Theologie

Predigt Ostermontag – 1. Kor 15, 12-20

Liebe Gemeinde,

an Ostern hat Christus den Tod überwunden. Der Teufel und seine Macht wurden gebrochen – entgültig. Seitdem befindet er sich auf dem Rückzug. Immer mehr Menschen glaubten an die Auferstehung.

Immer mehr Menschen wurden frei durch die Gewissheit: Was mir hier an Leid widerfährt, ist nicht das letzte Wort. Wir werden auferstehen.

Manchmal sagt man ja zu Kindern, wenn sie etwas für sie Unschönes erleben:

In ein paar Jahren lachst Du darüber.“

Als ich Kind war, fand ich diese Aussage furchtbar.

Es mochte zwar sein, daß sie stimmte – rückblickend war das zumindest in den meisten Fällen so – aber in dem Moment war ich im Leid, in dem Moment brauchte ich Trost, kein „Heile heile Gänsje“. Mein Leid als Kind war für mich echtes Leid, auch wenn die Erwachsenen schmunzelten. Und manchmal hätte ich mir gewünscht, ernster genommen zu werden in meinem Leid.

Deshalb widerstrebt es mir auch zu sagen:

Angesichts der Auferstehung, werden wir über unser heutiges Leid einmal lachen. Das wäre zynisch.

Wenn ich mein früheres Leid bedenke mag es stimmen – was hat mich damals als Kind und Jugendlicher nicht alles bedrückt, was habe ich mir Sorgen gemacht über Noten, die Versetzung… Liebeskummer… und tausend andere Dinge.

Und trotzdem, auch wenn wir später, wenn wir uns in Gottes Reich wiedersehen, nicht lachen werden: wir werden es ins Verhältnis zu unserem Glück dort setzen. Und dann wird es uns nicht mehr bedrücken, dann wird es überwunden sein.

Der Teufel ist besiegt, die Tod überwunden, und er befindet sich auf dem Rückzug. Aber er ist noch nicht ganz weg. Er versucht immer noch, unser Glück zu zerstören, unsere Freiheit einzuschränken, abzuschaffen. Er versucht, uns wieder gefangen zu nehmen, mit allerlei Leiderfahrungen, die er uns beifügt.

Gestern gab es wieder einen großen Sprengstoffanschlag in Pakistan. In einem Park in der Stadt Lahore ging eine Bombe hoch. Unter den dutzenden Todesopfern und hunderten Verletzten waren besonders viele Frauen und Kinder – und besonders viele Christen, die im Park das Osterfest feiern wollten. Wie jäh hat der Haß die Freude zerrissen!

Ziel des Anschlags war es, so habe ich gelesen, besondern viele Christen zu erwischen. Und spätestens diese Nachricht läßt den Zorn in mir kochen, auf diese elenden Terroristen, diese verdammten Menschenhasser, die ihre Ideologie durchzusetzen versuchen, indem sie unschuldige Familien terrorisieren und ermorden, die ein Freudenfest – das höchste Fest im Jahr – feiern wollen!

Was für ein Abgrund von Verachtung, Haß und Niedertracht!

Und ich bin froh, bevor ich in meiner Wut soweit gehe, den ganzen Islam verantwortlich zu machen, stellt sich mir eine Frage:

Was ist das für eine Ideologie?

Und wie ich so nachdenke, kommt mir die Antwort in den Sinn: Es ist die Ideologie von Sünde, Tod und Teufel. Die Besiegten konnten die Feier des Sieges nicht ertragen, und schlugen zu.

Die Ideologie des Todes ist die Hoffnungslosigkeit, die Isolierung der Menschen, das Leid. Das soll erreicht werden. Das versuchen auch alle Terroristen und alle Diktaturen zu erreichen: Die Menschen kontrollieren, indem man sie voneinander trennt, Mißtrauen sät, und möglichst alle Hoffnung auf eine Besserung nimmt.

Wo diese Ideologie erfolgreich ist, muckt keiner mehr auf, weil er gar nicht die Hoffnung hat, daß sich irgend etwas bessern könnte.

Wo diese Ideologie erfolgreich ist, werden Menschen zu Mitläufern, die selbst Zwietracht säen, die selbst versuchen, andere zu kontrollieren und ihnen die Hoffnung zu nehmen.

Sie meinen, so hätten sie Macht, so hätten sie die Kontrolle und damit ein wenig Freiheit. Doch in Wirklichkeit sind auch sie Gefangene.

So wie die Terroristen von Daesh und Al Qaida. Sie meinen, sie würden Gott einen Gefallen tun, indem sie Haß und Leid verbreiten. Und diesen Gott, der ihrer Meinung nach sich über Terror und Gewalt freut, nennen sie dann noch barmherzig! Sie sind Gefangene ihrer eigenen Ideologie. Wie groß ihre Freiheit ist können sie selbst in dem Moment erkennen, wo sie sagen: Nein, ich werde mich nicht in die Luft sprengen. Ich will lieber mit meiner Familie heute mittag picknicken, oder wandern gehen. Ich will lieber nach meinen alten Eltern sehen. Ich will lieber im Garten arbeiten, damit wir im Sommer mit Freunden und Verwandten seine Früchte genießen können.

Wer als Terrorist sich so äußert wird schnell merken, welche Kontrolle, welche Macht, welche Freiheit er wirklich hat. Nicht einmal Bin Laden hätte sich so äußern können. Ihm hätte das Schicksal gedroht wie jedem Aussteiger aus organisierter Kriminalität und anderen Haßgruppen. Solche Menschen müssen damit rechnen, ermordet zu werden. Und oft gelangen auch ihre Familien ins Kreuzfeuern.

Wahre Freiheit ist das nicht.

Doch welche Macht hat diese Ideologie von Sünde, Tod und Teufel, wenn es eine Auferstehung gibt? Welchen Druck kann man mit Morddrohungen auf jemanden auswirken, der daran glaubt, daß er wieder aufstehen wird?

