Gesellschaft, Politik

Lügenpresse?

Foto von Caruso Pinguin Lizenz CC BY-NC 2.0
Foto von Caruso Pinguin Lizenz CC BY-NC 2.0

Wenn die Demonstranten mit Medien wie „Russia Today“ oder „Al Dschasira“ sprächen, aber lokale und überregionale Medien als „Lügenpresse“ und „Mainstreammedien“ beschimpften, „dann werden rote Linien überschritten“, betonte der Chef der Bundeszentrale für politische Bildung.Vielen Anhängern der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) sei offenbar nicht klar, dass es in Deutschland keine Staatspresse gibt, betonte Krüger. Stattdessen gebe es eine „freie Presse, die das was geschieht, aus konkurrierenden Perspektiven betrachtet, diskutiert und damit die öffentliche Meinungsbildung konfrontiert“.

Gefunden habe ich diesen Textausschnitt hier. Krüger, Chef der bpb hat natürlich Recht. Eigentlich. Wir haben in Deutschland eine freie Presse, die sich in ihrer Gesamtheit vor Medien wie „Russia Today“ oder „Al Dschasira“ nicht verstecken muß. Eigentlich.

Und wir haben demokratisch gewählte Politiker. Politiker, die viel eher den Willen des Volkes repräsentieren, als beispielsweise der Politiker, der hinter „Russia Today“ steht: Putin.

Jetzt werden also sowohl Politiker als auch die Presse von den Pegida Leuten als Lügner angesehen und trauen ihnen nicht mehr, ja man traut nicht mal mehr den Statistikämtern, eigentlich niemandem mehr, der eine irgendwie andere Meinung als man selbst hat.

Jetzt kann man sich hinstellen und das bedauern, man kann dazu aufrufen, sich an Diskussionen zu beteiligen und Fakten anzuerkennen.

Alles richtig und gut, ohne miteinander zu reden wird es nicht besser werden. Allerdings sollte man sich selbst auch einmal genauer mit diesen Vorwürfen auseinandersetzen, den die kommen nicht aus dem luftleeren Raum.

So hat Thomas in seinem Jahresrückblick auf Politikeraussagen des Jahres 2013 verwiesen, die sich in diesem Jahr schon als Unwahrheiten herausgestellt haben. Es dürfte weiter Konsens bestehen, daß noch viel mehr solcher Aussagen gefunden werden könnten. Die meisten unter uns würden wohl auch der Aussage zustimmen, daß dies eben zum Geschäft der Politik gehört, daß man als Politiker nicht einfach nur seinen Willen durchsetzen kann, sondern auch Kompromisse eingehen muß.

Allein: Wo ist der Politiker, der das auch mal offen eingesteht? Ein CDUler, der im Wahlkampf sagt, daß man womöglich auch mit der AfD könnte. Oder ein SPDler der sagt, daß man mit den Linken nicht möchte, aber vielleicht doch lieber als mit der Union? Oder daß man Rot-Grün anstrebt, daß mn aber auch ne große Koalition machen würde, wenn anders das Land führungslos bleiben müßte etc etc?

Die Bürger sind erwachsen, und es wäre

im Sinne unserer Demokratie und unseres Gemeinwesens überhaupt, wenn Politiker (vor allem solche im Wahlkampf) sie auch so behandeln würden. Das kann bedeuten, daß man eine Wahl verliert. Aber der Schaden ist anders herum vielleicht noch viel größer. Eine Gelegenheit für Politiker, Größe zu zeigen, wenn sie das Allgemeinwohl vor das persönliche Wohl stellen, und uns gleich die Wahrheit sagen, anstatt auf den Effekt zu hoffen.

Von Populisten werden wir das nicht erwarten können, und das ist ein Problem, denn es würde ihnen vermutlich Vorteile beschaffen. Auf lange Sicht würde es aber – so denke ich – Populismus vorbeugen und unsere Gesellschaft insgesamt erwachsener machen.

Kommen wir also zur Presse, dem anderen Feindbild der Pegida Leute. Und da hat Michael in seinem tollen Artikel zur (nicht) drohenden Islamisierung (unterfüttert mit Daten zu den Geburtenraten) gleich auf zwei Falschinformationen eines großen deutschen – ja was eigentlich, Zeitung will ich es nicht nennen – hingewiesen. Persönlich fällt mir da noch der Fall Nikolaus Brender – Peter Frey ein. Allgemein habe ich in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, daß die Medien zunehmend voneinander abschreiben und Nachrichten kaum mehr geprüft oder recherchiert werden. So werden Fehler (auch intendierte Fehler) einfach reproduziert.

