Theologie

Predigtkommentar

Predigen ist eine gefährliche Sache. Viele Menschen hören einem zu und glauben das, was man sagt. Als Prediger hat man eine gewisse Autorität, manches wird ungeprüft geglaubt, weil es „der Herr Pfarrer“ sagt.

Es ist nicht verkehrt, sich das als Prediger bewußt zu machen und ich bin mir bewußt, daß auch ich in meinen Predigten immer wieder in diese Gefahr komme und in die Falle tappe. Ich bin, wie alle anderen Menschen auch, ein Sünder.

Christina machte mich in einem Kommentar auf diese Hörpredigt aufmerksam (leider habe ich keinen Link zum geschriebenen Text). Mein Eindruck ist, daß der Prediger gut auch gute Absichten haben kann, ich denke aber ebenso daß er seine Gemeinde verführt (und zwar schon durch die abwertenden Sprache, die er zum Teil benutzt, um die Flüchtlinge zu bezeichnen; es kommt mehrmals der Begriff „Horden“ etc).

Ich möchte diesen Blogartikel benutzen, um in brüderlicher Verbundenheit auf ein paar Probleme hizuweisen, die mir beim einmaligen Hören der Predigt (den Text vorliegen zu haben würde es mir hier freilich einfacher machen) aufgefallen sind. Am Ende muß sich freilich jeder selbst ein Bild machen, den vor Gott werden wir dereinst alleine stehen, ohne uns auf einen Papst oder Lieblingsprediger berufen zu können.

Ich habe mir beim Hören Notizen gemacht und werde darauf antworten. Das wird leider sehr bruchstückhaft sein. Ich möchte entscheidende Aussagen der Predigt überprüfen und mein jeweiliges Ergebnis vorstellen.

Der Prediger stimmt der Aussage zu, daß Christen alle Menschen lieben, fragt aber, ob dies bedeutet, daß wir alle Menschen in Deutschland aufnehmen müssen, die kommen. Darauf antwortet er mehrfach, zuerst mit einem Beispiel:

Ein Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche soll 200 Flüchtlinge aufnehmen, weil der Hausbesitzer sie alle liebt. Er stellt fest, daß die 200 Menschen zwar in das Haus hinein passen würden, daß es aber schnell zu Chaos führen würde, weil es doch zu wenig Platz zum Leben ist, und spätestens wenn weitere 500 Flüchtlinge ins Haus wollen, geht gar nichts mehr.

Das Beispiel ist sehr anschaulich, es ist nachvollziehbar, und es ist Quatsch. Nachvollziehbar ist es, weil es tatsächlich irgendwann dazu kommt, daß eine bestimmte Fläche zu viele Menschen beherbergen muß. Quatsch ist es, weil die Menge der Flüchtlinge pro m² in Deutschland nicht annähernd den Wert auch nur erreichen kann, der im Beispiel angenommen wird.

Wenn ein Haus 100m2 hat und darin 4 Personen (Papa, Mama, Sohn, Tochter) leben, dann hat jeder 25m². Wenn 200 Personen in dem Haus leben, sind das pro Person nur noch 1/2 m².

2013 standen in Deutschland pro Person im Durchschnitt 45m² zur Verfügung. Bei 80 Mio. Menschen. Um auf 1/2 m² wie im Beispiel mit dem Haus zu kommen, müßten 90 Mal (45:90=1/2) so viele Menschen hier wohnen, also 89 x 80 Mio. = 7,12 Mrd. Flüchtlinge hierher kommen. Das wäre fast die ganze Weltbevölkerung! So viele Menschen kommen sicherlich nicht, auch nicht in den nächsten 100 Jahren! Und es geht auch nur um den momentan (bzw. 2013) bestehenden Wohnraum. Wenn mehr Wohnungen gebaut werden bzw. leerstehende Wohnungen wieder genutzt werden, dann müßten noch mehr Menschen hierher kommen, um auf den 1/2 m² zu kommen, den der Prediger in seinem Beispiel bringt.

Ergebnis: Er übertreibt maßlos und provoziert damit Ängste. Zuletzt war die Rede von 1 Mio. Flüchtlingen pro Jahr. Sind wir einmal großzügig und gehen wir von 5 Mio Flüchtlingen pro Jahr in den nächsten 10 Jahren aus, dann wären das 50 Mio Flüchtlinge zusätzlich zu den 80 Mio. Einwohnern. Und gehen wir der Einfachkeit davon aus, daß niemand in der Zeit stirbt und keine neuen Wohnungen gebaut werden (was Unsinn ist, weil immer neue Wohnungen gebaut werden).

Dann hätten wir 130 Mio Menschen auf den 3,6 Mrd m² Wohnfläche (80 Mio. Einwohner x 45m² pro Einwohner 2013), das ergäbe dann 27,69m² pro Person. Imer noch mehr als in der „guten alten Zeit“ 1965, als jedem im Schnitt 22,3m² zur Verfügung standen.

Und es ist immer noch mehr als zur Verfügung steht, wenn in dem genannten Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche zwei Erwachsene mit zwei Kindern wohnen.

Das sollte deutlich zeigen, in welche unverantwortlicher Weise hier Ängste geschürt werden. Ja, die Flüchtlinge leben derzeit in den Heimen auf engem Raum und das führt zu Unruhe, mitunter auch zu Gewalt. Es wäre aber ein leichtes, hier einfach neue Ressourcen zu schaffen. Im Moment mag es überall knirschen, aber wenn es drauf ankommt können auch schnell neue Gebäude gebaut werden, man muß es nur wollen.

Der Prediger sagt, jeder denkende Christ müßte auch ohne Bibel sehen, daß der Zuzug Chaos bedeute und der Teufel sich ob des Chaos die Hände reibe. Nun, ich erinnere mich ohne Bibel daran, daß man das Böse mit Gutem überwinden soll und daß der Teufel und das Chaos nicht vor der Liebe bestehen werden. Zumal wir im Zweifel unser Kreuz auf uns nehmen und keine Angst haben sollen, auch wenn uns Leiden vorausgesagt sind.

Nun sagt der Prediger, daß die Nächsten- und Feindesliebe ja ganz toll sei, daß aber diese in den persönlichen Bereich gehöre, aber nicht in die Politik, sie gelte also nicht für den Staat resp. das ganze Volk.

Mich erinnert diese Unterscheidung ein wenig an die Eigengesetzlichkeit, die lutherische Theologen aufgrund der Zwei-Reiche-Lehre machen zu können meinten. Die ist liberale Theologie at its  best (und das in der Predigt eines freikirchlichen Predigers!) und hat uns im letzten Jahrhundert die theologische Rechtfertigung des NS Staates eingebracht – heute sollte klar erkennbar sein, daß es sich hier um eine Häresie handelt!

Mit dieser Differenzierung zwischen Politik und privatem Bereich, in dem alleine Feindes- und Nächstenliebe gelten soll kommt der Prediger dazu zu sagen, daß all die Forderungen von Liebe gegenüber Nächsten und Fremden nicht bedeuten, daß ein Volk Fremde aufnehmen solle.

Im NT habe die Gemeinde keine politische Macht gehabt, deshalb sei es auch immer um den persönlichen Breich gegangen und nicht um die Politik. Um die ginge es dagegen im AT.

Dem würde ich sogar zustimmen, das AT hat in viel größerem Maße auch die Staats- oder Gesellschaftsebene im Blick als das NT. Allerdings – und da begeht der Prediger den Kategorienfehler, den er anderen vorwirft – wird im AT eine Theokratie beschrieben, und kein moderner Rechtsstaat. Wie dieser funktioniert finden wir nicht direkt in der Bibel. Auch wie eine Demokratie funktioniert steht dort nicht geschrieben. Trotzdem macht er Rechtsstaat und Demokratie stark, als positive Gegenbeispiele zur Theokratie, die der Islam angeblich fordere. Nun, wenn man in die Bibel, speziell ins AT sieht, dann ist es dort eben auch die Theokratie und nicht die Demokratie, die gefordert wird.

