Netzfunde

Netzfunde für Mittwoch, den 21. August 2013

Das Examen kommt näher, und auch die kirchliche Trauung. Daß wir dabei keine Fotografen haben wollen, da sind meine Frau und ich uns einig. Also, was den Gottesdienst betrifft. Danach, sicher. Ganz ohne Bilder ist ja doof. Aber es ist heutzutage halt wirklich ein Problem, daß bald jeder ein Smartphone hat und damit alles mögliche knipst, teilweise ohne Rücksicht auf andere. Und das tun halt manchmal auch Leute, die man sonst recht gern hat. Wie ich nun bei Heiko Kuschel gelernt habe, nennt man solche Leute „Uncle Bob“. Und sie stören nicht nur und verpassen die Chance, selbst den Gottesdienst zu genießen. Nein, sie machen im Zweifel auch dem Profifotograf das Arbeiten unmöglich. Aber den wird es bei uns ja auch nicht geben. Nur nen ganz normalen Traugottesdienst, wie früher, als noch nicht jeder nen Fotoapparat hatte.

Ralpe ist im Moment in den USA und schreibt auch einiges darüber. So hat er zum Beispiel einen Artikel gerebloggt (nennt man das so?) in dem es darum geht, daß viele evangelikale Jugendliche in den USA sich Katholizismus, Luthertum oder Anglikanischen Hochkirche zuwenden. War mir nicht bewußt. Man kann lesen, daß es daran hängt, daß sich die Jugendlichen in der Kirche ihrer Eltern nicht wohlfühlen, mit all den Bands und so weiter. So wie die Eltern sich eben in den traditionellen Kirchen nicht wohlfühlten.

Interessant finde ich nun eine weitere Beobachtung: Dort, wo evangelikale Gemeinden Wert legen auf eine intellektuell vertretbare Theologie und nicht nur auf Gefühle setzen, bleiben die Jugendlichen.

Mailin schreibt selten, aber wenn sie schreibt, ist es in der Regel gut. Jetzt hat sie sogar zwei Artikel kurz hintereinander veröffentlicht, beide sehr lesenswert.

Im ersten Artikel geht es um das bedingungslose Grundeinkommen, das Lukasevangelium (speziell Lk 22,17) und die Almosen. Arme, so schreibt sie in Rückgriff auf das Johannesevangelium, haben wir immer unter uns. Also wird es immer nötig sein, Almosen zu geben, und das tun wir auch. Aber das BGE wird von vielen abgelehnt. Aber man hat ja was Analoges in den USA: Man spendet viel Geld für alles mögliche, aber ein Sozialsystem? Um Gottes Willen, das wäre ja das Ende!

Im zweiten Artikel geht es darum, was gefährlicher ist, das Innere oder das Äußere. Sie behandelt die Thematik anhand des Verbots von Hakenkreuzen und Hitlergruß. Schlimm ist ja nicht das Hakenkreuz, schlimm ist all das, was in dem System passierte, das sich das Hakenkreuz zum Symbol ausgewählt hatte. Indem wir uns nun auf Äußerlichkeiten konzentrieren, wie Hakenkreuz und Hitlergruß, und das verbieten, besteht die Gefahr, daß wir übersehen, was die Menschen dazu bringt, bei solchen Systemen mitzumachen. Mailin hat Recht wenn sie schreibt, daß wir nicht wissen, was unsere Enkel einmal über uns sagen werden.

Allgemein

Das System

Der Pranger ist ja wieder in Mode gekommen. Heute ist mir sowas auf Diaspora begegnet (auch hier). Im vorliegenden Fall wurde ein Rechtsanwalt namentlich benannt, der einen Arbeitgeber vor Gericht vertrat und durchsetzte, daß für Toilettendamen der Mindestlohn von Reinigungskräften nicht anzuwenden sei, weil sie eben keine Reinigungskraft sei. Deshalb kann der Arbeitgeber weiterhin nur 3,40 € pro Stunde zahlen.

