Netzfunde

Netzfunde vom Samstag, den 27. April 2013

Bald ist Kirchentag, und die Leute, die da die Organisation machen sind inzwischen so modern, auch ne Wall gestartet zu haben. Die läuft schon.

Was auch schon läuft sind Fernseh- und Radiobeiträge zum Kirchentag. Ich hab da mal versucht, eine nach Zeit sortierte Liste zu erstellen.

Knuuut hat verschiedene Online Ressourcen zum Kirchentag aufgelistet.

Auf dem Pfälzer Landeskirchenblog geht es diese Woche ums Steuernzahlen.

Peter meint, daß Sünde überbewertet ist. Und hat IMHO Recht damit.

Der Bikerpfarrer weist auf ne Rezeptsammlung für den kleinen Geldbeutel hin. Find ich super, so ne Sache. Schade, daß es bei google plus ist. Da kann ich nicht mitmachen…

Theodred hat einen langen, aber lesenswerten Artikel über das Mittelalter, Spanien und die angebliche Toleranz zu dessen muslimischer Zeit zur angeblichen Intoleranz nach der Reconquista geschrieben.

Lynn schreibt davon, daß gute Absichten nicht Falsches richtig machen. Es geht um das purity movement.

Matthias Jung schreibt über Kirche und Politik.

Wir Protestanten nehmen ja selten ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Kirche von Rom für suboptimale Theologie (um es mal so zu umschreiben) zu kritisieren. Dann müssen wir auch mit der Retourkutsche klarkommen: Einer DEK Version des Apostolikums (auf der verlinkten Seite fälschlich als „Gebet des Herrn“ tituliert).

Bei Haltungsturnen geht es um, Verzeihung, „Arschlöcher“. Und zwar solche, die nach Gutsherrenart ihr Geld verteilen wollen, statt solidarisch mit anderen eine Last zu tragen, ohne selbst in jedem Fall entscheiden zu können, wem das jetzt zu Gute kommt. Die Verbindung zu „selbst Gott sein wollen“ halte ich für durchaus treffend.

Sheldon C. Good schreibt über die Bomben in Boston, Terrorismus und Folter. Absolut lesenswerter Artikel, wenn auch nicht an uns gerichtet, sondern an amerikanische Leser. Ansatzweise gilt das Ganze auch für Deutschland.

Bei Michael Blume gibt es nen Artikel zu Martin Luther Kings Letter from Birmingham Jail und die Frage, wann ein Gesetz gerecht und zu befolgen ist, und wann ein Gesetz ungerecht ist und Widerstand verlangt.

Bei GetReligion gibt es einen Artikel über Pädophilie, Daniel Cohn-Bendit und die 68er Bewegung. Und wieder kommt mir der Satz in den Sinn, nach dem gute Absichten (Befreiung) nicht Falsches richtig machen – in dem Fall Pädophilie.

Netzfunde

Netzfunde vom Mittwoch, dem 17. April 2013

Hallo allerseits. Heute gibt es mal wieder Netzfunde. Habt Ihr Euch auch manchmal gefragt, was der Code, der auf Bildern bei Zeitungsartikeln über Hacker eigentlich so bedeutet. Es gab wohl öfters immer wieder das gleiche Bild mit dem gleichen Bildschirm mit dem gleichen Quellcode drauf. Die Geschichte dazu findet Ihr hier.

Netzpolitik hat wohl nach Spenden gefragt. Und Antworten bekommen. Davon gibt’s jetzt ne Best Of zu lesen.

A propos wirre Ansichten. Was so alles gaga ist, erfahren wir bei „Die Wahrheit über die Wahrheit“.

Lynn schreibt über slut-shaming im purity movement. Also quasi Schlampenbeschämung in der Reinheitsbewegung. Es geht darum, daß in gewissen christlichen Kreisen propagiert wird, erst nach der Eheschließung Sex zu haben. Um dieses Ideal bei ihren Anhängern durchzusetzen (und wohl auch zur Selbstvergewisserung?) werden alle, die dem Ideal nicht entsprechen, niedergemacht (beschämt – wobei der Ausdruck doch sehr brav anmutet wenn man bedenkt, was da geschieht). Lynn kann das alles viel besser erklären…

Ach ja, Church Sign Fails gibt’s auch wieder.

Daß Senioren gerne Technik wollen, und zwar auch in der Kirche, und das auch ganz natürlich finden, kann man bei Heiko Kuschel lesen.

