Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Karfreitag, 6. April 2012

Antje Schrupp befasst sich auf ihrem Blog mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und der Frage, wer dann die Drecksarbeit macht. Der Artikel wirft eine wichtige Frage auf, auch wenn mich als Mann die Suggestion, die „Dreckarbeit“ würde vor allem an den Frauen hängen bleiben, annervt, aber das ist ne andere Diskussion. Ich würde ja die weitergehende Frage stellen, was die Folge wäre, wenn die Drecksarbeit nicht erledigt würde. Riefe man nicht nach dem Staat? Es könnte auf Steuerfinanzierung rauslaufen…

Thomas hat einen Artikel über Zombie-Filme geschrieben, und der ist interessanter, als es sich anhört. Vielleicht gerade auch für diejenigen, die nicht zu den Fans des Genres gehören. Beim Lesen kam mir der Gedanke, ob man wohl auch die Passion als Zombie-Film drehen könnte, oder als Monster-Film mit Zombies, Vampiren, Mumien und Werwölfen, wobei mir noch nicht ganz klar ist, wer für was steht.

Mandy schrieb, passend zur kommenden Osterzeit, über Jonathans Ei. Dabei geht es um einen Jungen mit Behinderung, der eine Regelschule besucht. Und das ist jetzt die Überleitung zu einem Bloghinweis, den ich schon länger unterbringen wollte, der aber nei richtig reinpasste: Der Blog Inklusion ist Menschenrecht. Es ist ja in der Tat so, daß die BRD ein UNO Papier ratifiziert hat, das sich für die Inklusion in der Schue ausspricht. Die Aufnahme in Regelschulen ist also Bundesrecht und muß umgesetzt werden. Insofern ist eine Auseinandersetzung mit der Thematik sicherlich nicht verkehrt.

Gerd Häfner stellt anhand der Frage nach dem Todestag Jesu dar, auf welchen Ebenen man einen Bibeltext lesen kann, und wieso das Nebeneinander von vier Evangelien in der Bibel durchaus sinnvoll ist.

Alien59 schreibt Bedrückendes über Wegwerfmenschen. Am Ende stellt sie die Frage nach dem Menschenbild. Ich meine, daß in diesen Fällen der Mensch nicht als Mensch, sondern als Produkt, als Gegenstand betrachtet wird, der eintauschbar ist bei Nichtgefallen oder Defekt. Eigentlich ein krasser Verstoß gegen Art. 1 GG. Und auch bei Peter scheint mir der Gedanke vom Menschen als Produkt im Hintergrund zu stehen, wenn er von der neuen Scham schreibt, die sich nicht auf die Nacktheit bezieht, sondern auf Armut und Unattraktivität.

Und ein dritter Artikel zum Thema, mit dem Titel „Das Weib als Volkseigentum“ ist bei Geiernotitzen zu lesen, mit einer bedenkenswerten und kreativen Ausdeutung des Ehebruchs.

Beim Hellbound-Blog kommen immer wieder recht gute Artikel, ich dachte ja erst, da würde nur der Film beworben. Weit gefehlt. So gibt es da den Artikel zur Frage, wie es denn nun ist mit der Liebe im Christentum, und wie mit den Werken.

Um Liebe in Form von gegenseitigem Dienst (Fußwaschung!) geht es auch in der Gründonnerstagspredigt von Nick Baines, und die Bemerkung, daß er in dem Jahr, wo er jetzt Bischof von Bradford ist, viele Leute getroffen habe, die gute Arbeit in der Diözese leisteten, dachte ich ein wenig an Heikos Artikel bei evangelisch.de. Dort geht es um die Facebook Seite des bayrischen Landesbischofs, der ja durchaus auch Projekte in seiner Kirche (und anderswo) besucht, die hoffentlich auch alle gute Arbeit leisten. Ne entsprechende Medienpräsenz der „Reisen des Bischofs“ (der Name ist verbesserungsfähig), auf der die guten Projekte in der Kirche kurz umrissen werden (evtl. mit Link zur Projektseite im Internet), vllt. vom Bischöf persönlich in ein paar kuren Worten, würde diesen Besuchen nicht nur den Aspekt des „die Landeskirche nimmt die gute Arbeit hier wahr und schätzt sie“ für die dort arbeitenden geben, sondern sie ebenfalls in Bezug auf „Außenwerbung“ erschließen. Wo jemand sagen würde „Die Kirche macht eh nix für die Menschen“ könnte man beiläufig auf die Internetpräsenz des Bischofs (oder Kirchenpräsidenten oder Präses oder oder) verweisen…

Über den Facebook-Gottesdinest aus dem Maternushaus Köln gibt es einen Artikel bei FrischFischen. Dabei wird auch die Frage nach der zukünftigen Rolle der Ministranten aufgeworfen.

Andrea hat einen Artikel zur Vorratsdatenspeicherung geschrieben. Diese läuft in Österreich im Gegensatz zu Deutschland seit letztem Jahr. Interessant fand ich, daß die evangelische Kirche in Österreich klar Stellung dazu bezogen hat (die EKD war mein ich eher verschwiegen, oder hab ich was übersehen?), gerade auch wegen der Seelsorge. Wären die Piraten, die sich ja hierzuland den Kampf gegen die VDS auf die Fahnen geschrieben haben, nicht so religionsskeptisch eingestellt, hätten sie hiermit vielleicht ein Argument, das sogar einen gestandenen CSUler vom Schaden dr VDS überzeugt. Aber da gibt es wohl leider ideologische Grenzen.

Zu den Piraten hat auch Muriel geschrieben. Lesenswert.

Euch allen einen gesegneten Karfreitag.

Gebetsanliegen, glaube, kirche, Kirche & Web 2.0

Gebetsanliegen

Heute abend im Gottesdienst hatte ich eine Idee (ja, in Greifswald gibt es auch abends Gottesdienste). Es gibt doch Menschen, die ein Gebetsanliegen haben, und dieses auch vortragen, damit andere mit ihnen beten. Und es gibt Menschen, die gerne mit ihren Glaubensgeschwistern beten. Idealer Weise kommen die in der Gemeinde zusammen, das Gebetsanliegen kommt zur Sprache, und man betet gemeinsam.

Nun ist die Welt aber leider nicht ideal, und man traut sich vielleicht auch nicht immer, die Dinge, die einen im Innersten bedrücken, vor vielleicht halb fremden Menschen auszusprechen. Trotzdem würde man sich freuen und es wäre eine Stütze, wenn man wüßte, daß andere an einen denken und mit einem beten.

Deshalb möchte ich dieses Projekt starten und sehen, ob hier vielleicht Leute zusammenkommen, um füreinander zu beten, einander vielleicht auch besser kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen, was auch immer geschehen mag.

