Netzfunde

Netzfunde für Mittwoch, den 5. Juni 2013

Michael Blume hat was geschrieben über Frauen, Seifenopern und die Reproduktionsrate. Und wie Väter entwertet werden.

Eric Djebe hat den Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten recht gut dargestellt, wie ich meine.

Alexander Ebel macht sich Gedanken zur liturgischen Sprache.

Stephan Mattson schreibt darüber, was es kostet, Christ zu sein. In den USA ist das wohl nicht unbedingt wenig. Bei all den Nachteilen, die unser Kirchensteuersystem so hat finde ich, daß es doch einige der Probleme, die sie in Amiland haben, löst.

Alex Schnapper schreibt von der Blockupy Demo in Frankfurt und hat einiges an Material zu Provokationen und Gewalt von Seiten der Polizei gesammelt.

Innenminister Friedrich will eine Wiedereinreisesperre. Und zwar für EU-Bürger, die wegen der Armut anderswo nach Deutschland einreisen wollen. Er spricht von Mißbrauch der Freizügigkeit. Ich frage mich ja, wie man die Freizügigkeit korrekt gebrauchen kann. Indem man ohne größeren Kontrollen im Süden Urlaub machen kann? Oder sich auf den Kanaren oder Malle ansiedeln kann, wenn man sich nach langen Jahren in der Politik seinen Lebensabend als Rentier genießen will? Ich mein, wer will schon im kalten Deutschland rentnern, wenn er genausogut nach Spanien gehen kann? Wenn aber umgekehrt Spanier (oder Bürger anderer EU Staaten) nach Deutschland kommen, weil sie Arbeit suchen, weil sie etwas leisten wollen und auch ein Stück vom Wohlstand abkriegen, dann ist das ein Mißbrauch. Ich verstand Europa bisher immer als eine Gemeinschaft. Und für mich beinhaltet das Augenhöhe. Wenn also der eine in die eine Richtung wandern kann, wieso der andere nicht in die andere Richtung? Und vor allem: Wäre es dann nicht auch ein Mißbrauch, wenn deutsche Firmen ihre Produktionsstätten ins günstigere Ausland verlegen? Wenn schon die Rumänen nicht rein dürfen, wieso lassen wir unsere Formen raus? Vielleicht könnten wir das EInwandern in ie Sozialsysteme viel besser wegstecken, wenn diejenigen, die hineinzahlen auch hierbleiben müßten? Wenn schon, denn schon!

Oder aber, wir nehmen die Freizügigkeit ernst, lassen unsere Firen nach Polen, Bulgarien und Finnland auswandern und lassen dafür Griechen, Engländer und Slowenen hier einwandern. Den einzigen Mißbrauch, den ich hier feststellen kann, ist der von Seiten eines Bundesministers, der seine Position ausnutzt, um wegen ein paar Wählerstimmen vom rechten Rand mit etwas Panikmache die europäische Idee untergräbt und das Zusammenwachsen verhindert statt fördert. Und dieser Politiker ist aus einer Partei, die sich sowohl christlich als auch sozial und dann noch Union nennt. Union wäre da falsch, denn das würde bedeuten, daß man einsieht, daß man eine Gruppe ist und nicht Partikularinteressen gegen andere durchsetzt. Sozial ist Quatsch, denn den einen die Tür vor der Nase zuzuhauen während man es sich in ihrem Hinterhof bequem macht, ist asozial. Und christlich ist grottenfalsch, denn Christus warnte nicht vor einem Einwandern in die Sozialsysteme, sondern sagte, man solle dem, der den Mantel verlangt, auch noch das Hemd geben. Der Parteiname ist als komplett Lüge. Und wenn ich bedenke, daß „Friedrich“ mit Frieden zusammenhängt, er hier aber vor allem Polemik (gr. polemos – Krieg) betreibt, dann paßt das voll ins Bild.