Was mich und andere ärgerte, war, daß der Anwalt mit Namen bezeichnet und quasi an den Pranger gestellt wurde. Ich meine, er tat nur seinen Job. Und da ich immr noch davon überzeugt bin, daß wir in einem Rechtsstaat leben, sehe ich das Problem eher darin, daß es Gesetze gibt, die der Anwat nutzen konnte, als daß der Anwalt seine Kunst für ein derartiges moralisches Unrecht einsetzte.

Es kam zur Diskussion über das System. Und da gingen die Meinungen dann wirklich auseinander. Denn ich denke nicht, daß wir im Klassenkampf eine Lösung haben. Oder im solidarischen Druck ausüben auf „die da oben“ oder das „1%“.

Das hat mich auch schon bei der occupy Bewegung gestört: Ich sah keinen wirklichen Lösungsansätze, nur die Feststellung, daß das System schlecht ist. Für die Ursache hielt man die Gier (greed) der Führungsschichten.

Ich dachte damals und denke immer noch: Das ist zu kurz gegriffen. Denn was ist, wenn wir die Führungsschichten austauschen? Andere Menschen an den Positionen, meinetwegen auch andere Klassen, werden die gleiche Gier entwickeln. Es ist etwas zutiefst menschliches, vorsorgen zu wollen. Und das kann dann groteske Züge annehmen.

Setzt man bei der Gier an, oder irgend einem anderen Handeln oder einer Eigenschaft, läuft das Ganze fast zwangsläufig auf eine Hexenjagd raus. Die Ernte ist verfroren? Das muß ne Hexe gewesen sein. Die Volkswirtschaft geht in die Binsen. Dann waren es die jüdischen Bankiers. Und weil das heute nicht mehr Mehrheitsfähig ist, sucht man sich eien anderen Sündenbock.

Allen Ansätzen gleich ist es, daß ein Täter gesucht wird, der über Eigenschaften oder Handlungen bestimmt und dann verfolgt wird, auf daß die gerade drückende Not ein Ende finde. Ein Unterdrückungssystem soll dadurch abgeschafft werden, daß eine bestimmte Gruppe marginalisiert und Verfolgt wird, um Marginalisierung und Verfolgung abzuschaffen. Man denkt in Tätern und Opfern, will die Täter zu Opfern machen, wird darüber selbst zum Täter und ändert das System nicht wirklich, auch wenn man das Führungspersonal oder auch die Theorie ändert, mit der man Opfer- und Tätergruppen festlegt. So kommt man nie über das System hinweg, auch wenn man persönlich so vielleicht auf die Gewinnerstraße kommen kann.

Man fragt jedoch nie (oder zu selten) nach den Ursachen ungerechter Handlungen oder Eigenschaften wie Gier und dergeichen. Man überlegt nicht, ob man über diese Schiene vielleicht zu einer nachhaltigeren Lösung kommen kann.

Ich meine, daß hinter alledem die Angst der Menschen steht. Der Mensch will vorsorgen, und je ungewisser seine Zukunft ist, desto bedachter ist er darauf, sein zukünftiges Auskommen abzusichern. Und zwar je auf dem Lebensstandard, den er gewohnt ist. Und da mag dann auch eine oder mehrere Existenen auf dem Spiel stehen. Sobald der fragliche Akteur der Meinung ist, daß seine eigene Existenz zur Disposition steht (und je unsicherer die Zeiten sind, desto eher gilt es auch für ihn, selbst in höchsten Positionen), wird er sich in den eisten Fällen für die eigene Existenz entscheiden, und nicht für die er anderen.

Ich meine, man kann ihm daraus keinen Strick drehen. So würden alle, oder zumindest fast alle handeln. Man kann höchstens einen Vorwurf machen, daß derjenige das Maß aus den Augen verloren hat, daß er sich nicht zugetraut hat, auf einem niedrigeren Lohnniveau noch ein Auskommen finden zu können. Aber daß jemand sich selbst der Nächste ist, kann diesem nicht zum Vorwurf gemacht werden.