Es ist zuerst einmal ein Angebot. Ich kann nicht abschätzen, ob der Bedarf da ist, oder ob man es vielleicht anders umsetzen sollte.

Die Sache läuft grob so:

Es gibt eine E-Mail Adresse (beter ät lavabit.com), an die man Gebetsanliegen schicken kann. Diese werden dann gesichtet (um sicherzugehen, daß niemand irgendwelche zwielichtigen Seiten anpreist und dergleichen) und anschließend veröffentlicht. Und zwar so anonym, wie sie sind. Das heißt: Die E-Mail Adresse wird nicht genannt, und der Text der Mail wird wie er ist wiedergegeben. So kann jeder entscheiden, wie viel er von sich preisgeben will.

Uns die Arbeit erleichtern kann man, indem man

[category Gebetsanliegen]

irgendwo im Text der Mail platziert, damit das auch an die richtige Stelle kommt. Alles Weitere steht hier. Die Gebetsanliegen (und diesen Artikel hier) findet man dann hier. Und natürlich gibt es zu den Gebetsanliegen auch einen extra RSS Feed.

Man darf dieses Angebot auch gerne weitersagen 😉 und wie gesagt: Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen.

glaube

Evolution und Glaube

Wenn der Mensch in Gottes Schöpfung einen besonderen Platz einnimmt, er also getauft werden soll, in den Himmel kommt, bestimmte Rituale ausführen muss er mit einer Grundschuld auf die Welt kommt und was es da noch mehr gibt, eine Ziege aber beispielsweise nicht, seit wann ist das so?

Diese Frage wurde mir hier gestellt. Man kann dort auch meine vorläufige Antwort lesen. Aber darum soll es hier nicht gehen. Ich möchte die Frage weitergeben, wie seht Ihr das? Ich bitte um zahlreiches Kommentieren 😉

Religion

Einen Bund schneiden

Ich hatte eigentlich seit dem Grundstudium nicht mehr viel von ihm gehört: Dem Bund. Es ist einer dieser alttestamentlichen Begriffe, die man wahnsinnig aufladen kann und die einem, wenn man sich nicht eingehend damit beschäftigt, nicht besonders viel sagen müssen und daher auch abschrecken können. Es war jedenfalls nicht mein Lieblingsbegriff damals.

Heute begegnete ich ihm wieder, in einer Übung zur Ehe- und Familienseelsorge. Und zwar bei der Beschreibung der Ehe zwischen Mann und Frau, in Abgrenzung zu einem Vertragsverständnis. Und da man im Studium gedanklich ja nie nur bei einem Thema ist, hatte ich Assoziationen in eine ganz andere Richtung, nämlich zur Staatstheorie.

Der Liberalismus

Ich habe mich für ein anderes Thema nämlich in die Entwicklung im 19. Jahrhundert etwas eingelesen, Konservativismus gegen Liberalismus. Und da begegnet eine Kritik am Liberalismus, die ich nachvollziehen kann: Der Liberalismus löst die Gesellschaft auf. Und tätsächlich ist da etwas Wahres dran, denn der Liberalismus, mit seiner Betonung des Individuums, vernachlässigt aufgrund dieser Betonung die Gesellschaft in ihrer Gänze ein wenig. Ideal ist der gebildete und mündige Bürger, der weitgehend atonom entscheidet, was er tut und was er läßt. Vorschriften von einem König oder sonst jemandem will er sich nicht machen lassen und wenn, dann sollen diese Vorschriften für alle gelten. Es war dies ein unglaublicher Fortschritt, hinter den niemand, der Herr seiner Sinne ist, wieder zurückwollen könnte.

Doch stellt sich die Frage, was mit dem Bürger ist, der Bildung und Mündigkeit nicht erlangt hat. Man hat die Menschenrechte formuliert, aber keine Menschenpflichten. In der Abwehr der Übergriffe des Absolutismus hat der Liberalismus zuerst und zumeist die individuellen Freiheiten betont. Jedoch führen diese, im Extrem von unumsichtigen Zeitgenossen gefordert und angewandt, zur Deintegration der Gesellschaft und des Staatswesens, das die Freiheiten eigentlich garantieren soll. Beispiele scheinen mir gegeben etwa in der Occpuy-Bewegung, wo der einseitige Machtanstieg in der Hand einiger weniger kritisiert wird, oder auch im Urteil zum Gebetsverbot am Diesterweg Gymnasium zu Berlin-Wedding, wo der eine (meiner Meinung nach zu Recht) auf seine Religionsfreiheit pocht und die Gegenseite ein Recht postuliert, von Religion verschont bleiben zu dürfen. Beide argumentieren mit Freiheit, beide beziehen sich zuerst auf sich selbst und nicht auf die Gesamtgesellschaft. Gleiches wird „den Banken“ vorgeworfen. Es gibt der Beispiele noch viel mehr.

Und auch wenn alle diese Beispiele lösbar sind, etwa durch bessere Gesetze oder mehr Toleranz, zeigt sich doch hier das Problem des Liberalismus, daß eben der gesellschaftliche Zusammenhalt durch die Fokussierung auf das Individuum prinzipiell erst einmal in Frage gestellt wird.

Zur Absicherung des gesellschaftlichen Zsammenhalts haben schon früh liberal denkende Philosophen nach Strukturen gesucht, die im Rahmen des Liberalismus den Zusammenhalt garantieren können. Populär war der Gedanke eines Gesellschaftsvertrages, der in allgemeiner Übereinstimmung geschlossen wird und die Grundlagen des gesellschaftlichen Miteinanders klärt. Dabei ist es nie zu einem wirklichen Übereinkommen aller Individuen gekommen, es wird angenommen, daß im Grunde alle die gleichen Vorstellungen und Wünsche haben. Hierher gehört wohl auch der Gedanke von Kants kategorischem Imperativ.

Das Vertragsmodell

Nun hat ein Vertragsmodell seine Schwächen: Ein Vertrag regelt das Verhältnis zwischen zwei Parteien, wobei jede Partei etwas gibt. Sind beide Seiten nicht mehr zufrieden mit dem so geschlossenen Austausch von Gütern, wird der Vertrag gelöst. Kann eine Seite nicht liefern, kommt es mitunter zum Konflikt (etwa wenn ein Teil der Bevölkerung keine Arbeitsstelle findet und der Allgemeinheit auf der Tasche liegt). Sind die Partner bei einem Vertrag ungleich, so gibt er nciht viel Sicherheit. So müssen manchmal Menschen Arbeitsverträgen zustimmen, um überhaupt eine Arbeit zu bekommen, auch wenn sie mit den Klauseln des Vetrages nicht einverstanden sind. Die wirtschaftliche Macht kann Druck erzeugen und so die Schwachen ausbeuten, was wiederum dem individuellen Egoismus der Stärkeren entspräche (man hat ja das Recht zur freien Gehaltsverhandlung) und auch für eine Deintegration der Gesellschaft sorgt (Stichwort Klassenkampf).

