English, Gesellschaft

Envisioning Europe

So the UK has voted to leave the EU. They didn’t like it any more to be a member. It was a democratic decision and like all democratic decisions, we all have to deal with it and take the consequences – whatever they might be.

I think we need to look into the future, the past is past and cannot be changed.

And while some speculated today about the UK being „ripped apart“, as Scotland, Northern Ireland, Gibraltar and London voted „Remain“, it is not the business of us who stay in the EU to decide upon all that. It’s the business of the Scots, Northern Irish, Gibraltans and Londoners.

As Europeans, we have to think about what to do with this Europe of ours.

Sidenote: With „Europe“ I do mean the EU here. That is not to say Great Britain wasn’t part of geographical Europe.It is and remains part of this subcontinent, just like Belarus, Transnistria or Crimea.

We need some kind of vision,or greater idea of Europe. The founders seem to have had this as a community of nations that live together in freedom, peace and wealth.

Back then they didn’t have either. They have lived in the 2nd World War, maybe even seen the 1st, they have seen how nationalism and dictatorships lead the whole subcontinent into destruction.

One can guess that this is a very impressive experience that you would want to avoid for your self and your children and you children’s children’s children…

Lucky as we are, we lack this experience. Maybe we don’t value this anymore, the peace and wealth and freedom we have – relatively to the rest of the world!

We see the burden: before all bureaucracy in Brussels and almost incomprehensible paths legislation takes there. Things do happen and we hardly understand why and on which grounds. And then we end up in blaming Greeks for supposingly wasting our money or blaming Germans for the austerity policy.

We do not act like one people, with supporters of different political ideas everywhere, but like several people fighting each other for the benefit of the own people (whether or not we in our class within our people would also benefit – and not only those in another class).

One could talk about every kind of political issue but I want to talk about structures.

I think what we need are transparent and democratic structures within the EU. So that everyone knows how laws come into existence and doesn’t feel like being controlled by others (you know, that „monster in Brussels“).

After all, it’s us who vote our national governments and our representatives in the European Parliament.

I heard that campaigners for both sides in Britain named numbers of costs and benefits from EU membership without anybody being able to confirm or repudiate. I think people should be able to check upon whether politicians do tell the truth or make things up. This would also be a strong weapon against populism of any kind, just saying.

I also think the European Parliament should have more power, at least the power to start legislation itself, and not having to wait for other European Institutions to do so. And the power to decide upon every law, like any other national Parliament within the EU.

People need to see that they are part of the whole thing and that they do actually have a say with their vote.

And then we need a narrative. The narrative of peace and wealth might still work. Maybe the narrative of how today people of the different nations cross borders and meet people from neighbouring countries like it’s the most normal thing to do, even to live there if you please. And I speak of ordinary people, not the small elites who always had the freedom to travel to other countries, learn their language and have friends there, maybe even finding their spouse.

Maybe we’d also have to celebrate it more, living in peace and being so close to one another. Is there yet a day of European Unity?

I grew up in a uniting Europe, I did benefit a lot from integration. I remember the border controls when I was a child, and how these affected life. How you always had to change money when crossing the border and what to do with the foreign coins you had left when you came back and that no bank would exchange back (I also remeber stickers in the windows of shops that read „Nous acceptons des Francs Francaises“ – translated „We accept French Francs“, but that was only in the last years before we got the Euro).

It hurts to see Europe being ripped apart, although I do think one has to respect the democratic decisions of peoples. Borders will be closed again. Nationalisms will continue to be on the rise. And I am afraid that when a war and the will to overcome that danger stood at the beginning of the process of European integration, what will be waiting for us in the end after European disintegration.

It is our obligation to shape our future and it is necessary to develop a vision of the future to do so. What is your vision?

Allgemein

Geldverteilungen

Heute morgen habe ich diesen Artikel gelesen und mich wieder mal über die Europapolitik bei den Flüchtlingen geärgert. Es werden in der Flüchtlingspolitik Milliarden in die Hand genommen. Finde ich ja prinzipiell gut. Doch schon die folgende Formulierung ließ mich aufhorchen: „Mit diesem Kraftakt wollen die EU-Staaten ihre gemeinsamen Außengrenzen besser sichern und schutzbedürftigen Menschen in Krisengebieten helfen.“ Nun kann man sicher darüber streiten, ob die Reihenfolge in einer Aufzählung Rückschlüsse auf die Wichtigkeit des Aufgezählten erlaubt. Ich fürchtete jedoch, dass in diesem Fall die Reihenfolge (1. Grenzen sichern, 2. schutzbedürftigen Menschen in Krisengebieten helfen) genau die Prioritätenreihenfolge wiedergab, die in der gegenwärtigen Europapolitik bestimmend ist. Die weitere Lektüre des Textes zeigte folgendes:

  • eine Milliarde Euro zusätzlich für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in Nachbarstaaten Syriens
  • Aufstockung der Flüchtlingshilfe für die Türkei für dieses und das kommende Jahr auf eine Milliarde Euro
  • 1,8 Milliarden Euro für afrikanische Länder

Insgesamt wird hier also von 3,8 Millionen gesprochen, unklar ist mir noch, zu welchem Betrag die eine Milliarde Euro für die Versorgung syrischer Flüchtlinge dazu kommen soll. Weiß jemand zufällig etwas über die Höhe des vorigen Betrags?

