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Duisburg

Lieber Franz Josef Wagner,

eins kann ich Dir versprechen: Wir SPD Mitglieder wollen nicht über das Schicksal von 82 Millionen bestimmen, nur über das Schicksal unserer Partei.

Sie mag etwa so viele Mitglieder haben wie Duisburg Einwohner, aber ich glaube, wir wachsen im Moment schneller.

Die Duisburger bestimmen über das Schicksal ihrer Stadt, und daran ist nichts verkehrt. So ist es in einer Demokratie.

Und wie in Duisburg ist es auch bei uns. Wir bestimmen über unser Schicksal selbst.

Du hast Recht, wir sind nicht das Volk. Das Volk hat am 26 September den Bundestag gewählt, und unsere Abstimmung wird – egal wie sie ausgeht – an der Zusammensetzung des Bundestages nicht das Geringste ändern.

Deine Stimme vom September wird nicht ungültig.

Die Abgeordneten des Bundestages werden auch nach der Mitgliederbefragung die Gleichen sein.

Du sprichst unsere Träume an. Wir träumen von Gerechtigkeit. Der Traum ist wohl so alt wie die Menschheit. Eine Utopie?

Vor 300 Jahren waren die Menschenrechte eine Utopie.

Vor 200 Jahren waren Arbeiterrechte eine Utopie.

Vor 100 Jahren war ein friedlich geeintes Europa eine Utopie.

Laß uns gemeinsam träumen und entdecken, was morgen eine Utopie gewesen sein wird!

Glück auf!

Ihr Benjamin Koppe

Allgemein

Elevator Pitch

Rolf hat ein lustiges Spiel angefangen. Es geht darum, einen Elevator-Pitch für das Evangelium zu verfassen. Was genau das ist, kann man in seinem Artikel nachlesen. Grob geht es darum, in 30 Sekunden bzw 90 Wörtern das Evangelium zu erklären.

Einfach ist das sicher nicht, zumal es durchaus strittig sein dürfte, was genau das Evangelium beinhaltet. Womöglich würden viele Menschen der Zusammenfassung „Gott liebt Dich“ zustimmen, allerdings so platt formuliert, daß man darunter auch alles mögliche verstehen kann: Es wird also zur Projektionsfläche für eigene Wünsche und Vorstellungen, und sagt letztlich nicht nur alles mögliche, sondern nichts aus.

Es scheint also eine Notwendigkeit zu geben, irgendwie die Heilsgeschichte noch mit rein zu bringen, was natürlich Zeit kostet und noch viel mehr Fragen aufwirft als es beantwortet. Und so käme man dann Schritt für Schritt zu nem dogmatischen Entwurf, aber der ist dann lang und kompliziert und eben nicht mehr auf 30 Sekunden oder 90 Wörter begrenzt.

Thomas Jakob hat es anders versucht und den Elevator-Pitch als Werbetext formuliert. Das ist ihm wunderbar gelungen, allerdings stellt sich mir wie auch Karl Heinz die Frage, wo der Inhalt bleibt. Denn Thomas bewirbt das Evangelium wunderbar, sagt aber auch nicht, was genau es ist, selbst wenn er Bibelverse verarbeitet hat, wie er betont.

Allerdings hat auch der darauffolgende Versuch von Karl Heinz seine Schwäche, nämlich daß er dem Menschen unterstellt, sich in einer bestimmten Situation zu befinden. Wer sagt denn, daß das Leben des Angesprochenen mühsam und stressig ist? Außerdem bin ich etwas skeptisch wenn es heißt, man müßte „nur einen Knopf drücken“. Das ist mir zu positiv ausgedrückt, negiert die Möglichkeit der Mühsal, die auch dem Gläubigen begegnen können. Manchmal fühlen sich Gläubige beschissener als Ungläubige, und das ist dann halt so.

Zusammenfassend würde ich sagen, daß so ein Pitch also Inhalt bringen muß, aber nicht von einer Situation ausgehen darf, die vielleicht gar nicht vorliegt (oder zumindest nicht so wahrgenommen wird), er darf sich nicht in Details verheddern und sollte dennoch auch die Realität abbilden, und eben nicht vereifachen von wegen ein Knopf drücken und alles ist gut.

Ein erster Gedanke führt mich dahin, auf die Wirkungen des Evangeliums in der Welt hinzuweisen: Einsatz für Arme und Entrechtete, Gerechtigkeit und Frieden. Jedoch würde das einerseits ausblenden, was an Gräultaten im Namen des Evangeliums getan wurde, außerdem würde es eben auch nicht den Inhalt darstellen.