Das Manko des Vertragsmodells liegt daran, daß man für eine Leistung etwas kriegt und daß folglich der, der nichts leisten kann und nichts zu geben hat, auch nichts mehr bekommt. Er kann also nur aus dem Gesellschaftsvertrag aussteigen und für eine andere Gesellschaft kämpfen, was eben Deintegration bedeutet.

Vor dem Liberalismus war Garant der Intergration der Gesellschaft der Monarch, der für einen Ausgleich der Interessen zu sorgen hatte. Daß die Monarchen dies nicht taten, ist evident, und so manch einer hat in der Folge den Kopf verloren.

Der Bund

In der heutigen Übung, um nochmals darauf zurück zu kommen, ging es nun m den Gegensatz zwischen einem Vertrag als Austausch von Werten und eine Bund, der auf der Zurechnung von Würde basiert. Beim Vertrag erhält mein Partner einen Wert dafür, daß er mir einen anderen Wert ausliefert. Beim Bund schenkt man aufgrund der Würde des anderen. Er ist auch auf gegenseitigkeit ausgerichtet, aber eben anders. Ein Bund ist nicht so einfach zu lösen, wie ein Vertrag, da man zuerst dem anderen die Würde aberkennen müßte, die Geschenke zu erhalten. Da es auch nicht um das Nehmen, sondern um das Geben geht, gibt es auch gar keinen Grund, einen Bund aufzulösen.

Dieser Bundesgedanke, den wir als grundlegend für die christliche Ehe besprachen, scheint mir ach in Bezug auf die Absicherung der Gesellschaft eine interessante Alternative zum Vertragsgedanken zu sein. Wie schon gesagt, ist so ein Bund auf Dauer und Verläßlichkeit ausgelegt, und nicht auf die Befriedigung der eigenen Wünsche, wie ein Vertrag. Er bedeutet, jemanden für das, was er ist, zu würdigen. Ihr seid meine Mitbürger, deshalb zahle ich Euch zu Liebe Steuern, ohne bei der Steuererklärung z tricksen, und dergleichen mehr. Mancher behauptet, daß ein stetiges Empfangen zu einem Überschuß führen kann, so daß der Beschenkte ebenfalls etwas zurückgibt an die Gesellschaft. Dies scheint mir eher den Zusammenhalt zu fördern, als ein Vertrag, bei dem jeder weiß, was er zu Bekommen hat.

(Nebenbei: Das ist der Gedanke hinter Kreuz und Erlösung durch Christus: Er hat uns zerst geliebt, so daß wir nun lieben können)

Zur Begründung und Absicherung einer liberalen Gesellschaft, die Freiheit nicht als Freiheit von, sondern als Freiheit zu versteht, könnte diese Bundestheorie einen Beitrag leisten. Doch hat auch sie ihre Schwächen. Wenn nämlich jemand so egoistisch ist, daß er einfach alles nimmt, was er kriegt, und nichts weitergibt. Bei einem ist dies kein Problem, den kann die Gesellschaft tragen. Aber je mehr, desto schwerer wird es. Und irgendwann bleiben auch hier die Schwachen auf der Strecke.

Diese sind dann gezwungen, über das Vertragskonzept ihr Auskommen zu sichern. Möglicherweise ist so der Liberalismus überhaupt erst eintstanden. Doch scheint mir auch, daß überall dort, wo Menschen ein Auskommen haben, der Vertragsgedanke zurückzutreten und der Bndesgedanke stärker zu werden. So kann ich mich daran erinnern, als Daimler noch bessere Verträge anbot, da standen die Arbeiter hinter dem Konzern und liesen kein schlechtes Wort auf ihn kommen. Als die Rationalisierung Einzug hielt und quasi der Vertragsgedanke gestärkt wurde, baute sich das langsam ab. Inzwischen gibt es kaum noch solche Loyalitätsbekundungen zum Konzern.

Das Vertragskonzept sichert den Menschen in der Not, es führt aber über kurz oder lang zu Deintegration, wenn es über den Bereich des Geschäftlichen hinaus wirkt. Das Bundeskonzept sichert den Menschen langfristig und unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit, so lange nicht zu viele das System ausnutzen und andere in die Verträge drängen.

Ich glaube, dem Menschen ist der Bund gemäßer. Die Umsonstheit entspricht dem Menschen eher als das do ut des der Vertragswelt, bei dem man immer Leistung zu bringen hat und zunehmend nur noch danach bewertet wird. Deshalb ist zu hoffen, daß ausreichend Menschen die Möglichkeit haben, nach dem Bundeskonzept z leben, und nicht nach dem Vertragskonzept.

 

 

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Zeugnis

Es gibt Dinge, über die kann man sich nur aufregen. So hat der Herr Alipius schon gar keine Worte mehr für einen Titel gefunden für den Blogpost, in welchem er über diese facebook Seite schreibt.

Er wollte sie nicht verlinken, was ich verständlich finde. Auf der Seite selbst schreiben Atheisten, daß sie die Seite krank finden. Ich verlinke sie jedoch gerade deshalb, daß sich alle ein Bild machen können und sie vielleicht selbst weiter verbreiten. In so einem Fall denke ich, ist eine Beschwerde an facebook, so richtig sie dem Inhalt nach ist, die schlechtere Alternative. Statt dessen denke ich, sollte die Seite als Zeugnis für diese Art zu denken (nein, denken ist das nicht mehr) allgemein bekannt gemacht werden und nicht gelöscht um andernorts wieder aufzutauchen, wo das Spiel dann weiter gespielt wird.

Deshalb: Seht es Euch an, verkraftet den Ekel, und dann sagt es weiter.

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Der Papst, das Naturrecht und die Bundestagsrede

Bevor es nun zu lange her ist, möchte ich auch noch ein paar Worte zur Papstrede im Bundestag loswerden.

Das Selbstverständnis

Zuerst fällt ins Auge, wie der Papst die Motivation zu seinem Thema beschreibt:

Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.

Es wurde im Vorfeld ja viel darüber gestritten, ob hier nun ein Religionsführer den Bundestag als Bühne für die Zwangsmissionierung unserer Volksvertreter mißbraucht, oder ob er als Staatsoberhaupt des Vatikan spricht. Die Antwort ist so klar nicht. Er bezieht sich auf seine Rolle als Bischof von Rom und Inhaber der obersten Verantwortung für die katholische Christenheit. Aber für ihn folgt aus dieser Verantwortung für rund 1,2 Milliarden Menschen auch die Rolle, die er international als Völkerrechtssubjekt spielt, was nochmal eine Mitverantwortung für die gesamte Welt bedeutet. Aus dieser Mitverantwortung heraus hält er die Rede. Sie soll demnach Denkanstoß – wohl nicht mehr, aber immerhin das – für die Zuhörer sein. Thema seiner Rede ist die Grundlage des freiheitlichen Rechtsstaates. Damit ist das politische Fundament unseres Zusammenlebens genannt. In der freien, westlichen Welt (und zunehmend andernorts) wird der freiheitliche Rechtsstaat mehrheitlich als die Staatsform anerkannt, die dem Menschen die größte Selbstentfaltung und Freiheit ermöglicht.