Und dann war da noch so ein Brief von Militärbischof Dutzmann. Es geht um die Trauerfeiern für die gefallenen Soldaten in Auslandseinsätzen. Bei diesen sollten, da Störungen zu befürchten seien, die Presbyter bzw der Kirchenvorstand (oder wie es snst noch so in den verschiedenen Landeskirchen heißt, es geht um das Ortsparlament der Kirchengemeinde) das Hausrecht an die Feldjäger abgeben, da die besser auf solche Situationen vorbereitet sind, oder so ähnlich. Ich würde den Brief ja gerne mal im Original lesen, um mir ein Bild machen zu können. Aus praktischer Sicht ist dies sicher auch ne Überlegung wert: Man denke sich eine Kirche voll mit trauernden Angehörigen und dann kommen noch irgendwelche Störer, die dumme Parolen von wegen Soldaten sind Mörder oder sowas krakeelen. Daß man sowas unterbinden will, um der Angehörigen willen, kann wohl jeder nachvollziehen. Ich frage mich jedoch, wieso man überhaupt einen wie auch immer gearteten staatlichen Akt für die Gefallenen braucht. Ich bin der Meinung, mit ihrem Tod sind sie aus der Bundeswehr ausgeschieden und haben ein Recht auf Privatsphäre. Ich find es um Beispiel immer ganz furchtbar wenn ich sehe, wie gefallene US Soldaten in Arlington beerdigt werden, wo ihre Angehörigen kaum ihr Grab besuchen können, wenn sie etwa im Westen oder Süden der USA wohnen. Ich häng ein Stck weit immer noch dem Gedanken an, daß ich miene toten Angehörigen in der Nähe haben will, damit ich immer hingehen kann, wenn mir danach ist. Und wenn es doch einen staatlichen Akt braucht, wieso man den nicht unabhängig von einem Gottesdienst durchführen kann. Da können dann auch die Feldjäger kontrollieren, während die Kirche von all diesen Problemen unbehelligt bliebe. Dort würde dann der Gefallene beerdigt werden können wie jeder andere Mensch auch, unabhängig davon, ob er das war, was man ienen guten Menschen nennt, oder das, was man einen schlechten Menschen nennt. Vor Gott sind wir alle gleich.

Allgemein

Man könnte heulen

Aus kirchlichen Medien erfährt man davon, allgemeine Medien sind da – nett ausgedrückt – eher zurückhaltend: Die Verfolgung unserer christlichen Glaubensgeschwister in aller Welt. Theodred hat drüber geschrieben und fragt, was man überhaupt tun kann.

Ich mußte unweigerlich an den Machine Gun Preacher denken. Und an den Kirchentag in München. Dort sprach Militärbischof Dutzmann über die Auslandseinsätze der Bundeswehr und die begrenzten Möglichkeiten des Militärischen. Ein Militäreinsatz könne immer nur ein Zeitfenster öffnen, in dem dann wirkliche Hilfe geleistet wird. Militär ist in der Lage, äußere Sicherheit zu bieten, zumindest für eine Weile, aber Militär allein kann kein stabiles System aufbauen.

Ähnliches beschreibt auch der Machine Gun Preacher in seinem Buch. Er trägt Waffen, sein Ziel ist aber, den Kindern zu helfen und ihnen ein sicheres Heim zu bieten.

Doch sind das Lösungsansätze für Ägypten, Nigeria oder Syrien? Militäreinsatz bedeutet auch Krieg, Tod, Leid für hunderte, wenn nicht tausende. Das muß man wollen, um sich die Chance zu erkaufen, etwas zu bessern. Damit ist noch nichts besser.

Also hingehen? Wer geht schon nach Syrien? Was dort machen? Noch ne NGO? Warum nicht, wenn die bisherigen nicht ausreichen? Ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein, aber was kann einer schon mehr sein als ein Tropfen. Wir haben aber nur die Verfügungsgewalt über uns selbst, wir können anderen nicht sagen, was sie tun sollen. Zumal, wenn wir nicht mit gutem Beispiel vorangehen (und dann nicht, weil jeder in einer anderen Situation lebt).

Was also tun? Beten kann ein Ansatz sein. Vielleicht helfen Spenden doch ein kleines wenig? Vielleicht hilft es auch, Öffentlichkeit für die Opfer zu schaffen. Es gibt viele Möglichkeiten, bis dazu selbst hinzufahren und sein Leben der Hilfe zu opfern. Ich werde das nicht tun, so edel bin ich nicht. Aber selbst wenn ich es wäre, könnte ich das große Ganze nicht ändern. Das ist Gottes Sache, deshalb bleibt uns letztendlich bei all unserem Tun nichts als auf Gott zu vertrauen. Das fällt uns oft schwer.

