Commenting Media, Gesellschaft

Pädophile Massenhochzeit im Gaza-Streifen?

Im Moment hab ich wenig Zeit, es sind gerade Amtswochen, daher hatte ich gar keinen Artikel geplant. Dann sah ich dieses Bild:

Massenhochzeit in GazaEs handelt sich um ein Bild von einer Massenhochzeit in Gaza. Und es ist sehr verbreitet im Internet (siehe google Bildersuche – gibt es auch weniger bedenktliche Bildersuchen als google?).

Soweit, so gut. In Gaza gibt es also Massenhochzeiten. Die gibt es auch bei uns, und es gibt immer wieder Versuche, größere Massenhochzeiten auszurichten, um ins Guiness Buch der Rekorde zu kommen. Wie dem auch sei.

Das alles ist ja kein Aufreger. Der Aufreger liegt darin, dass auf den weitaus meisten Webseiten behauptet wird, die Mädchen in den weißen Kleidern seien die Bräute der daneben stehenden Männer. Die Seitenbetreiber leisten damit dem Vorurteil Vorschub, dass Muslime eine Neigung zu Pädophilie hätten, jedenfalls lassen sich viele der Artikel so verstehen.

Es handelt sich allerdings nicht um die Bräute. Und das entlarvt die ganzen Webseiten „besorgter Bürger“ und anderer geistiger Brandstifter als ganz üble Hetze.

Die Mädchen sind die Cousinen der Eheleute, die in der Zeremonie eine Rolle spielen. Die erwachsenen Bräute zeigen sich nicht derart in der Öffentlichkeit.

Leider aber geht die Wahrheit in der Masse an Falschinformationen und Hetzseiten ganz schnell unter, und man braucht schon ein gewisses Misstrauen und eine gewisse Ausdauer, um etwa auf diesen Artikel zu stoßen, der die Hintergründe beleuchtet. In dem Artikel ist dann auch ein Artikel eines Reporters verlinkt, der tatsächlich vor Ort war und bestätigt, daß die Mädchen nicht die Bräute sind.

Wir leben in Zeiten der Unaufrichtigkit, in der wir mit einem Wust von Lügen dazu gebracht werden sollen, unseren Auftrag als Christen, die Menschen zu lieben, zu vergessen und statt dessen zu hassen. Der Teufel ist der Vater der Lüge, und er nutzt sie, um seien Haß zu verbreiten und Gottes Reich zu bekämpfen.

Seien wir also misstrauisch, wo immer wir zu Haß und Verachtung gedrängt werden, durch Angstmacherei und Lügen.

Einer der häufigsten Sätze in der Bibel lautet: „Fürchte Dich nicht.“ Halten wir uns daran. Und halten wir an der Liebe fest!

Update: Ich stieß gerade auf diesen Artikel, der den oben verlinkten Artikel in einigen Details korrigiert. Interessant dabei finde ich zwei Dinge:

  1. Die ursprüngliche Falschmeldung kam von einem radikalen koptischen Blog (es gibt auch unter den verfolgten Christen der arabischen Länder Radikale, die zur Lüge greifen).
  2. Die Massenhochzeiten der Hamas sind ein soziales Projekt, das allen Menschen egal welcher Religion oder Nationalität offensteht. Mir stellt sich da die Frage, ob das nicht auch etwas für unsere Kirchen wäre. Ich habe den Eindruck, dass dies bei den immer wieder veranstalteten Tauffesten der Fall ist. Wieso das nicht auf Hochzeiten, Konfirmationen und andere Feste ausweiten?

Nochn Update: @LEvangelikal hat mich drauf hingewiesen, daß es sich bei der koptischen Homepage um „Kopten ohne Grenzen“ handelt (Danke für den Hinweis). Dort hab ich die Geschichte dann auch gefunden. Allerdings handelt es sich dabei offenbar nicht um die erste Meldung (wie bei mimikama.at zu lesen), da der Artikel vom November 2012 ist und auf einen Artikel vom 5.8.2009 bei pi verlinkt. Vom pi Artikel bin ich dann zu Israel Matzav gekommen. Der Artikel datiert vom 31.7.2009 und ist bisher der Älteste. Tim Marshall, der vor Ort war und davon berichtete (ich hab den Originalbericht noch nicht gefunden) hat schon am 4. August 2009 von dem Problem berichtet, daß islamophobe Webseiten die Bilder aus dem Kontext reißen. Im Moment hege ich die Vermutung, daß der Originalartikel deshalb ausdem Netz genommen wurde.