Auch hier kann man sagen: Alles verständlich. Die Presse arbeitet (abgesehen von den öffentlich-rechtlichen, aber da gibt es auch Kostendruck) nach kapitalistischen Maximen. Man hat zwar den Auftrag, zu informieren, auch zu recherchieren und kritisch zu hinterfragen, allerdings ist das teuer und kommt deshalb wohl nicht immer zum Zug. Auf der anderen Seite verschaffen Skandale, Horrormeldungen und dergleichen Auflage. Wenn der neue EKD Ratsvorsitzende also fordert,

nicht nur von IS-Terror, sondern dem friedlichen Zusammenleben von Christen und Muslimen zu berichten

dann kann er vielleicht auf die Kirchenmedien dementsprechenden Einfluß nehmen und auf eine finanzielle Absicherung trotz solcher schlechter veraufbaren Meldungen hinwirken. Allein, auch in der Kirche wird gespart.

Man muß sich also auch eingestehen, daß unsere Presse zumindest vom Markt nicht unabhängig ist. Und das ist ein Problem, für das ich keine Lösung weiß. Der Verwies auf Blogs und andere Online-Medien kommt immer einmal wieder, aber kaum ein Blogger hat die Zeit und die Kenntnisse, hinreichend zu recherchieren. Und wenn doch, dann betreibt er das Bloggen zumindest semiprofessionell und muß sich wieder it den Gesetzmäßigkeiten des Marktes auseinandersetzen.

Trotzdem denke ich, ist es wichtig, sich mit den Pegida Leuten auszutauschen. Dies wird erschwert durch die Verweigerung gegenüber den Medien (und die fehlende Homepage). Vielleicht muß man dann doch mal auf „Russia Today“ schalten, um deren Ansichten mitzukriegen.

Und im Laufe der Diskussion müssen die dann auch begreifen, daß sie villeicht nicht „das Volk“ sind und ihre Ansichten nicht durchsetzen können. Ein guter Ausgang solcher Gespräche wäre, wenn man einander ein wenig besser versteht und die Ängste kennt, die den jeweils anderen bewegen (am Ende geht es vielleicht um die eigene Altersarmut und nicht um Ausländerhaß). Dann könnte man vielleicht sogar überlegen, wie man diese Ängste beseitigt. Wer sich hier engagiert, auch politisch engagiert, kann für die Zukunft sicher viele Pluspunkte sammeln.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 2.9.2012

Heute kommt zur Tageslosung noch eine Ergänzung aus dem Großen Katechismus von Luther dazu. Erstmal die Tageslosung:

Du sollst dir kein Gottesbild machen, in keinerlei Gestalt. 5. Mose, 5,8

Das führt zu der Frage, was unter „Gott“ verstanden wird. Luther schreibt dazu, was es heißt, einen Gott zu haben oder was Gott ist:

Worauf du nun (sage ich) dein Herz hängest und dich verlässest, das ist eigentlich dein Gott. (Martin Luther, Großer Katechismus, das 1. Gebot.)

Woran hänge ich mein Herz? Gibt es „Götterbilder“ in meinem Leben?

Uncategorized

Ein blindes Huhn trinkt auch mal n Korn

Heute morgen hab ich mal wieder in ein springersches Printprodukt geschaut und mich gweundert. Im Positiven. Und zwar war im Kommentar auf der zweiten Seite eine durchaus wichtige Frage angesprochen: Die der demokratischen Legitimation der von Merkel und Sarkozy geplanten Finanzregierung (was man sich auch immer genau darunter vorzustellen hat).

Dann stand noch irgendwo (weiß nicht mehr ob BILD oder Rheinpfalz), daß man vor allem in der CDU Vorbehalte dagegen hat, Souveränität abzugeben an die europäische Ebene.

Das hat mich wiederum verwundert, dachte ich doch, die Bürger seien der Souverän. Die Frage muß also nicht lauten, ob der Staat Souveränität abgibt, sondern ob der Souverän seine Macht an die lokale, nationale oder Europäische Ebene delegiert. Die Nationaldelegierten wollen natürlich keine Macht verlieren und weiterhin weitgehend Generalbevollmächtigte bleiben. Was wir als Souverän unseres Staates davon haben, erschließt sich mir allerdings nicht.

Uncategorized

EUROBONDS!