Der Glaube an die Auferstehung ist das Subversivste, was es gibt. Dieser Glaube reißt letztendlich alle Macht- und Kontrollsysteme ein, weil sie ihre Druckmittel verlieren. Wer den Tod nicht zu fürchten braucht, weil er weiß, daß er überwunden ist, der ist nicht mehr zu kontrollieren. Der ist frei.

Frei Gutes zu tun, weil ihn keiner hindern kann. Frei Gutes zu tun, weil er es kann und keinen Grund mehr hat, Böses zu tun. Wieso niederträchtig sein und Menschen bedrücken, wenn man ihnen auch eine Freude tun kann?

Um das zu verhindern, versucht der Teufel – oder das Böse, wenn man nicht so altmodisch vom Teufel sprechen will, immer, die Hoffnung auf die Auferstehung zu nehmen. Sie zu erschüttern, mit welchen Mitteln auch immer.

Dann wäre es das für die Menschen, deren Leiber in Lahore zerfetzt wurden, gewesen. Dann würde das Leid gewinnen.

Aber Christus ist auferstanden! Lassen wir uns da nicht beirren.

Im Predigttext gestern wurde die Liste der Zeugen genannt: Petrus, Jakobus, die Jünger und Apostel und viele viele mehr, sie alle hatten den Auferstandenen gesehen!

Und dieses Ereignis hat die Welt verändert! So weit, daß es heute rund 2 Milliarden Christen gibt auf der Welt – und die Zahl steigt! Hätten die ersten Christen den Glauben so verbreiten können, wenn sie nicht voll und ganz selbst überzeugt gewesen wären, daß das, was sie erzählten, auch stimmt? Auch ihnen drohte Folter und Tod!

Trotzdem haben sie die Nachricht verbreitet. Auch Paulus. Und der hat in unserem Predigttext heute noch einmal vehement klar gemacht, daß ohne die Auferstehung alles umsonst ist. Wenn es keine Auferstehung gibt, wie einige der Korinther meinten – und so weit weg sind sie da ja nicht vom modernen Denekn unserer Zeit – dann ist alles umsonst, dann ist der Glaube umsonst, dann ist keiner gerettet.

Unser Glaube steht und fällt mit dem Glauben an die Auferstehung. Aber Christus ist auferstanden, deshalb steht der Glaube – und fällt nicht!

Und das gibt Hoffnung, ganz konkret hier und jetzt. Das gibt Kraft zur Subversion, gegen die Mächte des Bösen.
Jesus ist für seine Verfolger und Mörder ans Kreuz gegangen. Und wie gehen wir mit unseren Feinden um?
Gewalt läßt sich nicht mit Gewalt überwinden. Nur Liebe, in der Hoffnung auf die Auferstehung zum Äußersten bereite Liebe, überwindet den Haß.
Die zerfetzten Leiber von Lahore sind nich der Endpunkt. Sie sind nur ein Tiefpunkt, wie das Kreuz im Leben Jesu. Nach dem Tod kommt die Auferstehung.

So bin ich auch irgendwann über meine Wut hinweggekommen. Und ich bekam nun auch Mitleid mit den Terroristen.

Was sind die Terroristen doch für arme Menschen! Die ermordeten Christen auch, doch die haben Ostern gefeiert. Die wußten – und in den Bedrängten Kirchen des Mittleren Ostens ist das Bewußtsein der Auferstehung aufgrund der Bedrohung präsenter als bei uns – daß sie auferstehen würden. Daß die Gewalt der Terroristen nur eine zeitliche Trennung bedeuten kann, so schmerzlich diese auch ist.

Aber die Terroristen? Auch sie glauben an eine Ewigkeit bei Gott, von dem sie in ihrer Verblendung meinen, er würde gut heißen, was sie tun. Und trotzdem müssen sie ihre Familien zurücklassen, und kann sich einer von Ihnen vorstellen, daß eine Mutter oder ein Vater bei ihren Kindern solche terroristischen Handlungen gutheißen könnte? Die Terroristen wissen das, und sie wissen um den Schmerz, den sie ihren Lieben zufügen – zufügen müssen, weil sie gefangen sind.

Was sind das doch für arme Menschen! Und wenn es ganz schlimm kommt, dann kennen sie nicht nur die haßerfüllte Propaganda ihrer Führer, sondern auch den Koranvers, nach dem jeder, der einen Menschen tötet so ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und dann können sie sich denken, was in dieser Ewigkeit, an die auch sie glauben, auf sie wartet.

Was sind das doch für arme, bemitleidenswerte Menschen, die die Ewigkeit verbringen müssen mit dem Wissen um all das Leid, das sie den Menschen zugefügt haben!

Meine Hoffnung ist, daß sie in der Ewigkeit Christus treffen, und er sie wie alle Menschen mit Gott versöhnt und mit ihren Opfern. Und daß der Heilige Geist den Angehörigen der Opfer wie der Täter beisteht in ihrem Schmerz, damit alle Kinder Gottes, auch die verlorenen, mit ihm die Ewigkeit in inträchtiger Liebe zusammen verbringen können.

Amen.

Netzfunde

Netzfunde vom Montag, den 13. Mai 2013

Antje Schrupp hat über die moderne Geschechterselektion geschrieben und auf verbreitete Vorurteile hingewiesen. So verortet sie (bzw. Mara Hvistendahl, die sie in dem Artikel rezipiert) die Herkunft nicht in Kulturen wie denen Süd- und Ostasiens, sondern etwa im westlichen Machbarkeitsdenken. Eine Sache, die mir nicht bewußt war ist, daß etwa in den USA per PID vor allem Mädchen Jungs vorgezogen werden:

Als Grund für die Bevorzugung von Mädchen wird nämlich genannt, dass man sie so hübsch anziehen kann, dass sie fleißig und unproblematisch sind.

