess an, und auf der anderen Seite erfrischend anders. Und irgendwie reizt es mich jetzt auch, mit ner Nonne  nen Roadtrip zu machen.

Mandy hatte über Dirk Bachs Tod geschrieben und ziemlich üble Mails erhalten, worüber sie wiederum schrieb. Ich frage mich, inwieweit ein Christ es noch für christlich halten kann, derartige Haßmails zu schreiben, wie sie erhielt. Von Liebesgebot keine Spur! Und auch mich befällt da so ein Abgrenzungswunsch. Nich von „der Welt“, sondern von solchen homophoben Spinnern. Und dann denke ich wieder an das Zitat vom Erzbischof Puhalo, und wie Recht er doch hat…

Bei God didn’t say that geht es dann ganz passend um die entsprechenden Stellen zur Homosexualität im AT. Die Deutung, daß hier tatsächlich homosexueller Sex verboten wird, kann man teilen, muß man aber nicht. Ich habe schon zweifel, was das „Liegen mit einem Mann“ angeht, weil sonst für Sex eher „erkennen“ benutzt wird. Wichtig finde ich aber die Frage, was man mit solchen Aussagen anfängt, gegen Ende des Artikels. Denn Schweinefleischverbot und dergleichen belastet uns überhaupt nicht, während es beim Thema Homosexualität immer noch große Kontroversen gibt.

Nochmal Mandy, nochmal im Doppelpack. Sie hat nämlich auch geschrieben über Gebete, und darüber, daß sie oft unbeantwortet bleiben. Lesenswert.

So, jetzt hab ich zwar noch jede Menge Artikel, die ich gerne verlinken würde, es wird mir aber einfach zu viel. Also: Pech gehabt. Nächstes Mal vielleicht wieder.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde von Montag, dem 24. September 2012

Bei Balken und Splitter gibt es einen interessanten Artikel über unaufgeklärte Aufklärer. Die dortige Analogie, daß ein aufgeklärter Mensch nicht fordert, daß ein rechter Gewalttäter ebenfalls zusammengeschlagen werden soll, sondern in einem fairen und ordentlichen Gerichtsverfahren verurteilt überzeugt. Analogie wozu? Achja, sollte cih schreiben: Zu Michael Schmidt Salomons Forderung, respektlos gegen religiöse Gefühle zu sein, da Respektlose keinen Respekt verdient hätten. Ich denke, der Autor hat schon recht wenn er meint, dann müßte man den Schlägernazi auch zusammenschlagen, statt ihn vor Gericht zu stellen. Das wäre dann aber recht unaufgeklärt…

Zwei Petitionen möchte ich bewerben. Zum einen die Petition zur Aufhebung der GEMA Vermutung, zum anderen die Petition zur Ablehnung des Leistungsschtzrechtes.

Thomas Knüwer schreibt zur Kampagne gegen die Piratenpartei und in Oregon kann man schon für den Besitz von Büchern (sic!) Schwierigkeiten mit der Poizei bekommen (und zwar inklusive Rammbock zur Öffnung der Tür, Blendgranaten und Sturmgewehren).

Die Altkatholiken haben demnächst Synode in Mainz, und getwittert wird da wohl auch.

Antje Schrupp schreibt vom Subjekt in der Geschichtsforschung und stellt die Frage, ob man das eigene Verhältnis zum Forschungsgegenstand nicht nur offenlegen und als Hindernis ansehen, sondern vielmehr annehmen und als Chance begreifen sollte. Interessante Idee.

Ein anderer Artikel von Antje Schrupp befaßt sich mit Simone Weils Einstellung zu Meinungs- und Pressefreiheit. Wenn ich es richtig verstehe, ist sie für eine Einschränkung der Pressefreiheit zm Schutz der Meinungsfreiheit, weil große Organe die freie Meinunsgbildung eben beeinträchtigen und manipulieren (alleine die vier Buchstaben BILD dürften Erklärung geng sein, was gemeint ist). Der Gedanke, daß mit größerer Reichweite strengere Einschränkungen dessen, was geschrieben und gesagt werden darf, per Gesetz festgeschrieben werden, halte ich für mindestens bedenkenswert. Wobei mir die praktische Umsetzung nicht ganz klar ist. Nehmen wir das Mohammed-Video. Das hatte wohl eine recht geringe Reichweite, bis irgendwelche salafistischen Spinner es per Fernsehen ausgestrahlt haben. Plötzlich war die Reichweite enorm, und es leuchtet auch sofort ein, daß eine Einschränkung der Verbreitung in diesem einen Fall hilfreich wäre, schon alleine wegen der Todesopfer weltweit.

