Gesellschaft, Theologie

Von der Dummheit

Dietrich Bonhoeffer
Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurück läßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil wiedersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen, es ist sinnlos und gefährlich.Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen.Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauches, dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können.Aber es ist gerade auch hier ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fllen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen. In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was „das Volk“ eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch das Tröstliche für sich, daß sie ganz und garnicht zulassen, die Mehrheit der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW 8, S. 26-28.

Beim Lesen dieses Textes kommt es mir fast so vor, als habe Bonhoeffer in unsere Zeit gesprochen. Der Text begegnete mir in Auszügen heute auf Twitter und ich fand ihn so stark, daß ich in nachschlug und abgetippt habe.

Wenn Bonhoeffer Recht hat, dann müssen wir die Dummen unserer Tage nicht zu überzeugen suchen, weil das nicht geht, sondern wir müssen sie befreien helfen. Es stellt sich allerdings die Frage, durch was sie gefangen sind. Hier sollte man nicht zu schnell schießen. Wenn wir konstatieren, sie sind in ihrer Dummheit gefangen, dann bringen wir Ursache und Wirkung durcheinander. Wenn Bonhoeffer Recht hat, muß es eine andere Antowort auf die Frage geben, wer sie gefangen hält. Bonhoeffer spricht von der Maht der einen, die die Dummheit der anderen braucht. Welche Macht ist es, die heutzutage Menschen dumm hält, so da sie zu allem Bösen in der Lage sind?

Und ein ganz anderer, häretischer Gedanke: Wenn alle Macht auf der anderen Seite der Dummheit bedarf, wie ist es dann mit der Macht Gottes? Schließt sich hier der Kreis zur paulinischen Torheit des Kreuzes? Sind wir auch dumm? Müssen wir von Gott befreit werden? Dem hätte Bonhoeffer wohl nicht zugestimmt, aber der Vergleich von Torheit des Kreuzes und Dummheit, die Macht voraussetzt, scheint mir interessant zu sein.

Theologie

Predigtkommentar

Predigen ist eine gefährliche Sache. Viele Menschen hören einem zu und glauben das, was man sagt. Als Prediger hat man eine gewisse Autorität, manches wird ungeprüft geglaubt, weil es „der Herr Pfarrer“ sagt.

Es ist nicht verkehrt, sich das als Prediger bewußt zu machen und ich bin mir bewußt, daß auch ich in meinen Predigten immer wieder in diese Gefahr komme und in die Falle tappe. Ich bin, wie alle anderen Menschen auch, ein Sünder.

Christina machte mich in einem Kommentar auf diese Hörpredigt aufmerksam (leider habe ich keinen Link zum geschriebenen Text). Mein Eindruck ist, daß der Prediger gut auch gute Absichten haben kann, ich denke aber ebenso daß er seine Gemeinde verführt (und zwar schon durch die abwertenden Sprache, die er zum Teil benutzt, um die Flüchtlinge zu bezeichnen; es kommt mehrmals der Begriff „Horden“ etc).

Ich möchte diesen Blogartikel benutzen, um in brüderlicher Verbundenheit auf ein paar Probleme hizuweisen, die mir beim einmaligen Hören der Predigt (den Text vorliegen zu haben würde es mir hier freilich einfacher machen) aufgefallen sind. Am Ende muß sich freilich jeder selbst ein Bild machen, den vor Gott werden wir dereinst alleine stehen, ohne uns auf einen Papst oder Lieblingsprediger berufen zu können.

Ich habe mir beim Hören Notizen gemacht und werde darauf antworten. Das wird leider sehr bruchstückhaft sein. Ich möchte entscheidende Aussagen der Predigt überprüfen und mein jeweiliges Ergebnis vorstellen.

Der Prediger stimmt der Aussage zu, daß Christen alle Menschen lieben, fragt aber, ob dies bedeutet, daß wir alle Menschen in Deutschland aufnehmen müssen, die kommen. Darauf antwortet er mehrfach, zuerst mit einem Beispiel:

Ein Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche soll 200 Flüchtlinge aufnehmen, weil der Hausbesitzer sie alle liebt. Er stellt fest, daß die 200 Menschen zwar in das Haus hinein passen würden, daß es aber schnell zu Chaos führen würde, weil es doch zu wenig Platz zum Leben ist, und spätestens wenn weitere 500 Flüchtlinge ins Haus wollen, geht gar nichts mehr.

Das Beispiel ist sehr anschaulich, es ist nachvollziehbar, und es ist Quatsch. Nachvollziehbar ist es, weil es tatsächlich irgendwann dazu kommt, daß eine bestimmte Fläche zu viele Menschen beherbergen muß. Quatsch ist es, weil die Menge der Flüchtlinge pro m² in Deutschland nicht annähernd den Wert auch nur erreichen kann, der im Beispiel angenommen wird.