Durch seine Überlegungen zum freiheitlichen Rechtsstaat würdigt der Papst diese Staatsform und leistet einen Beitrag zu ihrem Verständnis. Bei jedem anderen Staatsoberhaupt wäre eine Rede über die Grundlagen des Rechtsstaates grundsätzlich positiv aufgenommen worden, da das Thema immer relevant ist und alle angeht, auch wenn man den einzelnen Punkten widerspricht.

Jedenfalls bin ich froh darum, daß er sich zu diesem abstrakten, doch grundlegendem Tema entschlossen hat und nicht Tagesthemen wie Zölibat, Frauenweihe und Mißbrauch thematisiert hat. Diese Themen sind in der Tat wichtig, doch gehören sie an andere Orte: Zölibat und Weihe von Frauen sind kirchliche Angelegenheiten, die nicht in den staatlichen Kontext gehören. Der Mißbrauch ist zwar kein innerkirchliches Thema, das gehört durchaus in die Öffentlichkeit, aber hier ist alles gesagt, nötig sind Gespräche des Papstes mit den Opfern, nicht über sie.

Die große Frage

Die Frage, die im Zentrum des Rechtsstaates steht, findet der Papst in der Vorgeschichte der salomonischen Weisheit schon als Problem erkannt vor: Salomo wurde als junger Kerl König von Israel und Juda. In dieser Situation stellt Gott ihm einen Wunsch frei und er wünscht sich: Ein hörendes Herz. Er will, daß sein Herz auf Gott hört und er so Gut von Böse unterscheiden kann und damit sein Volk gut regiert.

Läßt man mal den Bezug auf Gott beiseite, Ratzinger übergeht ihn ganz, dann bleibt das gleiche Problem übrig, das auch heute Politiker noch haben und immer haben werden:

Wie unterscheide ich Gutes von Bösen? Welche Kriterien lege ich an, wenn ich einen Gesetzesentwurf bewerten soll? Woher bekomme ich die Gewißheit, daß das, was ich tue auch Rechtens ist?

Der Papst betont dabei, daß es sich hierbei nicht um ein Philosophieren im Elenbeinturm handelt, sondern ganz schnell ganz konkret werden kann, denn Recht ist nicht Recht, weil ein Staat es als solches definiert. Sonst könnte man weder die Nazis verurteilen, noch alle anderen, die sich heute nicht an die Menschenrechte halten.

Es gab einmal eine Antwort

Die Antwort auf die Frage, so die Quintessenz des nächsten Redenteils, schien bis in die Nachkriegszeit geklärt zu sein. Bemerkenswert finde ich das „schien“, das womöglich bedeutet, daß der Papst frühere Deutungsmuster als unzureichend oder gar falsch verstanden haben will. Doch worum geht es?

Ihm geht es um Natur und Vernunft als Rechtsquellen. Das Christentum habe selbst keine offenbarte Rechtsordnung vertreten sondern habe sich auf die Seite der Philosophen gestellt, die sich schon vorher auf Natur un Vernunft beriefen.

Er bringt wiederum einen Bibelvers zur Veranschaulichung: Die Heiden, so Paulus, halten das Gesetz, ohne es zu kennen, da es ihnen ins Herz geschrieben ist. Weil es Teil seiner Natur ist, hört der Heide auf sein Gewissen, und erfüllt so das Gesetz Gottes.

Die Vernunft ist hier gleichbedeutend mit dem hörenden Herzen und dem Gewissen. Doch spricht der Papst hier genauer von einer Vernunft, die der Sprache des Seins geöffnet ist.

Diese Rechtsquellen, die der Papst als die vom Christentum gegen „den Götterglauben“ verteidigten Rechtsquellen verstanden haben will, sind es nun auch, die durch die Aufklärug und bis zur Deklaration der Menschenrechte anerkannt waren und getragen hätten.

Hier kann man sicherlich hinterfragen, ob dies historisch so alles zutreffend ist. Diese Frage finde ich jedoch nicht besonders spannend. Viel spannender finde ich den Inhalt dessen, was der Papst sagt:

Vernunft und Natur, also die Größen, auf die sich die meisten ach so aufgeklärten Krakeele-Atheisten berufen, benennt der Papst als die Rechtsquellen zur Unterscheidung von Gut und Böse. Doch schien hier nur die Antwort auf die Frage nach der Unterscheidung von Gut und Böse zu liegen.

Heute ist alles anders.

Heutige Situation

Heute wird davon ausgegangen, daß zwischen Sein und Sollen ein Graben bestehe und von ersterem nicht auf das Zweite geschlossen werden könne. Eine Beschreibung der Welt (Dogmatik) könne demnach also nicht eine Handlungsregel (Ethik) nach sich ziehen. Eric Djebe meint in seinem Kommentar, das sei eine Grundlage der formalen Logik, die auch im Mittelalter bei der Scholastik schon galt, doch sagt der Papst auch, daß unter der Voraussetzung eines positivistischen Verständnisses von der Natur und der Vernunft gar keine andere Aussage möglich sei, als daß es keine Brücke zwischen Sein und Sollen gäbe.

Und was ist diese positivistische Natur und die positivistische Vernunft? Er beschreibt damit den Anteil von Natur und Vernunft, der beschreibend ist, also die Natur als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen“ (hier zitiert er Kelsen) ansieht. Jetzt mag jemand fragen: Gibt es denn noch mehr?

Für den Papst scheinbar schon. Und das erinnert mich etwas an einen griechischen Professor der Systematischen Theoogie, bei dem ich einmal zwei Vorlesungen hören konnte. Dieser sagte bei einer Gelegenheit, daß die Ursache für das Aufkommen des Atheismus darin liege, daß die Westkirche alles, auch den Bereich Gottes, rationalisieren wollte und als erklärbar darstellen, und zwar seit Aufkommen der Scholastik. Vielleicht, so kam mir gerade der Gedanke, ist dr Papst auf einer ähnlichen Denkspur unterwegs.

Wenn also der Papst die Grundlagen der Scholastik in Zweifel zieht, dann möglicherweise nicht, weil er sie nicht kennen würde (er war immerhin Professor für Systematische Theologie), sondern vielleicht, weil er auf etwas ganz anderes hinaus will.