Politik

Demokratie ohne Rechtsstaatlichkeit

Wohin demokratische Wahlen führen, wenn die Rechtsstaatlichkeit im Volk nicht verankert ist, kann man an verschiedenen Beispielen weltweit beobachten. So wird durch Wahlen vielerorts lediglich entschieden, wer in Zukunft den Ton angibt, wobei das Tonangeben sich nicht zwingend in rechtsstaatlichen Bahnen bewegen muß. Als Beispiele fallen mir grad Gaza und Ägypten ein, wobei ich mir auch bei den westlichen Staaten Gedanken mache über die Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit, ob durch den ständigen Verweis auf die Terrorgefahr oder die Angstmacherei vor dem Islam.

In Ägypten hat man weniger Angst vor der Terrorgefahr oder dem Islam. Das heißt: Wenn man Muslim ist. Ist man Christ, sieht die Sache schon wieder anders aus.

Denn nachdem das Militär die demokratisch gewählte und eher diktatorisch als rechtsstaatlich agierende Muslimbrüder-Partei abgesetzt und die Proteste der Muslimbrüderanhänger niedergeschlagen hat, sind diese nun losgezogen und haben nicht etwa wie die freiheitlich-demokratische Minderheit, die Mubarak absetzte, weiter Druck auf die Militärregierung ausgeübt, nein, diese ach so gläubigen Menschen (es scheinen mir eher Heuchler zu sein) suchten sich einen schwächeren Gegner: Die Christen Ägyptens. Merke: Wenn das Militär zu stark ist, dann mach ich halt wen anders platt.

Daß diese Leute die Mehrheit der Ägypter davon überzeugen konnten, sie zu wählen, spricht nicht für eine rechtsstaatliche Kultur in dem Land. Aber woher sollte die auch kommen? Nach Jahrzehnten der Diktatur?

Auch bezeichnend ist, daß die Militärregierung zwar die Demonstrationen zerschlagen konnte (unter der Inkaufnahme vieler Todesopfer), aber nicht in der Lage war, die Kirchen und Klöster des Landes zu schützen.

Nur: Was kann man tun? Daß wir nicht wissen, wie man Demokratien erschafft, kann man in Afghanistan und Irak besichtigen. Oder war dort das Ziel nicht auch einmal Nation-building? Wie bringt man ein Land dazu, demokratisch zu werden? Vieleicht müßten wir Missionare schicken, keine kirchlichen Missionare, sondern politische Missionare für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Da das aber alles Geld kostet, bleibt dies wohl an den Idealisten hierzuland hängen. Gibt es solche „Misisonsgesellschaften“ überhaupt?

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Wer hat’s erfunden?

Naja, vielleicht ist es ja auch keine Erfindung, man möge in den Kommentaren Belege verlinken, aber wenn es eine Erfindung war, waren es nicht die Schweizer, auch wenn sie es abgedruckt haben, sondern in dem Fall ein Holländer: Leon de Winter.

In einem Interview mit dem Tagesanzeiger (via) behauptet der nämlich, es wäre „auf dem humanitären Schiff“ (das, auf dem es Montag morgen zu den Toten kam) „Tod den Juden“ gesungen worden. Dabei an Bord war er wohl nicht, denn nach seinen Aussagen waren das ja nur nützliche Idioten oder Menschen die sich von der Vergangenheit lösen wollen, indem sie Juden als Täter darstellen (hat die israelische Armee nicht auch christliche und drusische Soldaten? Oder dürfen die nicht zu den Eliteeinheiten?). Zu solchen nützlichen Idioten und Geschichtsrevisionisten zählt er sich wahrscheinlich nicht.

Er sagt auch nicht, daß er beim Auslaufen des Schiffes dabei war, noch zitiert er oder der Tagesanzeiger irgend eine andere Quelle, was bei solch schwerwiegenden Anschuldigungen doch hilfreich wäre (oder nicht?).

Bei den Menschen, die sich von der Vergangenheit lösen wollen, hätte ich noch ne Frage: Die nützlichen Idioten nämlich kommen erst ins Spiel, als von der Schweiz die Rede ist, die keine Nazi Vergangenheit hat. Darf ich mich jetzt als deutscher, der auch die israelische Regierung kritisch sieht, aber in der Schweiz wohnt, mich zu den nützlichen Idioten zählen? Oder legt mich mein Paß schon unwiderlegbar auf die Geschichtsrevisionisten fest? (ja, das war polemisch)

Ich bin mir sowieso nicht ganz so sicher, wer hier der „nützliche Idiot“ ist. Leon de Winter scheint eine sehr einseitige Linie zu fahren: Pro Israel. Das ist ja auch kein Problem, die Kritiklosigkeit am Geschehenen find ich nur erschreckend. Dazu kommt Emotionalisierung. So antwortet er auf die Frage nach den Gründen, warum in Europa so wenig Verständnis für das israelische Vorgehen vorherrscht, erst mal mit einem Verweis auf den Anschlag in Lahore. Thema verfehlt, setzen, 6!