Er gesteht zwar ein, daß man das AT nicht 1:1 übertragen könne, daß es aber doch Vorbildfunktion hätte. Allerdings würde ich anfügen, daß man dabei aufpassen muß, was man überträgt: Die Theokratie, die er offenbar auch nicht will (sonst würde er den Islam dafür kaum kritisieren können), oder die Forderungen Gottes, die auch für ein demokratisiertes Volk im Rechtsstaat gelten?

Mit Verweis auf Röm 13 (komischer Weise NT) und andere Bibelstellen hält er fest, daß der Staat dem Bösen nicht freien Raum lassen dürfe. Allerdings fordert das auch niemand. Keiner fordert, das staatliche Gewaltmonopol (das Schwer in Röm 13) abzuschaffen. Ein Flüchtling unterliegt den gleichen Gesetzen wie wir und für deren Einhaltung ist ebenso die Polizei zuständig. Falls dies nicht geschieht, ist das ein Grund, unsere Polizei besser auszustatten oder sie dazu anzuhalten, ihre Arbeit zu erledigen, es spricht aber nicht dagegen, Flüchtlinge aufzunehmen.

Der Prediger sagt, daß der Staat die Pflicht habe, sein Volk vor dem Bösen mit Gewalt zu schützen. Dem würde ich gr nicht einmal widersprechen. Allerdings frage ich mich da: Was ist das Böse? Sind das Menschen? Gab es da nicht einmal die Unterscheidung zwischen Person und Tat im Christentum: Liebe den Sünder, hasse die Sünde?

Die Flüchtlinge sind ja nicht per se böse. Womöglich gibt es Flüchtlinge, die Böses tun. Dafür ist die Polizei da, dafür trägt die Obrigkeit das Schwert, wie Paulus feststellt. Damit ist dann aber auch alles gesagt in der Sache.

Den Kern seiner Predigt machen die Passagen zur Unterscheidung von Fremdling und Fremder aus. Der Fremdling, nach dem Prediger ein Proselyt, hebr. als Ger bezeichnet, sei ein Mensch, der den jüdischen Glauben angenommen habe und folglich als Einheimischer, als „Jude mit Migrationshintergrund“ zu behandeln sei: Ohne Unterschied zu anderen Juden.

Der Fremde hingegen, der die Gebräuche des Landes nicht annehme, sei eher als Feind zu behandeln. Für ihn gelten auch diverse soziale Leistungen nicht. Zu diesem hielte Israel deutliche Distanz.

Zu den Begrifflichkeiten verweise ich einfach auf zwei Artikel im Wibilex:

Proselyten (AT)

Fremder (AT)

Das Problem hier ist, daß Israel im AT nicht nur eine religiöse Gemeinschaft wie die Kirche bezeichnet, sondern eben auch einen Staat, der theokratisch-monarchisch regiert wird.

Wenn wir die Theokratie nicht wollen, dann müssen wir alles aussondern, was theokratische Forderung ist. Und theokratisch sind vor allem die Forderungen nach Reinheit des Volkes vor anderen Religionen.

Die freiheitliche Demokratie, in der wir leben, kann keine Religionen ausschließen wie es die altisraelitische Theokratie konnte. Heute könnte niemand mehr auf staatlicher Ebene etwas dagegen sagen, daß Salomo seinen Frauen einen Götzentempel baut. Das sind heute Fragen der privaten Frömmigkeit, also des Bereichs, in dem laut dem Prediger auch Nächsten- und Feindesliebe gelten.

Die abweisende Haltung den Fremden gegenüber haben wir dabei durchaus auch: Wer keinen deutschen oder europäischen Paß hat, gilt hier als Ausländer und hat, wenn er nicht ein Aufenthaltsrecht hat, sehr wenige Rechte. Er kann hier Urlaub verbringen oder zu einem Geschäftstermin kommen, aber viel mehr geht nicht. Er darf hier nicht ohne weiteres wohnen und er darf nciht ohne weiteres eine Arbeit annehmen.

Von den Fremdlingen wurde im AT verlangt, daß sie die Bräuche der Israeliten annehmen – dafür wurde ihnen laut dem Prediger (im Wibilex liest sich das ein wenig anders) die volle Gleichstellung zugebilligt. Damals umfassten diese Bräuche auch die Religion.

Im freiheitlichen Rechtsstaat (und um den geht es ja bei uns, wir nehmen ja keine Flüchtlinge in die Gemeinschaft der Christen auf, wenn sie nicht getauft sind) gelten auch bestimmte Regeln, die eingefordert und per Poizei durchgesetzt werden. Nur werden keine religiösen Forderungen mehr gestellt, weil der freiheitliche Rechtsstaat weltanschaulich neutral ist, er kann also gar keine religiösen Forderungen stellen, sonst wäre er kein freiheitlicher Rechtsstaat mehr.

So gesehen entsprächen also die Flüchtlionge genau den Fremdlingen, denen nach dem prediger sämtliche Sozialleistungen zustehen würden. Trotzdem sin die Sozialleistungen, die Flüchtlingen zugestanden werden, deutlich geringer als das, was uns zur Verfügung steht. Sie stehen noch einmal deutlich untr Hartz IV Niveau, haben keine Krankenversicherung und dürfen oftmals nicht einmal den Landkreis verlassen…

Es spielt im freiheitlichen Rechtsstaat übrigens auch keine Rolle, ob seine Bürger diesen mögen, oder ihn umbauen wollen. Vielen wollen den Umbau, nicht nur „echte Muslime“, wie der Prediger meint. Der freiheitliche Rechtsstaat kann aber nicht Muslimen per se weniger Rechte geben, auch wenn diese ihn tatsächlich abschaffen wollten, denn das entspräche einer Diskriminierung aufgrund der Religion, was nach den Regeln des freiheitlichen Rechtsstaates nicht geht. Er wäre nur noch auf dem Papier ein freiheitlicher Rechtsstaat: Wie jemand, der sich zwar Christ nennt, aber lieber draufhaut, als die andere Wange hinzuhalten.

Der Prediger betont, daß Scharia und Grundgesetz nicht zusammenpassen würden und daß „echte Muslime“ nicht integriert werden könnten. Doch sind auch „echte Muslime“ nicht zwangsläufig immer Muslime, deshalb sollte man zwischen den Menschen und ihrer Religion zu unterscheiden wissen. Fällt die Religion weg, oder wird sie „unecht“ im Sinne des Predigers, geht das mit der Integration vielleicht doch…

Am Ende bringt der Prediger noch die Idee vor, daß das Gericht Gottes bedeuten würde, daß ein Volk preisgegeben würde. Er meint, die Flüchtlinge würden sich von unserem Vermögen ernähren wie es im AT für die Zeit nach dem Fall von Samaria und Jerusalem berichtet wird. Das Überhandnehmen des Fremden sei eine Strafe Gottes.

Das kann durchaus so sein, und wenn es so ist, dann haben wir diese Strafe verdient. Und zwar, weil wir es seit Jahrzehnten verpassen, die Fremdlinge, die als Gastarbeiter kamen, tatsächlich zu integrieren. Sie mögen damals für uns gearbeitet haben und zu unserem Reichtum beigetragen haben, aber es war eben nicht alles gut damals. Wir haben das integrieren verpasst, haben sie wie Fremde anstatt wie Fremdlinge behandelt, und sie ud ihre Kinder sind Fremde geblieben, denen wir nun preisgegeben werden, wenn wir das Ruder nicht noch herum reißen.