Und ich stelle mir die Frage: Was ist überhaupt Sinn und Ziel so eines Pitches? Information über das „Produkt“? Das ginge vielleicht noch, wenn es aber Werbung sein soll, so daß man angeregt wird, das „Produkt“ zu kaufen, dann muß es in die Hose gehen, wird doch der Glaube durch Gott geschenkt.

Ich kann also voraussetzen, daß der Angesprochene entweder glaubt, oder daß er mich eh nicht ganz verstehen wird, weil er eben nicht glaubt. Ich kann also dem Ungläubigen das Evangelium so darstellen, wie es sich für Christen darstellt und auswirkt. Und wenn der Angesprochene ein Christ ist, wird er mich verstehen und mir zustimmen – im Idealfall.

Wohlan, ans Werk:

Das Evangelium besagt, daß Gott uns liebt, daß nichts und niemand uns von dieser Liebe trennen kann. Und wenn Gott für uns ist, wer sollte gegen uns sein?

Uns geht es nicht besser als anderen Menschen: Wir kämpfen mit Rückschlägen, Leid und der eigenen Unzulänglichkeit.

Das Evangelium gibt uns die Kraft, immer wieder aufzustehen, denn es gibt uns Hoffnung: Gott liebt uns, also wird Er uns auch jetzt helfen.

Vielleicht verzweifeln wir weniger oder engagieren uns mehr für andere. Aber sicher würden wir das Evangelium gegen nichts in der Welt eintauschen wollen.

Das wäre mein Versuch. Mit dem Ende bin ich noch nicht ganz zufrieden. Mir geht es darum, das pro me auszudrücken, daß der Glaube an das Evangelium mir das Leben lebenswerter macht, daß es womöglich auch Effekte gibt, die sich in der Welt zeigen (die Früchte des Geistes), aber ich will diese hier bewußt in der Möglichkeitsform halten, um nicht so verstanden zu werden, daß Christen bessere Menschen seien. Denn wie sich die Früchte zeigen, ist je verschieden und muß, wenn man eine Bewertungsskala einführen wollte, um holier than thou zu spielen, nicht zu einem Vorteil der Christen vor den Nichtchristen führen. Glaube ist schließlich kein Wettbewerb!

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 25.4.2012 (Psalm 1, 3)

„Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verdorren nicht.“

Mit dem „Er“ ist derjenige gemeint, der „Gefallen hat am Gesetz des HERRN und sinnt über sein Gesetz bei Tag und bei Nacht“ (Vgl. Ps 1, 2). Die Gesetze des HERRN werden hier verstanden als Quelle des Lebens. Wer an ihnen Gefallen hat, steht an der Quelle des Lebens und bringt Frucht. Ich finde, es spricht für ein sehr positives Verständnis von Gesetz, wenn es wie an dieser Stelle nicht primär als Einschränkung oder Reglementierung des Lebens verstanden wird, sondern als die Quelle, aus der Leben erst hervorgeht. Dabei gilt es zu beachten, dass es eben nicht um ein bloßes „gutfinden“ der Gesetze geht. Bei Tag und bei Nacht über etwas nachdenken heißt ja, ihm Raum im täglichen Leben zu geben. Das ist, glaube ich, das Spannende an dieser Auffassung des göttlichen Rechtes: Wer dem göttlichen Recht im täglichen Leben Raum gibt, gelangt zur Quelle des Lebens. Ich glaube nicht, dass sich die Quelle des Lebens mit Gewalt verträgt. Es ist nicht zu bestreiten, dass Gott leider immer wieder mit Gewalt in Verbindung gebracht wurde und wird. Ich habe starke Zweifel daran, dass diejenigen, die Gott zur Legitimation von Gewalt gebrauchen, die sind, die wie Bäume, gepflanzt an Wasserbächen, sind.

Religion

Islam gegen Terrorismus

Gerade hat mich über den Mailverteiler der hiesigen ESG ein Offener Brief des Zentrums für Islam in Europa München e.V. erreicht. Da ich an anderer Stelle schrieb, daß mich leider selten Nachrichten erreichen, wo Muslime zu Christen stehen, will ich hier mit gutem Beispiel vorangehen und den Brief zum Download anbieten.

Hier ein paar Höhepunkte (aus meiner Sicht):

Wir rufen denjenigen zu, die in Hass und Gewalt involviert sind, oder die
dazu neigen, solche Verbrechen zu verharmlosen anstatt sie in aller
Schonungslosigkeit beim Namen zu nennen:
Hört auf mit Eurem Tun und hört auf, Euch dabei auf Gott und auf unsere
Religion zu berufen! Terror ist niemals eine Lösung, aber immer eine
Sünde. Jeder Angriff auf eine Kirche – oder eine Synagoge – ist wie ein
Angriff auf eine Moschee: eine Sünde und ein Verbrechen.