Wie dem auch sei, mit dem Bechränken auf den positivistischen Teil von Natur und Vernunft verunmöglicht man es, zu einer Ethik zu kommen, weil alles nur noch beschrieben wird, ohne daß man ihm einen Sinn zuweist.

Das bedeutet dann, daß überall, wo die positivistische Vernunft die Alleinherrschaft hat, das Aufstellen einer Ethik nicht mehr möglich ist. Die Frage nach den Grundlagen der Rechtsordnung, nach dem Orientierungspunkt, dem hörenden Herz, ist wieder offen, weil man durch Beschreibung allein keine Handlungsanweisung gewinnt.

Dem schiebt der Papst die Versicherung nach, daß die Errungenschaften der positivistischen Vernunft wichtig und gut sind, auf die nicht verzichtet werden kann. Es geht ihm nicht um Tehnik- und Fortschrittsschelte.

Was er aber sagt, ist, daß die positivistische Vernunft alleine den Menschen kein macht und seine Rechte bedroht. Er führt dies nicht aus, es scheit mir aber evident zu sein, daß er dies damit erklären würde, daß in diesem Fall die Verbindung der existierenden und beschriebenen Welt zur Ethik fehlen würde bzw. neue Ethiken vielleicht per Mehrheitsbeschluß oder sonstwie durchgesetzt werden müßten, weil diejenigen Formen von Natur und Vernunft nicht ausreichen, um damit eine Ethik zu begründen. Sie sind als Rechtsquellen unnütz geworden. Wo das Recht aber nicht mehr gesichert ist, nicht das durch den Staat gesetzte Rech, sondern die Gerechigkeit, die jedes staatliche Gesetz abbilden sollte, kann alles als Recht verkauft werden, ohne daß ein Einspruch prinzipiell möglich ist. Es scheint ir dies der Relativismus zu sein, vor dem der Papst immer wieder gewarnt hat.

Wenn er von radikalen und extremistischen Strömungen spricht, so erinnert mich dies in diesem Zusammenhang an die Gewaltregime, die Recht willkürlich so faßten und fassen, daß es ihren Machtinteressen entspricht: Nazis, Faschisten und Kommunisten wie Stalin, Pol Pot oder Kim Il Sung.

Den Zustand, nur noch die positivistischen Anteile von Natur und Vernunft zu kennen beschreibt der Papst mit der Metapher des Betonbaus ohne Fenster, in der es zwar elektrisches Licht gäbe, aber die Außenwelt, wie sie wirklich ist, nicht erkannt wird (erinnert das noch irgendwen an Platons Höhlengleichnis?). Der Papst fordert nun, daß die Fenster aufgerissen werden müssen, damit man die Welt in ihrer Gesamtheit, also auch die Teile von Natur und Vernunft, die nicht positivistisch sind, erkennen kann.

Wie geht nochmal das Fenster auf?

Wie das geht, über die positivistischen Anteile von Natur und Vernunft hinauszukommen, erklärt der Papst nicht (ist dies am Ende gar unverfügbar für den Menschen und von Gottes Gnade abhängig, oder denke ich hier zu evangelisch?). Er beschreibt es, mit einem Bild. Und zwar mit der ökologischen Bewegung. Die jungen Menschen damals hätten erkannt, daß man Erde und Lebewesen nicht nur als Material ansehen dürfe, sondern sie eine eigene Würde haben, deren Weisung wir folgen müssen.

Dieses Bild soll jedoch nicht das Öffnen der Fenster beschreiben, sondern lediglich einen Schrei nach frischer Luft. Wie dem auch sei, es scheint dem Papst um etwas zu gehen, da so nicht beschreibbar ist (das wäre positivistisch) aber trotzdem existiert und die Brücke bildet vom Sein (es gibt eine Umwelt) zum Sollen (weil es die Umwelt gibt, müssen wir sie schützen).

Der Schöpfergott

Am Ende kommt der Papst nochmal auf Kelsen zu sprechen. Der hat im Alter den Dualismus zwiscen Sein und Sollen aufgegeben und gesagt, daß Normen einen Willen voraussetzen. Wenn die Natur also Normen enthielte, dann müßten diese durch einen Willen in die Natur gekommen sein.

Dieser Wille wäre dann der Wille des Schöpfergottes. Und schließlich seien die Freiheitsrechte bis hin zu den Menschenrechten historisch aus der Vorstellung eines Schöpfergottes entstanden. Dies zu negieren, so der Papst, wäre das Erbe Europas zu negieren. Stellt man den Schöpfergott in Frage, so fallen damit auch die Grundlagen unserer Rechtsordnung, die wir zu verteidigen haben, nämlich Freiheits- und Menschenrechte. Und dies wohl aus dem Grund, weil damit eben wieder die Brücke abgerissen ist zwischen Sein und Sollen.

Fazit

Es wurde bei evangelisch.de darauf verwiesen, daß das Naturrecht von Protestanten nicht in gleicher Weise wie vom Papst anerkannt werden könne, man zitiert Barth:

Es gibt kein Naturrecht, das, als solches erkennbar, zugleich göttlichen Charakter trüge, göttliche Verbindlichkeit hätte, kein Gesetz und Gebot Gottes, das in des Menschen Geschöpflichkeit als solcher vorläge.

Ein Kommentator des Artikels fragt weiter, ob denn, wenn Gott durch die Vernunft zu erkennen ist, der Ungläubige auch unvernünftig sei und verweist auf Luthers Rede von der „Hure Vernunft“ und Paulus‘ Rede von der „Torheit des Kreuzes“. Nur im aus Gnade geschenkten Glauben ist Gott erkennbar, nicht aus der Natur und der Vernunft.

Mir scheint, hier werden mit der Hure, der Torheit und der Nichterkenntnis Gottes aus der Vernunft eine Art der Vernunft angenommen, die eher der positivistischen Vernunft entspricht als dem, was der Papst anzudeuten versucht. Ich schrieb oben schon, daß der Papst von etwas Unverfügbarem zu reden scheint. Hier würde Gottes Gnade gut reinpassen. Das würde für den Ungläubigen dann bedeuten: Ja, im Sinne einer umfassenden Vernunft ist er unvernünftig, was aber gleichbedeutend ist mit: Er hat die Gnade des Glaubens nicht erfahren.

Ich kann as Protestant jedenfalls die Ablehnung des Positivismus des Papstes teilen. Und ich kann davon ausgehen, daß es eine umfassende Vernunft gibt, die über den positivistischen Teil hinaus geht. Man wird als Christ ja nicht irrational, wenn es einem wie Schuppen von den Augen fällt. Man erkennt einfach mehr, bleibt aber vernünftig.

Daß die wirkliche, umfassende Vernunft für den Menschen aus eigener Kraft verfügbar wäre, habe ich den Papst nicht reden hören im Bundestag und das würde ich auch ablehnen. Das schließt dann auch den Papst mit ein, der ebenso auf die Gnade Gottes angewiesen ist und nicht unfehlbar Wahrheiten verkünden kann.