Um schön angezogene Mädchen, genauer gesagt, um Schönheitswettbewerbe, geht es beim Herrn Alipius. Dieser kann zwar solchen Wettbewerben nichts abgewinnen, ärgert sich aber darüber, daß man schön nicht mehr schön nennen dürfe. Die Menschen sind nun einmal verschieden, zum Glück, und deshalb auch von ganz unterschiedlicher Schönheit, Klugheit, und was einem sonst noch so als Prädikat einfällt. Mir persönlich fällt es immer schwer, Schönheit auf eine Metrik zu bringen die schöner-als-Aussagen erlaubt. Nach welchen Kriterien wollte man das bemessen? Es können nur subjektiv-willkürliche Kriterien sein. Wenn nun dieser Subjektivismus noch aus Gründen politischer Korrektheit genormt werden soll, wird es spätestens lächerlich. Denn diese Norm von oben kann ja auch nur subjektiv sein. Es bekommt also eine subjetive Norm für Schönheit eine Verbesserung/Veränderung ducrch eine andere subjektive Norm. Und während die erste schon den Anschein von Objektivität erheben wollte (so nehm ich das jedenfalls wahr), müßte die zweite ja noch objektiver (sic!) sein und hätte auch noch den Gütesiegel der Politik. Ich will mir von niemandem vorschreiben lassen, wen ich als schön anzusehen habe. Pamela Anderson zum Beispiel, das Sexsymbol der 90er (also meiner Jugendzeit) fand ich nie sonderlich ansprechend. Und überhaupt, wenn es sowas wie objektive Kriterien zur Bewertung der Schönheit geben sollte, könnten die nur zu dem Ergebnis kommen, daß meine Frau die schönste Frau der Welt ist. Was irgendwie auch allen Schönheitskonkurrenzen die Spannung nehmen würde.

Und dann ha der Herr Alipius noch nen Artikel zu Süßigkeiten, Werbung und Kindererziehung oder so ähnlich. Fazit ist:

Lieber volle Geldbörsen in Chefetagen und Marketingagenturen, als Kinder, die sich gesund ernähren!

Überrascht mich jetzt wenig. Aber vielleicht bin ich auch schon zu zynisch… ist IMHO Folge des Kapitalismus, aber das ist wieder ne ganz andere DIskussion…

A propos Kapitalismus: Bei futurzwei.org hab ich mal wieder von Leuten gelesen, die diesem Paradigma in ihrem Handeln nicht ganz folgen. Da wären einerseits die Damen, die aus Abfall Mahlzeiten für 30 bis 40 Menschen zaubern und sich dagegen verwehren, daß das jetzt revolutionär sei. Oma hat ja auch kein Essen weggeschmissen. Andererseits die Milchbäuerin, die an althergebrachter Wirtschaftsweise festhält und ihre Kühe mit Heu statt mit Silage füttert. Ich hab ja schon öfters geschrieben, daß ich Sympathie für kleinere Einheiten hab. Großindustrie ist Monokultur und Monokultur ist anfällig.

Achja, manche Menschen sind einfach asozial. Oder wie soll man das einordnen?

Bei Ey Lou Flynn gibt’s nen Wettbewerb. Es geht darum zu sagen, warum man Hippiepunk mag. Viel Spaß und viel Erfolg.

Stephen Mattson schreibt darüber, daß man als Christ auch ruhig mal seine Ansichten ändern kann. Eigentlich klar, aber in manchen Kreisen wird man da wohl schnell als Häretiker gebrandmarkt. Soviel zur christlichen Nächstenliebe…

Bei Peter geht es um die Seele und das Leben nach dem Tod. Interessant auch die Kommentare uner dem Artikel.

Was hält der moderne Mensch eigentlich von Rache? Und inweiweit will er Blut sehen? Inwieweit kann er vergeben und wo sind die Grenzen? Morf Morford schreibt über Ariel Castro. Ariel Castro ist derjenige Mann, der in Cleveland drei junge Frauen jahrelang gefangen hielt. Wie soll man ihn bestrafen? Die Todesstrafe scheint zu gut zu sein für so einen. Menschen neigen dazu, in theoretischen Erörterungen liberalere Ansichten zu haben, als wenn es hart auf hart kommt. Und manche reflektieren das noch nicht einmal. So sah ich in einem sozialen Netzwerk einmal ein Profil von einer Person, die gleichzeitig in den Gruppen „Todesstrafe abschaffen“ und „Todesstrafe für Kinderschänder“ war. Selbst als ich sie darauf ansprach, wurde ihr der Widerspruch nicht bewußt, in den sie sich da stellte. Morf Morford weist darauf hin, daß eigentlich, aus christlicher Perspektive gesehen, niemand für sich in Anspruch nehmen kann, ein besserer Mensch zu sein, denn Sünder sind wir alle. Das bedeutet freilich nicht, daß wir Castro nicht bestrafen sollten, daß wir ihn nicht wegschließen sollten. Aber es erinnert uns daran, daß er eben kein Monster ist, weil kein Mensch ein Monster ist, auch wenn er Unaussprechliches getan hat, unsagbar großes Leid für die Opfer und deren Angehörige zu verantworten hat. Er hat es zu verantworten, daran kann, daran darf nicht gerüttelt werden. Aber er hat sich als Mensch zu verantworten, nicht als Monster. Das würde es auch ihm zu einfach machen. Denn was erwartet man von einem Monster, als daß es monströse Dinge tut?

Es sieht so aus als ob demnächst Opfer islamistischer Gewalt heiliggesprochen werden sollen. NBC findet das wohl nicht so toll, weil das könnte ja die Mulsime provozieren. Der Herr Alipius hat dazu ne eigene Meinung. Und ganz im Ernst: Wenn wir uns durch den Terror dazu bringen lassen, anders zu handeln, dann hat der Terror gewonnen. Und ja, ich würde hier lieber von Terroristen statt von Muslimen sprechen, denn Muslime gibt es auch andere, Terroristen werden aber immer jede Gelegenheit wahrnehmen, sich provoziert zu fühlen um ihre feigen Anschläge zu rechtfertigen, diese Hunde!