Carina hat über den neuen Bluttest auf Trisomie 21 gebloggt. Das Besondere ist, daß sie selbst Trisomie 21 hat und wohl besser über das Leben damit Bescheid weiß, als diejenigen von uns, die es nicht haben.

Chris Hebner hat einen sehr berührenden Artikel über ein furchtbares Ereignis geschrieben.

Von Thomas habe ich erfahren, daß das Leben von Bettina Wulff nun wohl verfilmt werden soll. Das läßt hoffen. Vielleicht gibt es über mich ja auch bald nen Film. So könnte ich doch noch Millionär werden 😉

Außerdem schreibt Thomas über „religiöse Gefühle“ und Ameleo hat über das Beten geschrieben.

Bei Frischfischen wurde ich auf den Blog vom Landpfarrer aufmerksam. Eine weitere mögliche Quelle für zukünftige Netzfunde.

Die OP-Tisch Pilotin hat einen genialen Einfall: Weg mit den Paralympics, her mit der Olympiade für alle. Das wäre doch echt mal Inklusion! Wieso sollten Schwerstmehrfachnormale ihre eigenen Spiele haben?

Peter hat ein paar interessante Gedanken zum „biblischen Befund“.

Melissa hat sich wieder gemeldet mit Gedanken zu einfachen und schweren Wegen, und wie ihre fundamentalistische Erziehung sie früher beeinflusst hatte.

Und dann sind da noch die Themen der letzten Tage: Der Papyrs mit Jesus und seiner Frau, dazu gibt es hier, hier, hier und hier etwas zu lesen. Und auch zum Mohammed Video gibt es ein paar Artikel. Und dann hat noch jemand den Trailer des antireligiösen Haß-Videos auf seinen Blog genommen.

Zuletzt bleibt noch ein Artikel über Julia Schramm.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 11.09.2012

Heute ein Psalmvers, der das Wissen Gottes vor Augen führt:

Siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest (Ps 139, 4)

Vor Gott bleibt kein Wort verborgen. Er kennt die kleinen Gemeinheiten, die einem so im Laufe des Tages entfahren – z.B. wenn man sich über den Fahrstil des Autofahrers vor einem aufregt oder ähnliches. Vor Menschen verborgen, sind sie für ihn offenbar. Doch er kennt auch die guten Worte, die uns auf der Zunge liegen, die wir aber dann nicht aussprechen, warum auch immer. Vor Menschen verborgen, sind sie für ihn offenbar.

Augustinus schreibt:

Es gibt eine Stimme des Herzens, und es gibt eine Sprache des Herzens. Mit dieser Stimme beten wir in unserem Inneren auch dann, wenn unsere Lippen geschlossen sind und nur unser Herz vor Gott offen liegt. Dann werden wir still, und unser Herz ruft; nicht um von Menschen gehört zu werden, sondern von Gott. Sei also gewiss: Gott hört dich. (Auslegung der Psalmen, CXXV, 8, Corpus Christianorum. Series Latina 40, S. 1851)

Welche Worte von gestern tun mir heute leid? Welche davon möchte ich heute mal aussprechen? Wann habe ich zuletzt mal ganz bewusst mit meinem Herz zu Gott gesprochen?

Gesellschaft

Die Freiheit der Abtreibung

Beim Herrn Alipius hab ich davon gelesen und dann auch bei sophophilo: Dem Gebet für Abreibung. Nein, das ist kein Druckfehler

Nachdem ich das dort verlinkte Video gesehen hab, bin ich etwas skeptisch, was die Bewertung von sophophilo angeht. Vielleicht bin ich ja auf die „Propaganda“ reingefallen, weil da recht wenig von abortion die Rede ist, aber ich verstehe das Ganze so, daß die im amerikanischen Umfeld, wo es immer noch ein wenig tabu und igitt ist über Sex und Verhütung zu reden, diese Themen zu thematisieren. Als Protestant hab ich da vielleicht auch teilweise andere Ansichten als ein Katholik.

Was mich hier aber am meisten interessiert ist, inwieweit Abtreibung etwas mit Freiheit zu tun hat, wie sophophilo jedenfalls das Video verstanden hat. In den Zusammenhang fällt dann auch die Frage, ob man für Abtreibung beten kann.