Herr, hilf!

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Wider Matusseks Polemik

Letzte Woche war Kirchentag, und ja, ich war auch in Dresden. Seit ich wieder zu Hause bin, lese ich immer wieder in der Presse vom Gutmenschentum, der Weltferne, Naivität etc, die auf dem Kirchentag vorherrsche. Und immer wieder ist ein Name damit verbunden: Käßmann.

Matthias Matussek vom Boulevardmagazin SPIEGEL hat nun einen Artikel geschrieben, in dem er sich an Käßman abarbeitet, ihr Polemik vorwirft und ja: Weltfremdheit. Das Übliche halt.

Bei Licht betrachtet ist es aber auch nicht mehr als Polemik, er reißt Zitate aus dem Zusammenhang und verdreht die Dinge. Und wozu? Weil es so leicht ist und en vogue, auf Käßmann zu schimpfen, weil sie sich ideal als Feindbild eignet?

Ich stehe Käßmann ja durchaus auch kritisch gegenüber, doch finde ich sollte eine Kritik mindestens auf gleichem Niveau stattfinden. Das scheint mir bei Matussek nicht der Fall zu sein.

1. Vorwurf: Käßmann sagt, man solle mit den Taliban beten, statt sie zu bombardieren. So Matussek. Sieht man sich den Text der fraglichen Bibelarbeit Käßmanns an (da steht „es gilt das gesprochene Wort“, ich war anwesend nd kann bestätigen, daß es keine Diskrepanz zwischen der Rede nd dem Druck gibt), hört sich das Ganze schon wieder anders an:

Der damalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe, hat mir im vergangenen Jahr gesagt, ich
solle mich doch in ein Zelt setzen und mit den Taliban bei Kerzenlicht beten. Offen
gestanden finde ich, das ist eine wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von
Tanklastwagen in Kunduz. Wir wissen doch, dass Frieden letzten Endes nur durch
mühselige, oft schmerzhafte und riskante Versöhnungsprozesse wachsen kann, in denen die
Opfer gehört werden und die Täter Schuld bekennen.

Es war also nicht Käßmann, die auf die Idee mit dem Beten kam, sondern Robbe. Käßmann sagte einzig, daß die Idee besser sei als den Tanklaster in Kunduz zu bombardieren. Daraus abzuleiten, daß Käßmann nun tatsächlich dazu aufriefe, alles im gemeinsamen Gebet mit den Taliban zu lösen, ist dumme Polemik.

Der Tanklastwagen führt mich zum 2. Vorwurf:

Margot Käßmanns indes setzte auf Demagogie. Sie glänzt mit frommem Augenaufschlag vor Tausenden. Sie führte aus, es sei besser zu beten, als Tanklastwagen zu bombardieren. Ach ja? Alles ist besser!

Jeder weiß doch mittlerweile, dass jenes tragische Bombardement ein Versehen war, und dass die Entscheidung dazu getroffen wurde, um einen größeren Anschlag zu verhindern. Käßmann aber behauptet implizit, die irrtümliche Bombardierung von Zivilisten sei in Wahrheit Absicht gewesen und in einer so hellsichtigen Weise getroffen worden, wie man es tut, wenn man sich zum Beten hinsetzt.

Das tragische Bombardement mag ein Versehen gewesen sein, liegt jedoch innerhalb der Logik der Gewalt im Krieg. Dagegen richtet sich Käßmann, nicht daß hier mit Absicht Leid erzeugt wurde. Denn begibt man sich erst einmal in die Logik der Gewalt, in den Krieg, dann ist das Leid schon Folge, egal wie man es dreht und wendet nd wie „sauber“ der Krieg auch geführt wird.

