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Die bürgerliche Mitte

Ein Kommantator mit dem Nickname „Einer aus der bürgerlichen Mitte“ schrieb einen Kommentar beim Vergleich von PEGIDA und NSDAP auf dem Blog von Michael Bittner (unbedingt lesenswert!).

Er schreibt darin:

Viel besser fände ich, wenn einmal grundsätzlich diskutiert werden würde, wie man die Flüchtlingswelle bewältigen will.

Die Frage halte ich für sinvoll und möchte darum hier auf seien Kommentar eingehen (und nicht dort, weil es IMHO um ein anderes Thema geht).

Die ZEIT schrieb zuletzt, dass seit September täglich 10.000 Menschen nach Deutschland gekommen sind, also hochgerechnet fast 500.000 Menschen. Wo sollen die denn alle untergebracht werden? Vor allem menschenwürdig und witterungsgerecht?

Das ist in der Tat ein Problem und es ist auch nicht leicht zu lösen. Nur ändert es nichts an den Fakten, daß diese Menschen kommen – und das nicht aus Jux und Dollerei. Wir werden sie nicht ohne Gewalt aufhalten können, und da Gewalt nach meiner Meinung die deutlich schlechtere Alternative ist, werden wir lernen müssen, damit umzugehen, so schwierig es auch ist – gerade jetzt, wo es Winter wird.

Man hört von Beschlagnahme, Zwangsunterbringung in privatem Wohneigentum, Nutzung von Sporthallen als Notunterkunft, von viel Geld, was die Aufnahme der Flüchtlinge kostet.

Ja, es ist teuer, ein Rechtsstaat zu sein. Es ist nicht umsonst, menschlich zu sein, sonst müßt das nicht immer wieder in ganz verschiedenen Situationen eingefordert werden. Auf kurze Sicht am einfachsten ist es, ein Arscholoch zu sein und seine Interessen durchzusetzen. So wie ich unser Land und unsere Gesellschaft verstehe, ist das nicht das, was wir wollen. Wir wollen ein demokratischer Rechtsstaat sein, für den die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Und zu dieser Erklärung gehört das Asylrecht (Art. 14).

Von Unterbringungen in Sporthallen habe ich schon gehört. Diese Hallen gehören den Kommunen, die für die Unterbringung zu sorgen haben. Beschlagnahmungen und Zwangsunterbringungen in privaten Wohnungen gibt es nach meinem Wissen nicht.

Allerdings denke ich persönlich, daß dies durchaus möglich und angebracht sein kann. Erstens verpflichtet Eigentum (Art. 14, Abs. 2 GG) und zweitens kann durchaus per Gesetz enteignet werden (Art. 14, Abs. 3 GG). Im Nachkriegsdeutschland gab es darüber hinaus sogar Einquartierungen. Das war sicher nicht einfach für alle Beteiligten, aber es hat im Endeffekt geklappt.

Es ist halt immer die Frage, wie groß eine Not ist und was man tun kann. Bei Überschwemmungen und sonstigen Naturkatastrophen bringt der Katastrophenschutz auch Menschen in Turnhallen unter, und je nachdem wie groß die Katastrophe ist, wäre denkbar auch leerstehenden Wohnraum zu beschlagnahmen im Dienste der Allgemeinheit.

Nur weil es sich um Ausländer handelt, die hier in Not geraten sind, denkt man jetzt darüber nach, ob man sich der Probleme nicht auch einfach entledigen kann. Ich finde das im höchsten Maße bedenktlich.

Die Situation ist momentan sicherlich schwierig, das kann aber doch nicht heißen, daß man wie ein kleines Kind beleidigt davonrennt und nix mehr macht.

Die Wirtschaft fordert die sofortige Eingliederung der Flüchtlinge ins Arbeitsleben (zu Dumpinglöhnen, weil die Menschen ja auch noch nicht so viel Deutsch können?). Von unangebrachtem Verhalten einiger weniger Flüchtlinge (sexueller Art gegenüber Schülerinnen und Frauen), Gewalt und sonstiger Delikte.
Wenn von Integration gesprochen wird, dann kann man meist den Eindruck gewinnen, dass wir uns den Flüchtlingen anpassen sollen und nicht anders herum.