Unmittelbar nach dem Hinweis auf die 1,8 Millarden Euro dann eine interessante Detaillosigkeit hinsichtlich eines Geldbetrags: „Außerdem will die EU ihre Grenzschutzagentur Frontex stärken – auch dafür gibt es zusätzliches Geld. “  Warum wird hier keine genaue Zahl des Geldbetrags angegeben? So erhält nämlich nämlich diese Aussage „Laut EU-Kommission sollen die Gelder, die vor allem zur Flüchtlingshilfe eingesetzt werden, im Vergleich zum Jahresbeginn insgesamt auf 9,2 Milliarden Euro verdoppelt werden.“  einen – in meinen Augen – sehr bitteren Beigeschmack, zumindest, solange keine Zahlen geliefert werden, auf wieviel Milliarden sich die Unterstützung der syrischen Flüchtlinge im Ausland vor der zusätzlichen Milliarde belief.

Denn nur anhand der Zahlen in diesem Artikel ergibt sich, dass 3,8 Milliarden für Flüchtlinge bereitgestellt wurden. Zieht man diese 3,8 Milliarden von den insgesamt 9,2 Milliarden Euro ab, kommt man auf 5,4 Millionen Euro. Ist das nun der Betrag, den die EU-Politiker Frontex zugedacht haben? Sollte das der Fall sein, wird meine Skepsis hinsichtlich der Aufzählung (1. Grenzen sichern 2. Flüchtlingen helfen), die ich zu Anfang äußerte, voll und ganz bestätigt. Hat zufällig irgendjemand andere Zahlen, die mir zeigen, dass die EU-Politiker nicht der Abschottung vor Flüchtlingen Vorrang geben vor der Hilfe für Flüchtlinge? Denn sonst hat sich nur zu deutlich in diesem Artikel gezeigt, dass die EU-Politik gegenüber den Flüchtlingen stärker von menschenfeindlicher Abschottung als von Solidarität geprägt ist.

Gesellschaft, Politik

Wir können doch nicht alle aufnehmen!

Vor nicht ganz zwei Jahren (so lange ertrinken schon Menschen im Mittelmeer, ohne daß man in Europa irgend etwas getan hätte um dieses Problem wirksam zu lösen!) stellte ich eine Beispielrechnung an, daß es vom Platz her durchaus möglich wäre, ganz Afrika in der EU aufzunehmen, ohne daß wir große Probleme zu erwarten hätten.

Da ich damals nur auf Wikipedia verwiesen hatte, hier noch einmal die Zahlen:

Die EU hat eine Fläche von 4.381.324 km² und Eurostat geht vom 508.191.116 Einwohnern am 1. Januar 2015 aus.  Das ergibt eine Bevölkerungsdichte von 115,99 pro km², was dem bei Wikipedia angegebenen Wert 116 pro km² in etwa entspricht.

Rechnet man zu den knapp 4,4 Millionen Einwohnern der EU noch die 1,171 Mrd. Einwohner Afrikas hinzu, kommt man auf 1.679.191.116 Einwohner von Afrika und der Europäischen Union zusammengenommen. Daß die Zahlen für Afrika von Mitta 2014 und die zur EU von 1. Januar 2015 stammen, lassen wir außer Acht, so groß ist der zeitliche Unterschied nicht.

Lebten alle diese Menschen auf dem Gebiet der EU, so ergäbe dies eine Bevölkerungsdichte von 383,26 Einwohnern pro km².

Zum Vergleich: Belgien hat eine Bevölkerungsdichte von 364 Einwohnern pro km², wir wären also etwas dichter besiedelt als Belgien. Ich denke, was den Platz angeht, wäre das auszuhalten (Das Land Berlin hat übrigens eine Bevölkerungsdichte von 3.838 Einwohnern pro km² und trotzdem noch weitläufige Grünflächen und Seen). Zumal nicht ganz Afrika bis auf den letzten Menschen hierherkommen wird. Aber es wäre ohne größere Platzprobleme (wie gesagt, ich rede nicht vom Geld) möglich.

Nun habe ich in den letzten Tagen die Befürchtung gehört, Deutshcland (und nicht die EU) müßte die ganze Welt aufnehmen, und dafür wäre kein Platz (!) da.

Nun, die BRD hat eine Fläche von 357.340 km², die Weltbevölkerung liegt nach der Stiftung Weltbevölkerung bei 7.284.283.000 (Jahreswechsel 2014/15). Lebten alle Menschen auf der Fläche der BRD, so hätten wir hier eine Bevölkerungsdichte von 20.384,61 Einwohnern pro km².

Das ist eine ganze Menge!

Um sich das Ganze vorstellen zu können, ein paar Vergleichszahlen. Manhattan hat eine Bevölkerungsdichte von 27.475,5 Einwohnern pro km², trotz des großen Central Parks. Also auch hier gibt es noch Optionen für Grün. Doch so weit muß man gar nicht gehen. Das Wiesbadener Westend hat auch eine Bevölkerungsdichte von 26.000 Einwohnern pro km². In etwa der errechneten Bevölkerungsdichte entspricht die von Macau, nämlich 20.997 Einwohner pro km². Hong Kong hat insgesamt nur 6429 Einwohner pro km², was aber daran liegt, daß nicht überall diese riesigen Hochhäuser stehen. Sieht man sich die Bevölkerungsdichte in einem der zentralen Stadtteile wie Kowloon an, dann liegt die Zahl bei 43.032,9 Einwohner pro km².

Grob überschlagen ist also die Bevölkerungsdichte nur halb so groß wie in den Hochhausgebieten Hong Kongs, wenn alle Menschen der Welt nach Deutschland kämen!

So, das jetzt erst einmal wahrnehmen und sacken lassen!

