Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 02.03.2012 (Daniel 2, 22)

a)Er ist Offenbarer der unerforschlichen und verborgenen Dinge b)Er weiß das, was ist in der Finsternis und Licht wohnt bei ihm.

Da das erste Mal eine Losung aus dem Danielbuch stammt, sind hier einige Informationen zum Danielbuch nachzulesen. Die Tageslosung stammt aus dem 2. Kapitel des Danielbuches. Hintergrund ist folgender: Daniel zählt zu einer Gruppe von Israeliten, die nach dem Fall Jerusalems im Exil am Hofe des babylonischen Königs Nebukadnezars leben. Als der König einen beunruhigenden Traum hat, befiehlt er den „Gelehrten und Beschwörern, Zauberern und Chaldäern“ (vgl. Dan 2, 2), ihm sowohl seinen Traum als auch dessen Deutung zu sagen. Als diese es nicht können befiehlt Nebukadnezar, alle Weisen Babylons umzubringen. Daniel jedoch erwirkt einen Aufschub, um dem König Traum und Deutung anzusagen. Er und seine Freunde (Hananja, Asarja, Misael) bitten daraufhin Gott, ihnen das Geheimnis, Traum und Deutung, zu offenbaren und Daniel erfährt in der Nacht von Gott Traum und Deutung von Gott. Aus dem dann folgenden Dankgebet stammt die heutige Tageslosung V. 22b. Was hier über Gott gesagt wird, dass er weiß, was ist der Nacht ist und dass Licht bei ihm wohnt, ist eine generelle Aussage über Gott, die aus einer konkreten Erfahrung gewonnen wurde. Gott offenbart sowohl die Dinge, die unerforschlich sind (die Deutung des Traumes) und die Dinge, die verborgen, d.h. nur temporär unzugänglich sind (den Traum). Das ist möglich, weil Licht bei ihm wohnt und so freilegt wird, was sonst in der Finsternis liegt.

Für Daniel und seine Freunde ist das lebensrettend. Der König macht sie nach Mitteilung und Deutung des Traumes zu hohen Würdenträgern an seinem Hof. Da Daniel zuvor auch um das Leben der anderen Weisen von Babylon gebeten hat, gehe ich mal davon aus, dass auch sie nicht hingerichtet wurden.

Schon da, wo Gott etwas offenbart, wird dadurch Leben vor dem Tod bewahrt. Wenn er sich selbst offenbart sind die Folgen noch viel größer. Dieser Selbstoffenbarung Gottes, die in Jesus Christus, seinem Leben, Sterben und Auferstehen geschah, gedenken wir in der Passionszeit. Seit dieser Selbstoffenbarung wird nicht nur die verhältnismäßig kleine Zahl an Weisen in Babylon vor dem Tod bewahrt, sondern jeder, der an diese Offenbarung glaubt, empfängt das ewige Leben.

 

Gesellschaft, glaube, kirche, Religion

Bloß nichts falsch machen

Der Glaube an Gott ist etwas Gutes, etwas Schönes. Er gibt Kraft und Hoffnung, gerade auch in schwierigen Situationen. Jedenfalls geht es mir meist so.

Anderen Menschen nicht unbedingt. Gerade habe ich wieder von so einem Fall gehört, mit jemandem drüber geredet. Glaube an Gott kann auch weh tun. Beziehungsweise, das, was dann noch nachkommt.

Als ich vor über 10 Jahren im Kibbutz war, war da auch ein etwa 40 jähriger Finne namens Jorma. Jorma war ein lieber Kerl, man konnte sich gut mit ihm unterhalten, auch wenn er etwas strange war. Das alles galt, so lange er nüchtern war. Das war er aber nicht immer. Jorma war Alkoholiker. Und er war ein Schrank von einem Mann. Er konnte echt Angst machen, und es gab Gerüchte, daß er vorher in der Fremdenlegion gewesen wäre. Ausgebildet zum Töten.

Wie dem auch sei, Jorma war Christ. Er glaubte an Jesus Christus, wenn er auch mir ganz unbekannte Prediger immer wieder nannte. Ein paar Koreaner, die auch im Kibbutz waren, kannten die Prediger sogar. Ich weiß nicht, in welcher Tradition die staden. Ich schätze mal ganz vorsichtig, es handelt sich um einen pfingstlerischen Hintergrund, aber egal.

Ich verstand mich ganz gut mit besagten Koreanern, tue das immer noch. Sporadisch haben wir noch Kontakt. Aber eine Äußerung gab mir zu denken. Einer der Koreaner sagte einmal, Jorma könne kein Christ sein, eben weil er Alkoholiker ist.

Dabei tranken sie selbst auch Alkohol. Nicht so viel, aber sie standen auch nicht abseits, wenn wir feierten (und was gibt es im Kibbutz nach Feierabend sonst noch zu tun?).

Ich fand das damals schon irgendwie komisch, habe es auch all die Jahre immer wieder durchdacht. Da wird quai ein Anspruch an die Person gestellt, bevor sie wirklich und ganz und vollständig als Bruder im Glauben anerkannt wird.

Ja, Jorma war schwach, was den Alkohol anging. Und er konnte wirre Geschichten erzählen. Er muß auch eine sehr schwere Kindheit gehabt haben, aber das wurde nie ganz klar, aufgrund der Wirrheit seiner Geschichten. Man wußte nie genau, was jetzt echt war und was nicht.