Thematisch paßt dazu der Artikel bei Haltungsturnen, nach dem Facebook ein alte Leute Medium ist.

Da wir grad bei Serien waren: Es gibt auch ne neue Ausgabe Religion im Web.

Lana schreibt darüber, wie ihr eigentlich calvinistisch-fundamentalistischer Jugendglaube eigentlich und an sich ein Deismus war. Interessant finde ich das vor dem Hintergrund, daß von Seiten der „Neuen Atheisten“ ja oftmals scharf unterschieden wird zwischen Deisten (die waren gar nicht soo schlimm, weil ja auch einige Aufklärer Deisten waren) und „echten“ Religiösen (womit sie Fundamentalisten meinen, wer nicht fundamentalistisch ist und trotzdem glaubt ist Wischi-Waschi Christ und nicht ernst zu nehmen). Wenn jetzt Deisten und Fundamentalisten sich näher stehen als gedacht, müssen die Atheisten jetzt die Deisten auch ablehnen (und damit vielleicht auch diese ganzen Aufklärungsgedanken, die sie sonst so hochhalten, wenn auch vielleicht mehr im Wort als in der Tat), oder müssen sie ihre scharfe Ablehnung des Funamentalismus relativieren (und sich vielleicht ma diese Wischi-Waschi Christen besser vorknöpfen, diese Häretiker ;))?

Von Lana hätte ich noch nen Artikel anzubieten: Und zwar geht es darum, wie ihre Eltern über den Heimunterricht zum Fundamentalismus kamen.  Für diejenigen, die hierzulade für die Legalisierung des Heimunterrichts werben sicher eine veritable Quelle, um aus den Problemen dort zu lernen und Systeme zu propagieren, die dem entgegenwirken.

Zum Thema Fundamentalismus paßt vielleicht auch der neuste Artikel von Michael Blume. Darin geht es um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, und wieso Menschen sich gegen „Gutmenschen“ und deren „political correctness“ sowie „Zigeuner“ oder sonstige Gruppen positionieren. Davon kommen wir alle wohl nicht ganz los. Umso wichtiger ist es IMHO, das zu reflektieren.

Wenn es beim Herrn Alipius um „political correctness“ geht, dann sehe ich da keine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit am Werk. Oder doch? Liegt meine Zustimmung zur Ablehnung der „political correctness“ wie sie hier erfahren wird, nämlich als Keule gegen konservativer denkende (und Handelnde) Menschen? Ich hab mich über die Abschaffung der Neger bei Pipi Langstrumpf auch geärgert. Andererseits ist es manchmal vielleicht nötig, Unterschiede „hochzujazzen“, weil sie mit bestimmten Sensibilitäten zusammenhängen. Alle einfach nur gleich zu behandeln, halte ich für falsch, wie ich schonmal geschrieben hatte. Allerdings würde ich auch lieber von gutem Benehmen sprechen, statt von political correctness. Selbst auf die Gefahr hin, daß einige unter „gutem Benehmen“ in Anschluß an frühere Zeiten vor allem Oberflächlichkeiten verstehen, wie Ellenbogen vom Tisch und so weiter. Aber vielleicht seh ich hier auch Probleme, wo gar keine sind.

Ein recht interessantes Projekt ist bei katholisch.de beschrieben (via). Da hat sich jemand die Mühe gemacht, Wortwolken aus den Büchern der Bibel zu erstellen. Das Ergebnis macht nen interessanten Eindruck und ich überleg mir echt, das Buch dazu zu kaufen. Achja, ne eigene Internetseite zu dem Projekt gibt es auch schon.

Eric Djebe ist bei seinem Basisdiskurs Religion bei Artikel 36 angelangt. Es geht um Quantenphysik, Wissenschaftlichkeit, Stochastik, Chaostheorie, und wie das alles mit dem Glauben zusammenhängt. Schwer zusammenzufassen, aber lest selbst.

Über die wahre Bedeutung des Apokalyptischen werden wir bei Biblische Ausbildung aufgeklärt.

Und bei Fire and Rain geht es um die „Homo-Ehe“.

Gesellschaft

Kölner Vergewaltigung

Was genau passiert ist, weiß man wohl noch immer nicht. Mir erschließt es sich jedenfalls nicht unbedingt. Um was geht es?