Freilich wäre dann das ganze Land von Oberstdorf bis Flensburg und von Aachen bis Frankfurt/Oder ziemlich dicht besiedelt, mit dem ein oder anderen „Central Park“ dazwischen. Aber es handelt sich ja nur um eine fiktive Rechnung. Man muß auch bedenken, daß dann die ganze restliche Welt vollkommen menschenleer wäre.

Die ganze Welt wird nicht kommen. Wozu auch, andernorts ist es auch schön. Aber anmanchen Orten eben nicht. Deshalb werden läppische 800.000 erwartet für dieses Jahr und vielleicht auch ein paar Jahre darüber hinaus. Es gab Zeiten in unserer jüngeren Vergangenheit, da mußten mehr Flüchtliinge aufgenommen werden und wir hatten das auch geschafft. Wenn jetzt die nächsten zehn Jahre jedes Jahr diese Zahl an Flüchtlingen kämen, dann wären das 8 Millionen oder etwas mehr als 1 Promille (!) der Weltbevölkerung. Damit es ein Prozent werden würde (und etwa unserer Einwohnerzahl entsprechen), müßten über 100 Jahre (!) so große Flüchtlingsmassen nach Deutschland kommen! Sowas gab es nie und es ist auch nicht zu befürchten.

Das Problem, das diejenigen, die sagen, wir könnten nicht die ganze Welt aufnehmen, wirklic haben, ist wohl weniger der Platz, sondern vielmehr eine unbestimmte Angst, etwas zu verlieren, selbst zu kurz zu kommen.

Liebe Leute, Euer Problem sind nicht die Flüchtlinge, sondern Eure Wahlentscheidungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Wenn der Sozialstaat Euch nicht angemessen unterstützt, dann ist das so, weil die entsprechenden Politiker gewählt wurden. Das sind übrigens in vielen Fällen genau die Politiker, die jetzt auch sagen, daß wir so viele Flüchtlinge nicht aufnehmen könnten. Das sind die Politiker, die seit 2 Jahren Flüchtlinge im Meer ersaufen sehen und bisher noch keine funktionierende Lösung für dieses Elend gefunden haben. Das sind die selben Politiker, die Rüstungsdeals einfädeln, die am Ende die Konflikte befeuern, die ursächlich sind für die aktuelle Flüchtlinigswelle. Und diese Politiker sind an der Macht, weil Ihr sie gewählt habt. Nicht jeder Einzelne von Euch, aber die Mehrheit von uns Wahlberechtigten.

Das Problem sind nicht die Flüchtlinge. Die könnten eher eine Lösung sein. Das Geld, das sie kriegen, bleibt ja nicht in ihren Taschen, sondern sie geben es aus für Essen und Kleidung und meinetwegen vielleicht auch mal für Handys. Und dann ist das Geld bei den Supermärkten dieses Landes und geht seinen Weg im Geldkreislauf. Das Paradoxe ist ja, daß Geld seinen Wert nicht dadurch erhält, daß es auf einem Haufen liegt, sondern dadurch, daß es benutzt, ausgegeben wird.

Wenn 100 Flüchtlinge in Heidenau 100 Euro kriegen und sich davn zu Essen kaufen, dann haben die Supermärkte 10.000 € (!) mehr Umsatz. Und wenn die Flüchtlinge im nächsten Monat wieder etwas essen, sind es aufs Jahr gerechnet 120.000 €, die die Supermärkte mehr Umsatz haben. Das schafft doch Arbeitsplätze! Und davon werden Steuern gezahlt, von den Steuern können wieder neue Polizisten und Lehrer bezahlt werden. Denn klar, wo mehr Menschen sind, gibt es auch mehr Bedarf an Polizei, Lehrern etc, die dannja wieder in den Suprmarkt gehen un dort ihr Essen kaufen.

Und jetzt können wir noch bedenken, was passiert, wenn die Flüchtlinge, unter denen einige hoch gebildet sind, hier anfangen zu arbeiten, sich selbständig machen, Arbeitsplätze schaffen (ja, auch für Deutsche!). Dann kommt noch mehr Geld in Umlauf (bzw das im Umlauf befindliche Geld läuft noch schneller um) und ermöglicht noch mehr Menschen, ihr Leben zu leben, Jobs zu finden…

Sicher, am Anfang müssen wir erst einmal investieren. Auch in Wohnraum, aber da hatten wir ja sowieso schon einen Engpaß, wenn ich daran denke, wie schwierig es zu Studentenzeiten war, eine erschwingliche Wohnung zu finden.

Also habt keine Angst vor den Flüchtlingen, habt keine Angst, wegen ihnen zu kurz zu kommen. Seid lieber kritisch gegenüber der Politik, wenn dort keine Lösungen gefunden werden, die Euch wirklich helfen. Denn mal im Enrst: Wenn es Euch jetzt schon schlecht geht, dann wird sich das auch nicht ändern, wenn die Flüchtlinge nicht kommen. Die Grenzen dicht zu machen wird niemandes Job sichern oder wiederbringen. Vielmehr wird die Grenzsicherung noch mehr Milliarden schlucken, die an den Sozialleistungen (wo denn sonst?) gespart werden müssen, und Ihr seht wieder in die Röhre. Vor allem ist keine Grenzanlage dicht, nur werden dann die Flüchtlinge, die doch kommen, in die Illegalität gedrängt, und anstatt daß sie Arbeitsplätze für unsere Kinder schaffen, werden sich noch mehr Parallelkulturen bilden – wenn wir die Grenzen schließen.

Also laßt sie uns öffnen und alle willkommen heißen. Denn wie gesagt, so viele können nciht kommen, daß wir keinen Platz hätten!