Aber trotz alledem bekannte er sich zu Christus. Christus, der die Schwachen, die Sünder annahm. Christus, der nicht auf die Person achtete.

Und dann gab es Anhänger eben dieses Christus, die die Latte höher hängten: Bekenntnis zu Christus schön und gut. Aber wie sieht es denn mit dem Lebenswandel aus? Hat denn die Sucht noch Macht über den Sünder? Ja, na dann kann es ja kein echter Christ sein.

Jorma hatte einmal den Entschluß gefasst, nichts mhr zu trinken. Und ich fand das echt großartig. Leider habenir alle (ich auch) ihn nicht besonders unterstützt, sondern saßen mit unserem Alkohol bei ihm. Er trank Orangensaft. Wir, das beinhaltet auch die Koreaner.

Wir haben es ihm nicht leich gemacht, den besseren Weg zu gehen. Eine Sache, die ich mir heute noch vorwerfe. Ich war Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Aber ich sah das Verhalten auch danach noch oft, gerade in Kirchengemeinden oder sonstlichen christlichen Gruppen. Wer nicht einem gewissen Bild entspricht, wird als Bruder nicht anerkannt. Bunte Haare, Jeans im Gottesdienst, all das kann dazu führen, daß Menschen, die Gott suchen, abgestoßen werden. Und zwar von denen, die über sich sagen, sie seien Anhänger dieses Gottes.

En anderer Freund von mir hat einige Gemeinden durch. Er ist als Pfarrerssohn zuHause aufs Übelste vermöbelt worden, wenn er nciht spurte. Kontakte zu anderen Kindern im Dorf waren nciht gerne gesehen. Der Vater war Antikommunist – und Pfarrer in der DDR. Alles jenseits des Gartentors war der Feind.

Besagter Freund hat also sozusagen „einen Schlag weg“. Er leidet furchtbar. Und er sucht in seinem Umfeld nach Menschen, die ihn einfach annehmen, wie er ist. Mit all seinen Problemen und Fehlern (der Umgang mit ihm ist wirklich nicht immer einfach, er weiß das auch). Früher ging er in verschiedene Gemeinden, suchte dort Anschluß. Und der wurde ihm widerstrebend gegeben. Oberflächlich. Bis er sagte, daß er nicht glaube, daß Noah wirklich so alt wurde, wie es in der Bibel steht. Und er flog raus aus der Gemeinde.

Ich glaube, wir verdunkeln oft das Evangelium, indem wir von anderen verlangen, so zu sein wie wir. Jesus interessierte sich nicht dafür, wie andere aussahen oder was sie sonst so taten. Er ging auf die Sünder zu, nahm sie als Menschen an, trotz aller Fehler.

Wie sollen Menschen denn das Evangelium erfahren, wenn sie von vorne herein abgewiesen werden? Wenn sie erst „perfekt“ sein sollen (natürlich nur nach menschlichem Ermessen)?

Und inwieweit entspricht es dem Evangelium, wenn sich die Schwachen an de Starken anpassen müssen? Was sol das, wenn man dem Schwachen, dem Suchenden, erst einmal sagt, er solle stark werden, dann würde man ihm auch die Quelle der Stärke vermitteln?

Welcher Starke braucht denn eine Kraftquelle? Wenn er stark ist, hat er eine Quelle, wie weit sie auch immer trägt. Ein Starker wird nicht fragen. Wer fragt, das sind die Schwachen, die haben aber nicht die Kraft, sich den kulturellen Gepflogenheiten Anderer immer anzupassen. Auch nicht, falls es wirklich so ist, daß diese Gepflogenheiten ihnen selbst gut tun würden, etwa „kein Alkoholmißbrauch“.

Wenn es dann um Dinge geht, wie Anzug tragen, Krawatte tragen, Haare richtig gescheitelt haben, um in der Gemeinde angenommen zu werden, dann wird noch offensichtlicher, daß es hier nicht um Christus geht, sondern um einen Götzendienst. Man ehrt den Gott des anständigen Auftretens. Und der hat mit dem Gott, der den Sünder annimmt, und für ihn ans Kreuz geht, nichts zu tun.

Der, der ans Kreuz geht, gibt seinen Anhängern Stärke. Er dient ihnen.

Der, der anständiges Auftreten einfordert,  in welcher Art auch immer, der verlangt von seinen Anhängern Stärke, nimmt sie ihnen also. Er läßt sich dienen.

Freilich gibt es immer auch Menschen die Schwach sind, und andere so nicht annehmen können, wie diese sind. In dem Fall muß sich immer der Stärkere anpassen, Liebe geben. Denn Liebe baut auf, Liebe gibt dem anderen die Kraft, auch ein Stück weit auf andere zuzugehen, und sich soweit anzupassen, daß Gemeinschaft einfacher möglich wird.

Und je mehr Gemeinschaft, je mehr Liebe, desto mehr wird der Gott am Kreuz verehrt, und nicht der Abgott des Anstandes.

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Norwegen

Unsere Antwort wird mehr Offenheit und mehr Demokratie sein. Wir lassen uns unsere offene Gesellschaft nicht kaputt machen.