Wir sollten aber auch bedenken: Die Bibel spricht in den Versen, die der prediger anführt von der verbrannten Erde, vom Zustand nach dem Krieg, als Assyrer und Babylonier fertig waren mit Israel und Juda. So weit sind wir noch lange nicht. Uns geht es gut, wir schwelgen im Luxus wie Samaria zur Zeit des Amos, auch wenn unsere fetten Kühe nicht auf dem Baschan grasen. Die Aramäer waren ein recht kleines Problem für Israel damals, ebenso wie die Flüchtlinge für uns heute. Wenn wir anständig damit umgehen, wenn wir die Flüchtlinge aufnehmen als Fremdlinge, die sich an unsere Gesetze halten und dafür als Gleichberechtigte behandelt werden, dann haben wir eine Chance. Wenn nicht, wird Assur kommen und uns zu Fall bringen.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 31. März 2013

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4

Die Engel sprachen zu den Frauen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Lukas 24,5-6

Ostern, endlich! Das Fest der Auferstehung! Wenn wir uns an Karfreitag erinnern, dann stand dort die Verzweiflung im Mittelpunkt, das Zusammenbrechen einer Welt und das daraus sich entwickelnde Chaos. Die Tageslosung sprach davon Gottes Angesicht zu suchen, und das Angesicht Gottes war das des Gefolterten und bald toten Jesus von Nazareth.

Der Tod Jesu am Kreuz schließlich war der Schlußpunkt, spätestens hier endet nach menschlichen Maßstäben alle Hoffnung, die man vieleicht noch auf Ihn gesetzt hatte. Nach menschlichem Ermessen war dort Schluß, die Hoffnung zu Ende, und jeder war zuerst sich selbst der Nächste.

Doch Karfreitag ist nicht die ganze Wahrheit. Das menschliche Ermessen ist nicht alles. Christus ist auferstanden, das Undenkbare geschehen. Er hat den Tod bezwungen, hat die Hoffnung gerettet.

Die heutige Tageslosung spricht davon, daß Gottes Wahrheit, nicht die menschliche, die Karfreitag alle Hoffnung verlieren muß, Schirm und Schild ist.

Wenn Christus auferstanden ist, dann besteht Hoffnung, auch in der hoffnungslosesten Situation. Wenn Er durch den Tod hindurch gehen konnte, so kann Er uns auch hindurch führen, so kann auch für uns noch Hoffnung bestehen, wo nach menschlichem Ermessen alle Hoffnung zu Ende ist.

Der Lehrtext weist darauf hin, wie die Rede von der Wahrheit zu verstehen ist. Wahrheit ist: Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten, Er ist auferstanden.

Ostern ist ein Fest des Triumphes, der großen, ja größten Freude. Ostern ist der Tag, an dem Gott den Tod besiegte, an dem Gott die Hoffnungslosigkeit besiegte. Dieses Ereignis gibt uns Christen Hoffnung auch dort, wo eigentlich keine Hoffnung mehr sein kann. Und diese Hoffnung gibt Kraft aus der Freiheit erwächst.

Wir müssen auf Weltliches nicht mehr so viel Rücksicht nehmen, eigentlich gar nicht mehr. Was immer uns widerfahren mag, was immer uns drohen mag, was kann uns schon passieren? Im schlimmsten Fall müssen wir sterben. Und dann stehen wir wieder auf.

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg? Sünde, Tod und Teufel habe mit Ostern endgültig verloren, haben endgültig ihre Macht über die Menschen verloren, haben kein Argument mehr für die Angst, durch die sie Macht ausüben.

Denn der Herr ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Glaube

Meditation zur Karfreitagsandacht

Die heutige Andacht endete im Chaos. Der Tod Christi, als Gottes, stürzt die Welt ins Chaos, und zwar unbedingt und auf jeden Fall.

Da es sicher nicht wenige Menschen gibt, die dem widersprechen möchten, will ich kurz klarstellen, wie ich das meine.

Denn freilich kann angeführt werden, und das wird es ja auch immer wieder, daß es zum christlichen Glauben auch Konkurrenzprodukte gibt, daß auch Nichtchristen eine Moral haben können und gut sind.

Dem will ich gar nicht widersprechen. Atheisten, Muslime, Pastafaris: Sie alle können Gutes tun und tun es auch. Doch das ist hier nicht die Frage. Es geht nicht um einen Vergleich zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften nach dem Motto „Deutschland sucht den Supersaubermann“. Denn würden Nichtchristen per se amoralisch handeln, müßte nicht erst Gott sterben, damit es zum Chaos kommt. Dann müßten die Nichtchristen allein schon zu Gottes Lebzeiten für Chaos sorgen.

Statt dessen geht es um eine Innenperspektive, und die hat jeder. Der Christ, dessen Gott stirbt, an dem er alles ausgerichtet hatte, der verliert die Orientierung, für den wird alles relativ. Das gilt übertragen für alle anderen Gruppen auch, selbst für Atheisten, doch in der Karfreitagsandacht geht es in erster Linie um die Christen, ist j auch ein chritlicher Feiertag.

Stirbt der Orientierungspunkt in der Welt, geht dieser verloren, so geht notwendig die Orientierung verloren, und das Chaos kommt durch, auch wenn man sich noch ne Weile an bestimmte Konventionen hält, die eigentlich leer sind, da der Orientierungspunkt fehlt.

Eine Welt bricht zusammen. Buchstäblich. Und viele Menschen werden über kurz oder lang – denn keiner hält es im relativistischen Chaos lange aus – in eine andere Welt einziehen, andere Orientierungspunkte suchen. Dann sind sie eben keine Christen mehr, sondern Muslime, Atheisten oder was auch immer.

An dem Punkt, wo die Welt zusammenbricht, standen die Jünger Karfreitag. Und das vergegenwärtigen sich Christen jedes Jahr an diesem Tag. Und dann kommt Ostern, aber soweit sind wir noch nicht.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Freitag, den 29. März 2013

Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.
Psalm 27,8

Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!
Johannes 19,5

Es ist Karfreitag, Todestag des Herrn, und die Tageslosung handelt davon, des Herrn Antlitz zu suchen. Und der Lehrtext weist auf das Antlitz hin: Das eines geschundenen und gedemütigten Menschen.

Denn spätestens seit Mel Gibsons „Passion“ wissen wir, was vor der Dornenkrone kam: Die Züchtigung, die Folter. Gibson stellte es sehr explizit dar, wofür er stark kritisiert wurde. Im Johannesevangelium steht denn auch nur kurz, daß Jesus gegeißelt wurde (Joh 19,1) und daß die Soldaten ihn verhöhnten und schlugen (Joh 19,3). Man kann es fast überlesen. Ich habe über die Jahre gelernt, Gibsons Film dafür wertzuschätzen, zu zeigen, was man sonst schnell überliest: Das körperliche Leid, das Jesus in diesen Stunden widerfuhr.

Der Psalmbeter des 27. Psalms erhofft sich von Gott Rettung, Hilfe, Schutz. Deshalb will er das Antlitz Gottes suchen. Was wird er denken, wenn sich Gott ihm offenbart als Jesus, als der geschlagene, blutüberströmte Mann, der kurz vor der Hinrichtung am Kreuz steht? Für den es noch weniger Hoffnung gibt als für den Psalmbeter selbst?

Enttäuscht wird er sein. Und enttäuscht waren auch die Jünger.

Jesus war überwunden. Er war tot. Es bestand für Ihn keine Hoffnung, und auch anderen konnte Er keine Hoffnung mehr geben. Wer immer sich zu der Zeit an Gott gewandt hat in der Not, hätte er Gott gesehen, wär er in Verzweiflung gefallen: Gott ist tot. Damit ist kein Schutz, keine Hilfe mehr zu erwarten, muß jeder danach sehen, wo er bleibt.

Damit ist das Chaos ausgebrochen, halten nur noch gesellschaftliche Konventionen einen Rest Ordnung aufrecht, so lange, bis die ersten vor den Konventionen nicht mehr zurückschrecken.

Chaos, Unordnung. Recht des Stärkeren.

Nach all den Ereignissen des Karfreitags lautet die Moral von der Geschicht: Sei einer der Stärkeren, wenn Du bestehen willst.

So steht dann jeder gegen jeden. Chaos.