Wer sich bei solchem Tun auf Gott und auf unsere Religion beruft, stellt sich
in Wahrheit gegen Gott und gegen den Islam. Deshalb rufen wir auch alle
Glaubensbrüder und -schwestern auf, keinesfalls aus falsch verstandener
Solidarität potentielle Täter zu schützen oder ihr Tun zu verharmlosen!

Hier gibt es den Brief als pdf zum Download.

Disclaimer: In der heutigen Welt ist man nie sicher davor, nicht irgendwo gegen irgendwelche Urheberrechte zu verstoßen. Ich verbreite den Brief hier mit der Absicht, den friedlichen Stimmen im Islam Gehör zu verschaffen (mit meinen geringen Möglichkeiten). Falls dies von den Urhebern des Briefes nicht gewünscht wird, bitte ich um Mitteilung statt Abmahnung.

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Nach der Demo

Ich hab mich heute abend durchgerungen und bin zur Gaza Demo gegangen, und es war gar nicht mal so schlimm, wie ich vermutet habe (naja, ich hab die französischen und arabischen Redebeiträge nicht verstanden, aber das ging sicher einigen so, zumindest bei arabisch).

Das ganze ist nicht in eine pro Palästina Nationalismus Demo abgedriftet, was mich sehr positiv gestimmt hat. Etwas irritiert hat mich dann der ältere Herr, der in seinem Redebeitrag von einem notfalls auch militärischen Durchsetzen der Öffnung Gazas sprach. Ich denke, was man am wenigsten braucht, ist noch mehr Gewalt.

So dachten sich wohl auch die Initiatoren der Demo, die dazu aufgerufen haben, nach der Demo friedlich zu bleiben und nicht zur israelischen Botschaft zu gehen, wie es einige Jugendliche mit schwarz-roten Fahnen ankündigten und zum Mitmachen aufriefen. Die Antifas sind dann doch hinge“wandert“, wie sie sich ausdrückten. Ihre Gruppe schien aber unter sich zu bleiben. Die während der Demo ziemlich separat stehende arabische Jugend schien mir nicht mitzugehen. Ein gutes Zeichen für die Gewaltlosigkeit.

Interessant fand ich den Hinweis auf die so genannte weiße Intifada. Ich hab dann mal die Suchmaschine meiner Wahl befragt und leider nur Berichte, aber keine Homepage einer Organisation, die das Ganze durchführt oder so gefunden. Es sieht wohl auch so aus, als habe die Fatah-Regierung auf der Westbank das Ganze an sich gezogen. Und da zeigen sich auch schon wieder die ersten Probleme:

Es gibt Stimmen die sagen, die gewaltlose Variante wäre nur der Versuch eines Widerstands unter den gegebenen Umständen, so lange keine Gewalt möglich ist.

Kann natürlich alles wieder Propaganda sein. Wenn jemand Kontakt zu der Gruppe der weißen Intifada hat und ne Webseite kennt, wäre ich interessiert.

Ein gewaltloser Widerstand, der nicht nur aus Mangel an Waffen gewaltlos ist, sondern aus Überzeugung, der sich nicht gegen Israel als solches wendet, sondern gegen die Unterdrückung, der nicht nationalpalästinensisch gefärbt ist, sondern sich mit Menschen alles Nationalitäten und Religionen verbunden weiß, und sie nicht nur aus medialen Gründen mitspielen lässt, hätte meine volle Unterstützung. Ich bin noch skeptisch ob es diesen Widerstand gegen das Unrecht in Israel gibt, und wo ich ihn finden kann. Ideal wäre, wenn diese Organisation dann genauso gegen Raketenbeschuß S’derots durch die Hamas demonstriert.

Aber das wäre dann vielleicht doch zu viel verlangt, um realistisch zu sein.

Nachdem nun der Grenzübergang Rafah offen ist, wäre es eigentlich eine Alternative die Hilfsgüter der Rachel Corrie in Ägypten zu löschen und über Land nach Gaza zu schaffen? Wäre vielleicht ein Zeichen um zu sagen: Uns geht es um das Ankommen der Hilfsgüter, nicht um Pressefotos, sowie: Wir liefern auch über Land, trauen der israelischen Regierung aber nicht.

Ach ja, inzwischen haben sich auch die Kirchen sowohl national aus auch international geäußert.