Jens Stoltenberg, norwegischer Ministerpräsident, zitiert nach Mathias Richel.

Der christliche Fundamentalist

Es ist schon vieles gesagt zum Mörder Breivik.Eine der ersten Aussagen, die ich hörte war, daß es sich um einen christlichen Fundamentalisten handele (ja, ich hab kein Fernsehn, deshalb ging die „das war sicher ein Islamist“ Nummer erst einmal an mir vorbei, das hab ich erst später aus zweiter Hand erfahren).

Wenn man den Begriff hört, denkt man wahrscheinlich zuallererst an einen fundamentalistischen Terroristen à la Al Quaida: Ausgerüstet mit dem Willen selbst zu sterben, ohne großes Interesse daran, wer eigentlich bei den Anschlägen stirbt (die meisten Opfer von Al Quaida sind Muslime!) verübt er eine Terrortat, um einen Gottesstaat zu errichten.

Breivik macht jedoch nicht den Eindruck, als ob er einen Gottesstaat errichten wollte. Vielmehr scheint die Angst vor dem islamischen Gottesstaat in Europa ihn angetrieben zu haben. Das eigene Sterben hat er zumindest nicht gesucht, jedenfalls war allenthalben die Rede davon, daß er nach Eintreffen der Polizei keinen Widerstand mehr leistete. Auch seine Opfer hat er sich gezielt ausgesucht: Das Regierungsviertel und die Jugendorganisation der regierenden Partei, die er für den Multikulturalismus verantwortlich macht.

Eine Gemeinsamkeit hat er dann aber doch mit den Islamisten: Er will durch sein Morden Aufmerksamkeit erregen. Für sein Manifest, in dem es unter anderem heißt:

Eine Mehrheit der so genannten Agnostiker und Atheisten in Europa sind kulturelle konservative Christen, ohne es selbst zu wissen. Was also ist der Unterschied zwischen kulturellen Christen und religiösen Christen? Wenn man eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott hat, dann ist mein ein religiöser Christ. Ich und viele andere wie ich haben nicht notwendigerweise eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott. Wir glauben aber an das Christentum als kulturelle, soziale und moralische Plattform. Das macht uns zu Christen.

Er hat also einen recht eigenwilligen Christentumsbegriff. Es ist ein kultureller Begriff: Weil er aus einer vom Christentum (und nicht vom Islam) geprägten Kultur kommt, ist er Christ. Nicht, weil er religiös wäre. Es erinnert an das 19. Jahrhundert, als in der evangelischen Theologie die These herrschte, die Kirche müsse sich in der Kultur auflösen. Wundergeschichten, Exorzismen, Auferstehung galten als Relikte eines unafgeklärten Glaubens, als Kern des Christentums wurde nicht mehr die Vergebung der Sünde angesehen, sondern die sittlichen Lehren Jesu, Ethik und Kultur. Auf dem bei Youtube kursierenden Video (Link könnte kaputt sein, youtube löscht es, aber es wurde von einigen Leuten hochgeladen) nennt er das Christentum vor der Aufklärung (~ Min. 11) als eine imperialistische Ideologie, von solchen Ideologien distanziert er sich jedoch.

Die Angst des Antiislamismus

Diese seine Kultur, die er „kulturell konservatives Christentum“ nennt, sieht er in Gefahr, durch „Überfremdung“, durch den Zuzug von Muslimen nach Europa und Norwegen. Und deshalb mordet er, hält seine Taten für „furchtbar aber notwendig“, um eben mittels Verbreitung seines Manifestes (das ich erst mal suchte, um es runterzuladen und mir ein genaueres Bild zu machen und hier als zu Beleg verlinken, dann aber Abstand davon nahm, als ich laß, das sich darin Bombenbauanleitungen finden) dafür zu sorgen, daß die Zuwanderung gestoppt wird.

Er handelte aus Angst. Er war sich seiner Identität derart unsicher, daß er andere Identitäten in seinem Umfeld nicht dulden will und kann. Darin unterscheidet er sich wenig von anderen Protagonisten des Antiislamisms (zur Verdeutlichung: Das -ismus bezieht sich nicht auf Islam, sondern auf Antiislam) wie Sarrazin und Broder.

Es war auch zu lesen, daß man Breivik weniger als Nazi denn als antimuslimisch bezeichnen muß. Der Unterschied liegt in der Motivation und dem Ziel des Haßes: Der Nazi haßt den Ausländer aufgrund von dessen „Rasse“, der Antiislamist hasst den Muslim aufgrund der abweichenden Kultur. Das macht sich dann an Kopftüchern und Bärten fest, gemeinsame tatsächliche Werte wie Ablehnung von Gewalt etc spielen weniger eine Rolle. Das wird im Zweifel großflächig ignoriert.

Reaktionen

Bei der Reaktion auf die Anschläge sind natürlich die üblichen Reflexe schnell zur Stelle: Mehr Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, Polizeistaat. Mir ist jedoch nicht klar, was VDS bringen würde, außer vielleicht eine Untersuchung, wie genau er die Tat vorbereitet hat, und zwar im Nachhinein, nachdem man wüßte, nach wem man in dem Datenwust suchen muß. Das hätte keins der Opfer gerettet. Auch eine Videokamera auf der Insel hätte Breivik keinen Einhalt geboten. Selbst 100 Kameras nicht!