Theologie

Die vielen und der Eine

Christen sind Atheisten bezüglich aller Götter bis auf einen. Atheisten gehen lediglich einen Schritt weiter.

So hört man immer wieer reden. Und es steht u befürchten, daß immer mehr Menschen meinen, an diesem Satz sei etwas dran, da vielen Menschen inzwischen die religiöse Bildung abgeht.

Um dem ein wenig entgegenzuwirken, möchte ich hier kurz umreißen, wieso das so nicht gesagt werden kann, und wo der Denkfehler liegt.

Was ist Schöpfung?

Die Frage sieht sehr einfach aus, ist aber durchaus tief, beziehungsweise führt in tiefe Tiefen. Dem Monotheisten ist Schöpfung alles das, was „ist“, genauer: was „gemacht ist“. Dazu gehören sowohl Gegenstände und Lebewesen, aber auch lediglich Denkbares wie Einhörner und Waldfeen. Gbe es sie, so wären sie Teil der Schöpfung, nicht jedoch dessen, was außerhalb der Schöpfung liegt. Dazu später mehr.

Die Schöpfung unterliegt weitgehend den gleichen Regeln. Geschöpfe sind prinzipiell in ihrer Macht beschränkt, wenn dazu auch in gewissen Weltbildern, die vielleicht fliegende Pastagerichte beinhalten, bestimmte magische Krafte gehören können. Diese Magie ist aber immer (jedenfalls sind mir keine Gegenbeispiele bekannt) in irgend einer Weise begrenzt. Einwohner der Schöpfung, die Geschöpfe also, können daher im Wettkampf miteinander stehen, und tun das auch oft. Die Mythologien sind voll davon, wie ein Gott versucht den anderen über’s Ohr zu hauen, und das ot auch schafft. Manchmal mischen auch Menschen mit. Diese Götter, die polytheistischen Götter, leben voll und ganz in der Schöpfung und stehen nicht außerhalb. Sie interagieren mit Menschen, unterliegend weitestgehend den gleichen Naturgesetzen und können im Zweifel von ihnen besiegt werden. Mitunter ist auch die Grenze zwischen Göttern und normalen Menschen gar nicht klar gezogen, und ein hin- und herwandern kommt öfter vor. Der Unterschied zu Superman, Spiderman oder dem unglaublichen Hulk liegt allein im Zeitraum der Popularität, und so wundert es auch nicht, daß es eine Zeichentrickserie über den Gott Thor gibt, in dem er rüberkommt wie ein ganz normaler Superheld.

So kann man ausgehend von der Nichtexistenz Supermans und Spidermans durchaus auf die Idee kommen, auch alle anderen Superhelden in Frage zu stellen, oder einfach aufhören, an ihre Existenz zu glauben. Und dann wird es auch mit dem eigentlichen Glauben schwer, dem es nicht um für-wahr-halten geht, sondern um Vertrauen.

Was gibt es außer der Schöpfung noch?

Wenn die Schöpfung schon alle „Märchengestalten“ wie Einhörner, Zeus und das FSM mit einschließt, was gibt es dann noch? Die Antwort ist eigentlich ganz leicht: Den Schöpfer. (und nein, der ist trotz grammatikalisch maskuliner Form weder Männlein noch weiblein noch Neutrum – das sind nämlich geschöpfliche Kategorien)

Was unterscheidet den Schöpfer nun von den Märchengestalten. Zuerst einmal, daß Er gar keine Gestalt hat, aber durchaus mal eine annehmen kann. Aufgepasst: Das beeutet nicht, daß Er zu den Wechselbälgern des Star Trek Universums gehört. Er wechselt die Form nicht, Er nimmt nur manchmal eine Form an. Oder wird in Texten so vorgestellt, als ob Er eine Form hätte. Der Schöpfer muß sich nicht materialisieren, kann es aber. Geschöpfe sind jedoch immer materialisiert gedacht, ob sie nun existieren oder nicht.

Was den Schöpfer noch unterscheidet ist, daß Er die Welt (d.h. die Schöpfung) gemacht hat ud nichts ist, was Er nicht gemacht hat. Er ist nicht einfach nur ein Super-Superheld, der die Kräfte aller anderen Superhelden in Potenz in sich vereinigt. Er ist derjenige mit der Macht, diesen Super-Superhelden entstehen zu lassen. Er befindet sich sozusagen auf der Metaebene.

Einschub: Existiert der Schöpfer eigentlich?

Atheisten mögen hier Morgenluft wittern, vor allem wenn ich jetzt schreibe, daß man diese Frage durchaus bejahen kann. Aber nicht so schnell: Die Frage ist nämlich, was mit „Sein“ oder „Existenz“ gemeint ist. Eigentlich kann man diese Begriffe nur auf Geschöpfe beziehen. Nichts ist oder existiert, was nicht vom Schöpfer gemacht ist. Da der Schöpfer sich nicht selbst gemacht hat, sondern schon immer war, kann Er also nicht „sein“. Trotzdem ist Er da. Und eigentlich bräuchte man dafür ein anderes Wort, um den Unterschied ausdrücken zu können. Was man sich klar machen muß ist: So lange mit Sein oder Existenz Vorstellungen verbunden sind, die in den Bereich der Schöpfung gehören, passen sie nicht auf den Schöpfer. Er ist „der ganz andere“. Zu diesen Vorstellungen gehört unter anderem auch die Form oder Gestalt.

Wie ist es denn nun mit dem Atheismus bezüglich aller Götter?

Es dürfte schon klar sein, wohin die Argumentation läuft. Die verschiedenen Götter, bezüglich deren wir Monotheisten angeblich Atheisten sind, sind keine Götter in dem Sinn, wie der Schöpfer es ist. Wir leugnen ihre Existenz so, wie wir die Existenz von Waldtrollen, Gartenfeen und Einhörnern leugnen. Dabei geht es um Gestalten, die innerhalb der gechöpflichen Welt gedacht sind, Gestalten, die Sein oder Existenz im geschöpflichen Sinn haben müßten, würden sie tatschlich existieren oder sein. Insofern sind wir hier den Atheisten nicht fern, die auch Elfen und Wassergeister ablehnen. Wo aber die Atheisten den Polytheisten näher sind ist dort, wo es um den Schöpfer geht. Sowohl Polytheisten wie auch Atheisten kennen diesen Bereich der Wirklichkeit gar nicht, wobei mir so ist, daß er in einigen polytheistischen Mythologien zumindest angedeutet wird. Von Atheisten wird er aber konsequent geleugnet, oder viel eher vielleicht: ausgeblendet. Darauf angesprochen kommen viele damit, daß sie eben alles Übernatürliche inklusive Himmel ablehnen, und ignorieren damit, daß es nicht um einen Himmel – eine durch und durch geschöpfliche Vorstellung – geht und eigentlich auch um nichts Übernatürliches. Atheisten können Götter nur so denken, wie die Polytheisten sie denken. Als besonders mächtige Wesen, die mit Menschen interagieren. Und viele Atheisten fügen hinzu, daß diese Wesen ihre Mächte dann nutzen, um die Menschen zu unterdrücken.

Um, wie die Atheisten andeuten wollen, als Monotheist Atheist bezüglich aller Götter, inklusive dem Einen, dem Schöpfer zu werden, müßten die Monotheisten sich einen Schritt zurückentwickeln und trotz Schöpfungsebene die Ebene des woher, die des Schöpfers, ausblenden. Das mag möglich sein, aber als Argument reicht nicht aus, auf Superman und den Waldschrat zu verweisen. Viel mehr müßte plausibel gemacht werden, daß das, was ist, nicht irgendwo her kommt, daß es schon immer war und auch durch nichts zusammengehalten wird. Die Konsequenz wäre, das Chaos anzunehmen, Ohne Naturgesetze, ohne Ordnung. Das tut nicht mal der verwegenste Atheist, denn so würde auch Wissenschaft, die ja Ordnung schafft (und damit dem Schöpfer durchaus nahe ist), nicht möglich sein.