Grndsätzlich, und da unterscheide ich mich nicht groß von den Katholiken, halte ich Abtreibung für verkehrt. Allerdings bin ich für legale Abtreibungen, da ich davon ausgehe, daß ansonsten Kinder illegal abgetrieben werden mit viel größeren Risiken auch für die Mutter. Im Zweifel kommt der Druck von Eltern der werdenden Mutter oder vom Kindsvater. Dies nd mögliche Gefährdngen der Mutter aus medizinischen Gründen sind für mich Grund genug, Abtreibung nicht komplett zu verteufeln, auch wenn ich ihr ablehnend gegenüberstehe.

Die Ablehnung folgt daras, daß Abtreibung eben gerade nicht Freiheit bedeutet, sondern Unfreiheit. Man ist und bleibt bei einer Abtreibung in den alltäglichen Notwendigkeiten gefangen. Man ist nicht in der Lage oder auch nicht willens, sie zu durchbrechen, um eines der größten Wunder zu erleben, die die Welt zu bieten hat: Der Geburt eines neuen Lebens. Frei, und zwar frei von Sorgen und Befürchtungen, die mit der Veränderung der Lebenssituation zusammenhängen, ist diejenige bzw derjenige (der Druck kommt ja oft von den Männern), der sich trotz aller Sorgen für das Kind entscheiden kann. Unfrei ist der, der lieber alles beim alten beläßt.

Es ist dies natürlich ein anderes Freiheitskonzept als man sonst hat. Sonst gilt ja derjenige als frei, der in der Lage ist, seinen alten Trott trotz aller Störungen von außen beizubehalten. Frei ist der, dessen Ketten, mit denen er an die Tretmühle des Lebens angeschlossen ist, nicht zerspringen. Seine Welt ist eingerichtet, so daß er sich mit ihr arrangiert hat, und sie bleibt eingerichtet, solange er nach dieser Art „frei“ ist. Frei bedetet demnach, nicht gestört zu werden. Schlußendlich ist das Ideal die Einsamkeit mit sich selbst in einer Welt, die nach eigenen Vorstellngen eingerichtet ist und läuft.

Ich meine, dies ist keine Freiheit, sondern Knechtschaft unter eigener Knute. Und in diese „Freiheit“ gehört auch die „Freiheit zur Abtreibung“, den die Abtreibung ermöglicht das Beibehalten des status quo.

Dem entgegen verstehe ich als Freiheit, wenn man unbefangen in die ungewisse Zukunft blicken kann. Wenn man losgelöst von allen Zwängen und Pflichten sich für das entscheiden kann, was richtig und gut ist. Und ich kann nicht anders, als Herrn Alipius Recht zu geben, daß ein Baby zum Besten gehört, was einem widerfahren kann.

Deshalb halte ich die Entscheidung zu einem Kind für frei, im Gegensatz zur Entscheidung gegen ein Kind, und nur weil nicht jeder zu jeder Zeit die Kraft zur absoluten Freiheit hat (wir sind alle Menschen und Sünder und nicht perfekt), bin ich gegen ein Verbot der Abtreibungen und für eine Regelung, die auch ide Mütter ernst nimmt.

Das Ideal wäre eine Ermächtigung der Unfreien zur Freiheit. Kein Mensch würde sich unter allen Umständen gegen ein Kind entscheiden, denn ich bin überzeugt davon, daß jeder Mensch erkennt, daß ein Kind zu haben, Mutter oder Vater zu sein, prinzipiell ne wahnsinnig gute Sache ist. Es gibt aber eben diese Umstände, diese Sachzwänge und Sorgen, die Menschen dazu bringen, sich trotz allem gegen das Kind zu entscheiden, weil die Zwänge ihnen ihre Kräfte rauben, die sie zur Freiheit benötigen.

Hier meine ich, muß jede Pro-Life Aktivität ansetzen, und leider sehe ich das kam, sondern leider meist nur Kritik an denjenigen, die Unfrei sind. Statt die Not der Unfreien, nämliche ihre Unfreiheit, anzugehen, geht man die Unfreien an. Ist ein wenig als ob man Sklaven beschimpft, weil es Sklaverei gibt…

Wo sind die kirchlichen Gruppen, die für ein Adoptionsrecht eintreten, das sicherstellt, daß ngewollte Kinder unterkommen? Wo sind die Religiösen, die sich bereiterklären, Kinder afzunehmen, die sonst abgetrieben würden? Wo sind die Pro-Life Leute, die das Sex-vor-der-Ehe-Sünde Gebrabbel einmal sein lassen, und der jngen Schwangeren einfach nur in ihren Ängsten beistehen, nicht nur durch Gebet (so wichtig auch das ist), sondern auch konkret im täglichen Leben, und in den Konflikten mit Familie, Kindsvater und sonstigem Umfeld? Die das Leben in der veränderten Situation erleichtern, und nicht drch Verdammung erschweren?