Insofern ist es angenehm zu hören, daß der norwegische Ministerpräsident als Reaktion eben mehr Offenheit und Demokratie will und nicht die Etablierung eines Sicherheitsstaates.

Ansonsten liest man von Aufrufen, den Anfängen zu wehren und auch die Brandstifter nciht aus dem Blick zu verlieren.

All das ist gut und wichtig und die TITANIC hat das auch schon entsprechend kommentiert.

Wie kann es besser werden?

Einen darüber hinaus wichtigen Gedanken habe ich Alipius zu verdanken, der mich dann auch dazu führte, diesen Artikel zu schreiben:

Dieses Potential nicht ernst zu nehmen, sondern es weiterhin fleißig in die Schubladen „Stammtisch“, „Irrationaler Fremdenhaß“ oder „Christlicher Fundamentalismus“ zu schaufeln, kann uns teuer zu stehen kommen.

Was auch immer die Beweggründe dafür sind, daß Broder, Sarrazin und Geert Wilders Zulauf bekommen, sie zu ignorieren wird die angestauten Emotionen nicht abbauen. Diese Emotionen sind da, und wie ich weiter oben schon schrieb, denke ich, daß Unsicherheit in Bezug auf die eigene Identität und eine daraus sich nährende Angst vor allem Fremden eine der Hauptursachen ist.

Die Frage wäre dann, wie man den Stammtischmenschen (um auch mal ein Wort zu schöpfen wie Sarrazin mit seinen „Kopftuchmädchen“) die Angst nimmt, wie man ihnen Sicherheit bezüglich ihrer Identität vermittelt, so daß sie es nicht mehr nötig haben, Unsicherheiten und Minderwertigkeitsgefühle bezüglich der eigenen Identität durch radikales und gewalttätiges Überbetonen derselben zu kompensieren.

glaube

Wer starb am Kreuz?

Die Frage mag komisch klingen. Jesus natürlich, zumindest wenn man nicht dem Doketismus anhängt. Aber von vorn:

sicDaniel, ein Kommentator beim Blasphemieblog, stellte in den Kommentaren zu einem Artikel die Frage danach, wie das denn sein könnte, daß einerseits Jesus Gott ist und andererseits Jesus am Kreuz gestorben ist. Dann wäre ja Gott gestorben, und Gott könne nicht sterben, das widerspräche Gott.

Es wurden ein paar Sätze gewechselt, bis jemand darauf hinwies, daß dies doch eine seltsame Debatte für ein atheistisches Blog sei. Stimmt auch irgendwie, deshalb möchte ich hier jetzt eine Antwort versuchen, und die Debatte kann dann ja auch hier weitergehen, um nicht weiter die Atheisten zu belästigen.

Vorab möchte ich noch sagen, daß ich weder Sprachrohr irgend einer christlichen Gruppierung bin noch dies eine wissenschaftliche Abhandlung darstellt. Hinweise darüber, wo ich mit irgendwelchen Theologen, Bekenntnisschriften oder sonstigem nicht konform gehe sind willkommen, aber gehen insofern am Ziel vorbei, als daß ich hier keine offizielle Meinung repräsentiere, sondern von meinem Glauben Zeugnis ablege. Ich bin sowieso skeptisch, was darüber hinausgehende kirchliche Äußerungen auf protestantischer Seite angeht.

Tod

Am Anfang muß die Frage nach dem Tod stehen. Was ist Tod? Was macht ihn aus? Was ist er nicht?

Unter Tod verstehe ich das Ende des biologischen Lebens: Das Herz hört auf zu schlagen, die Atmung hört auf, die Hirnfunktionen und nach einer Weile auch die biochemischen Prozesse in den einzelnen Körperzellen. Der Zerfall, die Verwesung des Körpers setzt ein.

Tod ist jedoch nicht ein Ende des Seins, in dem Sinn, daß nichts mehr da wäre. Ich denke dabei nicht etwa an eine Seele. Die unsterbliche Seele wie man sie sich heute vorstellt ist eine platonische Vorstellung, die erst sekundär vom Christentum rezipiert wurde, und die ich für nicht hilfreich erachte.

Mir geht es um das, was sonst übrig bleibt von einem Menschen. Da wären erst einmal die Auswirkungen seiner Taten zu Lebzeiten, oder die Dinge, die er gemacht hat, ob Häuser oder Gedichtbände, und die Erinnerung an ihn. Mit dem Tod eines Menschen geht nicht alles Wissen über ihn verloren. Durch Zugriff auf private Schriften lernt man ihn vielleicht sogar besser kennen als vorher. Dies ist nichts Materielles, das übrig bleibt, und der Mensch hat da nichts mehr von. Es erscheint mir jedoch wichtig, darauf hinzuweisen.

Trinität

Der christliche Gott wird als Dreifaltigkeit gedacht: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Alle sind verschieden, alle sind Gott, und Gott ist nur einer. Ein scheinbarer Widerspruch, doch denke ich, daß man das nicht so als Mysterion stehen lassen muß. Auch wenn vielleicht nicht alle Aspekte geklärt werden können, gibt es doch Möglichkeiten, sich die Denkbarkeit der Trinität zu erleichtern.