So, das war’s für heute.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 31. März 2013

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4

Die Engel sprachen zu den Frauen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Lukas 24,5-6

Ostern, endlich! Das Fest der Auferstehung! Wenn wir uns an Karfreitag erinnern, dann stand dort die Verzweiflung im Mittelpunkt, das Zusammenbrechen einer Welt und das daraus sich entwickelnde Chaos. Die Tageslosung sprach davon Gottes Angesicht zu suchen, und das Angesicht Gottes war das des Gefolterten und bald toten Jesus von Nazareth.

Der Tod Jesu am Kreuz schließlich war der Schlußpunkt, spätestens hier endet nach menschlichen Maßstäben alle Hoffnung, die man vieleicht noch auf Ihn gesetzt hatte. Nach menschlichem Ermessen war dort Schluß, die Hoffnung zu Ende, und jeder war zuerst sich selbst der Nächste.

Doch Karfreitag ist nicht die ganze Wahrheit. Das menschliche Ermessen ist nicht alles. Christus ist auferstanden, das Undenkbare geschehen. Er hat den Tod bezwungen, hat die Hoffnung gerettet.

Die heutige Tageslosung spricht davon, daß Gottes Wahrheit, nicht die menschliche, die Karfreitag alle Hoffnung verlieren muß, Schirm und Schild ist.

Wenn Christus auferstanden ist, dann besteht Hoffnung, auch in der hoffnungslosesten Situation. Wenn Er durch den Tod hindurch gehen konnte, so kann Er uns auch hindurch führen, so kann auch für uns noch Hoffnung bestehen, wo nach menschlichem Ermessen alle Hoffnung zu Ende ist.

Der Lehrtext weist darauf hin, wie die Rede von der Wahrheit zu verstehen ist. Wahrheit ist: Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten, Er ist auferstanden.

Ostern ist ein Fest des Triumphes, der großen, ja größten Freude. Ostern ist der Tag, an dem Gott den Tod besiegte, an dem Gott die Hoffnungslosigkeit besiegte. Dieses Ereignis gibt uns Christen Hoffnung auch dort, wo eigentlich keine Hoffnung mehr sein kann. Und diese Hoffnung gibt Kraft aus der Freiheit erwächst.

Wir müssen auf Weltliches nicht mehr so viel Rücksicht nehmen, eigentlich gar nicht mehr. Was immer uns widerfahren mag, was immer uns drohen mag, was kann uns schon passieren? Im schlimmsten Fall müssen wir sterben. Und dann stehen wir wieder auf.

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg? Sünde, Tod und Teufel habe mit Ostern endgültig verloren, haben endgültig ihre Macht über die Menschen verloren, haben kein Argument mehr für die Angst, durch die sie Macht ausüben.

Denn der Herr ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Theologie

Jesus, Mo und der Erste Korintherbrief

Zuerst mal die rechtliche Seite: Folgendes Comic steht unter einer Creative Commons 3.0 Lizenz, wie hier angegeben.

Ich versuche mal, zu übersetzen:

Jesus: Wenn die Evolution wahr wäre, dann hätte es Adam und Eva nicht gegeben, es gäbe keinen Sündenfall und damit keinen Grund für mein Opfer. Das Christentum wäre unwahr!

Mo: Und ohne Adam und Eva wäre der Koran nicht wörtlich wahr und könnte daher nicht das perfekte Wort Gottes sein. Der Isalm würde auf einem von Menschen gemachten Buch basieren.

Barmaid: Ich stimme zu.

Mo: Wirklich?

Barmaid: Absolut.

Jesus: Wow, das war einfacher, als ich dachte.

Mo: Ich denke, wir machen Fortschritte.

Wer die Jesus und Mo Comics nicht kennt: Es geht oft darum, daß Jesus und Mo in der Bar sitzen und mit der Barmaid über Glauben und Religion sprechen, wobei die beiden Herren stets versuchen, die Barmaid vom Glauben zu überzeugen und meist auf ziemlichen Widerstand treffen. Unnötig zu sagen, daß ihre Argumente manchmal recht platt sind, aber es geht in den Comics immer auch darum, den Gottesglauben zu diskreditieren, und das geht halt besser, wenn man Religion vor alem auf die Fundamentalisten beschränkt, aber sei’s drumm. Interesant finde ich, daß es zwischen Jesus und Mo eigentlich ie wirklich zum Streit kommt. Fast schon utopische Zustände. Manchml taucht auch Abraham auf, aber dann sind die beiden meist nicht in der Bar.

Egal, die Pointe dieses Comics sollte recht klar sein: Jesus un Mo gehen davon aus, daß Bibel respektive Koran ja stimmen müssen, und daher muß der Fehler wohl bei der Evolution liegen (auch interessant: niemand stellt in Frage, daß die Nichtexistenz von Adam und Eva das Ende des Christentums bedeuten sollte, aber so funktioniert der Comic nun mal: Es werden fundamentalistische Ansichten zu Grunde gelegt). Natürlich stimmt die Barmaid der Argumentation der beiden zu, ohne jedoch die Voraussetzung zu teilen, daß die jeweilige Heilige Schrift wahr ist, und kann den beiden zustimmen, was die beiden natürlich (sie sind halt auch immer ein Stück weit naiv in dem Comic) nicht kapieren.

Jetzt hat mich ein Kommentar auf der Comicseite etwas zum Nachdenken gebracht: Herm schreibt, daß Paulus auch mal an dem Punkt ar, und die Kurve nicht gekrigt hat, nämlich bei 1. Korinter 15,  13-16:

Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden.