Wenn ein Haus 100m2 hat und darin 4 Personen (Papa, Mama, Sohn, Tochter) leben, dann hat jeder 25m². Wenn 200 Personen in dem Haus leben, sind das pro Person nur noch 1/2 m².

2013 standen in Deutschland pro Person im Durchschnitt 45m² zur Verfügung. Bei 80 Mio. Menschen. Um auf 1/2 m² wie im Beispiel mit dem Haus zu kommen, müßten 90 Mal (45:90=1/2) so viele Menschen hier wohnen, also 89 x 80 Mio. = 7,12 Mrd. Flüchtlinge hierher kommen. Das wäre fast die ganze Weltbevölkerung! So viele Menschen kommen sicherlich nicht, auch nicht in den nächsten 100 Jahren! Und es geht auch nur um den momentan (bzw. 2013) bestehenden Wohnraum. Wenn mehr Wohnungen gebaut werden bzw. leerstehende Wohnungen wieder genutzt werden, dann müßten noch mehr Menschen hierher kommen, um auf den 1/2 m² zu kommen, den der Prediger in seinem Beispiel bringt.

Ergebnis: Er übertreibt maßlos und provoziert damit Ängste. Zuletzt war die Rede von 1 Mio. Flüchtlingen pro Jahr. Sind wir einmal großzügig und gehen wir von 5 Mio Flüchtlingen pro Jahr in den nächsten 10 Jahren aus, dann wären das 50 Mio Flüchtlinge zusätzlich zu den 80 Mio. Einwohnern. Und gehen wir der Einfachkeit davon aus, daß niemand in der Zeit stirbt und keine neuen Wohnungen gebaut werden (was Unsinn ist, weil immer neue Wohnungen gebaut werden).

Dann hätten wir 130 Mio Menschen auf den 3,6 Mrd m² Wohnfläche (80 Mio. Einwohner x 45m² pro Einwohner 2013), das ergäbe dann 27,69m² pro Person. Imer noch mehr als in der „guten alten Zeit“ 1965, als jedem im Schnitt 22,3m² zur Verfügung standen.

Und es ist immer noch mehr als zur Verfügung steht, wenn in dem genannten Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche zwei Erwachsene mit zwei Kindern wohnen.

Das sollte deutlich zeigen, in welche unverantwortlicher Weise hier Ängste geschürt werden. Ja, die Flüchtlinge leben derzeit in den Heimen auf engem Raum und das führt zu Unruhe, mitunter auch zu Gewalt. Es wäre aber ein leichtes, hier einfach neue Ressourcen zu schaffen. Im Moment mag es überall knirschen, aber wenn es drauf ankommt können auch schnell neue Gebäude gebaut werden, man muß es nur wollen.

Der Prediger sagt, jeder denkende Christ müßte auch ohne Bibel sehen, daß der Zuzug Chaos bedeute und der Teufel sich ob des Chaos die Hände reibe. Nun, ich erinnere mich ohne Bibel daran, daß man das Böse mit Gutem überwinden soll und daß der Teufel und das Chaos nicht vor der Liebe bestehen werden. Zumal wir im Zweifel unser Kreuz auf uns nehmen und keine Angst haben sollen, auch wenn uns Leiden vorausgesagt sind.

Nun sagt der Prediger, daß die Nächsten- und Feindesliebe ja ganz toll sei, daß aber diese in den persönlichen Bereich gehöre, aber nicht in die Politik, sie gelte also nicht für den Staat resp. das ganze Volk.

Mich erinnert diese Unterscheidung ein wenig an die Eigengesetzlichkeit, die lutherische Theologen aufgrund der Zwei-Reiche-Lehre machen zu können meinten. Die ist liberale Theologie at its  best (und das in der Predigt eines freikirchlichen Predigers!) und hat uns im letzten Jahrhundert die theologische Rechtfertigung des NS Staates eingebracht – heute sollte klar erkennbar sein, daß es sich hier um eine Häresie handelt!

Mit dieser Differenzierung zwischen Politik und privatem Bereich, in dem alleine Feindes- und Nächstenliebe gelten soll kommt der Prediger dazu zu sagen, daß all die Forderungen von Liebe gegenüber Nächsten und Fremden nicht bedeuten, daß ein Volk Fremde aufnehmen solle.

Im NT habe die Gemeinde keine politische Macht gehabt, deshalb sei es auch immer um den persönlichen Breich gegangen und nicht um die Politik. Um die ginge es dagegen im AT.