Mein Religionslehrer, von dem ich viel gelernt habe, hat es einmal mit den Rollen verglichen, die ein Mensch inne haben kann: So kann ich zum Beispiel gleichzeitig Freund meiner Freundin, Student meines Studienfachs und Einwohner meiner Stadt sein. In allen drei Rollen verhalte ich mich anders, und manchmal ist es schwierig, sie voneinander zu trennen. Doch kann man vielleicht grob sagen, daß wenn ich den Stadtrat mitwähle, dies weniger als Freund meiner Freundin tue denn als Bürger der Stadt. Und wenn ich sie küsse tue ich das nicht als Student. Genausowenig bin ich in erster Linie Bürger, wenn ich für’s Examen lerne. Und trotzdem bin ich der selbe.

Der Sohn

Jesus ist der Sohn Gottes und trotzdem selbst auch Gott. Und zwar nicht in abgestufter Weise, sondern eben vollkommen Gott. Aber Er ist nicht der einzige Aspekt von Gott. Er ist aber nicht nur vollkommen Gott, sondern eben auch vollkommen Mensch. Und als Mensch Sohn Gottes. In der Antike stellte man es sich ja so vor, daß der Samen des Mannes in die Frau gepflanzt wird, und das Kind heranwächst ohne daß die Fra da noch ein paar Chromosomen beisteuert. So denke ich, ist auch die Gottessohnschaft Jesu zu verstehen. Er ist Sohn des Vaters, eben weil der Same als vom Vater kommend gedacht war. Das macht Ihn dann aber nicht zu weniger Gott, oder zu einem Juniorgott. Es ist der selbe.

Tod revisted

Unser Verständnis von Tod ist sicherlich nicht das, was man sich früher darunter vorgestellt hat. Luther benutzte oft Sünde, Tod und Teufel als Synonyme, die das gleiche bezeichneten: Die Trennung von Gott. Man stellte sich ein Totenreich vor, wo die Verstorbene hinkommen und gefangen sind, in absoluter Gottesferne. Wo Tod heute als biologisches Ende verstanden wird, wurde es damals vor allem als Ende aller Beziehungen verstanden. Nicht einmal mehr die Beziehung zu Gott konnte über den Tod hinaus aufrecht erhalten werden.

Kreuzigung

Nun kam es also zur Kreuzigung. Jesus wurde ans Kreuz genagelt, und starb. Und da Gott Jesus war und Jesus Gott war, starb Gott und kam ins Totenreich, in die absolute Trennung von Gott. Jesus wurde beziehungslos und ging an den Ort, wo Beziehung nicht mehr möglich war.

Doch ist dadurch, daß Gott an den Ort kommt, wo es keinen Gott gibt, der Ort der Getrenntheit von Gott zum Ort der Nähe Gottes geworden. Wenn Gott in die Gottesferne kommt, ist Gott nicht mehr fern, und besiegt die Gottesferne, also die Hölle oder den Tod. Darin liegt auch der vielleicht etwas hämisch klingende Osterjubel begründet:

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg?

Ein Aufhören der biologischen Prozesse ist also nicht im Fokus, wenn es um den Tod und die Auferstehung Christi geht. Ich habe Schwierigkeiten, mir Gott mit biochemischen Zellprozessen vorzustellen, die aufhörten in dem Moment, wo Gott am Kreuz starb.

Alles alter Käse?

Wenn sich nun die Vorstellung in Bezug auf den Tod gewandelt haben, hat die ganze Kreuzigungsgeschichte uns heute nichts mehr zu sagen? Ist es ein veralteter Mythos, der in alten Büchern steht und keine Relevanz mehr für das heutige Leben hat? Was passierte wirklich damals?

Ich denke, die historischen Details des damaligen Geschehens können wir heute nicht mehr greifen, und nachweisen schon gar nicht. Die Bibel ist ja schon recht wortkarg, was die Auferstehung angeht. Viel mehr als das „daß“ der Auferstehung wird nicht berichtet. Aber es ist ja doch möglich, anzunehmen, daß ein gekreuzigter Mensch durchaus in Folge von Folter und Kreuzigung starb, und zwar in dem Sinne, wie wir heute Tod verstehen.

Die Hölle, gedacht als absolute Beziehungslosigkeit, als Ort, von dem man nicht Gott und auch sonst niemanden mehr erreichen kann, ist durchaus auch denkbar. Mangelndes Vertrauen erschwert auch heute Beziehungen, macht sie teilweise unmöglich. Und das mangelnde Vertrauen kommt aus Verletzungen, die man erlebt hat.

Durchbrechen kann man das nur durch Zuwendung, durch Liebe, indem man auch mal Angriffe aushält. So wird die Beziehungslosigkeit durchbrochen und besiegt, der Hölle die Macht genommen.

Was spricht dagegen, daß Jesus genau das gemacht hat? Indem er trotz Schuldlosigkeit in den Tod ging? Und was spricht dagegen, daß er danach wieder aufstand? Wenn es Gott gibt, und ich sehe keinen Grund daran zu zweifeln, kann man Ihm durchaus auch die Macht zutrauen, sich das Leben wieder zu nehmen, wenn Er es gelassen hat. Damit hätten die Menschen damals dann auch gesehen, daß es tatsächlich Gott war, der da alles erduldete und sich trotz Möglichkeiten nicht wehrte. Gott, der sich den Menschen zuwendet und auch ärgste Angriffe wegsteckt, und dadurch eben auch Beziehung wieder ermöglicht. Und wo die Beziehung ist, ist nicht Hölle, nicht Tod, nicht Teufel.