Damit haben wir dann aber den Schuldigen verloren, denn jeder von uns ist in irgendwelchen Zwängen gefangen. Auch der Chef eines Unternehmens ist seinen Aktionären verpflichtet. Und die wollen Rendite sehen. Keiner von uns würde Aktien von eiem Unternehmen kaufen, das nicht erfolgreich ist, nur um den Druck aus dem System zu nehmen.

Und so bin ich überzeugt, daß die Angst, sein Auskommen zu verlieren der Punkt ist, an dem wir ansetzen müssen, wenn wir das System ändern wollen. Nicht mehr nach Schuldigen suchen, die wir dann publikumswirksam entmachten (oder gar ermorden, man denke an Hexen und Juden) können, sondern das Problem in den Umständen verorten.

Man kennt ja aus christlichen Kreisen den Spruch: Liebe den Sünder, hasse die Sünde. Das geht in die gleiche Richtung: Keine Sündenböcke suchen, sondern alle als Opfer des Systems verstehen. Und das System ist dann wohl die menschliche Natur, die einen dazu bringt, vorzusorgen, und damit die Angst einbringt, daß es nicht reichen könnte. Noch eine kleine Anmerkung aus christicher Richtung: Dieses Angstsystem ist es meiner Meinung nach, was als Sünde bezeichnet wird. Aber damit genug mit den christlichen Begriffen.

Der Ausweg würde da liegen, wo die Angst genommen wird. Wenn die Menschen die Überzeugung gewinnen, daß für ihr Auskommen gesorgt ist, werden sie auch eher Abstand davon nehmen, andere in Not zu bringen. Was hätten sie davon? Außer einem schlechten Gewissen?

Bricht man die Angst, bricht man das System. Das wird nicht zu 100% gelingen, denn Angst kann je nach individuellen Lebensumständen immer wieder auftreten (Jesus sollte mit Seiner Auferstehung ja auch alle Angst beseitigt haben, so aß für Christen das System schon gebrochen ist, aber wir wissen alle, daß es nicht so ist). Aber man dürfte eine deutliche Verbesserung erzielen können. Leider gibt es dabei kein wirkliches Feindbild, was die Popularisierung dieses Konzepts erschweren dürfte.

Wie man die Angst abschwächt? Ich habe zwei Denkansätze, wobei ich leider nicht das Fachwissen habe, das Ganze komplett zu durchdenken. Der erste wäre das bedingungslose Grundeinkommen. Damit sollten jedem die grundsätzlichen Existenzängste genommen werden. Also Überleben sollte drin sein. Daneben bin ich aber auch für ein maximales Höchsteinkommen (Siehe hier. In dem Artikel hab ich auch andere Artikel verlinkt, die ich zum Thema geschrieben habe). Das aus dem Grund, um die Fallhöhe zum Minimaleinkommen zu begrenzen, damit der fünffache Yachtbesitzer nicht den Eindruck kriegt, er falle ins Nichts, wenn er ins BGE fällt. Auch das kann IMHO Ängste nehmen.

Ob dies nun die Antwort ist, kann ich nicht sagen. Es ist ein Denkangebot. Was aber die Ursachenanalyse angeht bin ich mir etwas sicherer. Jedenfalls sehe ich keine Lösung darin, weiterhin nach Sündenböcken zu suchen, denn ich denke, daß wir alle Dreck am Stecken haben und die Protagonisten des Systems frei austauschbar sind, ohne daß sich Grudsätzliches ändert.

Zum Schluß: Bei Diaspora ergab sich übrigens eine fruchtbare Diskussion zum Thema, der Autor des Prangerbeitrags hat geschrieben, er wird das Ganze nochmal durchdenken. Schön, wenn sich bei Internetdiskussionen die Fronten nicht verhärten.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Karfreitag, 6. April 2012

Antje Schrupp befasst sich auf ihrem Blog mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und der Frage, wer dann die Drecksarbeit macht. Der Artikel wirft eine wichtige Frage auf, auch wenn mich als Mann die Suggestion, die „Dreckarbeit“ würde vor allem an den Frauen hängen bleiben, annervt, aber das ist ne andere Diskussion. Ich würde ja die weitergehende Frage stellen, was die Folge wäre, wenn die Drecksarbeit nicht erledigt würde. Riefe man nicht nach dem Staat? Es könnte auf Steuerfinanzierung rauslaufen…