Erst bei einer Nachfrage antwortet er dann mit den Geschichtsrevisionisten, nach einer weiteren Nachfrage räumt er ein, daß es auch nützliche Idioten gibt. Daß es vielleicht Menschen gibt, die sich wirklich fragen, ob da in Gaza alles so reibungslos läuft, wie uns die israelische Propaganda (die sagen sie seien im Krieg mit der Hamas, und im Krieg heißt PR Propaganda) glauben machen will, kommt ihm anscheinend gar nicht in den Sinn.

Denn in Gaza geht es den Menschen auch nicht besser als in gewissen Gebieten der arabischen Welt. Nun, die arabische Welt hat eine sehr breite Differenzierung von Wohlstandsverhältnissen, es gibt da schon Unterschiede zwischen armen Bewohnern von Kairo und Scheichs am Golf, doch Gaza soll mit dem unteren Ende verglichen werden. Sie seien ja frei (sind das die anderen nicht?) nd man müsse nr aufhören, Raketen zu schießen.

Und spätestens hier finde ich es geschmacklos. Wie viel Prozent der 1,5 Millionen Einwohner von Gaza schießen Raketen auf Israel ab? Wenn jeder Bewohner inklusive Kinder nur eine Rakete abgeschossen hat, müßten es über eine Million Raketen sein. Es waren wohl weniger, und die werden ach von einer kleinen Gruppe Extremisten abgeschossen, es ist wohl weniger so, daß jeder mal drankommt. Auch wenn man diesen Menschen noch ein paar Sympathisanten zuordnet, so bleiben doch immer noch genügend Menschen übrig, die nichts mit der Hamas am Hut haben und trotzdem leiden. Ach nein, es gibt ja „keinen Mangel an Produkten in Gaza“. (ich hab jetzt ne Weile gesucht nach aktuelle Berichten zur humanitären Lage in Gaza von unabhängigen Einrichtungen wie UN oder Rotes Kreuz und nichts gefunden, das macht mich skeptisch, hat da wer nen Link?)

In weiteren Verlauf des Interviews fragt de Winter dann nach dem Interesse der Türkei bei der Sache, und kommt zu dem Schluß, daß es um die Positionierung als neue regionale Macht geht. Den Punkt kann ich noch nachvollziehen, die Türkei könnte tatsächlich strategische Ziele damit verfolgen, sich so hinter die Aktivisten zu stellen. Gerade die Situation im eigenen Land (Stichworte: Armenier, Kurden, Mor Gabriel…) ziehen das Interesse an Menschenrechtsfragen ein wenig in Zweifel, wenn es nicht gerade um eigene Interessen geht.

Einen Zusammenhang mit dem Iran herstellen zu wollen find ich dann aber doch etwas weit hergeholt, wobei ich gerne zugebe, daß die türkisch-iranischen Beziehungen mir relativ unbekannt sind. Wer mehr weiß, hinterlasse einen Kommentar.

Am Ende schließt das Interview erneut mit dem nützliche-Idioten-Vorwurf gegen den ehemaligen Stadtpräsidenten von Zürich und dem Vorwurf, der diesem Artikel den Titel gegeben hat: Die Erschossenen hätten „Tod den Juden“ gesungen.

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Neues zu Gaza

So treffend ist der Titel vielleicht gar nicht, denn es geht weniger um Gaza selbst, als um die Ereignisse rund um den Hilfkonvoi für Gaza.

So hat sich ein gewisser Yossi Melman, der Kölner Stadtanzeiger nennt ihn einen israelischen Militärexperten, zu der Aktion des israelischen Militärs zu Wort gemeldet und spricht vom Versagen der Gewalt-Strategie. Israel habe mit seiner Reaktion genau das geliefert, was die Hamas und die Gegner Israels brauchten. Insofern besteht dort das gleiche Problem wie auch ähnlich bei den Aktivisten, die bei ihrer Verteidigung gegen das israelische Militär eben doch zur Gewalt gegriffen haben und sich somit ein Stück weit unglaubwürdig machten.

Wie ich schon einmal schrieb, eigentlich ein stabiles System, Scharfmacher beider Seiten sorgen dafür, daß die Gemäßigten nicht ins Amt kommen, indem sie Angriffe provozieren und sich dann als Opfer darstellen. Durch die Art der Provokation (Gewalt muß eine Rolle spielen, um den Scharfmachern der Gegenseite Argumente zu liefern) sorgen sie dafür, daß sie nur bei den eigenen Leuten mit der Opferrolle durchkommen, durch die Berechenbarkeit des Gegners ist man sich der Vergeltung sicher, was dann wieder Bilder liefert um die eigene Opferrolle zu zelebrieren.