Ich denke, für Flüchtlinge sollte ebenso der Mindestlohn gelten, wie für alle anderen auch. Wenn dies gewährleistet ist, dann sehe ich nur Vorteile darin, den Flüchtlingen so schnell wie möglich die Arbeit zu erlauben. So können sie zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, es gibt mehr Wertschöpfung, mehr Steuereinnahmen, und so schrumpfen dann letztendlich auch die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge.

Ja, es gibt Flüchtlinge, die straffällig werden, aber das ist eine Binsenweisheit. Ebenso gibt es Deutsche, die sich nicht an die Gesetze halten. Dafür haben wir die Polizei.

Ich sehe nicht, wo wir uns den Flüchtlingen anpassen sollten. Wenn von Integration die Rede ist, dann nehme ich das vor allem im Zusammenhang mit Sprachkursen wahr. Und das sind Deutschkurse für die Flüchtlinge, keine Farsi Kurse für Deutsche! Keiner fordert von uns, uns den Flüchtlingen anzupassen. Rücksicht nehmen vielleicht, wie es ein anständiger Mensch auch sonst gegenüber Deutschen tut, aber das ist ja keine Anpassung. Ein Augenmekrk darauf, daß sie aus anderen Kulturen kommen und es daher zu Mißverständnissen kommen kann. Man muß also nachsichtig sein und erklären, was daneben ist und warum. Ein Kumpel von mir, der in den 80ern Jahren aus der DDR in den Westen kam verstand nicht, wieso er jedesmal, wenn er eine junge Frau „Fräulein“ nannte, aneckte, bis ihm irgendwer mal erklärte, daß die Bezeichnug „Fräulein“ im Westen abgeschafft wurde und als herabwürdigend wahrgenommen wird. Das wußte er nicht – andere Kultur halt. In einem anderen Beispiel erzählte iene Ostdeutsche Kommilitonin, sie hätte wenig Geld auf dem Konto woraufhin ein Westdeutscher Kommilitone miente „Du must halt schaffen gehn.“ Sie war zu Tode beleidigt, weil sie „schaffen“ im Sinne von „anschaffen“ verstand. Er meinte aber „schaffen“ im Sinne von „arbeiten“, wie ich es als Westdeutscher auch zuerst verstanden hatte. Andere Kulturen – auch innerhalb Deutschlands. Da muß man dann halt mit rechnen, freundlich bleiben und versuchen, die Mißverständnisse zu lösen, bevor man das Schlimmste annimmt.

Die Politik lässt das Volk (ich kann den Begriff nicht mehr hören) im Stich. Keine Information, keine Diskussion,… und da sollen sich die Menschen in Deutschland keine Gedanken machen, Sorgen und Ängste haben?

„Die Politik“ ist sehr allgemein. Und es ist ja nicht so, daß es keine Informationen von Politikern gäbe. Die Rechten sind da ganz vorne mit dabei. Auch PEGIDA ist ja eine politische Veranstaltung, und da werden ja auch Meinungen geäußert (auch wenn die IMHO nicht zur Lösung der Probleme beitragen und Diskussion dort nach meiner Wahrnehmung auch nicht stattfindet). Die etablierten Parteien haben vielleicht grad alle Hände voll zu tun, die Krise zu bewältigen, aber es stimmt schon: Es dürfte mehr Information kommen. Wobei man durchaus die Chance hat, sich Informationen zu beschaffen. Die Regierung hat ne eigene Homepage, dort gibt es Kontaktadressen usw. Man kann seinen Bundestagsabgeordneten schreiben und Fragen stellen.

Man braucht keine Sorgen und Ängste zu haben, wenn man auch erst mal nachfragen ud sich informieren kann – idealiter aus mehreren Quellen und nicht nur bei PEGIDA, der Jungen Freiheit und BILD.

Ich bin überzeugt, dass viele Themen viel ruhiger ablaufen würden, weniger Hass da wäre, wenn Kommunikation stattfinden würde. Die Regierenden sollten endlich mal erklären, dass es Unterschiede zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen gibt, dass es eine humanitäre, moralische, menschliche Verpflichtung gibt gegenüber den an Leib und Leben Bedrohten, nicht aber gegenüber denen, die hier das Schlaraffenland sehen.

Das heißt also, daß die BRD die Bürger der DDR, die geflohen sind mehrheitlich hätte abschieben müssen, weil die wenigsten an Leib und Leben bedroht waren?

Aber das mal bei Seite: Die Thematik der Wirtschaftsflüchtlinge ist doch allen bekannt. Und wieder könnte ich fragen, wie das mit den ehemaligen DDR Bürgern ist, die in den Westen ziehen, um einen Job zu finden. Sind das auch Wirtschaftsflüchtlinge? Sollen die Westbundesländer die Grenzen nach Osten schließen, um mehr Syrien-Flüchtlinge aufnehmen zu können?

Ich denke nicht, daß die Themen ruhiger ablaufen würden, wenn diskutiert würde. Diskussionen führen oft dazu, daß die Gemüter hochkochen und viele sind ja auch resistent gegenüber guten Argumenten.

Es muss den Flüchtlingen erklärt werden, dass sie hier lediglich geduldet sind. Wer Straftaten begeht (Asylantenheime als Dealerbude, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag, Diebstahl), hat die Gastfreundschaft der Menschen in Deutschland missbraucht und somit sein Aufenthaltsrecht verwirkt.

Wenn dem Flüchtling dann im Heimatland der Tod droht, ist das faktisch eine Todesstrafe. Die Todesstrafe ist laut GG aber abgeschafft! Bei Asyl geht es nicht um Gastfreudschaft. Das ist keine gnädige Gabe an die Flüchtlinge, osndern das ist deren Recht in einem Rechtsstaat wie Deutschland. Sie sind keine Gäste, sondern Flüchtlinge. So eine Regelung würde höchstens bei Wirtschaftsmigranten Sinn machen. Und selbst da bin ich skeptisch: Es stellt sich doch die Frage, wieso sie straffällig werden. Wenn es unsere sozialen Strukturen sind, sollten wir zuerst die ändern und die ausländischen Straftäter so wegsperren, wie wir das mit deutschen Kriminellen tun. Und so wie wir jene zu rehabilitieren suchen, sollten wir es dann auch mit diesen tun.

Übrigens finde ich es interessant, daß gefordert wird bei kriminellen Ausländern sofort das Aufenthaltsrecht zu entziehen, während man gleichzeitig den kriminellen Lutz Bachmann als Führungsfigur anerkennt. Könnte schon fast als Heuchelei durchgehen.

Es sollte weiterhin geklärt werden, wie der Nachzug der Verwandtschaft geregelt werden soll und dass die Flüchtlinge nach Beendigung des Krieges auch wieder nach Hause gehen müssen.

Der Nachzug der Verwandtschaft ist schon geregelt, und zwar in einer nach meienm Empfinden umneschlichen Weise. So kann ein Flüchtling aus Syrien zwar seine minderjährigen Kinder, nciht aber seine Eltern oder seine volljährigen Kinder nachholen. Die kommen dann im Zweifel im Bombenhagel um.

Falls der Flüchtling mangels Sprachkenntnis vielleicht unsere Regelungen nicht kennt und er den Antrag zur Familienzusammenführung nicht innerhalb 3 Monaten nach seiner Anerkennung stellt, muß selbst seine Frau noch Deutschkenntnisse nachweisen, um nachkommen zu dürfen. Sie muß also in Syrien im Bombenhagel deutsch lernen, um ihr Leben retten zu können, ohne sich an einen Schlepper wenden zu müssen. Das sind die Fakten. Wie viel mehr soll da noch geregelt werden? Noch unmenschlicher?

Daß die Flüchtlinge nach Kriegsende nach Hause gehen ist der Normalfall. Das war bei Bosniern und Kosovaren nicht anders. Der Großteil ging nach Hause. Manche erwarben sich ein weiterführendes Aufenthaltsrecht und blieben, so wie manche Deutsche auch in Bosnien oder dem Kosovo wohnen, aber die Zahl ist beiderseits gering. Auch die Syrer werden Deutschland wieder verlassen, wenn es sicher ist. Vielleicht dauert der Krieg aber so lange, daß sich einige entschließen, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, dann sind es Deutsche wie wir. Und wieso sollte man uns abschieben?

Die Bundesregierung muss ein Wohnungsbauprogramm auflegen, Bürgschaften geben, Sicherheiten schaffen.

Nach meiner Wahrnehmung sind diese Dinge gerade in der Mache.

Es gibt genügend Menschen, die Wohnungen bereitstellen könnten. Warum aber sollten sie das tun, wenn es vermeintlich bessere Mieter (mit Bonitätsnachweis) gibt oder die kulturellen Unsicherheiten vermeintlich so groß sind, dass man es lieber leerstehen lässt?

Klar, deshalb muß und wird da wahrscheinlich auch etwas passieren. Nur brauchen solche Dinge dann doch ein wenig Zeit. Da sind ja dann auch einige rechtliche Fragen zu klären, auch Fragen, wie sich das ganze auf den Wohnungsmarkt auswirkt und die Wohnungseigentümer, wenn plötzlich viele neue Wohnungen entstehen etc. Das ist alles nciht sooo einfach.

Warum neue Wohnungen bauen und sich nachher womöglich mit den Flüchtlingen rumärgern, die dann plötzlich gar nix mehr verstehen (eine bösartige Verallgemeinerung, aber da man in die Köpfe der Menschen leider nicht reinschauen kann halt auch ein menschlicher Reflex)?

Ein privater Vermieter wird immer zusehen, daß er mit seien Mietern klar kommt. Deshalb ist hier auch der Staat gefragt, neue Wohnungen zu bauen, bzw. vorhandene zu enteignen oder zu beschlagnahmen. Am Einfachsten für alle wäre es freilich, wenn Flüchtlinge ohne Druck Wohnraum bekämen.

Wenn die Regierung endlich mal ihre Hausaufgaben machen würden, dann wäre Pegida völlig ohne Substanz und so schnell verschwunden, wie sie gekommen ist.

So einfach ist es nicht. Es gibt immer Unzufriedene. Allen kann man es nicht Recht machen, Und da die Unzufriedenen heutzutage offenbar immer mehr dazu neigen, nur ihre eigenen Probleme zu sehen und sich immer weniger um die allgemeie Probleme kümmern wollen ist es leicht für Bauernfänger, Mitläufer zu finden.

Noch viel besser wäre es, wenn die Ursachen der Flüchtlingswelle in deren Heimatländern bekämpft würden… Ein bürgerlicher Traum!?!

Klar wäre das das Beste, aber das wäre nochmal um einiges teurer für uns, denn dann müßten wir uns richtig engagieren, und zwar humanitär, nicht nur militärisch. Und dann kämen ganz schnell wieder Leute, die sich darüber aufregen, wie viel Geld wir in die arabische Wüste setzen, wo es doch auch hier arme Menschen gibt…

Wie gesagt: Man sieht immer nur das Eigene und ist weder bereit noch in der Lage, auch die Not anderer zu sehen und anzuerkennen…

Gesellschaft

Humanistentag

[Video nicht mehr verfügbar]
Sie diskutieren nur kurz zum Thema, und ich werde den Eindruck nicht los, daß es nicht der Theologe ist, der hier mit rhetorischen Tricks glänzt, sondern eher der Grundschullehrer. Achtet mal drauf, wie oft Schmidt-Salomon nicht auf die Fragen von Meister antwortet, sondern ganz andere Dinge erzählt, sich teilweise in Worthülsen ergeht. Und wie oft er mal schnell noch irgendwelche Behauptungen unterbringt in eigentlich richtigen Aussagen. Trotzdem denke ich, daß Meister sich angesichts dieser Methoden ganz gut geschlagen hat und auch schlau genug war, auf diese ständigen Provokationen nicht einzugehen, was nur zur heillosen Verzettelung geführt hätte. Mit manchen Menschen ist es sehr schwer, vernünftig zu diskutieren…

 

Update vom 18.10.2013: Hier gab es einmal ein Video der Diskussion zwischen Landesbischof Meister und Michael Schmidt-Salomon am Rande des DEKT 2013 in Hamburg. Inzwischen ist das Video bei youtube offenkundig verschwunden und wird daher hier auch nicht mehr angezeigt. Ob die Humanisten es runtergenommen haben, weil MSS keine ganz so gute Figur gemacht hat oder weil Meister zu gut dabei wegkam, oder ob es einen anderen Grund für das Löschen des Videos gibt, kann ich leider nicht sagen.

Allgemein

Antwort

Auch ich wurde zu lang. Theodred hatte die Diskussion hier auf seinem Blog fortgesetzt. Meine Antwort wurde dem Kommentarkasten zu lang (da mehr als 4096 Zeichen), daher kommt sie nun hier als Artikel, wenn auch nicht in Artikelform, denn da hab ich normal höhere Ansprüche an die Darlegung meiner Gedanken, während ich in Kommentaren auch mal drauf losschreib. Dafür möchte ich mich entschuldigen, und das Ganze auf die mir im Moment knappe Zeit schieben:

Okay, Thema Minarette:
Du hast Recht wenn Du betonst, daß es nicht um Gotteshäuser, sondern nur um Elemente desselben geht. Mir ist jedoch in dem Fall an der Grundlage des Minarettverbots und der Behinderung beim Kirchenbau gelegen. Beides kommt aus der Intoleranz dem anderen gegenüber. Der unterschied zwischen beiden ist IMHO nicht qualitativer Natur, sondern lediglich quantitativ. Dabei spielt es auch weniger eine Rolle, inwieweit Minarette nötig sind im Islam. Wir brauchen im Christentum auch keine Kirchen, wenn wir in die Geschichte sehen. Die ersten Christen hatten keine. Was würdest Du von einer solchen Argumentation von Seiten der Türkei aus halten, in Bezug auf Kirchen? Das Problem, was die Bauvorschriften angeht, ist ja, daß in der Schweiz ein Kirchturm im osmanischen Stil, also wenn er aussieht wie ein Minarett, überhaupt kein Problem wäre. Ein Minarett aber, auch wenn es von außen aussähe wie ein Kirchturm und nicht mit einem Muezzin besetzt wird, ist verboten.
Es mag ja sein, daß die Muslime lauter sind als andere Reliigonsgruppen, aber das kann auch kein Argument sein in der Beurteilung der Freiheiten. Übrigens waren die Muslime in der Schweiz damals erschreckend zurückhaltend, was die Kritik anging. Nur so nebenbei. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, daß es sich hier um eine Diskriminierung aufgrund der Religion und eine Einschränkung der Rechte handelt. Hätte man Bauvorschriften erlassen, nach denen bestimmte Ausführungen der Minarette untersagt würden, aus ästhetischen oder sonstigen Gründen, und würden diese für alle Türme gelten, sähe die Sache anders aus.

Bei der Frage nach den Waffenlieferungen ging es um die Frage nach der Unterstützung terroristischer Organisationen. Wer Terrorist ist, das ist auch eine Frage der Propaganda. Manche Menschen in islamischen Ländern mögen ihre (ehemaligen) Regierungen als Terroregime erfahren haben. Jetzt mal abgesehen davon, daß ein Kampfpanzer für urbanes Gebiet weniger geeignet sind. Das weiß nicht unbedingt jeder, und abschrecken können sie doch. Allerdings haben wir ja nicht nur Panzer geliefert. Sowohl in Saudi Arabien als auch in Ägypten (da weiß ich alerdings nicht wie lange und ob schon zu Mubaraks Zeiten) wird das G 36 eingesetzt. Das G 3 ist noch weiter verbreitet. Und Du hast Recht, wenn Du darauf hinweist, daß nicht nur die Union solche Lieferungen durchgehen ließ. Aber wärst Du weniger entsetzt, wenn eine liberale, nichtislamische Regierung in Ägypten oder der Türkei oder sonstwo am Kirchenbauverbot festhalten würde? Die AKP ist ja auch nicht schon immer an der Macht in der Türkei. Und die Muslimbrüder erst seit kurzem in Ägypten…

Was ursprünglich meine Aussage war, war ja, daß auf die jeweilige Religion bezogene Parteien recht einfach haben, an die Macht zu kommen, egal wie sehr ihr Programm mit der Religion in Einklang zu bringen ist. Bei der CDU ist dieser Effekt fast nicht mehr da, und es gibt auch keine Pfarrer mehr, die zur Wahl der Union aufrufen in den Gottesdiensten an den Wahlsonntagen (jedenfalls hoffe ich das). Aber so lange ist das nicht her. Und daß die Menschen in den islamischen Ländern dann islamische Parteien wählen, sollte weniger verwunderlich sein.
Ein anderes Problem ist die Verbreitung antichristlicher Resentiments dort. Aber auch bei uns war bis vor kurzem auch antisemitisches Gedankengut sehr verbreitet, und ist es wohl unter der Oberfläche noch. Auch hier miene ich, können wir kaum Vorwürfe erheben. Ich rechne damit, daß die Gesellschaften in den islamischen Ländern sich entwickeln werden. Bis dahin müssen wir versuchen, die liberalen Kräfte dort zu stärken.

Die Frage kann also statt „Heutige Verhältnisse ohne Aufklärung“ auch lauten „Hätte es ohne Christentum die Aufklärung gegeben“?

Ich bin ja ganz nah bei Dir. Trotdem wirken die meinetwegen durch die Aufklärung säkularisierten Gedanken weiter, auch in islamischen Ländern. Und auch aus Japan wurde eine Demokratie mit Menschenrechten, auch mit einer deutlich geringeren Christenrate als Ägypten heute.

Viele wissen nicht um seine dunklen Züge in der Vergangenheit.

Auskennen tu ich mich da auch nicht sonderlich. Aber das Beispiel Bhutan zeigt, daß auch buddhistische Regierungen intolerant sein können, was die Religionsfreiheit angeht…

Und trotzdem gelingt es recht gut, Menschen der buddhistischen Kulturkreise MIT ihrer Religion zu integrieren, ohne dass Botschaften brennen, sobald Buddha karrikiert wird. Auch ohne Tempel mit vergoldeter Pagodenform. Und ohne Aufklärung.

Liegt das nun an Buddhisten und Muslimen, oder legt es an uns und daran, daß Gere eben Buddhist ist und nicht Muslim? Und daß der aktuelle Dalai Lama sympathischer rüberkommt als Bin Laden?

Das ist ein recht einseitiges Urteil. Die „Kriegsschuldfrage“ kann nicht einseitig Deutschland zugeschoben werden, auch nicht allein Kaiser Wilhelm II.

Geschenkt. Österreich, Rußland und Serbien waren, mein ich, auch Monarchien.
Aber Du hast Recht. Deutschland damals die Demokratie aufzuzwingen war so falsch wie es heute falsch ist, das Gleiche bei Afghanistan und Irak zu tun. Oder es von den Palästinensern zu verlangen. Ohne freiheitliche Rechtsstaatlichkeit wird die Demokratie zur Mehrheitsdiktatur. (das ist es ja gerade, was ich am Minarettverbot kritisiere)

Würden die Europäer dafür sorgen, dass auch die säkularen und christlichen Kräfte diese Optionen haben (und auch nutzen!) würde diese, konstant verfolgt, für einen Ausgleich sorgen.

Quasi: Bessere Demokrietie durch Caritas und Diakonie? Könnte funktionieren. Das Problem ist ja vor allem, daß es überhaupt eine Notwendigkeit für die sozialen Betätigungen gab und gibt. So lange man nix zu essen hat, interessiert es nicht sonderlich, ob da oben ein König, Präsident oder Diktator sitzt. Mn hat wichtigere Probleme…

Die Menschen zu überzeugen gelingt vor allem durch Liebe und Zuwendung.

Hier sind wir wieder auf einer Linie.

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Ich hab Recht!

Man begegnet ja Vielem. Vor allem wenn man mit Atheisten über Religion spricht. Das kann sehr fruchtbar werden, wenn wirklich ein Gespräch entsteht. Es kann aber auch einfach nur nerven, wenn durch die Äußerungen des Gegenübers jedes Gespräch unterbunden wird.

Ich rede von Äußerungen wie dieser:

Der christliche Judenhass, der zu Millionen Morden fuehrte, ist nicht eine Folge vereinzelten „Missbrauchs“ des Christentums, sondern gehoerte seit den ersten schriftlichen Zeugnissen bis in die juengste deutsche Vergangenheit zu seinen Kernelementen – bei beiden Kirchen.

Was will man auf so etwas entgegnen? Hier wird ein vermeindliches Faktum vorgestellt. Kein einzelnes Argument wird genannt, sämtliche möglichen Argumente werden als bekannt vorausgesetzt und zusammengefasst. Pickt man sich nun ein mögliches Argument heraus und widerlegt es, hat der Gesprächspartner gleich zwei Möglichkeiten zu erwidern:

Das hab ich nicht gesagt.

Stimmt, er hat eigentlich gar nichts gesagt. Oder:

Auch wenn dieser Einzelfall ein anderes Bild abgibt, so stehen dagegen doch all die anderen Fälle.

Wohlgemerkt, die Fälle werden nicht genannt. So kann man sich auf der mathematischen Gewissheit ausruhen, daß, egal wie viele Fälle man herauspickt, die Gegenbeispiele immer unendlich sind, und daß auch bei 10.000 herausgepickten Gegenbeispielen ∞ immer noch mehr ist als das endliche 10.000.

Das Problem ist, daß der Text keine Aussage enthält, sondern nur Meinung ausdrückt. Und gegen Meinung läßt sich nicht argumentieren. Er ist immunisiert gegen jegliche Kritik, weil er nicht argumentiert für eine Ansicht, sondern eine Ansicht als allgemein anerkannt suggeriert. Vielleicht ist diese Meinung ach allgemein, oder zumindest breit, anerkannt. Gegenüber einem solchen Text hat man dahingehend jedoch nur zwei Möglichkeiten:

  1. Man stimmt dem zu.
  2. Man lehnt ihn ab.

Ablehnen bedeutet erst einmal, anderer Meinung zu sein was den Zusammenhang von Ursache A1 und Auswirkung B angeht. Das kann dann aber ganz anders gedreht werden, nämlich in der Art, daß man Auswirkung B (etwa millionenfacher Mord, Kindesmißbrauch etc) relativieren wolle (nein, man hat bloß den Zusammenhang mit Ursache A1 in Frage gestellt) oder daß man alle Ursachen A2-X, die tatsächlich zu Auswirkung B führen, gut heißen würde und deshalb den Zusammenhang negiert (das geht dann nach dem Muster: Du bist doch auch einer von denen; A1 und alle A¬1 werden dabei einfach zusammengeworfen).

Es hat dabei auch kaum einen Zweck, auf eine Differenzierung der verschiedenen AX hinzuweisen, der Vorwurf der Haarspalterei ist so gut wie sicher.

Mein Problem bei der Sache ist, daß ich meinen Gesprächspartnern meist unterstelle, daß sie sich enrsthaft auseinandersetzen wollen und vielleicht unbewußt solche unangreifbaren Formlierungen bentzen. Ich versuche dann, sie darauf hinzuweisen, greif auch mal zur Illustration ein Beipspiel raus, das in eine andere Richtung zeigt. nd bin dann meist wieder in den genannten Ablauf gekommen, der letztlich zu nichts führt.