Nachbemerkung:

Innerhalb des Schöpferbereichs kann es übrigens nicht mehrere Player geben, so ist auch der Christliche Gott trotz Trinität einer. Jede Gottesvorstellung, die in diesen Bereich gebracht wird, kann prinzipiell mit anderen Schöpfervortellungen identifiziert werden, auch wenn man in Details voneinander abweicht. So etwa beim jüdischen Jahwe, dem islamischen Allah und dem christlichen Gott. Ohne sich das Chaos (und zwar echtes Chaos, da kann man dann auch nicht mehr sagen, daß es Menschen, Häuser und Planeten gibt) einzuhandeln kann es hier keine nebeneinanderstehenden Alternativen geben, statt dessen wird miteinander identifiziert. Man ist sich einig, daß man über das Gleiche spricht, auch wenn man es verschieden ausdeutet.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 27.03.2012 (Ps 148, 3.5)

Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne! Denn er gebot, da wurden sie geschaffen.

Der heutige Losungstext ist eine Aufforderung zm Gotteslob. Gott soll von Sonne, Mond und Sternen gelobt werden und zwar aus einem bestimmten Grund: Er gebot, dann wurden sie geschaffen. Gott spricht, und was Er sagt, geschieht auch. Gestern hatten wir es davon, daß die Propheten ein Lied davon singen können.

Man kann sich ja heute kaum mehr viel unter „Gotteslob“ vorstellen. Viel mehr stellt sich die Frage: Hat der das denn nötig? Lob erscheint uns als etwas das wir geben, was eigentlich überflüssig ist. Der Gedanke vom Engel, der den lieben langen Tag auf der Wolke sitzt, mit der Harfe und der Hand und Gott Loblieder singt ist den meisten Zeitgenossen doch recht befremdlich. Wieso verdonnert Gott den armen Engel zum Harfendienst? Was muß das doch für ein Großkotz sein!

Lob. Das ist was für Kinder. Ein Kind hat ne Eins geschrieben, und man lobt es, das Selbstwertgefühl soll gestärkt werden, er soll motiviert werden, so weiter zu machen. Das gleiche macht ein Chef vielleicht auch mit einem Angestellten. Ziel: Ebenfalls Motivation. Fernziel: Mehr Profit, selbst etwas davon haben.

Aber ansonsten? Und vor allem: In beiden Fällen gibt es ein Gefälle, der Lobende steht oben, der Gelobte unten. Eine Hierarchie. Wie komisch wäre es, wenn der Chef von seinem Angestellten Lob erwarten würde? Solche Chefs sind doch mindestens unangenehm. Oder wenn Eltern von ihren Kindern Lob erwarten: Ja Mama, das Essen schmeckt… Moment! Das Essen schmeckt?

Würde das nicht bedeuten, die Mutter stünde hierarchisch unter dem Kind, das die Kochkünste lobt? Wäre es vielleicht sogar im Rahmen feministisch-emanzipatorischer Reflektion geboten, solches Lob zu unterbinden? (alternativ könnte man auch den Brauch, daß die Mütter Essen machen angreifen;))

Kind! Das tut man nicht! Deine Elten sind nicht Deine Angestellten! Was denkst Du Dir?

Ich denke es wird klar, daß Lob recht wenig mit Hierarchie zu tun hat. Man lobt auch Fußballer, wenn sie Tore schießen, oder auch wenn sie welche Verhindern (Torwarte), also wenn sie gut spielen. Und das tut man, weil man sich über den Sieg der eigenen Mannschaft freut, nicht weil die Fußballer bei einem angestellt wären und man sie zwecks Profitoptimierung motivieren will. Man lobt auch ganz andere Menschen, wenn man sich freut. Durchaus auch den Chef, manchmal sogar aus Hochachtung Spieler der gegnerischen Mannschaft oder andere Menschen, deren Motivation einem sonst erst einmal nicht am Herzen liegt.

Und Gott? Ändert das jetzt was in Bezug auf Ihn?

Das kommt darauf an. Freuen wir uns über Gott, oder haben wir wenigstens Hochachtung vor seinen Leistungen? Der Losungstext ist etwas verknappt, was die Herrnhter ja öters mal tun. Der Psalm ist voll von Lobaufrufen, aber er hat auch die Begründun in den Versen 5 und 6:

Die sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, da wurden sie geschaffen. Er lässt sie bestehen für immer und ewig; er gab eine Ordnung, die dürfen sie nicht überschreiten.

Der Psalmist behauptet, Gott sei derjenige, der alles gemacht hat und bestehen läßt, der eine Ordnng gab, die „sie“ nicht überschreiten dürfen. Sieht man sich den im Losungstext ausgelassenen Vers 4 an, kriegt man einen Hinweis, an wen da wohl vor allem gedacht ist:

Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel und ihr Wasser über dem Himmel!

Man kann vielleicht etwas unfair sagen, früher waren die Menschen noch dankbarer. Als Urzustand betrachteten sie das todbringende Chaos, und sie freuten sich über alles, was ein wenig Ordnung brachte und Glück ermöglichen konnte. Daß es die Welt gab, daß es Menschen geben konnte, die sich an der Welt und ihrem Leben freuen konnten, die glücklich waren, war Anlaß großer Freude. Und damit auch ein Anlaß dafür, denjenigen zu loben, der das alles so gut hingekriegt hatte.

Heute sehen wir das anders. Wir sind verwöhnt vom Wohlstand, wir akzeptieren Gott höchstens noch als Knecht und nehmen als Urzustand die Perfektion an. Überall, wo die Dinge nicht laufen, wie sie sollten, suchen wir einen Sündenbock. Theodizeefrage sei Dank, steht uns dafür Gott immer zur Verfügung. Nur, der ist ja allmächtig, also braucht der ein Lob gar nicht zu erwarten, selbst wenn wir einmal annehmen sollten, Er hätte wirklich mal etwas zu Stande gebracht (und es gäbe keine „wissenschaftliche“ Erklärung – als ob das ein Widersprch wäre!).

Wie soll man den Allmächtigen für besondere Leistungen loben? Gar nicht! Es ist schlicht unmöglich! Der einzige Grund für ein Lob läge in der Freude.

Gott motivieren läuft schon deshalb nicht, weil Er eben nicht unser Knecht ist. Und wenn jemand allmächtig ist, gibt es auch keine besonderen Leistungen mehr, denn das Besondere wird zum Standard.

Die Einzige Möglichkeit die wir haben, ist die Freude. Wo wir Gott nicht als Schöpfer verstehen, wo wir in Ihm nicht den Grund erblicken, wieso wir da sind und überhaupt in der Lage sind, uns zu freuen (trotz allem Leid, das uns widerfährt), wird es keinen Grund für ein Gotteslob geben, weil die dazu nötige Freude an Gott fehlt.

Statt dessen sind wir Gott sauer, weil nicht alles perfekt ist (nach unserer *perfekten* Ansicht), weil Gott das Leid zuläßt, das uns täglich begegnet, wegen Hungersnöten, Erdbeben und Liebeskummer. Selbst wenn wir annehmen, daß es einen Gott gibt, sind wir doch unversöhnt mit Ihm. Und der Punkt ist wichtig! Wir haben ein Problem mit Ihm, nicht umgekehrt!

Was kann man daran ändern? Wie können wir von den verzogenen Perfektionseinforderern zu Menschen werden, die sich am Schönen freuen können, ohne gleich alle möglichen Mängel zu reklamieren?

Dazu bedarf es der Versöhnung. Wir sind in der Passionszeit und gehen auf Karfreitag zu. An diesem Tag, so heißt es, geschah die Versöhnung der Menschen mit Gott. Sie geschah dadrch, daß Gott für uns am Kreuz starb.