Sieht analog aus: Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferstanden. Paulus führt ein paar Verse später aus, daß wir dann alle verloren sind, weil unser Glaube dann nichtig wäre un wir folglich verloren wären. Düstere Sache. Paulus argumentiert hier gegen die Auffassung in Korinth, daß es keine Auferstehung der Toten geben könnte. Was Herm aber übersieht ist, daß Paulus doch etwas anders argumentiert:

Während bei der Diskussion zwischen Jesus & Mo und der Barmaid lediglich die Argumentation (wenn Evolution, dann nicht Religion und umgekehrt) von beiden Seiten  anerkannt wird, und dadurch noch niemand gezwungen wird, seine Position aufzugeben (auch wenn Jesus & Mo das nicht kapieren), geht Paulus davon aus, daß sowohl seine Argumentation wie auch die Auferstehung Christi von allen anerkannt wird. Daraus läßt sich dann in der Tat folgern, daß es auch eine Auferstehung der Toten geben kann. Paulus sagt also: EntwederIhr glaubt, oder Ihr tut es nicht. Ihr könnt Euch nicht einige Punkte rauspicken und andere auslassen. Das käme dann in die Nähe des Vorwurfes moderner Atheisten an die Gläubigen heutzutage: Es wäre intellektuell unredlich. Paulus sucht nicht, mit der Argumentation Nichtchristen zu überzeugen, wie Jesus & Mo. Er richtet sich an Christen, die mit ihm die Voraussetung teilen (oder teilen sollten) und erklärt ihnen, wieso seine Schußfolgerung, daß es eine Auferstehung der Toten gibt, logisch aus der gemeinsamen Voraussetzung abzuleiten ist. Paulus verpasst also keine Kurven, Herm verpasst aber womöglich den Kontext der Paulus Verse, die er anführt.

Theologie

Der Ertrag der Erlösung

Manchmal braucht man etwas länger. Über einen Blogartikel zu den Sühnetheorien bei peregrinatio kam ich auf einen älteren Artikel dort, in dem es um ähnliche Gedanken geht. Dort hab ich neben Kommentaren von mir (was man alles so im Netz findet) auch einen Kommentar von Eric Djebe gefunden, der mir damals entweder durch die Lappen ging oder der mir einfach zu dem Zeitpunkt nichts sagte. Jetzt wurde ich vor kürzerem im Forum mit der gleichen Frage (?) nochmals konfrontiert, ebenfalls von Eric Djebe, und all dies zusammen führt nun dazu, daß ich meine zu verstehen, auf was er hinauswill. Manchmal brauch ich alt länger. Er formuliert seine Frage so:

Was passiert im Menschen, in seinem Leben, durch diese Erlösung?

Wo versucht jemand zu beschreiben, was mit ihm passiert, was diese „Erlösung“ mit ihm macht?

Die erste Formulierung ist aus dem peregrinatio Kommentar und die letzte aus dem Forum. Mir scheint, als gibt er im Kommentar danach die Antwort auf die Frage aus dem Forum:

[…] man überlässt das Thema mitsamt Röm 8, dem Schlüsseltext dazu, den ‘wiedergeborenen’ Christen.
[…] Wer sich aber wirklich darauf einlässt, spürt sehr genau, dass Paulus hier fast verzweifelt versucht., irgend etwas auf den Punkt zu bringen. Und wenn wir dieses Etwas erkennen würden, würden wir wohl die meisten Kreuzestheologien als mehr oder weniger gelungene Umschreibungen eben dieses existenziellen Geschehens begreifen.

Wenn wir also Römer 8 richtig verstehen, dann haben wir die Antwort auf die erste Frage. Gleichzeitig haben wir soweit von den verschiedenen Kreuzestheologien abstrahiert, um sie alle mehr oder weniger zusammenbringen zu können, indem wir sie als unterschiedliche Beschreibungen des gleichen Geschehens begreifen. Das wäre in der Tat ne tolle Sache, denn ehrlich gesagt komm ich mit Anselms Ansatz nicht wirklich klar und mir begegnen andere, die damit nicht klarkommen, daß ich damit nicht klarkomme, bzw die meine Alternativgedanken ebenso verwerfen wie ich Anselm. Wenn es hier die Möglichkeit eines Ausgleichs gibt, wär das wirklich ein Fortschritt, für mich, für andere, die unter dieser und anderen Trennnugen in der Gemeinschaft der Gläubigen leiden und vielleicht auch für alle anderen Menschen, da so vielleicht ein Ansatz entstehen könnte, wie christlicher Glaube wieder besser verständlich und annehmbar wird. Fast ne eierlegende Wollmilchsau, und ich mein das ausnahmsweise mal positiv.

Also Römer 8. Ich fand den Text immer etwas bis sehr schwierig zu verstehen. aber die Idee, daß Paulus hier verzweifelt versucht, etwas auf den Punkt zu bringen, funktioniert als Schlüssel erst mal recht gut (danke Eric Djebe!).

Pualus spricht von Fleisch und Geist, Tod und Leben, und zu all diesen Begriffen gibt es schon ganze Bibliotheken, die ich jetzt einfach mal außer Acht lasse (abgesehen von dem, was unbewußt doch reinrutscht, weil das ein oder andere dazu hab ich schon mal gelesen). Es ist, so hab ich es im Proseminar gelernt, immer eine gute Idee, sich erst einmal selbst Gedanken zu machen (diese Weisheit wird zwar durch Begebenheiten der letzten Zeit Lügen gestraft – wer die Anspielung versteht, weiß was ich meine) und dann die Sekundärliteratur zu konsultieren. Und da das hier keine theologische Arbeit werden soll (ich bin schließlich kein Sceince-Blogger), sondern ein Blogartikel, überlaß ich Euch diese Konsultation.

In Kapitel 7 schreibt Paulus davon, daß wir einst dem Fleisch verfallen waren. Zu dieser Zeit erregte das Gesetz „sündige Leidenschaften“ in uns (Vers 5). Später betont er dann noch einmal, daß es nicht das Gesetz sei, das eigentlich Sünde ist, sondern die Sünde selbst. Wie dem auch sei sind wir – solange wir dem Fleisch verfallen sind – vom Gesetz gefangen (Vers 6). Das würde den Begriff „Erlösung“ verständlich machen, denn er setzt ja eine Bindung, also eine Gefangenschaft, voraus.