Nein, man sollte nach meinem Dafürhalten nicht für Abtreibung beten, weil es eben ein Gebet gegen Freiheit ist, aber man sollte auch nicht Abtreibung verdammen und Schwangere stigmatisieren und alleine lassen.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 13.03.2012 (Jer 14, 22)

Die Tageslosung stammt aus dem Plädoyer Jeremias für Juda im 14. Kapitel. Wird zuvor überwiegend das Leid Judas und Jerusalems als Strafe Gottes interpretiert (Vgl. Jer 14, 1-18), so folgt in den Versen 19-22 ein Plädoyer Jeremias für Juda und Jerusalem (Vgl. Jer 14, 19-22). Dieses Plädoyer ist gedacht als Rede Jeremias vor Gott. Innerhalb dieses Plädoyers steht auch die Tageslosung. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus V. 22, für den es ganz verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten gibt:

(Ps 74,20; Jer 3,17; Jer 14,7; Jer 17,12)

1. 22a)Gibt es unter den Nichtigkeiten13 der Nationen Regenspender, oder kann der Himmel von selbst Regengüsse geben?) 22b)Bist du es nicht, HERR, unser Gott? 22c) Wir hoffen auf dich; 22d) (denn du, du hast dies alles gemacht.)

2. 22a) Gibt es etwa Regenspender unter den Götzen der Völker? Oder ist es der Himmel, der von selbst regnen lässt? 22b)Bist nicht du es, Herr, unser Gott? 22c)Wir setzen unsre Hoffnung auf dich; 22d) denn du hast dies alles gemacht.

3. 22a)Gibt es etwa unter den nichtigen Götzen der Heiden Regenspender? Oder schickt etwa der Himmel von selbst die Regengüsse? 22b)Bist du es nicht, HERR, unser Gott? 22c)So hoffen wir denn auf dich; 22d) denn du bist es, der dies alles tut (oder: getan hat).

Meine eigene Übersetzung des Losungstextes wäre: 22b) Bist du nicht, HERR, unser Gott 22c) und auf dich hoffen wir/auf dich warten wir.

Da ja in 22a die Frage gestellt wird, wer denn Regen schickt und es schwer vorstellbar ist, dass Jeremia im Angesicht Gottes jemand anderen für Regen verantwortlich macht, schließe ich mich hier den anderen Übersetzungen an und gehe davon aus, dass 22b eine rhetorische Frage als Antwort auf die zuvor aufgeworfene Frage ist und eine dem Kontext angemessene Antwort deshalb Bist du es (der, der den Regen schickt) nicht, Herr, unser Gott? Bei V. 22c möchte ich gerne beide Aspekte des Verbs zur Geltung bringen, sowohl den Aspekt, dass gewartet wird als auch den, dass gehofft wird. Dafür scheint mir keine der bisherigen Übersetzungen günstig zu sein. Deshalb übersetze ich V. 22c etwas behelfsmäßig mit: „wir warten hoffnungsvoll auf dich“.

Die Übersetzung des Losungstextes (V. 22b-c) lautet dann:

„Bist du es nicht, Herr, unser Gott? Wir warten hoffnungsvoll auf dich“

Wie schon gesagt, entstammen die Losung aus dem Plädoyer Jeremias. Er hält es, weil ihm das bevorstehende Leid Judas und Jerusalems deutlich vor Augen steht. Doch auch angesichts des Leidens spricht Jeremia noch immer davon, dass hoffnungsvoll auf Gott gewartet wird. Er lässt das Gespräch mit Gott nicht abreißen. Ein Gespräch wird nach meiner Erfahrung nur aus zwei Gründen geführt. Entweder, weil man sich später von keinem Menschen vorwerfen lassen will, nicht dialogbereit zu sein, oder weil man noch Hoffnung hat, dass dieses Gespräch etwas bringt. Die Verfasser des Buches Jeremia stellen Jeremia, soweit ich das sehe, nicht als jemanden dar, der sich aus Vorwürfen anderer Menschen etwas macht. Deshalb vermute ich, dass Jeremia uns hier als jemand gezeigt werden soll, der auch im Angesicht großen Leidens am Dialog mit Gott festhält, weil er die Hoffnung hat, dass es etwas bewirkt. Er ist sozusagen ein lebendiges Zeichen dafür, dass hoffnungsvoll auf Gott gewartet wird.