Dieser Tod, so heißt es, versöhnt uns nun wieder mit Gott und ist Grund zur Freude (und damit zum Lob). Gott hat als Jesus die Knechtsrolle angenommen, was Er nicht gemußt hätte. Er kam zu uns und zeigte uns, wie wir in der mangelhaften Welt leben können. Er gab uns Hinweise, wie wir mit den größten Mängeln selbst fertigwerden können (Liebet Ere Feinde, tut wohl denen, die Euch hassen, liebet Eure Nächsten, sorgt für die Armen…).

Danach starb Er am Kreuz, weil die hohe Politik Ihn als Problem wahrnahm (die hohe Politik hat oft andere Pläne als der Rest der Menschen, wobei in der Demokratie wir Wähler die hohe Politik sind) und stand danach einfach wieder auf und zeigte damit, daß Er wirklich Gott ist nd die Macht über den Tod hat.

Damit wird aber auch anderes klar: Nicht wir sind diejenigen, die von Ihm eine perfekte Welt erwarten können. Er ist nicht UNSER Knecht. Vielmehr könnte ER von uns eine perfekte, oder zumindest eine perfektere Welt verlangen. Die Rollen haben sich getauscht.

In der Folge können wir dann froh sein, wenn überhaupt irgend etwas annähernd perfekt ist. Denn da müssen wir nicht ran, und etwas tun. Wo es keine Überschwemmungen gibt, müssen wir keine Deiche bauen. Wo es keine Erdbeben gibt, haben wir auch weniger zu tun. Wo es regnet, müssen wir nicht bewässern. Und wo ein Samenkorn, das man in die Erde steckt zu einer Pflanze wird, die Früchte trägt, brauchen wir uns keine Gedanken darm machen, wie wir sonst an etwas zu essen kommen.

Froh sein! Genau. So haben dann auch wir Grund zur Freude, und Grund zum Lob.

glaube, Religion

Rechtfertigung

Nach dem Erdbeben in Haiti und nach dem Seebeben, Tsnami und Reaktorunglück in Japan habe ich schon darüber geschrieben, heute also wieder das Thema: Theodizee. Die Rechtfertigung Gottes für Sein Tun und Lassen vor dem menschlichen Richterstuhl.

Drauf gekommen bin ich über nen Artikel beim Blasphemieblog 2, der seinerseits auf das Projekt einer Gymnasiumsklasse hinweist.

Warum ein neuer Artikel? Im Artikel zu Haiti habe ich mich vor allem damit auseinandergesetzt, wieso man in einigen Fällen eher die Theodizeefrage stellt und in anderen nicht, bzw habe ich dann auch auf die Möglichkeit der Menschen hingewiesen, Leid zu lindern.

Im Japanartikel ging es mir um die Sinnfrage. Das Aufkommen der Theodizee-Frage zeigt eine Sinnkrise an. Man versteht Gott nicht mehr. Man zweifelt.

Im Haiti-Artikel habe ich es so ausgedrückt:

Die Frage, die mich beschäftigt ist: Kann man das Gott in die Schuhe schieben? Und ich denke: Nicht unbedingt. Die Menschen wären gestorben, so oder so. Nimmt man, etwa als Christ, Gott als gegeben an, dann kann man damit rechnen, daß die Toten auferstehen werden, wie sie auch auferstanden wären, hätten sie länger gelebt. Nimmt man Gott nicht an, dann sind die Toten tot und hätten vielleicht noch ein langes, erfülltes Leben vor sich gehabt, vielleicht auch ein Leben in Armut und Not. Nur, wie immer es auch gewesen wäre: Wenn man Gott nicht annimmt, kann man auch nicht fragen, wie Er das zulassen konnte. Gläubig kann man darauf vertrauen, daß Gott sich um die Menschen kümmert, was auch immer passiert, ungläubig kann man nicht einmal Gott verantwortlich machen.

Im Japan-Artikel hielt ich fest an der These, daß die Frage an sich nicht zu beantworten ist, sondern einen Punkt markiert, in dem man seinem Leben einen neuen Sinn geben muß, damit die Frage wieder in den Hintergrund rückt. Dabei ist eine Möglichkeit sicherlich, was Max im Blasphemie-Artikel kommentiert hat (auch wenn bei ihm nicht die Theodizee der Auslöser war, jedenfalls schriebt er es nciht so):

Ich kann das Vertrauen an Gott, also an diese jüdisch-christliche Entität, nicht mehr aufbringen, da ich diese Figur endgültig als Märchenfigur in meiner Schublade verstaut habe. Es ist für mich eine literarische Figur geworden, keine Gestalt, die unbedingt „dort oben“ zu sein hat, um meine Moral und meine Ethik zu ordnen.
Dies habe ich beileibe nicht „über Nacht“ getan, und auch weit vor Dawkins Büchern, aber ich habe einfach genug ausserhalb der christlichen Religiösität erlebt, um diese Ideologie „abzuschalten“, ohne Nachteile zu erfahren. So, durch Kirchenbesuche – die ich immer noch im Zuge von Freunden und Bekannten ausübe – habe ich hingegen nur die „kultischen“ Aspekte des Glaubens vor Augen, etwa die Gemeinde, den Zusammenhalt und den gemeinsamen Glauben. Aber der ganz persönliche Glaube an Gott als „Vater“ und an Jesus als „Erlöser“, den habe ich einfach nicht mehr. Das mir gebotene hat sich für mich als „kirchliche Angebote“ entpuppt. Und auf der Suche nach Gott, da fand ich einfach zuviele unterschiedliche Angebote in der Welt der Ideologien.

In diesem Artikel möchte ich die Frage noch einmal etwas anders angehen, unter Auslassung der emotionalen Aspekte. Das Problem bei der Aseinandersetzung mit der Theodizee ist nämlich, vor allem wenn Katastrophen zum Anlaß für die Auseinandersetzung genommen werden, daß man nicht kühl analysieren kann, ohne extreme emotionale Reaktionen zu provozieren, die die Analyse mitunter als zynisch angesichts des gerade Geschehenen ansehen.

Ich möchte nun also einen verstärkten Blick auf die theoretische Seite der Frage werfen.

Wann verlangen wir Rechtfertigung?

An den Anfang möchte ich eine Selbstreflektion stellen: Wann verlangt der Mensch nach Rechtfertigung? Wann fordern wir von anderen, über ihr Tun Rechenschaft abzulegen? Wann ziehen wir sie vor den Richterstuhl?

Ich meine, wir tun das immer dann, wenn wir kein Vertrauen zu ihnen haben:

EIn Mensch wurde getötet, eine Leiche gefunden. Die Polizei sucht nach dem Mörder. Dabei wird versucht, die Menschen einzuschätzen und aus dieser Einschätzung abzuleiten, wem man vertrauen kann, und wer nicht vertraenswürdig ist, wer eventuell lügt, um sich oder ihm nahestehende Personen nicht zu belasten.

Vertrauen und Mißtrauen

Vertrauen bezieht sich hier in erster Linie nicht auf die als Mörder in Frage kommenden Menschen. Das Vertrauen bezieht sich vielmehr auf die kriminalistischen Methoden nd die Fähigkeit der Ermittler, als auf die als Täter in Frage kommenden Menschen.

Verläßt man nun den kriminalistischen Bereich und geht in den Alltagsbereich der Zwischenmenschlichkeit, so fallen die kriminalistischen Methoden fort und werden ersetzt durch die je individuellen Methoden, die jeder hat, um den anderen einzuschätzen.

Wenn man nun nachdenkt, wo es wirkliches Vertrauen gibt und wo das Vertrauen lediglich auf der eigenen Fähigkeit beruht, den Anderren richtig einschätzen zu können, so meine ich ist das Ergebnis, daß wirkliches, nur auf der Hoffnung, daß es nicht vergebens ist, gründendes Vertrauen recht selten ist, und man den Mitmenschen eher mißtraut, wo man sie nicht richtig einschätzen kann. (daß es darüber hinaus immer Fehleinschätzungen gibt und geben wird ist ein anderes Thema und in der Imperfektion des Menschen begründet)

Vertrauen gibt es höchstwahrscheinlich nur da, wo es Liebe gibt. Da ist der Mensch stark genug, allein auf die Hoffnung zu bauen und zu riskieren, das alles in einem ökonomischen Sinn umsonst war. Vertrauen ist übrigens eine mögliche Übersetzung für πιστεύω, das in der Bibel jedoch meist mit „glauben übersetzt wird. Man hat also hier die Trias: Glaube, Liebe Hoffnung vor sich, aber daraf will ich hier nicht weiter eingehen.