Ich glaube nicht, daß beide Seiten sich absprechen, solche Verschwörungstheorien sind mir dann doch ein wenig zu unrealistisch, aber de facto funktioniert die Gewaltspirale genau auf diese Weise, und setzt die Friedenslager beider Seiten gleichermaßen unter Druck.

Nun zieht der Konflikt aber größere Kreise (via), denn mit dem Angriff auf ein Schiff unter NATO Flagge hat Israel sich in eine Lage versetzt, die eigentlich eine Reaktion der NATO nach sich ziehen müßte. Denn die Allianz hat das Ziel, Angriffe auf Bündnispartner abzuwehren. Und die Türkei ist seit 1952, länger also als die BRD, NATO Mitglied. Es ist zwar nicht damit zu rechnen, daß die NATO nun militärisch interventieren wird, aber die Türkei wird das Thema nicht so einfach übergehen, nicht so einfach übergehen können. Die Entwicklung in diesem Zusammenhang bleibt ungewiss.

Derweil sind Bilder aufgetaucht von den an Bord beschlagnahmten Waffen (via). Deren Mehrzahl scheint zu belegen, daß es sich dabei tatsächlich um Küchenmesser und dergleichen handelte. Die Holzstöcke und Beile scheinen mir zum geladenen Baumaterial bzw. -werkzeug zu gehören. Was ich nicht verstehe ist, was Krummdolche (sieht man nicht gleich, ich hab auf den Bildern 2 gefunden), Pfefferspray(?) oder Taschenmesser an Bord zu suchen hatten. Auch über die Wirkung der Schleudern, die gut und gerne auch als Spielzeug durchgehen könnten – in anderen Weltgegenden -, hätte man vorher schon Klarheit haben können. Daß solche Gegenstände Nahrung für die israelische PR darstellen, hätte man wissen können. Auch die kugelsicheren Westen erwecken einen negativen Eindruck, wenn sie auch rein defensiv sind. Im Zusammenhang mit den anderen genannten Gegenständen, vermitteln sie eben nicht das Bild von Friedfertigkeit.

Auf der anderen Seite muß man sagen: Die Israelis können alles mögliche fotografiert haben. Da mir aber bisher noch keine Aussage von Seiten der Aktivisten zu Ohren gekommen ist, daß die Bilder Fälschungen sind, geh ich erst mal von der Echtheit aus.

Die Schiffe hatten aber nicht nur als Waffen bezeichnete Gegenstände geladen, sondern ja auch noch die Hilfsgüter. Diese wurden nach Angaben von haGalil inzwischen nach Gaza gebracht, man spricht von 20 Sattelschleppern, was im Gegensatz zu den „rund hundert Lastwagen der UNO und anderer internationaler Organisationen“ durchaus als minimal angesehen werden kann. Eine Erklärung für die kleine Menge an benötigten LKWs hat die Kommentatorin Jane: Das Baumaterial wurde wohl nicht ausgeliefert, das den „Löwenanteil“ der Hilfsgüter ausgemacht habe.

Nach all diesen Vorgängen fragt man sich, was wohl mit den anderen Schiffen passieren wird, die unterwegs sind oder auf den Weg gebracht werden. Eigentlich kann sich Israel nicht noch mehr schlechte Presse leisten, aber das konnten sie eigentlich letzte Woche schon nicht. Der irische Premier hat jedenfalls mit Konsequenzen gedroht für den Fall, daß irischen Bürgern, etwa auf der Rachel Corrie, zu Schaden kommen.

Update: Dieser Artikel scheint mir einiges noch einmal in anderem Licht darzustellen.

Nochn Update: In diesem Video (via) geht es mir weniger um die Kommentare, als um die Bilder.

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Ziel verfehlt

Nachdem nun fast ein Tag vergangen ist, seitdem die israelische Marine die Schiffe von Free Gaza aufgebracht hat, scheint es mir, als zeichneten sich einige Ergebnisse ab. Mir scheint, daß trotz der teils heftigen internationalen Reaktionen die Flotille ihr Ziel nicht erreicht hat.

Denn wenn man sich die Diskussion ansieht, so wird im Moment, das ist mein persönlicher Eindruck, vor allem darüber diskutiert, ob Israel das Recht hatte, die Flotille in internationalen Gewässern aufzubringen, oder nicht. Eine Diskussion über Auslegung von Seerecht und anderen internationalen Verträgen, eine Diskussion im luftleeren Raum, bei der dem ein oder anderen Staatsrechtler einer abgehen mag, die aber unter’m Strich nichts ausrichtet. Nichts für die Menschen in Israel, nichts für die Menschen in Gaza, und nichts für die Toten letzter Nacht.