Dem würde ich sogar zustimmen, das AT hat in viel größerem Maße auch die Staats- oder Gesellschaftsebene im Blick als das NT. Allerdings – und da begeht der Prediger den Kategorienfehler, den er anderen vorwirft – wird im AT eine Theokratie beschrieben, und kein moderner Rechtsstaat. Wie dieser funktioniert finden wir nicht direkt in der Bibel. Auch wie eine Demokratie funktioniert steht dort nicht geschrieben. Trotzdem macht er Rechtsstaat und Demokratie stark, als positive Gegenbeispiele zur Theokratie, die der Islam angeblich fordere. Nun, wenn man in die Bibel, speziell ins AT sieht, dann ist es dort eben auch die Theokratie und nicht die Demokratie, die gefordert wird.

Er gesteht zwar ein, daß man das AT nicht 1:1 übertragen könne, daß es aber doch Vorbildfunktion hätte. Allerdings würde ich anfügen, daß man dabei aufpassen muß, was man überträgt: Die Theokratie, die er offenbar auch nicht will (sonst würde er den Islam dafür kaum kritisieren können), oder die Forderungen Gottes, die auch für ein demokratisiertes Volk im Rechtsstaat gelten?

Mit Verweis auf Röm 13 (komischer Weise NT) und andere Bibelstellen hält er fest, daß der Staat dem Bösen nicht freien Raum lassen dürfe. Allerdings fordert das auch niemand. Keiner fordert, das staatliche Gewaltmonopol (das Schwer in Röm 13) abzuschaffen. Ein Flüchtling unterliegt den gleichen Gesetzen wie wir und für deren Einhaltung ist ebenso die Polizei zuständig. Falls dies nicht geschieht, ist das ein Grund, unsere Polizei besser auszustatten oder sie dazu anzuhalten, ihre Arbeit zu erledigen, es spricht aber nicht dagegen, Flüchtlinge aufzunehmen.

Der Prediger sagt, daß der Staat die Pflicht habe, sein Volk vor dem Bösen mit Gewalt zu schützen. Dem würde ich gr nicht einmal widersprechen. Allerdings frage ich mich da: Was ist das Böse? Sind das Menschen? Gab es da nicht einmal die Unterscheidung zwischen Person und Tat im Christentum: Liebe den Sünder, hasse die Sünde?

Die Flüchtlinge sind ja nicht per se böse. Womöglich gibt es Flüchtlinge, die Böses tun. Dafür ist die Polizei da, dafür trägt die Obrigkeit das Schwert, wie Paulus feststellt. Damit ist dann aber auch alles gesagt in der Sache.

Den Kern seiner Predigt machen die Passagen zur Unterscheidung von Fremdling und Fremder aus. Der Fremdling, nach dem Prediger ein Proselyt, hebr. als Ger bezeichnet, sei ein Mensch, der den jüdischen Glauben angenommen habe und folglich als Einheimischer, als „Jude mit Migrationshintergrund“ zu behandeln sei: Ohne Unterschied zu anderen Juden.

Der Fremde hingegen, der die Gebräuche des Landes nicht annehme, sei eher als Feind zu behandeln. Für ihn gelten auch diverse soziale Leistungen nicht. Zu diesem hielte Israel deutliche Distanz.

Zu den Begrifflichkeiten verweise ich einfach auf zwei Artikel im Wibilex:

Proselyten (AT)

Fremder (AT)

Das Problem hier ist, daß Israel im AT nicht nur eine religiöse Gemeinschaft wie die Kirche bezeichnet, sondern eben auch einen Staat, der theokratisch-monarchisch regiert wird.

Wenn wir die Theokratie nicht wollen, dann müssen wir alles aussondern, was theokratische Forderung ist. Und theokratisch sind vor allem die Forderungen nach Reinheit des Volkes vor anderen Religionen.

Die freiheitliche Demokratie, in der wir leben, kann keine Religionen ausschließen wie es die altisraelitische Theokratie konnte. Heute könnte niemand mehr auf staatlicher Ebene etwas dagegen sagen, daß Salomo seinen Frauen einen Götzentempel baut. Das sind heute Fragen der privaten Frömmigkeit, also des Bereichs, in dem laut dem Prediger auch Nächsten- und Feindesliebe gelten.

Die abweisende Haltung den Fremden gegenüber haben wir dabei durchaus auch: Wer keinen deutschen oder europäischen Paß hat, gilt hier als Ausländer und hat, wenn er nicht ein Aufenthaltsrecht hat, sehr wenige Rechte. Er kann hier Urlaub verbringen oder zu einem Geschäftstermin kommen, aber viel mehr geht nicht. Er darf hier nicht ohne weiteres wohnen und er darf nciht ohne weiteres eine Arbeit annehmen.

Von den Fremdlingen wurde im AT verlangt, daß sie die Bräuche der Israeliten annehmen – dafür wurde ihnen laut dem Prediger (im Wibilex liest sich das ein wenig anders) die volle Gleichstellung zugebilligt. Damals umfassten diese Bräuche auch die Religion.