Eingehen auf Suchbegriffe

Versuch einer Interpretation

Ich hab jetzt einmal eine neue Kategorie angelegt: „Eingehen auf Suchbegriffe“. WordPress zeigt mir an, über welche Suchbegriffe Leute auf diese Seite gekommen sind und ich hab mir gedacht: Wenn die das hier suchen, wieso nicht versuchen, ob ich dazu was sagen kann.

Logischerweise beziehen sich die meisten Suchbegriffe auf Luthers Lied „Ein feste Burg“. Deshalb hab ich auch den Link zum entsprechenden Wikipedia Artikel angelegt, fall jemand nur den Text sucht.

Was aber meist mit dem Liedtitel kombiniert wird sind Begriffe wie „Interpretation“ oder „Zusammenfassung“. Nun, zusammenfassen werde ich es nicht, das Lied ist nicht sehr lang, aber ich hab gedacht: Warum nicht einmal an einer Interpretation versuchen? Dazu muß ich sagen: Ich war in Deutsch in der Schule nie wirklich gut, wer also hier seine Hausaufgaben abschreiben will könnte ne schlechte Note riskieren. Andererseits: Welches Schulfach behandelt eine Interpretation dieses Liedes, wenn nicht der Religionsunterricht, und Hausaufgaben im Religionsunterricht sind doch recht selten…

Fangen wir mit der ersten Strophe an:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,

auf Erd ist nicht seinsgleichen.

In dieser Strophe werden zwei Mächte beschrieben: Einerseits Gott, andererseits der altböse Feind, der Teufel. Gott ist dem Sänger des Liedes eine Burg, die ihn schützt, aber nicht nur das: Er ist auch die Waffe, oder gleich mehrere Waffen, mit denen sich der Sänger zur Wehr setzen kann.

Der Teufel wird auch mit militärischen Begriffen in Zusammenhang gebracht. Jedoch ist er nicht, wie Gott, eine Burg oder eine (oder mehrere) Waffe(n), sondern er hat, verfügt über eine Rüstung, was nicht nur wie bei einer Ritterrüstung defensiv, also verteidigend, zu verstehen ist, sondern auch Angriffswaffen einschließt.

In der ersten Strophe steht also die Rüstung des Teufels gegen die Burg, Wehr und Waffen des Liedsängers, der Teufel selbst gegen den Sänger, dessen Verteidigung Gott ist.

Diese Not, der Angriff des Teufels, ist es, aus der Gott frei hilft, indem er dem Sänger Burg, Wehr und Waffen ist. Bei Wikipedia werden zwei konkrete Ereignisse genannt, die Luther speziell gemeint haben könnte mit der Not: Einerseits die Pest, andererseits das türkische Heer, das zu der Zeit das deutsche Reich bedrohte und um die Verfassungszeit des Liedes erstmals Wien belagerte. Unabhängig davon, ob Luther eine konkrete Gefahr und Not vor Augen hatte bei Abfassung des Liedes, kann man es doch auf alle möglichen Gefahren und Nöte beziehen. Immer ist es der Teufel, der den Menschen angreift oder anficht, wie man lutherdeutsch sagen würde, und Gott ist derjenige, der aus der Not hilft, indem Er dem Bedrängten Burg und Waffen ist, und das tut Gott frei, ohne eine Gegenleistung vorauszusetzen wie etwa Opfer, Gebete oder dergleichen, ganz im Gegensatz zur damals (und heute?) verbreiteten Vorstellung, daß Gott erst gnädig gestimmt werden müßte, bevor Er etwas für die Menschen tut. Das wird in schöner Regelmäßigkeit ja heute noch den Gläubigen vorgeworfen, daß sie Angst vor Gott hätten und deshalb in die Kirche rennen würden. Hier sieht man, daß auch schon in alten Kirchenliedern anders gesprochen wird, hierher würde auch der schon abgedroschene Spruch „Gott liebt Dich“ passen, denn Liebe stellt keine Vorbedingungen.

Über die Rüstung des Teufels wird noch gesagt, sie bestünde aus Macht und ist. Die Vorstellung ist, daß seit dem Sündenfall der Teufel die Welt regiert und über äußere Macht verfügen kann. Wo die Menschen dem Teufel widerstehen wendet er List an, um seinen Willen zu bekommen und seine Macht zu bewahren.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.

Dem kann alle menschliche Macht nichts entgegenstellen, wie der erste Vers der weiten Strophe feststellt. Der Teufel ist mächtiger als der Mensch, seiner List ist der Mensch nicht gewachsen.