Es sind Semesterferien und ich bin zu Hause. Und zu Hause werden noch Printmedien konsumiert. Mein Großvater etwa liest täglich ein leidlich bekanntes Boulevardblatt aus dem Hause SPRINGER und als interessierter Mensch seh ich da dann auch hin und wieder rein. So auch heute morgen. Und was seh ich da? Gleich auf Seite 2 wird der Teufel an die Wand gemalt. Nein, nicht der Teufel, schlimmer, der Eurobonds. Eurobonds bedeutet nach einer hausinternen Übersetzung von Springer auf deutsch:

Wir zahlen für die Schulden der anderen.

Das, finde ich, ist unerhört! Es kann einfach nicht angehen, daß irgendwer für die Schuld eines anderen bezahlt. Wo kämen wir denn da hin? Es war doch eine richtige Entscheidung, bei der US Immobilienkrise die Großbanken ihren Luftgeschäften zu überlassen und den Markt sich selbst regulieren zu lassen. Wieso hätte der deutsche Steuerzaher denn die Spekulationen der Banken stützen sollen? War doch nicht seine Schuld! Nein, die anderen, die Banken haben Schlden gemacht! Und die hatten sie alleine zu tragen. Zum Glück mußten sie das auch tun. Nur deshalb geht es uns heute so gut und wir nagen nicht am Hungertuch. Naja, bis auf ein paar Hartzer vielleicht, aber die sind ja auch selbst schuld, weil sie ihr ganzes Geld für Zigaretten und Alkohol rausschmeißen. Auch wenn sie Nichtraucher sind und keinen Alkohol trinken…

Aber zurück zu den Eurobonds, also eher weg von ihnen. Ich finde das gut. Man sollte das aber zu Ende denken. Wieso haftet der Bürger Mecklenburg-Vorpommerns für die finanziellen Eskapaden der Bayern? Wäre es nicht besser, die Staatsanleihen abzuschaffen und Länderanleihen einzuführen? Es kann doch nicht sein, daß die einen für die anderen zahlen und die munter weiter prassen! Wenn ich es mir recht überlege, sind Länderanleihen auch nicht der Klugheit letzter Schluß. Nehmen wir als Beipiel wieder Mecklenburg-Vorpommern: Wieso sollen die hart arbeitenden Küstenbewohner und Universitätsstädter für die Schulden der arbeitslosen Binnenländler zahlen? An der Küste und besonders in den Universitätsstädten haben die Einwohner halt härter zugepackt und mehr geschafft, so daß es jetzt mehr Jobs gibt. Den Binnenländlern steht frei, sich ebenso um Touristen zu bemühen, aber doch bitte nicht mit dem hart erarbeiteten Geld der Küstenbewohner (ähnliches könnte man in Bayern vielleicht für den Alpenrand und das flache Land feststellen…?). Das würde dann zu Kommunalanleihen führen, wobei es durchaus sinnvoll sein könnte, das bis auf einzelne Stadtteile runterzubrechen. Die Altstädter in Greifswald haben ja einiges getan, um die Innenstadt touristisch attraktiv zu machen. Die Bewohner von Schönwalde und dem Ostseeviertel (für Uneingeweihte: Da stehen die Plattenbauten) können sich ja gerne anstrengen und ihre Gegend genauso attraktiv gestalten, wie es die Altstädtler taten. Aber doch bitte nicht auf Kosten anderer. Gäbe man ihnen dafür Geld, würden sie es ja nur verprassen. Das haben sie bisher ja auch getan, sonst wäre die Gegend ja nicht so häßlich.

Doch auch das ist noch ungerecht. Auch in der Greifswalder Altstadt leben sicherlich irgendwo arbeitsscheue Individuen zwischen all den hart arbeitenden Menschen. Die Antwort kann nur lauten: Personalbonds. Kredite nur noch für einzelne Personen, nicht mehr für Verbünde von mehreren Leuten, denn das benachteiligt die Leistungsträger und verschafft den Faulpelzen ein süßes Leben, die können dann ja, wie die Griechen, genauso weitermachen. Dann kann auch jeder seine eigene Polizei, Feuerwehr, Schule und Bundeswehr einrichten, nach eigenen Regeln mit oer ohne Wehrpflicht oder gleich ganz abschaffen.

Klingt hirnrissig? Genau, das dachte ich auch, als ich heute morgen BILD las.

Uncategorized

Peter Hahne

… hat mal das gleiche studiert wie ich jetzt. Nur mit anderem Abschluß. Naja, ich hab meinen ja noch nicht, aber während ich aufs Pfarramt rauswill, hat er ein Diplom in Evangelischer Theologie erworben und Karriere als Journalist beim ZDF gemacht.

Diese Karriere hat dazu geführt, daß er nun auch für BILD schreibt, und zu eben einem solchen Artikel will ich nun mal ein paar Worte loswerden.