Im freiheitlichen Rechtsstaat (und um den geht es ja bei uns, wir nehmen ja keine Flüchtlinge in die Gemeinschaft der Christen auf, wenn sie nicht getauft sind) gelten auch bestimmte Regeln, die eingefordert und per Poizei durchgesetzt werden. Nur werden keine religiösen Forderungen mehr gestellt, weil der freiheitliche Rechtsstaat weltanschaulich neutral ist, er kann also gar keine religiösen Forderungen stellen, sonst wäre er kein freiheitlicher Rechtsstaat mehr.

So gesehen entsprächen also die Flüchtlionge genau den Fremdlingen, denen nach dem prediger sämtliche Sozialleistungen zustehen würden. Trotzdem sin die Sozialleistungen, die Flüchtlingen zugestanden werden, deutlich geringer als das, was uns zur Verfügung steht. Sie stehen noch einmal deutlich untr Hartz IV Niveau, haben keine Krankenversicherung und dürfen oftmals nicht einmal den Landkreis verlassen…

Es spielt im freiheitlichen Rechtsstaat übrigens auch keine Rolle, ob seine Bürger diesen mögen, oder ihn umbauen wollen. Vielen wollen den Umbau, nicht nur „echte Muslime“, wie der Prediger meint. Der freiheitliche Rechtsstaat kann aber nicht Muslimen per se weniger Rechte geben, auch wenn diese ihn tatsächlich abschaffen wollten, denn das entspräche einer Diskriminierung aufgrund der Religion, was nach den Regeln des freiheitlichen Rechtsstaates nicht geht. Er wäre nur noch auf dem Papier ein freiheitlicher Rechtsstaat: Wie jemand, der sich zwar Christ nennt, aber lieber draufhaut, als die andere Wange hinzuhalten.

Der Prediger betont, daß Scharia und Grundgesetz nicht zusammenpassen würden und daß „echte Muslime“ nicht integriert werden könnten. Doch sind auch „echte Muslime“ nicht zwangsläufig immer Muslime, deshalb sollte man zwischen den Menschen und ihrer Religion zu unterscheiden wissen. Fällt die Religion weg, oder wird sie „unecht“ im Sinne des Predigers, geht das mit der Integration vielleicht doch…

Am Ende bringt der Prediger noch die Idee vor, daß das Gericht Gottes bedeuten würde, daß ein Volk preisgegeben würde. Er meint, die Flüchtlinge würden sich von unserem Vermögen ernähren wie es im AT für die Zeit nach dem Fall von Samaria und Jerusalem berichtet wird. Das Überhandnehmen des Fremden sei eine Strafe Gottes.

Das kann durchaus so sein, und wenn es so ist, dann haben wir diese Strafe verdient. Und zwar, weil wir es seit Jahrzehnten verpassen, die Fremdlinge, die als Gastarbeiter kamen, tatsächlich zu integrieren. Sie mögen damals für uns gearbeitet haben und zu unserem Reichtum beigetragen haben, aber es war eben nicht alles gut damals. Wir haben das integrieren verpasst, haben sie wie Fremde anstatt wie Fremdlinge behandelt, und sie ud ihre Kinder sind Fremde geblieben, denen wir nun preisgegeben werden, wenn wir das Ruder nicht noch herum reißen.

Wir sollten aber auch bedenken: Die Bibel spricht in den Versen, die der prediger anführt von der verbrannten Erde, vom Zustand nach dem Krieg, als Assyrer und Babylonier fertig waren mit Israel und Juda. So weit sind wir noch lange nicht. Uns geht es gut, wir schwelgen im Luxus wie Samaria zur Zeit des Amos, auch wenn unsere fetten Kühe nicht auf dem Baschan grasen. Die Aramäer waren ein recht kleines Problem für Israel damals, ebenso wie die Flüchtlinge für uns heute. Wenn wir anständig damit umgehen, wenn wir die Flüchtlinge aufnehmen als Fremdlinge, die sich an unsere Gesetze halten und dafür als Gleichberechtigte behandelt werden, dann haben wir eine Chance. Wenn nicht, wird Assur kommen und uns zu Fall bringen.

Netzfunde

Netzfunde

Gestern war letzter Urlaubstag und ich hab nochmal die religiösen Blogs, die ich so lese, zum Thema Flüchtlinge durchsucht. Mir ist dabei sicher der eine oder andere durchgeschlüpft, aber ich fand es schon interessant, daß ich die meisten Artikel bei einem einzigen Blogger gefunden hab, nämlich bei Volker Schnitzler.

Er geht darauf ein, welchen Stellenwert die Flüchtlinge in der katholischen Blogoezese so haben und wie viel ausführlicher blonde Bikinischönheiten diskutiert werden.