Matussek wendet sich der Frage nach dem gerechten Krieg zu, nachdem er feststellt, daß man sehr wohl für die Taliban beten und sie gleichzeitig bombardieren kann. Hier kann ich gerade noch so mitgehen mit seinem Gedanken. Ja, ich würde sogar soweit gehen, es als christliche Pflicht zu erachten für denjenigen zu beten, den man gerade tötet, wenn man denn schon so weit gekommen ist.

Doch Matussek gleitet ab in eine Pose des gerechten Racheengels:

Es gibt den bellum iustum, den gerechten Krieg. Seit dem heiligen Augustinus dürfen Christen Krieg führen, wenn er dem Frieden dient. Und das Gebet für die Feinde?

An jedem zweiten Sonntag beten auch wir Katholiken in den Fürbitten dafür, dass der Herr uneinsichtige Politiker auf den rechten Weg führe, damit sie für größere Gerechtigkeit sorgen mögen. Das heißt aber nicht, dass wir uns das Wählen schenken sollten. Ganz grundsätzlich: Ich kann für Stalin beten, dass er seine Fehler einsieht, und ihn trotzdem töten, wenn dadurch weitere Gulags verhindert werden. Ich kann für Hitler beten, und dafür, dass er seine Sünden bereut und von Untaten absieht.

Zu der Frage nach dem bellum iustum gibt es nicht nur bei Käßmann, sondern auch bei anderen protestantischen Pfarrern (in diesem Gespräch mit Renke Brahms und Martin Dutzmann, das auch sonst sehr interessant ist beispielsweise) durchaus die Meinung, daß es den gerade nicht gibt, weil Krieg immer schon bedeutet, daß man vorher schon auf ganzer Linie versagt hat und nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann, die aber nie per se gerecht ist sondern schon innerhalb der Ungerechtigkeit stattfindet. Um den Frieden zu erhalten, muß vorher gehandelt werden, das wäre gerecht. Kriegerische Gewalt ist nur noch Einschränken der Ungerechtigkeit, kann sie aber nicht aus der Welt schaffen.

Konsequenterweise verkürzt Matussek auch Bonhoeffer geradezu grausam:

Darf ich Hitler trotzdem umbringen, falls er uneinsichtig bleibt? Darf ich das fünfte Gebot brechen, das Tötungsverbot? Der evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer hat sich inständig und tief mit diesem Problem auseinandergesetzt, und zwar nicht auf der schick ausgetrommelten Messias-Veranstaltung eines Kirchentages, sondern in der Nazihaft.

Zuerst ist anzumerken, daß Bonhoeffer schon vor seiner Haft im Widerstand war. Die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Tyrannenmord kam bei ihm also vorher. Aber das ist hier unwichtiges Detail (wenn es auch auf die Recherchequalität von Matussek schließen läßt).

Bonhoeffer kam zwar zu der Überzeugung, sich am Tyrannenmord zu beteiligen, aber auch Bonhoeffer war sich bewußt, daß er damit Schuld auf sich laden würde, es also keinesfalls eine gerechte Sache wäre, sondern lediglich eine Einschränkung der Ungerechtigkeit gegen andere, während er dabei Schuld auf sich lädt. Dieser Gedanke ist meiner Meinung nach wichtig. Es gibt hier keine generelle Rechtfertigng für ein gewaltsames Handeln. Also ach keinen bellum iustum.

Matussek kürzt dies ab, um Käßmann eins auszuwischen und sie als Demagogin des „Gutmenschentums“ darzustellen, und ist doch selbst demagogisch, denn Bonhoeffer kam eben nicht zum gleichen Ergebnis wie Augustinus und Thomas von Aquin:

Bonhoeffer ist zu dem gleichen Schluss gekommen wie vor ihm Augustinus oder Thomas von Aquin. Es gibt den gerechten Krieg, und es gibt die moralische Rechtfertigung des Tyrannenmordes.

Es gibt nie eine moralische Rechtfertigung dafür, einem Menschen das Leben zu nehmen, ihm Gewalt anzutun, weil Gewalt moralisch eben nicht Recht ist, osndern höchstens in bestimmten Sitationen geboten, um nicht noch mehr Unrecht aufkommen zu lassen.