Jeremia hält in großer Not hartnäckig am Gespräch mit Gott fest. Auch bei anderen Menschen in der Bibel begegnet uns diese Hartnäckigkeit – Abraham, Mose, ja, selbst der Brudermörder Kain gibt keine Ruhe, nachdem Gott ihn nach seinem Brudermord verflucht hat, sondern wendet sich noch einmal an Gott (Vgl. Gen 4, 13-15). Ich glaube, diese Hartnäckigkeit können wir von ihnen allen, von Jeremia, Abraham, Mose und auch Kain lernen, bei allem, was uns von ihnen trennt und unterscheidet. Bei allem, was uns an Leid vor Augen steht, dennoch an Gott festhalten und das Gespräch mit ihm nicht abreißen zu lassen, sondern uns in Lob, Klagen und Fragen im Gebet immer wieder an ihn zu wenden.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 28.02.2012 (Jona 2, 9)

Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade.

Dieser Satz stammt aus einem Gebet des Propheten Jona. Wie kam er dazu, ihn zu beten? Gott gab Jona den Auftrag, nach Ninive zu gehen und dort zu predigen. Die Stadt ist dermaßen böse, dass ihr Unheil vonseiten Gottes droht. Deshalb soll Jona dort predigen und sie zur Buße bewegen.  (Jona 1, 2). Jona weigert sich. Erst am Ende erfahren wir, warum: Er war sich sicher, dass JHWH Ninive gnädig sein würde, wenn er dort predigt. Und statt sich darüber zu freuen, dass Gott gnädig ist, will er Ninive meiden. Er will offenbar Ninive von der Gnade Gottes ausschließen. Er bezahlt Geld für eine Schiffsfahrt nach Tarsis und  vertraut sich nicht der Führung Gottes an, sondern will ihm ausweichen.

Diese Momente des Ausweichens sind mir nur zu vertraut. Diese Jona-Momente, in denen ich Gott ausweichen möchte. Mich ihm und seinen Fragen nicht stellen möchte, weil sie unbequem sein können. Solche Fragen können z.B. sein: „Der Ärger, den du letztens hattest – ist der schon beigelegt? Und wenn er es nicht ist: „Warum nicht? Hast du alles dafür getan, ihn beizulegen?“. Sich solchen Fragen zu stellen kann anstrengend sein und zu einem Ausweichmanöver verlocken. Doch an Jona sehen wir, dass sie zu nichts führen – außer zu größeren Schwierigkeiten.

Sein Plan scheitert, das Schiff gerät in einen Sturm. Es droht zu sinken, die Mannschaft ist hoffnungslos und fragt nun ihn: „Was sollen wir tun?“ Jona weiß, was zu tun ist, er kennt den Grund für den Sturm und antwortet: „Werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dieser Sturm über euch gekommen ist“. Ob er selbst damit rechnet zu überleben ist unklar. Als alles Mühen der Mannschaft nichts nützt, werfen sie ihn schließlich ins Meer – nicht ohne seinen Gott um Verzeihung zu bitten, falls er unschuldig ist. Er schreit – wie er später im Gebet schildert – zu JHWH und findet sich im Bauch des Fisches wieder. Und hier betet er. Er schildert, wie er bis hierhin kam und zieht am Schluss die Lehre aus den Ereignissen. An dieser Stelle setzt der Losungstext ein:

„Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade“

So übersetzt Luther den Text. Ein Hebräischdozent, bei dem ich Hebräisch gelernt habe, hat uns immer wieder eingeschärft: Vertrauen Sie niemals der Lutherübersetzung ungeprüft und achten Sie genau auf das, was da im Hebräischen steht. Dieser Satz hat mich durch mein ganzes Studium begleitet. Texte sind ein bisschen wie Strickpullover: auf einzelne Fäden muss geachtet werden, damit am Ende etwas Ganzes entsteht, aber an einzelnen Fäden darf nicht zu sehr gezerrt werden, sonst zerstört man den Text. Es ist Behutsamkeit gefragt. Behutsam und vorsichtig sollen deshalb die Fäden aufgenommen werden, die in diesem Text verstrickt sind.

