Gesellschaft, Glaube, Kirche, Religion

Wort des Bischofs

Ich bin sicherlich nicht immer einer Meinung mit den Vertretern der Kirche von Rom. Homosexualität, Wiederverheiratung, Frauenordinaion, Amtsverständnis – zu gewissen Teilen auch Abtreibung – sind einige der Themen, die ich grundlegend anders sehe.

In der Flüchtlingskrise allerdings sprechen mir der Papast und seine Bischöfe immer mehr aus der Seele. Hier ein Beispielvon einem Vertreter, bei dem ich vor nicht langer Zeit nicht erwartet hätte, daß wir so nahe beieinander stehen.

Wer wie ich lieber Texte liest statt Videos guckt, sei hierher verwiesen.

Gesellschaft

Sie wollen wieder schießen dürfen

Es ist scho eine ganze Weile her, daß wir uns im Freundeskreis gefragt haben, wieso eigentlich noch keine Musik rausgekommen ist, die die Flüchtlingskrise zum Thema hat.

Als Anfang der 90er die Asylantenheime brannten sagen die Ärzte „Schrei nach Liebe„, die Hosen sangen „Sascha“ und „Willkommen in Deutschland„.

Und heute? Seitdem im letzten Jahr die Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, enorm gestiegen ist, brennt es auch hier immer wieder, bricht der Haß auf alles Fremde wieder durch.

Musikalische Kommentare dazu habe ich bisher nicht wahrgenommen – bis heute. Slime ist wieder da.

Man kann von Slime und ihren Texten ja halten, was man will – ihr neues Lied „Sie wollen wieder schießen dürfen“ ist alleine schon deshalb gut, weil es existiert, weil es den „besorgten Bürgern“ einen Spiegel vorhält, weil es Stellung bezieht, und als Musikstück besser als jede geschliffene Rede auch die Emotionen der Menschen ansprechen kann.

Gut finde ich, daß sie sich nciht auf ein Feindbild wie AfD und Pegida einschießen, sondern Taten benennen, die zu verurteilen sind. Daran kann sich jetzt jeder abarbeiten. Wollen wir, daß geschossen wird, daß Grenzzäune hochgezogen werden, daß bei uns Milch und Honig nur für die fließen, die eine bestimmte Hautfarbe und Religon haben?

Wenn es nach mir geht, nicht. Wenn es nach mir geht, sind wir ein offenes Land. Wie die Hosen schon sangen:

Es ist auch mein Land
und ich will nicht daß ein Viertes Reich draus wird.
Es ist auch dein Land
steh auf und hilf, daß blinder Haß es nicht zerstört.

Nun hat Slime also ein Lied aufgenommen und nicht nur das: Sie spenden den Erlös davon an Pro Asyl. Hier ist das Video.

Update:

Ich halte es für angebracht, auch den Text des Liedes (soweit ich ihn verstanden habe) hier abzudrucken:

Sie wollen wieder schießen dürfen,
sie wollen wieder Zäune ziehn.
Denn seine Heimat muß man schützen,
sie laden schon ihr Magazin.

Sie wollen wieder schreien dürfen,
die Jugend neu zum Haß erziehn.
Sie wollen wieder Fackeln tragen
in Straßen von Hamburg und Berlin.

Refrain:
Das ist das gelobte Land wo Milch und Honig fließt,
aber nur solang man jeden Eindringling erschießt.
Die Menschen an den Grenzen sind die Geister die wir riefen
und das weiß doch jedes Kind: Geister kann man nicht erschießen.

Sie wollen wieder sagen dürfen,
daß deutsch sein eine Tugend ist.
Doch niemand wird je fragen dürfen,
wer die deutschen Kugeln frißt.

Sie wollen wieder sagen dürfen,
wenn man nach der Lösung fragt:
In diesem Fall ist es ganz einfach,
wir brauchen Blei und Stacheldraht.

2x Refrain

Gesellschaft, Politik, Religion, Theologie

Christenterroristen

Wenn man in letzter Zeit versuchte, islamophob veranlagten Mitbürgern zu vermitteln, daß nicht alle Muslime Terroristen seien und daß auch das Christentum durchaus auch gewalttätig sein kann, hörte man immer wieder:

Aber es gibt keine christlichen Terroristen.

Nun, abgesehen von solchen Nebensächlichkeiten wie Mordanschlägen auf Abtreibungsärzte oder die Lord’s Liberation Army (um mal zwei zu nennen), mag es ja Leute geben, die dem Glauben schenkten.

