Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom 30.12.2012

Ameleo hat nen Text über Gottes Ohnmacht, der Leuten wie mir, die mit der „Ohnmacht Gottes“ als Begriff nie klar kamen, eine Möglchkeit eröffnen, wie das auch gemeint sein könnte.

Bei Antje Schrupp gibt es einen sehr guten Artikel zu persönlichen Befindlichkeiten, argumentativen Auseinandersetzungen und wie man mit der Unterstellung des einen sich vor dem anderen drücken kann, und dabei noch eine Opfergruppe konstruiert. Oder anders zusammengefasst: „Wie, ich soll Ihnen nicht ins Gesicht schlagen? Tut mir Leid, ich wollte damit nicht Ihre Gefühle verletzen, Sie Mimose!“ Wer jetzt gar nicht mehr versteht, was ich meine, lese den Artikel, der ist echt gut.

Es gibt auch wieder ein paar neue epische church sign fails.

Und der Morgenländer hat ein Lewis Zitat, das den Fokus weg von den anderen Leuten wieder auf einen selbst richtet und uns klarmacht: Wir sind allein mit Gott.

Michael Blume klärt uns darüber auf, wieso wir morgen einen ziemlich ritualisierten Ablauf durchleben werden mit abschließendem Feuerwerk.

Und auch bei TheoPop gibt es einen Artikel zum Jahresende und damit zusammenhängenden religiösen Implikationen.

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Ich hab Recht!

Man begegnet ja Vielem. Vor allem wenn man mit Atheisten über Religion spricht. Das kann sehr fruchtbar werden, wenn wirklich ein Gespräch entsteht. Es kann aber auch einfach nur nerven, wenn durch die Äußerungen des Gegenübers jedes Gespräch unterbunden wird.

Ich rede von Äußerungen wie dieser:

Der christliche Judenhass, der zu Millionen Morden fuehrte, ist nicht eine Folge vereinzelten „Missbrauchs“ des Christentums, sondern gehoerte seit den ersten schriftlichen Zeugnissen bis in die juengste deutsche Vergangenheit zu seinen Kernelementen – bei beiden Kirchen.

Was will man auf so etwas entgegnen? Hier wird ein vermeindliches Faktum vorgestellt. Kein einzelnes Argument wird genannt, sämtliche möglichen Argumente werden als bekannt vorausgesetzt und zusammengefasst. Pickt man sich nun ein mögliches Argument heraus und widerlegt es, hat der Gesprächspartner gleich zwei Möglichkeiten zu erwidern:

Das hab ich nicht gesagt.

Stimmt, er hat eigentlich gar nichts gesagt. Oder:

Auch wenn dieser Einzelfall ein anderes Bild abgibt, so stehen dagegen doch all die anderen Fälle.

Wohlgemerkt, die Fälle werden nicht genannt. So kann man sich auf der mathematischen Gewissheit ausruhen, daß, egal wie viele Fälle man herauspickt, die Gegenbeispiele immer unendlich sind, und daß auch bei 10.000 herausgepickten Gegenbeispielen ∞ immer noch mehr ist als das endliche 10.000.

Das Problem ist, daß der Text keine Aussage enthält, sondern nur Meinung ausdrückt. Und gegen Meinung läßt sich nicht argumentieren. Er ist immunisiert gegen jegliche Kritik, weil er nicht argumentiert für eine Ansicht, sondern eine Ansicht als allgemein anerkannt suggeriert. Vielleicht ist diese Meinung ach allgemein, oder zumindest breit, anerkannt. Gegenüber einem solchen Text hat man dahingehend jedoch nur zwei Möglichkeiten:

  1. Man stimmt dem zu.
  2. Man lehnt ihn ab.

Ablehnen bedeutet erst einmal, anderer Meinung zu sein was den Zusammenhang von Ursache A1 und Auswirkung B angeht. Das kann dann aber ganz anders gedreht werden, nämlich in der Art, daß man Auswirkung B (etwa millionenfacher Mord, Kindesmißbrauch etc) relativieren wolle (nein, man hat bloß den Zusammenhang mit Ursache A1 in Frage gestellt) oder daß man alle Ursachen A2-X, die tatsächlich zu Auswirkung B führen, gut heißen würde und deshalb den Zusammenhang negiert (das geht dann nach dem Muster: Du bist doch auch einer von denen; A1 und alle A¬1 werden dabei einfach zusammengeworfen).

Es hat dabei auch kaum einen Zweck, auf eine Differenzierung der verschiedenen AX hinzuweisen, der Vorwurf der Haarspalterei ist so gut wie sicher.

Mein Problem bei der Sache ist, daß ich meinen Gesprächspartnern meist unterstelle, daß sie sich enrsthaft auseinandersetzen wollen und vielleicht unbewußt solche unangreifbaren Formlierungen bentzen. Ich versuche dann, sie darauf hinzuweisen, greif auch mal zur Illustration ein Beipspiel raus, das in eine andere Richtung zeigt. nd bin dann meist wieder in den genannten Ablauf gekommen, der letztlich zu nichts führt.