Der Krieg zwischen dem Menschen und dem Teufel, der in der ersten Strophe begann, wird nun fortgesetzt. Allerdings kämpft nicht der Mensch selbst. Der sitzt sicher in der Burg, die ihm Gott ist. Statt dessen kämpft „der rechte Mann“, Jesus Christus. Jetzt wird es etwas komplex: Gott ist dem Menschen die Burg, die ihn schützt (Strophe 1) und hat denjenigen erkoren (ausgewählt), der für uns Menschen gegen den Teufel streitet. Dieser Streiter ist Jesus Christus, über den wiederum gesagt wird, er sei der Herr Zebaoth (in moderneren Bibeln auch Herr der Heerscharen genannt) und kein anderer Gott. Es sind also alle eins:

Gott, der Herr der Heerscharen (eine von vielen Beschreibungen für Gott in der Bibel, die durch Gebrauch des militärischen Begriffs Seine Macht betont), die Burg, Jesus Christus.

Luther benutzt hier verschiedene Begriffe, um verschiedene Seiten Gottes zu beschreiben. Und natürlich gehört auch Christus dazu, denn für Luther gilt die Trinitätslehre, nach der Gott ein Gott ist, aber drei personae (lat. für Masken, Theaterrollen) hat.

Im Krieg Teufel gegen Mensch bietet Gott also dem Menschen ohne Gegenleistung Schutz, kämpft gleichzeitig selbst als Jesus Christus gegen den Teufel, und behält das Feld, gewinnt also den Kampf.

Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Nachdem das festgestellt ist, wird der Liedsänger übermütig. Erst noch von nur einem Teufel bedrängt, fürchtet er sich nun vor einer ganzen Horde Teufel nicht mehr. Der Fürst der Welt, der Teufel, kann sich nur noch sauer stellen, aber nichts mehr tun, weil er gerichtet ist von Gott, er hat den Kampf verloren, weil er gegen Gott nicht gewinnen kann.

Auf welches „Wörtlein“ Luther anspielt, ist mir nicht ganz klar. Es könnte eine Anspielung sein auf Mt 8,7f:

Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.

Die Krankheit des Knechtes des Hauptmanns wäre dann der Angriff des Teufels. Es kann aber auch sein, daß Luther das Wörtlein „Christus“ meinte, weil Christus derjenige ist, der am Kreuz den Sieg über den Teufel errungen hat. Denn indem sich Jesus ans Kreuz schlagen lies und sich vom Teufel, in dessen Machtbereich, der Welt, Er sich aufhielt, Ihn ermorden lies, verwirkte der Teufel seine Macht, denn die Macht des Teufels war gegründet auf die menschliche Gerechtigkeit, nach der jeder das bekommt, das er nach seinen Taten verdient. Da jeder Mensch nach dem Sündenfall Sünder war, hat jeder Mensch den Tod verdient. Dem Teufel reichte es aber nicht, die Menschen zu verderben und die Macht auf der Erde zu haben. Er wollte auch die Macht über Gott erlangen und selbst Gott werden. Deshalb nutzte er seine Macht auf der Welt, um Jesus, der ja nach der Trinitätslehre Gott war, unter seine Kontrolle zu bringen. Nachdem er das nicht durch einen Handel erreichen konnte, nutzte er seine Macht, um Jesus, und damit Gott zu töten und in der Unterwelt unter seiner Kontrolle zu haben. Da Jesus aber ohne Sünde war, hatte der Teufel sich selbst nicht mehr an die menschliche Gerechtigkeit gehalten, und somit seine Macht verwirkt, er war damit gefällt.

Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’ Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib:
laß fahren dahin, sie haben’s kein’ Gewinn,
das Reich muß uns doch bleiben.

In der letzten Strophe geht Luther auf die Bibel ein, die er hier das Wort nennt. Eine Kritik der Reformatoren gegen die damalige Kirchenleitung (so richtig in protestantisch und katholisch getrennt waren sie da ja noch nicht) war, daß von den Päpsten und Bischöfen nicht mehr gelehrt würde, was in der Bibel steht, und statt dessen irgendwelche Traditionen gepflegt würden, die so nicht mit der Bibel in Einklang zu bringen seien. Das Feld geht vom Klosterleben über die Heiligenverehrung bis zum Ablaßhandel. Dem stellte Luther und die Reformation die Bibel entgegen, es sollte nur noch gelten, was in der Bibel steht. Inzwischen wurde dieser Ansatz weiterentwickelt (oder pervertiert, je nachdem) durch die Lehre von der Verbalinspiration, die die Bibel zu einem papiernen Papst macht und somit dem Menschen wieder suggeriert, er könne über Gott bestimmen und ihn gar an einer Hundeleine herumführen oder in die Tasche stecken.

Der Dank, den „sie“ nicht zum Wort haben sollen bezieht sich meiner Meinung nach auf die Heiligenverehrung, in der allerlei Heiligen gedankt wird für ihr Eingreifen und ihre Hilfe, wobei doch nach protestantischem Verständnis immer Gott eingreift und hilft und kein Toter helfen kann.

Der Liedsänger drückt noch einmal seine Gewißheit aus, daß Gott bei den Menschen immer mit Geist und Gaben auf dem Plan ist, uns also nichts fehlen wird.