Ebenso wie die Guttenberge und von der Laiens dieser nserer Republik macht er sich Gedanken um das Internet und die Gefahren, die dasselbe bedeuten, und zwar für die Kinder.

Interessanterweise schreibt er nicht von der Pornografie, die einen laut Zensursula ja dort im Internet an jeder Ecke anspringt und süchtig macht. Nein, er hat ein anderes Argument. Nämlich die Gefahren der Chatrooms. Und ich muß sagen, ich finde es gut, daß er dieses Thema auf die Tagesordnung bringt und somit eine reale physische Gefahr für die Kinder angesprochen wird. Vielleicht kommen wir nun dazu, wirklich mal über sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Kinder zu reden, und nicht nur die Kinder als Mittel zum Zweck der Totalüberwachung zu mißbrauchen.

Doch gemach, denn so positiv ist der Artikel von Hahne dann doch nicht.

Erstens nimmt er den Begriff Kinderpornografie hier wieder auf, obwohl es nach dem Artikelinhalt wohl eher um Mißbrauch als um die Dokumentation des Mißbrauchs auf Bild und Videomedien geht. Eine Differenzierung und ein sicherer Umgang mit der Begrifflichkeit sollte nicht zu viel verlangt sein. Versäumnisse hier können schnell den Vorwurf der Stimmungmache auf unterstem Niveau nach sich ziehen. Das wäre zwar für BILD nicht schädlich, aber für das Ansehen Hahnes.

Zweitens meint er, daß jemand, der sich an Kindern vergreift, keinen Datenschtz verdient. Damit macht er eine Unterscheidung zwischen Menschen, die sich den Datenschtz verdient haben, und solchen, die ihn nicht verdient haben. Wenn man sich aber grundlegende Rechte erst verdienen muß, wie weit ist es da noch in die Tyrannei früherer Jahrhunderte?

Er meint wohl eher, der Täter habe isch das Recht verwirkt. Schon wieder so eine Ungenauigkeit, aber gut, er schreibt für BILD. Die Überschrift geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht den Kinderschändern nicht nr den Datenschutz, sondern gleich jeglichen Schutz ab. Wie weit soll das gehen? Schutz vor staatlicher Willkür inbegriffen?

So gesehen bin ich sehr unzufrieden mit Hahnes Artikel. Er bedient doch wieder nur die dümmlichen Vorurteile, er schürt geradezu den Volkszorn. Unter dem Mantel guter Absichten, denn wer würde nicht sagen, daß Kinderschänder verfolgt und bestraft werden müssen? Im Zweifel für immer weggeschlossen?

Doch bitte alles im Rahmen des Rechtsstaates. Im Rahmen der Verfassung, die in ihrem ersten Artikel die Würde des Menschen – jedes Menschen! – für unantastbar erklärt. Das wäre dann nicht nur der Rahmen des Rechtsstaates, sondern auch der Rahmen, den der Gott steckt, den Hahne so wie ich verehrt. Jeder Mensch ist ein Sünder, keiner hat dem anderen etwas voraus. Deshalb, wenn man einem den Schutz abspricht, so spricht man ihn allen Menschen ab. Wo aber alle Menschen ohne Schutz sind, da kommt der Staat nicht dem von Gott gegebenen Auftrag nach, für die äußere Ordnung zu sorgen, sondern macht sich selbst zum Gott, indem er festlegt, wer Schutz verdient und wer nicht, wer gegängelt werden kann und wer gerade mal genehm ist und nichts zu befürchten hat.

Zu Ende gedacht würde das bedeuten, daß Hahne gegen die göttliche Ordnung schreibt. Vielleicht gehe ich damit ein bißchen weit, aber die Tendenz scheint mir gegeben, ach wenn sich Hahne dessen vielleicht, trotz Theologiestudiums, nicht bewußt ist.

Doch zurück zu seinen freilich nur als Argument gegen ein freies Internet ins Feld geführten Gefahren im Netz: Er schreibt von Viertklässlern, die nach der Schule ins Internetcafe stürmen und dort Gefahr laufen, in den Chatrooms sich auf falsche Freunde einzlassen, die sie dann vielleicht irgendwann mal treffen, um zu merken, daß der angebliche Freund der größte Feind ist.

Ein schreckliches Szenario. Ich habe keine eigenen Kinder, doch kann ich mir vorstellen wie schrecklich allein der Gedanke daran ist, daß das eigene Kind einem solchen Verbrecher in die Hände fällt.

