Theologie

Apostolikum auf Pfälzisch

Ich bin gerade dabei, einen Mundartgottesdienst auf pfälzisch vorzubereiten (wobei, nicht der ganze Gottesdienst wird in Mundart sein, weil nicht alle Beteiligten pfälzisch sprechen) und mit dem Übersetzen von Standards wie etwa dem Glaubensbekenntnis ist das ja so ne Sache: Geht nicht so einfach, wenn es gut werden soll.

Daher hier nun mein Versuch am Apostolikum auf Pfälzisch (Geschmacksrichtung Südpfalz), für die werte Kollegenschaft zum Kopieren bei Gefallen und für die kundigen Sprecher zur Kritik:

Ich glääb an de Gott
de Vadder, der wu alles kann,
der wu de Himmel unn d’Erd gemacht hott.

Unn an de Jesus Grischdus, sein äänziche Sohn,
unsern Obmann.

Der wu mitgebroocht worre isch vum Heiliche Geischd
unn geboore vum Fräulein Maria,
der wu gelidde hott wächem Pontius Pilatus seine Amtsfiehrung,
der wu gegreizicht worre, gschdorwe unn beedicht worre isch.

Der wu nabgange isch ins Doodereich
unn am dridde Daach widder uffgschdanne isch vun de Doode,
der wu dann nuffgschdiche isch in de Himmel.

Er sitzt an de rechde Seit vum Vadder, wu alles kann.
Dort werd er herkumme, fer iwwer die Läwende un die Doode zu richde.

Ich glääb an de Heiliche Geischd,
d‘ heilich Gemää vun alle Grischde,
d’Gsellschaft vun de Heiliche,
dass de Gott uns unser Fehler nid vorhaldt,
dass die Doode uffschdeh werrn,
unn ans eewiche Läwe.

Amen.

Mit einigen Begriffen bin ich noch nicht so ganz zufrieden, etwa „gezeicht“ für „gezeugt“. Das sagt so eigentlich keiner. Ich kenn da eher „mache“ in dem Zusammenhang:

Der hott re ä Kind gemacht.

Das könnte aber mißverstanden werden in der Weise, daß der Heilige Geist der Schöpfer des Sohnes wäre, deshalb schrecke ich davor zurück. Andere Begriffe könnte man vielleicht ähnlich kritisch sehen.

Stört sich jemand von Euch an einer Formulierung? Hat jemand Verbesserungsvorschläge?

Update: Ich habs ein wenig überarbeitet. Aus Chef wurde Obmann, was mich immer noch nicht ganz glücklich macht (aber immerhin hatte der Obmann historisch auch eine Richterähnliche Funktion).

Die Differenzierung zwischen Auferstehung und Himmelfahrt hab ich mit widder uffgschanne unn nuffgschiche (als Gegenstück zu nabgange, deshalb das „n“) aufgenommen (Danke Gabriele und Nordlicht).

Die Jesus betreffenden Sätze hab ich in Relativsätze umformuliert, was mir als der geschbrochenen Sprache näher vorkommt.

Die Zeugung hab ich umformuliert, „gezeicht“ kam mir wie ein Fremdkörper vor (siehe oben). Im Gespräch mit Nordlicht kamen wir darauf, daß das lateinische concipere aus con=mit und cipere/cepere= Perfekt von capere=fangen ist. Also „mitgefangen“ vom Heiligen Geist in einem weiten Sinn. Evtl besser „mitgenommen, mitgebracht“. Der Heilige Geist brachte etwas, nach damaligem Verständnis den Samen Jesu (von einer Eizelle wußte man damals nichts, die Frau war nur „Acker“ der Leibesfrucht, der Samen kam vom Mann).

Daher versuchte ich das mit „mitgebroocht“ abzubilden. Ergibt freilich nur Sinn, wenn man den dahinter liegenden Gedankengang kennt, sprich: Ganz glücklich bin ich damit noch nicht.

Die Diskussion um Mariens Jungfernhäutchen hoffe ich durch den alten Begriff „Fräulein“ abkürzen zu können. Fräulein war die Bezeichnung für eine unverheiratete (und jungfräuliche) junge Frau bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts. Im Gegensatz zur französischen Mademoiselle benutzte man das Wort jedoch nur für Frauen bis zu einem gewissen Alter (abgesehen evtl von Lererinnen?), was die Bedeutung „junge Frau“ ebenfalls mitbringt.

Vor allem führt der Begriff nicht wie der der Jungfrau sofort in sexuelle Diskussionen, sondern in gesellschaftzliche: Bei nem Fräulein mit einem Kind kommen uns womöglich noch am ehesten die Assoziationen in den Kopf, die damals eine עַלְמָ֗ה mit Kind: Schande, Ehrverlust, gesellschaftliche Ächtung, prekäre Situation.

Wichtig für das Verständnis der Gnade Gottes ist ja, daß Gott auf die Erde kam, und zwar in die niedrigste Niedrigkeit, zu einer uunverheiratet Schangeren, die grad Glück hatte, daß sie einen Mann fand, der sie trotz ihrer Schande ernährte – weil er Gottvertrauen hatte und dem Traum glaubte.