Wir erinnern uns: Es geht um die Blockade Gazas, um das Leid dort vor Ort, die unzureichende Versorgung der Bevölkerung. Deshalb war die Flotille doch gestartet, um diesen Menschen zu helfen, um auf deren Leid hinzuweisen. Ginge es nur um einen juristischen Nachweis, daß die Blockade Gazas Unrecht ist, könnte man das am Schreibtisch tn. Kein Schiff müßte auslaufen.

Aber genau das, der Hinweis auf das Leid der Menschen vor Ort, auf das rücksichtslose Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte dort, wird nun relativiert durch Berichte, die Aktivisten hätten selbst zur Gewalt gegriffen. Und die Diskussion geht nur noch darum, wer zuerst geschossen hat und ob er im Recht war oder doch der andere. Selbstrechtfertigungen, Anklagen, und die Menschen von Gaza? Ja, um die wollen sich alle kümmern, aber keiner tut’s.

Wer gar nicht erst die Gewalt als Mittel zulässt, braucht nicht über den rechtmäßigen Gebrauch derselben zu diskutieren. Wer sich von vorne herein klar von Personen und Organisationen distanziert, die unter Umständen eigene strategische Interessen im Zielgebiet haben könnten (ich rede vom Vorwurf, es gäbe Kontakte zwischen Flotille und Terrorismus), braucht am Ende nciht darüber zu diskutieren, wer die wahren Terroristen sind.

Derzeit sieht es so aus, als hätte man das nicht bedacht. Wären die Aktivisten ruhig und friedlich geblieben, hätte es vielleicht trotzdem Tote und Verletzte gegeben, wahrscheinlich aber weniger als jetzt. Vielleicht sogar gar keine. Wären die Aktiviste ruhig geblieben hätten die Organisatoren nicht die Frage nach dem Schwarzen Peter aufbringen müssen (die haben aber zuerst geschossen), sondern hätte frei behaupten können: Von uns ging keinerlei Gewalt aus. Videoaufnahmen scheinen derweil zu belegen, daß dies aus gutem Grund nicht gesagt wrde.

Die Sache ist gescheitert. Menschen starben und wurden verletzt, viele werden erst mal ins Gefängnis gehen, die Weltöffentlichkeit ist ein wenig schockiert, aber das wird sich legen, und in Gaza kam nichts an.

All das läßt in mir den Gedanken aufkommen: Das war schlampig geplant und durchgeführt. Sicher hatten die meisten der 700 Aktivisten viel guten Willen und viel Idealismus bei der Sache. Aber das reicht scheinbar nicht. Es reicht nicht mit viel Idealismus einen Staat zu provozieren, von dem bekannt ist, daß er draufhaut, und meint, alleine die israelische Gewalt wird die Welt aufschrecken. Tut sie nicht, tat sie noch nie und vor allem: Auch die Hamas übt Gewalt aus, und wenn Friedensaktivisten z Eisenstangen greifen, stellen sie sich auf die gleiche Stufe und verspielen alle Sympathien.

So wird dann aus einer Aktion, die für viele Sympathien hätte sorgen können, zu einer Aktion, die vor allem für Diskussionen zu internationalem Recht geführt hat. Naja, vielleicht hat der ein oder andere Staatsrechtler wenigstens seinen Spaß…

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Wer gegen wen?

Heute morgen hat die israelische Marine die Schiffe der Gaza-Solidaritätsflotte in internationalen Gewässern gekapert und entführt. Dabei kam es zu Toten und Verletzten, und wie immer im Nahostkonflikt, gibt es mal wieder nur Opfer:

Hier die Israelis mit einer der stärksten Armeen in der Region, die trotz ihrer Stärke Opfer des Terrorismus der Hamas sind.

Dort die Palästinenser, die nachdem sie in einer freien Wahl für Extremisten gestimmt haben, welche das Existenzrecht Israels ablehnen, sich darüber wundern, daß es zum bewaffneten Konflikt zwischen Israel und ihrer neu gewählten Führung kommt, dessen Leidtragende sie nun sind, neben den zivilen Opfern der Raketenangriffe auf israelischer Seite.