Da scheint die Blogoezese kein gutes Bild abzugeben, aber wenn ich mir die christliche Bloggercommunity durchsehe, dann sind dort, mit Ausnahme der hier erschienenen Artikel, nur diese zwei zum Flüchtlingsthema in den letzten Tagen erschienen (liebe Mitblogger, da können wir doch mehr!):

Viktor nimmt Ps 12, 2 zum Anlaß, darüber nachzudenken, ob die Flüchtlinge immer nur als Problem oder Herausforderung gesehen werden müssen, oder ob wir sie nicht auch als Prüfung verstehen können.

Daniela schreibt im zweiten Artikel, daß Angst vorm Islam oder einer Islamisierung unbiblisch ist und, ja, sie hat Recht. Die Kirche (= Gemeinschaft der Heiligen) wird nicht überwunden werden, wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein. Wer Angst vorm Islam hat, kann sich schlecht zum christlichen Abendland zählen.

Was mich wieder zu Volker und seinem nächsten Artikel führt: Er zitiert Bischof Oster, und da der Text so wunderbar klar und eindeutig und richtig ist, den der Bischof da auf seine Facebook Seite geschrieben hat, zitier ich den gleich nochmal:

Im Blick auf Berichte über Gewalt gegen Flüchtlinge möchte ich sehr deutlich in Erinnerung rufen: Unser Glaube lässt keinerlei Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit auch nur irgendwie zu rechtfertigen! Schon gar nicht gegen Menschen in Not. Es gibt auch keinerlei Möglichkeit einer Allianz von christlichem Glauben und ausgrenzendem Nationalismus. Man darf sein Land lieben, selbstverständlich. Aber man darf aus seinem Land nicht fremde Menschen in Not vertreiben wollen und sich dabei womöglich noch auf die Erhaltung des „christlichen Abendlandes“ berufen. Das ist ein Widerspruch in sich!

Klar, deutlich, richtig und wahre Lehre. Hier wird deutlich, daß alle Christen ganz nah beieinander sind, auch wenn wir in eher nebensächlichen Fragen von Amt und Sexualethik verschiedener Meinung sind! Die Höchste ist die Liebe!

Und dann hat Volker, das paßt jetzt nicht ganz zur Flüchtlingsthematik, ganz gut zusammengefaßt, wie das Böse funktioniert. Könnte man hier von Satans Masterplan sprechen? Ich sehe diese Wirkweise auch überall. Und sie ist es, die wir bekämpfen müssen, wenn wir für das Gute eintreten.

Wolfgang hat, ja was ist das, ein Gedicht? Jedenfalls hat er es geschrieben, und er hat irgendwo Recht. Mit Nazis abgeben bringt (meist?) nichts. Allerdings, irgendwie muß man wohl reagieren. In seinem Update beschreibt er, wie das in seiner Nachbarschaft passiert, wo plötzlich Menschen ganz verschiedener politischer Richtungen an einem Strang ziehen.

Da kann Satan masterplanen, wie er will. Gott ist stärker, und muß am Ende der Sieger bleiben, wie Luther schon schrieb:

das Feld muß Er behalten / das Reich muß uns doch bleiben.

Und dann ist da noch der Artikel von Ralpe, bzw, er hat es rebloggt und noch zwei Links hinzugefügt. Es geht um Gottesdienste mit Flüchtlingen.

Anthropologie, Gesellschaft

Godwin’s Law

Vor Urzeiten, kurz nachdem die Menschen aufgehört haben in Höhlen zu leben, als sie noch über das Usenet kommunizierten, stellte ein gewisser Mike Godwin eine Regel auf:

Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.

Mit anderen Worten: Irgendwann bringt irgendwer einen Nazivergleich. Irgendwann kommt einer mit der Nazikeule. Die gegnerische Ansicht wird mit Hitler und den Nazis verglichen, also mit dem ultimativ Bösen, damit ist die Diskussion zu Ende. Das Finale „Argument“ ist: Was Du denkst/sagst/vertrittst ist BÖSE!!!“

Das ist natürlich kein Argument. Man ist also quasi am Ende der Argumentationskette angelangt, meist erklären sich die mit den Nazis Verglichenen mit einem gewissen Recht als Gewinner der Diskussion.

Doch oftmals habe ich mich über diese Regel ach schon geärgert. Sie funktioniert ja nur unter einer bestimmten Prämisse, nämlich daß Hitler und die Nazis wirklich das ultimativ Böse sind bzw. waren. Nur wenn man dies annimmt, sind Vergleiche mit ihnen prinzipiell nicht möglich. Aber ist es denn so?

Manchmal scheint es mir, der Begriff „Hitler“ habe in unserer modernen Welt den „Teufel“ vollkommen abgelöst. An den Teufel glaubt keiner mehr, es hat auch niemand mehr Angst vor ihm (außer vielleicht die Zeugen Jehovas). Bei Hitler ist das anders, und ach vor den Nazis haben nicht nur die hier lebenden Ausländer Angst, sondern auch andere. Die Nazis sind (nicht zu Unrecht) Feindbild (fast) der ganzen Gesellschaft. Hört man manchem zu, dann handelt es sich bei ihnen gar nicht mehr um richtige Menschen.