PS: Eine Zahl hatte ich vergessen, und das ist die Bevölkerungsdichte der dichtest besiedelten Insel der Welt: Santa Cruz del Islote in der Karibik. Die dortige Bevölkerungsdichte beträgt 103.917 Einwohner pro km². Quasi das Fünffache von dem, wenn alle Welt nach Deutschland käme. Und offenbar sind die Menschen dort gar nicht mal so unglücklich.

Allgemein

Sicherheit von Staaten – ein Weg, um Menschen los zu werden

Je länger ich mir den Scheiß angucke, der bei uns mit  Flüchtlingen durchgezogen wird, desto übler wird mir. Es scheint nur noch darum zu gehen, wie man wen am schnellsten wieder los wird. Ich finde es zum Kotzen, dass sogenannte christliche und soziale Parteien offenbar kaum was anderes zu tun haben, als dafür zu sorgen, dass sie möglichst viele Menschen möglichst schnell wieder los werden, vgl. hier. Länder für sicher zu erklären, weil sie auf dem Weg in die EU sind bzw. damit man es leichter hat, Menschen dorthin abzuschieben, nicht etwa, weil sie sicher sind, ist meiner Meinung nach ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich freue mich ja auf den Zeitpunkt, wenn die jetzt als „sicher“ eingestuften Länder in die EU kommen und ihre Einwohner von der Freizügigkeit innerhalb der EU Gebrauch machen. Bis dahin empfehle ich die Lektüre von Gregor v. Nyssa (330 – 394), bei dem man z. B. lesen kann: „Es ist keine Lösung, Menschen, die man nirgends haben will, weit weg zu schicken und sie, isoliert von allen anderen, mit dem Nötigsten zu versorgen. Eine derartige Einstellung zeugt weder von Barmherzigkeit noch von Mitleid. Auf diese Weise wollen wir sie nur in aller Freundlichkeit loswerden“. Ich vermute zwar, dass Gregor dies ursprünglich in Hinblick auf den Umgang mit sogenannten „Aussätzigen“ gesagt hat. Doch ich denke, die Aussage lässt sich auch auf heutige Flüchtlinge und das meiner Meinung nach asoziale Verhalten in der Politik gegenüber den Flüchtlingen übertragen. Und da ich ein Freund von Quellenangaben bin, hier meine Quelle: Albus, Michael: Taizé auf neuen Wegen, Gütersloh 2014, S. 19.).

Politik

Hunderttausende Arbeitsplätze

Soso, 100.000e Arbeitsplätze kostet ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 € also? Hat dieser Wirtschaftsweise auch berechnet, was es kostet, den Mindestlohn sein zu lassen? Wenn so viele Arbeitsplätze davon abhängig sind, daß Menschen zu wenig zum Leben bekommen… also 8,50 € x 40 Stunden die Woche (wenn man Glück hat und nicht nur 20 „arbeitet“ während der Rest auf ein Überstundenkonto geht, das weder abgebaut noch entlohnt wird) x 4 Wochen im Monat macht, wenn mein Taschenrechner mich nicht täuscht, 1360 € brutto im Monat. Das ist jetzt recht hoch gegriffen, weil Urlaub noch nicht eingerechnet ist, aber sei’s drum. Ne Familie davon zu ernähren wird schwer.

Deutlich davon runter zu gehen führt ziemlich schnell zu ziemlich prekären Situationen. Dann müssen beide Eltern Vollzeit arbeiten, um die Kinder zu ernähren und zu kleiden, was dann wieder begünstigt, daß negative Entwicklungen bei den Kindern übersehen werden, was dazu führt, daß die Schule noch mehr als Erzieher einspringen muß und so weiter.

Wenn die Arbeitsplätze wegfallen, dann sind wir wenigstens einmal krass ausbeuterische Verhältnisse los. Vor ein paar Jahren hab ich zum Beispiel bei ner Fast Food Kette gearbeitet in Stralsund. 4,30 € die Stunde. Mit der Möglichkeit, auf unglaubliche 4,50 € zu kommen, nach einer Weile. Als Student hat mir das nicht so sehr weh getan. Viel brauch ich nicht und die Bücher stehen in der Bibliothek (wenn sie nicht versteckt wurden, aber das ist ein anderes Problem), die muß man nicht kaufen. Ich hatte allerdings Kolleginnen, die zwar Vollzeit arbeiteten aber wohl auch nicht so viel mehr bekamen, die hatten Kinder zu versorgen. Die Burger waren übrigens nicht wirklich billiger als im Westen (zumindest wäre mir das nicht aufgefallen).

Wenn solche Jobs wegfallen, springt halt die Wohlfahrt ein. Muß sie so eh schon, wenn arbeitende Menschen aufstocken. Das ist nämlich die andere Seite. Was haben wir als Staat davon, keinen Mindestlohn zu haben und dafür Unternehmen durch Aufstocker indirekt zu subventionieren (daß da die EU noch nicht gemackert hat wegen einseitiger Wirtschaftsförderung!)?

Von daher würde ich sagen: Laßt die Arbeitsplätze doch wegfallen! Dann hört vielleicht auch das ewige Geunke auf, daß man ja Arbeit finden könne, wenn man nur wolle. Daß man auch davon leben können will wird da ja gerne mal vergessen.

Die CSU scheint Ausnahmen für Rentner zu fordern. Das ist nun wieder so eine Sache. Wieso das denn? Wieso arbeiten Rentner überhaupt? Kriegen die keine Rente? Wenn sie zu niedrig ist, liegt das Problem dann nicht woanders? Ist es wirklich die Lösung, wenn man die Rentner den Jungen die Arbeitsplätze nehmen läßt?