Nun aber tauchte im Internet ein Papier auf, in dem selbsternannte Christen rechtsradikal motivierte Morde androhen – falls ihre Forderungen nicht umgesetzt werden. Aber lest selbst:

Drohbrief an den Bürgermeister von Neu-Isenburg
Drohbrief an den Bürgermeister von Neu-Isenburg

Der Text im Wortlaut (Fehler beibehalten):

A C H T U N G

Dies ist eine Warnung an die CDU, SPD, die Grünen und die Linken im Stadtparlament.
Hört auf damit Euch so stark für Mulsime in Neu-Isenburg einzusetzen. Der Löwenanteil dieser Menschen ist Aggressiv und Böse und sie möchten hier nur ihre scheiß Religion durchsetzen. Wir sind eine Gruppe Christen beider Deutschen Konfessionen und wir haben die Schnauze voll uns anfeinden, defarmieren und beleidigen zu lassen. Wir haben es auch satt das wir ständig gesagt bekommen das der Islam die einzig wahre Religion wäre, obwol wir alle wissen, das diese Religion der letzte Dreck ist. Die deutschen Kinder gehen in den Schulen durch die Hölle und unsere Politiker tun nichts dagegen. Damit ist jetzt Schluss. Wir sind bewaffnet und bereit. Hört auf damit Euch so stark für Muslime zu engagieren, andernfalls beginnen wir mit Erschießungen bei Angehörigen dieser Volksgruppe. Wir machen keinen Spaß uns mittlerweile die Lust am Leben in diesem Land vergangen. Finden unsere Forderungen trotzdem kein Gehör so werden wir mit Erschießungen von Kommunalpolitikern weitermachen. Wir lassen uns nicht Islamisieren. Wir sind Christen und verteidigen unser Land.

Achtung dies ist eine Warnung

Was die Fehler in Rechtschreibung und Sprache angehen, mag sich ein Germanist damit auseinandersetzen. Es läßt tief in die Leistungsfähigkeit unseres dreigliedrigen Schulsystems blicken, wenn man dann später in der Lage ist, solche Texte zu verfassen.

Was mich als Theologen viel mehr schckiert, ist daß hier jemand behauptet Christ zu sein, der grundsätzlich nicht verstanden hat, was das bedeutet. Sicherlich gibt es da von Konfession zu Konfession Unterschiede. Aber soweit ich informiert bin stehen alle Konfessionen hinter der Aufforderung der Selbstverleugnung und dem Einsatz für andere, selbst wenn man selbst Nachteile davonträgt. Die frühen Christen ließen sich in der Arena den Löwen vorwerfen und beteten für ihre Verfolger.

Wir Christ ist weiß, daß seine Aufgabe ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen. Und wenn das Kreuz darin besteht, Tür an Tür mit Menschen anderen Glaubens lebn zu müssen, das ist das um einiges erträglicher als das, was andere Christen täglich ertragen müssen, ohne Gewalt anzudrohen.

Wenn jemand die „Schnauze voll“ hat, sich beleidigen zu lassen etc, dann kann er zu Gott beten. Jesus hatte sicher auch keinen Spaß dran, für uns ans Kreuz zu gehen. Trotzdem hat Er die Arschbacken zusammengekniffen und es durchgezogen. Für uns. Und wir, die wir uns für Seine Nachfolger ausgeben, können es nicht einmal ertragen, in der Fußgängerzone Frauen mit Kopftuch zu sehen. Was sind wir nur für Jammerlappen!

Wer sich bewaffnet, um seine „Forderungen“ mit Gewalt gegen die Mehrheit durchzusetzen, kann sich nicht auf Christus berufen. Mir ist auch klar, wieso die Verfasser Angst haben, islamisiert zu werden. Wer selbst einen festen Glauben hat, wird den nicht ändern weil es mehr Muslime in seiner Nachbarschaft gibt. Wer aber keinen festen Glauben hat, ist offenbar wie ein loses Blatt, das sich den Bewegungen des Windes hingeben muß.

Also, liebe Neu-Isanburger „Christen“: Wie wäre es, wenn Ihr mal wieder sonntags in die Kirche geht und Euch erklären laßt, was es mit diesem Christus auf sch hat und wieso Ihr keine Angst vor „dem Islam“ haben müßt, wenn Ihr Euren eigenen Glauben habt. Tätet Ihr das, müßtet Ihr keine solchen Texte verfassen. Beide Volkskirchen haben übrigens keinen Zweifel daran gelassen, wo sie in der Flüchtlingsfrage stehen.

Hier gibt es übrigens weitere Infos zu dem Brief.

