Gesellschaft

Die Freiheit der Abtreibung

Beim Herrn Alipius hab ich davon gelesen und dann auch bei sophophilo: Dem Gebet für Abreibung. Nein, das ist kein Druckfehler

Nachdem ich das dort verlinkte Video gesehen hab, bin ich etwas skeptisch, was die Bewertung von sophophilo angeht. Vielleicht bin ich ja auf die „Propaganda“ reingefallen, weil da recht wenig von abortion die Rede ist, aber ich verstehe das Ganze so, daß die im amerikanischen Umfeld, wo es immer noch ein wenig tabu und igitt ist über Sex und Verhütung zu reden, diese Themen zu thematisieren. Als Protestant hab ich da vielleicht auch teilweise andere Ansichten als ein Katholik.

Was mich hier aber am meisten interessiert ist, inwieweit Abtreibung etwas mit Freiheit zu tun hat, wie sophophilo jedenfalls das Video verstanden hat. In den Zusammenhang fällt dann auch die Frage, ob man für Abtreibung beten kann.

Grndsätzlich, und da unterscheide ich mich nicht groß von den Katholiken, halte ich Abtreibung für verkehrt. Allerdings bin ich für legale Abtreibungen, da ich davon ausgehe, daß ansonsten Kinder illegal abgetrieben werden mit viel größeren Risiken auch für die Mutter. Im Zweifel kommt der Druck von Eltern der werdenden Mutter oder vom Kindsvater. Dies nd mögliche Gefährdngen der Mutter aus medizinischen Gründen sind für mich Grund genug, Abtreibung nicht komplett zu verteufeln, auch wenn ich ihr ablehnend gegenüberstehe.

Die Ablehnung folgt daras, daß Abtreibung eben gerade nicht Freiheit bedeutet, sondern Unfreiheit. Man ist und bleibt bei einer Abtreibung in den alltäglichen Notwendigkeiten gefangen. Man ist nicht in der Lage oder auch nicht willens, sie zu durchbrechen, um eines der größten Wunder zu erleben, die die Welt zu bieten hat: Der Geburt eines neuen Lebens. Frei, und zwar frei von Sorgen und Befürchtungen, die mit der Veränderung der Lebenssituation zusammenhängen, ist diejenige bzw derjenige (der Druck kommt ja oft von den Männern), der sich trotz aller Sorgen für das Kind entscheiden kann. Unfrei ist der, der lieber alles beim alten beläßt.

Es ist dies natürlich ein anderes Freiheitskonzept als man sonst hat. Sonst gilt ja derjenige als frei, der in der Lage ist, seinen alten Trott trotz aller Störungen von außen beizubehalten. Frei ist der, dessen Ketten, mit denen er an die Tretmühle des Lebens angeschlossen ist, nicht zerspringen. Seine Welt ist eingerichtet, so daß er sich mit ihr arrangiert hat, und sie bleibt eingerichtet, solange er nach dieser Art „frei“ ist. Frei bedetet demnach, nicht gestört zu werden. Schlußendlich ist das Ideal die Einsamkeit mit sich selbst in einer Welt, die nach eigenen Vorstellngen eingerichtet ist und läuft.

Ich meine, dies ist keine Freiheit, sondern Knechtschaft unter eigener Knute. Und in diese „Freiheit“ gehört auch die „Freiheit zur Abtreibung“, den die Abtreibung ermöglicht das Beibehalten des status quo.

Dem entgegen verstehe ich als Freiheit, wenn man unbefangen in die ungewisse Zukunft blicken kann. Wenn man losgelöst von allen Zwängen und Pflichten sich für das entscheiden kann, was richtig und gut ist. Und ich kann nicht anders, als Herrn Alipius Recht zu geben, daß ein Baby zum Besten gehört, was einem widerfahren kann.

Deshalb halte ich die Entscheidung zu einem Kind für frei, im Gegensatz zur Entscheidung gegen ein Kind, und nur weil nicht jeder zu jeder Zeit die Kraft zur absoluten Freiheit hat (wir sind alle Menschen und Sünder und nicht perfekt), bin ich gegen ein Verbot der Abtreibungen und für eine Regelung, die auch ide Mütter ernst nimmt.

Das Ideal wäre eine Ermächtigung der Unfreien zur Freiheit. Kein Mensch würde sich unter allen Umständen gegen ein Kind entscheiden, denn ich bin überzeugt davon, daß jeder Mensch erkennt, daß ein Kind zu haben, Mutter oder Vater zu sein, prinzipiell ne wahnsinnig gute Sache ist. Es gibt aber eben diese Umstände, diese Sachzwänge und Sorgen, die Menschen dazu bringen, sich trotz allem gegen das Kind zu entscheiden, weil die Zwänge ihnen ihre Kräfte rauben, die sie zur Freiheit benötigen.

Hier meine ich, muß jede Pro-Life Aktivität ansetzen, und leider sehe ich das kam, sondern leider meist nur Kritik an denjenigen, die Unfrei sind. Statt die Not der Unfreien, nämliche ihre Unfreiheit, anzugehen, geht man die Unfreien an. Ist ein wenig als ob man Sklaven beschimpft, weil es Sklaverei gibt…

Wo sind die kirchlichen Gruppen, die für ein Adoptionsrecht eintreten, das sicherstellt, daß ngewollte Kinder unterkommen? Wo sind die Religiösen, die sich bereiterklären, Kinder afzunehmen, die sonst abgetrieben würden? Wo sind die Pro-Life Leute, die das Sex-vor-der-Ehe-Sünde Gebrabbel einmal sein lassen, und der jngen Schwangeren einfach nur in ihren Ängsten beistehen, nicht nur durch Gebet (so wichtig auch das ist), sondern auch konkret im täglichen Leben, und in den Konflikten mit Familie, Kindsvater und sonstigem Umfeld? Die das Leben in der veränderten Situation erleichtern, und nicht drch Verdammung erschweren?

Nein, man sollte nach meinem Dafürhalten nicht für Abtreibung beten, weil es eben ein Gebet gegen Freiheit ist, aber man sollte auch nicht Abtreibung verdammen und Schwangere stigmatisieren und alleine lassen.