Aber daß eine solche Vernunft, eine solche Natur existiert, kann ich mir denken (ich habe hier auch viel dem Gespräch mit Ludwig Trepl zu verdanken, danke nochmals). Unsere Aufgabe ist es aber nicht, sie zu beschreiben (das geht nicht, weil sie ja nicht positivistisch ist, sondern darüber hinaus geht), sondern sie anzunehmen.

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Norwegen

Unsere Antwort wird mehr Offenheit und mehr Demokratie sein. Wir lassen uns unsere offene Gesellschaft nicht kaputt machen.

Jens Stoltenberg, norwegischer Ministerpräsident, zitiert nach Mathias Richel.

Der christliche Fundamentalist

Es ist schon vieles gesagt zum Mörder Breivik.Eine der ersten Aussagen, die ich hörte war, daß es sich um einen christlichen Fundamentalisten handele (ja, ich hab kein Fernsehn, deshalb ging die „das war sicher ein Islamist“ Nummer erst einmal an mir vorbei, das hab ich erst später aus zweiter Hand erfahren).

Wenn man den Begriff hört, denkt man wahrscheinlich zuallererst an einen fundamentalistischen Terroristen à la Al Quaida: Ausgerüstet mit dem Willen selbst zu sterben, ohne großes Interesse daran, wer eigentlich bei den Anschlägen stirbt (die meisten Opfer von Al Quaida sind Muslime!) verübt er eine Terrortat, um einen Gottesstaat zu errichten.

Breivik macht jedoch nicht den Eindruck, als ob er einen Gottesstaat errichten wollte. Vielmehr scheint die Angst vor dem islamischen Gottesstaat in Europa ihn angetrieben zu haben. Das eigene Sterben hat er zumindest nicht gesucht, jedenfalls war allenthalben die Rede davon, daß er nach Eintreffen der Polizei keinen Widerstand mehr leistete. Auch seine Opfer hat er sich gezielt ausgesucht: Das Regierungsviertel und die Jugendorganisation der regierenden Partei, die er für den Multikulturalismus verantwortlich macht.

Eine Gemeinsamkeit hat er dann aber doch mit den Islamisten: Er will durch sein Morden Aufmerksamkeit erregen. Für sein Manifest, in dem es unter anderem heißt:

Eine Mehrheit der so genannten Agnostiker und Atheisten in Europa sind kulturelle konservative Christen, ohne es selbst zu wissen. Was also ist der Unterschied zwischen kulturellen Christen und religiösen Christen? Wenn man eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott hat, dann ist mein ein religiöser Christ. Ich und viele andere wie ich haben nicht notwendigerweise eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott. Wir glauben aber an das Christentum als kulturelle, soziale und moralische Plattform. Das macht uns zu Christen.

Er hat also einen recht eigenwilligen Christentumsbegriff. Es ist ein kultureller Begriff: Weil er aus einer vom Christentum (und nicht vom Islam) geprägten Kultur kommt, ist er Christ. Nicht, weil er religiös wäre. Es erinnert an das 19. Jahrhundert, als in der evangelischen Theologie die These herrschte, die Kirche müsse sich in der Kultur auflösen. Wundergeschichten, Exorzismen, Auferstehung galten als Relikte eines unafgeklärten Glaubens, als Kern des Christentums wurde nicht mehr die Vergebung der Sünde angesehen, sondern die sittlichen Lehren Jesu, Ethik und Kultur. Auf dem bei Youtube kursierenden Video (Link könnte kaputt sein, youtube löscht es, aber es wurde von einigen Leuten hochgeladen) nennt er das Christentum vor der Aufklärung (~ Min. 11) als eine imperialistische Ideologie, von solchen Ideologien distanziert er sich jedoch.

Die Angst des Antiislamismus

Diese seine Kultur, die er „kulturell konservatives Christentum“ nennt, sieht er in Gefahr, durch „Überfremdung“, durch den Zuzug von Muslimen nach Europa und Norwegen. Und deshalb mordet er, hält seine Taten für „furchtbar aber notwendig“, um eben mittels Verbreitung seines Manifestes (das ich erst mal suchte, um es runterzuladen und mir ein genaueres Bild zu machen und hier als zu Beleg verlinken, dann aber Abstand davon nahm, als ich laß, das sich darin Bombenbauanleitungen finden) dafür zu sorgen, daß die Zuwanderung gestoppt wird.

Er handelte aus Angst. Er war sich seiner Identität derart unsicher, daß er andere Identitäten in seinem Umfeld nicht dulden will und kann. Darin unterscheidet er sich wenig von anderen Protagonisten des Antiislamisms (zur Verdeutlichung: Das -ismus bezieht sich nicht auf Islam, sondern auf Antiislam) wie Sarrazin und Broder.

Es war auch zu lesen, daß man Breivik weniger als Nazi denn als antimuslimisch bezeichnen muß. Der Unterschied liegt in der Motivation und dem Ziel des Haßes: Der Nazi haßt den Ausländer aufgrund von dessen „Rasse“, der Antiislamist hasst den Muslim aufgrund der abweichenden Kultur. Das macht sich dann an Kopftüchern und Bärten fest, gemeinsame tatsächliche Werte wie Ablehnung von Gewalt etc spielen weniger eine Rolle. Das wird im Zweifel großflächig ignoriert.

Reaktionen

Bei der Reaktion auf die Anschläge sind natürlich die üblichen Reflexe schnell zur Stelle: Mehr Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, Polizeistaat. Mir ist jedoch nicht klar, was VDS bringen würde, außer vielleicht eine Untersuchung, wie genau er die Tat vorbereitet hat, und zwar im Nachhinein, nachdem man wüßte, nach wem man in dem Datenwust suchen muß. Das hätte keins der Opfer gerettet. Auch eine Videokamera auf der Insel hätte Breivik keinen Einhalt geboten. Selbst 100 Kameras nicht!

Insofern ist es angenehm zu hören, daß der norwegische Ministerpräsident als Reaktion eben mehr Offenheit und Demokratie will und nicht die Etablierung eines Sicherheitsstaates.

Ansonsten liest man von Aufrufen, den Anfängen zu wehren und auch die Brandstifter nciht aus dem Blick zu verlieren.

All das ist gut und wichtig und die TITANIC hat das auch schon entsprechend kommentiert.

Wie kann es besser werden?

Einen darüber hinaus wichtigen Gedanken habe ich Alipius zu verdanken, der mich dann auch dazu führte, diesen Artikel zu schreiben:

Dieses Potential nicht ernst zu nehmen, sondern es weiterhin fleißig in die Schubladen „Stammtisch“, „Irrationaler Fremdenhaß“ oder „Christlicher Fundamentalismus“ zu schaufeln, kann uns teuer zu stehen kommen.