Thomas hat einen Artikel über Zombie-Filme geschrieben, und der ist interessanter, als es sich anhört. Vielleicht gerade auch für diejenigen, die nicht zu den Fans des Genres gehören. Beim Lesen kam mir der Gedanke, ob man wohl auch die Passion als Zombie-Film drehen könnte, oder als Monster-Film mit Zombies, Vampiren, Mumien und Werwölfen, wobei mir noch nicht ganz klar ist, wer für was steht.

Mandy schrieb, passend zur kommenden Osterzeit, über Jonathans Ei. Dabei geht es um einen Jungen mit Behinderung, der eine Regelschule besucht. Und das ist jetzt die Überleitung zu einem Bloghinweis, den ich schon länger unterbringen wollte, der aber nei richtig reinpasste: Der Blog Inklusion ist Menschenrecht. Es ist ja in der Tat so, daß die BRD ein UNO Papier ratifiziert hat, das sich für die Inklusion in der Schue ausspricht. Die Aufnahme in Regelschulen ist also Bundesrecht und muß umgesetzt werden. Insofern ist eine Auseinandersetzung mit der Thematik sicherlich nicht verkehrt.

Gerd Häfner stellt anhand der Frage nach dem Todestag Jesu dar, auf welchen Ebenen man einen Bibeltext lesen kann, und wieso das Nebeneinander von vier Evangelien in der Bibel durchaus sinnvoll ist.

Alien59 schreibt Bedrückendes über Wegwerfmenschen. Am Ende stellt sie die Frage nach dem Menschenbild. Ich meine, daß in diesen Fällen der Mensch nicht als Mensch, sondern als Produkt, als Gegenstand betrachtet wird, der eintauschbar ist bei Nichtgefallen oder Defekt. Eigentlich ein krasser Verstoß gegen Art. 1 GG. Und auch bei Peter scheint mir der Gedanke vom Menschen als Produkt im Hintergrund zu stehen, wenn er von der neuen Scham schreibt, die sich nicht auf die Nacktheit bezieht, sondern auf Armut und Unattraktivität.

Und ein dritter Artikel zum Thema, mit dem Titel „Das Weib als Volkseigentum“ ist bei Geiernotitzen zu lesen, mit einer bedenkenswerten und kreativen Ausdeutung des Ehebruchs.

Beim Hellbound-Blog kommen immer wieder recht gute Artikel, ich dachte ja erst, da würde nur der Film beworben. Weit gefehlt. So gibt es da den Artikel zur Frage, wie es denn nun ist mit der Liebe im Christentum, und wie mit den Werken.

Um Liebe in Form von gegenseitigem Dienst (Fußwaschung!) geht es auch in der Gründonnerstagspredigt von Nick Baines, und die Bemerkung, daß er in dem Jahr, wo er jetzt Bischof von Bradford ist, viele Leute getroffen habe, die gute Arbeit in der Diözese leisteten, dachte ich ein wenig an Heikos Artikel bei evangelisch.de. Dort geht es um die Facebook Seite des bayrischen Landesbischofs, der ja durchaus auch Projekte in seiner Kirche (und anderswo) besucht, die hoffentlich auch alle gute Arbeit leisten. Ne entsprechende Medienpräsenz der „Reisen des Bischofs“ (der Name ist verbesserungsfähig), auf der die guten Projekte in der Kirche kurz umrissen werden (evtl. mit Link zur Projektseite im Internet), vllt. vom Bischöf persönlich in ein paar kuren Worten, würde diesen Besuchen nicht nur den Aspekt des „die Landeskirche nimmt die gute Arbeit hier wahr und schätzt sie“ für die dort arbeitenden geben, sondern sie ebenfalls in Bezug auf „Außenwerbung“ erschließen. Wo jemand sagen würde „Die Kirche macht eh nix für die Menschen“ könnte man beiläufig auf die Internetpräsenz des Bischofs (oder Kirchenpräsidenten oder Präses oder oder) verweisen…

Über den Facebook-Gottesdinest aus dem Maternushaus Köln gibt es einen Artikel bei FrischFischen. Dabei wird auch die Frage nach der zukünftigen Rolle der Ministranten aufgeworfen.