Gesellschaft, Politik, Theologie

Die Hoffnung, die in uns ist

Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist

So steht es in 1. Petr 3, 15. Ich mußte anden Satz denken – und erst einmal suchen, wo genau in der Bibel er steht, beim Nachdenken über das, was diese Tage in Deutschland passiert. Ihr wißt schon: „Flüchtlingskrise“. Ein anderer Spruch schwebt mir im Ohr: „Es gibt keine Probleme, sondern nur Herausforderungen.“ So hörte ich öfter sagen bei der Bundeswehr. Oder auch diesen Spruch: „Probleme lösen sich, indem man sie ignoriert.“

Das ist im Moment so ein bißchen meine Befürchtung. Denn ja, wenn man ein Problem nicht beachtet, dann wird es größer und größer und wird sich irgendwann von selbst lösen – nur selten zum Guten oder so, wie wir es uns wünschen würden. Die aktuelle Flüchtlingskrise hat sicher auch zum großen Stück damit zu tun, daß man in der Vergangenheit verpasst hat, die schwelenden Konflikte gut zu lösen. Statt dessen hat man schnelle Lösungen gesucht, die aber nicht trugen. In den Zusammenhang möchte ich nochmal auf das Konzept vom Gerechten Frieden als Gegenentwurf bzw. besser Weiterentwicklung zum Konzept vom Gerechten Krieg hinweisen. Wennwir es schaffen, überall in der Welt für gerechten Frieden zu sorgen, werden wir viele Probleme zum Positiven lösen.

Jetzt müssen wir den gerechten Frieden erst einmal in unserem Land und auf unserem Kontinent sichern. Denn das christliche Abendland ist nicht mehr so christlich. Die Zahl derer, die sich rechtspopulistisch äußern oder solchen Äußerungen zustimmen steigt. Und getrieben werden sie von einer Angst, der Angst vor Überfremdung, vor den Kosten, vor Verlust ihrer Privilegien.

Und die Lösungen, die gesucht werden, sind so einfach wie unwirksam: Die Flüchtlinge müssen weg. Egal wo, nur nicht hier, nur nicht bei uns.

Diese Lösungen sind so untragfähig wie die Lösungen, die uns erst die Flüchtlingskrise brachten. Sie strotzen vor Zynismus gegenüber den Menschen, die alles zurücklassen mußten, ihre Heimat verließen, großteils unter Lebensgefahr sich auf den Weg hierher machten, um ihr Leben zu retten, um eine Zukunft zu haben.

Und die Rechtspopulisten, die sich auch noch auf das christliche Abendland berufen, die Fahnen mitführen in den deutschen Farben, angeordnet in der Form eines Kreuzes wie auf den skandinavischen Flaggen, hängen diesen einfachen Lösungen nach, wegen ihrer Ängste.

Welche Hoffnung steckt wohl in diesen Menschen? Auf wen verlassen sie sich angesichts der Krise? Was würden sie antworten,wenn man sie nach Rechenschaft fragte über die Hoffnung in ihnen? Auf was vertrauen sie?

Ist ihr Vertrauen nicht vor allem in Menschenwerken gegründet? Grenzzäune, bewaffnete Grenzer, Zuwanderungsobergrenzen oder lieber doch erst mal ganz dicht machen?

Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand (Spr 3, 5)

Es mag sein, daß die Aufgabe, die vor uns steht, groß und schwierig ist. Un des mag sein, daß die einfachen Antworten der Rechtspopulisten verführerisch klingen. Doch das sind einfache Dinge immer: Verführerisch. Leider sind sie meist auch schlechter, tragen weniger, bedeuten mehr Probleme hinterher.

Den Glaubensgeschwistern unter denen, die den Rechtspopulisten nachhängen möchte ich zurufen: Welche Hoffnung habt Ihr? Daß Ihr mit menschlicher Anstrengung und Verstand die Krise bewältigen könnt, indem Ihr Grenzen zieht und bis auf die Zähne verteidigt? Oder daß Gott unser Handeln gesegnet hat, wo wir sein Werk tun und Liebe üben?

Liebe kennt aber keine Grenzen. Und keine Rassen. Und keine Nationalitäten. Und ja, Liebe kennt auch keine Religionen. Nehtm die Menschen an, wie Jesus Euch angenommen hat, trotz aller Eurer Sünden. Alles, was Ihr habt, habt Ihr von Gott, und Ihr könnt alles einsetzen für den Nächsten, und das kann wie der Samaritaner im Gleichnis ein Mensch sein mit einer anderen Religion aus einem anderen Volk. Gottes Kinder sind wir alle. Wir haben keinen Geist der Angst empfangen, sondern einen Geist der Zuversicht. Der Zuversicht, daß Gott uns gesegnet hat, damit wir ein Segen für Seine Schöpfung sind.

Zum Thema Angst bin ich übrigens die Tage über zwei Blogartikel von Krisi und Don Ralfo gestolpert, die beide auf jeden Fall lesenswert sind.