Diese Gefangenschaft ist aber nur so lange effektiv, wie wir am Leben sind, denn Tote sind nicht an das Gesetz gebunden (Vers 1). Bis dahin ist es jedenfalls so, daß man zwar das Gte will aber sieht, daß man immer das Böse tut. Paulus spricht hier vom Gesetz des Fleisches/der Sünde und dem Gesetz des Geistes. Dann, am Ende von Kapitel 7 stellt Paulus die Frage, wer ihn erlöst von sienem todverfallenen Leib (Vers 24). Denn sein Gemüt ist kein Problem, das dient Gottes Gesetz, während das Fleisch, also der Leib, der Körper, dem Gesetz der Sünde dient und darin gefangen ist. Die Lösung, nein, die Erlösng für Paulus ist es also, den Leib und damit das Fleisch und dessen Neigung zur Sünde hinter sich lassen zu können.

Kapitel 8 beginnt nun mit der Feststellung, daß diejenigen, die in Christus sind, keine Verdammnis kennen, weil sie durch das Gesetz des Geistes frei gemacht (erlöst) wurden vom Gesetz der Sünde (Vers 2). Diese Freiheit scheint nicht darin zu bestehen, daß man die Taten des sündigen Fleisches, die man nicht will, loswird (Vers 10):

Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

Es lebt der Geist, tot ist der Leib. Weiterhin. Aber das scheint nicht so zu bleiben (Vers 11):

Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Es wird also eine Veränderung ach der Leiber hin zum Leben geben. Das macht den Eindruck, als ob Paulus aus Kreuzigung und Auferstehung die Hoffnung schöpft, nun bald auch dem Leib nach das Gesetz erfüllen zu können. Das ist es ja, was er in Kapitel 7 beklagte, daß er zwar das Gute tun will, aber das Schlechte tut, daß er es nicht schafft dem Fleisch nach das zu tun, was sein Geist als richtig erkannt hat. Er wollte vom todverfallenen Leib erlöst werden und hier sieht er den Ausweg: Gott macht den todverfallenen Leib lebendig durch Seinen Geist. Interessant finde ich die folgenden zwei Verse:

So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben.
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Mir stellt sich die Frage, wieso wir dem Fleisch etwas schuldig sein sollten. Offenbar sah Paulus das so, sonst hätte er es nicht erwähnt und gleich verneint. Auch interessant finde ich, daß nicht die Rede davon ist, die Taten des Fleisches einfach zu lassen, sondern davon, diese Taten dann zu töten. Dieser Geist in uns jedenfalls sagt uns laut Paulus, daß wir Kinder Gottes sind und damit auch Erben, die mit in die Herlichkeit erhoben werden. Das geht wohl nicht mit dem sündigen Fleischleib. Aus dem Geist heraus weiß Paulus aber, daß die Herrlichkeit trotzdem kommt. Ergo, so verstehe ich ihn, müssen wir diesen Fleischleib, der Paulus so stört, loswerden, von ihm erlöst werden. Dann wäre der sündige Fleischleib das Gefängnis, in das uns die Sünde eingesperrt hat durch das Gesetz.

Dann macht Paulus den Kreis weiter. Die ganze Schöpfung änstigt sich und auch wir ängstigen uns und sehnen uns nach der Erlösung unseres Leibes (Verse 22+23). Dann bringt er aber ein, daß diejenigen, die zu Gott gehören, keine Angst zu haben brauchen, denn sie werden jedenfalls dann auch gerecht gemacht und verherrlicht werden. Gott selbst kümmert sich um sie, und daraus zieht Paulus dann eine überschwengliche Freude (ab Vers 31): Wenn Gott mit uns ist (und das ist Er offenkundig, wenn Er uns gerecht macht und verherrlicht), kann uns eigentlich sonst keiner mehr was. Angst, Hunger, Schwert, Gefahr, alles keine Bedrohung mehr. Niemand kann uns mehr verdammen, wenn Gott uns schon gerecht gesprochen hat. So wie Bundesrecht Landesrecht bricht, bricht Gottes Recht jedes andere Recht. Er ist die letzte Instanz. Abgeschlossen wird das Ganze mit den berühmten Versen 38 und 39:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

In Römer 9 geht es dann um Israel und damit um ein anderes Thema. Zusammengefasst war das Problem des Paulus also vor der Erlösung, daß sein Gemüt zwar Gott folgen wollte, sein Leib es aber nicht tat und wohl auch nie dazu in der Lage war. Paulus muß davor große Angst gehabt haben, wenn man bedenkt, was er später in Anschlag bringt, was uns nichts mehr anhaben kann: Keine Verdammung, kein Schwert und keine Gefahr, kein Hunger, kein Tod kann Angst machen. Ich denke es ist wichtig zu sehen, daß es sich dabei um wirklich angstmachende Faktoren handelt und nicht um eingeredete. Vielleicht könnte man Paulus so übersetzen, daß es ihm um die Verfangenheit des Menschen in der Vergänglichkeit, in der Unsicherheit dieser Welt geht. Denn die Welt ist ja nsicher, und wir kriegen sie nicht unter Kontrolle. Was wir auch tun, wir sind nicht perfekt, wir können uns vor Kriegsangst, Angst ums Überleben etc nicht gänzlich schützen. Die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrhundetre hat hier zwar einiges geleistet, aber auch heute verhungern noch Menschen, und Arbeitslosigkeit ist auch nichts, das man einfach so hinnimmt, wenn schon nicht der Hungertod droht. Wie dem auch sei, der Leib kommt da nicht raus, auch wenn wir dem Gemüt nach gerne anders tun würden wie wir können.