Andrea hat einen Artikel zur Vorratsdatenspeicherung geschrieben. Diese läuft in Österreich im Gegensatz zu Deutschland seit letztem Jahr. Interessant fand ich, daß die evangelische Kirche in Österreich klar Stellung dazu bezogen hat (die EKD war mein ich eher verschwiegen, oder hab ich was übersehen?), gerade auch wegen der Seelsorge. Wären die Piraten, die sich ja hierzuland den Kampf gegen die VDS auf die Fahnen geschrieben haben, nicht so religionsskeptisch eingestellt, hätten sie hiermit vielleicht ein Argument, das sogar einen gestandenen CSUler vom Schaden dr VDS überzeugt. Aber da gibt es wohl leider ideologische Grenzen.

Zu den Piraten hat auch Muriel geschrieben. Lesenswert.

Euch allen einen gesegneten Karfreitag.

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Widerspruch

Wir leben in einem Widerspruch: Einerseits schätzen wir unsere freiheitliche Demokratie, andererseits gehen wir wie selbstverständlich davon aus, daß derjenige, der etwas leistet, dafür auch belohnt werden soll.

Wir gehen sogar soweit, dies als Freiheit anzusehen im Gegensatz zum kommunistischen Prinzip, wo jeder das Gleiche kriegt, egal ob er was leistet oder nicht.

Wo liegt also der Widerspruch? Der Widerspruch ist kein theoretischer, sondern der Praxis geschuldet, denn in der Praxis bekommt man für seine Leistung erst einmal Geld.

Und mit dem Geld ist es so eine Sache. Es kann einerseits dazu dienen, daß wir von unserer Arbeit wirklich mehr haben, indem wir das Geld beutzen, um Konsum zu betreiben. Dieser Konsum ist schon deshalb gut, weil er anderen ermöglicht, ebenfalls durch Fleiß zu Geld zu kommen und ebenfalls mehr konsumierne zu können.

Andererseits aber, und das ist das Problem, kann Geld auch anders eingesetzt werden. Und zwar kann man es anlegen. Das ist prinzipiell noch kein Problem, weil damit wieder neue Möglichkeiten geschaffen werden für fleißige Menschen, die den Konsumenten Produkte verkaufen und so selbst wieder zu Geld kommen, das sie verkonsumieren können.

Oder anlegen. Aber zurück zur negativen Seite des Anlegens. Eine Geldanlage ist immer auch eine Spekulation, denn wenn die Anlage keine Rendite bringt, ist das Geld weg. Manchmal glücken Anlagen aber auch und man kriegt ne Rendite.

Und hier kommen wir schon zum ersten Problem: Jetzt fließt das Geld, ohne daß weitere Leistung von dem erbracht wird, der es bekommt.

Und ein weiteres Problem tritt auf: Es gibt ja immer Menschen, die Geld brauchen, für Investitionen werben, um ihre eigenen Geschäfte anlaufen zu lassen.

Derjenige aber, der das Geld hat, ist in einer Machtposition. Er kann sein Geld dem einen oder dem anderen geben. Ausschlaggebend ist in der Regel die zu erwartende Rendite. Der Geldbesitzer zwingt den Investorensuchenden, einen möglichst großen Batzen seiner Gewinne abzugeben. Damit wird nicht nur das Leistungsprinzip ad absurdum geführt und ausgehöhlt (der, der was arbeitet, kriegt weniger, der der nichts arbeitet, kriegt mehr), sondern auch das Prinzip, daß in der Gesellschaft demokratische Prinzipien gelten.

Denn wenn diejenigen mit Geld mehr Macht haben als diejenigen, die (noch) kein Geld angehäuft haben, führt zu einer Schieflage.