Dann geht er darauf ein, daß uns eben doch manchmal Menschen und Dinge, gar das Leben genommen werden. „Sie“ nehmen „Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib“ und es stimmt ja, daß wir auch nach Christi Auferstehung, die ja schon ne Weile her ist, immer noch Leid erfahren. Der Sänger läßt sich hiervon nicht beeindrucken und meint nur: Wer auch immer Dir Ehre, Leben, Vermögen oder die Familie nimmt (und wenn das jemand tut, so steckt wie hinter jedem Übel immer der Teufel), dann kann man dies getrost hingeben, weil derjenige, der einem dieses nimmt, keinen Gewinn davon haben wird (darauf, wie das Kind es wohl sieht wenn der Vater es getrost zuläßt, das ein Dahergelaufener es einfach entführt, geht der Sänger nicht ein). Das wichtige nämlich, das Reich, gemeint ist das Reich Gottes, bleibt dem Menschen doch, selbst wenn er sein Leben verliert, weil Gott eben den Teufel und damit den Tod überwunden hat. Der Tod hat nicht das letzte Wort, am Ende kommt die Auferstehung. Gott wird uns aus Liebe in Sein Reich aufnehmen, nichts von Wichtigkeit wäre endgültig verloren, alles wiedergewonnen.

Update: Ich hab’s scheinbar bei google recht hoch gebracht mit den Suchworten „ein feste burg interpretation“. Daher möchte ich auf den Artikel zum Lied von Michael Fischer im Liederlexikon hinweisen, ich fand den ganz interessant, dort gibt es auch eine Literaturliste:

http://www.liederlexikon.de/lieder/ein_feste_burg_ist_unser_gott/

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Gestorben für uns am Kreuz

Über manche Dinge muß man sich immer mal wieder klar werden. Ein Dauerbrenner ist der Tod Jesu am Kreuz. Irgendwie ist schon klar, also ich sprech jetzt von einem dem Glauben zugewandten Menschen ;), daß Jesus für uns am Krez starb. Aber wie genau paßt das nochmal zusammen?

Es starb für unsere Sünde, heißt es, aber da kommt gleich die Rückfrage: Hat Gott es nötig, seinen Sohn zu töten, um die Sünde aus der Welt zu schaffen, kann Er uns nicht so vergeben?

Naja, mag man denken: Jesus ist ja der Sohn, also eine der drei Personen Gottes (auch ein nettes Thema für nen Blogpost), Gott opfert also nicht jemand anderes, sondern sich selbst.

Gut, weniger schlimm wenn Er nicht andere hinrichten läßt, aber wozu überhaupt die ganze Aktion? Wozu muß überhaupt jemand sterben, damit Gott und Mensch „wieder gut miteinander“ sein können? Hätte Er das nicht anders einrichten können?

Und in dem Moment fällt mir die Höllenfahrt Christi ein. Gut, es ist eine umstrittene Tradition, aber die Idee dahinter erklärt ganz gut, was mich am Kreuz so stört.

Wieso ist Christus eigentlich wieder auferstanden? Wieso ist Er nicht liegen geblieben, wie es doch sein müßte, wenn Er wirklich nur ein Lösegeld war, wenn Er starb damit wir nicht sterben müssen, also grad ein „Gefangenenaustausch“ stattfand? Wäre dieses Austauschspiel schlüssig, wäre Christus an Ostern liegen geblieben, damit wir nicht doch noch verdammt werden müssen. Tat Er aber nicht. Naja, zumindest nicht für diejenigen, die glauben.

Was war das mit dieser Höllenfahrt? Die Idee kurz umrissen:

Der Teufel will schon immer Gott besiegen, ist hinter Seinem Job her, möchte Ihn wegschaffen, damit er selbst nun die Welt beherrschen kann. Er hat in der Welt viel Macht, und beherrscht auch die Unterwelt, wo die Toten hinkommen.

Nun kommt Gott in der Person Jesus daher, geht über die Erde und der Teufel reibt sich die Hände: Schafft er es, Ihn zu töten, hat er Ihn besiegt. Und so kommt es dann auch. Das Böse nimmt seinen Lauf, Jesus kommt ans Kreuz und stirbt. Nun kommt der Moment für den Teufel, die Macht anzutreten, da er Gott zu sich in die Unterwelt, die Hölle geholt hat.

Da gibt es nur ein Problem: Der tote Gott ist stärker als der Teufel! Und wo Gott ist, kann keine Hölle sein. Der Teufel hat nen ähnlichen Fehler wie die Trojaner begangen: Er hat sich den Gegner ins eigene Haus geholt. Damit ist seine Macht gebrochen, denn er hat Gott auch in seinem eigenen Bereich nichts entgegen zu setzen. Wie heißt es in dem Kirchenlied so schön: „Denn unser Heiland hat triumphiert, all seine Feind, gefangen er führt“. Die Feinde sind die Teufel und Dämonen. Ich hab mich gewundert, daß das Lied erst von 1969 ist, ich dachte es wäre viel älter.

Als die Hölle nun gestürmt und die Gefangenen befreit sind, kann Er ja auch wieder auferstehen. Er ist ja kein Pfand, keine Geisel an unserer Statt. Er hat den Tod auf sich genommen, um uns zu retten, vor Tod und Teufel.

Deshalb ist Ostern so ein großes Fest, es wird ein Sieg gefeiert, die Mutter aller Siege könnte man vielleicht sagen. Was ist da schon Weihnachten dagegen?

Mir tut es gut, wenn ich sowas hin und wieder mal durchdenke, und dann auf so befreiende und elektrisierende Antworten stoße. Und da das hier eh keiner liest, kann ich mir auch klarwerden, indem ich hier schreib…

Gottes Segen