Was ich nicht verstehe ist, wieso immer die Parolen rausgebrüllt werden, ohne daß man sie zu Ende denkt. Das heißt: Ich vermute ja, daß man sie doch zu Ende denkt. Man sagt es halt nicht laut, weil das nicht opportun ist…

Gesellschaft

Der gemeine Deutsche

Denk ich an Deutschland in der Nacht…

In der Nacht bin ich aufgewacht, naja, es war halt noch dunkel draußen, aber um 7 kann man schon aufstehen, und da der Wecker ein Radiowecker ist, kamen auch gleich die Nachrichten. Die tägliche Demotivation vorm Aufstehen oder so…

Jedenfalls wurde ich darüber informiert, daß der Deutschen wichtigestes Problem zur Zeit die Zuwanderung ist (nachzulesen ist dat Janze auch hier nochmal, das ZDF verlink ich jetzt nicht, weil die müssen ja irgendwann depublizieren).

Die ganze Problemlage um Datenschutz und Sammellust der Geheimdienste ist weniger ein Problem (und das, obwohl doch das Handy der lieben Angie abgehört wurde! Ist das der Anfang vom Ende der Beliebtheit? Es wird wohl ein langes Ende sein – beliebteste Politikerin ist sie immer noch, die Zustimmung ist sogar gestiegen).

Ganz ehrlich: Ich verstehe meine Landsleute nicht. Ich mein das mit der Zustimmung zu Angie schon gar nicht. Hat die in den letzten 9 Jahren was produktiv gemacht? Also außer hohle Phrasen gedroschen? Bei Schröder war wenigstns alles Chefsache und man wußte: Hartz IV, da ist der Gerd schuld dran. Auch wenn es nicht gut war, er hat wenigstens was getan! Bei Angie könnte ich da nichts benennen, was ihr (und nicht irgend einem Fachminister) zugesprochen werden könnte. Außer vielleicht die klare Zustimmung zu Stuttgart 21, aber das ist ja auch schon wieder vergessen, und das mit der Gewalt gegen die Demonstranten, das waren wieder andere…

Darum geht es mir gar nicht.

Mir geht es um die Zuwanderung. Ich meine: Echt jetzt? Wir sind das so ziemlich reichste Land der EU, das dank Niedriglohnsektor und Zurückhaltung der Gewerkschaften etc im europäischen Vergleich recht gut dasteht, und da wundert man sich, daß da Leute kommen? Und dann soll das auch noch ein Problem sein? Ich mein, gut, wenn die Städter zu uns aufs Dorf ziehen und erst mal Gerichtsverfahren anstrengen um Nachbars Hahn vorzuschreiben, ab wann in Deutschland gekräht werden darf, dann würd ich die Grenzen auch gerne dicht machen, aber es geht denen ja nicht um Zuwanderung aus der Nachbarstadt…

Mal im Ernst: Gab es nicht ne wahnsinnige Panikmache damals, Anno 2004 bei der großen Osterweiterung der EU? Hieß es nicht, wenn die Freizüggigkeit kommt, werden uns Polen, Tschechen und wie sie alle heißen überfluten, uns die Jobs nehmen und was uns sonst noch bleibt, klauen? Ist das eingetreten? Ich aknn jedenfalls nichts davon erkennen, aber es ist ja auch schon 10 Jahre her und an die Panikmache erinnert sich auch keiner mehr. Aber jetzt ist alles noch viel schlimmer, weil Bulgaren und Rumänen, das ist ja noch viel schlimmer als Polen und Tschechen! Warum? Das weiß ich auch nicht, ist aber sicher so, weil es ist ja ein großes Problem, wenn die hierher ziehen.

Komisch finde ich ja, daß diejenigen, die diese Ängste haben, meist überhaupt nicht die Ängste eben jener Polen oder sonstigen östlichen Mitbürger verstehen können, was den Grundstückserwerb von Deutschen in ihren Ländern angeht… jaaa, vor uns Deutschen muß man ja keine Angst haben! Wann haben wir schon mal Probleme gemacht in der Welt…? Ach so… da war doch was…

Derweil die Geheimdienste, was ist dabei schon das Problem? Wer nix zu verbergen hat, muß doch keine Angst haben, nicht wahr? Außerdem sind die ja nur hinter den Terroristen her. Und Terroristen, das sind ja die Bösen. Oder nicht?

Nun ja, mag man einwenden, wer Böse ist, liegt im Auge des Betrachters. Nur weil wir in Deutschland die Angie mögen (also nicht alle, ich nicht, aber mehrheitlich halt) mögen die Griechen (also auch mehrheitlich, glaub ich, zumindest das, was man in den Medien so mitkriegt, aber wer weiß schon wie repräsentativ das ist?) sie noch lange nicht. Ist sie nun eine Terroristin? Das würde vielleicht erklären, wieso ihr Handy abgehört…? Arbeiten bei der NSA eigentlich auch griechischstämmige Amerikaner?

Was tun wir eigentlich, wenn wir morgen die Terroristen sind? Jetzt im Ernst? Ich mein, ich hab ja nicht vor, irgendwelche Bomben zu legen, wieso auch? Mir geht es vergleichsweise gut, also etwa verglichen mit einem Angehörigen der Roma-Minderheit (vulgo „Zigeuner“) in Rumänien. Der will aber auch keine Bomben legen, sondern vielleicht nur in Deutschland nach ner Arbeit suchen, Steuern zahlen, sich integrieren… das was Zuwanderer halt so machen.