Inzwischen, so habe ich den Eindruck, gibt es Menschen, die etwas leisten und kaum noch etwas dafür bekommen. Es gibt Menschen, die über große Summen verfügen und damit viel verdienen, ohne noch groß etwas zu leisten. Jedenfalls nicht mit Auswirkungen auf die Realwirschaft. Vielleiht irre ich mich hier auch.

Auf jeden Fall besteht der Widerspruch zwischen der Macht des Geldes und dem Prinzip der freiheitlichen Demokratie, daß die Macht auf alle verteilt ist.

Ich denke, daß dies ein Stück weit, solange die Stärkeren die Schwächeren nicht abhängen, nicht besonders negativ ist. Es kann auch Ansporn sein, etwas leisten zu wollen. Es wird aber dann zum Probem, wenn derjenige am unteren Ende keine realistische Hoffnung haben kann, am oberen Ende zu stehen. Selbst über Generationen hinweg ist der Aufstieg mitunter schwierig. Übrigens auch der Abstieg, denn wer mal oben ist, hat in der Regel das Geld und damit die Macht, sich dort zu halten.

Was aber ist der Ausweg, wenn der Gegenentwurf des Kommunismus schon den historischen Beweis angetreten hat, daß er nicht funktioniert, weil die Leistungsträger ausgebremst werden.

Ich denke, es braucht einen Korridor für das freie Wirtschaften. Mit Grenzen nach unten, um die Schwachen vorm Elend zu schützen, wie nach oben, um die Starken von der Machtübernahme abzuhalten und das Demokratieprinzip zu schützen.

Die Grenze nach unten kennen wir. Es sind die vielen Konzepte und Umsetungen der staatlichen Stütze, von Hartz IV bis BGE. Auch wenn hier große Differenzen in der Auffassung der Ausgestaltung existieren, dürfte es in dieser Gesellschaft jeoch Konsens sein, daß wir niemanden verhungern lassen wollen (wobei ich hier vom Ideal spreche und nicht von der Realität).

Eine Grenze nach oben kennen wir jedoch nicht, und ich höre schon die Proteste. An Einwänden, die auf meie obige Begründung eingehen, bin ich äußerst interessiert.

Wie kann eine solche Grenze aussehen? Ich denke dabei an ein Steuerkonzept, daß Einkommen in der Art besteuert, daß ab einem gewissen Punkt Schluß ist, der Steuersatz gegen 100% strebt (ihn aber nie erreicht, sonst wär ja gar nix mehr da).

Wie hoch diese Höchsteinnahmengrenze sein sollte, ist eine andere Diskussion. Ich bilde mir auch nicht ein, zu diesem Zeitpunkt genügend Wissen zu haben, um eine sinnvollen Betrag zu nennen. Mir geht es hier lediglich um das grundlegende Prinzip.

Jedenfalls würde man dafür auch einen sich stetig ändernden Steuersatz benötigen im Gegensatz zu dem heutigen Stufenmodell. Das Nettoeinkommen wäre dann eine Fuktion des Brutto. Damit dürfte dann auch das Problem der kalten Progression der Vergangenheit angehören.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel, das in der Praxis nichts taugt, aber das Prinzip vermitteln kann:

Ich habe in den lettzen Tagen mit verschiedenen Formeln herumexperimentiert, die das Prinzip umsetzen. Dabei kam unter anderem diese hier raus:

Y ist das Nettoeinkommen, x ist das Bruttogehalt, k ist das höchste Nettoeinkommen (hier habe ich 2 eingesetzt wegen der Übersichtlichkeit, man kann es auch als 2 Mio. verstehen) und j ist ein Faktor, der beeinflußt, wie schnell das Höchsteinkommen erreicht wird. Die dazugehörige Graphik sieht so aus:

Die Gerade zeigt den Verlauf von 0% Steuer, also Brutto=Netto, an. Dementsprechend bewegt sich die andere Funktion unterhalb der Gerade. Würde sie die Gerade schneiden müßte der Staat dort Geld auszahlen anstatt einnehmen. Das geht denke ich in die Richtung der negativen Einkommensteuer.