Was auch immer die Beweggründe dafür sind, daß Broder, Sarrazin und Geert Wilders Zulauf bekommen, sie zu ignorieren wird die angestauten Emotionen nicht abbauen. Diese Emotionen sind da, und wie ich weiter oben schon schrieb, denke ich, daß Unsicherheit in Bezug auf die eigene Identität und eine daraus sich nährende Angst vor allem Fremden eine der Hauptursachen ist.

Die Frage wäre dann, wie man den Stammtischmenschen (um auch mal ein Wort zu schöpfen wie Sarrazin mit seinen „Kopftuchmädchen“) die Angst nimmt, wie man ihnen Sicherheit bezüglich ihrer Identität vermittelt, so daß sie es nicht mehr nötig haben, Unsicherheiten und Minderwertigkeitsgefühle bezüglich der eigenen Identität durch radikales und gewalttätiges Überbetonen derselben zu kompensieren.

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Das Kreuz

Als Krawallchrist (Religiot ist wohl inzwischen nicht mehr scharf genug und zu abgenutzt als diffamierender Begriff) bin ich vielleicht dazu prädestiniert, mir auch Gedanken zum Kreuz in Gerichtssälen, Schulen und Verwaltngen etc. zu machen. In letzter Zeit hört man ja öfters mal von Gerichtsbeschlüssen, die das Abhängen fordern und Menschen, die das nciht tun, sich dagegen wheren oder sich beklagen, weil die Kreze eben nicht abgehängt werden. Oder kurz: Es ist ein umstrittenes Thema.

Dabei sagt die eine Seite: Das Kreuz ist ein Symbol des Christentums und damit steht es der staatlichen Neutralität entgegen, dieses Symbol in staatlichen Gebäuden aufzuhängen.

Die andere Seite meint: Das Kreuz ist nicht nur Symbol des Christentums, sondern vielmehr Teil der Kultur in Mitteleuropa und Detschland, und daher spricht nichts dagegen, dieses Symbol auch im staatlichen Kontext zu benutzen, ohne die Neutralität zu verletzen.

Persönlich tendiere ich eher dazu zu sagen: Hängt die Kreuze ab. Was hat man denn davon (ob nun als Christ oder als Kulturfetischist) wenn ein Kreuz an der Schul- oder Gerichtswand hängt? Nichts, also wozu der ganze Streß. Hängt die Dinger ab und gut ist. Ich kenne keinen Christen der meint, die Kreuze an der Schulwand für seinen Glauben zu benötigen.

Vor allem die Kulturthese erschien mir völlig irrwitzig, und ich habe mich ach geärgert, daß hier von staatswegen ein christliches Symbol umgedeutet und damit entkernt wird. Doch dann fiel mir etwas auf: Das Kreuz kommt nicht nur an Staatlichen Gebäudewänden vor, sondern auch anderswo. Etwa den Flaggen der skandinavischen Länder, ebenso in mehrfacher Ausführung beim Union Jack sowie den Flaggen der einzelnen Teile des Vereinigten Königreichs (und ich habe sicher einige Staaten vergessen), darüber hinaus auch in vielen Länder- und Kommnalwappen (etwa das Trierer Kreuz oder das Kurkölinsche Kreuz). Auch Fußballvereine haben mitunter ein Kreuz im Wapppen, was schon für Aufregung in islamischen Ländern gesorgt hat. Wobei, eigentlich ist die Türkei ja laizistisch…

Jedenfalls bringt das nochmal eine ganze andere Dimension in die Diskussion. Wenn das Kreuz nur religiöses Symbol ist und nicht ach kulturelles Symbol, müßten hunderte oder tausende Kommunen, Kreise und einige Länder in Detschland (und der ganzen EU?) ihre Wappen ändern. Wenn es aber auch kulturelles Symbol ist, stellt sich die Frage nach der Abgrenzun zwischen den beiden, dem Kreuz auf der Flagge Dänemarks und dem Kreuz an der Wand einer bayrischen Grundschule. Das Ganze könnte noch weitere Kreise ziehen, man denke nr an die Andreaskreuze an Bahnübergängen! Im Ursprung sicherlich christliche Symbole.

Ich bin immer noch der Meinng, man kann die Kreuze in den öffentlichen Gebäuden ruhig abhängen. Ich habe auch weniger ein Problem damit, die Justitia Figuren stehen zu lassen, obwohl es sich hierbei ja auch um ursprünglich religiöse Figuren handelt. Aber ich bin mir bei der Grenzziehung zwischen den Kreuzen in Staatssymbolen und den Schulwandkreuzen nicht mehr so sicher. Was macht ein staatlich verwendetes Kreuz zum Kulturbestandteil, und was verhindert selbiges, wie es im Fall von Gerichtswandkreuzen und dergleichen behauptet wird?

kirche, Kirche & Web 2.0, Religion

Katechismus

Ich weiß nicht mehr warum, jedenfalls gab ich heute morgen bei youtube mal den Suchbegriff „Erbsünde“ ein. Da kamen dann jede Menge Videos die gar nichts mit dem Thema zu tun haben, oder Videos von muslimischen Jugendlichen, die aus islamischer Sicht Kritik übten, oder sowas wie das:

http://www.youtube.com/watch?v=LsOxY4io1Hw

Und mich beschlich das Gefühl: Das muß doch anders darstellbar sein. Jetzt nicht nur auf die Erbsünde bezogen, sondern christliche Glaubensinhalte allgemein. So kam ich darauf, nach „Katechismus“ zu suchen. Die Suche war nicht viel ergiebiger.

Jetzt überlege ich, ob es denn möglich wäre, einen Katechismus überhaupt zu verfilmen. Erst dachte ich an den Pfälzer Katechismus von 1869 (da ich als Pfälzer weder reformiert noch lutherisch bin), aber der ist im Netz (weil mein Exemplar bzw das meiner Oma zu Hause liegt) irgendwie nicht zu finden, trotz des netten Hinweises von @Kirchturmpirat auf google Books. Da gibt es soweit ich sehe auch nur den Heidelberger Katechismus. Aber so schlecht ist der ja auch nicht.

Jetzt die Frage: Wie würde man es angehen, wenn man den veryoutuben wollte? Ginge das überhaupt? Oder läßt sich christliches Lehrgut nur derart verzerrt wie oben darstellen?

EKD, kirche, Religion

Den Islam zurechtschneidern?

Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, was ich vom Vorsitzenden des Rates der EKD halten soll. Es geht um Nikolaus Schneider, der Hauptberuflich Präses der evangelischen Kirche im Rheinland ist.

Diese Woche hat er sich (wieder) zum Islam geäußert, und wurde vom Zentralrat der Muslime, einer der kleinen Splittergruppen, die Muslime in Deutschland vertreten, kritisiert. Und die Kritik ist verständlich, doch um was geht es?