Da krieg ich dann aber so nen Reflex, der mich an die antisemitische Propaganda des Dritten Reichs erinnert.

Noch ein Nazi-Vergleich! Ist meine Aussage deshalb falsch? Ich meine nein. Und ich meine auch, daß das Problem bei der Prämisse liegt: Nazis, und ach Hitler selbst, waren nicht irendwelche Ausgeburten der Hölle, die mit „normalen“ Menschen nichts zu tun gehabt hätten, sondern Menschen wir wir. Und trotzdem (oder gerade deshalb?) waren sie zu den unglaublichsten Verbrechen fähig.

Und gerade weil sie daz fähig waren, und gerade weil sie Menschen wie wir waren, sollten wir uns hüten, ihnen das Menschsein abzusprechen und so zu tun, als ob wir zu Völkermorden gar nicht in der Lage wären. Wir sind es. Der Christ spricht hier von Sündhaftigkeit, und die Passionszeit, in der wir uns gerade befinden ist der passende Zeitpunkt, uns das ins Gedächtnis zu rufen.

Tun wir dies, dann merken wir vielleicht, daß Godwins Gesetz zu kurz greift. Ich meine, es ist falsch, Diskussionen an diesem Punkt abzubrechen. Denn wenn heute Dinge passieren, wo auch immer auf der Welt, die ähnliche Muster erkennen lassen zu dem, was ab 1933 geschah, dann wäre es gut, wenn eine Benennung des Sachverhaltes nicht wegen einer Usenet-Regel vom Tisch gewischt, sondern reflektiert würde.

Godwin hat später einmal einen Artikel geschrieben, in dem er die Entstehung seines Gesetzes beschreibt:

In discussions about guns and the Second Amendment, for example, gun-control advocates are periodically reminded that Hitler banned personal weapons. And birth-control debates are frequently marked by pro-lifers‘ insistence that abortionists are engaging in mass murder, worse than that of Nazi death camps. And in any newsgroup in which censorship is discussed, someone inevitably raises the specter of Nazi book-burning.

But the Nazi-comparison meme popped up elsewhere as well – in general discussions of law in misc.legal, for example, or in the EFF conference on the Well. Stone libertarians were ready to label any government regulation as incipient Nazism. And, invariably, the comparisons trivialized the horror of the Holocaust and the social pathology of the Nazis. It was a trivialization I found both illogical (Michael Dukakis as a Nazi? Please!) and offensive (the millions of concentration-camp victims did not die to give some net.blowhard a handy trope).

So, I set out to conduct an experiment – to build a counter-meme designed to make discussion participants see how they are acting as vectors to a particularly silly and offensive meme…and perhaps to curtail the glib Nazi comparisons.

I developed Godwin’s Law of Nazi Analogies: As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.

Es ging ihm also darum, die Trivialisierung des Dritten Reiches anzgreifen. Das ist die andere Gefahr, neben der Entmenschlichung Hitlers und seiner Schergen. Indem man überall gleich „Nazi“ schreit, inflationär mit dem Begriff umgeht, sorgt man, wie bei einer richtigen Inflation auch, für eine Entwertung. Und Aushölung. Wenn beides zusammenkommt, also Entwertung und gleichzeitige Entmenschlichung, und das tut es, dann hat man am Ende weder einen Begriff davon, was Hitler und die Nazis getan haben, noch zieht man irgendwie in Erwägung, daß die Gefahr besteht, daß so etwas wieder passieren könnte.

Doch kann es immer wieder passieren. Kriege gab es immer, Tyranneien gab es immer, Völkermorde gab es immer. Und ach wenn es immer wieder passiert, es ist nicht trivial, es ist in jedem Fall ein unsägliches Leid, das da über die Menschen gebracht wird.

In der Folge bedeutet das für mich: Wir müssen Nazivergleiche anstellen, wo dies angebracht ist, und wir müssen sie kritisieren, wo eine Trivialisierung stattfindet.

Am Ende seines Artikels überlegt Godwin, ob man eine moralische Pflicht habe, ein Gegenmem zu entwerfen, sobald man ein schädliches Mem bemerkt. Am Ende schreibt er davon, gute Meme zu schaffen, um schlechte Meme (wie die Nazikeule) auszutreiben (etwa mit Godwin’s Law).

Ich meine, das bringt nichts, da ein Mem nicht per se gut oder schlecht ist. So hat Godwins Gesetz, selbst aus guten Gründen geschaffen, das oben genannte Problem: es sind keine Nazivergleiche mehr möglich, auch nicht, wenn diese angebracht sein sollten.