Gott vor dem menschlichen Richterstuhl

Wenn man nun die Theodizee-Frage stellt, so deutet dies darauf hin, daß das eigene Vertrauen zu Gott mindestens einen Knacks gekriegt hat. Bevor mich jemand mißversteht: Das ist nichts moralisch verwerfliches, sondern eine Feststellung der Tatsachen. Daß das Vertrauen zu Gott Schaden nimmt, ist etwas ganz natürliches und kommt immer wieder vor, wird auch in der Bibel des öfteren erwähnt. Viele Psalmen drücken das aus. Ein besonders prominenter Vertreter ist Hiob:

Nach einer Wette Gottes mit Satan verliert Hiob seinen Besitz und ach alle seine Kinder. Hiob ist sich keiner Schuld bewußt und versteht Gott nicht mehr. Ihm verlangt nach einer Erklärung, er will wissen, welche Schuld er auf sich geladen habe, die eine solche Strafe rechtfertigt. Er zieht Gott damit vor den Richterstuhl, verlangt Rechtfertigung. Damit hat er noch lange nicht mit Gott gebrochen, denn er erkennt immer noch an, daß Gott es ist, der Übertretngen des Rechts ahnden kann, soll und darf.

Aber nach langen Diskussionen mit den Freunden, die Hiob zu trösten versuchten, findet sich keine Antwort. Schließlich spricht Gott selbst, bleibt aber eine Rechtfertigung schuldig. Anstatt sich zu rechtfertigen, weist Gott Hiob in die Schranken. Er rechtfertigt sich nicht, Seine Argumentation, wenn man sie so nennen will, geht gar nicht auf die moralische Ebene. Er betont den Machtaspekt: Schöpfung und Erhaltung aller Geschöpfe und Macht über das Chaos in Form des Leviathan.

Man könnte daher auf die Idee kommen, es gehe Gott allein darum zu sagen: Ich Chef – Du nix, oder anders ausgedrückt: Wenn Du meine Moral in Zweifel ziehst, kriegst Du auf’s Maul. Hiob scheint die erste Rede Gottes ähnlich verstanden zu haben (Hi 40, 4):

Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten?

Nach der zweiten Rede Gottes kommen neue Aspekte dazu:

  1. Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. (Hi 42, 2)
    Hier drückt sich noch die Gott Chef – Hiob nix Variante des Verstehens aus. Es nützt nichts, gegen Gott zu wettern, denn Gott ist jedenfalls stärker.
  2. Darum hab ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. (Hi 42, 3)
    Hier geht es nicht mehr um Macht, sondern um Wissen. Hiob sieht ein, daß er Gott Sein handeln nicht vorwerfen kann, weil es ihm an Wissen mangelt, die Taten zu verstehen, daß er nicht das Zeug dazu hat, den Ratschluß Gottes in Frage zu stellen und wohl auch nciht, in vollkommends zu verstehen.
  3. Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.
    Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche. (Hi 42, 5f)
    So ist Hiobs Antwort auf des Herrn Aufforderung: Lehre mich. Hiob bekennt, daß er Gott nicht belehren kann, nicht seinen Platz einnehmen kann. In der vorhergehenden Rede fragt Gott, ob Hiob die gleiche Kraft hat wie er selbst, ob er in gleicher Weise Hochmütige und Gottlose in ihre Schranken weisen könne.

Die Entscheidung spielt sich also ach hier nicht auf der moralischen Ebene ab. Gott gibt keine Auskunft über Seine Moral. Er rechtfertigt sich nicht. Hiob erkennt an, daß er Gottes Job nicht übernehmen könnte, nicht wegen moralischer Inkompetenz, sondern wegen der schlichten Machtlosigkeit. In eine ähnliche Richtung scheint mir der Film Bruce allmächtig zu gehen. Bruce bekommt von Gott zwar Macht: Er kann die Umlaufbahn des Mondes ändern, auf Wasser gehen etc etc. Aber er schafft es trotzdem nicht, alles im Gleichgewicht zu halten, so wie Gott es in seinen Reden an Hiob beschreibt.

Wir sehen also, daß Gott sich nicht rechtfertigt und sich nicht nach menschlichem Ermessen rechtfertigen läßt. Gott vor dem menschlichen Richtersthl, vor dem die Taten oder Unterlassungen Gottes moralisch geprüft werden, muß im Schuldspruch enden, wie damals beim Prozess gegen Jesus, der ja auch recht still blieb. Man kann nun mutmaßen, warum dies so ist. Ich habe das oben getan, indem ich andeutete, daß neben einer guten Moral noch viel mehr nötig ist, um die Welt am Laufen zu halten. Doch all dies ändert nichts an der Tatsache, daß Gott vor dem menschlichen Richterstuhl nicht bestehen kann. Er muß schuldig gesprochen werden, womit die Rede vom „lieben“ Gott schwierig wenn nicht unmöglich wird.

Interessant wäre die Frage, inwieweit jeder einzelne Mensch vor dem gleichen Richterstuhl bestehen könnte. Was käme dabei raus, wenn man die Vorwürfe, die man gegen Gott wegen Seines Tuns oder Nichttns erhebt, an sich selbst anlegte? Aber die Anthropodizee ist hier nicht Thema, also belaß ich es bei dem Hinweis.

Wem vertrauen?

Wenn Gott als „Vertrauensperson“ wegfällt, bleibt nicht viel übrig. Vielleicht noch eineige sehr nahe Freunde oder Familienmitglieder, wenn man ein sehr glücklicher Mensch ist und eine so gute Beziehung zu ihnen hat. Letztendlich lebt man aus der Hoffnung. Man hofft darauf, daß man denjenigen, denen man vertraut, auch vertrauen kann. Ob das nun Gott einschließt oder nicht, spielt hier keine Rolle. Wenn es ach sonst niemanden einschließt, bleibt man am Ende nur selbst übrig. Man ist daruaf zurückgeworfen, seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Man muß hoffen, daß sie ausreichen.

Mißtrauen ist gut und lebenserhaltend, schrieb Ezri. Das mag stimmen. Aber wo das Mißtrauen so weit geht, daß man allen gegenüber argwöhnisch wird, erhält man sich vielleicht eher das biologische Überleben, das Leben an sich, als Teilnahme an Lebensfreude, an Liebe, an allem, was das Leben lebenswert macht, bleibt dabei aber auf der Strecke. Je mehr man mißtraut, desto mehr. Es wäre also nicht verkehrt, sich die Frage zu stellen, inwieweit man leben will, und inwieweit man überleben will. Erst einmal unabhängig von Gott, aber wenn man an Gott glaubt, warum Ihn nicht einbeziehen?

Die Frage nach der Kontrolle

Gott läßt sich nicht kontrollieren. Er ist souverän. Weder Hiob noch sonst jemanden ließ er bisher in seine Karten sehen, um eine Antwort auf die Theodizee-Frage zu geben. Und das ist nicht verwunderlich, wenn man es genau bedenkt:

Wüßte man, wieso Gott was tut, so wäre Er berechenbar. Er könnte zum Werkzeug der Menschen verobjektiviert werden. Man wüßte: Wenn ich dies will, muß ich das tun. Dies würde allerlei Möglichkeiten eröffnen, m Gott für die eigenen Zwecke zu mißbrauchen. Es wäre im Grunde nichts anderes als die Beschwörngen, die es in anderen Religionen gibt, nd die christlicherseits so abgelehnt werden. Gott wäre, ließe Er isch in die Karten sehen, nicht mehr Gott, sondern Götze. Zur Verfügung der Menschen. Er würde nicht mehr länger sie kontrollieren, sondern sie Ihn, einfach nur über ihr Wissen.

