Kirche

Katholischer Ungehorsam

Man liest ja immer wieder, jedenfalls wenn man wie ich auch bei konservativen Katholiken auf die Blogs schaut, von Bewegungen wie „Wir sind Kirche“ und anderen Gruppen, die für die Abschaffung des Zölibats und die Einführung der Frauenweihe eintreten.

Und immer wieder, jedenfalls geht es mir so, macht das Ganze den Eindruck eines europäischen, bzw, man muß die USA und Kanada (und Australien und…) wohl noch dazunehmen: westlichen Problems. DIe Menschen hier entfernen sich immer mehr vom vorgegebenen Gehorsam dem römischen Bischof gegenüber und treffen selbst Entscheidungen. Meist eher im privaten Bereich: Man benutzt Kondome und geht trotzdem noch in die Kirche, aber manchmal kommt es eben auch dazu, daß Frauen tatsächlich zu Priesterinnen geweiht werden (ich hör schon die Zwischenrufe der konservativen Katholiken: Das geht nicht, das sind allenfalls Weiheversuche – interessiert mich nicht sonderlich;)) oder geweihte Priester heiraten. Dann fliegen sie raus. (ist ne Eheschließung zwischen nem Priester und ner Frau eigentlich genauso nur ne versuchte Eheschließung wie die Prietserweihe an der Frau ne versuchte Weihe ist?)

Jedenfalls hab ich jetzt was bei Sojourners gelesen, das mich dazu bringt anzunehmen, daß es sich nicht mehr um ein rein westliches Phänomen zu halten. Denn auch in Afrika gibt es wohl einige ungehorsame Bischöfe und Priester, die heirateten. UNd die sich als eigene Kirche organisieren.

Als Glied einer Kirche, die ebenfalls auf den Ungehorsam gegenüber Rom (oder anders ausgedrückt: Dem Gehorsam gegenüber Gott) zurückgeht, kann ich das nicht kritisieren und will es auch nicht. Das ist das Problem der katholischen Kirche. Ich finde es aber interessant, denn mir wurde öfters mal vorgehalten, daß die katholische Lehre in Europa und Amerika nicht mehr so massentauglich ist mache gar nichts, denn in Afrika wachse die Kirche ungemein, und dort habe keiner ein Problem. Sicherlich sind die Zahlen gering im Vergleich mit der Größe der ganzen Kirche von Rom, aber ich meine hier zeigt sich, daß das Problem nicht nur ein westliches ist.

Die Kirche von Rom geht offenkundig auch für Menschen anderer Kulturkreise an den Bedürfnissen der Menschen vorbei. Und das weitestgehend bei Punkten, die das Evangelium nicht betreffen. Oder was hat Priesterweihe oder Zölibat damit zu tun, daß Christus für unsere Sünden starb?

Wie gesagt, das Problem Roms. Aber interessant zu wissen.

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Gedanken zum Rücktritt des Bischofs von Rom

Der Papst ist zurückgetreten. Das heißt er hat seinen Rücktritt angekündigt, für den 28. Februar, 20 Uhr. Bisher kam es nur einmal in der Geschichte vor, daß ein Papst zurückgetreten ist. Normal gibt es das nicht. Ratzingers Vorgänger bestand noch darauf, auch angesichts seiner schweren Krankheit nicht zurück zu treten. Ratzinger hat sich anders entschieden.

Aus der Rücktrittserklärung geht hervor, daß er sich nicht mehr in der Lage fühlt, das Amt auszuüben. Vorab gesagt: Ich sehe das wie der Herr Alipius: Diese Entscheidung verdient Respekt. Schon alleine, weil er sich gegen das Vorbild seines Vorgängers entscheidet und in eigener Verantwortung einen eigenen Weg geht.

Römischerseits glaubt man, daß der Papst von Konklave unter Einfluß des Heiligen Geistes gewählt wird. Es geht dabei nicht in erster Linie um Performance, deshalb denke ich, daß die Performance auch nicht Ausschlußkriterium sein muß, wenn das Alter zuschlägt. Johannes Paul II unterstrich dies durch seinen Leidensweg. Benedikt XVI wählt einen anderen Weg, und ja, er hat das Recht dazu und es zeugt durchaus auch von seinem Verantwortungsgefühl seiner Kirche gegenüber, daß er gewährleisten will, daß „der Laden läuft“.

Hätte es Johannes Paul II nicht gegeben, könnte man daraus den Schluß ziehen, daß ab einem gewissen Performanceverlust das Ausüben des Amtes nicht mehr möglich sei und sich Päpste in Zukunft bei Krankheit zum Rücktritt gezwungen sähen. In der Gesellschaft (und auch ein Stück weit in den Kirchen) ist solches Leistungsdenken, in der der Mensch über seine Leistung definiert wird, recht verbreitet und bestimmt weite Lebensbereiche.

Die Kirche von Rom hat nun zwei Paradigmen mit ihren letzten beiden Päpsten und kann somit in dem Zusammenhang für ein sowohl als auch stehen (sonst wird sie ja eher wahrgenommen als für sture Prinzipiendurchsetzung stehend). Ohne das Beispiel Johannes Pauls II könnte man auf die Idee kommen, die Leistungsfähigkeit gäbe den Ausschlag für die Befähigung zum römischen Bischofsamt oder das Bischofsamt überhaupt – und nicht der Heilige Geist. Ohne das Beispiel Benedikts XVI könnte man auf die Idee kommen, die Päpste hätten nicht die Freiheit, zu entscheiden, daß sie nicht mehr in der Lage sind, das Amt so auszuüben, wie sie es für richtig halten. Man könnte sogar auf die Idee komemn, Päpste seien zum öffentlichen Leiden wie Johannes Paul II verpflichtet.

Zukünftige Päpste können nun freier als Benedikt entscheiden, welchen Weg sie wählen. Bleibt noch, ihm für den bevorstehenden Ruhestand alles Gute und Gottes Segen zu wünschen.