Paulus hat nun den Ausweg entdeckt der darin liegt, Gottes Liebe zu finden, die ihm zwar den Hungertod nicht zwangsläufig erspart (der Tradition nach ist Paulus ja nicht verhungert, aber af andere unschöne Weise zu Tode gekommen), aber Hoffnung auf ein Danach gibt, das so viel schöner und wunderbarer ist als es alles sein kann, was wir hier auf Erden möglicherweise erleiden müssen. Ich denke das ist es, wovon Paulus schreibt. Daß die Gewißheit zu Gott zu gehören zu der Gewißheit führt, daß einem nichts mehr passieren kann, das einen im Innersten bedroht. Denn nach allem, was kommt, und sei es ein furchtbarer Tod, kommt garantiert Gottes Herrlichkeit.

Der Text wurde jetzt sehr lang, hoffentlich nicht zu lang zum Lesen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht einfach nur ne neue Theorie gebracht (oder wohl eher ne alte Theorie aufgewärmt) habe oder tatsächlich ein Stück weit hinter die Theorien zum existentiellen Geschehen vorstoßen konnte. Mir hat es jedenfalls viel gebracht, den Artikel zu schreiben, und ich bin wie immer an Euren Kommentaren interessiert.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 09.12.2012

Das 9. Türchen:

Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. 
1.Samuel 2,6

Und der Lehrtext dazu:

Die Himmelskräfte werden erschüttert werden. Und dann werden sie den Menschensohn kommen sehen auf einer Wolke mit großer Macht und Herrlichkeit. Wenn aber das zu geschehen beginnt, richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung naht. 
Lukas 21,26-28

Die Tageslosung kann zunächst erschreckend wirken: Gott tötet? Sie stammt aus dem Gebet einer Frau, die Gott um einen Sohn bat und ihn bekam. Im Gebet lobt sie die Größe und Macht Gottes, die sich darin erweist, dass er Macht über Tod und Leben gleicher-maßen hat – und bei dem der Tod nicht das letzte Wort hat.

Wie gehe ich mit dem Tod in meinem Leben um? Was gibt mir Kraft zum Leben?

 

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 15.11.2012

Heute mal kurz und bündig:

„Du tust mir kund den Weg zum Leben“ (Ps. 16, 11)

Den Vers versteht man besser, wenn man den vorigen mitliest:

Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen. Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.

Es geht nicht darum, dass es keinen Tod auf der Erde gibt. Es geht darum, dass wir Gott auch im Tod nicht gleichgültig sind.

Lebe ich schon aus dem Vertrauen heraus, dass ich Gott auch im Tod nicht gleichgültig bin?

Erwarte ich etwas nach dem Tod?

Wenn ja: Wie verändert die Erwartung mein Leben, wie gehe ich damit durch den Alltag?

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 10. April 2012

Ostern ist vorbei, ich bin noch etwas müde, morgen geht es zurück an den Studienort, bleibt noch etwas Zeit, die liegengebliebenen Netzfunde der letzten Tage zu bringen.

Eric Djebe hat zum leeren Grab geschrieben, und sein Punkt mit den Frauen hat durchaus etwas für sich.

Der Geier schreibt zum palästinensichen Volk und meint, dies existiere nicht. Dazu will ich selbst nicht viel sagen, sondern Uri Avnerys Entgegnung zur Thematik verlinken.

Mandy hat über die Auferstehung, die Scheidung und die Frage, was nach dem Tod passiert, geschrieben.

Auf dem Hellbound Blog gibt’s nen Artikel über die Sünde. Es geht darum, daß die Sünde unser Problem ist, und nicht Gottes Problem. Wert zu lesen. Im nächsten Artikel soll es darum gehen, was uns zum Sündigen antreibt. Man darf gespannt sein.

Der Herr Alipius schreibt von seinem ersten Ostern als Priester.

Michael Blume schreibt über Judas Iskariot und die Wissenschaftlichkeit von Jura. Er bringt einen interessanten Punkt (auch für die Theologie), indem er von Orietierungswissenschaften spricht.

Nick Baines schreibt davon, wie Jesus die Sache mit der Macht anscheinend ganz falsch verstand. Die Betonung liegt auf „anscheinend“. Und er hat seine Osternachtspredigt veröffentlicht.

Bei peregrinatio gibt’s ein „Politbarometer“ zur Popularität Jesu zwischen Palmsonntag und Karfreitag. Viel interessanter ist noch der dortige Artikel über den Fundamentalismus und seine Beheimatung in der Moderne.

Christian Spließ schreibt über die Aktionen gegen das Tanzverbot am Karfreitag, wobei ich rauszulesen meine, daß er weniger ein Problem mit der (offenen) Diskussion über die Abschaffung des Tanzverbots hat, als mit der Art, in der die Sache beworben wird…

Wolfgang Vögele macht auf eien NZZ Artikel aufmerksam und die Tatsache, daß Vorentscheidungen Einfluß auf Konsequenzen haben. Auch beim Thema Gott und Glauben. Außerdem schreibt er über Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Zoe hat beim Gehn-Test über den Unterschied zwischen dem Oberflächlichen und dem Inneren geschrieben, und daß die meisten Menschen leider nur letzteres sehen.

Walter Jungbauer schreibt über das römisch-katholische Nein zur Priesterinnenweihe und das grundsätzliche Problem der päpstlichen Unfehlbarkeit.

Melissa hat eine neue Serie gestartet, und im ersten inhaltlichen Teil geht es um Transsexualität, die Unkenntnis darüber in fundamentalistischen Kreisen und die daraus entspringenden Fürchte. Ich bin gespannt auf die weiteren Teile, und ich habe größte Hochachtung vor Melissas Offenheit.

Muriel setzt sich mit der Frage einer nach römisch-katholischem Verständnis moralisch vertretbaren Fruchtbarkeitsuntersuchung auseinander.