Der erste Faden heißt „sich halten an das Nichtige“. Überprüft man die Lutherübersetzung durch einen Vergleich verschiedener Übersetzungen oder einem eigenen Übersetzungsversuch, wird deutlich, was mit „sich halten an das Nichtige“ gemeint ist: Es geht hier um die Verehrung anderer Götter. Zum Thema andere Götter lesen wir bei Luther: Worauf du nun (sage ich) dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott. Dieses Thema hat vor und nach Jona Menschen beschäftigt und auch wir sind vor die Frage gestellt: An was hängst du dein Herz, d. h. auf was setzt du dein uneingeschränktes Vertrauen?

Was heißt eigentlich „sein Vertrauen auf jemanden setzen“? Bei Jona wird es umschrieben mit: sich an etwas halten. Sich an etwas halten kann verschiedenes bedeuten. Zum einen kann es heißen: Halt bei etwas suchen. Mit Hilfe von etwas sicher stehen, z.B. mit einem Stock, auf den man sich stützt. Zum anderen kann es auch bedeuten: Sich an etwas Orientieren. Ein Leuchtturm zum Beispiel ist ein Anhaltspunkt, eine Orientierungshilfe, die den Weg weist. Hilfen zum Stehen  und Hilfe beim Orientieren beides klingt bei „sich halten an“ an. Und so lautet die Frage an uns, die im Text ein bisschen verborgen ist: „Worauf stützt du dich? Wer oder was ist deine Orientierungshilfe?“

Jona stützte sich am Beginn seiner Reise nicht auf Gott, sondern auf sein Geld, mit dem er sich die Schiffsfahrt erwarb. Sein Orientierungspunkt war nicht Gott, sondern der Leuchtturm von Tarsis. Es ist nichts gegen Geld einzuwenden. Es ist auch sonst nichts gegen Dinge einzuwenden, die uns im Alltag unterstützen. Auch Leuchttürme sind im Allgemeinen zu begrüßen. Gegen Orientierungs-hilfen im Alltag ist nichts einzuwenden. Doch weder Alltagsstützen noch Orientierungshilfe dürfen wir so vertrauen wie wir Gott vertrauen dürfen: Vorbehaltslos, ohne Einschränkung. Ein weiteres prominentes Beispiel dafür, was passiert, wenn wir etwas anderem als Gott vorbehaltlos vertrauen, sahen wir auch im Evangelium. Auf die Leidensankündigung Jesu widerspricht Petrus und will Jesus davon abbringen (Vgl. Mt.16, 22) Er vertraut seinen eigenen Gefühlen mehr als Gott, und wird dafür zurechtgewiesen. So stehen sie beide, Jona und Petrus, als Erinnerung daran, dass wir nichts und niemandem mehr vertrauen können und dürfen als Gott.

Auch davon, was die Folgen wären, sich an Nichtiges zu halten, Gott nicht zu vertrauen, lesen wir im Lesungstext „Die sich an Nichtiges halten, die verlassen ihre Gnade“.

Der zweite Faden, der aufgenommen wird, ist „die verlassen ihre Gnade“.

Man kann einen Ort nicht verlassen, ohne zuvor dort gewesen zu sein. Man kann auch Menschen nicht verlassen, ohne zuvor in irgendeiner Form – körperlich oder z.B. durch Mailkontakt – bei ihnen gewesen zu sein. Ebenso wenig kann man Gnade verlassen, wenn sie nicht zuvor bei einem gewesen ist. Wenn es also heißt: „Die sich halten an das Nichtige, die verlassen ihre Gnade“ müssen diese zuvor Gnade gehabt haben, sonst könnten sie sie nicht verlassen. Es geht also hier nicht um die, die ihr Vertrauen noch nicht auf Gott setzen. Es geht um die, die Gott nicht mehr vertrauen.

Und es geht um die Jona-Momente in uns. Um die Momente, in denen wir sagen: Ich kann Gott nicht mehr vertrauen. Über diese Menschen, über diese Jona-Momente wird gesagt: Da wird die Gnade verlassen. Und nicht irgendeine Gnade, sondern ihre Gnade. Gnade ist etwas ganz persönliches. Diese ganz persönliche Gnade kann nur wirksam werden, wenn wir uns jemandem voll ausliefern. Das geht nur, wenn wir dem, dem wir uns ausliefern, vertrauen. Die Gnade, von der bei Jona die Rede ist, ist die Gnade Gottes. Wenn wir anderen Dingen mehr vertrauen als Gott und Gott so unser Misstrauen aussprechen, können wir auch keine Gnade von ihm annehmen. Denn wie könnten wir Gnade von jemandem annehmen, dem wir misstrauen? Es sind diese Jona-Momente, in denen wir – wenn auch nur zeitweise – das Vertrauen in Gott verlieren und so unsere Gnade verlassen.