Und nun haben wir auch noch die internationalen Opfer, die das bekannt leicht reizbare israelische Militär provozierten (Provokation ist nicht per se schlecht) mit der Solidaritätsflotte, und die sich dann scheinbar noch gegen die absehbare Kaperung ihrer Schiffe zur Wehr setzten (ich hab grad in der Tagesschau Filmaufnahmen gesehen in denen ein Passagier mit einer Stange auf einen Soldaten einschlug, insofern ist wohl nicht alles israelische Propaganda) und Tote und Verletzte z beklagen haben.

Die Frage, die sich nun stellt ist: Wer ist denn der Täter, wenn alle Opfer sind? Die anderen natürlich. Und diese Anderen sind je nachdem Israel oder die Palästinenser, im Zweifel auch mal differenzierter die israelischen Soldaten, und spätestens seit hete auch die internationalen „Provokateure“ und „Waffenlieferer“.

Die diplomatische Schlacht hat begonnen, und es ist noch nicht abzusehen, wer genau am Ende als Gewinner dastehen wird. Wahrscheinlich wird es so enden, daß Israel ein böses dudu kriegt, gleichzeitig aber auch auf die Gewaltbereitschaft der Anderen hingewiesen wird und den Extremismus der Hamas im Besonderen.

Es ändert sich also wahrscheinlich nicht viel. Weder wird es auch nur ein Gramm Coriander nach Gaza schaffen, noch wird Israel seinen Kurs überdenken. Wahrscheinlich wird die Arabische Liga wieder ien wenig Säbelrasseln veranstalten, aber doch nichts tun (oder warum ist die Grenze zu Gaza auch von ägyptischer Seite geschlossen?).

Ich denke, man sollte die Feindbilder überdenken. Und man sollte sich überlegen, wie man etwas ändern will und was man bereit ist, dafür aufzugeben.

Es bringt nichts wenn die Palästinenser auf die „Zionisten“ schimpfen, die Israelis auf die „Terroristen“ und beide sich gegenseitig immer weiter abknallen. Kein Mensch hat Interesse an einem ständigen Konflikt, keine Mutter will sehen, wie ihr Kind im Krieg umkommt, und wenn die Sache tausendmal irgendwie „gerechtfertigt“ ist. Ergo: Beide Seiten wollen eigentlich Frieden. Nur, was sind sie bereit dafür zu geben?

Israel sieht vor allem das, was es erleiden mußte: Krieg seit Gründung des Staates, Feindschaft rundherum, und viele israelische Neubürger hatten zu dem Zeitpunkt schon jahrelange extremste Feindschaft in Europa hinter sich gebracht. Sie haben Angst, sie wollen nicht leiden, und sie suchen ihr Heil in der militärischen Stärke. Dabei ist es erst einmal uninteressant, wer sie militärisch unterstützt. Aus Angst klammern sie sich an die militärische Methode, und die Politiker der entsprechenden Parteien scheinen diese Angst gezielt ausnutzen zu können. Es ist ein stabiles System: Bombe die Palästinenser aus, so werden sie sich rächen wollen, was die Angst in der Bevölkerung erhöht und den Ruf nach einem „Durchgreifen“ verstärkt, was wiederum die Scharfmacher in die Ämter bringt, die dann wieder bomben, was ihre Position festigt…

Palästina sieht auch sein Leid: Vertreibung, Besatzung, Unterdrückung, immer wieder, immer mehr. Dann kommen die palästinensichen Scharfmacher und bieten die terroristische Option als Lösungsweg an. Wir beschießen die Israelis, dann rufen wir den panarabischen Krieg aus und werden sie ins Meer drängen. Dies ist ach ein stabiles System, denn die Nachbarstaaten Israels haben überhaupt kein Interesse daran, sich ne blutige Nase zu holen beim Versuch, Israel ins Meer zu drängen. Der letzte Versuch 1967, bzw die Ägypter habens in den 70ern nochmal versucht, endete für die arabischen Staaten im Desaster. Also können auch die palästinensischen Scharfmacher das Volk aufstacheln: Raketen auf Israel, Israel schlägt zurück (getrieben von ihrer Angst mit voller Wucht) und die Scharfmacher sitzen um so fester im Sattel, denn sie wollen Israel zerstören.

Eigentlich könnten sich israelische und Hamasregierung blendend verstehen. Man schießt ein bißchen aufeinander, was kümmert einen das Leid des eigenen Volks, und man bleibt an der Macht.

Diese Situation ist es, die es mir unmöglich macht eine Seite zu unterstützen. Denn ich bin gegen beide. Ich bin für beide. Ich bin gegen die Scharfmacher und für die einfachen Menschen, die schon zu viele Verwandte, Eltern und Kinder verloren haben, egal ob sie zu Allah, Adonai oder Christus (ja es gibt dort auch Christen – auf beiden Seiten!) beten.