So aufwendig (und letztlich wohl auch unerfolgreich) es auch ist, es wird wohl kein Weg drumrum führen, sich in jedem Fall mit dem Gesprächspartner auseinanderzusetzen und ihm zu erleutern, warum der Nazivergleich nicht passt, vom Thema wegführt oder sonst verkehrt ist.

Wirklich Überzeugen gibt’s nicht für lau.

Anthropologie, Religion, Theologie

Die Sünde

Bei ner Diskussion auf nem atheistischen Blog kamen wir zum Begriff der Sünde. Ich wurde gebeten, dazu mal ausführlicher zu schreiben, was ich hier nun versuchen will.

Sünde – was ist das eigentlich?

In der Werbung hören wir immer mal wieder von Sünden wenn es um kalorienreichere Nahrung (=Süßigkeiten) geht und dergleichen, ansonsten kennt man die Sünden noch als moralische Verfehlungen, Dinge, die man nicht tut, für die man gesellschaftlich gemieden, marginalisiert wird. In dem Fall gehören Sünden in die Kategorie: „Sowas tut man nicht“…

Was sagte die Bibel?

Wieso eigentlich, bzw, ist das tatsächlich so? Biblisch gesehen, und der Begriff der Sünde kommt ja aus der biblischen Tradition, kann man so eher weniger argumentieren. Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, daß alle Menschen Sünder sind (Röm 3, 9-18):

Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Psalm 14,1-3). Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Psalm 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Psalm 140,4); ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit (Psalm 10,7). Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, und den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jesaja 59,7-8). Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Psalm 36,2).«

Man tut es also doch! Gibt es vielleicht nur nicht gerne zu. Dazu später mehr.

Kein Grund zu moralisieren

Nur ist eins nun nicht mehr möglich: Das Moralisieren. Wenn wir alle „unter der Sünde“ sind, sitzen wir alle im Glashaus. Keiner sollte  anfangen, mit Steinen um sich zu werfen. Es sei denn, er will sich selbst schaden. Daher findet sich in der Geschichte mit Jesus und der Ehebrecherin (Joh 8, 3-11) auch niemand, der den ersten Stein wirft. Einer nach dem anderen geht davon. Jeder weiß genau – denn es handelte sich um Älteste, Pharisäer und Schriftgelehrte, die das Gesetz gut kennen – daß er selbst nicht sündlos ist. Er könnte also genauso da stehen, wo die Ehebrecherin steht.

So wie die Ältesten, Schriftgelehrten und Pharisäer durch Jesus in ihrem Moralisieren entwaffnet werden, so entwaffnet das Bewußtsein, selbst ein Sünder zu sein, auch jeden sonst, der zum Moralisieren anhebt um sich selbst über den anderen zu stellen.

Am Ende steht man alleine vor Gott und muß sich für sein Tun verantworten, denn Gott allein ist ohne Schuld, nicht der Pfarrer auch nicht der Bischof und der Papst, nicht der Presbyter, der Kirchenälteste, der Diakon oder der Prälat und wie sie alle heißen. Alle sitzen mit uns „normalen Menschen“ im selben Boot, haben uns nichts voraus, sind Sünder wie wir.

Es gibt also keinen Grund, aufzubrausen, wenn mich jemand als Sünder bezeichnet. Er bezeichnet mich damit nicht als schlechten Menschen, wohl aber als Menschen, und jeder Mensch hat auch eine schlechte Seite, eine dunkle Seite, die wir anderen nicht gerne zeigen.

Die Sünde – wie kommt es dazu?

Was steht inder Bibel?

Die Bibel nennt als Ursache für die Sünden die Erbsünde. Ich finde den Begriff Ursünde passender, also die erste Verfehlung von Adam und Eva gegenüber Gott. Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht und laden damit die Strafe Gottes auf sich: Sie werden des Todes sterben.

Sünde, Tod und Teufel werden auch oft zusammen oder synonym benutzt bei einigen Theologen. Es ist schlicht und ergreifend: Das Böse.

Nicht das Böse im moralisierenden Sinn à la „Du böser Mensch stell Dich ins Eck und schäm Dich“, eher das Böse, das uns selbst kaputt macht:

Wie ist das heute, konkret im Leben?

Was wir an sozialem Verhalten so drin haben, haben wir irgendwo erlernt (wobei vielleicht auch ein genetischer Anteil ins Spiel kommt). Wenn also unsere Eltern uns vorleben, auch mal fünfe gerade sein zu lassen und nen Vorteil mitznehmen statt fair zu bleiben, dann werden wir das vielleicht kritisieren, aber dann doch irgendwo, irgendwie übernehmen. Verfolgt man das zurück, kommt man zu Adam und Eva.

So ist die Ursünde, die unsere Vorfahren irgendwann begangen haben (auch wenn sie nicht Adam und Eva hießen und sich das Ganze etwas anders abgespielt hat) und die über die Generationen zu uns weitergegeben wurde.