Und darum geht es, so denke ich auch Käßmann: Auch wenn wir Soldaten nach Afghanistan schicken, so erreichen wir damit doch keinen Frieden. Den Frieden, den gerechten Frieden, erreichen wir mit ziviler Aufbauarbeit. Dem würde wohl auch ein de Mezière zustimmen. Und in Afghanistan läuft die Lage aus dem Ruder, weil scheinbar nicht genügend zivil aufgebaut wird, so jedenfalls verstehe ich Käßmann, wenn sie sagt: Nichts ist gut in Afghanistan.

Sie macht nicht aus den Soldaten kaltkütige Täter, wie Matussek in einem weiteren Vorwurf sagt, vielmehr macht sie aus dem Souverän Deutschlands, also uns allen, die wir den Bundestag gewählt haben, der dem Mandat zugestimmt hat, wirre Planer. Und ich finde, das kann man sich sagen lassen, wenn es stimmt.

Gab es nicht jahrelang überhaupt keine richtige Strategie zum zivilen Aufbau des Landes? Gibt es die jetzt? Wo und wie findet der zivile Aufbau statt? Wie erfolgreich ist er? Was könnte besser gehen? Wo hakt es? Darüber hört man nichts. Statt dessen: Fokussierung auf den militärischen Teil, auf die toten Soldaten, kontrollierte Gebiete. Was in den Gebieten, die kontrolliert werden, geschieht, hört man kaum. Abgesehen von einigen Meldungen über Drogenanbau.

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Friedensethik

Bevor es zu lange zurückliegt will ich hier kurz vom Kirchentag berichten und einem Thema, das sich mir dort aufgedrängt hat:

Der SeTh hatte auf seinem Messestand beim Kirchentag zum Gespräch mit dem evangelischen Militärbischof Dr. Dutzmann eingeladen. Interessiert an Friedens- und politischer Ethik, bin ich dahin getingelt und hab zugehört, wie und was er zu den Fragen meiner Kommilitonen zu sagen hatte. Der Bischof hat einen guten Eindruck auf mich gemacht, vor allem blieb folgende Idee in meinem Gedächtnis:

Wie wäre es, wenn der Bundestag bei der Mandatierung eines Auslandseinsatzes nicht nur die militärische Seite mandatiert (das muß er ja), sondern auch den zivilen Anteil? Will sagen: Der Bundestag soll nur noch Soldaten in den Einsatz schicken, wenn er sich gleichzeitig festlegt, mit welchen zivilen Mitteln der Frieden in der Zielregion gesichert wird, also etwa in Afghanistan oder auch in Ex-Jugoslawien.

Die zivile Seite muß der Bundestag nicht mandatieren, und so hat er auch keine Übersicht über das, was in Afghanistan erreicht wurde. Will man wissen, was dort auch an Positivem geschieht, muß man sich bei Leuten informieren, die ihre eigenen Kanäle nutzen um Informationen zusammenzutragen und evtl. auch nicht alles erfassen was gut geht und was scheitert.

Bei Madatierung und finanzieller Ausstattung der zivilen Seite des Aufbaus in einem Krisengebiet wäre es wohl leichter zu evaluieren, ob ein Einsatz noch Sinn ergibt. Die Regierung könnte nicht einfach Soldaten losschicken, ohne sich Gedanken zu machen, was eigentlich Ziel der Übung ist und die Soldaten wüßten, wofür sie Kopf und Kragen riskieren.

Auch die Bevölkerung wüßte, wozu wir unsere Soldaten im Ausland töten und sterben lassen und es könnte sich eine gesellschaftliche Diskussion entfalten, ob und unter welchen Umständen wir das wollen oder zumindest hinnehmen. Die Politik wäre gefordert, Verantwortung zu übernehmen für das Zielgebiet. Man könnte nicht einfach auf internationalen Druck Soldaten senden um weiterhin mitreden zu können, man würde tatsächlich mitreden und die Gestaltung der Situation im Krisengebiet in Richtung einer Verbesserung angehen. Ob und in welcher Art man dies gut findet, was die Regierung in dem Fall tut, kann man immer noch über die Wahlen ausdrücken, es sind sich nicht alle einig welche Ziele und Mittel man wählen muß um eine Zivilgesellschaft zu etablieren, die nach meiner momentanen Ansicht (ich arbeite mich immer noch ins Thema ein) Grundlage für eine Stabilisierung der Situation ist (die Demokratie kann höchstens gegen Ende der Entwicklung ins Blickfeld kommen, eine Zivilgesellschaft ist auch in undemokratischen Staaten zu haben und kann ein erster Schritt zur Demokratie sein).