Aber was weiß ich, vielleicht findet irgend ein Geheimdienst ja mal „Hinweise“ darauf, daß ich Bomben bauen gewollt hätte – oder so. Und dann geht das ganz schnell, mit der nationalen Sicherheit, ich mein, sicher ist sicher, und die haben ja die Beweise, nur müssen sie sie nicht unbedingt rausrücken, weil nationale Sicherheit (oder hab ich zu viele amerikanische Filme gesehen? Nein, nur zu viel Westenhagen gehört, aber der ist ja auch Zuwanderer. Nach England. Ist der jetzt auch ein Terrorist?)…

Was also lernen wir aus dem Ganzen? Der gemeine Deutsche hat mehr Angst vor Zigeunern als davor, daß seine Bürgerrechte untergraben werden.

Sollte eigentlich nicht überraschen, Geschichte wiederholt sich ja angeblich. Allerdings stellt sich mir ne andere Frage:

 

Angenommen, ich hätte damals gelebt, was hätte ich gemacht?

Und was mach ich heute?

Gesellschaft

Lampedusa

Vor unseren Küsten ersaufen Männer, Frauen und Kinder und was tun wir? Lange reden und am Ende kommt doch nix raus!

Und das ist so entmutigend, so lähmend. Da sterben Menschen und nix passiert, man nimmt sich nicht mal vor, wirklich etwas zu tun.

Statt dessen wird raisoniert, ob es nicht sinnvoller wäre, in den Ursprungsländern etwas zu tun, um das Elend der Flüchtlinge zu beenden. Klar, es hilft den Ertrinkenden ja auch wahnsinnig viel, wenn wir ein wenig Entwicklungshilfe nach Eritrea schicken. Oder nach Somalia, Ihr wißt schon, alle diese wunderbaren afrikanischen Staaten mit funktionierender Infrastruktur und Staatssystem… sorry, ich werd grad zynisch, aber es zerreißt mir das Herz!

Da sind Menschen in Not. Punkt. Nochmal lesen, setzen lassen, durchatmen. Wenn ein Kind im Begriff ist, von einem Auto überfahren zu werden, raisoniert man dann darüber, daß die Eltern ihm vielleicht hätten besser beibringen sollen, auf der Straße aufzupassen? Leihert man dann halbherzige Elterninformationsveranstaltungen an zum Thema Straßenverkehrserziehung? Oder sieht man zu, das Kind von der Straße zu kriegen oder den Autofahrer zu stoppen? Eben. Man hilft erst mal in der konkreten Notsituation. Alles andere wäre menschenverachtend! Und als ebenso menschenverachtend empfinde ich es, wenn man Opfer an unseren Küsten hinnimmt, weil man Angst um seine Pfründe hat, weil man sagt, das sind ja eh alles Moslems, die von den muslimischen Staaten aufgenommen werden müßten, oder wenn man darauf hinweist, daß es ja die Mittelschicht der armen Länder ist, die da flieht, und die sind ja eh nur geldgeil oder wollen sich nen lauen Lenz machen…

Andernorts liest man dann auch mal davon, daß man ja schon Flüchtlinge reinlassen könne, aber doch bitte nur solche, die verwertbare Abschlüsse vorzuweisen haben. Hier wird der Mensch zur Ware. Da kommt die Sklaverei durch die Hintertür wieder rein (manche behaupten ja auch, wir hätten die Sklaverei eh schon mit den präkären Arbeitsverhältnissen).

Man rettet das Kind doch nicht vorm Überfahrenwerden nur dann, wenn es gute Noten hat! Oder sonstwie „verwertbar“ ist.

Die Flüchtlinge können so wenig dafür in den armen Ländern geboren worden zu sein wie wir etwas dazu können, hier geboren zu sein. Wir haben also keinen Grund, uns erhaben zu fühlen.

Auch glaube ich nicht, daß das Boot voll ist, wie man auch manchmal hört. Belgien ist ein Land, das durchaus nicht nur aus Elendsvierteln besteht, hat aber eine Bevölkerungsdichte von 362 Einwohnern pro Quadratkilometer – laut Wikipedia. Um auf diese Bevölkerungsdichte zu kommen, könnten wir in Deutschland noch gut 48 Millionen Menschen aufnehmen! Eritrea hat um die 5 Millionen Einwohner und Somalia 7,5 bis 12,9 Millionen. Wir könnten die Einwohner dieser beiden Länder hier also komplett aufnehmen, dazu noch alle Einwohner Syriens (20 Mio.) und hätten immer noch Platz für weitere 10 Mio. bevor (!) wir die Bevölkerungsdichte Belgiens erreichen!

Würde man die Bevölkerungsdichte Belgiens für die ganze EU annehmen, so hätten wir noch Platz für rund eine Milliarde Menschen. Oder ganz Afrika! Angesichts dieser Beispielrechnung (Zahlen stammen alle aus der Wikipedia) frage ich mich, ob es lediglich Phantasielosigkeit ist, wenn man sagt, man könne nicht alle Afrikaner aufnehmen. Vom Platz her ginge es.

Und vom Geld her? Das kommt sicherlich drauf an. Wenn man davon ausgeht, daß uns die Flüchtlinge alle „auf der Tasche liegen“ werden, wird es freilich eng. Aber: Die meisten wollen arbeiten, da sProblem ist ja gerade, daß wir unsere Asylanten nicht arbeiten lassen. Also eröffnen wir ihnen eine Lebensperspektive, lassen wir sie arbeiten, lassen wir sie ihre Kenntnisse einbringen in Europa und Geld damit verdienen, was wiederum zu Steuereinnahmen führt.