In diesen Jona-Momenten kann es auch die Jona-Geschichte sein, die uns neues Vertrauen ermöglicht. Denn nachdem ihn die Seefahrer ins Meer geworfen haben, droht er umzukommen. Doch statt sich in seinen Tod zu fügen, setzt er doch noch einmal all sein Vertrauen, seine Hoffnung auf den Gott, dem er vorher ausweichen wollte. In seiner Not schreit er zu JHWH – und wird erhört. Er geht unter – und überlebt, geborgen von einem Fisch. Im Leben kann uns das Wasser bis zum Hals stehen. Auch untergehen ist nicht ausgeschlossen. Doch auf eines können wir uns verlassen: Rufen wir dann zu Gott und befehlen uns seiner Gnade an, dann kommt auch für uns ein Fisch, der uns rettet und unter den Wogen hindurchträgt. Denn nur weil wir die Gnade verlassen, heißt das ja noch lange nicht, dass Gott uns verlässt. Jona wird getragen und drei Tage später an Land gesetzt. Wieder fordert Gott ihn auf, nach Ninive zu gehen und dort zu predigen.  Gott ist hartnäckig – er ist ein Gott der zweiten Chance, der vielen Chancen. Diesmal hört Jona auf ihn und geht in die große Stadt Ninive. Nach Sturm, beinahe ertrinken und drei Tage im Fisch geht er doch in die Stadt, die ihm das Ganze – indirekt zumindest – eingebrockt hat. Er geht in die Stadt, die er eigentlich meiden möchte. Das ist Vertrauen, aus dem heraus Gnade wirksam werden kann: Sich von Gott auch an die Orte und die Situationen schicken lassen, die man eigentlich meiden möchte.

Es wird geschildert, dass er dort eine ebenso kurze wie wirkungsvolle Predigt hält, deren Kern wohl nur aus einem Satz bestand: „Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen“. Die Folgen sind beeindruckend. Die Stadt geht in Sack und Asche, sie tut Buße. Selbst der König geht in Sack und Asche und bezieht per königlichen Erlass sogar die Tiere mit in die Bußhandlung ein: Weder Mensch noch Vieh sollen essen und trinken, Mensch und Vieh sollen sich in Sack und Asche hüllen. Soweit ich weiß, ist die Schilderung von Vieh im Sack zwecks Buße einmalig in der Bibel. Das zeigt deutlich, wie groß die Wirkung der Predigt in dieser Geschichte ist.

Es kommt genauso, wie Jona es vermutet hat: Er predigt, Ninive tut Buße, Gott ist gnädig. Hätte Jona von Anfang an der Führung Gottes vertraut und Ninive nicht von der Gnade ausschließen wollen, wäre ihm einiges an Schwierigkeiten erspart geblieben. Es liegt nicht an uns, Menschen von der Gnade Gottes auszu-schließen. Dort, wo Gott Gnade wirksam lassen werden will, haben wir dem nichts entgegenzusetzen. Und auch das heißt Vertrauen auf Gott: Es ihm vorbehaltlos überlassen, ob er gnädig ist oder nicht.

Noch einmal der Satz aus dem Gebet Jonas:

Die sich halten an das Nichtige, die verlassen ihre Gnade.

Wenn wir Gott nicht voll und ganz vertrauen, ihm immer wieder neu vertrauen, dann kann seine Gnade ihre befreiende Wirkung in unserem Leben nicht entfalten. Deshalb lasst uns immer wieder im Vertrauen zu Gott leben, Tag für Tag auf’s Neue.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 22.2.2012 (Ps. 116, 8)

Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Die Rettung der Seele vom Tod – grade am Beginn der Passionszeit, an deren Ende ja die Überwindung des Todes steht, besteht die Gefahr, diesen Text vorschnell und kritiklos durch eine christliche Brille zu betrachten. Gegen eine solche christliche Brille ist erstmal nichts einzuwenden. Man muss jedoch in der Lage sein, sich durch Hinweise, die der Text gibt, zeitweise von der christlichen Brille zu lösen bzw. die Aussagen, die man aufgrund der christlichen Brille tätigen würde, nocheinmal zu hinterfragen.