Was mir jedoch durchaus schlüssig erscheint ist, daß es ein „weiter so“ nicht geben kann. Wir brauchen die Diskussion über den Einsatz in Afghanistan in der Bevölkerung, am Besten noch bevor die neue Strategie greift, die Soldaten wieder vermehrt auf die Bevölkerung zugehen und die Panzerwagen verlassen und wir größere Verluste zu erwarten haben. Die Taliban wissen schließlich auch vom Strategiewechsel, und sie wissen um die Haltung der deutschen Bevölkerung, deshalb werden vor allem deutsche Soldaten im Visier stehen, um einen übereilten Abzug der Deutschen zu erwirken.

Wichtig im Kopf zu behalten ist, was auch bei einer Kirchentagsdiskussion zur Friedensethik gesagt wurde (ich hab leider vergessen, von wem):

Das Militär kann für einen begrenzten Zeitraum dafür sorgen, daß nicht geschossen wird und so einen Sicherheitsraum schaffen, in dem humanitär gearbeitet wird.

Dieses Zeitfenster scheint sich für Afghanistan zu schließen. Deshalb ist es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man die relative Ruhe ausnutzt, um für Stabilität zu sorgen, und das geht nur zivil. Nach immer wieder genannten Verhältnissen von Militär zu Zivil bei der Konfliktlösung, wurde immer wieder ein Verhältnis von 20:80 genannt, wobei nicht klar wurde, ob sich diese 20% Militär gegenüber 80% zivilem Aufbau auf die finanziellen Kosten oder andere Größen beziehen soll.

Aus all diesen zugegeben noch unsortierten Gedakengängen stellte sich mir nun die Frage, ob diese Mandatierung eines Militäreinsatzes durch den Bundestag im Zusammenhang mit der Mandatierung eines zivilen Einsatzes (Polizeiausbildung, THW, NGOs, whatever…) in das Grundgesetz geschrieben werden sollte, wobei ich mir bei der Formulierung und der Art der Aufnahme ins GG noch absolut unsicher bin.

Deshalb auch dieser Artikel, falls irgendwer sich Gedanken zu der Materie macht und hier kommentieren will, fänd ich das super (falls hier überhaupt noch wer mitliest). Meine Vision ist die, daß wir, wenn wir schon die Bundeswehr ins Ausland schicken, gleichzeitig dafür sorgen, daß ihr Auftrag klar ist und die Soldaten auch wissen, wofür sie den Kopf hinhalten und schließlich auch die Bevölkerung der Zielregion den Nutzen von der ganzen Geschichte hat (das kann man dann auch mal für den Fall der somalischen Piraten durchdenken).

Am wichtigsten finde ich jedoch, daß wir, das Volk, uns darüber austauschen, was wir in Bezug auf die Auslandseinsätze wollen, was wir für hinnehmbar halten, was wir erreichen wollen indem wir unsere Steuergelder und das Leben unserer Soldaten einsetzen etc, und daß die Politik nicht weiter mit Herumdrucksen und Ähnlichem die Probleme umschifft, die Wählerstimmen kosten könnten. Bei aller Indirektheit unserer Demokratie in Deutschland sind schließlich wir, das Volk, der Souverän des Landes, und wir tragen die Verantwortung für das, was getan wird, auch für jeden toten Soldaten und jeden toten afghanischen Zivilisten. Deshalb sollten wir, meiner Meinung nach, diese Verantwortung auch übernehmen und die Politik zwingen, Farbe zu bekennen, damit wir diejenigen in unsere Parlamente delegieren können, die wir am geeignetsten halten.

Kommentare sind herzlich willkommen, ich bin hier gerade selbst noch mitten im Meinungsbildungsprozess. Aber ich denke, es muß etwas getan werden. Wir müssen was tun. Ich muß was tun.