Schneider meinte, der Islam trete „von Aufklärung nd Religionskritik kam irritiert in unserer Gesellschaft auf“. Das mag stimmen, gilt auch für bestimmte christliche Gruppierungen (meist jedoch nicht für Landeskirchler), braucht aber einen evangelischen Präses als Präses nicht zu interessieren. Vielleicht ärgert es ihn als Bürger, aber dieser Ärger ist der Tribut, den es zu zahlen gibt in einer freien Gesellschaft für die Freiheitsrechte auch der anderen. Wenn die Muslime sich ohne Aufklärung und Religionskritik wohler fühlen (falls das überhaupt stimmt), ist es ihr gutes Recht. Eine andere Sache wäre es, wenn Schneider eine bestimmte Position aufgreift und diese auf Grundlage islamischer Vorstellungen kritisiert, wenn er einem Muslim also aufzeigt, warum die Aufklärung etwa in Einklang mit dem Koran steht und Mohammed Religionskritiker war (falls es so gewesen sein sollte). Ansonsten können nur Muslime den Islam von innen verändern (in welche Richtung ach immer). Das ist dann aber nicht Sache Schneiders, sondern der Muslime.

So weist der Zentralrat der Muslime darauf hin, daß man es nicht gut findet, wenn jemand belehrend auftritt (wobei ich mich in dem Kontext wundere, daß nicht von Scheider die Rede ist, sondern von der evangelischen Kirche, die ja nicht mit Schneider identisch ist, sein Posten ist ja in keinster Weise mit dem des Papstes zu vergleichen, aber das nur nebenbei).

Auch kann ich der folgenden Aussage des Zentralrates nicht ganz folgen:

Niemandem steht es zu, eine Religion zu kritisieren und zu bewerten, ob sie eine Aufklärung nötig
hat oder nicht

Ich denke, es steht dem Anhänger der Religion sehr wohl zu. Ich kann als Christ innerhalb der Kirche und des Christentums durchaus kritisieren und bewerten, ob es ein zu viel oder zu wenig an Aufklärung gibt. Und zwar immer in dem Maße, wie ich mich den jewilig Kritisierten selbst zugehörig fühle. So kritisiere ich die Katholiken etwa bei ihrem Amtsverständnis, weil ich es biblisch und historisch nicht als begründet ansehe, aber ich kritisiere nicht den Zölibat, das ist Sache der katholischen Kirche und das sollten die unter sich ausmachen. Als Christ aber bin ich der Meinung, beim Amtsverständnis (etwa) mitreden zu können und zu dürfen.

So habe ich auch kein Problem damit, wenn Schneider als Mitglied unserer Gesellschaft andere Mitglieder auf den Grundlagen der Gesellschaft kritisiert, etwa wenn er sich zur Gefahr äußert, die von multinationalen Unternehmen für unsere demokratischen Strukturen ausgeht.

Daß der Islam „lauter und aggressiver“ auftritt mag stimmen, die Frage ist aber doch dann, warum man die Kirche nicht hört, bzw. nur hört, wenn es um Zwangsarbeit und Mißbrach geht, bzw. die Entschuldigungen nd Erklärngen daz etc…

Ja, der Islam missioniert in Deutschland, wie auch seit neuestem Atheisten aktiv Mission betreiben. Niemand hindert die Kirche, da auch mal wieder mitzuspielen und so spricht Schneider ach davon, „von der Heiligen Schrift inspirierte Lebenskonzepte zu vertreten“. Dazu gehört aber mehr, als immer wieder von Mission zu reden, irgendwas muß man auch tun, denn über Presseerklärungen und Reden af Synoden finden die wenigsten Menschen zu Christus.

Was mich etwas geärgert hat ist, daß Schneider meinte, ein akademischer Islam sei nötig. Ich mag ja auch die Idee von islamisch-theologischen Fakultäten an den Unis, am Besten auch da, wo es christliche Theologen gibt, um den Austausch zu fördern und einander besser kennen zu lernen. Was der Islam jedoch nötig hat, ist Sache des Islams und der Mslime, und wenn der Islam sich dadurch ins Abseits stellt, ist das auch Sache des Islams und der Muslime.

Eine islamische Aufklärung wird man nicht gezielt initiieren können, so wie ach die europäische Aufklärung nicht gezielt initiiert wurde, sondern sich ergab. Wenn es also irgendwanne einmal so weit kommt, daß die Muslime sich tatsächlich soweit organisieren, daß sie Islamisch-theologische Fakultäten erstellen und mitunterhalten können (niemand kann sie dazu verpflichten, Imame in Deutschland auszubilden und Religionsnterricht an den Schlen anzubieten), dann können sie auch selbst entscheiden, inwieweit dort die Aufklärung überhaupt behandelt wird. Sicher wäre es sinnvoll, um die Gesellschaft in Europa zu verstehen, aber wie gesagt: Niemand kann den Muslimen verbieten, nicht sinnvolle Dinge zu tun, und keiner sollte es ihnen afzwängen wollen. Auch die Kirchen haben viel nsinniges getan in ihrer Geschichte und würden Äßerungen von außen, was in der Kirche nötig wäre, zurückweisen, so wie Schneider auch die Mischreligion (mit Recht) zurückweist.

Recht geben muß ich Schneider, wenn er sich für die verfolgten Christen in islamischen Ländern ausspricht. Ertsens sind es Gläubensgeschwister, die in Alexandria umkamen (und im Irak und anderen Ländern), und zweitens wird von islamischer Seite immer wieder betont, der Islam sei eine Religion des Friedens und der Toleranz. In der Sitation die Muslime beim Wort zu nehmen, kann ihm keiner vorwerfen.

Leider hört man sehr wenig davon, daß Muslime etwa in der Türkei sich für Christen einsetzen, für ein Recht, Kirchen zu bauen und ihren Glauben zu lehren. Entweder es findet nicht statt oder wird in den Medien nicht gebracht, und das ist schade, in beiden Fällen. Herasragend finde ich in diesem Kontext eine Meldung wie die, daß Mslime in Ägypten dazu aufgerufen ahben die Weihnachtsmessen der Kopten zu besuchen, um die Solidarität zu zeigen und als menschliche Schutzschilde gegen mögliche weitere Attentate zu helfen. Ein bewundernswerter Mut!

Die innere Verfassung des Islams jedoch, und das ist mein eigentlicher Punkt, ist nicht Sache eines evangelischen Präses. Dieser kann lediglich anfragen bei Muslimen, oder diese beim Wort nehmen, er hat aber keine ungefragten Äußerungen darüber zu machen, was die Muslime brauchen und tun müssen. Die können tun was sie wollen und legal ist, so wie auch die Kirchen.