Zur Veranschaulichung der Auswirkungen von j hier nochmal eine Kurve mit j=2:

Soweit meine Gedanken. Daß die Beispielfunktion, die ich nannte, nicht für die Praxis taugt, ist mir klar. Das Problem liegt vor allem daran, daß bei hohen Höchsteinkommen die mittleren Einkommen fast gar nicht besteuert werden und damit große Steuerausfälle aufträten. Will man dies nicht, so muß man das Höchsteinkommen jedoch auf einen recht niedrigen Wert setzen. Ich bin jedoch zuversichtlich, daß es andere Menschen gibt, die mehr Ahnung von Mathematik haben als ich un brauchbarere Formeln nach dem gleichen Prinzip aufstellen können.

Ich spreche hier lediglich von der Besteuerung des Einkommens. Sicher wäre es auch nötig zu überlegen, inwieweit Vermögen in ähnlicher Weise besteuert werden müßten, um nicht die finanziellen Herrschaftsverhältnisse festzuschreiben, die derzeit bestehen, indem den weniger Vermögenden der Aufstieg verunmöglicht wird.

Schlußendlich kommt mir der Gedanke, daß meine Idee vom Grundsatz her in eine ähnliche Richtung geht wie Silvio Gesells Natürliche Wirtschaftsordnung. Es wäre sicher auch spannend, die Unterschiede zu überlegen.

Update: Irgendwie krieg ich das mit den Graphen nicht gescheit hin, wenn man drauf klickt, kriegt man ein größeres Bidl, da sind sie dann auch besser zu unterscheiden.

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Steuern

Wenn ich das in letzter Zeit so richtig mitgekriegt habe, wollen wir ja alle Steuern zahlen, weil wir wohl mehrheitlich kapiert haben, daß die Staatsverschuldung nicht von alleine weggeht. Vielleicht ist in dieser Einsicht auch begründet, daß die FDP in letzter Zeit so wunderbare Ergebnisse einfährt (Nebenbemerkung an die, die dies freut: Als die FDP das letzt Mal in der Versenkung zu verschwinden drohte, kam am Ende Westerwelle).

Und da hört man dann von einer Anhebung des Spitzensteuersatzes um so und soviel Prozentpunkte, und am Eingangssteuersatz wird teilweise auch gedreht, damit diejenigen am unteren Ende der Sozialordnung noch genug zum Essen haben. Irgendwo dazwischen befindet sich das Probem mit der kalten Progression.

Dabei frage ich mich dann, wie man das Problem mit der klaten Progression lösen will, so lange man die Steuer in Stufen berechnet. Von soviel bis soviel Euro dieser Steuersatz, dann bis soviel Euro der nächste und so weiter. Und an den Rändern wollen alle weniger verdienen, damit sie mehr haben.

Daneben gibt es dann noch das Paradox, daß das mögliche Einkommen nach oben unbegrenzt ist. Man kann 100.000€ für seine Arbeit bekommen, oder eine Million, oder eine Milliarde (vielleicht als Bonus für das geschickte Agieren mit Derivaten), aber der Steuersatz hat irgendwo ein Ende. Ab einem gewissen Punkt muß man nicht mehr bezahlen, wenn man mehr verdient, so wie die Masse in den mittleren Steuerstufen.

Man könnte ja sagen: Wenn man diesen und diesen Prozentsatz zahlt, reicht das auch. Je mehr Geld, desto höher ist ja auch der absolute Betrag, den man zahlt und eigentlich wäre es am fairsten, wenn alle den gleichen Steuersatz hätten.

Ich bin da etwas skeptisch. Es hat ja durchaus seinen Sinn, daß wir besser verdienende stärker belasten, weil bei einer größeren absoluten Geldmenge der Mindestbedarf immer noch locker gedeckt werden kann, während dies bei einem geringeren Einkommen nicht zwingen der Fall wäre.

Darüber hinaus drängt sich mir der Verdacht auf, daß es schlecht ist, wenn sich viel Geld an wenigen Stellen sammelt. Je mehr Geld man hat, desto eher kann man damit auch einmal in riskante Geschäfte einsteigen.

