Theologie

Schnelle Kohle

Wer irgendwo Geld investiert, will dafür einen Gewinn haben. Wozu Aufwand treiben und Risiken eingehen, wenn man am Ende nichts davn hat, oder sogar leer ausgeht. Dabei gilt, daß die Wahrscheinlichkeit zu investieren fällt, wenn die Risiken steigen oder der zu erwartende Gewinn abnimmt.

Nehmen wir eine alltägliche Situation: Du bist in einer dunklen Nebenstraße und ein Mensch mit einem großen Messer greift Dich an und macht den kaum zu widerlegenden Eindruck, der will Dich jetzt umbringen (okay, nicht ganz so alltäglich, ich hab eindeutig zu viele schlechte Actionfilme gesehen). Du bist bei weitem nicht so stark wie er, kriegst aber sein Messer zu fassen, was tust Du?

Selbst wenn Du Gewalt ablehnst dürfte die Chance steigen, daß Du das Messer einsetzt, um Dich selbst in Sicherheit zu bringen. Die Cance, daß der Angreifer sich plötzlich brav wie ein Chorknabe verhält tendiert gegen Null, das Risikoe, daß er Dich, wenn Du das Messer nicht einsetzt, schwer verletzen wird, ist eindeutig gegeben und als hoch einzuschätzen. Da sind die Investitionen in Deeskalation gering.

Ein anderes, weniger krasses Beispiel: Bei der Arbeit setzt Dir ein Kollege ständig zu, mah Dich vorm Chef schlecht und dergleichen. Und dann, ienes Tages, ist er auf Deine Hilfe angewiesen. Du hilfst ihm und merkst, daß er sich nen Lauen gemacht hat auf Deine Kosten. Je öfter sich das wiederholt, desto geringer wird Deine Lust sein, imein weiteres Mal zu helfen.

Jetzt kommt Jesus ins Spiel. Der verlangte mal Feindesliebe von uns. Das rt sih so schön kuschelig an, wenn alle einander lieb haben. Die beiden Beispiele oben zeigen vielleicht, daß das so kuschelig gar nicht ist.

Trotzdem steht die Forderung im Raum. Feindesliebe: Investierin den Kerl, der Dich ohne Grund mit einem Messer angegriffn hat, in den Kollegen, der Dir das Leben schwer macht, und Dich ausnutzt.

Kaum zu schaffen, ich weiß… und so unrentabel, diese Investition. So gesehen, denkt Gott wohl nicht kapitalistisch…

Gott gibt, ohne entsprechend zu empfangen. Er segnet uns, mit allem, was wir haben, und wir können Ihm nichts zurückgeben, außer Lob und Dank. Und wir können uns dranmachen, Seine Forderungen umzusetzen. Also auch Feindesliebe, investieren ohne angemessenen Gewinn.

Das mit dem Segen Gottes ist ein Kreislauf. Gott segnet uns, mit Leben, Essen und Trinken, manchmal sogar ein wenig Wohlstand. Weil Er es kann, weil Er uns Leben geben will. Und wir können mit Ihm in Beziehung treten, indem wir Ihn segnen (ja, wirklich!). Das hebräische Wort ברך bedeutet sowohl „segnen“ als auch „preisen“, beschreibt also das, was Gott den Menschen gibt und das, was die Menschen Gott geben.

Das Preisen schließt korrektes ethisches Verhalten wie Feindesliebe, Hilfe für Unterdrückte etc. ein, man muß sich nur mal Texte wie den hier lesen, dann wird das klar.

Damit tritt man mit Gott in Beziehung: Gott segnet uns mit allem, was wir zum Leben brauchen, und wir segnen Gott mit allem, was Er fordert. Zumindest soweit wir dazu in der Lage sind.

Damit bauen wir an Seinem Reich mit, in dem der umfassende Frieden gegenwärtig ist. Frieden vor allen irdischen Bedrückungen und Gefahren, vor Messerangreifern und üblen Kollegen.

Und dieses Reich ist es, das laut Jesus schon jetzt angebrochen ist. Eben weil wir schon daran arbeiten, weil hier und da sich dieser Friede Bahn bricht und kurz aufleuchtet. Das sind die unrentablen Investitionen!

Got segnet uns und wir sollen ein Segen sein. Davon haben wir nichts, denn unsere Feinde werden nicht plötzlich unsere Freunde, doch steter Tropfen höhlt den Stein. Viellicht werden wir diese Feinde auch niemals auf unsere Seite ziehen, aber andere inspirieren mitzumachen. Und schon wirft die Investition eine kleine Rendite ab. Aber eben icht zwangsläufig füruns, vielleicht für nochmal ganz andere Personen. Aber alle diese Personen werden in den Kreislauf des Segens mt Gott hineingezogen, Er gibt ihnen, was sie brauchen zum Leben – und zwar immer nach Seinem Maß und so lange Er ihr Leben bemißt, da kriegt keiner Ein Fleißbildchen oder sonstige Vorteile – und sie geben Ihm zurück soweit sie können, indem sie für andere zum Segen werden.