Und zum Schluß hab ich noch nen Artikel von Stefan Schleim über Kreditkrise, Wirtschaftsboom, Unsicherheit und Flexibilität.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 02.03.2012 (Daniel 2, 22)

a)Er ist Offenbarer der unerforschlichen und verborgenen Dinge b)Er weiß das, was ist in der Finsternis und Licht wohnt bei ihm.

Da das erste Mal eine Losung aus dem Danielbuch stammt, sind hier einige Informationen zum Danielbuch nachzulesen. Die Tageslosung stammt aus dem 2. Kapitel des Danielbuches. Hintergrund ist folgender: Daniel zählt zu einer Gruppe von Israeliten, die nach dem Fall Jerusalems im Exil am Hofe des babylonischen Königs Nebukadnezars leben. Als der König einen beunruhigenden Traum hat, befiehlt er den „Gelehrten und Beschwörern, Zauberern und Chaldäern“ (vgl. Dan 2, 2), ihm sowohl seinen Traum als auch dessen Deutung zu sagen. Als diese es nicht können befiehlt Nebukadnezar, alle Weisen Babylons umzubringen. Daniel jedoch erwirkt einen Aufschub, um dem König Traum und Deutung anzusagen. Er und seine Freunde (Hananja, Asarja, Misael) bitten daraufhin Gott, ihnen das Geheimnis, Traum und Deutung, zu offenbaren und Daniel erfährt in der Nacht von Gott Traum und Deutung von Gott. Aus dem dann folgenden Dankgebet stammt die heutige Tageslosung V. 22b. Was hier über Gott gesagt wird, dass er weiß, was ist der Nacht ist und dass Licht bei ihm wohnt, ist eine generelle Aussage über Gott, die aus einer konkreten Erfahrung gewonnen wurde. Gott offenbart sowohl die Dinge, die unerforschlich sind (die Deutung des Traumes) und die Dinge, die verborgen, d.h. nur temporär unzugänglich sind (den Traum). Das ist möglich, weil Licht bei ihm wohnt und so freilegt wird, was sonst in der Finsternis liegt.

Für Daniel und seine Freunde ist das lebensrettend. Der König macht sie nach Mitteilung und Deutung des Traumes zu hohen Würdenträgern an seinem Hof. Da Daniel zuvor auch um das Leben der anderen Weisen von Babylon gebeten hat, gehe ich mal davon aus, dass auch sie nicht hingerichtet wurden.

Schon da, wo Gott etwas offenbart, wird dadurch Leben vor dem Tod bewahrt. Wenn er sich selbst offenbart sind die Folgen noch viel größer. Dieser Selbstoffenbarung Gottes, die in Jesus Christus, seinem Leben, Sterben und Auferstehen geschah, gedenken wir in der Passionszeit. Seit dieser Selbstoffenbarung wird nicht nur die verhältnismäßig kleine Zahl an Weisen in Babylon vor dem Tod bewahrt, sondern jeder, der an diese Offenbarung glaubt, empfängt das ewige Leben.

 

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 22.2.2012 (Ps. 116, 8)

Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Die Rettung der Seele vom Tod – grade am Beginn der Passionszeit, an deren Ende ja die Überwindung des Todes steht, besteht die Gefahr, diesen Text vorschnell und kritiklos durch eine christliche Brille zu betrachten. Gegen eine solche christliche Brille ist erstmal nichts einzuwenden. Man muss jedoch in der Lage sein, sich durch Hinweise, die der Text gibt, zeitweise von der christlichen Brille zu lösen bzw. die Aussagen, die man aufgrund der christlichen Brille tätigen würde, nocheinmal zu hinterfragen.

Dem Losungstext gehen mehrere Verse voran. Zunächst wird erklärt, dass der Beter JHWH liebt und dieser ihn erhört und aus realer Todesgefahr errettet hat (V. 1-6). In V. 7 wird dann die Seele zur Ruhe gemahnt, da Gott ihr ja Gutes tut. Es kommt dann in V. 8 zu einer Veränderung im Text. Zuvor wurde von JHWH immer nur in der 3. Person gesprochen (V. 1-7), in V. 8 wird nun JHWH direkt angesprochen. Man kann nun sicher über verschiedene Entstehungsschichten des Textes sprechen. Ich aber finde es viel spannender, zu sehen, was der Redaktor hier vermittelt. Sowohl in V. 1-7 als auch in V. 8 lautet die zentrale Aussage: JHWH hat aus Todesgefahr gerettet. Inhaltlich also nichts Neues. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass in 1-7 über JHWH, in V. 8 mit JHWH gesprochen wird. Über JHWH reden hat seine Zeit, mit JHWH reden hat seine Zeit. Der Psalmist spricht im Gebet erst über JHWH, er macht den Hörern und Lesern mit der Rede über JHWH plausibel, warum er überhaupt betet.

Ich glaube, wir können aus diesem Psalm lernen, dass wir uns bewusst machen, warum wir beten – und auch keine Scheu davor haben, anderen gegenüber zu erklären, was uns zum Gebet bringt.

Ich habe zu Beginn von der Passionszeit und der christlichen Brille gesprochen. Die Brille möchte ich jetzt wieder aufsetzen. Mit Blick auf die Situation des Psalmisten ist zu sagen: Er spricht von einem gegenwärtigen, für Menschen fühlbaren Tod – vom leiblichen Tod. Dieser Tod ist auch nach Christi Auferstehung nicht aus der Welt. Gestorben und begraben wird weiterhin. Der leibliche Tod ist ein Schlusspunkt hinter dem irdischen Leben. Doch Christen dürfen auf einen weiteren, wichtigen Punkt Vertrauen: Die Auferstehung Christi. Sie ist der Punkt, der aus dem Schlußpunkt hinter dem irdischen Leben den Doppelpunkt vor dem ewigen Leben macht. Der Entstehung dieses Doppelpunktes gedenken wir in den nächsten 40 Tagen der Passionszeit.