Doch ist die Gefahr neu? Ich höre meine Eltern noch sagen „Geh mit keinem mit“. Damsl als Kind verstand ich gar nicht, was alles dahintersteckte, hinter dieser immer wieder wiederholten Warnung. Genauso: „Steig zu keinem ins Auto ein“.

Es gab viele Gefahren in meiner Kindheit. Ich kann mich nicht an 30-er Zonen oder Spielstraßen erinnern, die Straße war Gefahr: „Guck, wenn Du auf die Straße gehst“.

Meine Eltern sorgten selbst dafür, daß ich wußte, wie ich mich zu verhalten hatte, um möglichst unbeschadet drch die Kindheit zu kommen: „Schnall Dich an“. Einem Klassenkameraden wurde das Nichtbefolgen dieser Warnung zum Verhängnis. Das Auto überschlug sich, er flog durch die Winschutzscheibe, das Auto auf ihn drauf. Er starb im Krankenwagen. Mit 14.

Garantieen, daß alles glatt geht, gab es auch damals nicht.

Warum schreib ich das alles? Weil Hahne dies zu verlangen scheint. Die Forderung nach einem Verbot von Internetcafe für Kinder, nach Sperrng bestimmter Seiten scheint mir aus diesem Gedanken geboren: Ich pack mein Kind in Watte, damit ihm nichts passiert.

Dabei übersieht Hahne jedoch: Das Kind ist zu einem Leben in der Watte verdammt. Es wird nie selbständig heraustreten können und das Leben in der Welt lernen können ohne die Gefahr, Schaden zu nehmen. Und je länger das Leben in der Watte andauert, desto schwieriger und gefährlicher wird die mstellung auf das echte Leben. Spätestens mit 18 wird das Kind aber aus der Watte raustreten müssen, alleine schon, weil es vom Staat in die Verantwortung genommen wird. Und es wird auch danach streben, aus der Watte herauszukommen, das echte Leben zu erleben. Jedenfalls scheint es mir so zu sein, wenn ich mir die Welt ansehe und die Jugendlichen darin.

Natürlich ist es für Kinder verboten, an Spielautomaten zu spielen. Aber es ist nicht verboten, auf dem Spielplatz zu spielen. Doch genau das ist es doch, was Hahne erreichen will: Sperren und verbieten. Es soll nicht verscht werden, den bösen Onkel vom Spielplatz zu vertreiben und die Kinder vor ihm zu warnen, sondern die Kinder sollen am Besten gar nicht mehr spielen gehn. Das ist zu gefährlich, es könnte ja etwas passieren.

Zielführend wäre meienr Meinung nach das, was auch meine Eltern damals gemacht haben: Die Gefahr verstehen, und den Kindern sagen, was zu tun ist. „Geh mit keinem mit“ könnte man übersetzen mit „Treff Dich mit niemandem, den Du nur aus dem Netz kennst“. „Steig zu keinem ins Auto ein“ könnte man neu fassen als „Gib nicht Deine Adresse auf Deiner Social Network Seite an, oder Deine Schule“. „Sei vorsichtig mit den Bildern, die Du von Dir ins Netz stellst“.

All das bringt Hahne aber nicht. Er will, daß das Netz verboten wird. Zumindest für die Kinder. Nur zu ihrem Besten.

Aber man hilft den Kindern nicht, wenn man sich vor der Welt verschließt und sie nicht darauf vorbereitet, man schadet ihnen auf lange Sicht, wennm an sich als Eltern keine Gedanken macht zu möglichen Gefahren und dazu, wie man diesen begegnen kann oder sie vermeidet. Doch höre ich relativ wenig Aufrufe in der Art: Eltern, versteht, was Eure Kinder tun und schützt sie. Durch Anleitung. Ich höre fast nur Gekreisch nach stärkeren Gesetzen, größeren Verboten und dem allgemeinen Verdrängen der Wirklichkeit, anstatt sie zu gestalten.

Ein Kind das vorbereitet ist, ist eine schwereres Opfer für einen Kinderschänder. Ein Verbot des Internets (wenn es denn durchsetzbar wäre, aber der Staat kann ja nicht mal das Verbot diverser Substanzen, von THC bis Heroin durchsetzen, und die sind schon lange bekannt) würde die Täter vielleicht daz bringen, nicht mehr im Internet nach Opfern zu suchen. Und was machen die Täter dann? Nun, vielleicht gehen sie af den Spielplatz, ausgerüstet mit Lollis und machen sich dort an die Kinder ran, die nichts Böses ahnen, weil ihre Eltern denken, alles Böse sei verboten…