Aus der Sünde, der Ursünde, entstehen also die vielen Sünden: Von der Notlüge bis zum Raubmord. In jedem Fall bedeutet Sünde, getrennt zu sein von Gott, dem absolut Guten. Man denkt zuerst an sich, will den Apfel vom verbotenen Baum. Oder man will einer unangenehmen Situation durch ne Notlüge entgehen. Oder man ist Räuber und wird beim Raub derart gestört, daß man den Beraubten zur Sicherheit erschlägt.

In allen Fällen steht der kurzsichtige Eigennutz vor dem Gebot Gottes: Nicht von der Frucht zu essen, nicht zu lügen, nicht zu morden oder kurz: Den Nächsten zu lieben wie sich selbst und Gott über alles.

Die Sünde – eine Sklavenhalterin, und wie man befreit wird

Paradoxerweise begibt man sich damit in eine Abhängigkeit. Man ist abhängig von der Situation, in die man sich gebracht hat.

Gefangenschaft

Wie die Geschichte mit der Frucht im Paradies ausging, ist bekannt. Aber auch bei einer Notlüge müssen wir immer daran denken, was wir als wahr vorgegeben haben, um nicht aufzufallen. Oder der Raubmörder: Er wird nach dem Raub womöglich noch Gewalt gegen die Polizei anwenden, nur um nicht ins Gefängnis zu kommen. Er macht sich in seinem Handeln der Polizei gegenüber abhängig von der Situation, in der er sich gebracht hat. Trotzdem wähnt man sich frei, hat man doch alles selbst so gewählt.

Fluchtplan

Durchbrechen kann man diesen Kreislauf nur, wenn man Vertrauen hat. Vertrauen zum belogenen Menschen, daß er es einem nachsieht, Vertrauen zur Polizei oder den beim Mord anwesenden, daß man irgendwie selbst mit dem Leben davonkommt oder eben, wenn alles andere nicht mehr greift: Vertrauen zu Gott (es kann auch schon bei der Notlüge so sein, daß der Mensch es einem so übel nimmt, daß nichts mehr greift, man muß nicht unbedingt erst beim Mord davon ausgehen).

Um Fehler einzugestehen, brauche ich eine Sicherheit, daß diese Schwäche, die ich mir leiste, sich nicht gegen mich richten wird. Habe ich diese Sicherheit nicht, dann geb ich auch nichts zu, behaupte, ohne Fehler zu sein, wie oben gesagt: Man tut das nicht und ich schon gar nicht, jedenfalls geb ich’s nicht zu.

Wenn man genug eigene Kraft und Vertrauen aufbringen kann, kommt man unter Umständen aus so verfahrenen Situationen wieder heraus. Man kann offen gestehen: Ich hab da scheiße gebaut. Egal, was kommt.

Fluchthelfer

Nicht immer hat man die Kraft, und dann kann sie der Glaube geben.

Wenn ich glauben kann (Und Glaube ist auch wenn einige Evangelikale es sagen keine Entscheidung des Menschen, sondern eine Gabe von Gott. Wir können ihn uns nicht selbst besorgen),

  • daß Gott auf diese Welt kam, Sich klein machte und eine der erbärmlichsten Existenzen auf Sich nahm inklusive Foltertod am Kreuz, obwohl Er das nicht gemußt hätte,
  • wenn ich sehe wie groß die Liebe dieses Gottes zu mir sein muß, daß Er all das auf sich nimmt um mir zu zeigen, daß Ihm egal ist, was ich verbrochen habe, daß Er da ist für mich und alle und es folglich auch eine Zukunft für mich geben kann, egal was war,

dann kann mir dieser Glaube enorme Kräfte geben. Dann bin ich nicht mehr abhängig von den Situationen, in die ich mich manövriere. Ich kann immer wieder zurückkommen.

Die Sünde – sie lauert, aber hat verloren

Natürlich bleibe ich Sünder, das heißt, ich bring mich immer wieder in solche schlechten Situationen. Ich brech immer wieder den Kontakt zu Gott ab, entferne mich von Ihm. Ich begebe mich in die Sünde, in den Tod wenn man so will, zum Teufel. Denn ich bin immer noch Mensch, immer noch Sünder, immer noch nicht besser als die anderen.

Werd ich auch nicht, denn sie sind Menschen wie ich. Aber ich weiß, daß ich immer wieder rauskomme, egal wie vertrackt die Situation ist, in die ich mich bugsiert habe.

Das hat nichts mit Moral zu tun und mit einem Leben genau nach irgendwelchen Gesetzen. Sicher, die Regeln sind wichtig, spielen eine Rolle. Aber es gibt niemanden, außer Gott, der mir die Regeln vorhalten könnte und Vorwürfe machen. Und so wie ich Gott kenn, macht Er das äußerst selten.