Und alle, die mitmachen, geben wieder zurück, indem sie anderen zum Segen werden, Gott hat da persönlich erst einmal nichts davon, während wir Menschen immer das haben, was wir zum Leben brauchen. So groß ist unser Verlust also gar nicht, bei Licht betrachtet.

Aber Gott macht eine gigantische Investition, und schiebt immer mehr nach, ohne daß etwas zu Ihm zurückkäme. Er braucht auch ichts, aber Er will etwas: Nämlich daß alle Menschen einst in diesen Kreislauf eingebunden werden. Dann hat ist Seine Friedensordnung etabliert.

Das wird hienieden whl nie der Fall sein, denn zu jeder Zeit könnenwir Sünder ja gar nicht teilnehmen, wenn wir ehrlich sind klinken wir uns immer wieder aus, wie heilig wir auch sein mögen, und geben den Segen nicht weiter, drehen den Hahn zu.

Aber es gibt ja nch ein Eschaton, wo das, was wir hier als Vorgeschmack erleben vollständig erreicht sein wird. Ich freu mich drauf.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 18.09.2012

Hm, man merkt immer deutlicher, dass die Psalmen doch einen recht großen Umfang haben. Heute ist es wieder mal ein Psalmvers:

Lasst uns mit Dank vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott (und ein großer König über allen Göttern)! (Ps. 95, 2-3)

Den Teil mit dem großen König habe ich ergänzt, weil er im Psalm steht, aber in der Losung nicht enthalten war.

Zu sehen, was alles schlecht ist, scheint oft Hochkonjunktur zu haben. Dem einen, kritischen Blick, der auch nötig ist, gesellen sich argusäugige kritische Blicke hinzu. Doch es gibt eben auch anderes.

Wofür konnte ich in letzter Zeit dankbar sein? Womit könnte ich anderen mal wieder eine Freude machen?

glaube, Religion

Wer interessiert sich schon für Gottes Willen?

Hab im Moment grad ne tolle Diskussion auf nem Atheistenblog laufen. Recht weit unten im Diskussionsverlauf (Kommentar Nr 282) kam ich auf eine Idee, die ich hier etwas ausführen möchte. Nich aber ohne mich vorher bei Hinterfragerin für den Anstoß zu bedanken.

Es geht um Gottes Willen. Doch, zu was ist der nütze? Naja, mag man sagen, eben dazu, zu wissen, was gut ist und was schlecht. Stimmt. Stellt sich noch die Frage, wie man Gottes Willen rausfinden kann. Darauf möchte ich hier gar nicht eingehen (wer mich kennt weiß, daß IMHO das nicht über naiven Biblizismus geht), sondern auf eine ganz andere Frage:

Wann ist der Wille Gottes relevant? Wann nicht als Frage nach Geschäftszeiten, also nicht Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr (oder noch schlimmer lediglich Sonntags von 10 bis 11), sonst kann man tun, was man will, sondern an welcher Stelle im Glauben, in der Theologie?

Hinterfragerin hatte geschrieben, daß sich aus der Aussage, es gebe einen Gott gleich auch die Frage stelle, was will dieser Gott? Ich finde, das ist zu früh.

Ich finde, es ist angemesserer, erst einmal zu fragen: Wer ist dieser Gott? Was hat er so getan? Darauf könnte man dann grob antworten, Gott ist der Schöpfer, er hat die Welt aus dem Chaos geschaffen und uns Menschen nebst vielen anderen Lebenwesen hineingesetzt, wurde letztlich selbst Mensch und erlöste uns von dem Bösen, dem wir anhängen, indem er uns seine Liebe zu uns vorlebte und bis in den Tod durchhielt, so in der Art. Und ja, man könnte jetzt noch tasend Diskussionen zu Schöpfungs- und Erlösngslehre hier einfügen. Das will ich jetzt nicht tun, weil der Artikel dann ellenlang wird. Jedenfalls sind dies alles Fragen, die zuerst zu klären sind, aus meiner Sicht. So lange all das nicht klar ist, ist es unerheblich zu fragen: Was will Gott?

Was soll diese Frage ohne vorher zu wissen, wie er zu uns steht? Man fragt ja auch nicht „was will Al Capone“ ohne vorher zu klären, ob man überhaupt auf einer Linie ist, ob man überhaupt bereit ist, ihm zu Willen zu sein. Hat man dies nicht geklärt, versteht man auch nicht das Problem dahinter, wenn Capone sagt, er will ein Auto. Ohne geklärt zu haben, wer das ist, würde man ihm vielleicht ein Auto verkaufen. Wenn man wüßte, daß er es als Fluchtauto benutzen will, würde man sich vielelicht verweigern (oder das Auto präparieren, so daß er der Polizei darin nicht entkommen kann). Jedenfalls würde man anders mit seinem Willen umgehen.