Deshalb muß meiner Meinung nach eine Protestaktion auch derart sein, daß sie die wahren Feinde des Friedens angreift.

Dazu gehört sicherlich die Regierung in Jerusalem, die den Tod von mindestens 10 Menschen auf offener See zu verantworten hat. Dazu gehört aber auch die Führung in Gaza, die die Raketen auf Israel zugelassen und somit den letzten Krieg heraufbeschworen hat. Es ist nicht einer unschuldig und der andere schuldig. Beide tragen ihren Anteil. Nur so lange sich beide als Opfer begreifen und keiner seine Schuld zugeben kann, aus Angst, der andere würde dies für die Stärkung der eigenen Position ausnutzen, ist von dieser Seite keine Beendung der Gewalt zu erwarten.

Wie aber greife ich die Feinde des Friedens auf beiden Seiten an? Nun, ein Schritt wäre, klar zu stellen, daß man keine Konfliktpartei bevorzugt. Neutralität. Dazu gehört auch, Päckchen für den von der Hamas verschleppten IDF Soldaten mitzunehmen auf dem Weg nach Gaza. Man könnte es ja schaffen, und der Mann kann ein wenig Zuspruch aus der Heimat sicher gut gebrauchen. Auch Soldaten sind Menschen, und dort unten gibt es keinen Zivildienst. man ist dabei, ob man will, oder nicht. Gestern habe ich gelesen, es mag auch wieder Propaganda gewesen sein, daß die Solidaritätsflotte ein solches Päckchen nicht mitnehmen wollte. Ich verstehe nicht ganz, warum.

Ein weiterer Punkt wäre, sich klar zu machen, was man will, wofür man kämpft und was die Waffen sind, die man einsetzt. Kann man mit Eisenstangen etwas gegen Elitesoldaten unternehmen? Nein. Warum dann die Gegenwehr? Das gibt den Soldaten doch nur Grund, das Feuer zu eröffnen und schädigt am Ende die eigenen Leute. Die Waffe des Protests ist die Öffentlichkeit und der eigene Körper. Wenn es m militärische Lösungen ginge, wenn dies möglich wäre, wär Israel schon lange besiegt. Ist es aber nicht, und es ist wie gesagt auch nicht Israel, das der Feind ist. Es sind die Scharfmacher, diejenigen, die Gewalt als Mittel wählen.

Der einzige Weg, das zu durchbrechen ist, es öffentlich zu machen. Dazu muß man sich dann aber eben auch niederschlagen lassen. Ohne Gegenwehr. Dann ist die Öffentlichkeit entsetzt. Wenn jemand nichts tut und trotzdem blutet. Das ist keine Methode für Weicheier, aber Gandhi hat so Indien befreit und Martin Luther King Jr. hat die Methode erfolgreich beim Kampf für die Bürgerrechte der Afroamerikaner eingesetzt. Diese Methode verlangt aber Mut und Überzeugung. Und beides ist nicht vorhanden, wenn ein Zivilist mit einer Eisenstange auf einen vollbewaffneten Elitesoldaten losgeht. Das ist kein Mut, sondern Übermut, vielleicht gepaart mit Wut (die man in solchen Situationen unter Kontrolle halten mß) und es ist erst recht keine Überzeugung, daß Gewalt der falsche Weg ist, osnst würde man den Weg nicht selbst wählen.

Ich sage nicht, daß es nicht verständlich wäre, man hat sich vielleicht Hoffnungen gemacht, es nach Gaza zu schaffen und ist wütend darüber, daß Israel internationales Recht nicht beachtet. Trotzdem, das kam mit Ansage. Man hätte es wissen können, auch wenn es Unrecht ist. Man hätte sich darauf vorbereiten können, und die Eisenstange liegen lassen können. Dann wäre man überzeugend gewesen. Dann würden solche Aktionen auch zum Erfolg führen, Gaza tatsächlich einmal zu erreichen. Und dort müßte man dann auch konsequent sein und darauf achten, daß die Bevölkerung profitiert, und nicht die Propaganda der Hamas. denn die haben den Mut nicht aufgebracht, ihre Köpfe hinzuhalten, sie haben schon immer ihre Waffen hingehalten und abgedrückt, während die Zeche dafür alle zahlen mußten, auch diejenigen, die keinen Krieg wollten, wie auch heute morgen unter Umständen Menschen erschossen wurden, die keine Eisenstangen in die Hand genommen hatten. Nur starben diese umsonst, weil sich einige nicht im Griff hatten und das Ansehen der Flotille gelitten hat.

PS: Ich habe absichtlich keine Links gesetzt. Wer Suchmaschinen bedienen kann, findet genügend Meldungen zum Thema auf dem Blog/Newsanbieter seiner Wahl. Stichworte wären wohl: Gaza, Flotilla, Solidaritätsflotte, israelische Marine und Ähnliches.