Mißtraut man Gott soweit, daß man eine Antwort auf die Theodizee Frage fordert, dann ist es mit dem Glauben aus. Man vertraut nicht mehr Gott, sondern nur noch den eigenen Fähigkeiten. Man ist selbst der oberste Kontrolleur seines Lebens. Gibt man sich zufrieden damit, daß die Theodizee Frage nicht gelöst werden kann, daß es eine logische Unmöglichkeit ist die Frage zu lösen und gleichzeitig Gott zu vertrauen, dann ist es mit der absoluten Kontrolle aus. In mindestens diesem Bereich im Leben vertraut man blind. Das iwrd dann gerne lächerlich gemacht als „keine Verantwortung übernehmen wollen“ und dergleichen, wobei „Verantwortung übernehmen“ hier nicht bedeutet, daß man tatsächlich für seine Taten keine Verantwortung übernähme, sondern daß man sein Leben nicht komplett kontrollieren wolle. Der Vorwurf ist, daß man nicht sein eigener Gott sein will. Dieser Vorwurf ist, jedenfalls nach meiner Überzeugung, leicht auszuhalten. Was ist schon so erstrebenswert daran, mehr Verantwortung übernehmen zu müssen, als man fähig ist zu tragen? In solchen Situationen macht man oft mehr kaputt, als daß man verbessert.

Deshalb halte ich es auch nicht für verkehrt, beim Auftauchen der Theodizee Frage nicht in erster Linie nach einer Antwort zu suchen, sondern nach einem Weg, der aus dieser aufbrechenden Sinnkrise herausführt: Umgehen mit den gegebenen Dingen und nicht danach fragen, wieso sie so gekommen sind. Jedenfalls bis man alles emotionsloser analysieren kann.

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Homeschooling oder wozu braucht der „Starke“ den Staat?

Ich bin gerade auf nen Blogartikel bei der Freiheitsfabrik gestoßen, wo auf eine laufende Petition an den deutschen Bundestag in Bezug auf das Homeschooling hingewiesen wird.

Als Argumente für das Homeschooling wird in der Petition vor allem auf die Negativseiten (oder was dafür gehalten wird) öffentlicher Schulen eingegangen wie:

  • unzreichende Vermittlung von ethischen und moralischen Grundwerten
  • Gewalt und Mobbing
  • negative Sozialisation der Kinder
  • fehlende Lernfreude
  • sinkendes Bildungsniveau
  • Unfähigkeit der Schulen zur individuellen Förderung der Kinder
  • etc

Dem gegenüber wird das Homeschooling als DIE Methode dargestellt, die all das vergessen machen kann und außerhalb Deutschlands auch gut erprobt und erlaubt sei.

Ich will nun nicht in die Diskussion über Moralvorstellungen, amerikanische homeschooled Fundamentalisten (gerade im fundamentalistisch-christlichen Umfeld scheint mir dort Homeschooling beliebt zu sein) und dergleichen einsteigen. Meine Frage ist eine Gesellschaftliche:

Wenn die Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder selbst zu unterrichten, diese von der Schule nehmen, was passiert mit den Anderen? Bleiben sie zurück in der „Hölle“ der öffentlichen Schule? Werden Homeschooler weiterhin bereit sein für die öffentlichen Schulen durch ihre Steuern aufzukommen, wo ihre Kinder doch gar nicht mehr dort unterrichtet werden und sie das Geld auch im Haushalt gut gebraucht werden kann, da mindestens ein Elternteil wohl zu Hause bleiben und Kinder unterrichten muß und wie viele Familien können es sich heute schon noch leisten nur noch von einem Einkommen zu leben?

Es gibt Dinge, die hat der Staat im Kollektiv geregelt. Da gibt es einen Standard, der (oftmals mehr schlecht als recht aber immerhin) eingehalten wird und alle zahlen dafür. Das gilt für das Gesundheitssystem, für die Sozialkassen, für Polizei und Feuerwehr und dergleichen mehr. Und es gilt für die Bildung. Der Staat organisiert die Bildung und sorgt dafür, daß alle bis zu einem gewissen Grad daran teilhaben können (wir wissen, da liegt vieles im Argen, nichtsdestotrotz ist es so).

Dabei steht es jedem frei, ein Mehr zu erreichen, als der Staat bietet. Will man also mehr Versicherungsschutz, schließt man eine Zusatzversicherung ab und ist man vom Stoff der Schulen nicht überzeugt, so kann zu Hause durchaus Homeschooling als Addon zum Unterricht an der öffentlichen Schule durchgeführt werden (das geschieht auch häufig und nennt sich oft „Nachhilfe“).

Schwierig wird es bei solchen Systemen immer, wenn einzelne, die sich stark genug wähnen, die Belastung selbst tragen und bessere Ergebnisse erzielen zu können, sich aus dem System ausklinken, oder dies versuchen. Sie spalten damit die Gesellschaft auf. Die Probleme der Anderen sind nicht mehr ihre Probleme, weil sie ihr eigenes Süppchen kochen. Und so verwenden sie ihre Energie für ihr eigenes Süppchen, anstatt sich Gedanken um die Gesellschaft als ganze zu machen.

Das mag im Bereich des Homeschoolings so sein, aber auch wenn es um Privatpatienten geht. Für diese ist es auch eher nachrangig interessant, welche Probleme das Gesundheitssystem so hat, weil sie immer noch mehr bezahlt bekommen als die gesetzlich Versicherten. Man ärgert sich vielleicht, aber man spürt die Not nicht mehr so unmittelbar, und man ist deutlich weniger geneigt, selbst etwas zu tun, um für Besserung zu sorgen (wir leben in einer Demokratie, das heißt: Es ist ein Mitmachspiel). Ob dieses Tun nun im setzen des Kreuzes an einer bestimmten Stelle am Wahltag ist, oder sich auf Eintritt und Engagement in politischen Parteien oder auch NGOs erstreckt ist dabei nebensächlich. Hauptsache ist: Man ist Teil der Gesellschaft und verscht, diese insgesamt nach vorn zu bringen.

Das sehe ich aber beim Homeschooling gerade nicht, sondern es sieht für mich aus, wie eine Weltflucht. Behaltet Ihr Eure Probleme, ich steig jetzt auch und mach mein eigenes Ding. Damit leistet man Vorschub für die Entsozialisierung der Gesellschaft. Damit wäre die Gesellschaft an sich aufgelöst in viele kleine Inselchen, die nichts oder wenig miteinander zu tun haben, was unweigerlich zum Chaos führen würde, weil keiner mehr mit dem anderen spricht, keiner mehr bereit ist, einen Kompromiss einzugehen.

Homeschooling an sich mag nur ein Rädchen sein im Räderwerk, aber gerade die Schule ist doch ein unglaublicher Faktor für das Zusammenleben der Menschen. In der Schule triffst Du alle und mußt mit allen irgendwie umzugehen lernen. Beim Heimunterricht tust Du das nicht. Du kennst nur Deinesgleichen, kuckst nicht über den Tellerrand hinaus und kannst die Welt um Dich herum nach ein paar Generationen Homeschooling nur noch mit Befremden wahrnehmen. Und wenn keiner den anderen mehr versteht, bedeutet dies über kurz oder lang eben das Ende der Gesellschaft, was dann auch im Ende der staatlichen Strukturen sich niederschlagen wird, denn wozu noch der Staat, wenn jeder tut, was er für gut erachtet. Und so wird es darauf hinauslaufen, daß die Stärksten wieder ganz offen und ohne Einbindung und Kontrolle durch Gesellschaft und Rechtssystem herrschen werden. Die gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende wären dahin und müßten wieder neu erkämpft werden.