Das ist an sich nicht schlimm. Wenn ein Milliardär beim Roulette ne Million auf die Null setzt und verliert, ist dies sein Privatvergnügen. Doch leider gehen die wenigsten Investoren in die Spielbank, sondern an die Finanzmärkte. Und da habe ich das Gefühl, daß dieses Kapital, das im Verlustfall dem Besitzer nicht weh tut, den über die Märkte angebundenen Unternehmen samt deren Beschäftigte enorm schaden kann.

Es scheint mir also sinnvoll zu sein, eine Ordnung zu haben, die dafür sorgt, daß das Geld hinreichend verteilt wird (man spricht immer von „Umverteilung“ als wäre es etwas Anrüchiges, dem stimme ich nicht zu). Wenn alle nicht so viel haben, ist auch weniger „Spielgeld“ vorhanden, außerdem würde der Einfluß einzelner Reicher auf Gesellschaft und Politik geschmälert (ich denke dabei gar nicht an Schmiergeder und Korruption, der Besitz an oder Einfluß auf bestimmte Presseorgane kann schon reichen).

Ich denke, das Problem der kalten Progression ließe sich lösen, indem man vom Stufenmodell wegkommt. Heutezutage ist alles stufenlos einstellbar, wieso also nicht die Steuer?

Man kann den Steuersatz als ansteigende Kurve modellieren (wär ich besser in Mathe würde ich ne Formel nennen, so muß es bei der Beschreibung bleiben), die mit steigendem Einkommen steigt, so daß bei 20.000 Jahreseinkommen wenig oder keine Steuer gezahlt würde, aber bei Millionenbeträgen die 50% gequert sind. Auf 100% dürfte man nie kommen, aber was spricht gegen 99% im hohen Milliardenbereich?

Das Ganze könnte man kombibieren mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). Ein Stück weit haben wir das ja schon über Hartz IV, allerdings haben wir da auch die Bedingungen. Trotzdem gibt es einen Satz, den man nicht mehr pfänden kann (oder nicht? Ich hoffe es jedenfalls), weil sich dann die Frage nach dem Überleben stellt.

Mit einem BGE, das die Grundsicherung abdeckt, könnte man nun ab dem ersten Euro, der verdient wird, schon Steuern erheben. Denn besteuert würde ja nur das Zubrot, nicht aber die Lebensgrundlage.

Bliebe die Frage, ob sich bei nem Grundeinkommen nicht einfach alle auf die faule Haut legen und nichts tun. In der Tat, diese Gefahr besteht. Ich denke jedoch, daß die meisten Menschen bereit sind, etwas zu arbeiten, wenn sie dadurch ihre Situation verbessern können. BGE plus höher besteuerte Arbeit wäre da eine Möglichkeit einerseits für diejenigen, die sich mal was leisten wollen. Die können dann zeitlich befristet malochen gehn. Wenn es dabei nur um eine bestimmte Anschaffung geht, muß die Arbeit auch nicht besonders erfüllend sein. Man reißt seine Wochen runter, hat das Geld für nen neuen Compter, Fernseher oder Auto und kann dann wieder erholen, gesichert durch das BGE. Dabei kann man sich vielleicht ehrenamtlich engagieren, da hätten auch alle etwas davon.

Die Chancen dafür, so mein ich, sind nicht gering, denn im Grunde ist der Mensch ein soziales Wesen. Aber ein anderes Problem ist vielleicht viel drängender: Wenn man nicht drauf angewiesen ist, zu arbeiten, dann können die Arbeitgeber bei den Lohnverhandlungen bei weitem nicht so viel Druck aufbauen. Im Zweifel würden die Löhne steigen müssen, um Arbeiter zu gewinnen. Damit stiegen dann auch die Steuern, was uns bei einer guten Regierung allen zu Gute käme, außerdem würde der Kapitalakkumulation an wenigen Punkten ein Riegel vorgeschoben, denn das Geld, das die Arbeiter verdienen, muß im Betrieb andernorts gespart werden…