In der Zeit des Konfessionalismus kam es immer wieder dazu, daß Glaubensflüchtlinge ihre Heimat verlassen mußten und in anderen Ländern eine neue Heimat fanden, die das mit der Religion entweder liberaler sahen, oder wo die Religion der Flüchtlinge die Mehrheit stellte.

Preußen wurde so groß, und auch die USA. Die Flüchtlinge siedelten sich dort an und schufen sich und der neuen Heimat Wohlstand. Wieso sollte das nicht wieder gelingen? Auch wenn diesmal nicht die Religion der Grund für die Flucht ist (wobei das nicht ganz stimmt, man denke an die Kopten aus Ägypten oder die syrischen Christen!).

Die Ideologie, nach der diese Menschen hier fremd wären und deshalb nicht hergehörten kann ich nur als dumm bezeichnen. Wir alle gehören nicht hierher. Europa hat schon so viele Völkerwanderungen erlebt, so viele kulturelle Veränderungen, daß es auf eine mehr oder weniger nicht ankommt. Worauf es ankommen wird, nach einer Meinung, ist, daß wir es schaffen, die Einwanderung zu gestalten zum Wohle aller. Denn aufhalten werden wir die Völkerwanderung nicht können.

Die Römer hatten versagt, als immer mehr Germanen nach Süden drängten. Sie schafften es nicht, diese zu integrieren, was letztendlich im Untergang des römischen Reiches endete. Und dann kam: Das Mittelalter!

Sage ich, man solle nichts in den Heimatländern der Flüchtlinge machen? Nein, natürlich ist es sinnvoll und erstrebenswert, auch dort auf lebenswerte Bedingungen hinzuarbeiten. Aber das kann kein Alibi dafür sein, die akute Not nicht zu beachten! Man läßt kein Kind in die Steckdose langen mit der Ausrede, daß man ja morgen eine Gruppe anderer Kinder darüber aufklären wird, daß das lebensgefährlich ist und sie das lieber lassen sollten.

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Europäische Bürgerinitiative gegen die Privatisierung der Wasserversorgung

Irgendwie war mir so, als hätte ich schon einmal darüber geschrieben, ich konnte es aber jetzt nicht finden. Das ist recht eigentlich auch egal, denn das worum es geht, ist auch so schnell erzählt.

Die Kommission der Europäischen Union plant, die Trinkwasserversorgung zu liberalisieren. Das bedeutet, daß künftig der Markt für viele Anbieter geöffnet wird, und sich der „beste“ am Markt durchsetzen soll. Durch den Wettbewerb sollen auch wir Kunden davon profitieren, etwa durch geringere Preise.

Bisherige Erfahrungen mit Wasserprivatisierung deuten aber eher in eine andere Richtung: Nicht nur wird das Wasser eher teurer als billiger für den Endverbraucher, die Qualität nimmt ebenso ab. Klar, bei dem Preisdruck wird eben an der Qualität gespart. Es ist ja nicht so, daß man das nicht auch in anderen Marktbereichen feststellen könnte.

Hier geht es aber nicht darum, daß man das Aut öfter in die Werkstatt bringen muß, oder daß die Stereoanlage eher den Geist aufgibt, hier geht es um ein absolutes Grundnahrungsmittel. Ohne Wasser sehen wir iemlich schnell ziemlich alt aus.

Mit der letzten (?) Reform der EU haben wir Bürger eine Möglichkeit bekommen, größeren Einfluß auf europäische Gesetzgebung zu nehmen. Das ist zwar noch keine wirkliche Demokratie, aber immerhin ein Anfang, den wir nutzen sollten. Dazu ist es nötig, innerhalb einer gewissen Zeit in einer bestimmten Anzahl an EU-Ländern jeweils einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung auf seine Seite zu bekommen. Das steht alles auch viel besser bei Wikipdia.

Und ja, man kann die Kommission nur dazu bewegen, sich mit einem Thema zu befassen, die Kommission kann mit dem Thema dann aber nach eigener Vorstellung umgehen. Trotzdem kann man etwas bewirken. Mit den Bundestagspetitionen kann man auch nur den Petitionsausschuß dazu bringen, sich mit einem Thema zu befassen, trotdem wurden über mehrere Etappen die Internetsperren à la Zensursula erst nicht angewendet und dann auch das Gesetz auslaufen gelassen. Ähnliches könnte in der EU beim Wasser gelingen.Darum möchte ich Euch bitten, mitzumachen und Euren Freunden von der EBI zu erzählen. Denkt daran, wir brauchen Mitzeichner aus möglichst vielen Ländern. Wenn Ihr also Österreicher, Malteser oder Finnen kennt, sagt denen auch Bescheid. Die Erklärung liegt in 23 Sprachen vor.

Jetzt noch die Links:

Hier könnt Ihr Euch eintragen.

Hier ist die Kampagnenseite.

Und hier gibt es einen ARD-Monitor Beitrag zum Thema.

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Häretische Gedanken

Nein, es geht nicht um Religion, auch wenn der Titel darauf schließen läßt und mein Blog ja nicht gerade selten mit Religionsthemen bestückt wird. Es geht um das andere Thema: Politik. Genauer: Griechenland!

Gibt es eigentlich noch Europäer? Ich mein ja nur, wei man in letzter Zeit immer häufiger hört, die Griechen sollten aus dem Euro oder gleich ganz aus der EU aussteigen. Am Ende dann vielleicht noch die restlichen Staaten, die Probleme haben: Spanien, Irland, Portugal, Italien… am Ende hätten wir dann den Euro als Nationalwährung Deutschlands… oder wir flögen auch raus.