Eine Frau wurde im Dezember bei einer Party mit K.O. Tropfen betäubt, mutmaßlich vergewaltigt und wurde von zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen (zuerst wohl hier berichtet). Und dann geht es auseinander. Von den Krankenhäusern scheint als Grund angegeben worden zu sein, daß zu der verlangten Untersuchugn zwingend gehöre, daß über die Pille danach aufgeklärt werde und ein Rezept ausgestellt werden müsse. Daß das in katholischen Krankenhäusern nicht möglich ist, sollte eigentlich klar sein.

Läge die Sache so, wäre die Schuld wohl beim Gesetzgeber zu suchen, der einer katholischen Klinik verbietet, katholische Klinik zu sein. Sie dann dafür zu bestrafen, daß sie es doch ist, wäre durchaus etwas heuchlerisch. Das stellte auch Geistbraus fest (via). Durchaus nicht unzutreffend auch, wie er die Berichterstattung darstellt, indem er sich die Szene ausmalt.

Nun sieht es aber eher so aus, daß die Gesetzeslage der katholischen Klinik gar nicht vorschreibt, die Pille danach zu verschreiben, und daß auch die Leitung kein Problem darin sieht, wenn in einem Beratungsgespräch über die Pille danach informiert wird. Jedenfalls liest es sich bei domradio so. Der domradio Text ist auch in anderer Hinsicht interessant: Während im General Anzeiger Bonn noch die Rede davon ist, daß es schon einmal zu Entlassungen gekommen sei betont Meiser gegenüber domradio, daß es zu keinen Entlassungen gekommen sei. Vielmehr sei, so gibt WDR „Krankenhausleitung und Kirche“ wieder, Fehler einzelner Ärzte.

Andernorts war von einem Mißverständnis die Rede. Jedenfalls wird der Fall von allen beteiligten bedauert.

Daß der Mensch immer Schuldige sucht, ist eigentlich recht normal, das kennt man. Daß in unserer heutigen Zeit gerade die Kirche, gerade die katholische Kirche und gerade eine Teilkirche wie das Bistum des in liberaleren Kreisen (und damit auch bei mir) recht unbeliebten Bischofs von Köln gerne als schuldig angenommen wird, ohne die Sache noch einmal zu reflektieren, ist schon weniger normal für eine angeblich aufgeklärte Gesellschaft.

Ich sehe jedenfalls mehrere Szenarien, wie es sich zugetragen haben könnte:

  1. Das Bistum, Meiser und überhaupt alle Beteiligten Katholiken lügen. Die Frau hätte behandelt werden können und müssen und es liegt an der puren Menschenfeindlichkeit aller Katholiken, daß dies verweigert wurde. An der Formulierung sollte man erkennen, für wie wahrscheinich ich das halte.
  2. Es gibt eine gesetzliche Regelung, die das Verschreiben der Pille danach vorschreibt, und die Kliniken haben deshalb die Behandlung verweigert. Diese Variante halte ich deshalb für fragwürdig, weil von der Bistumsleitung selbst bestätigt wurde, daß dies nicht der Fall sei. Damit nimmt sie dem Staat den Schwarzen Peter in dem Fall ab.
  3. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben haben die fraglichen Ärzte, vielleicht aus Unwisenheit, vielleicht aus falschem vorauseilendem Gehorsam oder aus welchen Gründen auch immer, die Behandlung verweigert, ohne „Rückendeckung von oben“. Hierhin deutet die Erklärung des Bistums, wobei nicht Boshaftigkeit angenommen wird, sondern schlicht ein Mißverständnis.

Man kann nun sicherlich anmerken, daß es am Bistum liegt, verständliche und nicht unverständliche Handlungsanweisungen zu geben. Den Schuh muß auf jeden Fall mindestens einmal anprobieren, wer für die fragliche Richtlinie verantwortlich zeichnet. Es war von einer Ethikkommission die Rede. Interesant wäre auch, diese Richtlinie, die mutmaßlich mißverstanden wurde, einmal durchzulesen und sich selbst ein Bild zu machen. Ich habe den Pressesprecher der Kliniken angeschrieben, aber ich bin skeptisch, ob ich eine Antwort erhalten werde. Ebenfalls wäre interessant zu hören, was die betroffenen Ärzte zu dem Fall zu sagen haben.

Abschließend muß aber festgehalten werden, daß der ganze Vorgang furchtbar ist und sowas einfach nicht passieren darf. ebenfalls ist aber festzuhalten, daß dem Bistum oder gar dem Bischof kein Vorwurf zu machen ist, denn soweit ich es sehe wurde von dieser Stelle lediglich die Pille danach verboten, die die Frau aber nicht wünschte, sie hatte das Rezept ja schon.