Update: Ich hab grad nen Artikel gefunden, den ich ganz gut finde, vor allem zum Ende hin. Deshalb sei er hier mal verlinkt.

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Urlaub in Gaza

Wenn man bestimmten Artikeln bei der Achse des Guten glauben schenken will, dürfte dem nächsten Urlaub in Gaza nichts im Wege stehn: Hotels, Pools, Edelrestaurants, alles steht bereit. Nun frage ich mich, inwieweit das stimmen kann und komme nach ein bißchen Recherche zu dem Ergebnis, daß hier wohl bestimmte Informationen gezielt gestreut (via) werden.

Warum eigentlich? Wer die verlinkten Artikel aufmerksam gelesen hat, wird es sich schon denken: Es geht wohl um die Gaza Flotille (hier erfuhr ich zum ersten Mal davon), oder wie sie sich auch immer genau nennt, jene 8 Schiffe voll mit Aktivisten und Hilfsgütern, die den Hafen Gazas anlaufen wollen anstatt die Güter nach Israel zu liefern und von dort über Land nach Gaza zu schaffen. Dabei würden die israelischen Behörden dann wohl das Baumaterial zum Beispiel nicht ausliefern, mit dem die im Krieg zerstörten Häuser repariert werden könnten. Andererseits könnte man behaupten, es gehe um den Effekt, wenn die Schiffe von der Israelischen Marine aufgebracht werden. Gibt sicher tolle Bilder in den Abendnachrichten, allein: Ich hab in den Nachrichten im Fernsehen bisher noch nichts zu der Aktion gesehen.

Wie dem auch sei, ich befinde mich in einem Dilemma. Einerseits finde ich es abstoßend, wie Israel mit den Palästinensern umgeht. Es herrscht eine Haltung der starken Hand, und diese Hand verkrampft vor Angst immer mehr.

Auf der anderen Seite machen es mir aber auch die Palästinenser nicht leicht, denn die Haltung der Hamas finde ich mindestens genau so abstoßend wie die israelische Politik des Einsperrens, Aushungerns und Draufhauens. Nun ist es so, daß ich von israelisch-jüdischer Seite einige Stimmen hören kann, die die eigene Regierung kritisieren und die freie Durchfahrt der Schiffe verlangen. Von palästinensisch-muslimischer Seite höre ich davon bisher nichts, bzw es fiel mir noch nichts auf. Einzig von Pfarrern wie Jadallah Shihadeh aus Beit Jala kamen mir bisher Friedensaktivitäten zu Ohren, vielleicht höre ich in die falsche Richtung. Bisher jedoch ist mein Eindruck, daß es keinen großen Widerstand gegen die Scharfmacher in der palästinensischen Führung gibt (was auch durch den Bürgerkrieg zwischen Hamas und Fatah bedingt sein kann).

Und so bin ich mir immer noch nicht sicher, wie ich die ganze Sache einstufen soll. Als Propagandaveranstaltung, hinter der die Hamas steht (vor deren Wagen ich mich nicht spannen lassen will) und auf die Gutmenschen aus dem Westen reingefallen sind, oder ob es wirklich um eine Verbesserung der Lage geht und Propaganda nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Die EU hat derweil scheinbar zur Beendigung der Absperrung Gazas aufgerufen, was unabhängig vom Hintergedanken der Flotilla erst mal positiv ist.

Das grundlegende Problem wird dadurch aber nur offenkundiger werden, daß in beiden Gesellschaften die Scharfmacher an der Regierung sind und sich dadurch, daß sie sich immer tiefer in die Scheiße reinreiten, auch an der Regierung halten können.

Nun geht es mir wie jedesmal, wenn ich mir Gedanken zu Israel-Palästina mache und nachdenke, wie eine Lösung des Konfliktes aussehen könnte: Ich bin überfordert, verzweifelt und sehe kein Ende. Der Haß, so scheint es, hat beide Gesellschaften fest im Griff, und die Angst davor, der erste zu sein, der auf den Anderen zugeht. Denn dieser könnte sofort schießen, die Situation ausnutzen. Im Moment leiden vor allem die Palästinenser, wendet sich das Blatt, dann ist zu erwarten daß auch israelische Friedensaktivisten, die sich für die Palästinenser einsetzen, um ihr Leben fürchten müßten, denn die aufgestaute Wut bei den Palästinensern ist sicherlich groß. Trotzdem hoffe und bete ich, daß der Konflikt gelöst wird und es Frieden gibt, für beide Seiten, und zwar bald.