„Prima“ hör ich einige rufen. „Wir wollten eh nicht weg von der Mark und Brüssel macht nur alles schlimmer“. Das Konzept versteh ich. Es wird immer kompliziert, wenn sich verschiedene Mentalitäten einigen müssen. So haben die Bayern schon mal losgelassen, sie wollten keinen Länderfinanzausgleich mehr leisten, wenn die Ossis nicht aufhörten, die PDS zu wählen. Und in Hessen regte man sich vor kurzem noch darüber auf, daß Die Rheinland-Pfälzer es wagen, Geld für Sozial- und Bildungsprojekte auszugeben, obwohl sie Empfängerland sind.

Wunderbares Verständnis von Demokratie übrigens: Der mit dem Geld bestimmt, wo es langgeht. Nein, das ist keine Demokratie, das ist die Vorstufe neuer Feudalstrukturen, bloß diesmal ganz ohne Ritter (wir haben ja noch die Mittelaltermärkte).

Und woran liegt es, wenn wenige Starke sich durchsetzen? Genau, an mangelnder Solidarität! Und diese halte ich für ein Problem. Solidarität hat heute nicht mehr viele Fans. Wieso auch mit „den Griechen“ solidarisch sein, wenn die doch „unser Geld“ aus dem Fenster werfen?

Überhaupt: „Aus dem Fenster werfen“. Hierzuland ist das Geschrei groß, wenn Löhne und Renten sinken. Man meckert gegen „die da oben“, die doch so schon genug haben. Ist man selbst „die da oben“, hat man ne andere Perspektive und schilt auf „die da unten“ in Griechenland.

Und das, obwohl man die Bezüge der Griechen für sich selbst villeicht gar nicht mal schlecht fände, aber man ist ja auch nicht verschuldet braucht ja noch keinen Rettungsschirm.

Wahrschienlich ist das Problem derjenigen, die jetzt über „die Griechen“ meckern eher nicht die Zahlungen an sich, sondern daß sie selbst beim Sozialabbau der letzten Jahre nicht so vehement gekämpft haben wie die Griechen.

Schön und gut, aber wie auch immer: Es ist kein Geld da. Wie also kann’s besser werden?

Scheinbar nicht, indem man den Griechen Sparpläne vorschreibt, die diese sich weigern, umzusetzen. Dann ist unser Ged nämlich weg und kommt auch nicht wieder, weil Griechenland untergeht. Das kommt ganz einfach daher, daß „die Griechen“ dann kein Geld mehr für den Konsum haben und die Wirtschaft einbricht. Vielleicht kommt es gar weiter zu Unruhen und Streiks, was sich irgendwann auch auf die Touristenzahlen auswirken wird (nebenan in der Türkei ist ja alles in Ordnung).

Also die Griechen rauswerfen aus dem Euro, oder gleich ganz aus der EU? Bleiben wir beim Euro, was wäre die Folge? Griechenland würde ne Inflation starten, um die Staatsschulden in den Griff zu bekommen. Das ist altbewährt, wenn man Schulden hat, druckt man Geld (das können „die Griechen“ ja nur deshalb nicht, weil sie den Euro nicht alleine drucken). Was wäre die Folge? Schlechtere Bewertungen durch Ratingagenturen, und eine Quasienteignung sämtlicher Einwohner (deren Geld ist plötzlich nichts mehr wert) und der ausländischen Banken, die in Griechenland investiert hatten. Die Banken müßten unter Umständen wieder „mit unserem Geld“ gestützt werden (die wären dann nciht in Griechenland, sondern viel näher), sonst gäbe es unter Umständen die nächste Krise und auch in Griechenland wäre die Wirtschaftsentwicklung erst einmal mau. Ist ja auch klar: Die Leute hätten kein Geld mehr, um Mercedes und Siemens zu kaufen, wenn das Geld nichts mehr wert ist.

Wer da denkt, das hätte keine Auswirkung auf deutsche Arbeitspätze, ist wohl mit dem Klemmbeutel gepudert.

Wo kann man denn noch was ändern? Nun ja, es gibt ja diese Sparpakete, die „den Griechen“ aufgedrückt werden, und die diese so gar nicht mögen. Vielleicht sollte man mal überlegen, was da drin steht, und welche Alternativen es gibt. Vielleicht sollte man „die Griechen“ mal fragen, wie sie sich das vorstellen, ohne so von oben herunter als Feudalherr zu diktieren, was zu geschehen hat und sich über „die halsstarrigen Griechen“ zu mokieren.

Geh doch mal einer hin und frage die Bevölkerung, was die sich so denken. Überlegt doch mal, wie wir gemeinsam (wir sind ja EINE Europäische Union) was ausrichten können (da bezöge dann auch den Gedanken der Solidarität mit ein).

Möglicherweise wäre der Ort, gemeinsam etwas zu überlegen, ein Parlament, unter Umständen das Europäische Parlament in Straßburg (für die Eurokrise dann wohl nur die Abgeordneten der Eurostaaten). Die Abgeordneten dort sind jedenfalls demokratisch legitimiert, was für viele Regierende nur noch mittelbar stimmt.

Übrigens:

Falls da noch von den Regierungen eine Europäische Wirtschaftsregierung, wie Merkel und Sarkozy das wollen, implementiert wird, ist die demokratische Legitimation derselben noch indirekter. Aber das schrieb ich ja schon oben: Feudale Strukturen.

Also redet miteinander und nicht übereinander!