Dem Losungstext gehen mehrere Verse voran. Zunächst wird erklärt, dass der Beter JHWH liebt und dieser ihn erhört und aus realer Todesgefahr errettet hat (V. 1-6). In V. 7 wird dann die Seele zur Ruhe gemahnt, da Gott ihr ja Gutes tut. Es kommt dann in V. 8 zu einer Veränderung im Text. Zuvor wurde von JHWH immer nur in der 3. Person gesprochen (V. 1-7), in V. 8 wird nun JHWH direkt angesprochen. Man kann nun sicher über verschiedene Entstehungsschichten des Textes sprechen. Ich aber finde es viel spannender, zu sehen, was der Redaktor hier vermittelt. Sowohl in V. 1-7 als auch in V. 8 lautet die zentrale Aussage: JHWH hat aus Todesgefahr gerettet. Inhaltlich also nichts Neues. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass in 1-7 über JHWH, in V. 8 mit JHWH gesprochen wird. Über JHWH reden hat seine Zeit, mit JHWH reden hat seine Zeit. Der Psalmist spricht im Gebet erst über JHWH, er macht den Hörern und Lesern mit der Rede über JHWH plausibel, warum er überhaupt betet.

Ich glaube, wir können aus diesem Psalm lernen, dass wir uns bewusst machen, warum wir beten – und auch keine Scheu davor haben, anderen gegenüber zu erklären, was uns zum Gebet bringt.

Ich habe zu Beginn von der Passionszeit und der christlichen Brille gesprochen. Die Brille möchte ich jetzt wieder aufsetzen. Mit Blick auf die Situation des Psalmisten ist zu sagen: Er spricht von einem gegenwärtigen, für Menschen fühlbaren Tod – vom leiblichen Tod. Dieser Tod ist auch nach Christi Auferstehung nicht aus der Welt. Gestorben und begraben wird weiterhin. Der leibliche Tod ist ein Schlusspunkt hinter dem irdischen Leben. Doch Christen dürfen auf einen weiteren, wichtigen Punkt Vertrauen: Die Auferstehung Christi. Sie ist der Punkt, der aus dem Schlußpunkt hinter dem irdischen Leben den Doppelpunkt vor dem ewigen Leben macht. Der Entstehung dieses Doppelpunktes gedenken wir in den nächsten 40 Tagen der Passionszeit.

Gebetsanliegen, glaube, kirche, Kirche & Web 2.0

Gebetsanliegen

Heute abend im Gottesdienst hatte ich eine Idee (ja, in Greifswald gibt es auch abends Gottesdienste). Es gibt doch Menschen, die ein Gebetsanliegen haben, und dieses auch vortragen, damit andere mit ihnen beten. Und es gibt Menschen, die gerne mit ihren Glaubensgeschwistern beten. Idealer Weise kommen die in der Gemeinde zusammen, das Gebetsanliegen kommt zur Sprache, und man betet gemeinsam.

Nun ist die Welt aber leider nicht ideal, und man traut sich vielleicht auch nicht immer, die Dinge, die einen im Innersten bedrücken, vor vielleicht halb fremden Menschen auszusprechen. Trotzdem würde man sich freuen und es wäre eine Stütze, wenn man wüßte, daß andere an einen denken und mit einem beten.

Deshalb möchte ich dieses Projekt starten und sehen, ob hier vielleicht Leute zusammenkommen, um füreinander zu beten, einander vielleicht auch besser kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen, was auch immer geschehen mag.

Es ist zuerst einmal ein Angebot. Ich kann nicht abschätzen, ob der Bedarf da ist, oder ob man es vielleicht anders umsetzen sollte.

Die Sache läuft grob so:

Es gibt eine E-Mail Adresse (beter ät lavabit.com), an die man Gebetsanliegen schicken kann. Diese werden dann gesichtet (um sicherzugehen, daß niemand irgendwelche zwielichtigen Seiten anpreist und dergleichen) und anschließend veröffentlicht. Und zwar so anonym, wie sie sind. Das heißt: Die E-Mail Adresse wird nicht genannt, und der Text der Mail wird wie er ist wiedergegeben. So kann jeder entscheiden, wie viel er von sich preisgeben will.

Uns die Arbeit erleichtern kann man, indem man

[category Gebetsanliegen]

irgendwo im Text der Mail platziert, damit das auch an die richtige Stelle kommt. Alles Weitere steht hier. Die Gebetsanliegen (und diesen Artikel hier) findet man dann hier. Und natürlich gibt es zu den Gebetsanliegen auch einen extra RSS Feed.

Man darf dieses Angebot auch gerne weitersagen 😉 und wie gesagt: Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen.