Kirche & Web 2.0, Technik, Theologie

Virtuelle Gemeinden? Tapfer sündigen im Internet?

Das Vikariat und die Vorbereitung zum ÖKT in Speyer fordern mich ein wenig, deshalb bin ich schon lange nicht mehr zum bloggen gekommen. Und beinahe hätte ich zwei interessante Artikel von Ralpe Reimann verpasst, die ich hier jetzt gerne aufgreifen möchte. Und das möchte ich gerne in umgekehrter Reihenfolge tun:

In zweiten Artikel „Eine virtuelle Kirche gibt es nicht, aber Online-Gemeinden schon“ reflektiert Ralpe die Frage, ob und inwieweit es Gemeinden online geben kann. Interessant finde ich, wie sehr die Konfessionalität hier eine Rolle spielt, was man dann auch in den Kommentaren sehen kann: Für die Lutheraner ist CA VII bindend, damit braucht Kirche neben der Wortverkündigug auch Sakramente und die gehen online nicht, also kann es keine Online-Gemeinden geben. Jedenfalls nicht für Lutheraner. Ralpe weist darauf hin, daß andere Konfessionen „Kirche“ anders definieren, aber das hilft den Lutheranern nicht. Und auch die Auslegung, dass es sich bei CA VII nicht um Ausschlußkriterien handelt, überzeugt offenbar nicht alle.

In der Pfalz werden wir ja nicht auf eine Bekenntnisschrift ordiniert, sondern allein auf die Heilige Schrift, was es mir immer etwas schwierig macht, diesen Konfessionalismus (ich meine das jetzt nicht abwertend) zu verstehen – ich mußte mich nie so existenziell mit den Bekenntnisschriften auseinandersetzen.

Von daher sind diese Diskussionen für mich dann immer auch etwas befremdlich, aber ich denke, sie führen auch am Wesentlichen vorbei. Denn Ralpe schreibt ja schon, daß die „Online-Gemeinden“ nicht in Konkurrenz zur Ortsgemeinde treten sollen. So wie es auch Gebetskreise, Diakonie und Seelsorge nicht sind.

Ich erinnerte mich beim Lesen an eine Schrift von Luther: „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“. Darin schreibt Luther (zitiert nach Projekt Gutenberg, was andres hab ich grad nicht zur Hand):

Und damit ichs noch klarer sage: wenn ein Häuflein frommer Christenlaien gefangen und in eine Wüstenei gesetzt würden, die nicht einen von einem Bischof geweihten Priester bei sich hätten, und würden allda der Sache eins, erwählten einen unter sich, er wäre verheiratet oder nicht, und beföhlen ihm das Amt: zu taufen, Messe zu halten, zu absolvieren und zu predigen, der wäre wahrhaftig ein Priester, als ob ihn alle Bischöfe und Päpste geweiht hätten. Daher kommts, daß in der Not ein jeglicher taufen und absolvieren kann, was nicht möglich wäre, wenn wir nicht alle Priester wären.

Luther geht es hierin um die Feststellung der Priesterschaft aller Gläubigen, aber ich denke, man kann die dargestellte Situation vielleicht doch übertragen. Ich denke an Länder, wo das Internet zwar verbreitet, das christliche Bekenntnis aber eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann, wo vielleicht einzelne Christen im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit vorneinander weg wohnen. Sicher werden sich die Glaubensgeschwister am Liebsten an einem gemeinsamen Ort in der Kohlenstoffwelt Gottesdienst feiern wollen, aber sie sind dazu womöglich nicht immer in der Lage. Hier ergeben „Online-Gemeinden“, welchen dogmatischen Status man ihnen auch immer geben mag, durchaus Sinn, auch wenn die Ortsgemeinde das Ziel ist. Ich glaube übrigens nicht, daß es Menschen gibt, die die Online-Gemeinde der Ortsgemeinde tatsächlich vorziehen würden, genausowenig wie es bei Verkündigung und Sakramentenverwaltung zum Chaos gekommen ist. Auch wenn alle es vom Prinzip her können bzw. dürfen, berufen die Kirchen trotzdem bestimmte Menschen dazu, dies auch zu tun.

Aber wie gesagt, ich finde die Diskussion ist viel zu wichtig, als sie nur dogmatisch zu führen um den jeweiligen Status, dem man dem, was da passiert, geben kann. Viel wichtiger finde ich, zu überlegen, wo die Chancen der „Online-Gemeinden“ liegen können.

Heiko Kuschel hat gerade von der Verscheibung der Gottesdienstzeit geschrieben. In dem Artikel geht er der Frage nach, ob eine Verschiebung des Zeitpunktes des sonntäglichen Gottesdienstes die Besucherzahlen steigen lassen können würde. Er ist da, wie ich ihn verstehe, skeptisch, und ich stimme ihm da zu.

Der „normale“ Gottesdienst am Sonntag morgen ist nicht sonderlich gut besucht, Sondergottesdienste dagegen, ob nun für Familien, für Biker, für einsame Herzen etc erfreuen sich offenbar größerer Beliebtheit. Da fühlen sich die Menschen offenbar angesprochen, oder sind zumindest neugierig. Man kann aber nicht nur noch Sondergottesdienste anbieten. Damit würde man statt einer Gemeinde von ganz verschiedenen Menschen plötzlich ganz viele Gemeinden mit recht einheitlichen Menschen, die alle ein Hobby teilen oder in einer ähnlichen Situation sind, haben. Das ist erstens für den Pfarrer viel Arbeit und hat zweitens auch nicht viel mit dem EINEN Leib zu tun, der wir doch sind…

Meine Vermutung wäre, daß „Online-Gemeinden“ (oder allgemein Online Aktivitäten von Kirchenmenschen oder Christen allgemein) ebenso wie Zielgruppengottesdienste niedrigschwellige Angebote sein können, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

Die Parochialstruktur ist eigentlich eine geniale Sache, denn so haben wir an jedem Platz in Deutschland eine ganz klare Zuordnung, welcher Pfarrer in erster Linie zuständig ist. Wenn es online also um etwas geht, was eine lokale Gemeinde braucht, kann sofort nchgesehen werden, in wessen Zuständigkeit das fällt. Andererseits denken die Menschen nicht (mehr?) parochial. Ich sehe das bei mir selbst auch. Ich war in der Zeit meines Studiums der Gemeinde meines Heimatortes viel näher verbunden als den Gemeinden an den Studienorten. Trotzdem bin ich natürlich nicht jeden Sonntag quer durch Deutschland gefahren zum Gottesdienst. Den Gottesdienst habe ich dort besucht, wo ich gewohnt habe, Kontakte und christlichen Austausch habe ich aber in vielen Fällen, neben den Kommilitonen – als Theologiestudent ist man da vielleicht auch im Vorteil – über das Internet mit ganz verschiedenen Christen aus ganz verschiedenen Hintergründen und Ländern gehabt.

Ich denke also, man kann viel online machen, kann dort einen Teil seines spirituellen Lebens ausleben und trotzdem (oder gerade dann) in die Ortsgemeinden gehen und dort auch mitmachen. Ich denke, in Zukunft sind, auch wenn man mal so ein böses Wort wie Mission in den Mund nimmt, beide Strukturen wichtig, wobei meine Vermuntung ist, daß in der Parochie eine wichtige Rolle spielt, daß die Struktur da ist, während online die Privatperson wichtig wird. Ich spreche nicht mit jedem im Netz über mienen Glauben, aber der Pfarrer, der in meiner Ortsgemeinde predigt, ist erst einmal der Pfarrer, und das nehme ich auch so hin, egal, was ich sonst von ihm halte…

Jetzt hat Ralpe ja noch einen ersten Artikel vor dem jetzt lange ausgewälzten zweiten Artikel geschrieben: Sündige kräftig im #Neuland!

Ich habe mich ja vor Jahren schon von Facebook und Twitter zurückgezogen, weil ich einfach meine Daten dort nicht liegen haben wollte, deshalb bin ich beim Lesen des Artikels an der Aufforderung hängen geblieben, gerade dort hin zu gehen:

Wenn wir im Rheinland schwierige Fragen zu klären haben, zitieren wir gerne die Barmer Theologische Erklärung. These III der Barmer Theologischen Erklärung verortet die Kirche „mit ihrer Botschaft … mitten in der Welt der Sünde“, These VI bestimmt den Auftrag der Kirche darin, „an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Volkskirche so verstanden, koppelt den Auftrag der Glaubenskommunikation daran, an alle Menschen gewiesen zu sein.

Dabei dürfen und müssen wir uns als Kirche auch in Netzwerke begeben, die uns nicht gefallen, um die Menschen zu erreichen, denen diese Netzwerke gefallen. Das heißt für mich: Auch wenn Facebook in der Welt der Sünde ist, hindert mich nichts, dort das Evangelium zu verkünden. Das schulden wir nämlich allem Volk. Wenn über 30 Millionen Deutsche auf Facebook kommunizieren, dann richten wir auch dort das Evangelium aus. Täten wir das nicht, zögen wir uns aus der sündigen Welt zurück und flüchteten uns ins Weltfremde hinter Kirchenmauern. Das aber ist nicht mein Bild von evangelischer Kirche. Bei aller Kritik an Facebook & Co: wir sind – so sehe ich das – von Gott auch in solche Netzwerke gestellt.

(Hervorhebung von mir)

Ich denke, Ralpe hat hier Recht und ich überlege, ob ich mich wieder bei Facebook und Twitter anmelden sollte, zögere aber. Immerhin hbe ich ein Red Matrix Konto und bin dort durchaus als Christ zu erkennen. Und in diese Ecke der Welt gehen wahrscheinlich noch weniger Kirchenleute als zu Facebook oder Twitter…

Was mir dabei wichtig ist: Ich kann zu Facebook und Twitter gehen, um dort die Menschen zu erreichen. Aber ich würde (wahrscheinlich vor allem wegen meiner Ablehnung dieser Dienste, aber die ist ja nicht unbegründet) ein großes Fragezeichen setzen wenn es darum geht, sich dort einzurichten (Macht euch nicht gemein mit der Welt un so…).

Ralpe spricht es an, der Datenschutz dort ist ein Problem und man sollte sich nicht den Anschein geben, als sähe man das nicht so oder wisse nicht darum. Krass ausgedrückt: Wenn man als Seelsorger auf St. Pauli auch mal in die Bordelle geht, um sich der Damen dort anzunehmen, muß man noch lange kein Kunde werden…

Deshalb denke ich, ist es wichtig, daß die Kirche sich hier auch engagiert und auf freie Alternativen aufmerksam macht oder zumindest zum Problembewußtsein beiträgt (das Thema hatte früher schon einmal).

Wie man den Spagat zwischen Verkündigen bei Facebook und Twitter und dem Nichteinrichten dort schaffen kann, ist mir noch nicht ganz klar. Nach der Lektüre von Ralpes Artikel würde ich es zumindest nicht ganz ausschließen, dort (wieder) aktiv zu werden – beruflich (und das ist dann wohl der Knackpunkt der das Nichtgelingen besiegelt). Konfirmandenarbeit oder ähnliches (vor ein paar Wochen hörte ich von einem Presbyterium, das sich per What’sApp abstimmt) würde ich aber wahrscheinlich, wenn überhaupt online unterstützt, nur über Dienste laufen lassen, die entweder von der Kirche oder von mir selbst gehostet werden (bzw wenn die Teilnehmer anderen Servern vertrauen und das Netzwerk Federation unterstützt, ist das auch okay).

Kirche, Kirche & Web 2.0

Kirche und Computer – ein Diskussionsbeitrag

Ich habe ja schon vor Jahren damit angefangen, mir Gedanken zu machen zum Umgang der Kirche mit den Möglichkeiten im Internet oder Computern allgemein (auf dem alten Blog gab es dafür ne eigene Kategorie, zu dem auch Mitautor bonifatz schrieb – auf dem neuen Blog ging das Thema etwas unter, außer zwei Artikeln zu Alexander Ebel’s Idee mit dem gemeinsamen Predigterstellen per Etherpad und einer Frage nach Telefongottesdiensten fand ich nix, aber ich weiß, daß Nordlicht sich in die Richtung Gedanken macht, vielleicht kommt da ja auch bald was ;)).

Wie gesagt hab ich mich lange nicht mehr mit der Thematik befaßt, bin aber nun auf Mitredner Güntzels Artikel Kirche und Computer gestoßen, in dem er ein paar Thesen aufstellt, zu denen ich gerne auch ein paar Gedanken loswerden möchte.

These 1: Kirche sollte bei Betriebssystem und Software auf Linux und Open Source setzen, weil diese per se dem Organisationsbild von Kirche entsprechen.

Ich finde die Formulierung etwas ungeschickt, denn man müßte erst erklären, wieso das (derzeitige?) Organisationsbild der Kirche mehr ist als eben eine weltliche Form für eine überweltliche Gemeinschaft. Müssen katholische Bistümer dann auf Windows setzen, weil sie hierarchischer organisiert sind? Wohl kaum!

Güntzel nennt dann aber weitere Faktoren, die in der These nicht explizit genannt werden: Open Source muß keinen Shareholder Value erzeugen, ist weniger anfällig für Schadsoftware, ist in Datenschutz und Sicherheit vorne, außerdem sei Open Source Software mittlerweile ebenso leicht zu bedienen und ebenso zuverlässig.

Außerdem seien die Kosten geringer.

Die Kosten sind IMHO sicher ein Argument, wobei man sich klarmachen muß, daß die Schulung der Mitarbeiter erst einmal geleistet (und bezahlt) werden muß. Es läuft eben nicht alles wie bei Windows. Außerdem ist es sicherlich ein Vorteil, daß Open Source Software keinen Gewinn abwerfen muß und deshalb auch Datenschutz und Privatsphäre ernst nehmen kann. Man sollte jedoch vorsichtig sein, Open Source Software als per se sicherer oder besser als kommerzielle Software zu bezeichnen, es kommt immer darauf an, was man will (dies einzuräumen gebietet die Ehrlichkeit, außerdem beugt es Enttäuschungen in der Einführungsphase vor).

Ich bin durchaus auch der Meinung, daß Linux und freie Software allgemein kommerzieller Software eher vorzuziehen ist, aber man muß genau hinsehen, was man tut. Ich hörte davon, daß einige Kirchen SAP R3 eingeführt haben, ein umfangreiches Programm, das es nach meinem Wissen nur für Windows gibt. Das innerhalb von ein paar Jahren wieder abzuschaffen wäre sicherlich nicht weise.

These 2: Kirche sollte die Open Source-Bewegung und ihre Ziele der Standardisierung und des Schutzes der Privatsphäre aktiv unterstützen.

Güntzel schreibt:

Das Ziel der Open Source-Bewegung, allen Menschen die Möglichkeit zur Kommunikation über das Internet zu geben und dazu Mittel in Form von Betriebssystem und Software unentgeltlich bereit zu stellen, berührt sich mit dem der Kirche, das Evangelium aller Welt zu verkündigen. Die Sozialen Medien lassen sich dazu in besonderer Weise nutzen und werden bereits erfolgreich zur Verkündigung genutzt. Anders als die (notwendigerweise) auf Gewinn ausgerichteten Softwarefirmen wird die Open Source-Bewegung von idealistischen Motiven geleitet. Dennoch ist sie von finanzieller Unterstützung abhängig. Statt Geld in teuere Betriebssysteme und deren Support zu investieren, sollte Kirche in die Open Source-Bewegung investieren.

Hier werden zwei Dinge durcheinandergeworfen: Computer und Internet. Es gibt Software, die die Kommunikation über das Internet ermöglicht oder erleichtert, und solche, die das Internet gar nicht oder kaum auf dem Schirm hat, weil sie eben für lokale Zwecke gemacht ist. Und ja, es gibt Leute, die Software zur Kommunikation übers Internet herstellen und solche, die übers Internet kommunizieren wollen. Nur sind zum Beispiel gerade die genannten sozialen Netzwerke (vor allem die bekannten Nezte wie Facebook oder Twitter, freie Alternativen wie die Red Matrix sind kaum bekannt und werden entsprechend spärlich genutzt) weder Open Source noch besonders vertrauenswürdig, was den Datenschutz und die Privatsphäre angeht.

Trotzdem stimmt es natürlich, daß die Kirchen es durchaus gut theologisch begründen könnten, wenn sie der Open Source Bewegung finanzielle und vielleicht auch personelle Unterstützung zukommen lassen würden (das kann man weiterspinnen bis zum Betreiben von Freifunk Netzen über die Kirchtürme).

Das geht natürlich besonders gut, wenn man selbst Teil der Bewegung wird und im eigenen Hause eigene Lösungen entwickeln läßt.

Ob die Kirchen sich nun positionieren sollten bei der Frage, welcher Standard nun der bessere ist, da habe ich großen Zweifel. IMHO kann ein kirchlicher IT Mitarbeiter durchaus seine Meinung sagen – als Fachmann, aber ob sich jetzt ein Kirchenpräsident für das Open Document Format aussprechen sollte oder überhaupt könnte…? Woher sollte er die Fachkenntnis haben, welches Format wirklich das bessere ist?

Mehr Verschlüsselung in der kirchlichen Mediennutzung wäre sicherlich nicht verkehrt.

These 3: Die Beauftragung und Entwicklung von kirchlicher Verwaltungssoftware sollte nicht Sache der Landeskirchen sein, sondern gehört auf EKD-Ebene.

Ganz ehrlich: Bin ich kein Freund von. Ganz einfach weil ich den Eindruck habe, daß je größer das System ist, desto größer wird der Overhead und desto weniger wird tatsächlich erreicht. Gerade beim Entwickeln von spezieller Software ist es wahrschienlich nicht leicht, von kommerziell auf frei umzustellen, weil es auf einmal einen sehr großen Aufwand bedeuten würde. Etwaige landeskirchliche oder bundeslandspezifische Details zu berücksichtigen bedeutet noch einmal mehr Aufwand, vor allem wenn gleichzeitig 16 Bundesländer und 20 Landeskirchen abgedeckt werden sollen. Langfristig wäre es sicher schön zu sehen, wenn Entwicklung in den Landeskirchen stattfindet als Open Source Software, so daß auch Freiwillige mitarbeiten können (und so  ihren Kirchensteuersatz reduzieren (?) und andere Kirchen – womöglich auch anderswo in der Welt, davon profitieren können). Dann entwickelt vielleicht Bremen die Mitgliederverwaltung, Lippe das elektronische Gesangbuch, Württemberg die Finanzverwaltung und die EKiR kümmert sich um Datenschutz und Sicherheit… jeder wie er will und kann, vielleicht konkurrieren auch verschiedene Systeme miteinander die in verschiedenen Landeskirchen entwickelt werden. Ich sehe daher keine Notwendigkeit, hier auf EKD Ebene etwas einzurichten. Grundsätzlich sollte man in der IT ja single points of failure vermeiden…

These 4: Wenn Kirche Computer und Internet will, muss sie auch den Preis dafür bezahlen.

Hier schreibt Güntzel einerseits, daß es nicht angehen kann, daß Pfarrerinnen und Pfarrer sich in ihrer Freizeit ums Einrichten ihrer IT kümmern, die sie zum Arbeiten brauchen. Da ich selbst kein Pfarrer bin, kenne ich die Wirklichkeit hier nicht, aber wenn es so ist, hat er Recht (wobei Pfarrer ja Beamte sind und als solche immer im Dienst, aber irgendwann muß man auch frei haben).

Dann schreibt er über Admins auf Kirchenkreis- oder Sprengelebene als Alternative dazu, externe Dienstleister zu beauftragen. Das kann je nach Aufwand der technischen Instandhaltung sicher sinnvoll sein. Vor allem, wenn es darum geht, das System Kirche zu kennen und den Softwareentwicklern Rückmeldung zu geben, kann das durchaus sinnvoll sein. Es kommt darauf an, wie viel Hilfestellung in den Pfarreien benötigt wird. Ab einer gewissen Menge an Hilfeanfragen kann es sicher besser sein, das im Haus zu erledigen. Der Datenschutz kann dafür sprechen, wenn potentiell persönliche Daten nur von kirchlichen Mitarbeitern gesehen werden, nicht aber von externen Dienstleistern. Wobei man gerade hier darüber nachdenken sollte, wie das mit dem root bei Linux ist und welche Macht man damit den Administratoren in die Hand gibt über die Daten der Menschen, die sich an die Pfarrer wenden, das nur nebenbei.

These 5: Die Speicherung und Sicherung von Daten sollte nicht Sache der Kirchengemeinde, sondern der übergeordneten Struktur (Kirchenkreis bzw. Landeskirche) sein.

Auch hier bin ich eher skeptisch. Es kommt natrülich darauf an, welche Daten es sind, wie vertraulich sie sind etc. Sicher sinnvoll ist es, Richtlinien zu haben, wie persönliche von dienstlichen Daten getrennt werden und wie damit nach einem Stellenwechsel umzugehen ist. Vom ersten Gefühl her würde ich eher denken, ein Pfarrer sollte etwa Seelsorgedaten eher vernichten, als sie dem nächsten Kollegen zu übergeben, zu dem der Seelsorgesuchende gar keine Beziehung und (noch?) kein Vertrauen aufgebaut hat. Wenn es um Daten zu Verwaltungsfragen geht, sieht das natürlich anders aus.

Die Ablage der Daten bei der Landeskirche birgt natürlich die Gefahr, daß die Daten dort potentiell auch von nichtbeteiligten Personen eingesehen werden könnten. Man denke an die Administratoren, die das root Passwort haben und den Verschlüsslungsmechanismus kennen! Daher denke ich, daß manche Daten besser direkt auf dem Dienstrechner der Pfarrer aufgehoben sind, soweit sie niemand anderen etwas angehen. Für öffentlichere Daten zur Verwaltung etc ist es sicherlich sinnvoll, diese zentral zu sammeln, wo die Datensicherheit (Spiegelung!) gewährleistet werden kann und eine klare Struktur eingehalten wird, so daß andere Personen gleich die nötogen Unterlagen finden können. Das könnte man dann sogar in einem EKD-eigenen Rechenzentrum unterbringen, in dem Zusammenhang hielte ich das für sinnvoll.

These 6: Computer, Internet und Social Media sind nicht nur technische Entwicklungen, sondern beinhalten gesellschaftliche Veränderungen und haben Auswirkungen auf unser Leben, mit denen Kirche sich auskennen und zu denen sie sich verhalten muss.

Hier stimme ich vollkommen zu, gebe aber auch zu Bedenken, daß vieles schon passiert. Manche Kirchen haben Social Media Guidelines herausgegeben, es gibt offizielle Landeskirchenblogs, in der EKiR bloggt gar der Präses und sogar in der praktischen Theologie findet man erste Aufsätze zu Teilgebieten. Die Kirche braucht halt immer ein bißchen länger…

Gesellschaft

Der gemeine Deutsche

Denk ich an Deutschland in der Nacht…

In der Nacht bin ich aufgewacht, naja, es war halt noch dunkel draußen, aber um 7 kann man schon aufstehen, und da der Wecker ein Radiowecker ist, kamen auch gleich die Nachrichten. Die tägliche Demotivation vorm Aufstehen oder so…

Jedenfalls wurde ich darüber informiert, daß der Deutschen wichtigestes Problem zur Zeit die Zuwanderung ist (nachzulesen ist dat Janze auch hier nochmal, das ZDF verlink ich jetzt nicht, weil die müssen ja irgendwann depublizieren).

Die ganze Problemlage um Datenschutz und Sammellust der Geheimdienste ist weniger ein Problem (und das, obwohl doch das Handy der lieben Angie abgehört wurde! Ist das der Anfang vom Ende der Beliebtheit? Es wird wohl ein langes Ende sein – beliebteste Politikerin ist sie immer noch, die Zustimmung ist sogar gestiegen).

Ganz ehrlich: Ich verstehe meine Landsleute nicht. Ich mein das mit der Zustimmung zu Angie schon gar nicht. Hat die in den letzten 9 Jahren was produktiv gemacht? Also außer hohle Phrasen gedroschen? Bei Schröder war wenigstns alles Chefsache und man wußte: Hartz IV, da ist der Gerd schuld dran. Auch wenn es nicht gut war, er hat wenigstens was getan! Bei Angie könnte ich da nichts benennen, was ihr (und nicht irgend einem Fachminister) zugesprochen werden könnte. Außer vielleicht die klare Zustimmung zu Stuttgart 21, aber das ist ja auch schon wieder vergessen, und das mit der Gewalt gegen die Demonstranten, das waren wieder andere…

Darum geht es mir gar nicht.

Mir geht es um die Zuwanderung. Ich meine: Echt jetzt? Wir sind das so ziemlich reichste Land der EU, das dank Niedriglohnsektor und Zurückhaltung der Gewerkschaften etc im europäischen Vergleich recht gut dasteht, und da wundert man sich, daß da Leute kommen? Und dann soll das auch noch ein Problem sein? Ich mein, gut, wenn die Städter zu uns aufs Dorf ziehen und erst mal Gerichtsverfahren anstrengen um Nachbars Hahn vorzuschreiben, ab wann in Deutschland gekräht werden darf, dann würd ich die Grenzen auch gerne dicht machen, aber es geht denen ja nicht um Zuwanderung aus der Nachbarstadt…

Mal im Ernst: Gab es nicht ne wahnsinnige Panikmache damals, Anno 2004 bei der großen Osterweiterung der EU? Hieß es nicht, wenn die Freizüggigkeit kommt, werden uns Polen, Tschechen und wie sie alle heißen überfluten, uns die Jobs nehmen und was uns sonst noch bleibt, klauen? Ist das eingetreten? Ich aknn jedenfalls nichts davon erkennen, aber es ist ja auch schon 10 Jahre her und an die Panikmache erinnert sich auch keiner mehr. Aber jetzt ist alles noch viel schlimmer, weil Bulgaren und Rumänen, das ist ja noch viel schlimmer als Polen und Tschechen! Warum? Das weiß ich auch nicht, ist aber sicher so, weil es ist ja ein großes Problem, wenn die hierher ziehen.

Komisch finde ich ja, daß diejenigen, die diese Ängste haben, meist überhaupt nicht die Ängste eben jener Polen oder sonstigen östlichen Mitbürger verstehen können, was den Grundstückserwerb von Deutschen in ihren Ländern angeht… jaaa, vor uns Deutschen muß man ja keine Angst haben! Wann haben wir schon mal Probleme gemacht in der Welt…? Ach so… da war doch was…

Derweil die Geheimdienste, was ist dabei schon das Problem? Wer nix zu verbergen hat, muß doch keine Angst haben, nicht wahr? Außerdem sind die ja nur hinter den Terroristen her. Und Terroristen, das sind ja die Bösen. Oder nicht?

Nun ja, mag man einwenden, wer Böse ist, liegt im Auge des Betrachters. Nur weil wir in Deutschland die Angie mögen (also nicht alle, ich nicht, aber mehrheitlich halt) mögen die Griechen (also auch mehrheitlich, glaub ich, zumindest das, was man in den Medien so mitkriegt, aber wer weiß schon wie repräsentativ das ist?) sie noch lange nicht. Ist sie nun eine Terroristin? Das würde vielleicht erklären, wieso ihr Handy abgehört…? Arbeiten bei der NSA eigentlich auch griechischstämmige Amerikaner?

Was tun wir eigentlich, wenn wir morgen die Terroristen sind? Jetzt im Ernst? Ich mein, ich hab ja nicht vor, irgendwelche Bomben zu legen, wieso auch? Mir geht es vergleichsweise gut, also etwa verglichen mit einem Angehörigen der Roma-Minderheit (vulgo „Zigeuner“) in Rumänien. Der will aber auch keine Bomben legen, sondern vielleicht nur in Deutschland nach ner Arbeit suchen, Steuern zahlen, sich integrieren… das was Zuwanderer halt so machen.

Aber was weiß ich, vielleicht findet irgend ein Geheimdienst ja mal „Hinweise“ darauf, daß ich Bomben bauen gewollt hätte – oder so. Und dann geht das ganz schnell, mit der nationalen Sicherheit, ich mein, sicher ist sicher, und die haben ja die Beweise, nur müssen sie sie nicht unbedingt rausrücken, weil nationale Sicherheit (oder hab ich zu viele amerikanische Filme gesehen? Nein, nur zu viel Westenhagen gehört, aber der ist ja auch Zuwanderer. Nach England. Ist der jetzt auch ein Terrorist?)…

Was also lernen wir aus dem Ganzen? Der gemeine Deutsche hat mehr Angst vor Zigeunern als davor, daß seine Bürgerrechte untergraben werden.

Sollte eigentlich nicht überraschen, Geschichte wiederholt sich ja angeblich. Allerdings stellt sich mir ne andere Frage:

 

Angenommen, ich hätte damals gelebt, was hätte ich gemacht?

Und was mach ich heute?

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Montag, den 9. Juli 2012

Alex schreibt über die Piratenpartei und die Probleme damit, daß die Strukturen nicht so schnell wachsen wie die Mitgliederzahlen.

Ameleo stellt die katholische Internetseelsorge vor. Da zieh ich natürlich nach und verlink mal eben die evangelische Chatseelsorge. 😉

Auch um Seelsorge geht es bei Ralpe. Genauer geht es um die Frage, ob man bei Facebook Seelsorge betreiben sollte.

Zoe hat bei Gehn-Test über ihre Lebenssituation in Ungarn geschrieben. Sie malt Bilder und verkaft die. Übrigens nimmt sie auch Auftragsarbeiten an, vielleicht ist einer von Euch ja Kunstinteressiert.

Die OP-Tisch Pilotin schreibt davon, was für ein guter „Stecher“ ihr Arzt ist und Knuuut schreibt über Abraham und neue Protokolle.

Zum Schluß hab ich noch zwei Sachen von Derek Flood: Einmal hat er ein tolles Video gepostet, und das andere Mal schreibt er über Kaugummi und wieso es bei Jesus NICHT darum geht, daß wir in die Hölle kommen, wenn wir den gestohlen haben und Jesus nicht als Erlöser angenommen haben, weil wir Gott wichtiger sind als Kaugummi.