So auch bei Gott. Ohne zu wissen, daß er uns liebt, daß er uns erlöst hat, kann man mit seinen Forderungen nicht viel anfangen. Man hat auch kaum einen Anhalt, Forderungen gegeneinander abzuwägen. Ist jetzt das Sabbathgebot wichtiger oder das Nächstenliebegebot?

Danach ist immer noch zu klären, wie Gott die Welt sieht (diese Frage dient vor allem der Abwehr eines naiven Biblizismus, der die Bibel und unsere Begriffe von den Dingen zu Götzen macht, denen man an Stelle von Gott folgt). Was meint er mit Sabbath, was meint er mit Liebe, was meint er mit Zauberei und Götzendienst. Was ist „Gräul“. Diese Fragen sind ebenso wichtig und noch viel schwerer zu beantworten. Aber wenn ich Gottes Willen kenne in der Form: Tu X nicht, weil es ist ein Gräul bzw Y, und ich kenne weder X noch Y genau, woher will ich wissen ob ein A X oder Y entspricht?

Wenn ich Gott kenne, wenn ich weiß, daß ich erlöst sind, und nichts mich von Gott trennen kann, was ach geschieht, was ich auch tue oder getan habe, dann ist das Ursache unglaublicher Freude und Dankbarkeit. Dann kann ich fragen: Gott, was willst Du? Womit kann ich Dir eine Freue machen? Und dann werde ich ach darauf achten, nicht meine Vorstellungen da reinzbringen, sondern ganz auf Gott zu hören. Denn ich bin ja voll der Freude und Dankbarkeit, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu spüren.

Leider ist dies sehr selten der Fall, und es ist auch nie ein anhaltender Zustand (der Mensch bleibt Sünder). Aber er kommt immer wieder, kann immer wieder kommen und ist Grund dafür, nicht nach sich zu fragen sondern nach Gott und damit auch nach dem Nächsten bis hin zum größten Feind.

In diesem Bewußtsein ist man darauf bedacht, kein Leid anzurichten, ist sensibel dafür. Die Sensibilität geht verloren mit dem Maß, wie die Erlösungsgewißheit verloren geht. Mit dem Maß, mit dem man meint, man hätte eine Pflicht, Gottes Willen zu tun. In dem Maß, wie man sich müht, seinen Willen (oder das was man dafür hält) zu tun, ohne es recht eigentlich zu wollen. In diesem Moment schleichen sich götzendienerische Tendenzen ein. Man fühlt einen Druck, Gottes Willen zu tun und tut irgend etwas, das man als Willen Gottes darstellen und verkaufen kann. Es hat nun nicht mehr den Zweck, Gott eine Freude zu tun, sondern sich selbst einzureden, man tue ja das Richtige oder genug. Schrittweise geht es dann dahin, daß man im sozialen Umfeld den Anschein aufrecht erhält, sich ja an Gottes Willen zu orientieren, um als erlöst zu gelten. Weil wer will schon von der Erlösung hören, wenn er meint, auch selbst gut genug zu sein, wenn er sich lieber an seine eigenen Regeln hält statt an die Gottes, anfangs vielleicht sogar ohne es zu bemerken? Der nächste Schritt wäre dann, daß man weiterhin nach außen den Schein wahrt, aber aktiv ein Verhalten pflegt und ein Denken fördert, das einen selbst als besonders gottgefällig dastehen läßt (zumindest in einem bestimmten Kontext), das aber vor allem auf den eigenen Vorteil ausgerichtet ist. Es geht dann meist um die eigene Brieftasche.

Das alles geschieht, so gewinne ich immer mehr den Eindruck, dort, wo die Heilsgewißheit verloren ging in der Art, daß sie von Gott abhängig ist und zur vergötzen Heilsgewißheit wurde, die am Menschen, am Selbst hängt und an den Erfolgen nd Taten, die man „für Gott“ vorzweisen hat. So kann es dann auch zu so etwas kommen, was in der angesprochenen Diskussion auch genannt wurde: Der im folgenden Video (naja, 5 Videos) gezeigte Hexenglaube in Kinshasa, der Kinder zu Verfolgten und Gequälten macht (nichts für schwache Nerven):

http://www.youtube.com/watch?v=wa9YAdXtZrY

http://www.youtube.com/watch?v=Az0iv86GQGw

http://www.youtube.com/watch?v=YrSpmMulG38

http://www.youtube.com/watch?v=lQ9pzr3C4Sc

http://www.youtube.com/watch?v=plP3cNe86rI